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Blogger atompommes hat gesagt...

Oskar Lafontaine ist mit seiner Einschätzung nicht alleine. Vor kurzem ist ein interessantes Interview mit Jeremy Rifkin, einem US-Ökonomen, in der Stuttgarter Zeitung erschienen ("Langfristig wird die Arbeit verschwinden"): http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/916564?_seite=1 . Und auch immer wieder lesenswert ist "Die Risikogesellschaft" von Ulrich Beck aus dem Jahr 1986.

Aber ich sehe ein: wenn eine Immobilienfinanzierung heutzutage auf 28 oder 35 Jahre angelegt ist (und dabei von permanenter Vollbeschäftigung ausgeht), dabei die Mehrwertsteuer auf 20 Prozent und die Ausgaben für Kraftstoff, Abwasser und Müllabfuhr ständig unverhältnismässig steigen, während für die Kinder üppige Studiengebühren gezahlt werden müssen, dann ist einfach kein Spielraum mehr für Selbstbeschränkungen vorhanden. Oder man kommt ruck-zuck zu einer wirtschaftlichen Scheinprosperität, wie sie in den USA und in Grossbritannien schon heute Realität sind: Wachstum per Kreditkarte. Die logische Folge: Überschuldung von Privathaushalten, Privatinsolvenzen.
Denmächst vielleicht auch in Ihrer CDU-Hochburg.

Unterdessen, in Finnland: meine Firma entlässt im März 8 Leute, der Süsswarenhersteller Leaf schliesst sein Werk in Turku (460 Arbeitsplätze), Nokia schmeisst im Bereich Multimedia in Deutschland und Finnland zusammen 400 Leute raus, der grösste finnische IT-Dienstleister, TietoEnator, entlässt 110 Leute in Finnland und der gegenwärtige Streik in Finnlands Papiermühlen und -fabriken kostet pro Woche 0,1 Prozent des jährlichen Wirtschaftswachstums. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit trotzdem von 10,6 auf 10 Prozent gefallen.
Die Immobilienpreise in der Metropolitan Area (Helsinki, Espoo, Vantaa) liegen bei durchschnittlich 2.386 Euro pro qm; die Mietpreise (Warmmiete) bei 12,86 Euro pro qm (beide Angaben für das Jahr 2004).

Und zum Thema "Grohe": McKinsey. Immer wieder McKinsey. Die eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach China empfehlen, ohne den Kaufkraftabfluss für Lahr und den Ortenaukreis zu bewerten. Entzieht sich ja auch der betriebswirtschaftlichen Verantwortlichkeit. Und schliesslich dient diese Verlagerungsmassnahme ja auch dazu, "langfristig Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern". Chapeau, McKinsey! Euer Management sollte entscheiden, eure Berater-Arbeitsplätze nach Estland zu verlegen. Ein Monatseinkommen beträgt dort etwa 500 Euro. Aber das entzieht sich schliesslich der betriebswirtschaftlichen Verantwortlichkeit. Und sichert langfristig Arbeitsplätze in Deutschland.
Schuldnerberatung, Zeitgestaltung und Altenbetreuung - absolute Boombranchen.

Nachtrag: Au weia! Bin gerade auf das FAZ-Interview mit Hans-Werner Sinn, dem Chef des Münchner ifo-Instituts gestossen (Google: neuwahlen vollbeschäftigung). Also doch: Wachstum auf Kreditkarte. Bzw. staatliche Alimentation von Niedriglöhnen. Die Immobilenpreise in Deutschland dürften demnächst wg. der Zunahme von Baupleiten sinken...

9:55 AM

Blogger great dynamo hat gesagt...

bin sprachlos. absolut. aber nicht nur wegen der oben angeführten kleinen und mittleren desaster, sondern wegen derer im mikrokosmos. und die summe der letzteren ergibt das große. und noch etwas mehr. oder so ähnlich. ohne im moment auch nur einen funken übersicht zu geniesen, würde ich sagen: in einem land, wo einem selbständige arbeit mit 130prozent einsatz im besten fall das einkommen eines mittleren büroangestellten ermöglicht, sollte sich über fehlende arbeitsplätze keiner wundern.

6:34 PM

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