tag:blogger.com,1999:blog-77984106087447853952008-07-06T23:02:50.450+02:00BambusregenHerr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comBlogger58125tag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-87563348734038625032008-07-06T12:18:00.004+02:002008-07-06T12:25:55.883+02:00Auf ein Wort<div style="text-align: justify;">Ich habe mich dazu entschlossen, Artikel, die ich nicht selbst verfasst habe, die aber im Kern meine Ansichten und Haltungen wiederspiegeln, nach Rücksprache mit den Verfassern oder Übersetzern unter Beachtung des Copyrights und mit Quellenangaben hier zu veröffentlichen. So erschienen hier der Artikel von <span style="font-style: italic;">Ushiro Kenji</span> in der Übersetzung des von mir geschätzen <span style="font-style: italic;">Stephan Yamamoto </span>und ein Brief meines Mitschülers <span style="font-style: italic;">Dr Ulrich Kobbé</span> an die Redaktion des <span style="font-style: italic;">Iaido-Journals</span> (Anm. d. Verf.: das Printorgan des DIAIB).<br /><br />Die Artikel berufen sich auf die Möglichkeit der Meiningsfreiheit. Trotzdem erwarte ich, daß insbesondere der Artikel von <span style="font-style: italic;">Dr Kobbé</span> zu einer, wenn auch nicht öffentlichen, Kontroverse führen wird.<br /><br />Aber selbst das ist Kampfkunst.<br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-89969808143924064702008-07-06T11:47:00.005+02:002008-07-06T23:02:50.491+02:00Zwischen Anspruch und Wirklichkeit<div style="text-align: justify;">oder: Klage eines Iaidoka<br /><br />von Ulrich Kobbé<br /><br />– <span style="font-style: italic;">gasshou</span> 合掌!<br /><br />Wenngleich diese förmliche Anrede ungewöhnlich oder befremdlich sein mag, so ist sie zugleich Hinweis auf den Tenor dieses Beitrags: Sie erweist dem Leser die Referenz des – ursprünglich vom Zen kommenden – Verfassers. Und sie gibt zugleich an, vor welchem Hintergrund dieser in Briefform gehaltene Beitrag entsteht: vor dem einer Art ‚Doppelzugehörigkeit’ zu den Übungswegen des <span style="font-style: italic;">Zen</span> und des <span style="font-style: italic;">Iaido</span>.<br /><br />Entstanden sind die hier öffentlich gemachten Überlegungen im Laufe einer Reihe von Monaten, in denen ich anderen <span style="font-style: italic;">Iaidoka</span> zugehört, das Seminargeschehen mitverfolgt, das <span style="font-weight: bold;">Iaido-Journal</span> gelesen habe und auf einen zunehmend bemerkbaren Zwiespalt aufmerksam wurde.Fangen wir mit Beispielen aus dem Journal an:<br /><br />* Da erscheinen in der Oktoberausgabe 10/2006 auf Seite 17 Zitate aus Prüfungsantworten als so genannte „Stiehlblüten“ und der Schreiber – immerhin Komitee-Mitglied und <span style="font-style: italic;">Sensei</span>, 6. <span style="font-style: italic;">Dan Iaido</span> – bezeichnet diese, „natürlich ohne jemanden zu diskreditieren“, als „lustig“. Dass sich ein <span style="font-style: italic;">Iaidoka</span> in einer Prüfung mitunter ungeschickt ausdrückt, ist nur allzu menschlich – dass ein Lehrer und Prüfer sich darüber auf diese Weise darüber erhebt, sollte nach seinem Selbstverständnis im Lehrer/Schüler-Verhältnis fragen lassen: War es nicht so, dass das Unvermögen des Schülers – bestmögliches Bemühen vorausgesetzt – auf den Lehrer zurückfällt? Ist es nicht so, dass die Überheblichkeit des einen die Entwertung des anderen beinhaltet?<br /><br />* Und im selben peinlichen – ja, Pein (= Schmerz) verursachenden – Iaido-Journal stellt sich auf Seite 23 ein Verein mit dem Motto ‚Nicht Ritzen, sondern SCHLITZEN!!!!!!!!!!!!’ vor … und enthüllt dabei mehr, als der Verfasser, 4. <span style="font-style: italic;">Dan Iaido</span>, ahnt: Wenn denn die elf Ausrufungszeiten in ihrer unbescheidenen Selbstbejahung nur Symptom sein dürften, verweist die unreflektierte ‚Hau-drauf-Mentalität’ eines <span style="font-style: italic;">Dojo</span>, der zudem damit wirbt, „bei Feiern einfach die lauteste und witzigste Gruppe“ zu sein, auf mehr als nur ein Problem.<br /><br />Allein diese beiden Beispiele werfen Fragen auf nach dem Selbstverständnis der im DIaiB organisierten <span style="font-style: italic;">Iaidoka</span>, nach der Funktion von Komitee und <span style="font-style: italic;">Sensei</span>, nach der Bedeutung der <span style="font-style: italic;">Dan</span>-Graduierungen – und nach der fehlenden Auseinandersetzung darüber.<br /><br />Nach wie vor gehe ich davon aus, dass <span style="font-style: italic;">Iaido</span> eine <span style="font-style: italic;">Budo</span>-Disziplin ist. Wenngleich die Bezeichnung ‚Disziplin’ bereits auf die dabei geforderte Selbstdisziplinierung der diesen Schwertweg Übenden hinweist, scheinen sich die Koordinaten der Leitidee dieses Übens verschoben zu haben: Könnte es sein, dass Wettkampf (Euro-<span style="font-style: italic;">Taikai</span>, Deutsche Meisterschaft) und Kampfsport mittlerweile einen so zentralen Platz im Verband einnehmen, dass die Ideale des <span style="font-style: italic;">budo</span> – als geistiger Weg einer Kampfkunst – dabei komplett in den Hintergrund verdrängt wurden und werden? Wer primär um erste Plätze, um Siegerehrung, um Beachtung, um Selbstbeweis kämpft, betreibt <span style="font-style: italic;">Iaido</span> eher als einen Wettbewerbs- und Kampfsport – Kampfkunst hingegen ist etwas, das Möglichkeiten der Selbstfindung, der Selbsterkenntnis, der Vervollkommnung geistig-seelischer Fähigkeit, der Persönlichkeitsentwicklung enthält. In diesem Sinne ginge es um eine Schwertarbeit mit den Aspekten der Verwirklichung einer ethischen Haltung, der achtsamen Selbstveränderung, des entschlossenen Strebens nach Wahrheit, des prinzipiellen Gewaltverzichts.<br /><br />Bei Durchsicht der Lehrgangsprogramme scheint mir, dass diese spirituellen Voraussetzungen der Kampfkunst ‚<span style="font-style: italic;">Iaido</span>’ – bis auf höchst vereinzelte <span style="font-style: italic;">budo</span>-pädagogische Ausnahmen – im DIaiB nicht (mehr) als zentrale Werte geachtet, geschweige denn vermittelt werden. Dies könnte als eine neue Akzentuierung verstanden werden, als Geschmacksfrage, Variante oder Neuerung, doch verkommt <span style="font-style: italic;">Iaido</span> ohne <span style="font-style: italic;">Budo</span>-Fundament zu etwas gänzlich Anderem, das zwar noch diesen Namen als leere Worthülse führt, jedoch nur noch ‚geistlose’ Schwert- und Kampftechnik zu sein vermag. Im Sinne traditioneller <span style="font-style: italic;">Budo</span>-Kampfkunst machte dies den Unterschied aus zwischen <span style="font-style: italic;">uchi-deshi</span> 内弟子, dem inneren Schüler, der den spirituellen Weg der Schwertarbeit geht, und <span style="font-style: italic;">soto-deshi</span> 外弟子, dem ‚äußeren’ Schüler, der keinen Zugang zur inneren Lehre hat und nur an technischem Können interessiert ist.<br /><br />Ob der einzelne <span style="font-style: italic;">Iaidoka</span> dies oder jenes will, muss ihm selbst überlassen bleiben. Doch müssen sich das Komitee und die hochgraduierten <span style="font-style: italic;">Iaidoka</span> in ihrer Funktion als – potentielle – Vorbilder und <span style="font-style: italic;">Sensei</span> fragen lassen, wie sie sich diesen Fragen stellen. Wenn der Lernweg des <span style="font-style: italic;">shitei</span>, die Lehrer/Schüler-Beziehung, von Prinzipien des <span style="font-style: italic;">giri</span> 義理, Pflichtgefühl / rechte Haltung, des <span style="font-style: italic;">nesshin</span> 熱心, eifriges Streben, und des <span style="font-style: italic;">jitoku</span> 自得, Selbstvorteil durch Selbstlernen, geprägt sein bzw. dies möglich machen soll, dann stellt dieses Ideal hohe Anforderungen an die Person des Lehrers. Im Ernst setzte dies ggf. voraus, sich konsequenter an den durch <span style="font-style: italic;">Soejima Sensei</span> fortgeführten Prinzipien von <span style="font-style: italic;">Sagawa Sensei</span> auszurichten, da sonst die Sonderausgabe des <span style="font-style: italic;">Iaido</span>-Journals oder die <span style="font-style: italic;">embukai</span> 演武会für <span style="font-style: italic;">Sagawa Sensei</span> ebenso zu Schein und Äußerlichkeiten gerieten, wie es fraglich auch der Abdruck des <span style="font-style: italic;">tenugui</span> 手拭いvon <span style="font-style: italic;">Soejima Sensei</span> im Aprilheft 11/2007, Seite 5, wäre: Dessen Hinweis auf den gebotenen ‚Anfänger-Geist’ ist sicher nicht lediglich routinierte Wiederholung eines Prinzips der <span style="font-style: italic;">Zen</span>-Praxis – er könnte als eine mahnende Erinnerung, ja, vielleicht auch als ein Verweis des <span style="font-style: italic;">Sensei</span> verstanden werden, sich diese geistigen Grundlagen des <span style="font-style: italic;">Iaido</span> erneut zu vergegenwärtigen…<br /><br />Ich selbst habe, wie die Angaben im Kopf dieses Beitrags ausweisen, weder <span style="font-style: italic;">Kyu</span>- noch <span style="font-style: italic;">Dan</span>-Grad. Dies aus gutem Grund: Graduierungen fungieren als Voraussetzung zu <span style="font-style: italic;">okuden</span> 奥傳, zur Vertiefung der inneren Haltung im Üben der Form, wie ein Sieb, wie ein Test des sichtbar werdenden Potentials. Doch als institutionalisierter Wertmaßstab des (technischen) Könnens laufen diese Graduierungen Gefahr, Selbstzweck zu werden, nur noch dem Verband zu dienen und den Übenden illusionär verkennen zu lassen, die Meisterschaft des <span style="font-style: italic;">Budo</span> und/oder des <span style="font-style: italic;">Iaido</span> liege im Wert beurkundeter <span style="font-style: italic;">Dan</span>-Grade oder gewonnener Wettkämpfe. Dies ist sicher nicht der ‚rechte Weg’, denn ‚Meisterschaft’ beweist sich letztlich selbst. Seinen Weg muss der Übende selbst entscheiden. Für mich beinhaltet, keinerlei Graduierung zu haben, das Wesen des <span style="font-style: italic;">shoshin</span> 初心, des ‚Anfänger-Geistes’: Er ist rein, einfach, leer. – Was die Übungsleiter / Lehrer des <span style="font-style: italic;">Iaido</span> jedoch betrifft, so setzt deren Status einerseits voraus, dass sie als Weglehrer diesen inneren Kampf um mehr als nur technische Perfektion auch ‚leben’ (müssten), dass sie sich andererseits aber auch gewahr sein sollten, sich nicht selbst zum Lehrer (eigentlich: <span style="font-style: italic;">sensei</span> 先生= Meister) ernennen, sondern nur von einem Schüler dazu gewählt werden – und diese Wahl annehmen / ablehnen – zu können.<br /><br />Schluss und Schlussfolgerung dieser Klageschrift lauten mit aller Bescheidenheit eines <span style="font-style: italic;">Iaido</span>-Schülers, dass der DIaiB in seiner Verbandspolitik (auf-)gefordert ist, sich des <span style="font-style: italic;">Zen</span>-Leitmotivs von <span style="font-style: italic;">Soejima Sensei</span> zu erinnern, d. h. sich <span style="font-style: italic;">keiko</span> 稽古, der Übung des <span style="font-style: italic;">Budo</span>, zu entsinnen und „nicht (zu) vergessen, wie bescheiden und mit welcher ernsthaften Absicht man begonnen hat“.<br /><br />In diesem Sinne – <span style="font-style: italic;">gasshou</span> 合掌,<br />Ulrich Kobbé<br /><br />------------------------------------<br /><br />Zur Person:<br /><br /><span style="font-family:Times New Roman;font-size:100%;"><span style="font-size: 12pt;">Dr. Ulrich Kobbé ist u. a promovierter Psychologe, psychoanalytischer Psychotherapeut und Dozent an der Ruhr Campus Academy der Universität Duisburg-Essen. Mit weiteren Wissenschaftlern gibt er die Zeitschrift "Psychologie und Gesellschaftskritik" heraus (<a href="http://pug-online.de/">http://pug-online.de</a>). Er praktiziert <i><span style="font-style: italic;">zen</span></i> länger als er <i><span style="font-style: italic;">iaido</span></i> übt und weist sich selbst dadurch aus, auch im praktischen <span class="SpellE"><i><span style="font-style: italic;">kumitachi</span></i></span> auch physisch gut austeilen und einstecken zu können, selbst wenn Blut fließt.</span></span><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-23171372109799433732008-07-05T16:06:00.000+02:002008-07-05T16:07:42.644+02:00Ushiro Kenji über “genten” (1)<div style="text-align: justify;"><span class="postbody"><span style="font-weight: bold;"></span><span style="font-style: italic;">Ushiro Kenji, Okinawa Shindôryû Karate, Osaka, Japan </span></span><br /><span class="postbody"><span style="font-style: italic;"> Aus dem Englischen von Stephan Yamamoto</span> </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> <span style="font-weight: bold;">Ursprüngliches Budô</span> </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> Unsere Auffassung von Budô muß unbedingt im eigentlichen Zweck der Kampftechnik wurzeln, nämlich der Entscheidung über Leben und Tod im Zuge einer Schlacht. Darüber hinaus sollte unser Training ein tiefes Verständnis vom Leben, der Gedanken, der Persönlichkeit und des Geistes der Gründer beinhalten, deren Traditionen wir weiterführen. </span><br /><span class="postbody">Durch die Techniken, die unser Budô ausmachen, haben wir die Möglichkeit – und gleichzeitig die Verpflichtung – die Antworten zu finden, nach denen schon die Begründer selbst gesucht haben. Ich bin der Ansicht, daß es den eigentlichen Sinn des Budô bildet, wenn man diese Idee in der Gegenwart neu umsetzt. </span><br /><span class="postbody"> Gleichzeitig bietet uns unser <span style="font-style: italic;">keiko</span> (2) die Chance, Dualitäten (3) zu überwinden und unseren Körper ganzheitlich zu formen. Es ist an uns, unseren Geist zu entwickeln und durch die Einheit des Physischen und Spirituellen unsere Grenzen überwinden zu lernen. </span><br /><span class="postbody">Verlieren wir dieses Ziel aus den Augen und kommen so von unserem eigentlichen Weg ab, bedeutet dies auch automatisch den völligen Verlust dieses Weges. Unglücklicherweise haben wir meist den Punkt an dem es kein Zurück mehr gibt bereits überschritten, wenn wir diesen Verlust bemerken. Budô ist für ein solches Schicksal besonders empfänglich, da es sich um ein schwer zu beschreibendes, kulturelles Gut handelt, das direkt von Lehrer zu Schüler weitergegeben wird. </span><br /><span class="postbody"> Heute erleben wir ein Aushöhlen der Kampfkunst. Es spielt keine Rolle, ob die jeweilige Disziplin Wettkampf praktiziert oder nicht: Der Trend, Budô rein als Sportart zu sehen, nimmt ständig zu. </span><br /><span class="postbody">Im Ergebnis wird die mehrfache Wiederholung von Techniken, die die Grundlage aller Kampfkunst bildet, zu etwas Oberflächlichem, während essentielle Inhalte wie Atmung und Ki zur Theorie verkommen. </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> <span style="font-weight: bold;">Die Essenz des Budô: Harmonisierung</span> </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody">Die heutigen Karatestile haben die Ausbildung von Schlag- und Trittechniken und das freie Kämpfen zum Ziel. Obwohl beide den gleichen Namen tragen, haben das aktuelle Sportkarate und das Bujutsu-Karate jedoch ganz unterschiedliche Ziele. </span><br /><span class="postbody">In Bezug auf Schlagtechniken, die zweifelsohne einen der Kernbereiche des Karate bilden, hören wir oft den Ausdruck “mit einem Schlag töten.” Die Bedeutung dessen liegt dann in einer unglaublich wirkungsvollen Angriffstechnik. Wie dem auch sei, die Natur dieses Ausdrucks unterscheidet sich zwischen Sportkarate und Bujutsu-Karate ganz erheblich. </span><br /><span class="postbody">Im sportlichen Karate bedeutet “mit einem Schlag töten” einen starken Treffer zu landen. Dagegen ist im Bujutsu-Karate das primäre Ziel in den Gegner einzudringen – während man ihm damit gleichzeitig die Möglichkeit für einen Angriff oder eine Abwehr nimmt. Daher ist der Anspruch an das Training dieser beiden Sichtweisen ein jeweils völlig anderer. </span><br /><span class="postbody">Da Sportkarate das Augenmerk auf Schlagen und Treten legt, besteht das Training hauptsächlich aus der Arbeit am Makiwara und dem Sandsack. Im Gegenzug befaßt sich das Bujutsu-Karate primär mit der “Kontrolle durch Nicht-Schlagen” (4) – auch wenn das zunächst widersprüchlich klingen mag, nicht zu schlagen. Physisches Training an einem unbeweglichen Ziel ist daher von untergeordneter Bedeutung. Sicherlich kann ein solches Training eine Hilfe sein um die eigenen Fortschritte zu messen. Herkömmliches <span style="font-style: italic;">keiko</span> legt darauf allerdings keinen großen Wert. </span><br /><span class="postbody"> Schlagtechniken beinhalten den Schock des Aufpralls, „Nicht-Schlagen“ dagegen zielt auf keinerlei Schockwirkung ab. Im letzteren finden sich die Prinzipien der Harmonisierung (5), die dem echten Bujutsu-Karate zugrunde liegen. </span><br /><span class="postbody">Paradoxerweise entstammt die Energie für diese Harmonisierung der Kraft des Angriffs oder dem Potential eines starken Treffers. Harmonisierung alleine ist dabei nicht das Entscheidende, sondern sie ist lediglich Mittel zum Zweck. Sie bedeutet eher die absolute Kontrolle über Distanz und Timing, die es uns erlaubt, uns und unseren Gegner vollständig zu erfassen. Kata-Training im Karate bietet uns eine besonders effektive Methode, dies zu erforschen. </span><br /><span class="postbody">Auf die gleiche Weise wie wir die Fähigkeit Fahrradfahren nutzen und nie wieder verlernen, wenn wir es erst einmal können, werden wir die Techniken der Kata erst dann richtig anwenden können, wenn wir die Natur der Kata selbst verstanden haben. Jedoch ist die Kata kein rein körperlicher Vorgang wie das Fahrradfahren und daher schwerer zu verinnerlichen. </span><br /><span class="postbody"> Könnten die Kata so benutzt werden “wie sie sind” wäre ihre Effizienz nicht in Frage zu stellen. Da aber die meisten Kata heute anders ausgeführt werden als ursprünglich in den okinawanischen Schulen, sind sie durch den rein sportbezogenen Zugang zunehmend unbrauchbar als Kampftechnik geworden. In der Konsequenz hängt es vom Lehrer ab, ob die in den Kata enthaltenen Prinzipien noch umgesetzt werden können oder nicht. In anderen Worten: Der Lehrer selbst wird zur Essenz der Kata. </span><br /><span class="postbody">Genau so wie multiplikatorische Tabellen die Basis für die Arithmetik bilden, bilden die Kata die Basis von Budô und Bujutsu. Nur durch wiederholtes Üben dieser Grundlagen können wir sie verstehen. Im Gegenzug können wir nur so konkrete Anwendungen entdecken und umsetzen. Gleichzeitig ist es ebenso wichtig, uns die Prinzipien der Harmonisierung im täglichen Leben zu eigen zu machen, da sie das Herz des Bujutsu bilden. </span><br /><span class="postbody">Schließlich bleiben die korrekten Anwendungen trotz aller meisterhaft ausgeführten Technik etwas, das erarbeitet werden muß. Es ist daher wichtig für unseren Fortschritt, uns auf die Essenz der Technik zu konzentrieren. Nur so können aus den Techniken angemessene Reaktionen innerhalb einer Angriffssituation werden. Das ist mit der Rückkehr zu den Ursprüngen des Budô gemeint. </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> ---------------------- </span><br /><span class="postbody"> (1) 原点 jap. Ursprung, Ausgangspunkt. Gemeint ist “ursprüngliches” Budô. </span><br /><span class="postbody"> (2) 稽古 jap. Training, Übung inner halb der Kampfkünste und der traditionellen schönen Künste Japans. </span><br /><span class="postbody"> (3) Gemeint sind Gegensätze wie die Trennung von Körper und Geist oder des Menschen von seiner Umwelt, woraus scheinbar unüberwindbare Probleme entstehen. </span><br /><span class="postbody"> (4) Im Originaltext heißt es “non striking control.” </span><br /><span class="postbody"> (5) Im Originaltext heißt es „unification." </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> </span><br /><span class="postbody"> (Quelle: <a href="http://www.bujindesign.com/" target="_blank">http://www.bujindesign.com</a>)</span></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-3922306254124075982008-06-28T21:54:00.004+02:002008-06-28T22:56:32.656+02:00Haltungsschäden<div style="text-align: justify;">Eine ganz großartige Sache an der Kampfkunst ist, daß man selbst dann, wenn man seine Jugendzeit hinter sich gebracht hat, seine angelernte miserable Körperhaltung so zu verbessern, daß sich Wehwehchen wie zum Beispiel die weit verbreiteten Rückenschmerzen auf ein Minimum reduzieren lassen. Ich habe ja selbst Probleme mit einem zu kurzen rechten Bein und einem daraus resultierenden Hüftschiefstand, der früher enorme Auswirkungen bis auf den Schulter-/Nackenbereich hatte. Wie gesagt: früher. Heute geht es mir nach gut zehn Jahren auf der Matte sehr viel besser. Ich bin mir sicher, daß nur intensiver Ballettunterricht oder der regelmäßige Ritt auf einem Pferd einen ähnlichen Effekt gehabt hätte. Nun sehe ich aber in knallengen Tanzhöschen sicherlich dämlich aus (vom Tutu fange ich gar nicht erst an) und das "Horsemanship" beherrsche ich in Grundzügen, aber es ist nicht das, was mich tatsächlich anmacht. In der Übung der Kampfkünste lernt man recht schnell, wie man "ordentlich" steht, sitzt oder läuft. Seitdem überprüfe ich mehrfach täglich, ob ich gerade stehe, ob meine Schultern nicht nach vorne gesackt sind und das Brustbein nicht eingesunken ist und natürlich ob mein Gewicht auf den Ballen meiner Füße lastet und daß die Knie nicht durchgedrückt sind.<br /><br />Leider ist das tägliche Leben eines durchschnittlichen Mitteleuropäers wie mir angefüllt mit Versuchungen, sich hängen zu lassen. Und natürlich erliege ich ihnen oft, meist vollkommen unbedacht, manchmal aber auch wohlwissend, das dies eine charakterliche Schwäche meinerseits ist. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, oder?<br /><br />Während sich der körperliche Haltungsschaden recht einfach und effektiv zum Besseren wenden lässt, wird den geistigen Haltungsschäden oftmals wenig Beachtung geschenkt. Ich rede hier nicht davon, daß einige unserer Zeitgenossen psychisch in einem instabilen Zustand seien - das ist nicht meine Baustelle und liegt eher den Fachleuten, nicht mir - ich meine die geistige Haltung zur Kampfkunst und allem, was sie mit sich bringt.<br /><br />Im Laufe der Zeit ist ein Kampfkünstler gezwungen, eine Entscheidung zu treffen: nehme ich die Kampfkunst mit allem gebührenden Respekt als das, was sie ist, an oder lasse ich es bleiben? Im Grunde ist es wie bei der Wahl des Lebenspartners: entweder nehme ich ihn ganz mit allen Eigenheiten, die nicht nur Vorzüge sind; falls ich ihn so nicht akzeptieren kann, hat eine Beziehung keinen Wert und ist zum Scheitern verurteilt. Ich kann nun einmal nicht nur das bekommen, was mir Spaß macht, ich nehme auch das, was mühselig ist.<br /><br />Interessanterweise scheinen viele meiner Zeitgenossen den Ernst ihrer Entscheidung nicht wahrzunehmen. Kampfkunst wird von der breiten Masse als Techniksammelsurium mit Wettkampftauglichkeit angesehen. Dinge, die mühselig oder auch gefährlich sind, weil sie mit Selbstreflexion oder Wahrnehmung des eigenen Einflusses auf die unmittelbare Umgebung zu tun haben, werden gerne ausgeblendet. Zwar wird gerne einmal vom Verbessern der eigenen Persönlichkeit oder noch schlimmer "irgendwas mit <span style="font-style: italic;">zen</span>" gefaselt, aber so richtig daran arbeiten möchte kaum einer. Viele Verbände und Schulen gleichen da eher einem Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem es um Graduierungen, Posten, Wettbewerbsurkunden, Pokale oder der beeindruckenden Beherrschung der 198 <span style="font-style: italic;">kata</span> der XY-<span style="font-style: italic;">ryu</span> geht. Dabei treten Historie und Philosophie der Schule in den Hintergrund, das Andenken an Lehrer und Begründer wird quasi mit Füßen getreten und ganze Kampfkunstzweige werden so weit "europäisiert", daß sie eher einer Karikatur als dem bewahrungswürdigen Original gleichen.<br /><br />Kampfkunst ist nichts, womit man herumspielt. Kampfkunst ist auch kein Sport.<br /><br />Kampfkunst ist eine Anleitung zum Leben.<br /><br />Kampfkunst ist <span style="font-style: italic;">kata </span>und <span style="font-style: italic;">kumite</span>; Kampfkunst ist Wettkampf. Kampfkunst ist aber auch Prüfung, Lehren und Lernen; sie ist Philosophie und praktische Anleitung sowohl zum Leben nehmen als auch zum Leben geben. Kampfkunst ist nicht nur ein Teil - sie ist ein Gesamtes.<br /><br />Es gibt keine Möglichkeit, es anders zu sehen.<br /></div><br /><div style="text-align: justify;">Leider ist es wegen der weit verbreiteten Arroganz nicht oder nur sehr schwer möglich, solche geistigen Haltungsschäden zu korrigieren. Viele nehmen das als nicht entschuldbaren Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte wahr. Dabei ist das, was sie der Kampfkunst antun, nicht entschuldbar. Ich hege allerdings immer noch die Hoffnung, daß sich daran etwas ändern wird.<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-26234930032141986062008-06-06T23:44:00.003+02:002008-06-07T00:12:48.629+02:00Noch so ein Kreuz: die Verantwortung - mal wieder...<div style="text-align: justify;">Stell Dir mal vor, Du gehörst zu der handvoll Leute, die tatsächlich ahnen, wo der Bartel den Most holt. Und stell Dir mal vor, diese paar Figuren stehen einer Armee von Leuten gegenüber, die zwar mit Dir im selben Verband organisiert sind, aber ansonsten nur auf "Technikorgien" stehen. Was wirst Du tun?<br /><br />Mein Sohn, ich weiß genau: Du wirst eines Tages<span style="font-style: italic;"> an genau dieser Stelle stehen</span>! Und fange jetzt schon an zu überlegen, was Du tun wirst! Du hast diese Zeit nötig!<br /><br />Hier sind Deine Möglichkeiten:<br /><br />a) Du lässt alle labern und machst Dein Ding. Ohne weiter nachzudenken ist das sicherlich die erste Wahl. Nichts ändert sich für Dich, die äußeren Umstände sind ja eh egal und Du bist glücklich.<br /><br />b) Du hängst Dich ´rein, in Strukturen und Hierarchien. Du machst Dir viele Feinde und nur wenige Freunde, nur um allen zu sagen, daß Du eine gewisse Ahnung von dem hast, was <span style="font-style: italic;">hinter</span> dem Schwertknauf passiert / passieren sollte / passiert ist...Vielleicht ändert sich etwas. Vielleicht macht es Dich irgendwann glücklich.<br /><br />Das klingt irgendwie nach der Wahl der Waffen. Und während ich hier weit nach Mitternacht sitze und meine letzte Pfeife rauche, frage ich mich, ob ich nicht die Pistole nehme und den Säbel den anderen lasse.<br /><br />Oder wie <span style="font-style: italic;">Ogami Itto</span> seinem kleinen Sohn die Wahl lässt, zwischen Sorglosigkeit (in diesem Fall der Tod) mit dem symbolisierten Ball oder der ständigen Gefahr und der ewigen Flucht (aber dem Leben) mit allen Konsequenzen durch das Symbol des Schwertes.<br /><br />Was würdest Du tun? Ich will das wirklich wissen, also lass hören...</div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-35781582810030168482008-06-05T21:57:00.001+02:002008-06-05T22:31:41.748+02:00Morihei Ueshiba Sensei / Osensei<object width="283" height="229"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/yxxb2ctulEs&hl=de&color1=0x234900&color2=0x4e9e00"></param><param name="wmode" value="transparent"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/yxxb2ctulEs&hl=de&color1=0x234900&color2=0x4e9e00" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="283" height="229"></embed></object>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-51793637098687594642008-05-26T21:49:00.004+02:002008-05-26T22:24:05.260+02:00Das Kreuz mit der Tradition...<div style="text-align: justify;">In Foren und auch auf vielen Homepages von <span style="font-style: italic;">Dojos</span> oder auch "Kampfsportvereinen" lese ich immer wieder Verweise auf die Tradition der jeweiligen Kampfkünste. Besonders beliebt ist "traditionelles <span style="font-style: italic;">aikido</span>", "<span style="font-style: italic;">karate</span> in der Tradition von <span style="font-style: italic;">Funakoshi</span>", "<span style="font-style: italic;">kendo</span> ist eine traditionelle Kampfkunst..." oder ähnliches. Diese Formulierungen regen zum Nachdenken an.<br /><br />Wenn man sich mit dem Begriff "Tradition" beschäftigt, dann wird schnell klar, daß es sich dabei um eine "Handlung, Tätigkeit oder Überlieferung" handelt, die über mehrere Generationen unverändert weitergegeben wurde. Jeder kennt verschiedene Traditionen: nehmen wir nur einmal den Weihnachtsbaum oder den Tanz in den Mai. Genau betrachtet umfassen diese Traditionen mehrere hundert Jahre.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Ueshiba</span> entwickelte das <span style="font-style: italic;">aikido</span> um 1930 herum; <span style="font-style: italic;">Kano</span> erarbeitete das <span style="font-style: italic;">judo </span>in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, <span style="font-style: italic;">Funakoshi</span> etablierte das <span style="font-style: italic;">karate</span> ungefähr zur selben Zeit; <span style="font-style: italic;">Nakayama</span>, auf den die heute praktizierten Künste <span style="font-style: italic;">kendo</span> und <span style="font-style: italic;">iaido</span> zurück gehen, war auch zu dieser Zeit schöpferisch. Man kann also sagen, daß diese vier Künste, die heute weltweit recht populär sind, noch nicht einmal auf 100 Jahre Geschichte zurückblicken können.<br /><br />Selbstverständlich sind diese Kampfkünste nicht einfach so vom Himmel gefallen. Die vier oben genannten <span style="font-style: italic;">sensei</span> griffen auf viel ältere Künste zurück und brachten sie in die von ihnen inspirierte Form und Ordnung und legten das jeweilige Curriculum fest. Aber kann man aufgrund der kurzen Zeitspanne der modernen Kunst schon von Tradition sprechen?<br /><br />Ich für meinen Teil tue mich da sehr schwer. Sicherlich berufe ich mich auch gerne auf die <span style="font-style: italic;">koryu</span>, die Alte Schule, meiner Kampfkunst. Trotzdem ist die Kunst in ihrer jetzigen Form modern zu nennen. Die Tradition, auf die ich mich berufen kann, ist die <span style="font-weight: bold; font-style: italic;">wie</span> ich übe, nicht <span style="font-weight: bold; font-style: italic;">was</span> ich übe. Und die Art und Weise, in der ich übe, kann ich ohne Schwierigkeiten mehrere hundert Jahre zurückverfolgen. Und so ist die Tradition die Flamme, die ich weiter trage.<span style="font-weight: bold;"></span><br /><span style="font-weight: bold;"></span><br /><span style="font-weight: bold;"></span>Denkt mal darüber nach!<br /><span style="font-weight: bold;"></span><br /><span style="font-weight: bold;"></span></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-61654621692627415412008-05-24T15:03:00.003+02:002008-05-24T15:40:52.156+02:00Falsches Verständnis<div style="text-align: justify;">Das fiel mir auf:<br /><br />viele scheinen zu denken, daß, wenn sie die Prüfung zum <span style="font-style: italic;">shodan</span> bestanden haben, sie auch gleich zu den "großen Nummern" gehören und sich ihre vermeintlichen Rechte deutlich erweitern. Es ist zwar richtig, daß viele <span style="font-style: italic;">shodan</span> ab dieser Graduierung anfangen zu unterrichten, aber was ihnen oft abgeht ist, daß es ihnen von nun an möglich ist, zu lernen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt das "Schüler sein" erst richtig!<br /><br />Aber selbst bei den Schülern scheint es schon so zu sein: wenn man sich dazu bereit erklärt und darum bittet, Schüler eines Lehrers zu sein, vermehren sich die Verpflichtungen um ein Vielfaches. Denkt mal darüber nach!<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-75770254378420713242008-05-15T13:02:00.004+02:002008-06-05T22:34:13.916+02:00Koretoshi Maruyama Sensei<object width="283" height="229"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/7LbFfzRFw1I&hl=de&color1=0x234900&color2=0x4e9e00"></param><param name="wmode" value="transparent"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/7LbFfzRFw1I&hl=de&color1=0x234900&color2=0x4e9e00" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent" width="283" height="229"></embed></object>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-19095567379216080572008-05-15T12:13:00.005+02:002008-05-15T13:28:40.382+02:00Aus der Tiefe des Raumes...<div style="text-align: justify;">Ja, ich habe Urlaub. Tolle Sache, das, besonders die Tatsache, alles mal ruhiger angehen zu können als sonst und endlich meine ungemein nervige Trommelfellentzündung zu kurieren und dabei schön entspannt durch die eigene DVD-Sammlung zu surfen.<br /><br />Dabei habe ich mir zum wiederholten Male zwei schöne Klassiker angetan: zum einen "<span style="font-style: italic;">Yojimbo</span>" von <span style="font-style: italic;">Akira Kurosawa</span> mit <span style="font-style: italic;">Toshiro Mifune</span> und zum anderen "<span style="font-style: italic;">Zaitoichi</span>" von und mit <span style="font-style: italic;">Takeshi Kitano</span>. Unterschiedlicher können zwei Filme wohl kaum sein. Der erste ein echter <span style="font-style: italic;">jidai geki</span> allererster Klasse in guter alter Abenteuerfilmmanier (und natürlich in schwarzweiß), der zweite ein Spiel mit und über Rhythmus sowie Schein und Sein.<br /><br />Damit bricht die Filmkritik auch schon ab.<br /><br />In beiden Filmen ist mir jeweils eine Szene aufgefallen, die ich erwähnen möchte.<br /><br />Gegen Ende von "<span style="font-style: italic;">Yojimbo" </span>legt sich <span style="font-style: italic;">Mifune</span> in einem großen Showdown mit dem Hauptbösewicht des Films an. Auf einem Platz stellt er sich seinem pistolenbewehrten Gegner und bringt ihn zur Strecke - mit Dolch und Schwert! Interessant ist, wie sich <span style="font-style: italic;">Mifune</span> seinem Gegner nähert: er läuft für den begrenzten Raum recht weite Strecken und umgeht die Gefahr der Pistole mehrfach bis er eine günstige Distanz für den finalen Schwertstreich erreicht hat! Wow!<br /><br />Mitten in "<span style="font-style: italic;">Zaitoichi</span>" gibt es eine Szene in einem kleinen <span style="font-style: italic;">Sake</span>lokal. <span style="font-style: italic;">Kitano</span> (als blinder Masseur <span style="font-style: italic;">Zaitoichi</span>) sitzt an einem Tisch und trinkt <span style="font-style: italic;">sake</span>, während ein <span style="font-style: italic;">ronin</span>, der sich aus Geldmangel einer Verbrecherbande angeschlossen hat, das Lokal betritt und beim Wirt <span style="font-style: italic;">sake</span> ordert. <span style="font-style: italic;">Kitano</span> nutzt die Gelegenheit, auch für sich noch ein Fläschchen nachzubestellen. Als der Wirt den Reiswein an die Tische bringt, fällt ihm <span style="font-style: italic;">Kitanos</span> Blindenstab ins Auge und er hebt ihn auf. Dabei rutscht aber das darin verborgene Langschwert zu allgemeinen Überraschung heraus. Der <span style="font-style: italic;">ronin</span> wittert Gefahr und in nullkommanichts ziehen beide ihre Klinge. Dabei blockiert <span style="font-style: italic;">Kitano</span> geschickt das nicht vollständig gezogene Schwert des <span style="font-style: italic;">ronin</span> und hat ihm dabei den unteren Teil seiner Klinge auf die Brust gelegt. Dazu sagt er, der Blinde:"Der Raum ist zu klein, um ein Schwert zu ziehen." Eine ganz große Szene! (<span style="font-style: italic;">Übrigens hier ein Hinweis: die Tatsache, daß der ronin den unteren Teil der Klinge auf der Brust hat, zeigt, das er das Duell verloren hat und sein Leben von Kitanos Gnade abhängt. Er weiß also schon <span style="font-weight: bold;">vor</span> dem finalen Duell am See, daß er verloren hat/ist!</span>)<br /><br />Warum erzähle ich Dinge, die sich jeder selbst ansehen kann? Tja, weil mir während meiner Übungen immer wieder ein paar Dinge aufgefallen sind, so das oftmals ausnehmend schlecht Gefühl für <span style="font-style: italic;">ma</span>, den Raum. Ich erinnere mich gerne zurück, als ich ein paar <span style="font-style: italic;">Aikido</span>schüler auf ihre Prüfung zum Vierten <span style="font-style: italic;">kyu</span> vorbereitet habe und sie immer wieder zurück in das Zentrum der Übungsfläche geholt habe. Und trotzdem bewegten sie sich zielsicher bei jedem neuen Probedurchgang in Richtung Wand.<br /><br />Beim <span style="font-style: italic;">iai</span> sehe ich das auch recht oft. <span style="font-style: italic;">Sensei</span> sagt: "jeder nimmt sich eine Ecke und übt das und das". Das meint er natürlich im übertragenen Sinn; jeder soll sich einen Platz suchen, auf dem er genug Raum zum Üben hat.<br /><br />Natürlich hat <span style="font-style: italic;">Raum</span> auch sehr viel mit <span style="font-style: italic;">Wahrnehmung</span> zu tun. Wer kennt es denn nicht, daß er bei verschiedenen <span style="font-style: italic;">kata</span> auf einem Seminar mehr damit zu tun hat, auf seine Mitschüler zu achten, um nicht getroffen oder verletzt zu werden. Wie weit ist es da mit der Wahrnehmung des Raums gediehen?<br /><br /><span style="font-style: italic;">Ma</span> ist nicht nur ein physisches Konstrukt. Bevor so manch einer zum <span style="font-style: italic;">bokken</span>, zum i<span style="font-style: italic;">aito</span> oder zum <span style="font-style: italic;">katana</span>, einer beliebigen Übungswaffe greift oder auf waffenlos übt - nimm erst einmal den Raum wahr, in dem du dich bewegst!<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-24558304374222009232008-04-24T18:05:00.003+02:002008-04-24T18:21:52.043+02:00Und Du kommst auch drin vor!<div style="text-align: justify;">So heißt das wohl bekannteste Buch des verstorbenen niederrheinischen Kabarettisten und Geschichtenerzählers Hanns Dieter Hüsch. Der Titel war schon absichtlich so gewählt, denn Hüsch verstand es wie kein zweiter, dem Niederrheiner an sich ziemlich genau auf´s Maul zu schauen, so daß sich jeder irgendwo darin wiederfinden konnte. Im Falle Hüschs schmunzelten sich die Leser in sich hinein, fühlten sich ertappt und loben bis heute sein grandioses Talent. Keine Frage: Hüsch war ein anerkannter (Klein-)Künstler.<br /><br />Bei bloggenden Kampfkünstlern sieht das wohl anders aus. Schnell findet sich der eine oder andere "Kritiker", der umgehend an der Qualifikation, dem entsprechenden Rang oder was sonst so zur Hand ist Zweifel hegt. Dabei bin ich mitnichten perfekt. Und weil ich nicht perfekt bin, führe ich diesen Blog.<br /><br />Vieles, über das ich so schreibe, fällt mir auf (meist auch an mir) und auf die Weise des Niederschreibens kann ich solche Dinge besser für mich selbst vertiefen. So ist jeder Leser und/oder Abonnent ein Zeuge meiner eigenen Entwicklung und Erfahrung. Das ist mein Schatz und ich bin bereit, den Leser daran zu beteiligen.<br /><br />Ich hege die Hoffnung, daß diejenigen, die versuchen, mich mit Hohn und Spott oder auch unangemessen scharfer (vielleicht gutgemeinter) Kritik bedenken, anfangen, selbst reflektiert und mit offenen Augen sowohl durch das tägliche Lebens als auch durch die Übung zu gehen. Wenn sich jemand "angesprochen" fühlt, sollte er darüber nachdenken, warum das so ist. Denn vielleicht kommt auch er drin vor.<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-10180476608383276822008-04-14T19:22:00.005+02:002008-04-14T20:25:30.503+02:00Angemessen Maße messen...<div style="text-align: justify;">Welche Messlatte muß ich anlegen? Was ist angemessen? Nach welchen Maß muß ich mich richten? Ist es vermessen, darüber nachzudenken?<br /><br />Genug der lustigen Wortspiele; die fünf Euro für die Wortspielkasse habe ich auch schon gelöhnt! Und doch - man <span style="font-style: italic;">sollte</span> über solche Dinge nachdenken, besonders, wenn man Kampfkünste betreibt!<br /><br />Ich muß zugeben, daß es recht schwer ist, hier in Deutschland eine angemessene Anleitung zu bekommen. Wenige <span style="font-style: italic;">dojo</span> haben einen direkten Draht nach Japan, um sich von dort instruieren und inspirieren zu lassen. Japanische Lehrer sind oft froh, der heimischen Strenge zu entkommen und die westliche Offenheit gebießen zu dürfen. Und nicht nur dadurch sind "unsere" Lehrer und Schüler von einem gewissen "laissez-faire" beseelt, das in manchen Fällen außer Kontrolle gerät.<br /><br />Diejenigen, die das seltene Glück hatten (oder noch haben werden), in einem klassisch geführten <span style="font-style: italic;">dojo</span>, beispielsweise in Japan, zu üben, wissen, daß dort einige Dinge anders laufen. <span style="font-style: italic;">Sensei</span> zum Beispiel, wird <span style="font-style: italic;">immer</span> mit <span style="font-style: italic;">sensei</span> angesprochen, auf, neben oder kilometerweit entfernt von jeglicher Matte. Auch die Verbeugung wird öfter "praktiziert" als bei uns. Das Verhalten der Schüler untereinander ist sehr viel höflicher, Schriftverkehr entspricht immer einer Form. (Ok, auch ich habe, besonders was das Verhalten untereinander angeht, andere Dinge gehört. Bezeugen kann ich das nicht, da meine Erlebnisse grundsätzlich anderer Natur waren!)<br /><br />Wir hier in Deutschland können uns jetzt nicht auf Deibel komm ´raus "japanisieren", aber wir können einen Schlüssel anwenden, der universaler gar nicht sein kann: <span style="font-weight: bold; font-style: italic;">REI!</span> Wie ich schon einmal<span style="font-size:130%;"><a href="http://bambusregen.blogspot.com/2007/05/rei-aus-der-tube.html" target="_blank"><span style="font-style: italic;"> hier</span></a></span> geschrieben habe, ist <span style="font-style: italic;">rei</span> ein fester Bestandteil der Übung. Und das ist auch der Schlüssel, mit dem ich alles inner- und außerhalb des <span style="font-style: italic;">dojo</span> in die Form bringen kann, die etwas oder jemand verdient. Ein "Hömma, wir mach´n ´n Lehrgang, kommste auch?" steht in einem krassen Gegensatz zu "Wir richten ein Wochenendseminar aus und würden uns freuen, Dich im <span style="font-style: italic;">dojo</span> begrüßen zu dürfen" - wieviel <span style="font-style: italic;">rei</span> ist jeweils enthalten? Sprache, Zusagen für Tatigkeiten oder Materialien, Verhalten, Erscheinungsbild, Pünktlichkeit, innere Einstellung, - alles ist von <span style="font-style: italic;">rei</span> geprägt.<br /><br />Leider scheint das Vergessen immer weiter um sich zu greifen. Es wird Zeit, die Wichtigkeit von <span style="font-style: italic;">rei</span> weiter zu verbreiten, für Dich, für mich und für alle anderen. <span style="font-style: italic;">Rei</span> ist kein Anhängsel der Kampfkunst, welches hingenommen wird. Es ist ein Grundbestandteil des Daseins.<br /><br />Und, was ist? Machst Du mit?<br /></div><br /><div style="text-align: center;"><span style="font-weight: bold;">Freiheit für das </span><span style="font-style: italic; font-weight: bold;">rei</span><span style="font-weight: bold;">! Weg mit der Tubenmentalität!</span><br /><span style="font-weight: bold;"></span></div><span style="font-weight: bold;"><br /></span>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-39781634590492950322008-04-03T19:23:00.002+02:002008-04-03T19:50:42.014+02:00Ein lohnenswertes Ziel...<div style="text-align: justify;">Das Internet ist ein Dschungel und die "Erfindung" des sogenannten "Web 2.0" macht es uns Nutzern nicht einfacher. Wer von uns Kampfkünstlern hat nicht schon lange Stunden vor dem Rechner verbracht und sich durch die Weblogangebote der verschiedensten Anbieter geklickt. Die aufgesuchten Seiten haben oftmals einen eher zweifelhaften Inhalt und sind, wenn überhaupt, eher Kampf<span style="font-style: italic;">sport</span>seiten als alles andere. Ich kann es den Autoren dieser Weblogs noch nicht einmal übel nehmen, daß ihre Sichtweise auf die Kampfkünste so flach ist und eher wie ein Relikt einer intellektuellen Steinzeit anmuten, denn leider sind echte, von gewissenhaften <span style="font-style: italic;">sensei</span> geführte <span style="font-style: italic;">dojo</span> in Deutschland eher spärlich gesät. Womit ich aber nicht sagen möchte, daß man auf diesen Weblogs ausschließlich groben Unfug lesen kann, aber er überwiegt deutlich.<br /><br />So ist der interessierte Internetuser auf die Hinweise anderer angewiesen. Auf genau diesem Wege bekam ich folgenden Tip, der uns virtuell auf die andere Seite der Welt transportiert - genau gesagt nach Hawaii!<br /><br />Wer, so wie ich, schon einmal das Glück hatte, auf den Hawaii-Inseln einige Zeit zu verbringen und, ebenso so wie ich, kein Interesse hat, seine Zeit ausschließlich am Strand zu verbringen, sondern idealerweise Kampfkünstler ist, wird feststellen, daß sich hier ein Martial-Arts-Mekka befindet. Zu vielen Schulen und Stilen findet man wirklich erstklassige <span style="font-style: italic;">dojo</span> mit mehr als erstklassigen Lehrern, und das auf relativ kleinem Raum. Unter anderem gibt es da tatsächlich das<br /><br /></div><div style="text-align: center;"><span style="font-size:130%;"><a href="http://museum.hikari.us/" target="_blank">Hawaii Karate Museum</a></span><br /></div><span style="font-size:130%;"><br /></span><br /><div style="text-align: justify;">Kurator dieses Museums ist <span style="font-style: italic;">Charles C. Goodin</span>, ein Mann, der offensichtlich <span style="font-style: italic;">karate</span> lebt. So beschert er der Kampfkunstwelt nicht nur dieses sicherlich einmalige Museum, sondern beschreibt seine Gedanken für alle Welt nachlesbar in seinem Weblog<br /></div><br /><br /><div style="text-align: center;"><span style="font-size:130%;"><a href="http://karatejutsu.blogspot.com/" target="_blank">Karate Thoughts</a></span><br /></div><span style="font-size:130%;"><br /></span><br /><div style="text-align: justify;">Viele Punkte, die Herr Goodin anspricht, sind allgemein auf jede Kampfkunst zu beziehen. Nur ein gewisser Teil ist speziell dem <span style="font-style: italic;">karate</span> gewidmet und selbst diese Artikel können dem Leser Einblicke auch in seine eigene Kunst geben.<br /><br />Eine Perle, die wirklich erst gefunden werden mußte. Eine meiner unbedingten Empfehlungen für eine Reihe sehr informativer Abende. <span style="font-style: italic;">Das </span>ist das eigentliche Ziel aus der Überschrift. Aber vielleicht sollte ich mal wieder mein Geld zusammen halten, den Hawaii ist doch eine Reise wert...<br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-15257002947276792142008-02-23T15:08:00.004+01:002008-02-23T15:27:10.800+01:00Eine "reife" Leistung<div style="text-align: justify;">Seit ich heute Morgen die Tageszeitung gelesen habe, gibt es jemanden mehr, dem ich meinen Respekt zolle: <span style="font-weight: bold;">Günther Pauquet</span>. Wie? Der Name ist nicht bekannt? Dann mache ich ihn jetzt bekannt, einfach so! Und warum? Die Antwort ist recht simpel: <span style="font-style: italic;">Günther Pauqeut</span> ist unlängst im <span style="font-style: italic;">karatedo</span> zum <span style="font-style: italic;">shodan</span> geprüft worden.<br /><br />Daran ist erst einmal nichts besonderes. Allein letzte Woche sind wahrscheinlich mehrere Dutzend <span style="font-style: italic;">budoka</span> geprüft worden und manch einer wird eine höhere Graduierung als den <span style="font-style: italic;">shodan</span> erhalten haben. Damit würde Herr Pauquet eher zur "breiten Masse" der Kampfkünstler gehören, wäre da nicht das klitzekleine Detail des Alters: er ist stolze <span style="font-weight: bold;">72 Jahre</span> alt!<br /><br />Damit ist <span style="font-style: italic;">Herr Pauquet</span> ein großartiges Vorbild. Zwar hatte er bereits in jungen Jahren erste Erfahrungen in <span style="font-style: italic;">judo</span> gemacht, aber erst mit 65 Jahren die Übung im <span style="font-style: italic;">karatedo</span> verfolgt. In diesem hohen Alter sich dieser Herausforderung zu stellen ist bewundernswert und für uns alle ein Maßstab, an dem wir uns messen sollten.<br /><br />Deshalb von hier aus meine allergrößte Hochachtung und meine herzlichen Glückwünsche nach Düren!<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-49191068467689730802008-02-17T14:12:00.004+01:002008-02-17T15:05:02.398+01:00Kampfkünstler wissen!<div style="text-align: justify;">Eigentlich ist es unerheblich, ob der Übende erst seit ein paar Stunden oder schon seit langen Jahren dem Weg der von ihm gewählten Kunst folgt. Eins ist ihm immer gewahr: er muß Dinge zu Ende bringen!<br /><br />Wenn ein <span style="font-style: italic;">aikidoka</span> mit seinem Partner <span style="font-style: italic;">koteoroshi</span>, <span style="font-style: italic;">shihonage</span> oder einen <span style="font-style: italic;">kokyunage</span> übt, dann bringt er seinen <span style="font-style: italic;">uke</span> zu Fall und wird ihn so los. Ist <span style="font-style: italic;">uke</span> einmal weg, droht von diesem Angriff keine Gefahr mehr und die Technik ist abgeschlossen; mit dem nächsten Angriff beginnt alles von vorn. Wenn aber eine Technik in der Ausführung oder die Konzentration des Ausführenden eine Lücke ausweist, bleiben dem Angreifer eine ganze Reihe von Optionen offen: so kann er zum Beispiel diese Lücke nutzen, um einen neuen Angriff zu unternehmen, der möglicherweise in einer ernsten Situation fatale Folgen haben könnte.<br /><br />Ebenso ist der Angreifer angehalten, seine Aufgabe bis zu Ende durchzuführen. Tut er es nicht, bringt er (je nach Level der Übung) sich selbst in Gefahr und nimmt seinem Partner zusätzlich noch die Möglichkeit einer korrekten Ausübung der Technik.<br /><br />Ein Praktizierender der Schwertkunst wird solcher Not gewahr, wenn er mit einem Partner <span style="font-style: italic;">kumitachi</span> übt. Die Tatsache, das ein nicht zu Ende gebrachter Schnitt oder Stich umgehend mit dem <span style="font-style: italic;">monouchi</span> (die ersten 30 Zentimeter der Klinge, mit denen hauptsächlich geschnitten wird) des gegnerischen Schwerts am eigenen Hals oder auf der eigenen Brust enden kann, unterstreicht den unbedingt lebensbedrohlichen Charakter der Partnerübung.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Kenjiro Yoshigasaki Sensei</span> sagte vor vielen Jahren einmal auf einem Lehrgang:" <span style="font-style: italic;">When you finish, finish completely!</span>". Dem ist, unter Betrachtung der oben genannten Möglichkeiten, nichts hinzu zu fügen.<br /><br />Wenn ihr jetzt einmal von dem Moment an, an dem ihr diesen Artikel gelesen habt, hingeht und euch genau anseht, von wieviel unerledigten Dingen ihr umgeben seid, sei es daheim, auf der Arbeitsstelle oder in sozialen Bindungen, wird euch dann nicht auch mulmig? Jede nicht unerledigte Aufgabe kommt wieder zurück und es ist anzunehmen, daß das erneute Auftreten einer unerledigten Sache allergrößte Unannehmlichkeiten mit sich bringen wird.<br /><br />Jeder sollte sich diese Worte zu eigen machen:<br /><br /><div style="text-align: center;"><span style="font-weight: bold;">"When you finish, finish completely!"</span><br /></div><span style="font-weight: bold;"></span><br /><span style="font-weight: bold;"></span>Deshalb wissen Kampfkünstler mehr. Vertraut mir!<br /></div><br /><span style="font-weight: bold;"></span>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-22401698702068330592008-02-10T15:21:00.002+01:002008-02-17T15:13:30.815+01:00Woher ich komme<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_iex04-m5n18/R68MPo0MiqI/AAAAAAAAAFc/2bmq0QfwV0k/s1600-h/mae1.jpg"><img style="margin: 0px auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://bp3.blogger.com/_iex04-m5n18/R68MPo0MiqI/AAAAAAAAAFc/2bmq0QfwV0k/s320/mae1.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5165360760411163298" border="0" /></a><br /><div style="text-align: justify;">Am letzten Freitag, dem 08. Februar, jährte sich zum 91. Male der Geburtstag von <span style="font-style: italic;">Hakuo Sagawa Sensei</span>. Trotz seines Ablebens am 16. Dezember 2004 ist der immer noch präsent, denn er ist immer noch der Lehrer, der meinen Lehrer prägte und somit in jeder Übung gegenwärtig. Da <span style="font-style: italic;">Sagawa Sensei</span> Schüler von <span style="font-style: italic;">Hakudo Nakayama Sensei</span> war, lässt sich eine gerade Linie über die <span style="font-style: italic;">Shimomura</span> Schule bis hin zu <span style="font-style: italic;">Shigenobu Jinsuke Hayashizaki</span>, der im Jahr 1549 geboren wurde, verfolgen. In Zahlen gesprochen sind das 17 Generationen von Lehrern in einer Spanne von nahezu 500 Jahren. Das ist, wo ich her komme, ein Kind unserer Zeit.<br /><br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-9575993835126910242008-01-26T00:23:00.000+01:002008-01-26T00:30:02.096+01:00Schüler<div style="text-align: justify;">Im Moment frage ich mich, was es eigentlich heißt, Schüler zu sein. Nun, so gesehen weiß ich es ja, aber mein <span style="font-style: italic;">sensei</span> hat zum Jahresbeginn gesagt, daß wir uns darum alle mal Gedanken machen sollten. Er sagt, er hätte zur Zeit nur einen Schüler, unseren <span style="font-style: italic;">sempai</span>. Wie kommt es, daß diejenigen, die regelmäßig da sind, ihm Dinge und Tätigkeiten abnehmen, <span style="font-style: italic;">nicht</span> seine Schüler sind? Die nach seiner Unterweisung im Schweiße ihres Angesichts an den von ihm aufgezeigten Verbesserungen oder Veränderungen arbeiten?<br /><br />Was also möchte er denn nun von mir? Soll ich ihm sagen, daß ich sein Schüler bin? Oder muß er sagen, daß ich sein Schüler bin?<br /><br />Weiß jemand Rat? Ich jedenfalls bin zur Zeit ratlos...<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-87620217385300587612008-01-24T10:44:00.000+01:002008-01-24T11:04:04.271+01:00Der Typ mit der extraweiten Marlene-Dietrich-Hose<div style="text-align: justify;">Neulich saß ich mit einem meiner Mitschüler auf einer etwas größeren <span style="font-style: italic;">iai</span>-Veranstaltung am <span style="font-style: italic;">dojo</span>-Rand. Wir redeten über die verschiedenen Leute, die auf diesem Lehrgang anwesend waren (wir haben ausdrücklich <span style="font-weight: bold;">nicht</span> gelästert!) und über das, was sie so können und machen. Daraufhin machte ich meinen Freund auf einen Mann aufmerksam und sagte zu ihm:"Ich habe keine Ahnung, welchen Rang er hat, aber vor ihm muß niemand Angst haben."<br /><br />"Wieso, kennst Du den?"<br /><br />"Nein, aber schau Dir mal die <span style="font-style: italic;">hakama</span> an. Siehst Du da irgendeine Falte?"<br /><br />"Ääh..."<br /><br />"Das Ding sieht aus wie eine Seemannshose. Vor jemandem, der keinerlei Präzision bei der Pflege der Kleidung aufbringt und augenscheinlich keinen Sinn für Ordnung hat, muß ich keine Angst haben. Er ist in allem so unpräzise und unordentlich, auch in der Übung."<br /><br />"???"<br /><br />"Ja, mein Bester, die Kleidung spiegelt die Geisteshaltung wieder!"<br /><br />Es scheint vielen immer noch nicht klar zu sein, daß das, was wir tun, früher einer privilegierten Klasse vorbehalten war, dem Adel, der Upper-Class Japans. Jeder Japaner konnte <span style="font-style: italic;">ashigaru</span> werden, aber <span style="font-style: italic;">samurai</span> war man von Geburt an. Man stand nahe der Spitze der sozialen Pyramide, nicht an der Basis. Ich glaube nicht, daß irgendein Mitglied einer <span style="font-style: italic;">samurai</span>-Familie dermaßen ungepflegt zu offiziellen Anlässen erschien.<br /><br />"Ähm, Lars, kannst Du mir das nächste Woche mal zeigen?"<br /><br />"Was zeigen?"<br /><br />"Das Falten der <span style="font-style: italic;">hakama</span>."<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-48663136320004589242008-01-15T18:47:00.001+01:002008-02-17T15:03:36.821+01:00Die Wahrheit in der Legende<div style="text-align: justify;"><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z4bDnSJkI/AAAAAAAAAE8/ckFNP_08czI/s1600-h/yoshikawa.jpeg"><img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" src="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z4bDnSJkI/AAAAAAAAAE8/ckFNP_08czI/s200/yoshikawa.jpeg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5155768817142605378" border="0" /></a>Jeder, der sich für Japan, seine Geschichte, die <span style="font-style: italic;">samurai</span> und/oder die Kampfkünste interessiert, hat es sicherlich im Buchregal stehen: <span style="font-style: italic;">Eiji Yoshikawas</span> berühmten Roman "<span style="font-style: italic;">Musashi</span>". Ja, auch ich habe ihn mehrfach gelesen und habe (wie die meisten anderen) immer diese pampige Gestalt mit dem wilden Aussehen von <span style="font-style: italic;">Toshiro Mifune</span> vor Augen. Das ist also keine wirklich große Überraschung. Und wirklich lässt der Roman keine Wünsche offen, es gibt einen herrlich wilden Protagonisten, berühmte Zeitgenossen von <span style="font-style: italic;">Takuan Soho</span> über <span style="font-style: italic;">Muso Gonnosuke</span> bis hin zur berühmtesten Kurtisane ihrer Zeit, eine recht unglückliche Liebesgeschichte und bündelweise Nebenstränge. Insgesamt ganz große Unterhaltung und es ist nicht verwunderlich, das dieser Abenteuerroman zu einem der Literaturklassiker Japans überhaupt wurde. Zu dumm ist leider nur, daß <span style="font-style: italic;">Eiji Yoshikawa</span> nur eine handvoll Überlieferungen hatte, aus denen er mit einigem Know-how in Sachen Geschichte und legendären Kampfkünstlern und ihren<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z4NDnSJjI/AAAAAAAAAE0/0blPYEFw2EA/s1600-h/mifune.gif"><img style="margin: 0pt 0pt 10px 10px; float: right; cursor: pointer;" src="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z4NDnSJjI/AAAAAAAAAE0/0blPYEFw2EA/s200/mifune.gif" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5155768576624436786" border="0" /></a> Schulen eine Geschichte schnitzte, die dem Charakterkopf <span style="font-style: italic;">Miyamoto Musashi</span> zwar ein Denkmal setzte, aber mit den Tatsachen nur wenig zu tun hat. Somit blieb für die meisten Leser und Kinofreunde nur das Bild von <span style="font-style: italic;">Toshiro Mifune</span> und ein paar wilde Geschichten. Wem das nicht reichte, versuchte in der Regel dem Menschen <span style="font-style: italic;">Musashi</span> auf die Spur zu kommen, in dem er sich mit dem sehr kryptischen "<span style="font-style: italic;">Buch der Fünf Ringe</span>" auseinandersetzte. Nur leider brachte das niemanden wirklich weiter und das wahre Leben <span style="font-style: italic;">Musashis</span> dämmerte weiterhin im Dunkel der Vergangenheit.<br /><br /><span style="font-style: italic;">William Scott Wilson</span> wurde 1966 von einem Freund zu einer dreimonatigen Reise durch Japan eingeladen, die ihn per Kayak von <span style="font-style: italic;">Shimonoseki</span> nach <span style="font-style: italic;">Tokio</span> führte. Diese Reise, die u.a. für den <span style="font-style: italic;">National Geographic</span> dokumentiert wurde, weckte in ihm die Faszination für Japans Kultur und Geschichte. Nachdem <span style="font-style: italic;">Wilson</span> sein Studium der japanischen Sprache an der Universität abgeschlossen hatte, verbrachte er die nächste Zeit intensiv mit dem Studium er <span style="font-style: italic;">Edo</span>-Periode. In dieser Zeit übersetzte er sein erstes Buch, das <span style="font-style: italic;">Hagakure</span>, welches 1979 veröffentlicht wurde. Es folgten Übersetzungen von <span style="font-style: italic;">Miyamoto Musashi</span>, <span style="font-style: italic;">Munenori Yagyu</span>, <span style="font-style: italic;">Takuan Soho</span>, <span style="font-style: italic;">Eiji Yoshikawas</span> Roman "<span style="font-style: italic;">Taiko</span>" und der Textsammlung "<span style="font-style: italic;">Ideals of the Samurai</span>". Danach kehrte sein Interesse zu der Person <span style="font-style: italic;">Musashi</span> zurück und er begann, dem Leben des legendären Kriegers in Japan selbst nachzuspüren.<br /><br />Um Licht in das Leben des großen Kriegers, Künstlers und Philosophen zu bringen hat sich <span style="font-style: italic;">Wilson</span> aufgemacht, das Leben <span style="font-style: italic;">Musashis</span> zu rekonstruieren, ohne sich dabei auf Erfundenes zu stützen. Daraus wurde ein Buch, das uns tatsächlich sehr viel näher an das tatsächlich Geschehene heranbringt als es vorher möglich war. Mit dem bisher <a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z7mDnSJmI/AAAAAAAAAFM/nP0gFCF8N4s/s1600-h/lonesamurai.jpg"><img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" src="http://bp0.blogger.com/_iex04-m5n18/R4z7mDnSJmI/AAAAAAAAAFM/nP0gFCF8N4s/s200/lonesamurai.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5155772304656049762" border="0" /></a>einzigen echten Biographen machen wir uns auf die Reise von den möglichen Geburtsorten (leider drei an der Zahl) über alle berühmten Stationen wie den <span style="font-style: italic;">Hozoin</span>-Tempel und natürlich der Insel <span style="font-style: italic;">Funa / Ganryu</span> bis hin zu seinem letzten Wohnsitz und Sterbeort. So schafft es Wilson, auch mit der Hilfe von <span style="font-style: italic;">Musashis</span> bis jetzt noch existierenden Werken (seinem o.g. Buch, mehreren Kalligraphien sowie einer Schnitzerei des <span style="font-style: italic;">Fudo Myo-o</span>), uns ein besseres Bild, das wir in vielen Dingen revidieren müssen, zu verschaffen. Auf gut 290 Seiten bietet das Buch "<span style="font-weight: bold;">The lone samurai</span>" aber nicht nur Text, sondern auch Bilder, die der Autor vor Ort fotographiert hat sowie Karten und gleich mehrere Anhänge, die sich um <span style="font-style: italic;">Musashis</span> Leben nach dem Tod und seinem Buch beschäftigen und eine reichhaltige Bibliographie sowie (und das wird den Filmfreunde besonders gefallen) eine ausführliche Filmographie. Abgrundet wird das Buch natürlich noch mit einem Glossar und Fußnoten.<br /><br />Insgesamt berührt das Buch jeden Aspekt, der die Figur <span style="font-style: italic;">Musashi</span> auch heute noch so populär macht, vom Leben des echten Menschen bis hin zum "Popstar" <span style="font-style: italic;">Musashi</span>, der in Filmen und sogar als Spielfigur weiterhin präsent ist.<br /><br /><span style="font-weight: bold;">William Scott Wilson "The lone samurai - The life of Miyamoto Musashi"</span><br /><span style="font-weight: bold;">Kodansha International</span><br /><span style="font-weight: bold;">288 Seiten, ISBN 978-4-7700-2942-3</span><br /><span style="font-weight: bold;">Preis US$ 24.-</span><br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-78706132030220542582008-01-13T18:28:00.000+01:002008-01-13T18:41:36.400+01:00Am Abend nach der Schlacht...<div style="text-align: justify;">Eine zum Glück nur oberflächliche Schnittwunde an der linken Hand, ein Hämatom kurz über dem Daumen der rechten Hand (da, wo die <span style="font-style: italic;">tsuba</span> beim <span style="font-style: italic;">nukitsuki</span> aufliegt), ein paar Blasen unter den Ballen beider Füße, ein spürbarer Kater in den Muskelpartien der Unterschenkel und im oberen Rücken, zwei verschwitze <span style="font-style: italic;">gis</span>, eine unglaublich schmutzige <span style="font-style: italic;">hakama</span>, neue Blötschen im <span style="font-style: italic;">bokken</span> und ein <span style="font-style: italic;">iaito</span>, das gefühlte vierzigtausend Schnitte und Stiche mehr gesehen hat...<br /><br />...dazu etliche Liter verlustig gegangener Körperflüssigkeit und eine Menge Seife, um die Füße wieder vom Hallenschmutz zu reinigen...<br /><br />...bereichert um neue Einsichten, beschenkt mit feinen Korrekturen und mit deutlichen Hinweisen, wo es eine Menge zu verbessern gibt...<br /><br />...unterstützt von neuen Mitstreitern und alten Weggefährten...<br /><br />...und dem Wissen, den Ersten <span style="font-style: italic;">kyu</span> bestanden zu haben...<br /><br />...<span style="font-style: italic;">the Road goes ever on and on</span>...<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-22109975301010575022007-12-20T18:49:00.000+01:002007-12-20T19:49:19.256+01:00Warum ich Prüfungen ablege<div style="text-align: justify;">In unserem <span style="font-style: italic;">dojo</span> dominierte in letzter Zeit die Prüfungsvorbereitung. Nicht, das wir alle geschlossen eine ablegen würden, nein, es dreht sich um zwei Schüler, die sich auf ihrem Weg auf den <span style="font-style: italic;">ikkyu</span> einlassen wollen. Einer davon bin ich. Nach gut zehn Jahren innerhalb der Übung ist dies mitnichten meine erste Examinierung und ich bin an das Prozedere schon gut gewöhnt. Für mich ist das eine Aufgabe, die zu bewältigen ist.<br /><br />Nun ist es aber so, daß verschiedene meiner Mitschüler (durchweg sehr gute und auch engagierte Schüler) keine Prüfung ablegen möchten. Sie sehen darin keinen Sinn und in mir kam die Frage auf, warum ich ohne zu zögern die Vorbereitung aufgenommen habe. Das sind meine Gedanken dazu:<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Gedanke 1 - die Aufforderung zum "Tanz"</span><br /><br />Nein, es gibt kein Ablehnen der Prüfung. Wenn <span style="font-style: italic;">sensei</span> sagt, bereite Dich vor, dann bereitest Du Dich vor, und zwar ohne wenn und aber! <span style="font-style: italic;">Sensei</span> weiß, daß Du schon längst über die erwarteten Anforderungen hinaus übst und lernst. Es gibt also nur ein minimales Risiko des Versagens. Warum also zögern? Gehe hin und zeige allen, was eine Harke ist. Du hast das Zeug dazu. Ach ja - es war keine Bitte, es war eine Aufforderung zu Prüfung...und die ist bindend!<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Gedanke 2 - "Ticket to ride"</span><br /><span style="font-weight: bold;"></span><br />Für die Philosophen: Ihr habt Euch für eine Kampfkunst im Sinne des <span style="font-style: italic;">do</span> entschieden? Dann ist die gewählte Kunst der Bus, mit dem Ihr auf dem Weg reist. Aber Eure gelöste Fahrkarte gilt nur bis zur ersten Haltestelle, dann müßt Ihr eine neue Karte lösen - und das ist die Prüfung. Es sei denn, Ihr wollt, das Euer Bus mit einer Dauerpanne am Straßenrand steht... die Aussichten an dieser Stelle werden sehr schnell sehr langweilig.<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Gedanke 3 - Leben mit dem Schwert</span><br /><br />Auch für Philosophen: so wie das Leben immer wieder Prüfungen für uns bereithält, so ist es auch in der Kampfkunst. Was macht man denn so üblicherweise, wenn das Leben mal wieder gnadenlos zuschlägt? Genau, man macht weiter. Es gibt allerdings auch Leute, die der Prüfung den Rücken kehren und davonlaufen. Wie nennt man die so? Feigling? Versager? Lusche? Niete? Wollt Ihr Euch das antun?<br /><br /><span style="font-weight: bold;">Gedanke 4 - Genealogie</span><br /><br />Mein Lehrer hat von seinem Lehrer gelernt, der wiederum von seinem und dieser wiederum von seinem Lehrer. Somit kann man von Lehrer zu Lehrer eine Linie zurück verfolgen, die locker ein paar hundert Jahre umfassen kann. Als ich Schüler wurde, wurde ich auch ein Teil des Stammbaums der Schule, deren Übung ich verfolge und durch die Generationen hinweg bin ich ein Glied einer langen Kette von Lehrern. Und da auch die Lehrer nicht jünger werden, werden auch sie irgendwann einmal die Bühne verlassen müssen. Jemand muß die Lücke füllen - Tradition verpflichtet. Auch mich.<br /></div><br /><span style="font-weight: bold;"></span>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-30831609111026193942007-11-15T22:01:00.000+01:002007-11-15T22:36:58.528+01:00Der stumme Diener<div style="text-align: justify;"><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://bp3.blogger.com/_iex04-m5n18/Rzy6hnh7NEI/AAAAAAAAAEI/hgyuTrMnXbI/s1600-h/stummerdiener.jpg"><img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer;" src="http://bp3.blogger.com/_iex04-m5n18/Rzy6hnh7NEI/AAAAAAAAAEI/hgyuTrMnXbI/s200/stummerdiener.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5133182762005247042" border="0" /></a>Gut, der "stumme Diener" ist vielleicht nicht die beste Metapher, die ich hätte finden können, aber sie ist auch nicht so falsch. Warum? Das ist relativ einfach.<br /><br />Wir sind hier in Deutschland in eine gewisse "Nehmermentalität" verfallen. Für viele ist der Gang zur Übung etwas, das einer Art "Unterhaltung" nahe kommt, die ja schließlich bezahlt wurde. Über die erforderliche Einstellung dazu habe ich ja schon dann und wann gebloggt und ich werde es mit tödlicher Sicherheit noch mehrfach zu verschiedenen Aspekten tun, aber nicht jetzt. Mir geht es um etwas anderes: um ein bestimmtes Verhalten des Schülers im <span style="font-style: italic;">dojo</span>.<br /><br />Leider üben wir in einer ganz profanen Sporthalle einer Grundschule. An solchen Räumen ist nicht sonderlich feierliches; es gibt meist noch nicht einmal einen Raum, in dem die wichtigsten Utensilien für eine adäquate <span style="font-style: italic;">dojo</span>-Ausstattung, besonders der <span style="font-style: italic;">kamiza</span>, aufbewahrt werden können. Also wird die <span style="font-style: italic;">kamiza</span> jedes Mal neu auf- und abgebaut. Unser <span style="font-style: italic;">sensei</span> kommt also jeden Abend bepackt mit Beuteln, der Kalligraphie sowie seiner <span style="font-style: italic;">gi</span>- und Schwerttasche zum <span style="font-style: italic;">dojo</span> - und beim Betreten der Halle nahm lange Zeit keiner etwas mit. Ich habe dann irgendwann angefangen, ihm ein paar Dinge abzunehmen und in die Halle zu bringen, meist die Kalligraphie und den Beutel mit dem Halter für Räucherstäbchen, Spiegel und der Buddhastatue. Ab und zu nehme ich auch seinen Schwertkoffer, der nun ja sein sehr persönliches Eigentum ist, mit hinein. Jedenfalls hat sich danach einiges verändert. Fenster werden geöffnet, die <span style="font-style: italic;">kamiza</span> ist aufgebaut, <span style="font-weight: bold;">bevor</span> <span style="font-style: italic;">sensei</span> das <span style="font-style: italic;">dojo</span> betritt und ebenso wird nach dem Ende der Übung auch alles von uns Schülern wieder abgebaut und ordentlich verstaut. Und neulich sagte <span style="font-style: italic;">sensei</span> zu mir, daß er dieses "kultivieren" möchte und fragte, warum ich das täte. "Um klar werden zu lassen, wer hier der Boss ist." Aber das ist nur die halbe Wahrheit.<br /><br />In erster Linie sind die Schüler für das <span style="font-style: italic;">dojo</span> verantwortlich. Sie haben dafür zu sorgen, daß alles an seinem Platz ist. In japanischen <span style="font-style: italic;">dojos</span> kümmern sich die Schüler sogar regelmäßig um die Reinigung und Instandhaltung der Übungsräume. Der Sinn der Sache ist, <span style="font-style: italic;">senseis</span> Kopf und Aufmerksamkeit für die Vermittlung der Lehre freizuhalten. Je mehr Zeit für ihn gewonnen wird, desto mehr Gelegenheit haben wir, an seinem Können und seiner Weisheit teil zu haben. Diese Dinge kann man ohne großen Aufwand wortlos erledigen.<br /><br /><span style="font-style: italic;">Dojo</span> ist kein Nutzraum - <span style="font-style: italic;">dojo</span> ist ein Aufgabengebiet!<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-31690480333316321262007-10-21T21:57:00.000+02:002007-10-21T22:08:54.834+02:00Ein Dialog, tatsächlich so passiert......<br /><br />Ich:" Naja, der praktische Nutzen des <span style="font-style: italic;">iai</span>, technisch gesehen, ist ja gleich Null."<br />Sie:" Nö, sehe ich gar nicht so!"<br />Ich." Warum?"<br />Sie." Na, das <span style="font-style: italic;">bokken</span> oder <span style="font-style: italic;">iaito</span> könnte ja genauso gut ein Stock sein, oder so..."<br />Ich:" Ach...?"<br />Sie:" Ja klar. Das ist doch wohl praktisch!"<br />Ich:" Hm, deshalb zerschneiden wir also ständig unser Ego und kämpfen gegen uns selbst..."<br />Sie:" Das ist ja metaphorisch!"<br />Ich:" Wie jetzt?"<br />Sie:" ..."<br />Ich:" Es hilft uns einzig und allein, uns als Mensch zu verbessern."<br />Sie:" Ja, für Dich...!"<br />Ich:" Nein, grundsätzlich!"<br />Sie, Nein, nur für Dich!"<br />Ich:" Nein, für jeden!"<br />Sie:" ..."Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-81272025029969559802007-10-16T20:47:00.000+02:002007-10-16T21:24:14.248+02:00One!<div style="text-align: justify;">Immer wieder, wenn ich durch die Weiten des WWW surfe und nach interessanten Seiten oder Foren forsche, die meine Leidenschaft verbessern, vertiefen oder einfach nur verschönern könn(t)en, lese ich besonders in den Foren immmer wieder Fragen wie:"Ich möchte zu meiner Kampfkunst ein Zweite erlernen, welche sollte das sein?" oder "Wann ist der beste Zeitpunkt, mit einer zweiten Kampfkunst zu beginnen?"<br /><br />...<br /><br />Wie so oft, da gerade auch im "wer-plärrt-am-lautesten-der-hat-auch-Recht"-Netz dasselbe gilt wie im echten Leben, sage ich in den Foren dazu nichts, gar nichts. Denn was es dazu zu sagen gibt, wird den Fragesteller eh nicht gefallen und den Befürwortern mit den 87 Schwarzen Gürteln in 94 Kampfkünsten sowieso nicht - na, ich habe mich ja eh schon verraten...<br /><br />Zur ersten Frage würde ich am liebsten folgende Frage stellen: "Ist Deine Kampfkunst so eindimensional und/oder unperfekt und/oder unausfüllend, daß Du eine weitere benötigst? Hast Du sie überhaupt schon richtig kennen gelernt?" Selbst, wenn man hingeht und eine Kampfkunst nur auf die reine Technik kastriert (was sie natürlich nicht verdient hat), fehlt uns heutzutage schlicht die Zeit, sich sinnvoll mit einer weiteren Kunst zu beschäftigen. Denn im Gegensatz zu den großen alten Vorbildern ist niemand von uns ein professioneller Krieger, der auf alle Eventualitäten vorbereitet sein muß. Und selbst dieser Profi hat seinerzeit, wenn er sich nicht gerade für seinen Lehnsherren im Krieg befand, <span style="font-weight: bold;">jeden Tag</span> an seiner Kunst gefeilt, nicht nur ein paar Male in der Woche für ein paar Stunden. Ein paar wenige von uns sind überhaupt in der Lage, mehr als dreimal in der Woche ihr <span style="font-style: italic;">dojo</span> aufzusuchen und der Übung zu frönen. Und selbst diese Handvoll benötigt eine kleine Ewigkeit, ihre Kunst in den Grundzügen überhaupt erst zu verstehen und zu beherrschen.<br /><br />Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Wandel der Kunst von den destruktiven Techniken hin zur Schule für Körper und Geist. Dieser Teil, der ungleich schwerer ist als der technische Part, wird von vielen Schülern selbst nach einigen Jahren der Übung nicht verstanden. Da aber auch in den philosophischen Grundlagen der Künste zum Teil recht große Unterschiede auftun, sind zwei Künste mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht miteinander vereinbar.<br /><br />Ein von mir sehr geschätzer Kampfkunstlehrer hat das mal so formuliert: wenn ich verheiratet bin, habe ich eine Frau, die meine gesamte Aufmerksamkeit verdient. Wenn ich aber der Meinung bin, mir eine Geliebte anlachen zu müssen, dann kann das eine ganze Zeit lang gutgehen, aber nicht auf immer und ewig. Ich werde ständig im Geist meine Frau zu meiner Geliebten und meine Geliebte zu meiner Frau schleppen. Wenn ich mich also mit der Einen beschäftige, ist die Zweite immer präsent und egal was ich mit der Einen tue, die Zweite wird dabei sein. So kann ich meine Aufmerksamkeit unmöglich aussschließlich auf eine Frau richten. Das dieses nicht gutgehen kann, ist an einer Hand abzuzählen. Besser wäre es, die Eine zu verlassen und meine Zeit mit der Zweiten zu verbringen. Aber die hatte ich mir ausgesucht, weil ich bei der etwas suchte, was ich wiederum bei der Anderen vermißte, die aber wiederum Vorzüge hatte, die diese hier nun wieder nicht hat. Diese Situation der Unentschiedenheit meinerseits führt dazu, daß ich keine der Frauen richtig kennen gelernt habe, meine wertvolle Zeit verschwendet habe und so sicherlich nicht glücklich und zufrieden sein kann. Ich muß mich also entscheiden!<br /><br />Damit ist die Antwort auf die zweite Frage auch klar:"Nie!"<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-7798410608744785395.post-42429570762973392862007-10-13T19:57:00.000+02:002007-10-16T21:25:12.822+02:00Weichei!<div style="text-align: justify;">Das ist nur eine kurze Zwischenmeldung. Eigentlich bin ich mitten in einem <span style="font-style: italic;">koryu</span>-Lehrgang. Aber mir ist etwas aufgefallen, das ich kurz anmerken möchte.<br /><br />Wir haben gestern schon angefangen, <span style="font-style: italic;">hasegawa eishin ryu</span> zu üben, die höchste Stufe der vier Schulen innerhalb der <span style="font-style: italic;">muso shinden ryu</span>. Nahezu alle <span style="font-style: italic;">kata</span> beginnen in der sehr gewöhnungbedürftigen Haltung <span style="font-style: italic;">iaihiza</span> (oder auch <span style="font-style: italic;">tatehiza</span> genannt): man hockt auf dem linken Unterschenkel, die Ferse zwischen den Pobacken, den rechten Fuß neben dem oberen linken Unterschenkel aufgestellt. Die ersten <span style="font-style: italic;">kata</span> beginnen aus dieser Haltung mit einem <span style="font-weight: bold;">Schritt</span> des <span style="font-weight: bold;">linken Fußes</span> nach <span style="font-weight: bold;">rückwärts</span>, bevor das linke Knie wieder auf den Boden gesetzt wird. Alles klar? Probiert es mal aus. Fangt damit an, Euer Zentrum ein wenig nach oben zu hieven und hebt Euren Hintern nicht mehr als 30 bis 40 Zentimeter über den Boden. Wenn das klappt, ist das schon nicht schlecht. Macht das Freitags 3 Stunden und am darauf folgenden Samstag von 11 bis 18.30 Uhr. Pause könnt ihr machen, aber nur zweimal 20 Minuten und ernährt Euch von ein paar Bananen, Müsliriegel und Wasser (mehr kriegt Ihr eh nicht ´runter!).<br /><br />Jo, ich war auch fertig. Das linke Knie fühlte sich irgendwie breiig an und brannte und ich kam gar nicht mehr hoch. Ich war so daneben, das ich gar nicht bemerkte, wie plötzlich alles fluppte. Der Schmerz trat in den Hintergrund, das Bein machte genau, was es sollte und die Techniken wurden besser.<br /><br />Ich hatte eine Grenze überschritten.<br /><br /></div>Herr Bambusregenhttp://www.blogger.com/profile/01589603565096158984noreply@blogger.com