tag:blogger.com,1999:blog-91835235396787788952009-06-23T20:07:44.490+02:00dead wall reveriesLiteratur · Kritik · PhilosophieDWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.comBlogger58125tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-27648534033619587262009-05-11T20:28:00.009+02:002009-05-11T20:42:52.546+02:00Werbepause<a href="http://www.newyorker.com/video?videoID=20855294001">click</a><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-2764853403361958726?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com1tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-25492888965978787292009-02-09T20:47:00.008+01:002009-02-09T20:56:47.938+01:00Allegorien des Nichts - Zu Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel"<meta equiv="CONTENT-TYPE" content="text/html; charset=utf-8"><title></title><meta name="GENERATOR" content="StarOffice 7 (Win32)"><meta name="CREATED" content="20081219;22154200"><meta name="CHANGED" content="20090115;22351300"><style> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --> </style> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Nicht die Handlung, nicht die Charaktere und nicht die Dialoge sind die große Qualität dieses Films, sondern seine visuelle und bildhafte Komposition. Er verleugnet nicht seine Inspirationsquelle aus den bildenden Künsten, den 'Totentanz', und nimmt so die allegorischen Versuche des Spätmittelalters auf, die unsichtbaren und unsicheren Mächte, die das menschliche Dasein (möglicherweise) entscheiden, in konkrete Rollen zu zwingen, mit denen sich spielen <span lang="de-DE">lässt</span> wie mit Holzfiguren auf einem Brett. Gerade der spielerische Charakter derartiger Versuche selbst wird im Film akzentuiert: durch das Schachspiel gegen den Tod, das Theaterspiel der Schausteller, den mehrmals wiederkehrenden Gesang, das Lautenspiel und insbesondere durch den bühnenhaften Habitus dieses Films, der eben keine täuschende Illusion sein will, sondern die Inszenierung des Existentiellen. Ein Kunstwerk also, das seine notwendige und unüberwindliche Distanz zu seinem Gegenstand mitdarstellt, um nicht an ihr zu scheitern. Neben dem <span lang="de-DE">Gott suchenden</span> Protagonisten, einem die kosmische Sinnlosigkeit witternden Kreuzritter, scheint nur der Künstler, im Film durch den Gaukler Jof allegorisiert, mit einem Blick in jene andere Welt begabt, in der der Tod selbst auftritt; wie wenn ihn zwar nicht der Verstand, aber ein Kostüm zu fassen vermöge, nicht der Ernst, aber das Spiel. Mit dieser kreativen Prämisse <span lang="de-DE">muss</span> man diejenigen Szenen des Films ins Verhältnis setzen (so etwa die erste Begegnung mit dem Tod), die auf einen an Eindeutigkeit und storylastiges Heruntererzählen gewöhnten Konsumenten lächerlich wirken müssen durch ihren scheinbaren Ernst: doch wenn bei Bergman der Tod auftritt und sagt: „Deine Zeit ist gekommen“, dann ist das zwar keine Ironie, aber nichtsdestotrotz auch weder ernst noch lächerlich, sondern – in der panironischen Entertainmentära zunächst unverständlich – <i>allegorisch</i> gebrochen. Heißt das wiederum, <span lang="de-DE">dass</span> Bergmans Film unmodern, talmichristlich und regressiv zu nennen wäre? Nein, denn die Allegorien eines Künstlers der Moderne überschreiten immer auch die Grenze zum Symbolischen, Skeptischen, <span lang="de-DE">Unbewussten</span> und Vieldeutigen, das freilich vom modernen Zuschauer mitgeschaffen werden muss, dem nicht gezeigt werden kann was er zu sehen nicht fähig ist. In Bergmans existentialistisch ernst gemeinten Allegorien – ja, doch auch 'ernst', weil er nicht nur unterhalten will – ist aber das Unzureichende als spielerisches Element ebenso sichtbar wie die ihm komplementäre Modernität, die über die Zweidimensionalität der mittelalterlichen Ikonografie weit hinausweist, in traumhaften Visionen, die trotz ihrer Zitate nicht mehr mit heiligen Texten ausgedeutet werden können. Und genau dieses Versagen des weltdeutenden Textes, aus dem auch der Titel stammt, vor den Bildern der Welt, deren Diesseits und Jenseits, Konkretes und Abstraktes der Film auf seiner Bühne ordnend vereint, ist das eigentliche Thema dieses Leinwand-Stücks – ein moderneres, das Medium Film besser erklärendes und legitimierendes kann man sich schwerlich denken. </span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">[Dieser Text ist kürzlich erschienen in der <a href="http://www.filmzentrale.com/">filmzentrale</a>.]</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-2549288896597878729?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com1tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-25762975569575629272008-12-06T16:40:00.014+01:002008-12-06T18:46:52.136+01:00Die Kirche im Dorf - Pro und Contra. Ein Adventsbeitrag.<meta name="CREATED" content="20081205;22232400"><meta name="CHANGED" content="20081205;23260900"><style> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --> </style> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Es gibt Autoren von solcher offenbaren Nichtigkeit, daß es schon ein Verriss ist, wenn man zu ihren Texten schweigt. Gegen sie zu polemisieren sollte nur in der Adventszeit erlaubt sein. Um die christlich-bürgerliche Kadaverharmonie durch eine partisanische Greueltat zu erschüttern, die unter anderen Umständen unmenschlich wäre... Auch der Einwand, manche hohlen Ziele seien gewissenhafter Polemik gar nicht wert, muß im folgenden mißachtet werden. Denn zum Anlaß für Nettes muß ja nicht nur Nettes, sondern kann und sollte Alles und Nichts werden. Und sowenig wie es 'unwertes Leben' gibt, gibt's eine unwerte Polemik.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Das findet auch der bestbezahlte deutsche <a href="http://medienlese.com/2008/06/23/stuckrad-barre-auf-dem-boulevard-benjamins-bluemchen/">Zeitungspraktikant</a> und Sprachrowdy Benjamin von Stuckrad-Barre, dem wir hier erstens nicht weiter die Ehre antun wollen, ihn bei einem so komplexen Namen zu nennen, den auszuschreiben zweitens viel zuviel Zeit verschwendet, so daß wir ihn ab jetzt schlicht <i>Benji</i> nennen werden – ein Nämchen wie ausgedacht für einen professionell pubertierenden Literaturbetriebsbengel. Dem preiswerten Herrenmagazin „Cicero“ hat er irgendwann ein <a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=7&amp;item=2711&amp;do=comment">Interview</a> gegeben, in dem sich der Junge ganz schön doll über <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a1&amp;dig=2008%2F06%2F18%2Fa0042&amp;cHash=8d3512dde0">diejenigen</a> beschwert, bei denen er früher seine Gummibärchen verdient hat, und auch über alle anderen, zu denen ihm nichts einfällt. Darin, daß ihm nichts einfällt, auch zu sonst allem, besteht gewissermaßen seine Sendung: Benji zeigt all denen da draußen, denen auch nichts einfällt, daß <i>selbst sie</i> es schaffen können, dafür auch noch bezahlt zu werden. Damit hat er eine wichtige Position in der Öffentlichkeitsabteilung der kulturindustriellen Müllverbrennung inne.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Ihren Ausgang nahm die dialektische Karriere (das ist eine Karriere, die durch die Person dessen, der sie macht, widerlegt wird) Benjis von zufällig veröffentlichten Schülerstories über Pickel und Liebe mit der stilistischen Aura eines Beipackzettels für Abführmittel. Das meiste seiner Bravoprosa, die gern mit dem Wörtchen 'Pop' etikettiert wird, weil das besser aussieht als 'einlagiges Toilettenpapier' und viel besser paßt als 'Literatur' ohne Pop, ist vom solide-alltäglichen Einfallsreichtum, sagen wir 'mal, eines Mannes, der in seinen Timer unter Montag: „16.30 Zahnarzt“ schreibt. Also einfach, direkt, spontan und autobiografisch. Dorfjugendliche und solche, die es geblieben sind, stehn drauf. Wem Grass halt zu krass ist, der findet seinen knappen Geist in Benjis Sätzen wieder. Er ist der DJ des deutschen Kinderbuchs, und der Beat seiner Schreibe hält in jedem Moment die Amplitude zwischen Trotzphase und Klassenclown. Enden wird seine Karriere sicher dort, wo dialektische Karrieren eben enden: im Wühltisch, im Müll, im Fernsehen, in der Reha – also dort, wo sie schon vorher hauptsächlich stattfand.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">In besagtem „Magazin für politische Kultur“ hat Benji fünf erwähnenswerte Sätze fallenlassen, die uns haben aufhorchen lassen und das Fadenkreuz der DWR-Gesinnungspartisanen in seine Richtung lenken mußten (keine Angst: wir schießen nur mit Tintenpatronen!). Diese Sätze haben ihrerseits die mit uns weder paktierende noch befreundete telegene Kommunistin <a href="http://www.sahra-wagenknecht.de/de/topic/1.deutsch.html">Sahra Wagenknecht</a> zum Ziel und lauten wie folgt:</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><blockquote>Aber es geht auch noch schlimmer [als Andrea Nahles, DWR]: Vor kurzem saß ich im ICE von Berlin nach Hannover, in der ersten Klasse, und ein paar Sitze weiter saß Sahra Wagenknecht. Die hätte ich ganz gern in die zweite Klasse umverteilt.</blockquote></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Und am Ende des Gesprächs:</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><blockquote>Gut fände ich es, wenn die NPD verboten würde, desgleichen Sahra Wagenknechts kommunistische Plattform. Wer sich offensiv gegen unser insgesamt hervorragendes System richtet, dem sollte das Rederecht entzogen werden und auch die Parteienfinanzierung. Im demokratischen Rahmen aber freue ich mich über jede Art von Zuspitzung, allein aus dramaturgischen Gründen. Aus Versehen führt das nämlich hin und wieder zu wahrhaftigen Momenten.</blockquote></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Den letzten Satz kann man zwar auf zwanzig Arten besser sagen, aber auch so stimmt er – sogar so weit, daß sein Sprecher, aus Versehen ihn bestätigend, es gar nicht merkt: Wahrheit ist von derart in die eigene Neurosen- und Ressentimentstruktur verstrickten Bewußtlosen immer nur „aus Versehen“ zu hören, als 'Wahrheit der Krankheit'. Und selbst ein gedankenleeres Haupt wie das unseres jungen Freundes aus der Papierindustrie kann interessant sein, sobald man eine diagnostische Perspektive zu ihm einnimmt, ihn also ernst nimmt als 'Fall'.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">In seiner polemischen Zuspitzung offenbart der rhetorisch freche Lausejunge nämlich, welch gehorsames Kind er tatsächlich ist. Hinter dem narzisstisch-lässigen Gequengel steht ein ichloser Ausbund der Erzogenheit. Ein angepaßter <a href="http://www.christuskirche-bremerhaven.de/hauptamtliche.html#Pastoren">Pastoren</a>sohn, der sogar von den ihn umgebenden Erwachsenen noch mehr Anpassung einfordert. Denn Ordnung ist für ihn schon schwer genug zu halten und zu überblicken, und wer das reale Puppenhaus auch noch gründlich ummodeln will, der (oder die) zieht sich den Haß des braven Knaben zu. Den Stellvertreter-Haß des kleinen Wächters, der auf das große Haus stolz ist, vor dem er frieren darf... Wieso dürfen Kommunistinnen überhaupt in der ersten Klasse fahren? braust es aus dem Pop-'<a href="http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=1715">Dandy</a>' hervor. Sollte etwa seine ganze Arschkriecherei und Medien-Mitläuferei, all die <a href="http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&amp;dig=2004/06/05/a0231">an sich selbst exerzierten Demütigungen </a>seines masochistischen Ego-Stummels umsonst gewesen sein, wenn man auch als radikale Nonkonformistin und aufrechter Mensch in die erste Klasse gelangen kann? Das darf nicht sein und muß verboten werden! – Hach, welche altbekannte Frische weht in der jungen deutschen Literatur, diesmal zur selbstlosen Verteidigung der verordneten Demokratie. Wer freilich den „demokratischen Rahmen“ so eng setzt, daß derjenigen umstandslos das Rederecht verweigert werden solle, die „unser insgesamt hervorragendes System“ negativ bewertet – eine Bewertung, deren polit-ökonomische Argumentation sich weit in der nie erlebbaren Zukunft von Benjis geistigem Entwicklungsstadium abspielt – und so die Arbeit des Verfassungsschutzes noch besser, ordentlicher machen will, der vertritt ganz offensichtlich eine autoritäre Auffassung von jenem („unserem“) System, mit dem er sich so gerne und vergeblich gleichzusetzen wünscht, die seinen demokratischen Rahmen verlassen hat. Nicht in die Richtung einer demokratischeren und freieren Welt natürlich – aber nein, wer käme denn in unserer hervorragenden Zeit auf die Idee? – sondern in die entgegengesetzte.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">So wie es Hippiesöhne gibt, die schlechte Berufssoldaten werden, weil sie sonst künftig nichts Eigenes vorzuweisen fürchten, so gibt es auch die Pastorensprösse, die zu dollen Aufmischern werden wollen: da wird dann schonmal sonntags im Bett liegen geblieben, statt in die Kirche zu laufen, oder expreß ein Kaugummipapierchen aufs Pflaster fallen gelassen etc. Aber keine Angst, Vati, die Kirche lassen sie im Dorf. Und wer sie mal eben im Vorbeigehn anpissen will, dem sagen sie: hey Mann, muß das sein? Find ich nich' so superokeh, ehrlich. Und wer erst die Kirche abreißen und Papi arbeitslos machen will, dem zeigen sie, wes Beffchens Kind sie sind! Wie alle Rebellen, die Provokation statt Kritik üben, kehren sie spätestens dann in den Schoß des Althergebrachten zurück, wenn die Wirklichkeit und Folie ihrer Rebellion tatsächlich erschüttert zu werden droht. Bleibt diese Drohung aus, werden sie trotzdem ein Abbild ihrer Väter, die sie auf dieses Ziel hin erzogen haben, und folgen der ihnen vorgegebenen Entwicklung gemäß der väterlichen Strenge, für die das Aufbegehren nur ein Symptom ist. So daß am Ende alle Schäfchen und Dörfler ruhig aufatmen können, ihre Benjis tätscheln und wahrscheinlich Sachen sagen wie: ein Lausebengel, aber doch ein guter Junge. (Dazu paßt jener peinlich vieldeutige Akt, den Benji bei der Leipziger Buchmesse vorführte, als er Helmut Kohl um ein Autogramm bat, indem er vor dem CDU-Altkanzler <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc%7EEAF028191040F441981CC34C261BEE7E5%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">auf die Knie fiel.</a>..)</span><style> </style> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Daß die jüngste deutsche Literatur durchaus mehr zu bieten hat als solche Schießbudenfiguren für die Heckenschützen der Polemik-Guerilla, darf am Ende unseres Adventsbeitrages nicht verschwiegen werden. Auch das Phänomen 'Pop', durch die US-Kultur des 20.Jahrhunderts längst ästhetisch geadelt, als Begriff in Deutschland aber vor allem ein Etikett für Nischen der Unfähigkeit und Post-Pubertät, ist selbst hierzulande seriöser als Romane übers Plattenhören. Das beweist zumindest Dietmar Dath, der ehemalige Spex-Chefredakteur, FAZ-Mitarbeiter, Romancier, Essayist und Wissenschaftsautor, nicht nur in seinem jüngsten <a href="http://www.welt.de/kultur/article2359438/In-Lenins-Schriften-ist-viel-Nuetzliches.html">Interview mit einer hausbacken provokanten „Welt-Online“</a>. Hier kann man auch nachlesen, wie in Krisenzeiten nur über Kommunismus gesprochen werden kann, wenn man sich das Recht aufs eigene Gehirn nicht längst hat rauben oder abkaufen lassen. </span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-2576297556957562927?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com5tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-3647530549789535732008-11-13T22:38:00.012+01:002008-12-06T18:22:54.173+01:00Obama for change! - Das Marketing der unbegrenzten Möglichkeiten<div style="text-align: justify;">Nach dem griechischen Philosophen Panajotis Kondylis leben wir in einer 'Massendemokratie', in der es zwar kein Eigentum mehr an Menschen, aber auch keine Gleichheit zwischen ihnen gibt: nur eine Masse kulturindustriell abgefertigter, atomisierter Konsumenten, deren soziale, familiäre und politische Bindungen hilflos und beliebig sind. Eine solche massendemokratische Gesellschaft wird von institutionellen Eliten organisiert, deren Öffentlichkeitsabteilung, 'Politik und Medien', vor allem die Aufgabe haben, jenen Widerspruch zu überspielen, der zwischen der ungleichen, ja krisenhaften Wirklichkeit und dem wählerverkäuflichen Programm, den nominell mehr oder weniger sozialdemokratischen Versprechen aller Parteien besteht. – Mit besseren Worten: die intrinsischen Antagonismen der bürgerlichen Gesellschaft, die sich durch die herrschenden Eigentumsverhältnisse trotz demokratisch changierender Verwaltung immer wieder durchsetzen und in ökonomischen Krisen sozusagen rückwirkend offenbaren, werden in der Demokratie des allgemeinen Wahlrechts von eigens dafür bezahlten Parlamentariern und anderen Konsensstimmungsmachern verschwiegen und verschleiert – beziehungsweise, dritte Möglichkeit, oft nicht einmal erkannt.<br /><br />Die Meister dieser demokratischen Verschleierung nennt man im Fernsehen „Hoffnungsträger“. Sie tragen die ohnehin matte Hoffnung der Zuschauer einige Feierabende lang und dann zu Grabe. Zur Erinnerung: Gerhard Schröder war ein solcher Hoffnungsträger, Tony Blair in Großbritannien, Romano Prodi in Italien und Bill Clinton in den Vereinigten Staaten – und jeder von ihnen war eine umso größere Enttäuschung, gerade weil er ein sogenannter Hoffnungsträger war. Ebenso wird es auch dem soeben gewählten Präsidenten Barack Obama ergehen. Denn Obama wird nicht deshalb <a href="http://www.tagesschau.de/inland/obamarede108.html">selbst im Ausland</a> wie ein Messias gefeiert, weil er ein Messias wäre, sondern weil es diejenigen, die ihn feiern, nach einem Messias verlangt.<br /><br />Dabei soll gar nicht bestritten werden, daß Obama ein fast sympathisch schauspielernder Politiker ist und es allem Anschein nach über die Maßen unwahrscheinlich ist, daß er noch mehr verschlimmern könnte als sein Vorgänger. Allein die Tatsache, daß ein schwarzer Einwanderersohn in den offensichtlich doch nicht mehrheitlich rassistischen USA zum mächtigsten Mann der Welt gewählt wird, belegt einen im globalen Vergleich einmaligen Vorzug dieser vielgehassten Republik. Obama ist der erste Sohn (oder eher Enkel) des afrikanischen Kontinents, der überhaupt zum Regierungschef eines – nein: des westlichen Staates schlechthin ernannt wird. Doch dieses Ereignis, so unwahrscheinlich es gewesen sein mag, deutet auf nichts sonst hin als darauf, daß es nun doch nicht so schlimm steht mit den Amerikanern wie der Teutoburger Hinterwäldler es gern hätte. Wenn Frauen, Schwule oder Schwarze (Juden werden bis heute nur in Israel gewählt) es bis ins höchste Amt des Staates bringen, sagt das zwar ein wenig übers Wahlvolk, aber überhaupt nichts über den Gewählten oder die Gewählte; das wird im Taumel um soviel Schein-Versöhnliches allzu gern übersehen. (Womöglich könnte man euphorisierte Massen selbst noch um ein leibhaftiges Kalb versammeln, das, statt geschlachtet zu werden, zuvor zum Präsidenten gewählt worden wäre: wie tierlieb wir doch alle sind!)<br /><br />Auch Obama hat, wie seinerzeit Schröder von Kohl, um einen Vergleich aus der Provinz zu nehmen, vom schlechten Ruf seines unseligen Vorgängers aus dem gegnerischen Lager profitiert, in dessen trübem Schatten auch ein kleines Licht wie eine große Leuchte wirken kann. Bushs Amtszeit war ohne Frage ein beispielloses Desaster, das jedoch keineswegs nur seine Regierung zu verantworten hat: der elfte September und die jetzige Wirtschaftskrise liegen außerhalb von deren Wirkungskreis, auch wenn gern das Gegenteil behauptet wird, und hätten jeden demokratischen Präsidenten ebenso straucheln lassen. Doch auch was die Bush-Regierung tatsächlich zu verantworten hat reicht bei weitem aus, um zu erklären, warum ihr Chef nach CNN-Angaben der „unpopulärste Präsident in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten“ ist: es gibt eigentlich nichts, selbst gemessen an ihrem eigenen republikanischen Programm, was sich im politischen Rahmen der Weltmacht-Verwaltung nennenswert gebessert hätte. Sogar das <a href="ttp://www.epi.org/briefingpapers/168/bp168.pdf">Wirtschaftswachstum</a> war während Bushs Amtszeit durchschnittlich geringer als in den fünfzig Jahren zuvor; und das obwohl die Steuern für die oberen Einkommensklassen in einem Umfang gesenkt wurden, der selbst das berühmte Rettungspaket mit seinen nominellen 700 Milliarden Dollar um weitere 160 Milliarden übertrumpft. Mit der Staatsverschuldung nahmen, anders als verkündet, auch Arbeitslosigkeit und Armut zu. Und selbst Befürworter des Irak-Kriegs, die zwar nicht mit den Massenvernichtungswaffen, aber doch mit nahezu 1,3 Millionen Regimeopfern und 300.000 Kriegsopfern Saddam Husseins argumentieren konnten, müssen eingestehen, daß die Humanität eines herbeipropagandierten 'Präventivkrieges', der 4.000 amerikanische Soldaten und <a href="http://www.blogger.com/%20http://en.wikipedia.org/wiki/Lancet_surveys_of_Iraq_War_casualties">mindestens</a> <a href="http://www.iraqbodycount.org/analysis/beyond/counting-the-human-cost/">60.000 irakische Zivilisten</a> das Leben gekostet hat, um eine grausame Diktatur durch einen unkontrollierbaren Guerillakriegsschauplatz islamistischer Organisationen zu ersetzen, papierne Theorie geblieben ist.<br /><br />George W. Bush, um den sich eine ganze Industrie von Spottartikeln und -publikationen ausgebreitet hatte, war fast vom Anfang seiner Präsidentschaft an der Haßdummie all der Unzufriedenen und Ahnungslosen, deren Kritikbedürfnis mangels theoretischer Befähigung durch jenen Hohn ersatzbefriedigt werden mußte, den der doofe Machtlose über den doofen Mächtigen ausschüttet; an ihm bezeichnet er nicht den gesellschaftlichen Mißstand der Macht, mit der er sich bei anderen Gelegenheiten so gern identifiziert, sondern nur den ihm persönlich näheren Mißstand der Dummheit. Denn welches bessere Mittel gegen die eigene Idiotie gibt es als einen zweiten Idioten zu entdecken, den man sich als den größeren vorstellt, um von der eigenen Klugheit träumen zu können? Zu einem nicht geringen Anteil sind es diese Mechanismen, die jetzt Obamas Jubelvolk antreiben, das schließlich aus denselben massendemokratischen Unzufriedenen und Ahnungslosen besteht; aus Leuten also, die beispielsweise in Kalifornien am Tag der Präsidentschaftswahl <a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,590042,00.html">gegen die kürzlich erst legalisierte Homosexuellen-Ehe votiert</a> haben, kurz bevor sie Obama als ihren Führer in die Freiheit feierten: denn ulkigerweise waren es – Vorsicht, Antirassisten! – 70% der abstimmenden AfroamerikanerInnen, die das Eherecht für gleichgeschlechtliche Partner widerrufen und zugleich einen, den sie für den ihren halten, ins höchste Amt gewählt haben. 'The land of the free' at its best?<br /><br />Obama gibt den destruktiven Verhältnissen ein sympathisches Aussehen, auf daß die Ungeliebten ihnen endlich wieder in die Arme fallen können. Diese tumbe Gemeinschaftsseligkeit spricht sogar mit der Stimme des politischen Gegners, <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,589988,00.html">McCains und Bushs</a>, um alle Amerikaner hinter jenem gesellschaftlichen Projekt zu versammeln, das gerade einmal mehr vernichtend gescheitert ist und das der junge Präsident in eine gloriose Zukunft führen will. Obama und seinem Marketingstab ist es gelungen, die massenwirksame Illusion einer Versöhnung mit gesellschaftlichen Verhältnissen zu erzeugen, innerhalb deren de facto keine Versöhnung möglich ist. Doch bis diese vorerst gut verdrängte Tatsache wieder ans Licht kommt und die Unzufriedenheit zurückkehrt – über zuwenig Geld für zuviele Waren, die einen davon ablenken sollen, daß man immer nur zuwenige von ihnen kaufen kann – wird Obama mindestens eine Legislaturperiode durchregiert haben, auf die vielleicht ein neuer 'Hoffnungsträger' folgen wird, ein neuer 'Wechsel' und eine neue Unzufriedenheit. Denn die Freude über Obamas Wahl hat, wo sie realistisch begründet ist – damit, daß er Bush ablöst, und damit, daß ein Afroamerikaner Präsident werden kann – nichts mit ihm selbst und seiner Politik zu tun. Wo sie jedoch mit ihm selbst und seiner Politik zu tun hat, ist sie nicht realistisch begründet.<br /><br />Barack Hussein Obama wird nicht zum zweiten Mal die Sklaverei abschaffen (und damit sei keineswegs gesagt, daß es sie nicht mehr gäbe). Er wird die Armut, die Arbeit, das Kreditwesen, die Rassendiskriminierung, die Verdummung und die Gewalt ebensowenig einschränken wie künftige Krisen und Krisenherde weltweit. Sein Bonus ist einzig, daß, wenn er das behauptet, zuviele es ihm glauben – und zwar gerade deshalb, weil die Zustände für sie schlecht sind und bleiben. Die amerikanischen (Sozial-)Demokraten leben, wie ihre europäischen Genossen, von einer großen Lüge, die ihnen zuweilen abgekauft wird, wenn der Preis für Lügen niedrig ist, also dann, wenn die Christlich-Konservativen gerade regieren – von der Lüge nämlich, daß alles, so wie es ist, ganz gut sein könnte. Dieser Irrtum hält sich, wie jeder Glaube, gerade durch seine Falschheit am Leben: denn was nicht falsch ist – ist auch nicht ermutigend.<br /><br />Selbst der amerikanische Traum ist eben nur ein Traum, zumindest solange sich zuviele noch darüber freuen wollen, daß sie ihn träumen dürfen. Und sobald es nur ein bißchen knirscht im Gebälk einer auf fundamentale Gegensätze gebauten Gesellschaftarchitektur, liegt der Träumer schon wach und die Wirklichkeit geht ungehindert weiter, als ob Obama nie geboren wäre.<br /><br /><br /></div><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-364753054978953573?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com3tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-58895884527916432722008-11-03T20:19:00.005+01:002008-11-03T20:56:14.561+01:00Matt mit MarxAnläßlich der eben zuende gegangenen <a href="http://www.schachwm2008.de/">Weltmeisterschaft im Königsmord</a> hier eine Partie aus dem Jahre 1867, die bei „einer Gesellschaft des Schachmeisters Gustav R. L. Neumann“ zwischen zweien seiner Gäste stattfand, deren einer ein gewisser Meyer war, der gegen einen anderweitig bekannt gewordenenen Königsmörder aufgeben mußte, in dessen aktuellster Biographie man die Aufzeichnung dieser Partie auch nachschlagen kann (Francis Wheen: Karl Marx. München 2002). Marx spielt Weiß:<br /><br /><br />1.e2-e4 e7-e5<br />2.f2-f4 e5 X f4<br />3.Sg1-f3 g7-g5<br />4.Lf1-c4 g5-g4<br />5.o-o g4 X Sf3<br />6.Dd1 X f3 Dd8-f6<br />7.e4-e5 Df6 X e5<br />8.d2-d3 Lf8-h6<br />9.Sb1-c3 Sg8-e7<br />10.Lc1-d2 Sb8-c6<br />11.Ta1-e1 De5-f5<br />12.Sc3-d5 Ke8-d8<br />13.Ld2-c3 Th8-g8<br />14.Lc3-f6 Lh6-g5<br />15.Lf6 X Lg5 Df5 X Lg5<br />16.Sd5 X f4 Sc6-e5<br />17.Df3-e4 d7-d6<br />18.h2-h4 Dg5-g4<br />19.Lc4 X f7 Tg8-f8<br />20.Lf7-h5 Dg4-g7<br />21.d3-d4 Se5-c6<br />22.c2-c3 a7-a5<br />23.Sf4-e6+ Lc8 X Se6<br />24.Tf1 X Tf8+ Dg7 X Tf8<br />25.De4 X Se6 Ta8-a6<br />26.Te1-f1 Df8-g7<br />27.Lh5-g4 Sc6-b8<br />28.Tf1-f7 Schwarz gibt auf. <br /><br /><br />Nächste Woche an dieser Stelle: Lenins Blitzpartie gegen Zar Nikolaus II.<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-5889588452791643272?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-11553349388097542162008-10-20T22:01:00.014+02:002008-11-07T22:40:21.280+01:00Der Bush war's! Die Deutschen und der 11.SeptemberAuch wer gar keine Ahnung hat – hat eine Meinung. Erst recht eine schlechte. Eine schlechte Meinung von etwas oder besser noch jemandem zu haben simuliert Weltkenntnis und Abgeklärtheit, außerdem noch die Aura eines Charakters, der eben nicht alles mitmacht. Muß man noch erwähnen, daß es jeweils dieselben Charaktere sind, die sich erstens durch Ahnunglosigkeit, zweitens Ressentiments und drittens Mitläuferei gleichzeitig auszeichnen? Nein, muß man nicht.<br />Eins der Lieblings-Meinungsobjekte solcher in der Wirrnis nicht des Alls, sondern vielmehr des eigenen Kopfes Dahertaumelnden ist natürlich die überall von weit unten angegaffte Weltmacht der Vereinigten Staaten. Während auch nur halbwegs vernünftige Leute sich eines einheitlichen Werturteils über eine Nation und erst recht einen ganzen Kontinent enthalten – einfach weil es absurd wäre sich zuzumuten, einen in einem ganzen langen Menschenleben nicht annähernd erfahr- oder erfaßbaren Wirklichkeitsausschnitt angemessen zu beurteilen – verzichten Viele eben nicht auf den wilden Urteilsgenuß, den es bereitet, ganze Weltteile zu richten, auf denen man freilich selbst nicht lebt – und zwar gerade dann, wenn man's gern täte.<br />Die USA sind schon verhaßt gewesen, bevor es sie gab. Seit dem Niedergang der Sowjetmacht und dem elften September 2001 aber, in unglücklicher Verbindung mit der Amtszeit von George W. Bush und seinen kontraproduktiven Anti-Terror-Maßnahmen, stehen sie und damit der Haß auf sie im Mittelpunkt der Zeitgeschichte. Die 'Finanzkrise' tut ein weiteres zur Schwächung der USA und zur Stärkung des Antiamerikanismus. Daß dieser nicht nur – je nach globalem Subjekt – undankbar, neidisch, analphabetisch, irrational, archaisch, provinziell, ahnungslos und klischeehaft ist, sondern auch gemeinschaftsstiftend und bedrohlich, und zwar, mindestens in den westlichen Ländern und der islamischen Welt, bedrohlicher als der US-Imperialismus selbst – der ebensowenig den Haß auf die USA noch verstärken könnte wie eine defensive Regierungspolitik Israels den Antisemitismus eindämmen würde – wird geflissentlich vergessen. Wenn der schwedische Ex-Offizier und nunmehrige Oberzampano des Alterspreises für Schulbuch-Intellektuelle <a href="http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,581610,00.html">Horace Engdahl die US-Literatur der Ignoranz bezichtigt</a>, hat das keine andere Bedeutung als jene, die Salonfähigkeit des Antiamerikanismus in Europa zu belegen. Zwischen der geschmäcklerischen Feuilletonisten-Attitüde und dem Kalschnikows stemmenden Furor, beide nicht wesentlich verschieden in ihrer Aversion gegen die dominierende westliche Moderne, stehen Abermillionen WählerInnen aus dem antiamerikanischen Mittelstand bereit, die so sehr jeden Sinn für politische Relationen verloren haben, daß ihr Abscheu vor Amerika sie mit steinigenden Wüstendiktatoren solidarisiert. Bloß nicht solidarisch sein mit Bush und McDonald's! - mit diesem Reflex werden Al-Quaida und Achmadinedschad gegen die USA verteidigt. Die Antipathie gegen das Unsympathische läßt das Mörderische sympathisch werden. So funktioniert Amerika auch in Deutschland, seit Hermann dem Cherusker ein Fleckchen Erde, auf dem es Wildschweine leichter haben als zivilisatorische Standards. <br />Wer nicht begreift, daß nicht auf der ganzen Erde Westen ist und es durchaus Schlimmeres gibt als schlechtes Essen und blutiges Kino, nämlich gar kein Essen und Folter live, und daß ein acht Jahre regierender Lobbyist einem auf Lebenszeit eingesetzten Schlächter vorzuziehen ist – und daß dies eben nicht impliziert, daß man schlecht essen und Lobbyisten unterstützen muß, weil es unter halbwegs demokratischen Lobbyisten nämlich noch die persönliche Wahl gibt, was man unterstützen und wie man leben will – der könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Deutscher sein.<br /><br />Im Sommer dieses Jahres nämlich hat die internationale Forschungskoalition <a href="http://www.worldpublicopinion.org/">World Public Opinion</a> 16 063 Menschen in 17 Nationen außerhalb der USA danach <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Image:911worldopinionpoll_Sep2008.png">befragt</a>, wer ihrer bescheidenen Meinung – nicht Ahnung – nach die Verantwortung für die Anschläge vom 11. September in New York trägt. Insgesamt glaubten 46% an die offizielle Version (Al-Quaida), 15% meinten, die USA wären's gewesen, und je 7% votierten entweder für Israel oder „some other perpetrator“. Die Deutschen, mit dem bei weitem niedrigsten Prozentsatz an denjenigen Ahnungslosen, die angaben, davon keine Ahnung zu haben (9% versus 56% bekennender Unwissender in China), lassen sich in ihrem Mißtrauen gegen die „US-Regierung“ (23% der Deutschen gaben ihr die Schuld) nur noch von Mexiko (30% der Mexikaner), der Türkei (36%) und – na? – den palästinensischen Autonomiegebieten (27%) übertreffen. Israel dagegen, in Ägypten und Jordanien bei weitem der Hauptverdächtige (42% und 31%), kommt in Deutschland nur auf 1%, also pro Dorf nur zehn Leute, die glauben, die Juden wären an allem schuld... Dreihundertzwanzig weitere ahnen aber wohl sowieso, daß die USA und Israel ja dasselbe sind.<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-1155334938809754216?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-74471614913303456682008-10-16T12:01:00.004+02:002008-10-17T01:42:14.976+02:00Materiale NöligkeitDer Musikjournalist verhält sich zum Journalismus allgemein wie die fehlende Zunge zum Stottern:<br /><br /><blockquote><span style="font-style:italic;">Als Racheengel des Walking-Bass bezwang Marc Ribot im Zeichen der verminderten Quint noch jedes Stück und erfand so auf den großen Alben von Tom Waits und John Zorn die Rhythmusgitarre neu. Wohin es ihn später stilistisch auch trieb: Der Gestus, der Klampfe noch einen letzten Sinn abzuringen, während man schon im Begriff ist, dieser den Hals umzudrehen, umschreibt die Urszene, in der Ribots Ton erzittert. Fünfzehn Kompositionen für Sologitarre als 'Exercises in Futility' zu veröffentlichen mutet da nur konsequent an. Doch diese mit delikater Beharrlichkeit präsentierte Phänomenologie des Klangspektrums und der Betastungsmodi der Konzertgitarre zeigt nur, wie falsch es wäre, Ribots methodischen Nihilismus für materiale Nöligkeit zu halten. </span></blockquote><br /><br />(Alessandro Topa in der FAZ vom 30.9.2008.)<br /><br /><br />Aber wir wollen dieses Thema nicht beenden, ohne einmal kurz den Altpusher der popjournalistischen Metaphernekstasen Dietmar Dath zu zitieren, der in der Rezension eines neuen Heavy-Metal-Plättchens also sprach:<br /><br /><blockquote><span style="font-style:italic;">Die Gangart heißt hier nicht selten Galopp, da trampelt dann eine Herde amphetamingefütterter Bonanzapferdchen die Prärie zu Bruch, und der Erlkönig spuckt Scharlachverwehungen in den Sturm.</span> </blockquote><br /><br />Mensch Popper, prüf doch mal den Wahrheitsgehalt des Satzes<a href="http://www.youtube.com/watch?v=2GHARtSbGRw">!</a><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-7447161491330345668?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-59174156732755696332008-10-03T16:25:00.011+02:002008-10-04T00:33:14.039+02:00Drowning by numbers - die eine Krise der Finanzwirtschaft, des Neoliberalismus und der Sozialdemokratie <meta equiv="CONTENT-TYPE" content="text/html; charset=utf-8"><title></title><meta name="GENERATOR" content="StarOffice 7 (Win32)"><meta name="CREATED" content="20080930;21080200"><meta name="CHANGED" content="20080930;22193500"><style> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P.sdfootnote { margin-left: 0.5cm; text-indent: -0.5cm; margin-bottom: 0cm; font-size: 10pt } P { margin-bottom: 0.21cm } A.sdfootnoteanc { font-size: 57% } --> </style> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"> <br /></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Der Republikaner Jeb Hensarling aus Texas hat die am Montag im US-Kongreß abgelehnte Staatshilfe von 700 Milliarden Dollar für die moribunden Banken als ein <a href="http://www.nytimes.com/2008/09/30/business/30bailout.html?hp">„<i>slippery slope to socialism</i>“</a> bezeichnet. Während die Mehrheit der Demokraten für den Sozialismus votierte, haben zwei Drittel der Republikaner (133/198) die von ihrer eigenen Regierung ausgehandelte Hilfsmaßnahme für die Finanzunternehmen durchfallen lassen – vermutlich vor allem deshalb, um bei den Wählern ihrer Wahlkreise erstens nicht als Steuergeldschänder und zweitens nicht als Sozialisten dazustehen: <a href="http://www.nytimes.com/2008/09/30/business/30bailout.html?hp">„<i>political suicide</i>“</a> wäre das gewesen. </span></span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Und Jeb Hensarling übertreibt keineswegs: als „sozialistisch“ kann man es durchaus bezeichnen, wenn der Staat Teile der Finanzindustrie praktisch aufkauft – denn als Sicherheit für die 700-Milliarden-Hilfe waren Anteile an den Beliehenen verabredet, so daß man zurecht, wie <a href="http://www.sueddeutsche.de/finanzen/697/310625/text/">Herr Piper in der „Süddeutschen Zeitung“</a>, von einer Verstaatlichung sprechen kann. Für die nicht nur auf republikanischer Seite hegemonialen Neoliberalen nicht nur im US-Kongreß eigentlich inakzeptabel; 'eigentlich' deshalb, weil die Alternative zum Sozialismus die gar nicht unwahrscheinliche Gefahr darstellt, daß weitere Großbanken kollabieren und die Krise letztlich, durch eingeschränkte Kreditvergabe an Unternehmen, auf die reale Wirtschaft übergreift. Also Massenarmut oder Sozialismus? Wohl kaum, denn wer einen riskanten Gratis-Kredit an trudelnde Finanzriesen aus dem Steuerfonds als „Sozialismus“ bezeichnet zieht einen bildhaften Vergleich, den man nicht allzu ernst nehmen darf.</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Doch was wäre die Alternative zum notwendigerweise übereilten und möglicherweise ergebnislosen Einsatz von fast 5% des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts – was etwa 1,5% dessen ausmacht, was die Welt in einem Jahr (2004) erwirtschaftet – auf die roten Zahlen des Finanz-Roulettes? Eine weiter fortschreitende Kettenreaktion von Zusammenbrüchen, vor der letztlich weder das Ersparte noch die Renten hilfloser US-Bürger sicher sind, Insolvenzen in der realen Sphäre, Massenentlassungen, und all das in abgedämpfer Form auch in Europa – das kann man zwar sicher nicht als „sozialistisch“, aber auch kaum als bessere Entscheidung oder irgendwie 'volksnäher' bezeichnen.</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Dieses Dilemma ist nicht zufällig, sondern politisch erzeugt. Es ist planvoll und risikobereit realisiert und ausgebaut worden. Denn die Situation, in der die Bevölkerung gar keine Wahl und die Regierungen nur die Wahl zwischen zweierlei Schädigung ihrer Bevölkerung haben – Steuerversenkung oder Verarmung – ist das Ergebnis jahrzehntelanger globaler und nationaler Wirtschaftspolitik unter neoliberalem Diktat, i.e. einer Herrschaftssituation, die durch strukturelle Markt-Mechanismen, immer weiter akkumulierte Kapitalinteressen und einen kaum mehr überschaubaren Lobbyismus hergestellt und aufrechterhalten wird. <a href="http://www.glasnost.de/oeko/huffsch2.html">Seit Mitte der 1970er Jahre ist mit der Aufkündigung fester Wechselkurse und einer immer begeisterteren Deregulierung der Kapitalmärkte</a>, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch gegenteilige Maßnahmen stabilisiert worden waren, der Spielraum für riskantes Finanzinvestment erst politisch geöffnet worden – mit den gegenwärtigen Folgen. Kaum ein Ökonom leugnet das heute. In der aktuellen Krise werden die Fehler der Banken inzwischen sogar von <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/interviewsinn2.html">denselben Ökonomen</a> als vermeidbar dargestellt, die bis dato gerade ihre prophylaktische Vermeidung für den größten ökonomischen Fehler gehalten haben: mehr Regulierung oder zumindest bessere Regulierung fordern selbst die pseudowissenschaftlichen Anhängsel der sogenannten „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ – 'Deregulierung' zu fordern, wie bei zahllosen Gelegenheiten zuvor, scheint selbst ihnen momentan nicht günstig.</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Aber was heißt das schon? Die emanzipierte Gesellschaft wird damit nicht ausgerufen. Ganz im Gegenteil sogar führt die gegenwärtige Krise letztlich doch nur zu einer Neujustierung der Finanzmärkte, die den Kapitalismus in eine stabilere Phase eintreten läßt, von der die anti-neoliberalen Kapitalismusakzeptierer wähnen werden, daß sie gerechter sei. Hierzu sei einmal die in den ökonomischen Belangen ihrer Herrschaft perfekt ausdressierte Kampfhenne der FAZ, Fräulein <a href="http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc%7EEF7E62B2A8DAC48EEAAF20ECB4B0E66A5%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">Heike Göbel zitiert</a>:</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><i>Selten war die Stunde günstiger für eine Abrechnung mit den Anwälten einer liberalen Marktordnung als in dem Moment, in dem die Wall Street - Inbegriff des Kapitalismus - vorübergehend verstaatlicht wird. Doch das Triumphgeheul könnte sich rächen, weil es die falsche Erwartung nährt, Politik sorge dafür, dass künftig alles besser werde. Auch Steinbrück geht ja nicht so weit, die marktwirtschaftliche Ordnung als solche in Frage zu stellen. Wer die Vorteile des dynamischen Wettbewerbs will, der den enormen Wohlstandszuwachs in der Welt ermöglicht hat, der muss mit den Nachteilen leben - und Rückschläge bis hin zur Krise aushalten</i>.“ </span></span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Barmherzig übersehen wir die stümperhafte Stilblüte des 'sich rächenden Triumphgeheuls', um zunächst einmal einen Moment lang innezuhalten und uns zu verneigen vor der kaltblütigen Opferwilligkeit dieser Frau, die um nicht näher bennenbarer “<i>Vorteile des dynamischen Wettbewerbs</i>“ willen (<a href="http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,515377,00.html">unbezahlte Überstunden</a>? <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=42723107&amp;top=SPIEGEL">unbezahlte Praktika</a>? <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nettolohn-soll-auch-kuenftig-niedrig-bleiben;1327488">Lohnstagnation</a>? <a href="http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2008/report2008-01.pdf">Billiglöhne</a>? <a href="http://www.sanatorium-kilchberg.ch/uploads/media/feel_01_06_siemens.pdf">Burn-Out-Syndrom</a>? <a href="http://www.vpsm.de/statistik.html">Mobbing</a>? <a href="http://europa-im-blick.de/spip.php?article82">Abbau von Arbeitnehmerrechten</a>? asoziale Wirtschaftlichkeit an <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=2731">Universitäten</a> und <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/wissenswert/wenn-wettbewerb-toetet;1398039">Krankenhäusern</a>? <a href="http://www.welt.de/print-welt/article467075/100_deutsche_Firmen_lieferten_Ruestungsgueter_an_den_Irak.html">dynamischer Waffenhandel mit Islamisten</a>? oder gar die <a href="http://uk.rottentomatoes.com/m/saw_4/news/1649688/no_tricks_with_jigsaws_fate_in_andquotsaw_ivandquotspoiler_alert">Marktführer</a> der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zAx8ckNuRyA&amp;feature=related">Unterhaltungsindustrie</a> für den lauschigen Feierabend?) offenbar im Ernstfall selbst den Verlust ihrer angesparten Rente hinzunehmen gewillt <i>wäre</i>. Verneigen wir uns auch, kurz, vor dem messianischen Potential einer Redakteurin für Wirtschaftspolitik, die von solcher Unkenntnis beseelt ist, daß ihr gar ein „<i>enormer Wohlstandszuwachs in der Welt</i>“ vorschwebt. Welche Welt sie damit meinen mag? In dieser jedenfalls ist die Tendenz sowohl in den 'ökonomisch sich entwickelnden Staaten', wie der hungernde Teil der Welt im Regierungssprech heißt, als auch in den Industriestaaten <a href="http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2082">gerade gegenläufig</a>: sieht man einmal von <a href="http://www.undp.org/poverty/stories/pov-award06-china.htm">China </a>ab, das wohl keine Wettbewerbsdynamikerin als liberales Musterbeispiel würde anführen wollen, ist die Anzahl der in 'absoluter Armut' </span></span><style>} P { margin-bottom: 0.21cm } --></style><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">mehr oder weniger Lebenden (von weniger als 1 $ pro Tag) <a href="http://siteresources.worldbank.org/INTWDR2008/Resources/2795087-1192453208155/Overview-fig.-1-%28Large%29.gif">in absoluten Zahlen gestiegen</a>, die Anzahl der von weniger als 2 $ pro Tag Lebenden ('<i>moderate poverty</i>' nennt das die Weltbank) </span></span><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">gleichfalls, und obwohl dieser Prozentsatz in den vergangenen dreißig Jahren gesunken ist, beläuft er sich heute noch auf <a href="http://www.unmillenniumproject.org/documents/3-MP-PovertyFacts-E.pdf">55 % der Weltbevölkerung</a> – eine Zahl, die seit 2001 wieder wächst; anteilig hat sich die 'absolute Armut' jedoch weder im subsaharischen Afrika noch in Lateinamerika, weder in Osteuropa noch in Zentralasien oder Teilen Südasiens seit 1980 auch nur um einen halben Prozentpunkt verringert, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Percentage_living_on_less_than_$1_per_day_1981-2001.png">sondern teils sogar krass verstärkt</a></span></span><sup><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote1anc" href="http://www.blogger.com/post-create.g?blogID=9183523539678778895#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a></span></span></sup><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">. In den Industrieländern, deren Armut nicht schon durch Einführung des Pflugs oder Brunnenbau statistisch abgeschafft werden kann und die allein deshalb einen besseren Maßstab für die Beurteilung etwaigen 'Wohlstandszuwachses' abgeben, weil außerhalb von ihnen ja überhaupt keine Prosperität existiert, die zunehmen könnte, ist ein solcher „<i>enormer Wohlstandszuwachs</i>“ schon gar nicht mehr belegbar: <a href="http://www.usccb.org/cchd/povertyusa/povfacts.shtml">in den USA</a> ist die Zahl der Armen seit 2000 um sechs Millionen gestiegen; <a href="http://www.jjahnke.net/armut.html">in Deutschland</a> steigt das <a href="http://www.sozialpolitik-aktuell.de/datensammlung/3/ab/abbIII15.pdf">Armutsrisiko</a> seit fünfunddreißig Jahren tendenziell stetig (von 8,7% 1973 auf 13,5% im Jahr 2003), die <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung106152.html">Reallöhne sinken</a>, und während das <a href="http://dokumente.linksfraktion.net/pdfmdb/7761399160.pdf">Nettoeinkommen</a> der reichsten 10% der Bevölkerung zwischen 1992 und 2006 um 31% gestiegen ist, sank das des ärmsten Zehntels um 13%. Damit verfügt in Deutschland das reichste Zehntel der Bevölkerung über 56% des gesamten <a href="http://www.boeckler-boxen.de/images/impuls_2008_10_4-5.pdf">Privatvermögens</a>, während die ärmere <i>Hälfte</i> des Landes über nur noch 2% des Privatvermögens verfügt – in den USA würde dieses Verhältnis allerdings von manchen schon als „<i>slippery slope to socialism</i>“ gewertet. Genau diese Verteilungsstatistiken sind es, welche die liberale Wachstumspropaganda konterkarieren: denn <i>gerade weil</i> das <a href="http://www.faz.net/s/RubB68124FE2ED744D88E5FFDDE5CCC5090/Doc%7EE92FC2579ACB643A5969E6E0C66BFE0BD%7EATpl%7EEcommon%7ESMed.html#A58541A2B76145B18DF425640D6B482B">Welt-Bruttoinlandsprodukt</a> in immensem Maße wächst – allein in den letzten zehn Jahren hat es sich nahezu verdoppelt – ist es umso offensichtlicher, daß das solchermaßen wachsende Wirtschaftssystem eben <span style="font-style: normal;">nichts</span> mit dem Wohlstand der Menschen zu tun hat, der im selben Zeitraum gesunken ist – und ist es umso rationaler, umso legitimer, umso nötiger und umso realistischer, einen Wohlstand für alle zu fordern, wie es ihn bisher nicht gab und schwerlich geben konnte. Wie alle Liberalen, die sich in der Öffentlichkeit als Humanisten gerieren, wo sie doch nur Humankapitalisten sind, lügt auch Fräulein Göbel 'Wachstum' schlicht zu 'Wohlstand' um. Aber „<i>Wohlstandszuwachs</i>“, das muß die verantwortliche Redakteurin des FAZ-Wirtschaftsressorts vielleicht auch erst noch lernen, ist eben nicht äquivalent mit steigendem Bruttoinlandsprodukt. Und die wortwörtlich mangelhafte Wirtschaftsform, in der genau das zwingend <i>nicht</i> der Fall ist, nennt man – na? Richtig, Göbel: Kapitalismus.</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Doch auch wenn man nicht halb verstanden hat, worum es beim Kapitalismus geht, kann man immer noch einem Sozialdemokraten in dieser Frage weiterhelfen. Der versteht nämlich noch weniger. Den immanenten Widerspruch aller Sozialdemokratie (auch und gerade außerhalb der SPD), gegen eine Wirtschaftsform zu agitieren, die man doch nur genau so weit verändern möchte, daß sie sich eben gar nicht ändert, sondern ihre asoziale, Menschen zu menschlichem Kapital degradierende Tendenz beibehält – den hat Frau Göbel ganz nebenbei perfekt pointiert. <i>„Auch Steinbrück geht ja nicht so weit, die marktwirtschaftliche Ordnung als solche in Frage zu stellen.“</i> Das zu verschweigen, aber dennoch so zu tun, ist Steinbrücks Aufgabe als sozialdemokratischer Finanzminister – in der momentanen Krise <i>scheinbar</i> ein widersprüchliches Amt, das unser Peer aber genauso sicher meistern wird wie der Putzgruppen-Pazifist den Jugoslawienkrieg; und sind denn das nicht lehrreiche Belege für die Macht der Strukturen und die Ohnmacht der Personen? Innere Widersprüche sind eben keine, und ein kurzes Flackern des Gewissens, während man den Abzug drückt, wiegt leichter als ein Furz. Doch ein Soldat, der nicht den Abzug drückt, ist bald keiner mehr – und wer will <i>in Krisenzeiten</i> schon den Job verlieren? „<i>Wer die Vorteile des dynamischen Wettbewerbs will“</i><span style="font-style: normal;"> muß, wenn er den Wettbewerb verliert, die Klappe halten – anstatt einer Partei beizutreten, die den Wettbewerb kritisiert, an dem sie selbst teilnimmt. Damit trifft Göbel </span>die Sozialdemokratie und alle ihre Sympathisanten, denen auch keine Alternative zum mehr oder weniger freien Markt einfallen will, an ihrer empfindlichsten Stelle. Die 'Godesberger Krankheit', längst in ihr Endstadium eingetreten, wird diese Mischung aus gutgemeinter Dummheit und bauernschlauem Karrierismus ungefähr dann aus den Parlamenten hinwegraffen, wenn nach einer selbstzufriedenen Regulierungsphase die nächste Krise ansteht. Denn auch der Neoliberalismus ist nicht abwählbar durch eine sozialverträgliche Kapitalismus-Verwaltung: eine solche gibt es nicht und hat es nie gegeben, sie ist nichts weiter als die gute Fee aus dem sozialdemokratischen Märchenbuch, das man den Schmuddelkindern zum Einschlafen vorliest. Reguliert werden muß nicht die <i>Peripherie</i><span style="font-style: normal;">, sondern</span><i> </i>das <i>Zentrum</i>, damit sich die krisenhaften Zustände ändern.</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <br /></p> <div id="sdfootnote1"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote1sym" href="http://www.blogger.com/post-create.g?blogID=9183523539678778895#sdfootnote1anc">1</a>Diese Zahlen sind schwer zu erheben, von vielerlei rechnerischen Kriterien abhängig, schwierig zu vergleichen und nicht zuletzt politisch umkämpft. Als Quellen benutzen wir daher nicht zufällig die UN und die Weltbank, also Institutionen, die man kaum globalisierungskritischer Zahlenspiele bezichtigen kann; und auch deren Zahlen reichen aus, um ihre Politik anzugreifen. - Anders als Lori Wallach in seinem Aufsatz über die WTO im „<i>Schwarzbuch Globalisierung</i>“ (hg. v. Mander/Goldsmith, München 2002) wollen wir hier nicht verschweigen, daß <i>„die Befürworter der WTO“</i> auch dann damit recht haben, daß der Anteil der 'absolut Armen' an der Weltbevölkerung zwischen 1981 und 2001 zurückgegangen ist, wenn man Chinas Entwicklung aus dieser Rechnung herausnimmt; im Gegensatz zu Wallach haben wir uns die Mühe gemacht, das auszurechnen und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß auch ohne China die 'absolute Armut' weltweit von 28% im Jahr 1990 auf immerhin 26% (statt mit China 21%) im Jahr 2001 zurückgegangen ist, während sie im Jahre 1980 noch bei 40% gelegen hat; ja selbst die globale 'moderate poverty' (weniger als 2 $ pro Tag <meta name="CREATED" content="20080930;21080200"><meta name="CHANGED" content="20080930;22193500"><style> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P.sdfootnote { margin-left: 0.5cm; text-indent: -0.5cm; margin-bottom: 0cm; font-size: 10pt } P { margin-bottom: 0.21cm } --></style> ist von 67% im Jahr 1981 auf 53% 2003 gesunken (Chen/Ravallion: "<span style="font-family:TimesNewRoman,serif;">How have the world’s poorest fared since the early 1980s?“ The World Bank Research Observer 2004</span>. <span style="color: rgb(0, 0, 128);"><u><a href="http://www.undp.org/povertycentre/publications/poverty/Chen_Ravallion_WBRO_fall_2004.pdf">http://www.undp.org/povertycentre/publications/poverty/Chen_Ravallion_WBRO_fall_2004.pdf</a></u></span> S.15). Diese Fortschritte zu leugnen ist das Anliegen derer, die zur Pflege ihrer pubertären politischen Identität die These 'Kapitalismus/Globalisierung ist böse' gegen manchen Widerstand der Realität aussitzen müssen; wessen politisches Denken sich auf Transparenten erschöpft muß sich eben kurz fassen... Ihnen sei ein großer Sohn des Kapitalismus vorgelesen, der schrieb: <i>„Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterten Kommunikationen alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation“</i> und <i>„[e]rst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann.“</i> Nichtsdestotrotz kann man weder aus dem Innovationspotential des Kapitalismus seine endgültige Legitimation (vgl. ebenfalls Marx) noch seine zivilisatorischen Verdienste von einer <i>„liberalen Marktordnung“</i> ableiten, wie sie ohnehin erst ab den 1970er Jahren politisch Gestalt gewinnt; wenn zur 'Schaffung eines freien Marktes' in Entwicklungsländern zunächst einmal Straßen und Schienen gebaut werden müssen, kann man die darauf sich einstellenden Verbesserungen wohl kaum dem Neoliberalismus gutschreiben. - Eine rigide und präzise Kapitalismuskritik sollte sich daher, ohne die tödliche Armut agrarischer Regionen zu übergehen, dennoch auf jene Zustände in den ökonomisch zivilisierten Ländern konzentrieren, an denen das wesentlich Unmenschliche dieses Wirtschaftssystems erst sichtbar wird, das neben dem oft prähistorischen Kampf abseits jeder Zivilisation noch menschlich <i>wirkt</i>, ohne es zu sein. <br /></p><p class="sdfootnote" align="justify"> <br /></p><p class="sdfootnote" align="justify"> <br /></p><p class="sdfootnote" align="justify"> <br /></p> </div> <div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-5917415673275569633?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com6tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-69651855264043318132008-08-26T20:28:00.005+02:002008-10-03T19:07:53.980+02:00Und täglich grüßen die Reformen<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><b>Ursachen und Aussagen der Reform-Ideologie in der deutschen Tagespresse. Sprachkritische Überlegungen.</b></span></span></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><b>1. Rahmenbedingungen: die Meinungswirtschaft</b></p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Menschen mit historischem Bewußtsein, deren Denken und Fühlen nicht restlos in der fetischisierten Produktwelt aufgeht und die zur gesellschaftlichen Gegenwart noch jene kritische Distanz pflegen, die sie zuallermindest aufgrund ihrer Gewordenheit verdient, wird bei der Zeitungslektüre regelmäßig auffallen, wie sehr sich Aktuelles wiederholen kann. Sobald man sie mit etwas mehr Verstand liest als sie verträgt, erscheint einem jede tägliche Ausgabe wie ein schlecht verhüllter Widerspruch: die Neuheit, deren Verkauf überhaupt erst die Existenz von Tageszeitungen begründet, wird bezahlt, ohne verkauft zu werden – und zwar nicht nur, weil die Verkäuflichkeitskriterien eine bestimmte Content-Menge ausfiltern, die so immer wieder in möglichst geringen Variationen verkauft wird.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Folgt man der üblichen Trennung zwischen Information und Meinung, welche die Zeitung als quasi-automatisierte Faktenfirma mit kommentierender Belegschaft vortäuscht, so wiederholen sich selbst die informationsbetonten Texte, denen vor allen anderen die Pflicht zur Neuheit zufällt: ob durch die Fokussierung aufs wahlstrategische Einerlei aus dem Erziehungscamp der deutschen Innenpolitik, wo eine volkspädagogische Alibi-Debatte nach der anderen angezettelt wird und fast achtzig Millionen psychosozialer Problemfälle mit Verlautbarungen zum Germanenaussterben, zu Kindergrundrechten oder Managergehältern beschäftigt werden; oder schlicht durch die Vorhersehbarkeit gewisser ökonomischer Entwicklungen, längst vorgeformter Metamorphosen des Kapitals, die etwa in Form von Entlassungsmeldungen auf der Titelseite überraschen sollen. Schon daß Ereignisse dieser Art in der Schlagzeile als rechtmäßig ausgerufene Neuheiten geprägt werden, deren jeder einzelnen seine Aufmerksamkeit zu widmen wichtig sei, verschleiert den Charakter eines Wirtschaftssystems, in dem solche 'Neuheiten' überhaupt keine Ereignisse, sondern konstitutive Eigenschaften darstellen. Es ist albern, nachdem man ins Wasser gesprungen ist, Aufmerksamkeit dafür zu verlangen, daß man tatsächlich naß geworden ist. Gerade das ist aber Zeitungsamt. Was die Meinungstexte anlangt, so wiederholt sich das Gelesene natürlich noch viel häufiger. Die Meinung steht ja gewissermaßen in komplementärem Gegensatz zum Neuen, auf das die Tagespresse trotz Internet noch immer Anspruch erheben muß, um nicht erfolglos mit Wochenzeitungen, Magazinen oder dem Buchhandel konkurrieren zu müssen. Ihre Ausformulierung impliziert einen unbewegten Standpunkt, einen Aktuelles überdauernden Maßstab, an dem sich das vorbeiziehende Zeitgeschehen messen läßt. Das ist jedoch die schwächste Ursache für mitunter satzgenau redundante Meinungstexte.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Gerade die großen überregionalen Tageszeitungen, die durch ein eigenes Profil im Konkurrenzkampf zu bestehen und vordefinierten Lesern zu entsprechen versuchen, definieren sich über jene Redundanz, die notwendig ist, damit man die Zeitung über einzelne Artikel hinaus als einen und denselben Text lesen kann, dessen <i>Kohärenz</i> eben genau ihr <i>Profil</i> ausmacht. Die Zeitung X muß als X erkennbar sein, wenn sie den Leser binden, also den Schein erwecken soll, daß man an ihrer Statt nicht ebensogut Y kaufen könnte. Diesen Schein erweckt sie vor allem durch Meinung. Sie ist beinahe schon die ganze Identität eines Blattes, macht die Zeitung inhaltlich erst zu <i>einer</i> Zeitung, sie ist das Bindemittel zwischen einzelnen Beiträgen, Ressorts, Ausgaben und nicht zuletzt Anzeigen, die dem Profil der Zeitung entsprechen</span><sup><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote1anc" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a></span></sup><span style="font-family:Times New Roman,serif;">. Meinung ist für eine überregionale Zeitung der politische Vorwand für ihre Wettbewerbsfähigkeit: sie ist wesentlicher Bestandteil der Marke, die es, wie man in der Werbesprache radebrecht, 'zu kommunizieren' gilt. Der Markt bestimmt sozusagen einen Soll-Wert der Zeitungsmeinung, ein Zu-Vermittelndes, das die faktisch publizierte Meinung bestimmt, die wiederum die Meinungsbildung der Leser beeinflusst, welche so letztlich zu ebenjenen Ansichten tendieren, die ihnen verkauft werden, damit sie einen Grund haben, sie auch weiterhin zu kaufen. Diese Zweideutigkeit des Konsums, der das Bedürfnis befriedigt und zugleich neu schafft, haben schon Horkheimer und Adorno für die Kulturindustrie als „Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis“</span><sup><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote2anc" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></span></sup><span style="font-family:Times New Roman,serif;"> benannt. </span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Sobald sich dieser Zirkel geschlossen hat und zwischen Zeitungskauf und Lesermeinung sozusagen eine reflexive Kausalität besteht, ist der marktstrategische Idealzustand eingetreten: die <i>Identifikation</i> mit dem Produkt, in diesem Fall des Lesers mit 'seinem' Blatt (ablesbar zum Beispiel am ostentativen Parken pseudo-anspruchsvoller Printmedien mit dem Titelblatt nach oben auf dem Nebensitz im ICE oder auch an der schlau ins Zentrum der Identifizierung zielenden Werbung einer Tageszeitung, die bei Lektüre die von ihren Lesern imaginierte eigene Klugheit zu bestätigen verspricht). Im Unterschied zu anderen Marken vom Unterhosenhersteller bis zum Nationalstaat, aus deren betriebswirtschaftlich justierten Selbstdarstellungen („Deutschland AG“) sich die Leute ihre illusorischen Identitäten zusammenkehren, besteht jedoch bei Zeitungen tatsächlich nicht nur eine eingebildete Identität zwischen Leser und Blatt; schließlich teilen beide in manchen Fragen dieselbe Meinung, die dem Pendler auf der Zugfahrt seine eigene Interpretation der Demokratie, die mitzugestalten freilich erst die Pressefreiheit möglich macht, erspart und ihm den Kopf freihält für Kredite und den gemütlichen Fernsehabend.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Es entspricht nicht ganz der Auflagenlogik, daß die mühsam kommunizierten Meinungs-Marken überregionaler Tageszeitungen so nah beisammen liegen, daß sie sich regelmäßig überschneiden und dem Profilierungszwang der Blätter zuwiderlaufen. Im Bemühen um die Leserschaft der Mitte sind die Zeitungen – ganz ähnlich wie die Parteien – ebenso wie alle anderen Konkurrenten am totalen Markt dazu gezwungen, sich den sogenannten 'kleinsten gemeinsamen Nenner' zu teilen, der in Wahrheit der größte gemeinsame Teiler ist, durch den man alle potentiellen Kunden dividieren kann: denn je größer die Menge an Individuen ist, die eine Ware ansprechen soll, desto allgemeiner muß natürlich das Bedürfnis sein, das sie befriedigt, das heißt auf desto weniger Eigenschaften eines Individuums muß sie zugeschnitten sein (ist sie beispielsweise auf <i>alle</i> Eigenschaften eines Individuums zugeschnitten, wird sie sich auch nur, in diesem hypothetischen Fall, <i>ein einziges</i> Mal verkaufen können). Für eine Zeitung heißt das: je weniger sie abweicht von dem, was die Leser schon kennen, desto leichter gelingt dem Leser die Identifikation. Je mehr sich die Zeitung einstimmt aufs Unisono der herrschenden Meinung, der aus Allem, was Massen erreicht, sprechenden, stetig repetierten Antworten auf gesellschaftliche Scheinfragen, desto besser wäre ihre Ware – müßte sie nicht zugleich ihre Profilierung einhalten, welche sozusagen die parallele Anforderung an die Zeitungsware ist. Dieses scheinbare Dilemma löst man durch das bekannte Vorgehen, daß man einfach dasselbe anbietet wie die Konkurrenz, nur mit anderer Verpackung. Schließlich ist </span>das Spektrum nicht nur <span style="font-family:Times New Roman,serif;">nach unten begrenzt, durch den Kunden, sondern auch nach oben: der Gesinnungsspielraum in gewissen Feldern ist eng für Zeitungen, die nicht nur Auflagen steigern, sondern auch zahlungskräftige Anzeigenkunden akquirieren, Stellengesuche von Marktführern für Führungskräfte schalten und vielleicht in Umfragen unter Opinion Leadern mithalten wollen.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Allein über solche Marktmechanismen pflanzt sich schon die Ideologie von Arbeit, Staat und Neoliberalismus in den eigentlichen Zeitungstext fort, ohne daß es dazu erst der angepaßten Subjektivität eines Lohnschreibers bedürfte. Die schon in Schulbüchern den großen Blättern zugewiesenen politischen Richtungswerte wie „linksliberal“, „konservativ“ oder gar „links“ realisieren sich im Meinungstext der Medien lediglich als Stilunterschiede im selben Konsens. Gerade in Wirtschaftsfragen wird man zwischen gespielten Antipoden wie FAZ und SZ faktisch keine oder nur zufällige Differenzen ausmachen können. Sobald es dann um sogenannte Debatten oder grundsätzliche Erwägungen geht, die mit aktuellen politischen Auseinandersetzungen verknüpft werden, und man sich unter solchem Vorwand einmal mehr auf die Grundfragen unserer westlichen Gesellschaft bezieht, fällt eine inhaltliche Redundanz auf, die so weit reicht, daß man zu bestimmten Fragen ohne Not heute dieselben Leitartikel, Kommentare, Kolumnen und Interviews abdrucken könnte, die vor fünf Jahren schon einmal erschienen sind.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Einer der unbestreitbaren Hits unter diesen Fragen – mit derart hoher Redundanz-Rate, daß an den meisten Zeitungstexten dazu weder der Autor noch der Zeitpunkt des Erscheinens erraten werden könnte – ist das 'Reformthema'. Sobald es in einem Massenmedium eröffnet wird, beginnt jenes Meinungs-Scrabble mit ganzen Sätzen, das dem desinteressierten Publikum als demokratische Kultur verkauft wird: als wären Thesen und Argumente vorher vom Orwellschen Ministerium für Wahrheit ausgegeben worden, werden sie nicht ernsthafter als Spielsteine auf dem Brett der öffentlichen Meinung arrangiert, wobei der Sinn der 'Argumentation' vorab durch die Spielregeln der nicht zu verletzenden Produktionsweise festgelegt ist, deren Konsolidierung ja überhaupt das Spielziel ist.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><b>2. Reformehrgeiz: die Wirtschaftsmeinung</b></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Mustergültiger Beleg dieser ewigen ideologischen Wiederkehr ist ein Ende letzten Jahres von der F.A.Z. veranstaltetes Interview mit dem ersten Mustermann im Staat Horst Köhler, der am Spielbrett mit fischeresker moralischer Augenweitung „eine politische Bilanz des Jahres 2007“ zieht, und zwar unter dem pseudo-nonkonformistischen Titel: „Zur Freiheit gehört Ungleichheit“. <span style="font-family:Times New Roman,serif;">Das Interview, das vom F.A.Z.-'Hauptstadtchef' Bannas und natürlich einem der Herausgeber Kohler geführt wurde, beginnt mit der allgemeinen Einleitungsfrage: „Herr Bundespräsident, war 2007 ein gutes Jahr für Deutschland?“ Und man ahnt, nein man <i>kennt</i> schon die Antwort des Weltbankers Köhler, die er leicht variiert auch auf jede weitere Frage mit derselben bauchrednerischen Selbstverständlichkeit wiederholen wird, mit der sie von Seinesgleichen seit etlichen Jahren auf ähnliche Fragen wiederholt worden ist: ja, aber – das heißt nicht gut genug. 'Ja' zu Deutschland („Deutschland ist ein gutes Land“), 'aber' zu seiner noch immer nicht verwirklichten national-ökonomischen Utopie. Denn seit dem Ende der Konfrontation mit dem Realsozialismus, die es einem schwer werden ließ, die marktwirtschaftliche Perspektive bis ins Utopische zu verlängern, ist die ehemals antipodische Rhetorik von der Neuen Gesellschaft, die gerade erst zu entstehen beginne und keinesfalls angezweifelt werden dürfe, in den kapitalistischen Diskurs eingegangen.</span> Nach diesem eschatologischen Dogma hat der Kapitalismus noch nicht einmal begonnen, und alle scheinbaren Nachteile sind nur solche einer Einleitungsphase, die man noch gar nicht kapitalistisch nennen könne, da sie noch traditionalistisch geprägt sei. Erst die überfälligen Reformen führten weiter und immer weiter auf dem Weg zum Heile aller Menschen, das man sich wohl als ein Corporate-Identity-Paradies mit globaler Vollbeschäftigung und verelendeten Marsianern vorstellen muß.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family:Times New Roman,serif;">Der Schwabe in mir ist nie ganz zufrieden“, gibt sich Köhler, ehemaliges Mitglied der 'Normannia' Tübingen, stammesbewußt. Denn „der Ökonom [in ihm, Köhler, S.B.] weiß: Der Aufstieg Asiens hat erst begonnen“, und die von dort unwettergleich („Am Kunjunkturhimmel ziehen Wolken auf“) heranstürmenden gelben Horden werden nicht zögern, aus den Schädeln deutscher Reformschluffis ihren Siegestrank zu schlürfen. „Deshalb wünschte ich mir mehr Reformehrgeiz.“ (Konjunktiv!) Von wem? Von unserer ersten Person im Plural natürlich: „Wir investieren – materiell und immateriell – immer noch zuwenig in die Zukunft unseres Landes.“ Da ist sie wieder, die Deutschland AG: das Vaterland als Aktie, in die man 'immateriell investiert', um am Ende natürlich, wie bei Aktien üblich, als glücklicher Mitgewinner seine (immaterielle?) Dividende abschöpfen zu können. Welch ungeheure immaterielle Wertschöpfung das doch <i>damals</i> gewesen sein muß, als man derart immateriell in sein Land investierte, daß es schon wieder in der Materialschlacht endete – wahrlich goldene Zeiten im Vergleich mit unserem heutigen materialistischen Pluralismus von Reformdeserteuren! Denn das ist inzwischen selbst F.A.Z.-Herausgebern aufgegangen, daß sich das Gerücht, hinter der Reformbeterei könnte sich außer Bigotterie nicht viel Heiliges und überhaupt nichts Heilbringendes verbergen, auf ärgerliche Art unter dem Pöbel verbreitet hat, und so fragen sie besorgt ihren Oberherausgeber: „Das Wort 'Reform' scheint zu einem Unwort geworden zu sein. Die Koalitionsparteien scheuen es wie der Teufel das Weihwasser. Woran liegt das?“ Aus einem Katholikenmund wie dem des Redakteurs Bannas kommt einiges zu seinem Sinn, wenn „Reformen“ mit Weihwasser und ihre Gegner mit dem Teufel verglichen werden. Solche bildgewordenen Assoziationen sagen mehr als tausend wohlgesetzte falsche Worte: wandelt sich doch plötzlich eine nüchtern-vernünftige „Reform“ vom demokratisch legitimierten Gestaltungsmittel zur geoffenbarten Glaubenswahrheit, die bekanntermaßen nicht von unten kommt, sondern auf Gipfel-Treffen von höheren Wesen an ihre Propheten und von diesen ans niedere Volk weiterverkündet wird. Da weckt es doch gerechten Zorn mitanzusehen, wie die Menschen um goldene Kälber tanzen statt fromm vom Materiellen abzulassen und als Arbeitskräfte wie als Konsumenten es gering zu achten, auf daß sie dereinst reich (immateriell!) entlohnt würden – in <i>jener</i> Welt, der nimmer Reformen bedürftigen! Doch das grassierende Heidentum droht dieses Ende allen irdischen Elends noch um ein paar Jahre zu verzögern. Der Reformatheismus, graust es Köhler und seine Jünger, greift um sich in Deutschland. „Wir“ sind aus ihrer orthodoxen Perspektive längst vom Glauben, anders gesagt: vom „Wir“ abgefallen. Was notwendigerweise nichts mit irgendeiner politischen Hellsichtigkeit der Deutschen zu tun haben kann als vielmehr mit ihrer Fähigkeit, Kontoauszüge zu lesen. Denn daß das Wort „Reformen“ nicht mehr ist als der Oberbegriff für eine Reihe wirtschaftsliberalistischer Maßnahmen, die zum Abbau von Arbeitnehmerrechten und Sozialleistungen, zu sinkenden Reallöhnen bei steigendem Leistungsdruck und zur sozialen Ausgrenzung immer weiterer Bevölkerungsteile führen, das muß man ebensowenig verstehen wie der Ackergaul die Physik der Peitsche, die er zu spüren bekommt. Verärgert über dessen Sensibilität muß sich der Bauer gar am Ende noch um seine Marktfleckenführerschaft sorgen. Was soll er also tun? Reden kann man mit dem Gaul nicht. Man muß ihn <i>sanfter</i> <i>zwingen</i>...</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Der Glaube an <span style="font-style: normal;">die Sache</span> muß die Unannehmlichkeiten übertäuben, damit alle bei der unannehmlichen Sache bleiben. Denn die Sache selbst steht außer Frage wie nur irgendein Absolutum. Verkündigungen stimmen zwar, lassen sich aber leider nicht beweisen, diskutieren oder gar abwählen, sie erscheinen in Stein gemeißelt und müssen nicht konsistent begründet, sondern missionarisch verbreitet werden. Und das ist eine Frage der PR – 'Propaganda' sagt man ja nicht mehr. Folgerichtig antwortet der Präsident auf die bange Frage seiner Missionare nach dem Grund des deutschen Reformunglaubens streng: „Wir haben ein Problem mit dem Erklären, warum Reformen notwendig sind“ (das „wir“ steht jetzt, statt für die Einheit von Sprecher und Publikum, plötzlich nur noch für die Klasse, deren Interessen der Apell an die Wir-Nation verhüllt). Dieses haarsträubende Argument, das jedem logisch subtileren Schimpansen die Tränen in die Augen treiben würde, ist in den letzten Jahren von zahllosen Politikern, Wirtschaftsvertretern, Verbandsfunktionären und ihrem parasitären Medien-Umfeld aus Leitartiklern und Werbepausenvorbereitern mit einer Selbstverständlichkeit nachgebetet worden, daß es nach Zensur schriee, wenn es denn nicht schon Zensur wäre. Tatsächlich findet man schwerlich einen Satz von einem ihrer Repräsentanten, der in solcher unwillkürlichen Prägnanz die „Demokratie“ – denn man muß sie allein dieses tausendfachen Mantras wegen schon in Anführungszeichen setzen – als reine Kulisse beschreibt.</span> Wer so unvermittelt die Vermittlung als das eigentliche, ja einzige Problem benennt, der ignoriert geflissentlich all die Probleme, welche die Bevölkerung, deren Probleme wahrzunehmen die eigentliche und einzige Aufgabe des Sprechers wäre, ganz offensichtlich mit seinen „Reformen“ hat. Schon wenn Köhler sagt „<i>wir</i> haben ein Problem“, übergeht er dreist, um wessen Problem es sich dabei tatsächlich handelt, nämlich um das seines nominellen demokratischen Souveräns, dem er keine Mitsprache mehr einzuräumen scheint (nicht nur hierin sind Köhler &amp; Co. formal Leninisten). Doch wenn die Deutungshoheit darüber, was ein Problem für jemanden darstellt, nicht einmal mehr beim sogenannten Individuum liegt, sondern bei den Unternehmensführungen und -beratungen, nach deren Begriffen es veranschlagt wird und „Reformen“ überhaupt erst „notwendig“ werden, darf man sich dann nicht getrost als deren Eigentum bezeichnen? – Nein, darf man nicht. Sowenig wie ein eigenes Leben, nach dessen Zielen er eigene Probleme ausmachen dürfte, wird dem Sklaven das Recht zugestanden, Sklave zu heißen: man nennt ihn lieber „Bürger“. </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Daß die „Reformen“ selbst und was sie scheinbar notwendig macht ein Problem sein könnten, nämlich für diejenigen, die sie vor allen zu spüren bekommen, und zwar eines, zu dem es Alternativen gäbe, wenn man sich denn darüber verständigte, das wird so einhellig verneint, daß es schon gar nicht mehr erwähnt wird: in allen genannten großen Tageszeitungen, deren erste Sätze aller Kommentare überhaupt nach diesem Vorverständnis erst einsetzen, mit dem Apriori aus Fetischisierung und ideologischem Konsens, wäre ein grundsätzlicher Zweifel an Reformpolitik ein Zeichen von unseriösem Rabaukentum. Wer sich geschäftsmännisch kleiden will, darf eben die Krawatte nicht auslassen. So verkommt auch ein Interview wie das der F.A.Z. mit Köhler unweigerlich zu einem verständnisinnigen Treffen, bei dem alle Fragen, die den Namen verdienen, längst vom ideologischen Apriori beantwortet und verstummt sind, so daß nichts mehr zu tun bleibt als jene Floskeln des rhetorischen Abnickens auszutauschen, die daraus folgen. Weil so vieles gar nicht mehr zur Diskussion steht, ist nur noch wenig übrig, das man diskutieren kann, und will man aus diesem Wenigen jeden Tag eine Zeitung zusammenstellen, wird man sich zwangsläufig täglich wiederholen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Fest im Glauben, zweifeln die Kreuzritter sogenannter 'Sachzwänge' nicht eine Sekunde lang an 'der Sache', wie man früher schon sagte, wenn man Vernunft und Verblendung nicht mehr unterscheiden konnte, und sind deshalb auch frei von Schuld und Skrupeln, wenn die ein- und andere Million an materiellen Humaninvestitionen der nun einmal notwendigen Sache geopfert werden und so zumindest einige Menschen nicht mehr dafür zu begeistern sind. <span style=""><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Ihr Unwille hat dann aber plötzlich nichts mehr mit der Sache zu tun, dies schließlich wert wäre, sich für sie zu opfern, sondern damit, daß sie die werte Sache und den Sinn des Opfers schlicht nicht <i>sehen</i> – was ganz danach klingt, als ob es um eine immaterielle, sozusagen geistliche, womöglich gar nicht vorhandene Sache ginge, deren Seher und Verkünder seit alters <i>blind </i>sein können, weil sie statt zu sehen <i>Visionen</i> haben. </span></span></span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Nicht nur mit diesem Dogma von der gegen jeden Einwand immunisierenden Utopie, die alles Leiden („Reformen müssen wehtun“) auf dem Weg zu ihr legitimiere, weil sie in historischer Zukunft das Leiden insgesamt beenden wird, wenn man nur jetzt nicht umkehrt, sondern wacker durchhalte, erinnern demokratisch kostümierte Neoliberale an den von ihnen zum düstersten Negativ verwischten Realsozialismus.</span> Auch ihre <span style="font-family:Times New Roman,serif;">Rousseaus <span style="font-style: normal;">volonté générale </span>beerbende Doktrin, daß die <i>wahre</i> Demokratie darin bestehe, die Leute vor ihrer eigenen Dummheit zu bewahren, steht schon bei Lenin – und hier wie dort ist ihre Praxis die Gängelung der jeweiligen Bevölkerung mit der Begründung, sie erst zu befreien, wozu es eben elitärer Hilfe bedürfte. Es ist kein Zufall, daß Köhler in diesem Interview, sich selbst widersprechend und entlarvend, immer wieder darauf hinweist, wie sehr er doch an die Menschen glaube. „Wir können die Bürger ruhig ernst nehmen“, heißt es da etwa wenige Zeilen später in lustigem Gegensatz zu ihrer zuvor bedauerten Reform</span>scheu: „Ich schätze ihren gesunden Menschenverstand hoch ein.“ Das hört so mancher kluge Kopf sicher gerne. Und als wäre die Schleimerei nicht schon überdeutlich, setzt Köhler, der schon einmal Interviews aufgeführt hat unterm Titel „Offen will ich sein – und notfalls unbequem“, noch einmal nach: „Meine Erfahrung ist: Die Leute wollen mitdenken, und wenn sie richtig angesprochen werden, dann machen sie mit.“ Vergessen wir den ersten Teil des Satzes, denn den kann nicht einmal ein Kopf wie Köhler ernst meinen, der sich doch fleißig dafür einsetzt, daß die Leute zum politischen Mitdenken nicht mehr in der Lage sind, und hören wir stattdessen auf den zweiten, einen an sich schon verdächtigen Konditionalsatz „wenn sie richtig angesprochen werden, dann machen sie mit“: was auch immer der „gesunde Menschenverstand“ demnach an Reformkritik zu denken imstande sein möge (viel wird's nicht sein), einer wie Köhler wird nach seiner These immer und unwiderlegbar sagen können, das läge eben nur daran, daß die Bedingung nicht erfüllt worden sei, die klugen Leute auch klug anzusprechen – 'klug' natürlich im Sinne jener taktischen, rein formalen Klugheit, wie sie alle Propagandatäter, Werbeagenturen, parlamentarische wie außerparlamentarische Lobbyisten oder Bundespräsidenten nicht besitzen, sondern anwenden.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Oder es zumindest versuchen. Denn Köhler beweist darin nicht eben große Gaben. Seinerseits im Werbejargon denkend, offenbart er zwar, daß es im langwierigen Reformierungsprozess einfach auf „gute Kommunikation“ ankomme – die Kommunikation der Marke 'Reformen'. Nur glücklicherweise ist er selbst, wie eigentlich jeder seiner Amtskollegen, sprachlich nicht in der Lage, die Wahrheit konsistent zu verschleiern. So scheint der große Reformator in der Tat zu meinen, er schmeichele den humanoiden Rechnungsposten dort draußen, wenn er ihre vermeintlichen Denkfehler dem unrichtigen Ansprechen zuschreibt und so auf die eigene Kappe nimmt, ohne jedoch zu merken, daß genau das impliziert, daß die Hochgeschätzten nur dann das Richtige werden denken können, wenn man es ihnen zuvor richtig eingetrichtert hat. Daß sie von selbst daraufkommen, scheint nicht einmal ein Menschen- und Verstandesfreund wie Köhler zu erwarten. Und zwar nicht, weil die Deutschen seit 1989 noch dümmer geworden wären, sondern weil sie, um darauf zu kommen, worauf sie kommen sollen, gegen ihre individuellen Interessen denken müssen, was nur unter jenem ideologischen Fremdeinfluß gelingt, unter dem es längst selbstverständlich geworden ist. Der „gesunde Menschenverstand“, wie Köhler &amp; Co. ihn schätzen, denkt nicht – er läßt denken.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">In diesem Sinne schwadroniert der ehemalige IWF-Strukturanpasser: „Die Demokratie lebt davon, dass die Bürger ihre Grundregeln verstehen, verinnerlichen und bejahen“ und merkt, während er's ausspricht, wieder nicht, was er sagt. Lebt denn der totalitäre Staat nicht auch oder gar viel eher davon, daß die Bürger seine Grundregeln verstehen und bejahen und erst recht <i>verinnerlichen</i>? Als radikaler Demokrat sollte man meinen, daß gerade die Demokratie, zumindest per definitionem, davon lebt, daß „die Bürger“ ihre „Grundregeln“ nicht wie Fische den Haken „verinnerlichen“, also die Normen ihres selbstbestimmten Staates von außen und oben in ihr bürgerliches Inneres nicht hineingeködert kriegen müssen, sondern ganz umgekehrt sie diese Regeln selbst als allererste kennen, nämlich in 'demokratischer Entscheidungsfindung' ihrerseits bestimmen können. War es nicht das, was unser demokratisch legitimierter Reformator sagen wollte? Wollte schon, konnte aber nicht. Denn zu sagen was man sagen will, ohne zu sagen was man meint, ist eine intellektuelle Herausforderung, der selbst die Profis aus Wirtschaft und Politik kaum noch gewachsen sind. Damit bieten sie eine nicht unwesentliche Erkenntnisquelle, sobald man ihren repetitiven Floskelschatz sprachkritisch übersetzt.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><b>3. Sprachkritik: Was ist Wirtschaft an der Meinung?</b></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Vermittelt durch die evidente Wirkung, die das gesellschaftlich determinierte Weltwissen eines Sprechers auf seine Äußerungen ausübt, offenbaren sich nämlich in der sprachlichen Form der Äußerung ihre gesellschaftlichen, etwa ideologischen Voraussetzungen auch dann, wenn der Sprecher diese inhaltlich, je nach Adressaten, zu verschleiern sucht. In den formalen Feinheiten, die er nicht kontrolliert, drückt sich unwillkürlich sein 'Weltbild' aus – und nicht nur seines – wie in einem stilistischen Fingerabdruck. Sobald der Sprecher im Hinblick auf einen bestimmten Adressaten und mit ihm verbundene kommunikative Absichten das eigene Weltwissen reflektiert und beim Sprechen oder Schreiben demgemäß filtert, erzeugt er ein Mißverhältnis der Äußerung zum Weltwissen, eine Dissonanz, die man der Äußerung anhören kann, sofern ihr Emittent kein vollkommener, also auch stilistisch virtuoser Lügner ist. Man kann davon ausgehen: was er <i>eigentlich</i> denkt – oder was <i>ihn</i> eigentlich denkt – wird er <i>uneigentlich</i> sagen<sup><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote3anc" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a></sup>.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Denn da es für die verwaltende Klasse des Kapitalismus darauf ankommt, bei gleichzeitigem Überfluß die Beschränkung durchzusetzen, was wohl kaum einem Verwaltungs-Angestellten verborgen bleibt, dieses Prinzip aber nur dann demokratisch realisiert werden kann, wenn man zugleich sein Gegenteil, Wohlstand für alle propagiert, ist in dieser Sphäre nahezu jeder öffentlichen Äußerung das Mißverhältnis zum Denken des Sprechers, ja zur Wirklichkeit, die er vertritt, anzumerken. Damit nimmt jede solche Äußerung, mehr oder weniger geschickt verdeckt, die penetranten Züge der Werbung und der Propaganda an, mit denen sie die konstante anpreisende Konnotation gemeinsam hat<sup><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote4anc" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a></sup>, die im Wahlkampf und in der Tageszeitung ebenso präsent ist wie beim Börsengang oder im Kino. Aber selbst von dieser unwahren Sprache kann man über das darin bewahrte Weltwissen der Sprecher auf die Welt schließen, in der nicht nur sie leben, sondern wir alle. Wenn Horst Köhler im Interview sagt, um ein letztes Beispiel zu nennen: „Kein Talent in Deutschland darf vernachlässigt werden“, kann man all das nachvollziehen an einem einzigen, dem Sprecher mißratenen Satz, aus dem Menschlichkeit, Fürsorge und das Bemühen sprechen sollen, Aufstiegsmöglichkeiten zu verbessern und so den Zugang zum Wohlstand zu erleichtern. Das moralische Gebot, etwas nicht zu <i>dürfen</i> (eine Redeweise, die ganz besonders in die rhetorische Zuständigkeit des Bundespräsidenten fällt), wird gegen einen emotiv stark besetzten Begriff wie Vernachlässigung ausgesprochen, gegen die Angstvorstellung vieler Menschen „in Deutschland“, die nebenbei nur im Passiv existiert, um keinen Verantwortlichen nennen zu müssen. Der Satz steht in einem beruhigend wirkenden Kontext, in dem die Beschränkung des Wohlstands negativ bewertet, Solidarität dagegen als moralische Prämisse der Politik formuliert wird<sup><a class="sdfootnoteanc" name="sdfootnote5anc" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></sup>. Allein das unbetonte Wort „Talent“, immerhin Subjekt des Satzes, verrät, auf wen sich Wohlstand und Solidarität de facto beschränken, nämlich auf die nützlichen, die profitablen Mitglieder einer Gesellschaft, die ganz ohne moralische Prämissen die unprofitablen (zuerst, die andern später) vom Wohlstand ausschließt; sobald man dieses Wort im selben Satz akzentuiert, spricht er genau das aus, was sein Sprecher weiß und zu verschweigen versucht, um demokratisch kompatibel, das heißt: profitabel zu bleiben. Und selbst wenn dieses elitäre Versprechen unter der Gemeinschaftsduselei sichtbar wird, kommt es noch letztlich der Nachfrage nach dem Profil der Zeitung und den Illusionen ihres Stammpublikums entgegen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <div id="sdfootnote1"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote1sym" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote1anc">1</a><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Je stärker am Markt das Profil einer Zeitung ist, desto eher kann sie sich dann Ausflüge in einen luxuriösen Meinungspluralismus erlauben, der zum Beispiel bei der F.A.Z. vorm Neunzigsten der Oktoberrevolution in einer von Dietmar Dath fabrizierten Laudatio auf Lenin gipfelte: in der Höhle des fetten Löwen dürfen eben hin und wieder auch Kaninchen spielen. </span> </p> </div> <div id="sdfootnote2"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote2sym" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote2anc">2</a>Adorno, Theodor W. / Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 15.Auflage. Frankfurt: Fischer 2004. S.129. </p> </div> <div id="sdfootnote3"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote3sym" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote3anc">3</a>So formuliert etwa Victor Klemperer als Arbeitshypothese in dem sprachkritischen Standardwerk „LTI“: „Die Aussagen eines Menschen mögen verlogen sein – im Stil seiner Sprache liegt sein Wesen hüllenlos offen“ („LTI. Notizbuch eines Philologen.“ 22.Auflage. Stuttgart 2007. S.20). Sprachkritik in diesem Sinne könnte man geradezu als eine Art 'Psychoanalyse des Stils' bezeichnen. Man sollte allerdings hinzufügen, daß es nicht das „Wesen“ des Sprechers ist, das in der Sprache offenliegt, sondern – und dies gilt ja gerade für die LTI (Lingua Tertii Imperii) – vor allem seine gesellschaftliche Prägung.</p> </div> <div id="sdfootnote4"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote4sym" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote4anc">4</a>Roland Barthes, dem man zumindest nicht vorwerfen kann, gegenüber den Bedeutungen kapitalistischer Alltagskultur insensibel gewesen zu sein, beschreibt diese immerselbe Konnotation, „mit einem Wort, die Vorzüglichkeit des angekündigten Produkts“, in seinem Vortrag „Der Werbespot“, auf deutsch erschienen in „Das semiologische Abenteuer“, Franfurt a.M. 1988, S.181ff. </p> </div> <div id="sdfootnote5"> <p class="sdfootnote" align="justify"><a class="sdfootnotesym" name="sdfootnote5sym" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9183523539678778895&amp;postID=6965185526404331813#sdfootnote5anc">5</a>Zwei Sätze zuvor erwidert Köhler auf die Frage „Wer bestimmt, was sozial gerecht ist?“: „Aufsteigen zu können ist viel wichtiger als die Frage, wer wie viel verdient.“</p><br /><p class="sdfootnote" align="justify"><br /></p><p class="sdfootnote" align="justify">(Erstmals veröffentlicht in 'Jungle World' 31/08 am 31.7.08.)</p><p class="sdfootnote" align="justify"><br /></p><p class="sdfootnote" align="justify"><br /></p> </div><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-6965185526404331813?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-56058897714523176112008-08-24T12:12:00.002+02:002008-08-26T20:41:24.765+02:00"Das zieht sich heute über die ganze Welt..."<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Evelyn Hecht-Galinski hat Auschwitz überlebt, um neues, ähnliches Unrecht zu verhindern: allerdings nicht antisemitisches Unrecht, das sie, den Balken im eigenen Auge, nirgends zu erblicken vermag, sondern jüdisches Unrecht, das ja schließlich von einer Mehrheit der Weltbevölkerung erblickt und beklagt werden dürfte, der man sich nur folgsam anzuschließen braucht, um etwas gegen Auschwitz zu tun:</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„<span style="font-family:Times New Roman,serif;">Überall wo, ich muss es leider sagen, wie Tony Judt das auch schon festgestellt hat, die jüdisch-israelische Lobby mit ihrem Netzwerken [sic] am Arbeiten ist, das zieht sich heute über die ganze Welt, und dank Amerika ist die Macht so groß geworden, dass wir als europäische Juden für einen gerechten Frieden zwar eine Minderheit sind, aber immer stärker werden in der ganzen Welt. Und ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich habe mir das Lebensmotto meines Vaters zu Eigen gemacht: Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.“ </span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">(Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/)</span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-5605889771452317611?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-74144524078274459862008-08-21T19:39:00.015+02:002008-08-26T20:40:07.740+02:00"Antisemitismus" verbieten!<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"><br /></span></span></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;"><br /></span></span></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Nachdem der ehemals für die FAZ aktive Antisemit und Beamte bei der Bundeszentrale für politische Bildung <a href="http://hedonistischemitte.blogsport.de/2008/08/20/ludwig-hol-mir-doch-bitte-mal-einen-cafa/">Ludwig Watzal</a> seinen Redakteursposten beim Bügelfaltblatt „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (Beilage des intellektuellen Leckerbissens „Das Parlament“) nach jahrelangem und wohlverdientem Einspruch nicht nur Henryk M. Broders räumen mußte, erscheint <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc%7EE8B9EFA4A30D94765BD6F7A1D15323705%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">heute in der 'Zeitung für Deutschland'</a> ganz zufällig eine Kritik am Antisemitismuskritiker Broder, die sich den Antisemitismusvorwurf wohl ebenfalls gefallen lassen muß (schließlich wird man das doch wohl noch sagen dürfen!): „Was darf eine Jüdin in Deutschland gegen Israel sagen?“ ist verfaßt vom Feuilletonchef der Zeitung für Frakturfreunde Patrick Bahners und weist eine solche Fülle rhetorisch-intellektueller Fehlleistungen antisemitischen Ursprungs auf, daß man vorerst vermuten muß, Frank Schirrmacher hätte den Text heimlich von Walser lektorieren lassen, um tags darauf seinerseits wieder ein moralisch korrektes Distanzierungsfanal entfachen zu können...</span></span></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Anlaß – mehr aber auch nicht – des Schriebs ist ein laufender Rechtsstreit zwischen Henryk M. Broder und Evelyn Hecht-Galinski, der Tochter von Heinz Galinski, dem ersten Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Broder gerichtlich untersagen lassen will, ihr öffentlich das Attribut „antisemitisch“ zuzuteilen. Daß sie dieses häßliche Wörtchen nicht verdient hat, ist für Bahners so evident, daß er sich kaum die Mühe macht, ihre Haltung zu Israel überhaupt zu verteidigen („es geht ausschließlich um Kommentare zur israelischen Politik“) – und das, während er ganz nüchtern referiert, daß „sie die israelische Behandlung der Palästinenser mit der nationalistischen Judenpolitik verglichen hat“. Ist ja nichts dabei. Wird man ja wohl noch sagen dürfen, daß auch die Juden nur Nazis sind! Broder war anderer Meinung und hat widersprochen; und dafür steht er jetzt vor Gericht.</span></span></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Nach knapper Darstellung des Rechtsstreits kommt Laienstaatsanwalt Bahners, der bis jetzt eher dafür bekannt war, Anspielungen an Donald-Duck-Sprechblasen in seinen Feuilletonüberschriften zu verwursten, zu seinem Herzensthema: der „Redefreiheit“, die „de facto geschichtspolitisch beschränkt“ sei – und zwar durch eine drohende Waffe, die schon Martin Walser die Paranoia lehrte, die 'Moralkeule' nämlich. Um Hecht-Galinskis juristisches Ansinnen zu unterstützen, das ja darauf hinausläuft, Broders Wort „antisemitisch“ als gemeingefährlich und gewalttätig einzustufen, mithin als Waffe zu verbieten, schreibt Bahners: „Der Antisemitismusvorwurf eignet sich zum moralischen Totschlag.“ Man verstehe: Totschlag ist ein Verbrechen – der Antisemistismus soll leben dürfen. Nachfolgend: „Wer die Beschreibung eines Gegners als eines Antisemiten durchsetzen kann, der hat ihn aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen.“ Diesen Humbug kann man denen, die ihn so gern nachbeten, nur deshalb nicht widerlegen, weil sie ihrer sicher sind, daß Walser, Watzal &amp; Co. niemals jemals Antisemiten gewesen seien. Heikler noch scheint mir aber die Formulierung, es handle sich beim Antisemitismusvorwurf um die „Beschreibung eines Gegners“, zu dessen Diffamierung dieser Vorwurf nur ein Mittel sei. Die Möglichkeit, daß es Menschen gibt, die aus politischen und ethischen Gründen Antisemiten kritisieren, die vorher nicht schon ihre „Gegner“ gewesen sind, scheint in Bahners' Welt nicht vorzukommen (wo gibt es schon aufrichtige Juden und Judenfreunde?). Mehr wäre damit zu Bahners Welt auch eigentlich nicht zu sagen.</span></span></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">„<span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Ein Sieg Broders vor Gericht“, schreibt er unbekümmert um seinen Ausschluß aus dem öffentlichen Diskurs weiter, „wäre daher nicht einfach als Sieg der Meinungsfreiheit einzustufen.“ Sondern als Sieg des Juden über Deutschland: „Seine preisgekrönte Strategie der verbalen Aggression nutzt den Spielraum der Meinungsfreiheit, um ihn einzuschränken.“ Eine „Strategie“ nennt man die Anwendung der Sprachmittel des politischen Journalismus womöglich nur bei Juden, die dafür auch noch Preise erhalten – und trotzdem nicht die 'aggressive' Klappe halten. Denn so wie Israel im Krieg gegen den Libanon stets ein 'Aggressor' war, weil es seine dorthin entführten Soldaten zurückhaben wollte, so ist natürlich der Jude 'aggressiv', der Antisemiten widerspricht. Und schlimmer noch: er „nutzt“ den ihm nach Fünfundvierzig gütig eingerichteten „Spielraum der Meinungsfreiheit“, um seine staatsschädigende, demokratiefeindliche Wirkung zu entfalten. So und nicht anders steht es in Bahners' Text: Broder schränkt die Meinungsfreiheit in Deutschland ein, indem er eine israelsolidarische Meinung formuliert! Indem er den dummen und zynischen Vergleich des Nationalsozialismus mit dem Staat Israel, den ein Feuilletonchef der FAZ wohlwollend hinnimmt, als „antisemitische und antizionistische Aussagen“ bezeichnet, dadurch also beraubt Broder die Demokratie in Deutschland? Das deutet auf ein ungutes Verständnis von deutscher Demokratie als einem Raubtierkäfig, in dem die Dompteure die Staatsfeinde sind... Natürlich erinnert es auch an die bekannte Klage rechtskonservativer Herrschaftskrüppel über die Schein-Restriktionen einer 'political correctness', vor der man nicht mehr ganz so freimütig seine Meinung zu Niggern, Weibern und Schwuchteln kundtut. – </span></span></span></span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Bahners erspart uns nicht den Satz, der seine Suada knapp hätte ersetzen können, wenn ihm aus überstarker innerer Beteiligung nicht der Mund übergegangen wäre (um mal mit Luther zu sprechen...): „Kritiker Israels sollen eingeschüchtert werden.“ Ja, droht dann nicht bald schon den Zionismuskritikern die Inhaftierung in Broders verbalem Folterkeller? Allein die zahlenmäßige Überlegenheit der deutschen Zionisten über ihre Kritiker hierzulande läßt wahrhaftig Böses befürchten! In einer derartigen verbalen Lynchsituation ist es bereits so eng geworden für die Kritiker des unheiligen Staates, daß sie sich bis in die obersten Etagen deutscher Presse- und Bildungsorgane flüchten müssen!</span></span></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Doch der Rechtsstaat kann noch einschreiten. Ein Verbot der Kritik Broders an Hecht-Galinski würde einiges von ihnen abwenden. Mangels Beweisen gegen mutmaßliche AntisemitInnen – die Beweislast liegt beim Juden – könnte künftig die Bezeichnung „antisemitisch“ für ebensolche gerichtlich untersagt werden. Damit wäre zugleich die Gefährlichkeit einer solchern Bezeichnung verbrieft: die 'Moralkeule' würde vom paranoiden Wahnbild zur juristischen Tatsache erhoben – und damit zugleich verboten werden.</span></span></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Das Wort „antisemitisch“ sollte am besten gleich generell und strafrechtlich verboten werden, damit sich die AntisemitInnen ungezähmt demokratisch austoben können. Genauso könnte man dann auch die Wörter „Nazi“, „Rassist“, „homophob“ und, ja natürlich: „Unterschicht“ verbieten – eine alte Methode, die Mißstände zu beseitigen, die sie bezeichnen.<br /></span></span></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="color: rgb(192, 192, 192);"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><span style="background: transparent none repeat scroll 0% 50%; -moz-background-clip: -moz-initial; -moz-background-origin: -moz-initial; -moz-background-inline-policy: -moz-initial;">Bringt die Antisemitismuskritiker zum Schweigen, denn sie sind eine Gefahr für Deutschlands Demokratie! Wer so spricht sorgt in der Tat dafür, daß er recht hat.</span></span></span></span></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-7414452407827445986?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-52506506667892719332008-08-20T18:09:00.005+02:002008-08-26T20:41:41.219+02:00Kranke Gammler und gesunde Streber<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Schon die Namen des Gourmet-Doppelpacks, das die Bildbände „Reiseziele für Lebenskünstler“ zu verantworten hat, klingen wie ihre Schreibe: Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer verstehen unter 'Lebenskunst' weniger die Fähigkeit, das Beste aus etwas zu machen, als vielmehr das Beste dort zu 'entdecken', wo man weniger Künstler als Filialleiter vermutet – nämlich da, wo's teuer ist. Teuer ist natürlich keine Schande. Und nichts gegen Filialleiter. Aber wenn schwäbische Obstbauern („...leben und arbeiten auf ihrem Apfelgut im Schwarzwald“) bei Gourmets sitzen und dann noch drüber schreiben dürfen, kommen Texte raus, die H.G. Wells-Leser und Freunde des gepflegten Zombie-Films an drastische Illustrationen des Klassengegensatzes erinnern: Krankheit und Tod sind keine menschlichen Phänomene, sondern proletarische bzw. untermenschliche.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">In Meuths und Neuner-Duttenhofers Prachtband zu BERLIN (2000), der mir heute in der Stadtbücherei Hamburg-Blankenese nach einem Austernessen in die Hände fiel, steht folgendes im Klappentext:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„Berlin – ein Reiseziel für Lebenskünstler? Noch vor fünf Jahren kaum. Es gab schöne Hotels, ein paar gute Restaurants, die lebendige Kunstszene. Aber niemand konnte sich vorstellen, dass Berlin so rasch das gastronomische Zentrum Deutschlands werden würde. Der Kiez der bleichen Stadtneurotiker und Latzhosenmütter in den Szenekneipen mit Pizza, Gazpacho und Muffins bekam Konkurrenz von vitalen, sonnenbraunen Medienmachern, lebenshungrigen Showleuten, ausgehfreudigen Politikern und Diplomaten, selbstbewussten Karrierefrauen und taffen Sekretärinnen, die während der Mittagspause im trendigen Bistro lunchen und abends im cool ausgestatteten Restaurant exquisite Sterneküche geniessen wollen.“</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Bleiche bekamen Konkurrenz von Vitalen – so soll das sein! Mit Darwin und Mussolini heben wir die Champagnerkelche und toasten auf das Konkurrenzprinzip, die braune Sonne und kommende Pestkolonien für Pizza-Neurotiker!</p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-5250650666789271933?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-2271687413872731482008-08-16T00:09:00.008+02:002008-08-16T00:28:18.130+02:00"Und täglich grüßen die Reformen"<div style="text-align: justify;"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:times new roman;"><br /><br /><br /></span></span> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">...heißt ein sprachkritisches Dossier, das vor zwei Wochen in der linksliberalen Jugendzeitschrift "Jungle World" erschienen ist und das wir allein deshalb als lesenswert einstufen (müssen), weil Teile des DWR-Kollektivs mit dem Autor psychisch identisch sind.<br />Im Online-Archiv dort weiterhin zu lesen ist die einigermaßen </span></span><a href="http://jungle-world.com/artikel/2008/31/22327.html"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">stark lektorierte Version des Textes</span></span></a><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"> , dessen originale Fassung DWR nächste Woche hier der Welt erstmals zugänglich machen wird. </span></span> </p><br /><br /><br /><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:times new roman;"><br /></span></span></div><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-227168741387273148?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-81544120396620442822008-06-11T12:49:00.001+02:002008-06-11T12:53:10.198+02:00Kein Gedicht<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">860 000 000 Menschen leiden an Unterernährung</span>. <span style="font-family:Times New Roman,serif;">Davon verhungern</span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">40 000 heute</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">40 000 morgen</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">40 000 übermorgen und</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">40 000 jeden weiteren Tag.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Eine vollkommene Beseitigung des Hungers würde</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">20 Milliarden Euro im Jahr kosten,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">55 Millionen Euro am Tag,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">6 Cents pro Mensch.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">800 Milliarden Euro im Jahr,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">2,2 Milliarden Euro täglich</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">zahlen die Staaten der Welt</span> <span style="font-family:Times New Roman,serif;">für Rüstung:</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">33 Cents pro Mensch.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">44 000 Milliarden Euro im Jahr</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">ergibt die Wirtschaft der Welt.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">120 Milliarden jeden Tag,</span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">18 Euro täglich pro Mensch,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">139 Euro täglich pro unterernährter Mensch,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">231 700 % seines Bedarfs, und</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">3 000 000 Euro am Tag für jeden,</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">der verhungert.</span></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-8154412039662044282?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-20024716733207507362008-05-22T20:56:00.015+02:002008-05-22T21:38:41.007+02:00Π.Os Gedicht "Memo"<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Der australische Lyriker <a href="http://www.geocities.com/stoneking31/famouspoet.html">Π.O</a> (sprich: Pi O) ist leider selbst unter Lyrikinteressenten ziemlich unbekannt. Das liegt daran, daß er selbst nicht bekannt werden will und diese Absicht auch sehr zielstrebig verfolgt. Vor vielleicht zwei Jahren bin ich durch die Datenbank <a href="http://www.lyrikline.org/">Lyrikline</a> <span style="font-family:Times New Roman,serif;">auf ihn aufmerksam geworden</span>, wo man nicht nur sehr gute Gedichte in zahlreichen Originalsprachen und Übersetzungen lesen, sondern auch hören kann, meist vom Autor vorgetragen. <span style="font-family:Times New Roman,serif;">Π.O – den ich rein zufällig, wohl wegen des seltsamen Namens angeklickt hatte – las das untenstehende Gedicht „Memo“ ich weiß nicht mehr wie, aber doch jedenfalls so, daß ich mir seinen Namen wie auch sein Gedicht gut gemerkt habe. </span>Es war trocken, uneitel, konzentriert, präzise, polemisch und komisch und sehr ernst.</span> <span style="font-family:Times New Roman,serif;">Nicht der Dichter und seine <i>Erfindungs</i>gabe stehen im Mittelpunkt, sondern seine <i>Beobachtungs</i>gabe und das, was er beobachtet hat; beim Beobachten hat er etwas erkannt, und nun schreibt er ein Gedicht, das heißt er benutzt die genauestmögliche sprachliche Beschreibungsform, um diese Erkenntnis zu vermitteln.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Π.O imitiert in „Memo“ eine öffentliche Sprache, die uns längst vertraut ist, so daß wir gegen ihre Kälte schon abgestumpft sind, er imitiert und übertreibt sie dabei, er steigert ihre Expressivität, bis deutlich das hörbar wird, was wir in ihrer alltäglichen Gestalt nicht mehr wahrnehmen. Statt von Übertreibung müßte man eher von Enthüllung sprechen, denn sowohl diese Sprache selbst als auch ihr alltäglicher, abschleifender Gebrauch verhüllen etwas. Was Π.O imitiert und übersetzt ist die Sprache einer Gesellschaft, die er nur spiegelt als das, was sie ist: menschenfeindlich, die Sprache und die Gesellschaft, die sie spricht. Dieses Verfahren hat er nicht erfunden, aber in der zeitgenössischen Lyrik ist es schon eine Ausnahme, wenn überhaupt jemand so verfährt. Es zeigt das gute Gehör des Dichters – und zwar ein gutes Gehör nach außen, nicht nur nach innen (schließlich ist ein Magenblubbern leichter zu vernehmen als ein sehr weit entfernter Schrei z.B.).</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Inzwischen hat Π.O dafür gesorgt, daß seine Gedichte auf Lyrikline gelöscht worden sind – ebenso wie auf einigen anderen, nicht vielen Seiten, wo man ihn lesen konnte. Aus diesem Grund werde ich sein Gedicht hier wieder neu ins Netz stellen, das bisher nur noch unter <a href="http://laextranjera.blogspot.com/">einer einzigen Webadresse</a> googlebar war. Bedauernswert, daß man es selbst lesen muß – dankenswert, daß man es noch selbst lesen kann.</span></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> </p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:130%;"><i>Memo</i></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">a Bomb threat</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">will inevitably come as a shock</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">If you receive one [Don't let on!]</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Keep the caller talking;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Ask him [or</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">her!] when the bomb will explode; Where it is;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">What it looks like;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">And what will c a u s e it to explode;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Ask the caller</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">their name; And how old they are;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Take particular notice</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">of their accent: Israeli-German, Spanish-Russian;</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">And to their tone: Angry. Drunk.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Calm. Excited; If you happen to know</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">who they are . don't . let . on</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Don't blurt-out: „Hey! That you? Bob!“</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">..jus' keep 'em talking; Listen to</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">background noise: a train whistle could be a vital clue!</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">When the caller</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">has finished: DON'T HANG UP!</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Keep calm; And write in clear legible</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">script: WE'RE GOING TO BE BOMBED!!!!!!!!!!!</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">and then hand it to</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">your Supervisor [:He'll know</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">what to do]; If the ORDER to evacuate, is not given</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> <span style="font-family:Times New Roman,serif;">open all the doors and windows [to lessen</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">the effect on property damage] and go back</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">to your desk, and keep</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">working.</span></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-2002471673320750736?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-39596535163821126662008-05-16T21:31:00.009+02:002008-05-18T17:29:47.636+02:00Dalai Lama nach Den Haag! Free Tibet from Tibet!<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Eigentlich wollte ich einen Blogartikel über Bob Dylan schreiben, der vor einigen Wochen als erster Songwriter den Pulitzer-Preis erhalten hat. Dem momentan allgegenwärtigen Gelächel des Dalai Lama hilflos ausgesetzt, fand ich dann aber, daß es publizistisch unnötig wäre, jemanden zu loben, der seit Jahrzehnten gelobt wird – anstatt jemanden zu kritisieren, der seit Jahrzehnten gelobt wird. Dylan muß man nicht loben, weil er tatsächlich lobenswert ist. Dagegen sollte man nicht versäumen jemanden zu schmähen, der schmähenswert ist, erst recht nicht, wenn er allseits gelobt wird.</span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Der Dalai Lama ist das beste Bespiel, das mir gerade einfällt, für die Leichtigkeit der Lüge in der Mediengesellschaft. Man durchschaut Märchen-Wörter wie Pluralismus, Pressefreiheit, Informationszeitalter und (ach Gottchen:) Wissensgesellschaft unwiderruflich, wenn man sich einmal bewußt wird, unter welchem durch sämtlichste Medien wabernden Weih-Nebel aus Friede und Freude, Verehrung und Verklärung die längst zutage liegende historische Wirklichkeit Tibets und des Dalai Lama verschwindet. Selbst Menschen, die den Papst so einschätzen, wie er es verdient – nämlich als ein selbsterklärendes Diskussionstabu unter vernünftigen Menschen – gelingt es auf mystische Art, im geistlichen und weltlichen Oberhaupt Tibets und der tibetischen Buddhisten einen veritablen Gegensatz zum geistlichen und weltlichen Oberhaupt des Vatikans und der Katholiken zu erblicken. Beide sind engstirnige alte Männer – was? höre ich da schon den Zwischenruf, der Dalai Lama ist doch <i>weise</i> und tolerant und nicht engstirnig wie der Papst! – Wenn Weisheit und Toleranz bedeuten, daß statt vorehelichem Sex, Abtreibung und Homosexualität nur Abtreibung und Homosexualität verboten sind, dann stimmt das auch. Und wo wir schon beim Papst sind: dessen Inquisition, immerhin schon im 19. Jahrhundert mit einigen auslaufenden Autodafés zu Ende gebracht, ist so viel schrecklicher nicht gewesen als die Strafjustiz in der tibetischen Mönchsdiktatur, die bis 1950 bestand. </span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Zweihundertundfünfzig Peitschenhiebe, abgehackte Arme, </span><span style="font-family:Times New Roman,serif;">abgeschnittene Ohren und Nasen, </span><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Augenausstechen, Herausreißen der Zunge, Hautabziehen bei lebendigem Leib und andere Strafen, die selbst den SS-Oberscharführer und bis heute hochgeschätzten Lama-Freund Heinrich Harrer abstießen, waren auch unter der Regentschaft des heutigen Friedensnobelpreisträgers noch bis in die 1940er Jahre normal. (S<span style="font-family:Times New Roman,serif;">elbst Kannibalismus gab es im Alten Tibet: in einem Gericht namens 'Dudchi' werde „Menschenfleisch und Schlimmeres“ verarbeitet, schrieb der französische Tibetreisende Fernand Grenard um 1900.) </span>Das Rechtssystem des „friedlichsten Volkes der Welt“ ist nämlich keine Umsetzung von Buddhas freundlichsten Ratschlägen, sondern geht auf die Strafjustiz Dschinghis Khans aus dem 13. Jahrhundert zurück. Mit anderen Worten: die vermeintlich in Tibet Staat gewordene Friedensreligion hat es nie gegeben; als Staat ist sie nur ein historisches und kein religiöses Gebilde mehr. Obwohl das Land sehr hoch liegt, schwebt es nämlich – das meine enthüllende These – <i>nicht</i> zwischen von Mönchen lieb zurechtgezupften Schäfchenwolken, wie sich das die Mehrheit denkt, sondern hat sich ebenso in Ausbeutung, Gewalt und Gefangenschaft gesuhlt wie bekannte und unbekannte andere Herrschaftssysteme auch. Man untertreibt also nicht, wenn man in anbetracht einer solchen politischen Vergangenheit <span style="font-family:Times New Roman,serif;">den jetzigen Dalai Lama </span>statt mit dem Papst lieber mit Saddam Hussein vergleicht – und mit 'vergleichen' meine ich 'zur Seite stellen' (überspitzt? ja, aber nicht falsch). Was sagt es über den Stand der Demokratie in Deutschland aus, daß sich statt dieser Parallele hierzulande längst die von "Bush = Hitler" eingebürgert hat? Darüber sollte niemand vor dem Einschlafen nachdenken...<br /></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Nachdem im März ein geistlicher und weltlicher Mob in Lhasa nichts Legitimeres veranstaltet hatte als ein Pogrom auf die chinesische Minderheit, die in dieser Stadt mit 17% schon ein Dreifaches des tibetischen Durchschnitts beträgt und gegen deren Ansiedlung der Dalai Lama mit wüsterer Rhetorik („kultureller Genozid“) hetzt als alle westlichen Neonaziführer gegen die Überfremdungs-Minderheiten ihrer Länder, ist nicht nur in Deutschland der antichinesische Ausnahmezustand eingetreten. Und natürlich sind es gerade Politiker wie Roland Koch, die mit Wirtschaftsdelegationsreisen nach China den heimischen Unternehmern ebenso wie den chinesischen Funktionären sanft den Hintern seifen, die bei dieser Gelegenheit ihre bigotten Humanitätsfloskeln aussondern. Die Menschen auf den Straßen aber – und tatsächlich gibt es ja protibetische Kundgebungen auf den Straßen, denselben, die Tag für Tag vom Niedriglohn-, Überstunden- und Praktikumsproletariat verstopft sein sollten – fordern: was eigentlich? Die Religionsfreiheit für Tibet? Die gibt es in China seit den 90er Jahren. Vielleicht das Rückkehrrecht für „Seine Heiligkeit“? Das ist längst ausgehandelt worden. Dann vielleicht finanzielle Unterstützung für die armen, übrigens autonomen Tibeter? Die ist seit den 80er Jahren stetig erhöht worden und beträgt inzwischen umgerechnet 100 Millionen Euro im Jahr; in den vergangenen 40 Jahren sind nach chinesischen Angaben umgerechnet 3,5 Milliarden Euro für die Unterstützung Tibets aufgewendet worden. – Und nein, ich werde jetzt nicht hinzufügen, daß das alles umgotteswillen bloß nicht den schrecklichen Unterdrückerstaat China entschuldigen soll usw. Weil ich bei meinen Lesern, wie bei allen anderen Lebenwesen, die imstande sind, eine Banane von hinten zu öffnen, also auch bei mir, eine halbwegs nüchterne Meinung zur „Volksrepublik China“ (wo, nebenbei, schätzungsweise 250.000 Menschen pro Jahr in „Umerziehungslagern“ zu Tode erzogen werden) voraussetze. – All diese Investitionen und Zugeständnisse haben Tibet nicht nennenswert verbessert, wie man überall nachlesen kann. Von allen chinesischen Provinzen und autonomen Gebieten, in denen ihrerseits teils desaströse Zustände herrschen, schneidet ausgerechnet das bestens unterstützte und autonome Tibet in fast allen Belangen regelmäßig am schlechtesten ab; egal ob es um Pro-Kopf-Einkommen, Lebenserwartung oder Alphabetisierung geht. Liegt das nun nur an China? Oder nicht doch auch am autonomen "Tibetertum"? Obwohl die tibetische Sprache inzwischen in den ersten Schuljahren unterrichtet wird, empfinden die Tibeter schon den dazu parallelen Mathematikunterricht als Unterdrückung ihrer Kultur.<br /></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;">Das mag mit der „kulturellen Identität“ eines „Volkes“ zusammenhängen, anders gesagt mit der ungebrochenen Verdummung, deren geistliches und weltliches Oberhaupt, der „Ozean der Weisheit“, seine politischen Entscheidungen aus Teigbällchen liest – ein seit Jahrhunderten gebräuchliches tibetisches Orakel.</span> </p><br /><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-3959653516382112666?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com1tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-76538813931430650572008-04-08T12:48:00.007+02:002008-04-08T18:32:22.709+02:00"So wesentlich ist der Unterschied..." - Kant und die Neger<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">In seinem Frühwerk „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen“ schreibt Immanuel Kant im vierten Abschnitt, betitelt „Von den Nationalcharaktern, in so fern sie auf dem unterschiedlichen Gefühl des Erhabenen und Schönen beruhen“, nicht nur Profundes über den Spanier („Der Spanier ist ernsthaft, verschwiegen und wahrhaft“), den Franzosen („Er ist artig, höflich und gefällig“), den Engländer („kaltsinnig“), den Deutschen („Er frägt weit mehr als die vorige danach, was die Leute von ihm urtheilen möchten“), den Holländer („von einer ordentlichen und emsigen Gemüthsart“) <i>und</i> die Liebe, in so fern sie auf den unterschiedlichen Nationalcharaktern beruht („In der Liebe haben der Deutsche und der Engländer einen ziemlich guten Magen [?], etwas fein von Empfindung, mehr aber von gesundem und derbem Geschmacke. Der Italiäner ist in diesem Punkte grüblerisch, der Spanier phantastisch, der Franzose vernascht“), sondern auch recht Wissenswertes über die „Negers von Afrika“:</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„Die Negers von Afrika haben von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege. Herr Hume fordert jedermann auf, ein einziges Beispiel anzuführen, da ein Neger Talente gewiesen habe, und behauptet: daß unter den hunderttausenden von Schwarzen, die aus ihren Ländern anderwärts verführt werden, dennoch nicht ein einziger jemals gefunden worden, der entweder in Kunst oder Wissenschaft, oder irgend einer andern rühmlichen Eigenschaft etwas Großes vorgestellt habe, obgleich unter den Weißen sich beständig welche aus dem niedrigsten Pöbel empor schwingen und durch vorzügliche Gaben in der Welt ein Ansehen erwerben. So wesentlich ist der Unterschied zwischen diesen zwei Menschengeschlechtern, und er scheint eben so groß in Ansehung der Gemüthsfähigkeiten, als der Farbe nach zu sein. Die unter ihnen weit ausgebreitete Religion der Fetische ist vielleicht eine Art von Götzendienst, welcher so tief ins Läppische sinkt, als es nur immer von der menschlichen Natur möglich zu sein scheint. Eine Vogelfeder, ein Kuhhorn, eine Muschel, oder jede andere gemeine Sache, so bald sie durch einige Worte eingeweiht worden, ist ein Gegenstand der Verehrung und der Anrufung in Eidschwüren. Die Schwarzen sind sehr eitel, aber auf Negerart und so plauderhaft, daß sie mit Prügeln auseinander gejagt werden müssen.“</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">(Kant, Immanuel: Werke in sechs Bänden. Hg. v. Rolf Toman. Bd. 1: Träume eines Geistersehers und andere vorkritische Schriften. Köln: Könemann 1995. S.250f.) </p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-7653881393143065057?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-72256048496368237772008-03-31T22:23:00.004+02:002008-03-31T22:52:56.289+02:00Heidegger liest Marx<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Vor Unzeiten, sozusagen als intellektuelles Embryo, hörte ich in Mainz eine Vorlesung über die Philosophie Martin Heideggers bei einem Professor namens Hans-Martin Gerlach, zu dessen Schwerpunkten neben Marx und Nietzsche eben leider auch die sogenannte Existenzphilosophie gehörte (deren Hauptaussage, ohne zu untertreiben: die Krisenhaftigkeit des menschlichen Daseins ist – als ob das <i>überhaupt</i> schon eine Aussage, in einem normativen Sinne, wäre und nicht schlicht eine formulierte Stimmung, die auch wortlos evident wäre, eine filosofische – jedenfalls nicht philosophische – Gefühlslage, die ihrerseits erst erklärender und damit relativierender Aussagen bedürfte). In dieser zwischen Leben und Werk bunt changierenden Vortragsreihe gab der Herr Professor, ein jovialer, grundsolider, sächselnder Vorleser, zum Beispiel einmal die Anekdote zum besten, nach der Heidegger mit zwei anderen Berufsdenkern (ich meine mich zu erinnern, daß der eine Heisenberg gewesen sei, zumindest aber ein ähnlich Schwerkalibriger) nach langem Aufstieg in irgendeinem Berggasthof eingekehrt sei; da habe man dann selbstverständlich die großen Probleme von Allem diskutiert, worüber die Meinungen zwischen den beiden Personen, die nicht Heidegger waren, stark auseinandergingen; unser Heidegger nun habe dazu geschwiegen, um nur hin und wieder mit vermittelnden Worten einzugreifen; wobei er stets das <i>Wesentliche</i> der beiden Streitenden rasch erkannt und abstrahiert und nicht zuletzt zu einer Synthese versöhnt habe. Ja, rief dieses Gleichnis laut vom Katheder herab: was für ein Genie unser Heidegger doch war! Hut ab vor dem Meisterdenker!</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Das ist der Mythos des Erfolgs: die unbewußte Übersetzung der Quantität an Aufmerksamkeit, die jemandem widerfährt (gerade in 'erlesenen' Medien), in die Qualität dessen, was dieser tut <i>und ist</i>, von Seiten eines mit Allem konfrontierten Publikums, das trotz zwangsläufiger Unkenntnis unter Meinungsdruck steht, um sich orientieren zu können; und sobald die sich selbst vermehrende Aufmerksamkeit zur Ursache für die Hochschätzung wird, erscheint diese wiederum als der wahre Grund der Aufmerksamkeit und als Rechtfertigung, diese dem Erfolgreichen auch weiterhin und weiter vermehrt zuzuwenden. Beispiele dafür gibt es unzählige, vom Altbundeskanzler über Günter Grass bis zum Papst und so fort. Ein Philosoph oder Wissenschaftler ist natürlich für diese mythische Fehlübertragung prädestiniert, da kaum jemand 'was vom Thema versteht, ihm aber beinahe jeder einen voyeuristischen Respekt entgegenbringt – wobei 'voyeuristisch' auch das Behagen einschließt, nicht in derart anstrengende Kommunikation verstrickt zu sein. Kurz: Heidegger ist nunmal ein gesetzter Meisterdenker <i>per definitionem</i>, der seine Ruhmesrente sicher hat bis zum Bankrott der kulturnationalen Erinnerung - und zwar ganz unabhängig von allem, was er gesagt, getan hat und gewesen ist. Heidegger ist <span style="font-style: normal;">eben Heidegger</span>, so wie Markenqualität eben Markenqualität und ein Mercedes immer ein Mercedes, ergo jede weitere Nachfrage überflüssig ist. All die Aufmerksamkeit und Zuwendung und Anbetung, die in einem solchen Namen konzentriert ist wie die Heilkraft des Kosmos in einer Alraune, läßt (fast) jeden menschlichen Zweifel vergessen sein, bevor er auch nur in die Nähe gerät...</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Daß Heidegger dennoch nicht denken konnte, in einem normativen Sinn des Wortes, beweist nicht nur sein Sprachstil, der schon eine unerschöpfliche Fehlerquelle darstellt, bevor er überhaupt 'zur Welt kommt' (bezeichnenderweise erschien ihm – und das lange nach den ersten Bemühungen einer Philosophie der idealen Sprache, die das Historisch-Ungenaue der Umgangssprache als Erkenntnishindernis begriffen hatte – <i>gerade</i> seine logikverachtende Halb-Poesie als Königsweg zur Wahrheit). – Aufrichtigerweise füge ich jedoch an dieser Stelle ein Bekenntnis zur Polemik ein: nein, ich habe nicht alle Texte von Heidegger gelesen, es ist sogar nur eine erschröckliche Minderzahl aller vom Seins-Meister dahergeraunten Wortanhäufungen, so daß durchaus die Möglichkeit besteht, daß ich <i>nur seine ausnehmend schlechten</i> kenne und mir auch in der Sekundärliteratur durch einen unglücklichen Zufall alles entgangen ist, was Heidegger als einen Analytiker von eisklarer Sprachpräzision ausweist. Genau darum möchte ich aber nicht bei meiner Polemik und lustigen Bißwundenrhetorik stehen bleiben, sondern ein Beispiel behandeln, das jeder nachvollziehen kann, der Internet hat...</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Bei Youtube ist ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=jQsQOqa0UVc">kleiner Videoclip eingestellt, der Heidegger im Jahr 1969 zeigt</a>, achtzigjährig, mit brüchiger Stimme, aber (immer noch) schmissigem, selbstgewissem Tonfall, wahrscheinlich befragt nach seiner Haltung zur studentischen Gesellschaftskritik der Zeit. Heidegger erwidert darauf mit einer Kritik an der <a href="http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_005.htm">elften und letzten Feuerbach-These von Marx</a>, die er auch, um Präzision vorzuspielen, aus einem schon bereitliegenden Band selbst vorliest (samt „kÖmmt“) – siehe Clip.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Heidegger wählt einen läppischen Einwand, der vor und nach ihm schon von andern Bauernschlauen vorgebracht worden ist: <i>um</i> die Welt zu verändern, so geht der, <i>muß man sie doch erst einmal interpretieren!</i> Sonst weiß man ja gar nicht, was man machen soll mit der Welt, wenn die da so uninterpretiert herumliegt! Ja, sieht der Marx das denn nicht? Nein! Also kann man von dem Mann auch sonst nicht viel Meisterdenkerisches erwarten pp...</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Der Heidegger, der in dieses ausgelutschte Horn zu stoßen sich bei aller Meisterdenkerei nicht zu blöde war, sieht dabei ganz und gar nicht, daß die Marx-These die ihr unterstellte Dummheit überhaupt nicht impliziert. Ist doch im Marxschen Satz gar nicht gesagt, daß man die Welt nicht interpretieren soll oder muß. Zum deontischen Status der Weltdeutung, zu ihrer (Nicht-)Notwendigkeit oder (Nicht-)Gebotenheit, steht rein gar <span style="font-style: normal;">nichts</span> in der elften Feuerbach-These. Marx hält fest, daß die Philosophen sich mit dieser Tätigkeit bisher begnügt hätten („nur“), daß es auf diese Tätigkeit aber nicht ankomme, daß man sich also mit der Interpretation der Welt nicht begnügen solle. Vom Philosophen wird nicht der Widersinn verlangt, kein Philosoph mehr zu sein – aus dem Mund eines derart entschlossenen Denkers wie Marx wäre diese Forderung auch nicht nur dumm, sondern ein deutliches Symptom für Schizophrenie. <i>Worauf es ankommt</i>,<i> </i>schreibt Marx – ohne etwas <i>auszuschließen</i>, worauf es <i>nicht</i> ankommt – ist nicht die Interpretation der Welt, sondern ihre Veränderung. Und, überdies, daß letztere erstere voraussetzt und zwischen Veränderung und Interpretation eine notwendige Verbindung besteht, wird wohl einem Philosophen klar gewesen sein, der sein Leben damit zugebracht hat, diese Verbindung als einer der ersten konsequent herzustellen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Der Einwand, ebendas sei ihm entgangen, ist dagegen so dreist, daß es vor laufender Kamera schon eines revolutionären Bauernkopfes wie Heideggers bedurfte und seiner infolge gut sechzigjähriger Sprachverschwurbelungspraxis entwickelten Virtuosität darin, einen klaren Satz mißzuverstehen, um derart Ungeheuer-Trivial-Danebenes mit siegessicherer Denkermine zu artikulieren.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Am Ende wird noch einmal der Feldweg eingeblendet, Heideggers Existenzform und Logo: weit weg von allem, was die Bezeichnung 'Welt' – ob interpretiert oder unverändert – überhaupt verdient hätte.</p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-7225604849636823777?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com4tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-500941071516385202008-03-27T21:11:00.008+01:002008-03-28T21:00:10.794+01:00Hegel im Blut nein: Blut im Hegel„<i>Denken heißt sich's schenken!“ (ehemaliger Philosoph)</i><br /><br /><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Liebe Blog-LeserInnen!</i></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>DEAD WALL REVERIES ist eine starke Marke. Zerstreuung und Konzentration, Vielfalt und Professionalität sind bei uns keine Widersprüche – sondern Programm. Seit Januar 2008 machen wir von DEAD WALL REVERIES uns für innovative Lösungen und Problemstellungen in den Bereichen Literatur, Kritik und Philosophie stark. So sind wir etwa immer gern bereit, dem Nachwuchs der internationalen Hegel-Exegese eine gute Möglichkeit zu geben, seine Thesen einem größeren Publikum vorzustellen und so erste Erfahrungen im Dialektik-Business zu sammeln.</i></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Auch heute unterstützt DEAD WALL REVERIES wieder ein außerordentlich vielversprechendes Talent aus dem Idealismusbereich, das sich in der Vergangenheit nicht nur durch Syllogismen, Neologismen und Neo-Syllogismen hervorgetan hat. Ja, man kann geradezu von einer Exzellenz-Cluster-Identität sprechen, wenn man die große Ehre hat, Sahra O'Hara als Gastautorin ankündigen zu dürfen, die seit drei Jahrzehnten als überregional erfolgreiche Philosophin und Fachkraft in einem renommierten Taxiunternehmen in Wuppertal-Oberbarmen tätig ist.</i></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Derzeit arbeitet Frau O'Hara an einem Versepos auf der Grundlage von Hegels „Wissenschaft der Logik“. </i> </p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Zu beweisen ist im folgenden die Hegelsche dialektische These der „Einheit des Seins und Nichts“ [Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Wissenschaft der Logik. Hg. v. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1979 (Theorie-Werkausgabe). S.110.]:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„Es kann nichts anfangen, weder insofern etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, fängt es nicht erst an; insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an. -“</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">[Ebd. S.109.]</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Ergo:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Es kann überhaupt nichts sein, weder insofern etwas anfängt, noch insofern etwas nicht anfängt; </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">denn insofern es anfängt, kann es nicht schon sein; insofern es aber nicht anfängt, ist es auch nicht. - </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Da aber Hegel sagt:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„Nichts ist nur Nichts“ [ebd.], ist das Sein keineswegs Nichts, sondern, selbst als Nicht-Sein nur ein Nicht-Nur-Nichts, welches zugleich aber kein Sein ist.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Da aber Hegel auch sagt:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">„Sein aber ist nur Sein“ [ebd. S.110.], ist das Sein zwar kein Sein im Sinne eines Nur-Nichts oder auch nur eines reellen Nicht-Seins, aber das Sein an sich als Nur-Sein ein Nicht-Nur-Nichts.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Id est:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Das Nichts ist sowenig wie das Sein nur es selbst – mit Ausnahme des Seins an sich, welches nur ein Nur-Sein sein kann, ebenso wie komplementär das Nichts niemals ein Nur-Nichts.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Quod erat demonstrandum.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Ich danke Ihnen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> </p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Anmerkung von DEAD WALL REVERIES: </i> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Um den Ruf Hegels nicht über Gebühr zu strapazieren, fühlen wir uns verpflichtet hier anzumerken, daß unsere Gastautorin aus der Anmerkung 4 zum Teil C. Werden, Abschnitt a. Einheit des Seins und Nichts aus der „Wissenschaft der Logik“ ausschließlich Aussagen zitiert, die leider nicht einen originär Hegelschen Gedankengang nachzeichnen, sondern vielmehr eine von Hegel nur rekapitulierte und von ihm als fälschlich angesehene „Dialektik gegen das Werden“ darstellen, der Hegel selbst die Dialektik des Werdens, also die „Einheit des Seins und Nichts“ gegenüberstellt. Unsere Autorin schließt also – natürlich ganz bewußt – vom Positiven aufs Negative bzw. vom Negierten auf die Negation selber.</i></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i>Wir ersehen daraus, daß selbst dort Dialektik wirkt, wo sie der Dialektiker selbst bestreitet – ja gerade dort!</i></p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><i><br /></i></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-50094107151638520?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-49945314798028499932008-03-19T21:03:00.009+01:002008-03-31T22:28:08.798+02:00125 Jahre und kein Todestag...<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Ein einzigartiges Mißverhältnis besteht zwischen Relevanz und Rezeption des heute vor 125 Jahren gestorbenen Schriftstellers, der neben Konfuzius, Platon, Paulus und Luther etwa als einer der historisch wirkungsvollsten und doch zugleich (im Unterschied zu jenen) am wirkungsvollsten mißverstandenen Autoren der Kulturgeschichte gelten kann: Karl Marx. Zeitweise lebte etwa ein Drittel der Menschheit in Staaten mit marxistischem Programm – was auch immer das heißen mochte und mag. Daß solche Programme mit Marx leider sehr wenig zu tun haben, daß ein sich als marxistisch oder kommunistisch bezeichnender Staat ebensowenig seinem Titel entsprechen kann wie ein demokratischer und daß das Talkrundenargument, der Autor Marx habe mehr Schrecken über die Welt gebracht als Stalin, Mao, Pol Pot, Fidel Castro, Kim Il Sung und King Kong zusammengenommen, eine interessengeleitete polemische Augenwischerei ist, zeigt schon der Verweis auf das heutige staatskapitalistische China, das kein Mensch mehr öffentlich als ein „kommunistisches Regime“ brandzumarken versucht, seit es ökonomische Wachstumsraten aufweist, die man deutschen „Reformpolitikern“ als Zielvorgabe auf den runden Tisch knallen kann. Der Stalinismus ist nicht das bloße Ergebnis einer Marx-Lektüre Stalins, und zwischen Marx und Mao besteht keinerlei Notwendigkeitsbeziehung, vielleicht nicht einmal umgekehrt. Marx empfiehlt sowenig die Einrichtung von GULAGs wie die Bibel Kreuzzüge und 'Hexenverbrennungen'; und aus der unsympathischen Persönlichkeit Marxens und seinen bisweilen erschreckenden Ausfällen nicht nur gegen den „jüdischen Nigger“ Lassalle auf die Inhumanität seines Lebenswerks zu schließen hieße so ziemlich jeden großen Autoren, dessen Leben und Charakter bekannt ist, um seine intellektuellen Leistungen zu bringen. Schließlich: um zu beurteilen, inwieweit die historischen Katastrophen, die von selbsternannten Marx-Realisateuren organisiert worden sind, tatsächlich aus dem Werk Marxens, seinem (gewiß nicht inhumanistischen) Anliegen oder seiner (sicher nicht unwissenschaftlichen) Analyse folgen und nicht aus den Mißverständnissen, gegen die sich kein Autor verwahren kann; oder inwiefern womöglich die Mißverständnisse selbst auf Kosten des Autors zu rechnen wären; oder aber, letzte Möglichkeit, ob es eine implizite Gewalt der Marxschen Theorie gäbe, die selbst bei richtigem Verständnis und sorgfältigstem Humanismus erst dann zutage tritt, wenn man sie in die Praxis umzusetzen versucht – um das klarzustellen muß man jedenfalls sehr viel besser theoretisch ausgebildet und an nicht antizipierbaren Ergebnissen interessiert sein als 99,8% aller Personen, die dazu sich äußern und gehört werden. Die Unkenntnis zu Marx ist leider ebenso populär wie Marx – selbst da, wo er populär ist. Weder August Bebel noch Fidel Castro haben „Das Kapital“ gelesen (daß Kuba überhaupt ein als kommunistisch etikettierter Staat sein sollte, war – laut Castros Biographen Volker Skierka – der angenommene Vorschlag des davon beseelten Weggefährten Guevara), der Sozialist Joyce, vor seiner literarischen Revolution, las nur den ersten Satz, und poststrukturalistische 'Marxisten' wie Roland Barthes wahrscheinlich nicht einmal den. Nur Kurt Beck, das haarige SPD-Maskottchen, gibt in einem kürzlich in Trier produzierten Jubiläumsfilm die typischen Ergebnisse profunder Marxlektüre zum besten: <a href="http://www.focus.de/wissen/bildung/Geschichte/tid-9193/karl-marx_aid_264729.html">"Ich habe mit der Philosophie von Karl Marx nie so sehr viel anfangen können."</a> Gerade heute wird übrigens auf der Seite der <a href="http://www.philosophie.de/default.asp?page=9">Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaft in einem Artikel zum selben Thema</a> dankbarerweise auf den Unterschied zwischen Marx' politischer Ökonomie und seiner Revolutionslehre hingewiesen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Zum 125. Todestag – einem Jubliäum, das eher dafür spricht, daß hier jemand <i>nicht </i>gestorben ist – sage ich nur das Allermindeste, was man über Marx heute sagen kann: nämlich daß er das (Krisen-)Potential der ungebrochen vorherrschenden Wirtschaftsform in klare Begriffe gefaßt und damit die Grundlagen einer Sprache geschaffen hat, die das individuelle Unbehagen am Wohlstand ebenso zu erklären vermag wie die historisch einmalige strukturelle Menschenverachtung einer Epoche, in der sich die Ausbeutung von Mensch und Natur unabhängig von subjektivem Zutun matrixhaft erhält, verstärkt und fortpflanzt und dabei selbst den sogenannten „Wirtschaftslenker“ oder den Präsidenten zur bloßen austauschbaren Größe, zum entwürdigten Objekt herabsetzt, das dennoch um fast eine Welt würdiger ist als der noch entwürdigtere, bis ins Unerträgliche und zu niemandes Nutzen geschundene Rest der Welt.</p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-4994531479802849993?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com3tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-77547609203245350312008-03-03T17:20:00.001+01:002008-03-03T17:21:55.071+01:00Das Mastodon<p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Seine Beine sind Stämme, Tümpel stampft</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">sein runder Fuß und sein Leib</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">ist ein wandernder Sinai. Nur die Sonne</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">ist höher und unter ihm Nacht.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn das Mastodon den Morgen grüßt,</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">der es anglänzt, und brüllt vor Behagen, füllt sich</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">der ganze Himmel machtvoll wie der Bauch</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">eines donnerfressenden Gotts.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Über ihm ist nur noch, fern, die</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Sonne: und backt seinen borstigen ziegel-</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">farbigen Rüssel. Das mag das Mastodon</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">gern.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Und unter ihm Nacht: die</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">säuft sein warmer Rüssel schon mittags</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">wie eine Pfütze aus und sprüht sie</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">zu den ewigkühlen Sternen.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Das Mastodon, wenn es die Wiesen zerwandert </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">hat, schwimmt im Ozean wie eine Insel;</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Donnerwogen und Stürme brechen an ihm und</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">die Fische spült seine Wucht in die Wüsten.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn es durch die alten vielfarbigen Urwälder</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">walzt, zersplittert das Geäst an seiner Haut,</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">die Stämme brechen rollend unter seinen Leib und </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Laub und Vögel verdaut es.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Und wenn das Mastodon auf Gebirge ging,</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">zerrissen die eisigen Wolken wie Hausspinnennetze</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">zerschmolzen zu Regen und wuschen sein Fell, aus dem</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">ziegelbraune Flüsse hinunter die Täler auffüllten.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Das Mastodon hat einen Schlaf so tief wie</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Welt und Zeit, es schläft in hohen Höhlen,</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">und nur die Welt allein und ihre Zeit</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">wecken oder lassen es gewesen sein.</p><br /><p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm;"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-7754760920324535031?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-84323375857590095492008-02-06T16:38:00.001+01:002008-02-06T16:41:12.285+01:00Du, Sein Patient<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp2.blogger.com/__-RJ2lGgOWM/R6nUqkpdo3I/AAAAAAAAAEk/AO0wcJvNzjc/s1600-h/bibelschule.JPG"><img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp2.blogger.com/__-RJ2lGgOWM/R6nUqkpdo3I/AAAAAAAAAEk/AO0wcJvNzjc/s320/bibelschule.JPG" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5163892275614163826" border="0" /></a><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-8432337585759009549?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-56644838089069482922008-02-05T21:59:00.000+01:002008-02-05T22:15:32.213+01:00Er, dein Metaphysiotherapeut<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/__-RJ2lGgOWM/R6jOlUpdo2I/AAAAAAAAAEc/Vs6XLf3wKLY/s1600-h/der+herr+dein+arzt.jpg"><img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp0.blogger.com/__-RJ2lGgOWM/R6jOlUpdo2I/AAAAAAAAAEc/Vs6XLf3wKLY/s320/der+herr+dein+arzt.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5163604113373373282" border="0" /></a><br /><br />Zwar tatsächlich richtig zitiert - trotzdem lächerlich. Ein Beleg für den Mangel an Kommunikationssinn, der das Christentum in seinem Missionierungsdrang (in Mittelamerika z.B.) von jeher ausgezeichnet hat...<br /><br />(Gesehen in der Nähe von Bern.)<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-5664483808906948292?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-4838519812288045112008-01-26T00:57:00.000+01:002008-01-29T00:02:15.170+01:00Vom schtzgrmmm zum pflgschmck<p style="line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="line-height: 150%;" align="justify">Dieser Eintrag hat sowenig mit Literatur zu tun wie meine Fellpantoffeln, obwohl bekanntlich auch Ernst Jandl – „<a href="http://www.lyrikline.org/index.php?id=162&amp;L=0&amp;author=ej00&amp;show=Poems&amp;poemId=1230&amp;cHash=bde42439b9">schtzgrmmm</a>“ – derartiges Schuhwerk zu tragen pflegte. Dieser Eintrag ist vielmehr einer der typischen Blogeinträge, die nicht einmal Leute, die Zeit haben, Blogs zu lesen, zu lesen die Zeit haben sollten. Eigentlich ist das Leben zu kurz für sowas – aber immer wenn man 'eigentlich' sagt, meint man ja eigentlich das Gegenteil, also lege ich jetzt los. Aber ich sage gleich, daß es <i>traurig</i> werden kann bzw., wie es in Splatterfilmrezensionen heißt: nichts für zart besaitete Gemüter!<br /></p><p style="line-height: 150%;" align="justify">Nicht daß man sich noch fragen würde, wieso man im Netz für jeden Besuch beim Gummibärchenhändler einen „<a href="http://de.local.yahoo.com/Deutschland/S%C3%BC%C3%9Fwaren/de100000628-s-23424829.html">Erfahrungsbericht schreiben</a>“ kann oder die obligatorische „Bewertung“ abgeben. Das Verblüffende ist eher, daß es Menschen gibt, die diese Funktionen auch noch <a href="http://www.ciao.de/Trolli_Apple_Mallow__Test_8320421">nutzen</a>:</p> <p style="line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote> Heute wollen wir von Trolli - die Apple-Mallow mit fruchtiger Füllung vorstellen - Wir haben uns ja bei Lidl von Sugar Land-Apple Loops extra sour gekauft und darüber auch einen Bericht geschrieben. [...] Es kommt eine breiige Flüssigkeit heraus,hat aber nichts mit Apfelgeschmack zu tun. </blockquote> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Für einen Philantropen kann das durchaus <i>traurig</i> sein. Will man seine Hoffnung für die Welt auf eine Spezies gründen, die in ihrer Freizeit den geschmacklichen Wert kleiner, grüner Farbstoffringe abwägt? Aber es kommt noch schlimmer...<br />Seit ganz Germanien (ganz Germanien?) auf K. den Eisbären geschaut hat (ich kürze den Namen ab aus Liebe zu meinen damit schon genug geplagten LeserInnen), und zwar mit einer Hingebung und Liebe wie sonst nur auf weniger wuschelige Scheitel der Geschichte, blüht das <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Eisb%E4r-Marketing-Flocke-versilb%E4rt/608508.html">Bärenbabybusiness.</a> Inzwischen ist uns ein weiteres Tierchen dieser Art im Nürnberger Zoo geboren worden, und Freunde der dortigen Tierbetreiber haben flugs ein putziges <a href="http://www.nuernberg-eisbaer.de/">Blögchen</a> eingerichtet, in dem sie die großen und kleinen Leserchen und Bärchenbewerterchen mit einem pinken Gewichtszunahmegräphchen und natürlich vielen bunten Videöchen bei Laune halten. </p> <p></p> <p></p><blockquote> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 100%;" align="justify">Das Eisbär-Baby Flocke im Tiergarten Nürnberg entwickelt sich mehr und mehr zum kleinen Racker: „Auf unserer Waage hat sie so gezappelt, dass es unmöglich war ihr Gewicht abzulesen. Wir mussten und erst ein Gerät mit digitaler Anzeige besorgen“, berichtet Tierarzt Dr. Bernhard Neurohr. 3 850 Gramm brachte Flocke am heutigen Morgen auf die Waage. Die kleine Eisbärin werde immer aktiver und zerreiße ihren Pflegern bereits die Handschuhe. </p> </blockquote> <p style="line-height: 150%;" align="justify">Auf diese bewußtseinserweiternden Neuigkeiten erwidert Bernd Hegel, einer der Bärenblogleser: „Ja die kleinen Krallen können so langsam Schaden anrichten.“ Danke, Bernd. Grüße an alle, die dich kennen. Und Bernd hat noch mehr zu sagen...<br />Auf die nicht für zart Besaitete geeignete Meldung:</p><p style="line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote> Flocke macht seinen Betreuern immernoch Sorgen denn es befindet sich Stroh im Stuhl der kleinen Eisbärendame. 'Offenbar hat sich Heu im Magen von Flocke zusammengeballt. Das kann zu einer gefährlichen Verstopfung führen',<br /></blockquote><span style="font-style: normal;"> </span> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">reagiert Hegel positiv: „Wir wünschen Flocke Gute Besserung!“ Wir? Gibt es etwa mehr als einen Hegel? Aber es kommt noch trauriger...<br />Ein Herr namens <cite><span style="font-style: normal;">Florian Andreas Konrad von Stiglloher</span></cite> <span style="font-style: normal;">riskiert seinen guten Namen, nachdem er von der dadaistischen Meldung „Flocke bleibt Flocke! Das Nürnberger Eisbärbaby hat nun einen Namen“ derart hingerissen war, daß er sie kommentieren mußte wie folgt:</span> </p> <p></p> <p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote><p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify">Freut mich das die kleine einen namen hatt, wünsche allen pfleger des kleinen viel spaß.</p> <p>lg flo</p></blockquote><p></p> <p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-style: normal;">Flo? Ist das nicht herzlich? Flo grüßt Flocke, obwohl er ihr zehn Silben (und ein bißchen Deutsch) voraus hat. Welche Verbrüderungsergüsse! Ich hätte fast geweint, wenn es nicht doch auch ein winziges wenig lustig wäre...</span><br />Daß dieses süße Blog auch den Adel anspricht, ist kein Wunder, schließlich sind die Betreiber selbst derart in der Nobilitas zuhause, daß sie ihre Namensmeldung folgendermaßen auch noch ins Britische zu übertragen wissen. Deutsch:</p> <p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote>Der Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) hat soeben den Namen unseres Eisbärenbabys verkündet. Die Jury hat entschieden: Der Eisbärname bleibt <strong>Flocke</strong>. Unserer kleinen <strong>Flocke</strong> geht es gut und ich denke Sie wäre auch mit Ihrem Namen zufrieden.</blockquote> <p></p> <p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify">Nicht deutsch:</p> <p style="font-style: normal; line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote>Engl.: The Lord Mayor of the City of Nuremberg Ulrich Maly (SPD) just announced the name of our baby polar bear . The jury decided: The baby polar bear remains “Flocke” (Engl. Snowflake). Our small Flake is doing well and i think she is satisfied with her new name too.</blockquote> <p></p> <p style="line-height: 150%;" align="justify">Wenn der Uli von der SPD wüßte, daß man ihn vom Bürgermeister zum Lord gemacht hat, obwohl er sich durch Eisbärtaufen von seiner verantwortungsvollen Arbeit abhalten läßt, hätte er sicher auch schon ausgiebig die Kommentarfunktion von Adelsblogs wie diesem genutzt. Schade.<br /><span style="font-style: normal;">Bevor ich aber an dieser Stelle abbreche und meinen noch immer teilnehmenden LeserInnen die Herzensergießungen von Frau </span><cite><span style="font-style: normal;">Birgit Altenbrunner-Martinek</span></cite> oder <cite><span style="font-style: normal;">Mara Marlen Mosebach</span></cite> („Mein Papa meint, die kleine Eisbärin sollte Icy heißen oder Mara weil er meinen Namen immer noch so toll findet.“ - Liebe Mara Marlen, sag mal, ist dein Papa vielleicht Dichter? Und ist sein Lieblingsbuchstabe vielleicht M, was Romantitel wie „Der Mond und das Mädchen“ vermuten lassen?) vorenthalte, möchte ich darauf hinweisen, daß es selbst auf die rein organisatorische Meldung von gestern, die das neu ersonnene Gewichtszunahmegräphchen vorstellt, schon eine <a href="http://www.nuernberg-eisbaer.de/baerenkind/gewicht-von-flocke.html#comments">begeisterte Reaktion eines gewissen</a> Sandro Sahara gibt, die ich nicht auch noch zitieren muß.</p> <p style="line-height: 150%;" align="justify">Am Ende ein kleiner Wermutstropfen. Wer bisher wie ich von soviel warmen Äußerungen und all der aufrichtigen Zärtlichkeit, in einfachen Worten einem kleinen Bären dargebracht, sich verzaubert fühlte, wird jetzt ein bißchen schlucken müssen. Gestern nämlich geben die Verantwortlichen der Bärchenpoesie unter der zu 90% falschen Überschrift „Wir spenden für Flockes Eisbären Verwandtschaft“ [sic] bekannt, daß sie das Blog bei Ebay „einstellen“, also verscherbeln werden zum Schleuderpreis von 2 000 Euro (bei Sofortkauf), wovon „10% an WWF Deutschland“ gingen. „Somit können wir auch etwas für Flockes Verwandtschaft dort hoch im Norden tun“, heißt es für naive Blogfreunde wie mich, während die potentiellen Ebaybieter in realistischerem Ton angesprochen werden. Die sollen nämlich natürlich nicht bieten, um hoch im Norden Gutes für Bären, sondern auf ihrem Konto Gutes aus Bären zu machen:</p><p style="line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote> Die Möglichkeiten sind grenzenlos. (shop.nuernberg-eisbaer.de?) Es wurde viel SEO Vorarbeit geleistet. Desweiteren gibt es auch viele User die täglich direkt auf die Domain wiederkehren um neues über das Eisbärenbaby zu erfahren.</blockquote><p></p> <p style="line-height: 150%;" align="justify">Übrigens, wenn man „Flocke“ als Suchwort bei Ebay in der Rubrik '.de Domains' eingibt, muß der Tierfreund mit ansehen, daß schon ein Dutzend Leute auf denselben sinistren Gedanken gekommen ist. O unputzige Welt!<br />Doch nicht jedem bleibt die Unputzigkeit der Welt so verborgen wie den Eisbärbabyblogstammlesern aus der Adelsschicht. Es gibt noch analytische Köpfe in Germanien und sowieso: „<a href="http://www.stefanheymann.de/galerie/tuebingen/page-0005.htm">Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch</a>.“ So erhebt am 25.Januar um 16:03 Uhr ein gewisser Georg Wilhelm Friedrich Hegel Einspruch gegen die heuchlerische Rechnung der Blogbetreiber mit den Worten:</p><p style="line-height: 150%;" align="justify"></p><blockquote> Da bleibt aber bei einem Sofort-Kaufen-Preis von 2000 Euro noch einiges an Gewinn erhalten. Und ich dachte schon, ihr macht das hier aus reiner Liebe zum Eisbärbaby. Schade…</blockquote><p></p> <p style="line-height: 150%;" align="justify">Man <a href="http://www.nuernberg-eisbaer.de/baerenkind/wir-spenden-fuer-flockes-eisbaeren-verwandtschaft.html#comments">antwortet ihm</a> damit, daß man schließlich auch als Blogger so seine Ausgaben habe im kostspieligen Ganzen, dem Hegel nicht minder als jedweder Blogger, Flocke, Flo, Mara Marlen Mosebach, Papa Martin und ich angehören. Und hat der Bärenhändler da nicht recht?</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">An dieser Stelle breche ich diesen Beitrag endlich und ganz bewußt mitten in der Mitte ab, um den Eindruck zu vermeiden, ich würde mir die Mühe machen, GANZE Beiträge über Eisbärbabies zu verfassen. Schließlich greifen so viele Blogs solche sogenannten aktuellen Themen auf, und ich will doch meinen Lesern das Gefühl vermitteln, was Besseres zu sein....</p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">Deshalb am Ende bzw. in der Mitte noch schnell ein Gedicht, das mit dem Thema auch wirklich eigentlich überhaupt nichts zu tun hat:</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">trll pplmllw</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">mt frchtgr fllng</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">nichts</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> zu</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> tun</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">mt pflgschmck</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">a</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> pflgschmck</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> gschmck</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"> schmck</p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify">sch!</p><br /><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-483851981228804511?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com5tag:blogger.com,1999:blog-9183523539678778895.post-80778345719013696382008-01-24T00:18:00.001+01:002008-03-31T22:28:21.677+02:00Die Gastkolumne! Teil 1: Marxismus für Schulleiter.<p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-size:100%;"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><br /></span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Unser heutiger Gastautor X1 will in seiner zwölften Internetveröffentlichung nicht namentlich genannt werden. Um uns dennoch ein Bild von seiner Persönlichkeit zumindest umrißhaft zu zeichnen, liegt seinem politischen Artikel ein steckbriefhaftes Selbstportrait bei. Ich werde es hier publizieren, obwohl ich kein Freund von Fragebogen bin. Also, hier ist es...<br /><br /><br />Geboren: 1976, zögerlich.<br /><br />Eltern: Amnesie &amp; Punkfrisur. Nunmehr Landräte.<br /><br />Domänen: Klaustrophilie. Aufstieg zum Gipfel der Langsamkeit. Adverbien des Ortes ("allenthalben"!).<br /><br />Todesstil: mit hagerem Kopf auf den Tisch gesackt, einen Espressotropfen am Brillenglas, eine kurze dunkle Strähne nachzitternd über der glatten Stirn, im Abgrund des Zweifels.<br /><br />Häufigkeitswörter: Universum, logisch, weiß.<br /><br />Unter seinen/ihren Vorfahren: ungenannte Bogenschützen &amp; ein Wurzelleser.<br /><br />Gefühlswelt: Bücher parallel zur Tischkante.<br /><br /><br />Der Inhaber des Blogs haftet nicht für die Aussagen seiner Gastautoren. Hier sind sie...</span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;"><br /></span></span></p><p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">Ein Mann besitzt zwölf Fabriken in Samaria. Acht machen Verluste. Vier Gewinne, davon drei doppelt so hohe wie die Verluste der drei schwächsten Fabriken zusammen. Die fünf weniger schwachen Fabriken beschäftigen ausschließlich Frauen. Die drei schwächsten ausschließlich Männer. Die vier gewinnbringenden beschäftigen Frauen und Männer, davon die zwei besten im Verhältnis 50 zu 50, die übrigen beiden in der Mehrheit Frauen. Hergestellt wird Babynahrung. Es besteht der Verdacht, daß die in den Verlustfabriken angestellten Frauen stehlen. Sind nämlich alles arme Frauen, wegen des Verlusts. In den Gewinnfabriken sind die Löhne um ein Prozent pro vierzig Prozent Gewinn gegenüber dem Vorjahr höher. In den vegangenen siebenundzwanzig Jahren ergab sich daraus eine Lohnsteigerung von 4,8% (inflationsbereinigt). Im selben Zeitraum stieg der Preis der Babynahrung um 33,4%. Das Bevölkerungswachstum schrumpfte auf eine Wachstumsrate von 3,0%. Dafür haben sich 73% mehr Männer und 12% mehr Frauen sterilisieren lassen. </span></span> </p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><span style="font-family:Times New Roman,serif;"><span style="font-size:100%;">In welcher Fabrik sind die ArbeiterInnen am zufriedensten?</span></span></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p> <p style="margin-bottom: 0cm; line-height: 150%;" align="justify"><br /></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9183523539678778895-8077834571901369638?l=deadwallreveries.blogspot.com'/></div>DWR - Kollektivhttp://www.blogger.com/profile/11017167926956225895noreply@blogger.com0