tag:blogger.com,1999:blog-72885612009-03-15T16:23:41.524-01:00Delta Cultura - MonatsberichteDelta Cultura - Monatsbericht aus Tarrafal, Santiago, Kapverden.Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.comBlogger43125tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-65384074503717927212007-12-16T18:41:00.000-01:002007-12-16T18:43:37.084-01:00Monatsbericht aus TarrafalErstmals in den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Projektleiterchen ...<br /><br />So hat mein Monatsbericht September 07 begonnen. Dann ist mir leider was dazwischengekommen und erst heute, im Dezember 07, finde ich die Zeit weiter zu schreiben. Inzwischen habe ich natürlich keine Ahnung mehr was ich damals erzählen wollte. Da ich mir aber sowieso immer schon schwer tue mit Einleitungen bin ich verleitet diesen Anfang trotzdem zu verwenden. Nichts leichter als irgendwas zu finden was ich in den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Projektleiterchen erstmals getan, gedacht, gesungen oder erfunden habe. <br />... erstmals habe ich ein Kinder- und Jugendzentrum ohne Finanzierung aus Deutschland geleitet.<br />... erstmals ist mir bewusst geworden, welch grossen Anteil am Erfolg unserer Arbeit meine Monatsberichte (gehabt) haben ... ich muss mir verflucht noch mal die Zeit nehmen wieder regelmässiger zu schreiben.<br />... erstmals ist es mir gelungen ein Lied zu singen und dabei einen Ton zu treffen.<br />... erstmals habe ich mir gedacht ‚2008 wird alles (noch?) besser’ ... aber das muss mir erst jemand beweisen.<br /><br />Und ausserdem bin ich mir erstmals unsicher was ich alles in diesen Bericht fassen soll. Weil Monatsbericht habe ich ihn nach diesem turbulenten Monatsjahr ja nicht mehr nennen können. Also einfach ‚Bericht’. Aber die Jahreszeit schreit förmlich nach einem Jahresbericht ... man stellle sich aber einen Jahrebericht eines Projektleiterchens wie mir vor ... 100 Seiten? 200? ... das kann ich ja Niemandem antun. <br />Ich belasse es also bei dem ‚Bericht aus Tarrafal’ und jeder Leser darf sich dann aussuchen um was für einen Bericht genau es sich gehandelt hat. Ich bin ja auch heimlich versucht einen Psychobericht aus Tarrafal zu verfassen ... oder einen fiesen Hintergrundbericht (wieso fies?) ...<br /><br />Also das Ganze was so:<br />Im Jänner, Februar und März des Jahres war der Geldsegen aus Deutschland noch reichlich und das Projektleiterchen hat eh noch brav regelmässig berichtet. Dann kam der April und dann der Mai ... aber das tut herzlich wenig zur Sache.<br />Was ich zu den, dem Geldsegen folgenden Monaten, mit Bestimmtheit sagen kann ist, dass die Arbeit ständig mehr und mehr und leider auch mühsamer geworden ist. ‚Mühsamer’ weil natürlich jede Arbeit die ständig mehr wird diese Eigenschaft inne hat, aber vielmehr weil ich als Projektleiterchen mit Dingen beschäftigt war und bin, die noch weniger ‚direkt helfen’. Und was bitte soll das jetzt wieder heissen?<br />Beispiel: wenn ich Stunden, Tage, Monate damit verbringen muss die Finanzierung für den Strom, das Telefon und sonstige Grundlagen für den Betrieb des Zentrums aufzutreiben, dann hilft das dem Jugendlichen aus Tarrafal der keine Zukunftsperspektiven hat herzlich Wenig. Und es ist eigentlich hauptsächlich diese Tatsache die mich hin und wieder verzweifeln lässt. Nicht ‚handtuchschmeiss-verzweifel’ sondern ‚zumheulen-verzweifel’. Und leider wird aus diesem Verzweifeln manchmal auch ein Zweifeln. Kein ‚an der Sinnhaftigkeit der Arbeit oder des Zentrums – Zweifel’ sondern ein ‚bin ich da eigentlich auf der Welt auf die ich immer wollte – Zweifel’. Und es braucht mir gar Niemand kommen mit ‚es gibt nur diese eine Welt’. Schon eher würde ich hören auf ‚aber auf dieser Welt bist du nun mal’. Auf das würde ich hören weil ich das nicht wiederlegen kann (bis ich es dann eins Tages doch kann?!). <br />Das Ganze geht jetzt schon sehr in Richtung ‚fieser Hintergrundbericht’. Gell? Die fiesen Stimmungen des Projektleiterchens in seinen täglichen Finanzierungs- und Hilfsturbulenzen. <br />Was ich schlicht und einfach zu schildern versuche sind meine Gedanken zu unserem Thema 2007: wie finanziere ich ein Kinder- und Jugendzentrum in Tarrafal ohne Hilfe von öffentlichen Stellen. Weil diese Stellen waren auch 2007 irrsinnig öffentlich und eventuell wahnsinnig bemüht, aber helfen wollten sie uns nicht. <br />Allerdings ist das verflucht positiv. Schliesslich arbeiten wir an einer langfristigen Finanzierung des Zentrums und nicht an einer vorübergehenden Hilfestellung bei der ein unnötig grosser Anteil der Finanzierung in blödsinnige Taschen und unsinnige Aktivitäten fliest. Und ich möchte nicht, dass jetzt jemand fragt was das denn schon wieder heissen soll. Das muss man ja nicht immer fragen ... vor allem nicht wenn es aus der Feder (‚aus der Tastatur’ würde zu scheusslich klingen) eines Projektleiterchens kommt, das seit 5 Jahren intensivst auf diesem Gebiet arbeitet, forscht, horcht, liest und fühlt. Ich weiss ich bin ein Angeber – sogar ein blöder – aber auch die allerblödesten Angeber müssen manchmal angehört werden.<br />Daher gleich weiter zu meinen Angeberthesen die ich verflucht noch mal auch in Wittenberg anschlagen würde. Mir egal ob es 95 sind oder nicht:<br />Delta Cultura ist cool! <br />Delta Cultura ist einzigartig. <br />Delta Cultura ist unabhängig.<br />Delta Cultura ist keine Entwicklungshilfeorganisation im herkömmlichen Sinn!<br />Delta Cultura arbeitet ausschliesslich aus Liebe zu den Menschen. <br />Und das schlage ich an bis mir jemand einen Verein zeigt der mit so geringen finanziellen Mitteln wie wir genau soviel auf die Beine stellt! Und bis mir jemand ein aktives Vereinsfunktionärchen zeigt, dass sich bei seinem Lebensmittelhändler verschulden muss um zu einem Abendessen zu kommen (wir haben dieser Funktionärchens hier in Tarrafal gleich vier!).<br />Das todtraurige an der Sache ist, dass uns das nicht so schnell jemand glaubt. Das ist vielen Menschen zu unglaubwürdig, zu unrealistisch. „Man kann doch nicht einfach arbeiten wenn die eigene Existenz nicht gesichert ist!“ ... Man kann es vielleicht nicht, aber Delta Cultura kann das. Marisa, Fu, Jenny und ich wir können das. Wir tun das seit Jahren. Mit Erfolg. <br />Natürlich sind das nicht nur wir die das ermöglichen. Das gibt es noch ganz viele liebe Menschen die auf unterschiedlichste Weise beitragen: Liz, Ariane, Rupert, Anna, Kris, Daniel, Hanna, Petra ... und wie sie Alle heissen.<br />Ich sag’s euch: Delta Cultura ist cool! Der Geist der uns treibt und Erfolg beschert ist ein ganz Besonderer! Ich weiss das, hänge es aber nur ab und zu in gewissen Berichten an die grosse Glocke.<br /><br />Keine Angst ich erzähle dann schon auch noch was sich hier konkret so abgespielt hat in den letzten Monaten. Aber in den Genuss dieser Schilderungen kommen nur jene Leser die sich durch meine Angeberthesen lesen.<br />Die sind eh schon fast fertig. Verlangen aber noch nach einem Angebervergleich:<br />Unsummen an Förder- und Spendengeldern werden ständig auf der Welt herumtransferiert. Das freut zuallererst einmal die Banken, die so tun als bräuchte es 7 Tage um Geld von der ersten in die dritte Welt zu schicken (jeder Marathonläufer wäre schneller!?), sodann freut sich die Consultingfirma die - mit hohen Reisekosten verbundene - Studien durchführen darf. Sodann freuen sich Arbeitnehmer der Hilfsorganisationen in der ersten Welt, die einen coolen Job haben bei dem sie sagen können sie tun Gutes, dann freuen sich Taschen die gar nicht zur Teilnahme an dieser Freude vorgesehen waren, es folgen die Arbeitnehmer in der dritten Welt für die die Hilfs- oder Sozialarbeit oft die einzige Möglichkeit ist ein halbwegs ordentliches Gehalt zu verdienen und sollte dann noch was übrigbleiben kann man ja immer noch in Armut lebenden Menschen helfen. Eines bin ich mir sicher: nicht einmal diese verkotzten Millenniumsziele werden erreicht werden wenn das so weitergeht. Entwicklungshilfe ist und bleibt eine extrem verlogene Wirtschaftsangelegenheit.<br />Es tut mir echt herzlich Leid, aber ich muss betonen, dass Delta Cultura, das Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal vollkommen anders sind. Ich kenne (ohne Übertreibung) kein einzig vergleichbares Projekt. (Ich bin mir sicher es gibt es, aber ich kenne es leider nicht.)<br />Ich kenne inzwischen ja doch ziemlich viele Projekte. <br />Ich kenne ein riesiges Radioprojekt das den Jugendlichen Tarrafals helfen soll. Die komplette Ausstattung verstaubt seit einem Jahr irgendwo. Die Rechner die für die Realisierung zur Verfügung gestellt wurden werden inzwischen von einem Privatunternehmen fleissig genutzt. Die bereits finanzierten Ausbildungen bekommen vielleicht irgendwelche Jugendlichen, aber keine aus Tarrafal. Verarschen lässt sich dabei die UNESCO. Ob sie es weiss oder nicht weiss ich nicht. <br />Ich kenne unzählige Vereine die bereits erfolgreich Geld sammeln für Projekte die gar nie entstehen. Entschuldigungen sind dann sehr schnell zur Hand: die Gemeinde tut nicht weiter, die Bürokratie ist höllisch, etc. Dazu kann ich nur sagen, dass auch bei uns die Gemeinde nicht weitergetan hat. Das Zentrum steht aber trotzdem. Ich wäre kein Projektleiterchen hätte ich mich von der Bürokratie behindern lassen. Auch sei erwähnt, dass Delta Cultura mit der Spendensammlung intensiv angefangen hat als es schon klar war, das wir das Zentrum bauen werden. Sprich, wir haben keine Spenden für die jahrelangen Vorbereitungsarbeiten gesammelt! Es hat auch kein Mensch von Delta Cultura ein Gehalt gehabt, bevor der Bau nicht begonnen hat.<br />Vielleicht noch ein ‚kleines’ Beispiel? Eine von uns oft und oft unterstützte Fussballschule im Nachbarort Chao Bom. Der Verantwortliche war/ist ein Mann aus ärmsten Verhältnissen, der mit seinem Durchhaltevermögen schon extrem viel erreicht hat. Seine Fussballschule existiert genau so lange wie die Unsere. Wir helfen ihm weil wir wissen, dass er nicht so viele Möglichkeiten hat an Material, etc. zu kommen wie wir. Jetzt hat er sich einen neuen Partner gefunden. Den Vizebürgermeister von Tarrafal. Klingt vielversprechend, gell?! Hatte auch schon einige Gespräche mit diesem Mann und er hat mir von grossen Plänen für diese Fussballschule erzählt. Klingt grossartig, gell?! <br />Wie sich das allerdings in Zukunft abspielen wird hat die erste Veranstaltung gezeigt die die Fussballschule unter der Schirmherrschaft des Vizebürgermeisters organisiert hat. Der gute Mann ist auch irgendwer oder irgendwas bei CCS-Sida, der Organisation die AIDS bekämpfen soll. Also hat die Fussballschule eine Förderung für diese Veranstaltung von umgerechnet 3000 € bekommen. Der Plan für diese Veranstaltung: ein zweitägiges Turnier (wir waren eingeladen) mit 4 Mannschaften, ein Spiel zweier Mädchenmannschaften, eine Aufklärungsveranstaltung (AIDS) mit anschliessendem Mittagessen, eine Pokalübergabe an die Turniersieger ... <br />Folgendermassen hat sich das dann abgespielt: am Samstag gab es die ersten zwei Spiele des Turniers. Auf dem Fussballplatz in Chao Bom. Die Tore hatten keine Netze, es waren keine Linien gezogen. Der Verantwortliche den ich darauf angesprochen habe hat nur gemeint er hätte keine Zeit gehabt ... Linien ziehen lassen kostet allerdings nicht viel Zeit sondern 20 € für denjenigen der das seit Jahren macht. Die Netze muss man bei der Gemeinde abholen.<br />Egal, das Spiel hat stattgefunden (1 ½ Stunden zu spät) und wir haben es 4:1 gewonnen und uns damit für das Finale am Sonntag qualifiziert. Da gab es dann vorher die erwähnte Aufklärungsveranstaltung über AIDS, das Mittagessen und dann das grosse Finale. Vorher noch das Spiel um Platz 3. Die Aufklärungsveranstaltung habe ich geschwänzt weil die immer vom gleichen Typen durchgeführt werden der halt erzählt man soll Präservative verwenden wenn man Fussball spielt (oder war es was anderes?). Bis heute verstehe ich nicht warum für derartige Veranstaltungen soviel Geld zur Verfügung steht. Ich bin mir sicher es wissen heute alle Jugendlichen in Tarrafal wie man AIDS bekommt und wie man sich schützen kann. Wenn sie trotzdem keine Präservative verwenden (bei der Menge an Schwangerschaften fast zu vermuten) dann liegt das Problem anscheinend wo anders. Vielleicht daran, dass sie diese Gefahr nicht ernst nehmen?! Sollte das der Fall sein würde ich mir andere ‚Aufkärungsveranstaltungen’ ausdenken als Sport- oder Kulturveranstaltungen bei denen 5 Minuten erzählt wird dass die Nächstenliebe ab einem gewissen Moment nach Präservativen verlangt.<br />Aber zurück zu dieser 3000 € Veranstaltung. Am Mittagessen habe ich natürlich teilgenommen. Auch ein Projektleiterchen freut sich über kostenloses Essen. Bevor die Spiele angefangen haben kam noch der Vizebürgermeister zu mir. Er hat sehr geheimnisvoll getan und gemeint er müsse mit mir reden. Ich dürfe aber ja niemandem weitersagen worum es ginge ... natürlich war ich da schon skeptisch ... Es ging um einen ganz tragischen Fall von Diebstahl. Die Pokale die für die Turniersieger gekauft worden waren (mit Geld von der AIDS-Bekämpfung?!) wurden gestohlen und jetzt stehe man vor dem Dilemma keine Pokale zu haben. Ob nicht vielleicht Delta Cultura aushelfen könne. Wir hätten sehr wohl aushelfen können, ich hatte aber Angst, dass auch die von uns gespendeten Pokale wieder gestohlen würden und habe glatt gelogen und gemeint wir hätten keine ...<br />Das Spiel um Platz 3 hat dann wieder viele Stunden zu spät angefangen. Auf einem Fussballplatz ohne Netze an den Toren und ohne Linien. Meine Befürchtung, das grosse Finale gehe sich vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus hat sich leider bewahrheitet. Zwar konnten wir die reguläre Spielzeit über die Bühne bringen, aber die ging gegen die besagte Fussballschule aus Chao Bom 1:1 aus. Mit einem ordentlichen Schiedsrichter wäre das nicht passiert. Der gute Mann hat uns ohne Übertreibung mindestens 3 Elfmeter in der Schlussphase nicht zuerkannt. Mir war das egal. Ich habe das Spiel als Vorbereitung für die Meisterschaft gesehen.<br />Um ein Elfmeterschiessen durchzuführen war es dann zu dunkel und so hatte das 3000 € Turnier keinen Sieger. Für die Veranstalter kein Unglück. Pokale hätte es sowieso keine gegeben ...<br />Geschätzte Kosten für diese Veranstaltung: 150 € für die Miete der Musikanlage, 500 € für das Essen. Aus. Was mit den restlichen 2350 € passiert ist weiss wohl nur der Vizebürgermeister.<br />Für mich bedeutet das, dass wir unsere Hilfe für die Fussballschule einstellen werden. Nichts geht mir mehr auf die Nerven als diese verdammte Freunderlwirtschaft und Veruntreuung von Spendengeldern. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich der Verantwortliche der Fussballschule sehr bald schon von seinem neuen Partner trennen wird. Er selbst ist nämlich ein sehr lieber, korrekter Typ. Er fällt schlicht und einfach auf die leeren Versprechungen des Vizebürgermeisters herein, von dem allerdings alle Welt weiss wie er drauf ist und wie er mit öffentlichen Geldern umgeht. Seine Privatvilla in Praia spricht davon Bände. <br />Ich könnte noch unzählige ‚Vorteile’ aufzählen die Delta Cultura von anderen Organisationen hervorhebt. Trotzdem gelingt es uns seit bald einmal einem Jahr nicht, eine lächerliche Förderung für die Betriebskosten des Zentrums zu bekommen. Keinen Cent. Wird derzeit Alles von Delta Cultura in Österreich und einigen Zentrumseinahmen finanziert. Cool, oder?!<br />Es kann jetzt leicht passieren, dass einige Leser hinter diesem verallgemeinernden Rundumschlag einen frustrierten Projektleiter vermuten. Ein gescheitertes Leiterchen, dass jetzt blind um sich schlägt, alle Menschen zum Teufel schickt ... aber das, liebe Leser wäre eine allzu leichte Erklärung.<br />Meine Arbeit hat mich in den Vorsommermonaten frustriert. Bis ich zwei Wochen auf einem Segelschiff ein paar caboverdeanische Inseln erkundet habe. Nach meiner Rückkehr habe ich zwar vielleicht noch ein paar Wochen gebraucht um wieder so richtig in die Arbeit zu finden, bin seit dem aber mit der gleichen Freude und Kraft dabei wie eh und je. <br />Der Tod meines Vaters Anfang Oktober war sodann natürlich ein Einschnitt. Inwieweit mir das bis heute ‚Schwierigkeiten’ macht, wie ich damit umgehe ... das gehört denn doch nicht hierher.<br />Also, ich habe bisher nur erklärt was alles so verflucht ist in der Entwicklungshilfearbeit, was Alles nicht Schuld an meinen Angeberthesen ist, aber nicht das was mich eigentlich treibt.<br />Schlicht und einfach die Tatsache, dass ich hier ständig Menschen begegne die ohne Hilfe nicht wirklich weiterkommen in ihrem Leben. Menschen die vollkommen zu Recht perspektivlos durchs Leben gehen und nichts anderes im Kopf haben als hier weg zu kommen. Menschen die nicht ganz lupenreine Strategien verfolgen um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Menschen die sich prostituieren, einzig um einen Weg nach Europa zu finden ... Lustig ist das nicht. Weder für mich und noch viel weniger für diese Menschen. Es vergeht, ohne jegliche Übertreibung, kein Tag an dem nicht Irgendwer zu Marisa oder mir kommt und sich von uns Hilfe, in welcher Form auch immer, erbittet. Natürlich sind Viele dabei, die einfach schnorren obwohl sie es nicht wirklich brauchen, aber viel zu oft sind es Menschen deren ‚Schicksal’ trostlos ist. Natürlich helfen wir oft mit Geld für Medikamente, für Schulmaterial oder sonst was, aber was hilft das diesen Menschen auf lange Sicht???!!! Ich finde es echt furchtbar das zu sehen. Nicht selten kann ich nicht anders als darüber weinen ... ich arbeite da monatelang wie ein Schwein, fahre wöchentlich nach Praia, versuche was weiss ich nicht Alles um Strom- und Telefonkosten zu finanzieren damit wir ordentliche Angebote, die wirklich langfristig helfen würden, entwickeln können und stosse überall nur auf Ignoranz, hirnrissige Richtlinien, leere Versprechungen ... das dies eine Rechnung ohne das Projektleiterchen ist werden sie schon noch merken, früher oder später bekomme ich was ich will, aber dieses ‚irgendwann’ hilft dem Jugendlichen der zu mir kommt und Arbeit oder eine Ausbildung will, derweil herzlich wenig. Und das schmerzt.<br />Dieser Schmerz ist es also der mich manchmal wütend macht und Thesen anschlagen lässt ... es reicht jetzt aber trotzdem. <br /><br />Das wir hier nicht ausschliesslich mit Stromrechnungen kämpfen ist unter anderem der FIFA zu verdanken. Wir sind ja seit Juli Partner von deren ‚Football for Hope Movement’ ... wie ich meine ein sehr gelungener Name und ich bin stolz (so wie ein Projektleiterchen halt stolz sein kann?!) dass Delta Cultura da dabei ist. Ein weiterer Beweis, dass wir cool sind!<br />Was genau bedeutet diese Partnerschaft für uns und was hat sie uns bisher gebracht? Viel! Unglaublich viel! <br />Zunächst einmal haben wir von Juli 07 bis Juli 08 Geld für Material, zwei Gehälter (Leiter der Fussballjugendabteilung, Patriki und ein Trainer, Nene), einen Beitrag zu den Betriebskosten des Zentrums sowie die Finanzierung für zwei Jugendtrainerlehrgänge.<br />Zu den Gehältern sei gesagt, dass sie eine unglaubliche Hilfe sind. Nicht nur weil sie zwei Jugendlichen Arbeit geben, sondern weil sie Beweis dafür sind was ich den Jugendlichen hier so gerne vermitteln will: dabeibleiben, das machen wozu ihr Talent habt, dann kommt der Erfolg (das Geld) früher oder später. Und das gilt auch für Cabo Verde. Nicht nur für ‚den goldenen Westen’. <br />Patriki ist das beste Beispiel dafür: er könnte schon lange nach Portugal. Sein Vater drängt ihn sogar dazu. Aber er liebt das Zentrum, den Fussball und ist seit Anfang an dabei. Lange Zeit ohne Gehalt. Jetzt hat er eine zeitlang Eines gesichert und wir werden für ihn, wenn er das denn will, eines schönen Tages auch ein langfristig gesichertes Einkommen auftreiben. Ausserdem bekommt er neben der Praxis als Jugendtrainer (U15 und U17), eine Ausbildung als Jugendtrainer und lernt im administrativen Bereich zu arbeiten. Nicht zu vergessen, dass er weiterhin der tarrafalbeste Innenverteidiger bleiben und uns dieses Jahr hoffentlich in die nationale Meisterschaft führen kann.<br />Weiterhin glaube ich, dass Beispiele wie Patriki viel mehr zur Entwicklung beitragen als so manche professionelle Ausbildung, bei der nach 2 Monaten Diplome vergeben werden und die Jugendlichen dann trotzdem nach Portugal auf die Baustelle arbeiten gehen.<br />Patriki und Nene sind für mich die Zwei Jugendlichen von denen ich mich – wiederum stolz wie ein Projektleiterchen eben stolz sein kann – zu sagen getraue: wir haben ihnen wirklich geholfen! Und seien es die Einzigen Beiden, die ungefähr 450.000 € die das Kinder- und Jugendzentrum (inklusive Bau) bisher gekostet hat sind in keiner Weise zum Fenster rausgeworfen. Trotzdem kotzt es mich an, dass ich nicht sagen kann wir haben schon 200 Jugendlichen wirklich geholfen ... verdient hätten sie es sich. Verflucht. Weil – vielleicht habe ich das noch nicht erwähnt – es handelt sich auch bei den Jugendlichen in Tarrafal um Menschen. ?<br />Zurück. Football for Hope. Wie erwähnt haben wir ja auch eine ordentliche Summe für Material bekommen. Wir haben zwar noch nicht Alles ausgegeben, aber doch genug um die gröbsten Versorgungsprobleme zu lösen. Ausreichend Bälle sind für einige Zeit vorhanden. Auch mit Fussballschuhen sind wir gut ausgestattet. Wobei das bei 150 Kindern und Jugendlichen und einem steinigen Erdboden natürlich relativ ist.<br />Hilfreich für eine sinnvolle Trainingsgestaltung sind Stangen, Markierungskegel und Medizinbälle, für eine ‚gesunde’ Trainingsgestaltung elastische Binden, alles Dinge die wir jetzt erstmals nach 5 Jahren Fussballschule unser eigen nenne können.<br />Und dann hat uns das Materialgeld noch eine weitere Hoffnung beschert. Wir können mit dem zur Verfügung stehenden Geld auch für alle Altersklassen einheitliche Dressen kaufen. Derweil noch ‚wir könnten’ damit kaufen. Einer der wenigen Sporthändler der Hauptstadt hatte im September nämlich nichts derartiges lagernd. Musste in Portugal bestellen. Ende November hätten die Dressen (rot-weiss-rot – nein das sind nicht meine österreichischen Wurzeln, sondern die Farben von Varandinha Tarrafal) ankommen sollen. Wie gesagt für alle Altersklassen. Was aber leider angekommen ist waren blau-gelbe Dressen nur für Erwachsene. Ich war bisschen böse mit dem Geschäftsführer, wollte eigentlich augenblicklich meine Anzahlung zurück, nachdem er mir aber versprochen hat bis Ende Dezember Alles wieder gutzumachen, habe ich ihm halt noch eine Chance gegeben. Ob er jetzt um-näht und färbt oder ob er Neue bestellt weiss ich nicht.<br />Warum ich aber gesagt habe, dass gibt uns Anlass zu Hoffnung ist die Möglichkeit Sponsoren ein Logo auf diesen Dressen anbieten zu können. Auch deshalb bin ich derzeit allwöchentlich in Praia und schau ob ‚da was geht’. Bisher noch nicht mit zählbarem Erfolg, aber auch noch mit keinen nennenswerten Absagen. Wie immer hier in Cabo Verde muss man ziemlich zäh und lästig sein. Kein Problem für mich. Ich bin’s doch: das lästigste aller zähen Projektleiterchen. Ausserdem ist Delta Cultura cool!<br />Leider etwas schwieriger als erwartet gestaltet sich die Suche nach einem geeigneten Ausbilder für die finanzierten Trainerlehrgänge. Hatten einen sehr guten Mann aus Lissabon an der ‚Angel’. War eigentlich schon Alles geplant. Erster Lehrgang hätte im Dezember stattfinden sollen. Aber dann hat der Mann im November einen Trainerposten bei einem portugiesischen Erstligaverein bekommen und hat uns aus zeitlichen Gründen abgesagt. Das mag uns jetzt den geplanten Ablauf (ein Lehrgang 2007, der zweite im Frühjahr 2008) über den Haufen werfen, aber Delta Cultura ist ja bekannt für die gute Arbeit mit über den Haufen geworfenen Abläufen. Vieles lässt uns verzweifeln, aber sicher keine Haufen. Das ist Alltag in Cabo Verde. <br />Derzeit versuche ich über meine Kontakte zu Austria Wien etwas zu organisieren. Es besteht seitens des Jugendleiters von Austria auch grosses Interesse. Das Ganze ist allerdings eine Terminfrage. Er würde gerne mit einem Sportwissenschaftler der Uni-Wien kommen und alle Beide sind sie vielbeschäftigte Männer. Aber vielleicht wird das ja doch noch was zu Anfang von 2008.<br />Natürlich sitzen wir nicht herum und warten ob das gelingt sondern strecken unsere Fühler auch Richtung Portugal aus. Sicher ist, dass es bis Juli 08 zwei Lehrgänge geben wird. Schliesslich haben wir die Finanzierung für Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und auch Spesenersatz ...<br />Na gut, das sind die Dinge die wir durch unsere Kooperation mit der FIFA finanziert haben. Aber wie hat diese Finanzierung unseren täglichen Fussballschulenbetrieb beeinflusst? Positiv. Unglaublich positiv. Mit riesigen kleinen Schritten nähern wir uns meiner Idealvorstellung dieser Fussballschule. Die zwei Gehälter haben es uns nämlich ermöglicht mit den Kinder und Jugendlichen auch über die Fussballschule hinaus zu ‚arbeiten’. Wir bieten ihnen Nachhilfeunterricht und haben Gruppen gebildet die jeweils vor den Trainingseinheiten zusammenkommen und Hausaufgaben machen. Wir haben eine sehr umfangreiche Datenbank mit zahlreichen Informationen zu allen Teilnehmern der Fussballschule angelegt, die sich jetzt füllt und uns die Möglichkeit gibt im fussballerischen und schulischen Bereich besser auf die individuellen ‚Schwierigkeiten’ einzugehen.<br />Ein eindeutig riesiger Schritt, oder? Warum aber sage ich weiter oben ‚riesige kleine Schritte’? Weil sich die Realität nicht so einfach gestalten lässt wie ein Absatz in einem Bericht. <br />Die Datenbank mit Informationen zu fussballerischen Fertigkeiten, zum sozialen Umfeld und zur schulischen Leistung musste ja zunächst einmal gebaut werden. Lang habe ich im Internet herumgesucht um eine geeignete Datenbankvorlage zu finden. Ergebnislos. Dann habe ich ein paar Freunde um Hilfe beim Bau der Datenbank gebeten. Nicht erfolglos, aber doch der wiederholte Hinweis, so was sei sehr viel Arbeit und brauche viel Zeit. Etwas was bekanntlich kaum ein Mensch dieser Welt mehr hat. Ich musst mir diese Zeit also selber nehmen und mich in Access einarbeiten. In vielen, vielen Stunden habe ich mich mit Hilfe des Internets zum Access-Programmierer ausgebildet und habe Datenbank gebaut. Wer mich kennt weiss, dass Logik nicht unbedingt meine allergrösste Stärke ist. Da Datenbanken aber verflucht logisch sind, war und ist das eine recht mühsame Angelegenheit. Die Datenbank füllt sich inzwischen wie erwähnt mit Daten. Als fertig kann man sie aber noch lange nicht bezeichnen. Ständig kommen mir Verbesserungsideen und Patriki der die Daten einpflegt muss mich leider immer wieder mal auf Teile der Datenbank aufmerksam machen die nicht so funktionieren wie sie sollen.<br />Aber das macht Alles nichts. Diese Datenbank ist ein langfristiges Projekt das seinen Anfang gefunden hat und sich mehr und mehr zu einem phantastischen ‚Werkzeug’ entwickelt, das unsere Arbeit erleichtert und verbessert. Ziel ist es natürlich diese Datenbank eines Tages auf unsere Internetseite zu stellen. Also: kommt Zeit, kommt Internetdatenbank, kommt noch mehr Transparenz und Information zur Fussballschule, kommt noch mehr Erfolg, kommt Weltmeistertitel 2014! Und das Wunderbare daran: ist Alles ganz logisch!<br />Genauso logisch wie die Probleme die wir mit den Nachhilfe- und Hausaufgabengruppen haben. Die Kinder und Jugendlichen kennen die Fussballschule jetzt seit 5 Jahren und so lästige Neuerungen wie ‚mit der Schultasche ins Training kommen’ lassen sich nicht von heute auf morgen durchsetzen. Dazu sind zahlreiche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen einerseits aber auch mit den Eltern andererseits notwendig. Immer wieder natürlich auch vorübergehender Ausschluss vom Training, Prügelstrafen, Ankettung an den zentrumseigenen Marterpfahl, Wochen bei Brot und Wasser in unserer hypermodernen Gummizelle ... wir sind’s: die atlantischen Inselpädagogen!?<br />Stimmt natürlich nicht. So harte Massnahmen wie vorübergehender Ausschluss vom Training, das würden wir nie übers Herz bringen.<br />Und ernsthaft pädagogisch: wir sind uns bewusst, dass wir langfristige Aufbauarbeit leisten und mit und gegen allerlei tarrafalensischer Realität leben und arbeiten.<br />Mit einigen Rückschlägen, so hat uns z.B. eine freiwillige Helferin des Peacecorps, die Nachhilfegruppen geleitet hat, von einem Tag auf den Anderen verlassen, verbessert sich die Teilnahme an unseren Schulhilfsprogrammen zusehends.<br />Und ganz ehrlich: die Entwicklung der Fussballschule gibt derzeit viel Anlass zur Freude. Nach den 2 Jahren die wir mit Bau des Zentrums und dem Ausbildungsbetrieb beschäftigt waren und in denen wir der Fussballschule, die ja auch ohne Finanzierung existiert hat, nicht die Aufmerksamkeit widmen konnten die sie verdient hätte, entwickelt sie sich jetzt wieder in die Richtung in die wir sie haben wollen. Football for Hope!<br /><br />Die Fussballschule ist also jener Teil des Zentrums der sich Dank einer finanziellen Unterstützung ständig weiterentwickelt. Aber es gibt auch viele Bereiche die sich entwickeln obwohl wir kaum Geld dafür haben. Und zwar nur weil wir lauter grossartige Menschen bei Delta Cultura haben die sich alles mögliche aufreissen damit wir helfen können. Es schmerzt, zu sehen und zu wissen was diese Menschen auf die Beine stellen könnten wenn mehr von diesem blöden Geld da wäre ... ehrlich! Das schmerzt. Oft und oft überlege ich mir wie wir diese Tatsache glaubhaft vermitteln können. Immer wieder werde ich aber vor die traurige Tatsache gestellt, dass wir es eh schon glaubhaft vermitteln, dies aber kein Kriterium ist um gefördert zu werden. Und das ist krank! Verflucht! Verdammt! Kotze! Verlogen! Verirrt! Verwickelt! Teuflisch! Korrupt! Falsch! ... Aber es gibt mir Kraft. Ich weiss, dass Delta Cultura cool ist. Und Delta Cultura steht für eine Menge Menschen die sich von dieser Krankheit nicht bremsen lassen.<br />Was passiert also sonst noch in unserem schönen Zentrum? Da ist einmal der Informatikraum mit seinen 8 Computern, die sich jetzt wieder vermehren dürfen weil liebe Menschen aus Europa uns ihre Rechner per Post schicken. Zwei sind schon angekommen, Weitere sind auf dem Weg. Eine Aktion die Fu in die Wege geleitet hat, an deren Erfolg ich immer gezweifelt habe und die mich wieder einmal eines Besseren belehrt hat. Es ist Wahnsinn: ich habe mich in meinen 42 Jahren jetzt schon so oft eines Besseren belehren lassen, dass das Bessere in mir langsam die Oberhand gewinnt?!<br />Der bessere Informatikraum: 3 mal wöchentlich gibt dort das Projektleiterchen Abendunterricht. Bin also jetzt auch ein Informatiklehrerchen. Ist allerdings wirklich nur als vorübergehende Lösung gedacht. Ziel: Ausbildung eines Jugendlichen der dann selbst diesen Unterricht geben kann. Fu steht mir zur Seite, unterrichtet den ‚Internetteil’ der Kurse und bis Mitte 2008 sollten wir beruhigt und stolz diese Aufgabe übergeben können. Weil es ist ja nicht wirklich so, dass wir Beide (Fu und ich) nicht Besseres zu tun hätten?!<br />Einen eigenen Bericht könnte ich über die ‚Tagsüber-Nutzung’ des Informatikraums schreiben. Anlass zu zahlreichen heftigen Diskussionen innerhalb der Projektleitung, unzähligen projektleiterischen Zornesausbrüchen, ständigem Riesenwirbel im unterhalb der Projektleitungsbüros gelegenen Informatikraum, hohen monatlichen Internetkosten ... und Alles weil wir dort kostenlosen Internetzugang gewähren. Gedacht für SchülerInnen die das Internet nach nützlichen Informationen durchforsten. Dieses Angebot wird auch zusehends in Anspruch genommen. Aber eben nicht nur. Oft ist der ganze Saal voll mit Socialnetworkern die sich auf hi5 oder myspace Accounts einrichten und sich sodann auf die Suche nach hübschen Mädchen und Buben in diesen Netzwerken begeben. <br />Jetzt ist es natürlich nicht unbedingt Delta Culturas oberstes Ziel der(ab?)artige Freundschaften zu fördern und zu finanzieren. Trotzdem wehrt sich das Projektleiterchen standhaft gegen jene Stimmen die finden wir müssen dieses Angebot kostenpflichtig gestalten. Das führt unter anderem dazu, dass ich, wenn ich mal wieder wutentbrannt meinen Arbeitsplatz verlassen muss um für Recht und Ordnung im Informatikraum zu sorgen, von meinen MitarbeiterInnen nur ‚du wolltest es ja so’ zu hören bekomme. <br />Aber was soll’s. Ich habe so Einiges von so Einigem?! Da kommt es darauf auch schon nicht mehr an.<br />Natürlich ist es aber doch so, dass ich mir die Argumente meiner MitarbeiterInnen sehr wohl sorgfältig anhöre. Ich bleibe diesbezüglich bisher aber stur, weil ich erstens vom Wert des Internets für die Jugendlichen Tarrafal als unerschöpfliche Informationsquelle überzeugt bin und ich zweitens DER Feind von Regeln und Gesetzen bin wenn sie denn auch nur einem Menschen unrecht tun ... wir haben wirklich viel über dieses Problem diskutiert. Regelungen überlegt. Einschränkungen besprochen, etc. Aber von dem ‚kostenlos’ sind wir nicht runter. Und haben jetzt doch hoffentlich Lösungen gefunden die die diesbezüglichen Probleme einschränken werden.<br />Zunächst ist es mir gelungen von der Telecom eine 50 prozentige Ermässigung auf unsere Internetrechnungen zu bekommen. Ein Erfolg meiner erwähnten wöchentlichen Praiafahrten. Ist zwar noch nicht in Kraft weil wir noch Unterlagen nachreichen mussten, aber die liebe Frau von der Telecom wird mich morgen wieder zu Gesicht bekommen ... <br />Um das zeitweilige Chaos im Informatikraum in den Griff zu bekommen haben wir seit Anfang Dezember versuchsweise eine Angestellte, die unsere Kantine betreibt und die Aufsicht über die Computer inne hat. ‚Versuchsweise’ weil sie ihr Gehalt von ca. 150 € grossteils über den Verkauf in der Kantine ‚einspielen’ muss. Ansonsten können wir uns das nämlich nicht leisten. Die Sache lässt sich aber recht gut an und ich bin zuversichtlich, dass die Rechnung aufgeht. Auch weil Tuda, so heisst die liebe Frau, sehr engagiert und selbständig an die Sache rangeht. Wäre für alle Beteiligten eine gute Sache. Die Schaffung von Arbeitsplätzen kann in Tarrafal ja wirklich nicht schaden ...<br />Zusätzlich haben wir jetzt auch ein Programm auf den Rechnern laufen, dass es uns erlaubt gewisse Internetseiten zu blocken. Ist gut was die, auch in Tarrafal allseits beliebten, Pornoseiten betrifft, aber auch die sozialen Netzwerke lassen sich ausschliessen, das herunterladen von Programmen, Fotos, Videos ...<br />Also derweil einmal weiterhin kostenloses Internet im Zentrum!<br /><br />Ein weiterer Bereich ist die Schreinerei, die ja seit März 07 auf selbständiger Basis weiterfunktioniert. Allerdings in keiner Weise zu meiner Zufriedenheit. Aufträge für die Schreiner sind derzeit zwar ausreichend vorhanden, sie und das Projektleiterchen sind die Einzigen die heute, Sonntag, fleissig bei der Arbeit sind, aber die Selbständigkeit der Werkstatt geht mir etwas zu weit. Nicht nur produzieren sie nicht das worum wir sie bitten (‚andere’ Arten von Kästen, Betten, Sesseln und einigen Souvenirideen die wir ihnen vorgeschlagen haben), sie kommunizieren auch kaum mit uns. Rufen Jenny nicht wenn sie wiedereinmal ein Möbelstück produziert haben, dass Jenny fotografieren sollte um eines Tages einen Katalog zu erstellen usw. <br />Das liegt gewiss am Werkstattleiter, der ja in den ersten Jahren der Ausbilder war, der ganz ungeheure Stärken hat, aber viel zu schüchtern und verklemmt ist um hemmungslos zu kommunizieren.<br />So ist auch dies ein Bereich über den ich mich regelmässig ärgern und wie ein Teufelchen durchtanzen muss, aber auch da bin ich der Meinung es wäre falsch die Leute rauszuschmeissen oder gar den Betrieb einzustellen. E geht darum Lösungen zu finden. Und wir werden sie finden. Auch wenn es oft nicht den Anschein macht und auch wenn ich doch immer wieder mal herumfluche, so bin ich doch zuversichtlich auch die Schreinerei so gestalten zu können, dass wir Alles zufrieden sein können. Sprich, dass wir Lehrlinge aufnehmen können, etc. Ist eine Frage der Zeit und steht ganz oben auf meiner ‚Gutenvorsatzliste’ für 2008.<br /><br />Nach Schreinern nochmals zurück zum Fussball. Da gibt es ja auch noch die Kampfmannschaft. Varandinha, deren Trainer ich auch dieses Jahr noch bin. Nach Nichterreichen der nationalen Meisterschaft vergangenes Jahr, habe ich auch da nach einigen Wochen der Kraftlosigkeit wieder Motivation gefunden. Und die neue Meisterschaft steht vor der Tür. Heute sollte die Auslosung stattgefunden haben. Nächste Woche sollte die Meisterschaft losgehen. Dieses Jahr im gleichen Modus (zwei Gruppen a 9 Mannschaften, die zwei Gruppenersten spielen in Hin- und Rückrunde den regionalen Meister aus) allerdings mit viel mehr Spielen weil die erste Phase dieses Jahr auch in Hin- und Rückrunde gespielt werden soll. <br />Unsere Vorbereitungsphase war durchaus zufriedenstellend. Haben viel Augenmerk auf Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer gelegt, sollten diesbezüglich jetzt auch klare Vorteile haben und haben auch kein Spiel der Vorbereitung verloren (zweimal Unentschieden). Mit etwas zwiespältigen Gefühlen sehe ich das gestrige letzte Vorbereitungsspiel gegen unsere U21. Die Kampfmannschaft hat es 11:1 gewonnen ... bemerkenswert. Wir spielen ja regelmässig gegeneinander. Gewinnen zwar meist, aber nie in dieser Höhe. Ist gut für das Selbstvertrauen der Kampfmannschaft, aber schlecht für die U21, die mir natürlich auch am Herzen liegt.<br /><br />So, ihr Lieben! Das ist ja nach langer Pause ein Projektleiterchenbericht der seinem Namen gerecht wird. Bin auch wahnsinnig stolz, dass ich die Zeit dafür gefunden habe. Sie war ganz unten in meiner Schreibtischschublade versteckt! Hatte ich noch vom letzten Jahr. Vielleicht solltet ihr auch mal suchen? Und uns berichten. Ideen geben wie wir 2008 zu einer langfristigen Finanzierung des Zentrums finden werden? Wie wir gemeinsam das Projektleiterchen dazu anhalten können Blödsinnigkeiten in seinen Berichten zu unterlassen (das gelingt uns nie!?).<br />Bevor ich aber ein endgültiges Berichtsende finde muss ich doch noch erzählen was wir uns für 2008 so Alles vorgenommen haben. Und damit das auch schön übersichtlich wird in Listenform:<br />- die erwähnte langfristige Sicherung der Betriebskosten des Zentrums<br />- Start der Musikschule im Zentrum (an der Finanzierung arbeite ich)<br />- Start der Ausbildung zum Mediengestalter (an der Finanzierung arbeiten wir Alle!)<br />- Weitere Verbesserung der Fussballschule und aller weiterer Zentrumsangebote<br />- Europareise der Batucogruppe und einer Fussballmannschaft (auch daran arbeite ich derzeit wöchentlich in Praia)<br />- Gewinn der regionalen Meisterschaft um dann die nationale Meisterschaft zu gewinnen damit wir sodann die afrikanische Championsleague gewinnen können weil nur so können wir 2009 die Weltmeisterschaft für Klubmannschaften gewinnen ...<br />- Nasenoperation des Projektleiterchens damit die endlich gerade in die Welt rausriecht.<br /><br />Habe sicher irgendwas Wichtiges vergessen. Aber wie so Mancher schon bemerkt hat komme ich in Zeitdruck und will den Bericht beenden und rausmailen bevor ich morgen für 2 Tage nach Praia verschwinde.<br />Ganz sicher will ich aber nicht vergessen mich bei allen HelferInnen die unsere Erfolge 2007 ermöglicht haben ganz herzlich zu bedanken. Ich mache das nicht namentlich weil ich meiner Hektik dann irgendwen vergesse den ich absolut nicht vergessen will!<br /><br />Und seid euch gewiss: ich könnte noch seitenlang über unsere Aktivitäten, über meinen Wahnsinn der sich ständig in meinem Hirn abspielt, erzählen. Aber für dieses Jahr lasse ich es gut sein. <br />Wir alle von Delta Cultura wünschen Euch erholsame Feiertage und ein gesundes, gesegnetes Jahr 2008!<br /><br />Umarmungen und Küsse in alle Richtungen!<br />Das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-6538407450371792721?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-13636144681881296472007-05-31T15:46:00.000-01:002007-06-10T15:50:29.370-01:00Monatsberichte Maerz, April, Mai 2007Monate sind vergangen und das Projektleiterchen hat sich kein einziges Mal zu Wort gemeldet. ‚Was ist nur los in Tarrafal?’, wird sich so manch Einer gefragt haben. ‚Gibt es das Kinder- und Jugendzentrum überhaupt noch?’ ‚Ist mit Versiegen des Geldsegens aus Deutschland, Delta Cultura von der Bildfläche verschwunden?’ ...<br />Dieser Monatsbericht soll zur Beruhigung beitragen. Weil es gibt uns noch! Schöner, frischer, braungebrannter, aktiver, hilfreicher, nervender, erfolgreicher als je zuvor!!!! Nur hat mir die viele Arbeit der letzten Monate keine Zeit gelassen davon zu berichten!<br />In meinen ungeheuerlichen Anstrengungen es allen Recht zu machen, damit ich auch recht ordentlich geliebt werde, habe ich endlich begonnen mir eine ‚To-do-Liste’ anzulegen. Nach kurzer Zeit schon habe ich aber wieder gewusst warum ich das bisher nicht gemacht habe. Die blöde Liste hat bei mir die Eigenschaft ständig länger und länger zu werden. Die Befriedigung die man erleben sollte wenn man Dinge als erledigt durchstreichen kann hat sich bei mir nicht eingestellt. Es hat meist schon einen halben Tag gebraucht bis ich das Erledigte auf meiner 70 Seiten Liste gefunden habe um es abhacken zu können ... das war wie gesagt so unbefriedigend, dass ich die Liste in einer feierlichen Zeremonie den Göttern der Managementoptimierung überantwortet habe.<br />Um aber nicht ganz ohne Liste dazustehen habe ich mir eine ‚Just don’t do it Liste’ angelegt. Die ist zwar genauso lang aber auf der muss ich ja Nichts abhacken. Ich lese sie mir allerdings allmorgendlich durch damit ich nur ja nicht auf die Idee komme etwas davon zu tun! Auf der Liste stehen so Dinge wie:<br />- die Elektra in die Luft jagen<br />- die Telekom auf weit entfernte Planeten schiessen<br />- die Wahrheit und Nichts als die Wahrheit sagen<br />- blöde Monatsberichte schreiben<br />- Bürgermeister um Termine bitten<br />- Verwaltungsräten beitreten<br />- Aus ‚Kinder- und Jugendzentren’ ‚Disneyparks’ machen<br />- Bauwerke mit Flachdächern<br />- Männern in ihren Midlifecrises, caboverdeanischen Frauen vorstellen<br />- usw.<br /><br />Unter gehöriger Kraftanstrengung ist es mir gelungen seit Entstehung der Liste nichts davon umzusetzen. Aber dieser Bericht soll ja nicht erzählen was ich alles NICHT gemacht habe sondern was im ‚Kinder- und Jugendzentrum’ so passiert ist. Und das ist soviel, dass ich Angst habe mit diesem Bericht nie fertig zu werden. Ich muss also wieder einmal selektionieren ... und ich möchte das einmal mehr betonen! Dass ich in diesen Berichten aus der Fülle unserer Aktivitäten AUSWÄHLE. Ich erzähle nie von sämtlichen Zentrumsaktivitäten, Hilfsleistungen die wir bieten, etc. Ich betone das aus gegebenem Anlass! Weil mit Ende der Förderung durch ASB/BMZ Ende März, bekomme ich von sehr vielen Seiten zu hören und/oder zu spüren: ‚schauen wir einmal wie das jetzt weitergeht mit Delta Cultura ...’.<br />Ich bin ehrlich der Meinung es ist dies das gute Recht von sehr sehr vielen Menschen, Institutionen und Organisationen. Aber nicht von ALLEN. Schlicht und einfach ist es ja auch so, dass wenn wirklich ALLE diese Haltung einnehmen, natürlich nichts weitergeht. Dieses Gefühl habe ich derzeit bei den heimischen Institutionen: die Gemeinde will einmal schauen ob es uns nicht gelingt Geld von der Regierung zu bekommen und die Regierung wartet einmal ob es uns nicht gelingt Geld von der Gemeinde zu bekommen ... wie Delta Cultura darauf reagiert wird im Weiteren Thema dieses Berichtes sein.<br />Was ich aber eigentlich sagen wollte: Delta Cultura Cabo Verde und das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ haben von Oktober 2005 bis März 2007 die allerorts beschriebenen professionellen Ausbildungen, die Informatik- und Sprachkurse, die Fussballschule, die Batukogruppe etc. angeboten und organisiert. Teilweise auch mitfinanziert und/oder zur Gänze bezahlt. Darüber sind, glaube ich, auch alle Interessierten ausreichend informiert (Internetseite, Monatsberichte, etc.). Was nicht an der grossen Glocke hängt, worauf ich aber in meinen vergangenen Gesprächen mit hochdekorierten Gemeinde- und Regierungsvertretern ständig hinweise sind die vielen, vielen ‚kleinen’ Hilfsleistungen die Delta Cultura anbietet.<br />Es vergeht kaum ein Tag (wirklich ‚kaum’) an dem wir von Delta Cultura nicht von Irgendwem aus Tarrafal um Irgendwas gebeten werden: Geld für Medikamente, Schulmaterial oder ähnlich Essenzielles, Arbeiten am Computer und Ausdruck, Internetnutzung, Kleidung, Sportmaterial und vieles, vieles mehr. Aber nicht nur ‚einzelne’ Menschen, auch Vereine, nicht selten die Gemeinde, usw. bitten um Unterstützung. Natürlich ist es uns nicht möglich ALLEN jeden Wunsch zu erfüllen. Aber oft und oft helfen wir. Alles was mit Computer, Internet und Ausdruck zu tun hat sowieso. Natürlich auch was Medikamente oder so betrifft. Bekanntlich ist es ja praktisch unmöglich jemanden der mit einem Rezept vor einem steht und um Hilfe bittet weil er kein Geld für die Medikamente hat, nach Hause zu schicken.<br />Ich gebe zu ich habe so meine Schwierigkeiten damit all das an die grosse Glocke zu hängen. Erstens will ich ja nicht als der grösste Angeber Cabo Verdes in die Geschichte eingehen und zweitens bin ich selbst auch immer skeptisch wenn mir jemand stundenlang aufzählt was für extreme Sonderleistungen er ständig vollbringt. Das ist dann leider allzu oft der letzte Beweis dafür, dass derjenige ausser seinen eigenen Taschen kaum jemandem hilft.<br />Leider habe ich mich als zu naiv erwiesen als ich geglaubt habe Delta Cultura habe in seinen ersten Jahren Tätigkeit bewiesen, dass wir aus den zur Verfügung stehenden Mitteln mehr als das Maximum herausholen und damit ‚förderungswürdig’ sind.<br />Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: entweder glaubt uns niemand, dass wir ‚ordentlich’ arbeiten oder aber diese Eigenschaft ist nicht ausschlaggebend bei der Fördervergabe. Ich streite weiterhin nicht ab, dass ich überzeugt bin ,dass die zweite Möglichkeit eher zutrifft.<br />Womit sich die Fragestellung aufdrängt: was sind aber denn dann die wirklich ausschlaggebenden Faktoren für Unterstützung durch öffentliche Institutionen? Meine Vermutungen:<br />- Grösse und Zustand des Autos des Projektleiters (ich selbst habe ja leider keines und das Vereinsauto pfeift aus dem letzten Loch)<br />- Anzahl Freunde bei Gemeinde- und Regierungsstellen, Firmeninhabern, Institutions- und Organisationsverantwortlichen und die Tiefe dieser Freundschaften.<br />- Beweisbare Fähigkeit mit Fördergeldern auch gekonnt durch Abzweigungen kurven zu können.<br />- Beherrschung sämtlicher Spiele dieser Welt oder zumindest Kenntnis der Spielregeln. Selbstverständlich inklusive Macht- und Ohnmachtspielchen.<br />- <br />... ach, aber das sind nur Vermutungen. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe herauszufinden ob das der Wahrheit entspricht. Bekanntlich findet man immer Beweismaterial für irgendwelche Theorien ... wenn man nur lang und intensiv danach sucht.<br /><br />Also noch mal: ‚was ich eigentlich sagen wollte’. Delta Cultura hilft viel. Delta Cultura bietet nicht nur Ausbildungen und Freizeitangebote, Delta Cultura hilft in vielen kleinen Bereichen. Delta Cultura hat in vier Jahren Arbeit schon soviel erreicht, dass es nicht nötig ist ‚einmal zu schauen was passiert’.<br />Oder anders: Delta Cultura hat in 3 Jahren aus 6 Fussbällen ein Kinder- und Jugendzentrum gemacht. Wer daran zweifelt dass es Delta Cultura gelingt aus einem bestehenden gut ausgestatteten Kinder- und Jugendzentrum mit Werkstätten, Informatikraum, Büro mit 6 Computerarbeitsplätzen, besetzt von 6 hervorragenden Arbeitskräften, einer funktionierender Fussballschule, ein auf lange Sicht sinnvolles Projekt zu gestalten, der zweifelt wahrscheinlich auch daran, dass ... der arme George Bush etliche grausame Erziehungsmethoden über sich ergehen hat lassen müssen um so saudumm zu werden wie er heute ist ??!!<br />Oder anders: Delta Cultura befindet sich in der fantastischen Lage ein Kinder- und Jugendzentrum leiten zu können, dass sich bis heute die Freiheit erhalten hat nach wirklichen Zukunftsperspektiven für Jugendliche suchen zu können.<br />Oder ganz anders: George Bush mag saudumm sein, das heisst aber noch lange nicht, dass es keine Zukunftsperspektiven gibt. Delta Cultura findet sie trotzdem!<br />Und zur Erklärung: nein, ich will nicht angeben. Aber ich will darauf hinweisen, dass Delta Cultura herausragt aus einer riesigen Menge an versumpften, korrupten, unehrlichen Institutionen. Geschichten die ich darüber erzählen kann haben sich in den vergangenen Monaten bedenklich vermehrt. Immer noch bin ich verwundert und verärgert, dass es diesen Institutionen trotzdem mühelos gelingt Förderungen, Spenden, etc. mit einer Leichtigkeit zu erhalten und zu verpulvern. Schade! Endlos schade!<br /><br />Jetzt wird es aber Zeit, dass ich Konkretes erzähle. Fangen wir an mit unserem neu ins Leben gerufenem Verwaltungsrat. Ich habe davon im vergangenen Bericht kurz erzählt. Habe erwähnt, dass es die Idee des Bürgermeisters war diesen zu gründen, habe die Vertreter aufgezählt und angekündigt, dass dieser Rat umgehend seine Tätigkeit aufnehmen wird. Ich habe mich leider grauenhaft getäuscht. Ja, es war die Idee des Bürgermeisters. Ja, wir haben die Vertreter von Gemeinde, Regierung, Bevölkerung und von Delta Cultura bestimmt und zu einer ersten Sitzung einberufen ... aber: nein, der Rat hat nicht umgehend seine Tätigkeit aufgenommen. Der Rat hat umgehend eine Kompetenz- Zentrumsregelungs- Statutendebatte ausgelöst.<br />Es war in der ersten Sitzung dieses Verwaltungsrates in der der Vertreter der Regierung (Delegierter des Erziehungsministeriums in Tarrafal) angefangen hat von ‚Autonomie für den Verwaltungsrat’ und so zu sprechen. Er wollte so etwas wie eine offizielle, legale Berufung dieses Verwaltungsrates. Hat stundenlang die Statuten von Delta Cultura studiert und Fragen über Fragen aufgeworfen. So war diese erste Sitzung wenig produktiv. Hat aber Handlungsbedarf von Seiten von Delta Cultura ans sonnige Tageslicht gebracht. Dem lieben Vereinsgott und allen Vereinsgeistern zum Dank ist dies aber bekanntlich die Stärke von Delta Cultura: schnelles, flexibles Handeln.<br />Eine Generalversammlung des Vereins war schnell einberufen und hat auch nicht lange gebraucht um Entscheidungen zu fällen: es wird keine Autonomie für den Verwaltungsrat geben. Niemand hat Anlass gesehen in der Leitung des Zentrums Änderungen vorzunehmen. Also wurde folgende Lösung erarbeitet. Der Verwaltungsrat bekommt sein Autonomie. Allerdings nur im Bereich der professionellen Ausbildung. Für diesen Bereich soll der Rat Pläne erstellen, Finanzierungen finden und die Ausbildungsorganisation übernehmen.<br />Der Vorschlag erging sodann an sämtliche Mitglieder des Verwaltungsrates. In bekannter Grosszügigkeit hat Delta Cultura ihnen ein paar Tage Zeit gelassen um sich den Vorschlag zu Gemüte zu führen um dann in der zweiten Sitzung darüber zu beschliessen.<br />Am Tag dieser zweiten Sitzung kam allerdings die Absage des Vertreters der Gemeinde. Er habe noch keine Zeit gehabt den Vorschlag dem Bürgermeister zur Begutachtung vorzulegen ... die Sitzung wurde um eine Woche verschoben. Um dann umso grossartiger stattzufinden. Der Regierungsvertreter sowie unser Koordinator für die professionellen Ausbildungen waren von unserem Vorschlag wenig angetan. Das haben sie zwar nicht so direkt gesagt, das aufmerksame Projektleiterchen hat das aber aus ihrer i-Tüpfelchen Reiterei (oder reitet man nur Paragraphen?) herausgelesen.<br />Der Gemeindevertreter ist sehr selbstbewusst aufgetreten. Offensichtlich hatte er klare Instruktionen des Bürgermeisters. Es sei ganz klar und durchaus sinnvoll wenn sich dieser Verwaltungsrat ausschliesslich auf die professionellen Ausbildungen konzentriere. Alles andere (Sport, Kultur, etc.) sei Aufgabe von Delta Cultura ... endlich war ich nicht mehr allein mit meinen Vorschlägen, ausgearbeiteten Statuten, Regelwerken und Aufgabenverteilungen.<br />Es wurde also Punkt für Punkt durchgegangen und ich habe Änderungsvorschläge entgegengenommen. Ständig irgendwie nervös und ungeduldig weil ich mir der Bedeutung von ‚muss der Verwaltungsrat jeden Monat oder alle Zwei oder quartalsmässig Bericht legen’ angesichts der schwierigen Situation in der sich das Gesamtprojekt befindet nicht so recht bewusst werden konnte. Und dann war die zweite Sitzung des Verwaltungsrates beendet. Wir sind uns alle in den Armen gelegen und waren unheimlich stolz.<br />Dieses Gefühl, nach einer unglaublich erfolgreichen Sitzung, mit einem Packen siebzehnmal überarbeitetem Regelwerk, gemeinsam mit bedeutenden Regierungs- und Gemeindevertretern, alle mit aufklappbaren Handys am Ohr über die (fast) monumentale Stiege des Gemeindegebäudes hinabschreiten zu dürfen ... endlich habe ich wieder gewusst warum ich nach Cabo Verde ausgewandert bin! Als Unterschakel eines uralten Programmkinos in Wien wäre ich nie zu solchen Ehren gekommen?! Später möchte ich meinen Enkeln davon erzählen. Meine leichte psychische Lähmung die ich in Wahrheit verspürt habe als ich die Stiegen der Gemeinde runtergestolpert bin brauche ich ja nicht zu erwähnen.<br />Wer jetzt aber glaubt, dass sich das Projektleiterchen von Absätzen, Punkten und Unterpunkten, Paragraphen und Statuten entmutigen lässt hat weit gefehlt. Ich begegne Menschen die auf derartige Dinge gesteigerten Wert legen weiterhin mit Respekt. Würde nie auf die Idee kommen meine Abneigung Gesetzen und Paragraphen gegenüber als notwendige Weltanschauung und einzig wahre Problemlösung zu verkaufen. Aber irgendwann sollten dann halt doch Nägel mit Köpfen gemacht werden. Weil wie soll ein Schreiner ordentlich lernen wenn seine Nägel ... eh scho’ wissen.<br />Statuten waren schnell ausgebessert, ergänzt und von der Delta Cultura Generalversammlung akzeptiert. Verwaltungsratssitzung die Dritte war auch bald einberufen.<br />Hoffnungsfroh durfte ich wieder einmal die (fast) monumentalen Stiegen der Gemeinde empor schreiten. Das Projektleiterchen als Verwaltungsrätchen. Filmreif. Nächste Enkelerzählgeschichte.<br />Die Sitzung hat mit einer viertelstündigen Schweigeminute begonnen. Wobei eine Minute eigentlich kaum eine Viertelstunde dauern kann. Das muss ich meinen Enkeln irgendwie anders erzählen.<br />In dieser Zeit sind alle Verwaltungsräte in den geänderten Statuten versunken. Meine Hoffnungsfröhlichkeit hat ihren Streit mit der Hoffnungslosigkeit umgehend aufgenommen. So war es für mich, der keine Statuten gelesen hat, eine unglaublich spannende Viertelstunde. Immer wieder ist meine Hoffnung scheinbar rettungslos über dem Abgrund gehangen, hat sich aber heldenhaft vor dem Absturz bewahren können. Als der Regierungsvertreter sodann seinen Blick gehoben hat gab es das unerwartete Happy End. Meine Hoffnungslosigkeit hat den Halt verloren und ist in die Tiefen meiner Seele gestürzt. Dass sie dort jemals wieder lebend herauskommt ist nicht zu erwarten. In diesen Tiefen nämlich, ist die Hölle los. Aufmerksame Berichtsleser wissen das.<br />Nach Durchsicht der Statuten hat in dieser dritten Verwaltungsratssitzung leider wieder eine Diskussion über diverse Formulierungen und Inhalte eingesetzt. Diesmal aber war ich gewappnet. Und meine Hoffnungslosigkeit war bekanntlich versunken. Mutig, ohne schusssichere Weste, mit geöffnetem Visier, habe ich mich dazwischengeworfen und meine Meinung hemmungslos kundgetan:<br />- wenn es denn tatsächlich von so grosser Bedeutung ist, dass in diesen Statuten alles auf Punkt und Beistrich genau stimmen muss, dann wird Delta Cultura das einem Anwalt übertragen. Schliesslich sind wir ja alle Verwaltungsräte für professionelle Ausbildungen und keine Rechtswissenschaftler ...<br />- für Delta Cultura ist es ausschlaggebend, dass dieser Verwaltungsrat - der laut Statuten ja autonom ist, seine Entscheidungen zwar unantastbar sind, Delta Cultura aber sehr wohl berechtigt ist den Rat aufzulösen – sehr bald einmal seine tatsächliche Aufgabe aufnimmt und Ergebnisse erzielt.<br />Unerwartete Unterstützung habe ich vom Gemeindevertreter bekommen. Auch dieser war der Meinung, dass der Rat zur Genüge legitimiert sei und anfangen könne zu arbeiten und, dass alle weiteren Statutenänderungen etc. nicht in den Aufgabenbereich des Rates fielen und Angelegenheit von Delta Cultura seien.<br />Sodann kamen noch ein paar weitere kritische Anfragen an mich. Hauptsächlich von unserem Koordinator für die professionellen Ausbildungen. Er habe gehört, dass ich persönlich diesem Verwaltungsrat gar nicht angehören wolle und zurücktreten werde sobald der Rat seine Arbeit beginnt.<br />Der Mann kann nicht Gedanken lesen sondern hat wohl bei einer unserer Delta Cultura Sitzungen gelauscht ... wobei ich ja bekanntlich nichts zu verbergen habe. Tatsächlich ist dies nämlich mein geplantes Vorgehen. Ich fühle mich verantwortlich für die Instandsetzung dieses Verwaltungsrates. Sobald dieser aber seine eigentliche Arbeit aufnimmt wird Delta Cultura eine Frau an meiner Stelle in den Rat ‚setzen’. Nachdem ich den ehrenvollen Herren dieses Vorgehen damit erklärt habe, dass ich mit meiner Arbeit als Projektleiterchen schon zur Genüge ausgelastet sei und nicht auch noch rätige Aufgaben übernehmen wolle war dieses Thema abgehackt.<br />UND DANN ... haben wir doch tatsächlich erstmals über professionelle Ausbildungen gesprochen. Und zwar gar nicht unproduktiv. Unserem Koordinator für die professionellen Ausbildungen wurden neue Aufgaben zugeordnet. Schliesslich ist es ganz ganz schwierig Ausbildungen zu koordinieren die gar nicht stattfinden. Das gelingt im wirklichen Leben nur den Überqualifizierten.<br />Ich habe unsere geplante Ausbildung zum Mediengestalter (für die wir ja bereits die Ausbilder - Fu und Jenny - im Boot haben) vorgestellt und wir haben mögliche Finanzierungsmöglichkeiten besprochen. Jetzt war es der Regierungsvertreter der mit seinen Ideen hervorgestochen ist. Unser Koordinator der derweil keiner ist, muss diese Ideen jetzt umsetzen. Termine bei diversen Stellen machen etc.<br />Und dann wieder Armliegen und Stiegenschreiten. Verwaltungsrat die Dritte war damit beendet und die Leser dieses Berichtes sind bezüglich sämtlichen Räten die wir hier so haben auf dem neuesten Stand.<br /><br />Da dieser Monatsbericht, der eigentlich ein Quartalsbericht ist, dazu beitragen soll unsere hoffentlich riesige Fangemeinde zu beruhigen und anzuregen (zu was genau sei jedem Einzelnen überlassen!?) folgt sogleich die überaus spannende Beschreibung dessen was sich seit Förderungsende durch ASB/BMZ Ende März im Zentrum so abspielt.<br />Möchte aber vorher diesen langen Satz als Anlass nehmen zu erklären warum ich eigentlich kein Freund von so langen Sätzen bin. Einem Leser, der kurz einmal seine Konzentration verliert und über einen derartig verschachtelten Satz liest, könnte – wenn er seine Konzentration wieder gefunden hat – sein Gedächtnis ein Schnippchen schlagen. Er könnte glauben sich zu erinnern, dass er irgendwo gelesen habe, dass das anregende Ende der ASB/BMZ Förderung aus Monatsberichtsschreibern Quartalsäufer gemacht habe, was jeden Einzelnen im Zentrum beunruhigt und zu Spannungen innerhalb der Fangemeinde geführt habe ... um derartigen Missverständnissen vorzubeugen werde ich mich weiterhin dazu anhalten Verschachtelungen zu unterlassen.<br />Also: der März war zu Ende. Die Überweisungen aus Deutschland auch. Dem Zentrum war das an sich egal. Es ist weiterhin rumgestanden wie es sich das seit Oktober 2005 so angewöhnt hat. Im täglichen Betrieb hat sich kaum etwas verändert. Einzig die Schneiderinnenwerkstatt ist nach Zertifikatsübergabe an Schreiner, Schneiderinnen und SprachschülerInnen zum Stillstand gekommen. <br />Die Schreiner haben ihre Arbeit nach einer Woche Ferien wieder aufgenommen. Der Ausbilder wurde zum Werkstattleiter ernannt und die 15 Ausgebildeten haben sich alle entschieden zu bleiben. Die Werkstatt funktioniert jetzt wie ein eigener Betrieb, nimmt Aufträge entgegen und produziert Möbel die auf dem örtlichen Markt verkauft werden. Delta Cultura stellt die Räumlichkeiten und die Werkzeuge kostenlos zur Verfügung und übernimmt in den ersten Monaten auch die Stromkosten. Ziel ist es neue Produkte zu entwickeln (die Schreiner recherchieren im Internet – oder lassen recherchieren) und den Betrieb soweit zu konsolidieren, dass wir jeweils ein bis drei Jugendliche in Ausbildung nehmen können. Dank der sehr selbständigen Arbeit des Ausbilders/Werkstattleiters funktioniert das in den ersten Monaten sehr gut. Was Produktentwicklung betrifft brauchen die Schreiner aber sicherlich noch mehr Unterstützung seitens der Projektleitung. Derzeit fehlt uns etwas die Zeit ... aber alle Beteiligten sind motiviert, geduldig und glauben daran mit diesem ‚Projekt im Projekt’ auch tatsächlich Zukunftsperspektiven entwickelt zu haben und weiter zu entwickeln. Hätten wir nämlich die Schreiner nach Ausbildungsende nach Hause geschickt wäre der Grossteil von ihnen jetzt wieder mit Autowaschen und Touristen anschnorren beschäftigt. Wir hätten uns dann zwar trotzdem auf unsere Fahnen heften können schon 15 Jugendliche zu Schreinern ausgebildet zu haben, aber diese Fahne wäre nach Delta-Cultura-Richtlinien wertlos und dürfte nicht in den Wind gehängt werden.<br />Leider, leider ist uns in der Schneiderei das, wozu wir in der Schreinerei auf einem guten Weg sind, in keiner Weise gelungen. Alle die den Projektverlauf mitverfolgt haben wissen, dass wir in diesem Bereich die gesamte Ausbildungszeit mit groben Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Keine ordentliche Ausbilderin (zuwenig Geld um Bessere zu engagieren) und ständiger Wechsel an Lehrlingen. Am Ende hatten wir gerade einmal 3 Mädchen die die gesamte Ausbildung absolviert haben. Es wäre ja schon ein Erfolg wenn Eine der Drei mit ihrer Ausbildung Selbstvertrauen, Initiative und den Willen den Weg weiterzugehen vermittelt bekommen hätte. Delta Cultura hat diesbezüglich immer Hilfe angeboten ... aber das was passiert ist muss unumwunden als Niederlage von Delta Cultura bezeichnet werden: Zertifikatsübergabe und Rückkehr der Lehrlinge in ihr perspektivenloses von Tag zu Tag Leben.<br />Zweimal haben wir in den vergangenen Monaten Sitzungen mit den Schneiderinnen einberufen um Zukunftsperspektiven und weiteres Vorgehen zu erarbeiten. Das erstemal ist Eine erschienen, das zweitemal Keine ... Natürlich könnten wir uns beruhigen und uns sagen die Mädchen haben ihre Ausbildung bekommen und wenn sie jetzt nicht etwas daraus machen, dann sind sie selber schuld ... aber mich beruhigt diese Sichtweise so überhaupt nicht. Es tut mir schlicht und einfach weh, wenn ich an Ana, Sheila, Lo, Da und wie sie alle heissen, denke. Und ich bekomme jedes Mal den dringenden Wunsch die Sache nicht als abgeschlossen zu betrachten, mich ins Auto zu setzen, sie alle aufzusammeln, ins Zentrum zu bringen und den nächsten Zukunftsentwicklungsplan mit ihnen zu erarbeiten. Wir kennen ja jetzt ihre Motivationslosigkeit, ihre Stärken und Schwächen. Wir wären also eigentlich dazu in der Lage sie ‚dort abzuholen wo sie eben gerade sind’ ... aber mir fehlt die Zeit. Uns fehlen die Mittel. Leider ist es auch so, dass es nichts bringen würde die Mädchen in die eingerichtete Schneiderei zu setzen und zu sagen ‚so jetzt macht mal’. Was also bräuchte es? Jemanden der sich tagtäglich ums sie kümmert. Das müsste nicht einmal eine SchneiderIn sein. Aber es müsste ein phantasievoller, einfühlsamer Mensch sein, der nicht mit vorgefertigten, von grausamen Schreibtischtätern entwickelten, Programmen auf die Mädchen losgelassen wird. Und es bräuchte eine Projektleitung die nicht hauptsächlich damit beschäftigt ist Finanzierung für die notwendigsten Betriebskosten des Zentrums zu finden. So könnte die Schneiderinnenausbildung ‚workshopartig’ fortgesetzt werden ... aber wie gesagt: derzeit ist das leider nicht umsetzbar und ich verdränge das Schneiderinnenproblem in meinen Hinterkopf. Einen besseren Aufbewahrungsort habe ich derweil nicht. Wobei der ja eh nicht so ganz schlecht ist. Auch mein Hinterkopf tragt wieder und immer wieder zu Problemlösungen bei. Und wenn es ihm auf Dauer nicht gelingt schickt er mir das Problem sowieso wieder in den Vorderkopf. Also unbedingt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ich will diese Niederlage nicht einfach hinnehmen sondern eines Tages in einen verdammten Sieg verwandeln. Und wenn es erst im Elfmeterschiessen gelingt?!<br /><br />Ich merke soeben – und es überrascht mich überhaupt nicht - dass es mir schon wieder nicht gelingt kurz und bündig über das was seit März im Zentrum so passiert zu berichten. Daher ein kurzer Überblick bevor ich wieder in Details versinke:<br />- Projektleitung sucht Finanzierungen und kümmert sich um Alltägliches!<br />- Fussballschule spielt Meisterschaft und erweitert den Betrieb!<br />- Informatik- und Sprachkurse sprechen und informieren wie eh und je nur viel besser!<br />- Ton- Terracottaprojekt erlebt Aufschwung!<br />- Terra Preta wird gemischt!<br />- Vorbereitung Tourismusprojekt ist praktisch abgeschlossen und steht vor Eröffnung!<br />- Projekt Batuco CD erlebt erfolgsversprechende Erweiterung!<br />- Schreinerei steht eigen!<br />- Ausbildung zum Mediengestalter wird vorbereitet. Das dazugehörige Medienprojekt hat seinen Anfang gefunden!<br />- Alphabetisierungskurse sind beim ‚y’ angelangt!<br />- ‚Mal schauen was passiert’ verschwindet als unnotwendige Haltung/Sorge aus dem Delta Cultura Alltag!<br /><br />Jetzt kann ich wieder beruhigt in meine so geliebten Details und Abschweifungen abtauchen. Der liebe Leser hat jetzt den Über-Blick, der ihm hoffentlich die Kraft gibt aufmerksam weiterzulesen.<br />Kommen wir zum Fussball. Da ist in den vergangenen Monaten wirklich unglaublich viel passiert. In, neben, hinter und vor der Meisterschaft. Fast ist es so als wären wir in eine neue Fussballära aufgestiegen. Obwohl wir die Teilnahme an der nationalen Meisterschaft nicht erreicht haben.<br />Angefangen hat die regionale Meisterschaft ja bekanntlich mit der ersten Phase. 8 Teams, wovon zwei in die zweite Phase aufgestiegen sind. Diese Phase haben wir nach blödem Beginn (ein Unentschieden, eine Niederlage) gewonnen. Schlicht und einfach weil wir von den verbleibenden 5 Spielen 4 gewonnen haben und nochmals unentschieden gespielt haben.<br />Mit grossen Erwartungen sind wir also in die zweite Phase gekommen. Jetzt waren es nur mehr 4 Teams die in Hin- und Rückrunde den regionalen Meister ausgespielt haben. Und wieder sind wir mehr als schlecht gestartet. Unentschieden zu Hause gegen Benfica Santa Cruz. Auswärts gegen Beira Mar aus Chao Bom verloren. Auswärts gegen Scorpions Santa Cruz verloren. Man könnte meinen wir haben einfach schlecht gespielt. Aber dem war komischerweise nicht so. Alle diese Spiele hätten wir gewinnen MÜSSEN! Wenn man rein auf die Torchancen schaut. Aber unsere Stürmer haben ihre Ladehemmung nicht und nicht ablegen können. Dazu kamen viele mehr als merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen. Nicht gegebene Elfmeter, eine äusserst seltsame rote Karte für einen unseren Mittelfeldregisseure, die uns schwer getroffen hat weil der zweite Mittelfeldspieler mit ähnlichen Qualitäten verletzungsbedingt ausgefallen war.<br />Nach der sieglosen Hinrunde dieser Meisterschaftsphase waren unsere Chancen zwar noch nicht dahin, aber schon sehr gering. Vorallem weil das vermeintlich schwierigste Spiel auf uns gewartet hat. Auswärts gegen Benfica Santa Cruz. Auf einem Fussballplatz der eigentlich eine Sandgrube ist. Irrsinnig anstrengend darauf zu spielen. Und den Ball zu kontrollieren ist so schwierig wie bei Strandfussball. Den Vorteil den eine Mannschaft hat die auf einem derartigen Platz trainiert ist offensichtlich. Wir haben natürlich trotzdem alles auf eine Karte gesetzt. Schliesslich mussten wir gewinnen wenn wir noch im Rennen bleiben wollten. Und wir haben gewonnen. 1:0, in einem kampfbetonten Spiel in dem wir auch ziemlich Glück gehabt haben. In letzter Minute hat unser Verteidiger mit einer unglaublichen Reaktion per Kopf auf der Linie gerettet und Kandang unser Tormann hat einen Ball aus der Ecke gefischt den nicht einmal ich gehalten hätte??!!<br />Nach diesem Spiel haben wir wieder alle Chancen gehabt und hätten in den verbleibenden zwei Heimspielen den Meistertitel nach Hause spielen können ... aber es kam ganz anders. Wirklich GANZ anders. Ich habe in diesen letzten beiden Meisterschaftsrunden Dinge erlebt die mich haben glauben lassen ich befände mich in Turin oder Mailand und wir sind die Hauptakteure in einer Millionenliga.<br />Der spannende Meisterschaftsverlauf hat es mit sich gebracht, dass in den verbleibenden zwei Runden noch alle Teams Chancen auf den Titel hatten. Die zwei Teams aus Tarrafal und die beiden aus Santa Cruz. Erster war Beira Mar. Aber mit einem Sieg zu Hause hätten wir sie überholt.<br />Ein paar Tage vor dem Spiel kam ein bekannter Lebensmittelhändler aus Tarrafal zu mir. Donai, heisst der ehrenwerte, hochangesehene Bürger. Er hat sein Geschäft gleich um die Ecke von unserer Bar und er ist ein langjähriger Bekannter. Wie er immer betont auch ein grosser Fussballfan, Ex-Regionalverbandspräsident, und nach eigenen Angaben der Einzige in Tarrafal der etwas von Fussball versteht. Ich habe ihn wiederholt versucht für unsere Fussballschule zu gewinnen. Er hätte uns mit seinen guten Kontakten viel helfen können. Das hat er aber immer unterlassen. Und dann war er plötzlich Trainer von Beira Mar ... oder Präsident? Irgendwas von Beira Mar war er auf alle Fälle und in dieser Funktion ist er zu mir gekommen. Er hat mir in eindringlichen Bildern erklärt warum es für den Fussball in Tarrafal ganz unglaublich wichtig wäre, dass eine Mannschaft aus dieser Gemeinde an der nationalen Meisterschaft teilnehmen würde. Ich habe dem umgehend zugestimmt. Er hat mir die Tabellensituation mit dem Tabellenführer Beira Mar geschildert. Ich bin etwas skeptisch geworden ... er hat erwähnt, dass wenn Beira Mar das nächste Spiel gegen uns gewinnt sie praktisch Meister wären. Darauf konnte ich ihm nur erklären, dass wenn wir das Spiel gewinnen wir auch praktisch Meister wären ... daraufhin hat er anscheinend in einer verfluchten Kopfrechnung die Tabellensituation überarbeitet und hat das Gespräch ganz überraschend und abrupt mit dem Hinweis ‚das stimmt’ abgebrochen. ‚Komisch’ habe ich mir nur gedacht. Und ‚noch komischer’ als ich von einigen meiner Spieler erzählt bekommen habe, dass der wirkliche Präsident von Beira Mar – To, heisst er – sie gebeten habe Beira Mar doch gewinnen zu lassen da wir ja sowieso keine Chancen mehr hätten ... also über den Fussball von Beira Mar möchte ich kein schlechtes Wort verlieren. Aber über das mathematische Talent der Funktionäre könnte ich hemmungslos lästern ...<br />Im Vorfeld dieses entscheidenden Spiels wurde also viel geredet und vermutet. Leider hatten wir auch intern viele Schwierigkeiten. Meine 3 besten Mittelfeldspieler alle verletzt. Nur einer halbwegs spielfähig. Und eine Gruppe von 5 Spielern die Alle für den gleichen Bauunternehmer arbeiten, haben ihre Arbeit auf einer Baustelle in Assomada begonnen ... so konnten sie nicht am täglichen Training teilnehmen.<br />Ich war trotzdem zuversichtlich. Auch als besagter Donai und To von Beira Mar den Schiedsrichter bei seiner Ankunft überraschend stürmisch und herzlich begrüsst haben und Donai ihm in einem persönlichen Gespräch wohl nur das Allerbeste gewünscht hat!?<br />Das Spiel: natürlich war es auf beiden Seiten ein nervöser Beginn. Aber wir haben recht schnell zu unserem Spiel gefunden und das Geschehen eindeutig bestimmt. Nach einer halben Stunde gab es unser schönstes Tor der gesamten Meisterschaft. Schnelles Kurzpassspiel im Mittelfeld. Genialer Steilpass auf die linke Seite. Doppelpass zwischen Flügelspieler und Stürmer. Ein kurzer Hacken und präziser Schuss ins lange Eck. Da hätte sogar Ronaldinho applaudiert. Nicht so der Linienrichter! Er zeigt auf Abseits. Also ich kann ja verstehen, dass die Sache mit dem Abseits manchmal wirklich schwer zu beurteilen ist. Aber in diesem Fall war es schlicht und einfach eine Frechheit. Und ich glaube bis heute nicht, dass der Linienrichter wirklich geglaubt hat, dass es Abseits war. Er war auf Höhe des Geschehens und beim letzten Pass waren ungefähr 5 Spieler von Beira Mar vor unserem Flügelspieler. Und zwar mindestens 2 Meter!<br />Also weiterhin 0:0. Und in der ersten Hälfte keine Torchancen mehr. In der Pause habe ich meine Spieler natürlich gelobt, wie es sich für einen Motivationskünstler eben so gehört. Trotzdem habe ich etwas umgestellt. Offensiver.<br />Und es war ein fulminanter Start in die zweite Hälfte. Nach ca. 5 Minuten ein grossartiger Angriff von uns, aber im letzten Moment wirft sich ein Verteidiger von Beira Mar im Strafraum nach dem Ball ... streckt sich ... und kann den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen ablenken ... Oliver Kahn wäre stolz gewesen ... der Schiedsrichter auch. So stolz, dass er dabei vergessen hat, dass ein Verteidiger eigentlich nicht mit der Hand spielen darf. Sämtliche Spieler, alle Zuschauer, Trainer, Funktionäre haben auf den Elfmeterpfiff gewartet ... der aber nicht erfolgt ist.<br />Wir haben uns nicht entmutigen lassen und waren weiter spielbestimmend, haben aber leider 2, 3 gute Chancen ausgelassen. Bei zwei weiteren strittigen Situationen ist der Elfmeterpfiff ausgeblieben.<br />Und dann ist das passiert was im Fussball angeblich gerne passiert. Wir haben ein Gegentor bekommen. Ein Komisches. Steilpass von Beira Mar. Patriki unser Innenverteidiger erreicht den Ball vor dem Stürmer. Der aber ist konsequent, schiesst Patriki von hinten auf den Fuss, Patrikis Fuss schiesst den Ball ... Tor!<br />Unsere verzweifelten Versuche doch noch Ausgleich und Siegestreffer zu erzielen blieben leider erfolglos.<br />Die Meisterschaft war damit für uns gelaufen. Zwar war noch ein Spiel ausständig, aber die Chancen auf den Titel waren dahin. Grosser Favorit vor der letzten Runde war Beira Mar, als Tabellenführer mit 9 Punkten. Einzig Scorpions Santa Cruz mit 7 Punkten hatte noch theoretische Chancen. Die Paarungen der letzten Runde: Varandinha – Scorpions und Beira Mar – Benfica.<br />Am Samstag an dem diese Runde gespielt werden sollte war natürlich viel los in Tarrafal. Die Fans von Scorpions sind in Scharen gekommen. In Chao Bom waren alle auf die grosse Meisterfeier von Beira Mar vorbereitet ... schliesslich musste nur noch Benfica, die eh schon chancenlos waren, geschlagen werden. Es sollte aber ganz anders kommen. Die Schiedsrichter sind nämlich NICHT gekommen. Bis heute kursieren diesbezüglich zahlreiche Gerüchte warum sie nicht gekommen sind. Was genau da passiert ist wird wohl nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangen und die Gerüchte werden immer mehr und mehr ...<br />Die letzte Runde wurde schliesslich auf den darauf folgenden Mittwoch verschoben. Die Tage wurden von den Verantwortlichen von Beira Mar dazu genutzt meine Spieler zu motivieren. Irgendwie ist ihnen anscheinend die Angst im Nacken gesessen. Würden wir gegen Scorpions nämlich zumindest Unentschieden spielen könnte Beira Mar gegen Benfica verlieren und wäre trotzdem Meister ... Donai, der Mann der meiner Meinung nach lieber Lebensmittelhändler hätte bleiben sollen, hat den Stars meiner Mannschaft versprochen Beira Mar würde sie für die nationale Meisterschaft engagieren. Meinen Hinweis, dass dies gar nicht möglich sei weil der Verband während der Saison keine ‚Transfers’ erlaube hat er mit einem Augenzwinkern abgetan.<br />Auch der Präsident von Beira Mar hat versucht mich persönlich für das letzte Spiel zu motivieren. Sollte Beira Mar national spielen, würde er mich unbedingt als zusätzlichen Trainer haben wollen ... ich habe dankend abgelehnt.<br />Meine Spieler waren für diese letzte Meisterschaftsrunde natürlich nicht mehr wahnsinnig motiviert. Ist ihnen ja auch nicht zu verübeln. Noch viel weniger als unsere Niederlage gegen Beira Mar auf Grund der seltsamen Schiedsrichterentscheidungen so einen komischen Beigeschmack behalten hat.<br />Am Tag der Entscheidungsspiele habe ich gerade mal 13 Spieler zur Verfügung gehabt. Die anderen waren entweder verletzt, konnten unter der Woche nicht spielen weil sie arbeiten mussten oder sind schlicht und einfach nicht erschienen.<br />Der regionale Fussballverband hat die Probleme mit den Schiedsrichtern für diese letzte Runde sehr gut gelöst. Es kamen ‚Professionelle’ aus der Hauptstadt Praia. Schon alleine deshalb war das Spiel eine Freude. Die ständigen Fehlentscheidungen und blöden Machtspielchen der Schiedsrichter sind ausgeblieben.<br />Unser Spiel war schlicht unspektakulär. In der ersten Hälfte so überhaupt keine Höhepunkte. Nur ein Weitschuss von Scorpions der seinen Weg ins Kreuzeck gefunden hat. In der Pause kam die Meldung aus Chao Bom, dass Benfica 1:0 führt. Bei diesem Stand wäre Scorpions Meister ...<br />In der zweiten Hälfte haben wir schnell das 2:0 kassiert. Und dann hat einer unserer Stürmer eine 100% Chance leichtfertig verspielt. Wie ich meine absichtlich! Egal ob ich als Trainer Verständnis dafür habe oder nicht, ich konnte das natürlich nicht akzeptieren und habe den Spieler ausgewechselt. Es hat dies die Moral meiner Spieler aber nur unwesentlich gesteigert. Bis, eine Viertelstunde vor Schluss, etwas ganz unerwartetes passiert ist ... der Trainer der caboverdeanischen Nationalmannschaft ist erschienen! Seit 4 Jahren warte ich darauf! Und dann muss er in so einem saublöden Moment kommen.<br />Ich hab die Nachricht der Ankunft des Trainers meinen Spielern zukommen lassen. Und siehe da, ihr Spiel war plötzlich druckvoll und fast schon übermotiviert. Tor haben sie allerdings keines mehr geschossen.<br />Im Anschluss an das Spiel ist der brasilianische Trainer der CV-Nationalmannschaft gemeinsam mit dem Präsidenten des regionalen Fussballverbandes zu mir gekommen und hat mir zu unserer Arbeit gratuliert. Der Verbandspräsident hat ihm von unserer Fussballschule erzählt. Der Trainer hat versprochen einige meiner Spieler weiterhin beobachten zu lassen. Man sehe, dass die Spieler taktisch besser geschult seien als die der anderen Mannschaften die er auf Santiago gesehen habe!<br />Ein vielversprechender Besuch also! Zu verdanken haben wir ihn sicherlich dem Verbandspräsidenten, den unsere Arbeit wirklich beeindruckt und der uns immer wieder jede nur mögliche Hilfe seitens des Regionalverbandes verspricht. Dieser Kontakt zum Nationaltrainer ist ja ein guter Anfang dieser versprochenen Hilfe!<br />Aber bevor ich noch mehr von unseren guten Kontakten und Entwicklungsmöglichkeiten im Fussball erzähle muss ich noch die spannende Geschichte der Meisterschaft fertig erzählen.<br />Wir haben unser letztes Spiel also 0:2 verloren. Gleichzeitig ist Beira Mar in Chao Bom gegen Benfica über ein 1:1 nicht hinausgekommen. Damit gab es zwei punktegleiche Mannschaften: Scorpions und Beira Mar.<br />Ich weiss nicht warum, aber irgendwer hat schon vor dieser letzten Runde das Gerücht in die Welt gesetzt, dass bei Punktegleichheit die direkten Begegnungen zählen. Und sollten die auch Unentschieden sein, so zählen die auswärts geschossenen Tore der direkten Begegnungen (so wie das in K.O.-Turnieren üblich ist). Nach dieser ‚Sichtweise’ war Beira Mar Meister. Sie haben zweimal unentschieden gespielt gegen Scorpions. Zu hause 0:0, in Santa Cruz 1:1.<br />Also grosse Meisterfeier in Tarrafal. Nicht ohne Häme seitens der Verantwortlichen und Spieler von Beira Mar für unsere Mannschaft. Donai der präsidiale Lebensmittelhändler z.B. hat mir erklärt, er wisse, dass wir den besseren Fussball spielen, aber um eine Meisterschaft zu gewinnen gehöre eben mehr dazu als nur gut zu spielen ... was auch immer er damit gemeint hat.<br />Natürlich war unsere Enttäuschung über die nicht gewonnene Meisterschaft gross. Mir und auch dem Grossteil unserer Spieler war und ist aber immer klar, dass unser Aufstieg zur dominanten Mannschaft in Tarrafal und der Region Santiago Nord nicht aufzuhalten ist. Uns war bewusst, dass der ‚Aufstieg’ von Beira Mar nur ein sehr kurzfristiger Erfolg sein kann ... dass er aber nur einen Tag halten würde, damit haben auch wir nicht gerechnet ... die Meldung kam am nächsten Tag. Nicht Beira Mar ist Meister sondern Scorpions. Nach Regeln des caboverdeanischen Fussballverbandes zählen in Meisterschaftsturnieren nämlich nicht die direkten Begegnungen sondern die Tordifferenz. Und nach dieser Regelung war Scorpions auf Grund eines geschossenen Tores mehr der neue Meister.<br />Die Proteste, die Polemik von Beira Mar die daraufhin erfolgt ist kann sich jeder vorstellen! Ganz seltsam war aber, dass plötzlich wir zum Sündenbock gestempelt wurden weil wir angeblich Scorpions im letzten Meisterschaftsspiel absichtlich gewinnen haben lassen ... ich habe mich an den zahlreichen Diskussionen die diesbezüglich in ganz Tarrafal geführt worden sind nicht wirklich beteiligt. Habe nur darauf aufmerksam gemacht, dass es Beira Mar in der Hand gehabt hat die Meisterschaft zu gewinnen und sie hätten sich mehr auf ihr Spiel als auf unseres konzentrieren sollen ...<br />Inzwischen ist das Alles wirklich Vergangenheit für mich. Wir haben unsere Meisterschaftsspiele und das Drumherum analysiert und Verbesserungsmassnahmen ergriffen. Unter anderem haben wir eine U 21 Mannschaft ins Leben gerufen. Bisher kam ja nach der U 17 sogleich die Kampfmannschaft. Das soll den Nachschub an Spielern verbessern, die Trainingsgruppen verkleinern und damit ein gezielteres Arbeiten ermöglichen ... UNGLAUBLICH: während ich da sitze und erzähle kommt ein Email mit der Nachricht, dass wir eine Förderung in der Höhe von rund 20.000 € für die Fussballschule erhalten! ... Bin kurz einmal sprachlos ... und freue mich ganz gewaltig! Wer mich und unser Projekt kennt weiss wie wichtig mir diese Fussballschule ist. Mit ihr hat Alles angefangen! Ihr haben wir den ‚Aufstieg von Delta Cultura’ zu einem Grossteil zu verdanken. Und alle Trainer und Verantwortlichen arbeiten jetzt bald einmal 5 Jahre ehrenamtlich an dem Auf- und Ausbau dieser Einrichtung ... und da sage noch mal wer kontinuierliche Arbeit führe nicht zum Erfolg. Abgesehen von den zahlreichen Möglichkeiten die sich mit dieser Förderung jetzt auftun, ist es genau das was Delta Cultura den Jugendlichen hier zeigen will: dabei bleiben, auch in schwierigen Situationen weiterarbeiten, Umsetzung nicht ausschliesslich von Förderung abhängig machen sondern zunächst einmal einfach tun ... der Erfolg kommt irgendwann! Diese Förderung ist ein wunderschöner weiterer Beweis dafür.<br />In meiner Euphorie habe ich jetzt aber ganz vergessen zuallererst zu erwähnen wem wir diese Förderung zu verdanken haben. Die Vorgeschichte: die Bedeutung von ‚Sport in der Entwicklungszusammenarbeit’ hat in den letzten Jahren bekanntlich einen grossen Aufschwung erlebt. So hat die FIFA beschlossen Projekte die mit Fussball als ‚Entwicklungsinstrument’ arbeiten direkt (nicht über die nationalen Fussballverbände) zu fördern. ‚Football for Hope’ nennt sich diese ‚Bewegung’.<br />Gleichzeitig bzw. schon viel früher hat ‚streetfootballworld’ das Potenzial das der Fussball bietet erkannt und intensiv an dem Aufbau einer Internetplattform gearbeitet. Delta Cultura und die Fussballschule ist dort seit Jahren ‚präsent’.<br />Der guten Arbeit der Mitarbeiter dieser Plattform ist es zu verdanken, dass die FIFA, diese Organisation als Partner für die Auswahl der förderwürdigen Fussballprojekte ausgewählt hat. So gab es im April des Jahres die erste Ausschreibung, an der wir natürlich teilgenommen haben. Und heute eben kam die erfreuliche Nachricht, dass wir die angesuchte Förderung bekommen.<br />Wahnsinn! Seitenweise Fussballberichte! Soviel habe ich seit Bestehen der Fussballschule noch nie auf einen Schlag erzählt. Und es ist noch nicht einmal Alles! Es gibt da nämlich noch eine vielversprechende Kooperation: mit dem regionalen Fussballverband. Dieser Tage soll es die offizielle Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen Verband und Delta Cultura geben. Diese ‚ernennt’ uns zu einem offiziellen Vertreter des Regionalverbandes und macht uns zum (nicht stimmberechtigten) Mitglied der Generalversammlung des Verbandes. Delta Cultura unterstützt den Verband mit Sportmaterial (ausschliesslich für Vereine die Jugendmannschaften trainieren), etc. Erste konkrete Unterstützung von Delta Cultura für den Verband ist der Entwurf eines Logos (Jenny arbeitet schon daran) sowie die Erstellung einer Internetseite.<br />Apropos ‚Bereitstellung von Sportmaterial’: da gibt es eine weitere unendliche Geschichte zu erzählen. Nach Beendigung unserer Kooperation mit bdsportactive, haben wir mit diesem Schweizer Verein im November 2006 vereinbart, dass der Verein das bis zu diesem Zeitpunkt gesammelte Material Delta Cultura spendet wenn wir die Transportkosten von Bern nach Tarrafal übernehmen. Dieses grosszügige Angebot haben wir natürlich dankend angenommen. Auch wenn die finanzielle Lage von Delta Cultura zu diesem Zeitpunkt nicht gerade rosig war (so richtig rosa ist sie bis heute nicht ... ). Ein Containertransport von Europa nach Tarrafal kostet ja doch so an die 5000 €.<br />Mitte Januar hat sich unser Sportmaterialschutzengel in das Geschehen eingebracht und einen unserer treuesten Projekthelfer auf Besuch von Wien nach Tarrafal gebracht: Rupert Helm. Er hat uns angeboten die Kosten für den Transport teilweise zu spenden und den Rest als zinsloses Darlehen zu borgen! Unseren herzlichsten Dank an Rupert!<br />Teil 1 der unendlichen Containergeschichte war damit bewältigt. Mitte März hat der Container seine Reise nach Cabo Verde angetreten. Anfang April ist er in Praia angekommen. Delta Cultura, inzwischen ja reich an Zollerfahrung, hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle notwendigen Papiere die für die zollfreie Einfuhr notwendig waren vorbereitet gehabt. Mit Ankunft des Containers ist es sodann möglich von der für den Schiffstransport zuständigen Agentur das letzte wichtige Papier zu bekommen und sodann alle Unterlagen dem Zollagenten zu übergeben. Leider gibt es dazu eine etwas tragische ‚Nebengeschichte’. Ich bin dem Zollagenten der all unsere Containereinfuhrangelegenheiten immer schnell und zuverlässig erledigt hat, Mitte März in Tarrafal begegnet. Habe mich kurz mit ihm unterhalten und ihm von der bevorstehenden Containerankunft erzählt. ‚Bringen sie die Unterlagen wie immer in mein Büro’, hat er zu mir gesagt. Am nächsten Tag ist er einem Herzinfarkt erlegen!<br />Wir mussten uns also einen neuen Zollagenten suchen. Eine etwas heikle Sache weil es unter den Vielen Vertretern dieses ehrenwerten Berufszweiges mehr Mafiosos gibt als es einem Sizilianer recht sein kann.<br />Bei den Containern die wir bisher ins Land gebracht haben, verlief die Zollabfertigung wie gesagt mehr oder weniger problemlos. Aus Erfahrung haben wir nach Einreichung der Zollpapiere mit ca. 2 Wochen gerechnet bis alles erledigt sein würde und wir die Sachen am Hafen abholen könnten. Heute ist es genau 2 Monate her seit wir die Zollpapiere abgegeben haben und der Container vergnügt sich immer noch mit seinen Kollegen im Hafen. Es ist das eingetreten was ich eigentlich schon des öfteren irgendwie befürchtet habe. Bisher haben wir die Genehmigung zur zollfreien Einfuhr mit einer Bestätigung des Spendervereins in Europa (in diesem Fall bd sport active) bekommen die ‚belegt’ hat, das es sich bei den Sachen im Container um Material handelt das als Spende an Delta Cultura geht. Was mich immer so verwundert hat war, dass der Zoll dieses Papier ohne Stempel ohne Beglaubigung nur mit Unterschrift der Vereinszuständigen akzeptiert hat. So hätte ich diese Bestätigung eigentlich auch immer selbst schreiben können und meine Köchin unterschreiben lassen ...<br />Auch habe ich jetzt schon von mehreren Organisationen und Privatleuten gehört, dass der Zoll irgendwann einmal genauer prüfen wird wenn wir öfters mal Container ins Land bringen.<br />Na ja und genau das ist diesmal passiert. Die zuständige Zollbehörde in Praia hat unsere Unterlagen an die Generaldirektion des Zolls weitergeleitet und die haben dieses Bestätigungsschreiben nur mit Unterschrift nicht akzeptiert ... wie erwähnt, ich habe das vollste Verständnis dafür! Was leider aber so überhaupt nicht funktioniert hat war die Kommunikation zwischen den Zollbehörden, dem Zollagenten und Delta Cultura. Bis da irgendeine Information zu uns gelangt ist sind immer Tage vergangen und wenn wir nicht alle paar Tage eine der beiden Stellen angerufen hätten wüsste heute noch niemand welche Papier wann wohin gehören ...<br />Zunächst wollte der Zoll das Schreiben von bd sport active mit einem Stempel des Vereins versehen haben. Kein Problem, habe ich mir gedacht: ein Mail an Daniela von bd sport active, sie stempelt, scannt und mailt zurück ... dieser Stempel war aber nicht vorhanden, musste erst gekauft werden. Wieder sind ein paar Tage vergangen bevor wir das Papier nachreichen konnten. Und wieder ist eine Woche lang nichts passiert. Dann hat es geheissen dieser Stempel sei nicht ausreichend. Das Papier müsse von der caboverdeanischen Botschaft in Bern beglaubigt werden ... an sich Alles ja kein Problem. Aber bis diese bürokratischen Wege erledigt sind, bis die Unterlagen dort sind wo sie hin gehören vergehen einfach jedes Mal Tage oder Wochen.<br />Aber inzwischen habe ich auch diesbezüglich beruhigende Nachrichten. Während ich hier sitze und schreibe ist Marisa in Praia um die letzten Hürden zu nehmen. Der Zoll will jetzt, bevor sie die Genehmigung zur zollfreien Einfuhr erteilen, den Containerinhalt sehen. Wollen sichergehen, dass die Sachen auch wirklich alle gebraucht sind und auch tatsächlich das im Container ist was auf der Liste steht. Auch das empfinde ich als eine zulässige Vorgehensweise. Ich möchte nicht wissen wie viel Drogen und Waffen in der Welt als Hilfsgüter verkleidet herumreisen?!<br />Das schöne an der Sache wird sein, dass nach dieser intensiven Prüfung der Name Delta Cultura auch bei der Zolldirektion ein Begriff sein wird und wir in näherer Zukunft nicht mehr mit derartigen Zeitverzögerungen werden rechnen müssen. Und noch viel schöner wird es sein, wenn das Sportmaterial und die weiteren Hilfsgüter endlich in Tarrafal sein werden.<br />An dieser Stelle unser allerherzlichster Dank an bd sport active und Alle die gespendet haben! Trotz Zeitverzögerung können sich alle sicher sein, dass das Material nicht in Abrahams Wurstkessel verschwinden, sondern seinen Weg zu denen die es dringend brauchen finden wird!<br />Und wer jetzt glaubt die fussballspezifischen Erfolgsmeldungen in diesem Bericht haben sich ausgeschöpft, der täuscht sich gewaltig. Habe nämlich vergessen zu erzählen, dass es dieses Jahr erstmals auch den ‚Cabo Verde Cup’ gibt. Wir nehmen natürlich teil. Gestern gab es die erste Runde. Wir haben zu Hause gegen Benfica Santa Cruz gespielt. Nach torlosen 90 Minuten haben wir in der ersten Hälfte der Verlängerung mit zwei wunderschönen Toren alles klar gemacht!<br /><br />Dreizehn Seiten umfassen meine Erzählungen inzwischen. Und, verflucht noch mal, ich habe noch nicht einmal die Hälfte von dem erzählt was auf meiner Liste steht. Dies umfasst immer noch die Punkte: ICCA, Tonprojekt, Informatik- und Sprachkurse, Ausbildung Mediengestalter, Liberdadi.com, Batuco, Terra preta, Tourismusprojekt.<br />Ich kann die Panik die in den Lesern aufkommt so richtig spüren ... aber keine Angst. Ich sehe die Notwendigkeit die ganze Sache abzukürzen ja selbst. Ein Monatsbericht, auch wenn es in Wahrheit ein Quartalsbericht ist, darf einfach keine 127 Seiten haben. Wer liest das sonst schon?!<br />Aber einfach so aufhören kann ich auch nicht. Da fehlen doch noch so ein paar ganz essenzielle Dinge. Ich will auch nicht verleugnen, dass ich mit der Erzählung all unserer Aktivitäten, den Einen oder Anderen dazu anregen will unserem Vereinskonto auf dem Weg in die Fünfstelligkeit zu helfen. Ein weiter Weg ... also muss ich doch schauen, dass für alle Leser was dabei ist. All jene die Fussball höchstens aus Desinteresse vom Hocker reisst war ja bisher kaum was dabei. Also!<br /><br />Irgendwie zusammen gehören die ‚Ausbildung zum Mediengestalter’ und ‚Liberdadi.com’. Hinter Beiden stehen die frischgebackenen TarrafalianerInnen Fu und Jenny! Im März sind sie nach Tarrafal übersiedelt. Inzwischen haben sie sich eingelebt, die Kinder- Jugend- und Zentrumsrealität intensiver kennengelernt, mit der Ausgeglichenheit des Projektleiterchens Bekanntschaft gemacht und das Meer gefällt ihnen auch. Das bedeutet: sie arbeiten intensiv an der Projektleitung mit, hinterfragen Strukturen, finden Lösungen für Dinge von denen ich bisher nicht einmal gewusst habe, dass sie einer solchen bedürfen und wie mir scheint gefällt ihnen ihr Da-sein verdammt ordentlich. Wir haben also immer noch die besten Chancen, dass die Beiden hier bleiben und die Ausbildung zum Mediengestalter durchführen. Finanzierung haben wir allerdings immer noch keine. Viele Stellen in Cabo Verde haben inzwischen die Beschreibung und die Kostenkalkulation. Alle sind auch hellauf begeistert, ‚genau das ist es was Cabo Verde braucht’, aber Geld will derweil Keiner springen lassen.<br />Wir planen daher diesbezüglich unter anderem eine neue Vorgehensweise. Wenn wir die Gesamtkosten der zweijährigen Ausbildung (mit Anschaffung der Computer, der Software, etc.) durch die Anzahl der Auszubildenden (15) dividieren (Ja! Das Projektleiterchen kann sogar dividieren!!!) dann kommen wir auf eine monatliche Summe von 20.000 Escudos pro Schüler. Das sind umgerechnet 200 €. Und das klingt verdammt viel. Ist auch viel. ABER. Jedes Jahr schicken unzählige Familien ihre Kinder nach Abschluss der Schule ins Ausland studieren. Dafür müssen sie zunächst schon einmal mindestens 1000 € für Flug, Visum, etc. ausgeben. Das ist schon die Hälfte der Ausbildungskosten zum Mediengestalter. Und nicht nur das: wenn ein Jugendlicher nach Portugal studieren geht, dann braucht er monatliche Unterstützung der Eltern. Dann braucht er mindestens 3 Jahre um sein Studium oder seinen Hochschulkurs abzuschliessen. Und dann hat er noch lange keine Arbeit in seinem Heimatland. Daher kommen ja auch so wenige der Jugendlichen nach Abschluss ihres Studiums zurück nach Cabo Verde.<br />Wir aber können den Auszubildenden mit Abschluss der Ausbildung einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Es braucht also wirklich keine Arbeitsmarktanalyse um festzustellen, dass auf diesem Sektor in Cabo Verde ein riesiges Manko herrscht. Als Beweis: das Institut das in Cabo Verde für den ICT-Bereich zuständig ist (die Regierung hat die Bedeutung dieses Bereiches schon lange erkannt und dieses Institut gegründet) ist die sogenannte NOSI. Die haben natürlich auch eine Internetseite. Würde ja irgendwie blöd aussehen wenn das Institut das für den ICT-Bereich zuständig ist im Internet nicht präsent sein würde. Und was findet sich auf dieser Internetseite? Eine veraltete Telefonnummer, eine nicht funktionierende Faxnummer und ein Kontaktformular auf das man irrsinnig gut klicken kann, sodann aber die Mitteilung bekommt, dass man sich registrieren müsse um das Formular nutzen zu dürfen. Will man das dann machen bekommt man die Meldung, dass man kein Recht dazu hat sich zu registrieren. Auch habe ich letztens erfahren, dass es derzeit die grosse Aufgabe des NOSI ist, ein Intranet für alle Regierungsstellen einzurichten. Daran arbeiten sie seit ein paar Jahren. Derweil funktionieren aber nicht einmal die Emailadressen.<br />Nach unserem Besuch bei der Direktorin der ‚Generaldirektion für Jugendangelegenheiten’, der wir auch unsere Ausbildungsideen präsentiert haben, wollte ich ihr wie abgesprochen ein Email schicken. Sie hat mir sogar zwei Emailadressen genannt. Die Eine (die mit @gv.cv) hat überhaupt nicht funktioniert. Auf die andere Email an ihre Hotmail-Adresse hat sie mir nach ungefähr einem Monat geantwortet. Allerdings nur den Hinweis, dass sie mein Email erhalten hat ...<br />Soviel zu meiner kurzen Marktanalyse!<br />Arbeit würde es für unsere Ausgebildeten also mit Sicherheit geben. Ausserdem denken wir daran eine Firma zu gründen (Fu will/muss das sowieso machen) die diese Ausgebildeten sodann anstellen kann.<br />Zurück zu den monatlich 200€ Ausbildungskosten für die SchülerInnen. Ich will mit dieser Idee zur Gemeinde, zu diversesten Regierungsstellen und Firmen und ihnen anbieten doch die Kosten für eine oder zwei oder drei Auszubildende zu übernehmen. Und wenn verdammt noch mal keine der erwähnten Stellen darauf einsteigt, dann können wir immer noch versuchen Privatpersonen zu finden die für eine SchülerIn die Kosten übernehmen. Lustigerweise habe ich dieser Tage ganz ‚zufällig’ ein Email von einem Schweizer Arzt bekommen, der die Ausbildung für eine Bekannte von ihm in Cabo Verde übernehmen will und mich fragt ob es möglich ist sie für diese ‚Ausbildung zum Mediengestalter’ anzumelden ... Also! Alle die diesen Bericht lesen und schon immer das dringende Bedürfnis haben für ein bisschen mehr Gleichgewicht auf unserer schönen Erde zu sorgen: wir bieten die Möglichkeit einem Jugendlichen aus Tarrafal eine Zukunftsperspektive zu eröffnen. Kostet lächerliche 200 € im Monat! Lächerliche 2 Jahre lang. Was allerdings zur Anschaffung von Hard- und Software notwendig ist, ist eine ‚Anzahlung’ des gesamten ersten Ausbildungsjahres. Das zweite Jahr kann sodann monatlich bezahlt werden.<br />Wir sind allen Lesern die diese Idee aufnehmen und sich ihre Gedanken dazu machen herzlichst dankbar und erwarten zahlreiche Reaktionen! Unsere Emailadressen funktionieren alle reibungslos und auf unserer Internetseite gibt es auch die Möglichkeit Kommentare abzugeben!<br />Ganz seriös habe ich diese letzten Absätze geschrieben. Ohne auch nur einmal abzuschweifen. Ich bin stolz. Also gleich weiter in dieser Tonart ...<br />Wie erwähnt gehört zu unserer Mediengestalterausbildung auch liberdadi.com. Wer diese Internetseite noch nicht kennt, dem gehört der Hintern versohlt (Entschuldigung das wollte ich gar nicht schreiben?!). Liberdadi ist eine mit Drupal gebaute Seite und ich lese gerade ein 300 Seiten Buch über Drupal. Toll, gell! Das Projektleiterchen bildet sich ständig weiter. Nur leider tut das überhaupt nichts zur Sache.<br />Liberdadi ist/wird eine viersprachige Onlinegemeinde. Sicherlich die Erste auf kreolo. Wir arbeiten täglich an den notwendigen Übersetzungen. Die Seite hat auch schon angefangen Umsätze zu machen. 30 Dollar in eineinhalb Monaten. Unsere Idee dabei ist, auf dieser Seite ständig neue Module etc. einzubinden. Und das wird Aufgabe der Auszubildenden sein. Sie werden dann natürlich an den Einahmen der Seite beteiligt. Und zu liberdadi gibt es noch ganz ganz viel zu erzählen. Ich mache das aber nicht weil ich es nicht so gut kann (muss zuerst das Buch fertig lesen?!). Bevor ich Blödsinn erzähle bitte ich alle Interessierten mit Fu Kontakt aufzunehmen oder noch viel, viel besser: sich auf liberdadi registrieren, dort einen eigenen Blog führen und alle Fragen, Ideen und Anregungen dort öffentlich führen!<br />Also los jetzt! So viele Bitten und Anregungen an euch lieben LeserInnen habe ich schon in meinen Bericht eingebaut. Es geht doch wirklich nicht an, dass dies zu Nichts führt! Das Vereinskonto, die Internetseiten ... Leute! Beteiligt euch. Wir sind es doch: die DeltaculturianerInnen! Ohne euer Zutun sind uns die Hände gebunden. Mit gebundenen Händen wird aus unserer Terra Preta, aus unseren Tontöpfen, aus unseren Medien- und sonstigen Gestaltern nie was! Schmeissen wir uns doch alle zusammen auf einen Haufen und vervielfältigen damit unsere Kapazitäten. Fabrizieren wir doch Inhalte die innen und aussen halten ... auch wenn das Manche nicht aushalten.<br />Aber hopsala. Was ist denn da über mich gekommen? Ein Haufenschmeisswunschversuch?! Gehört sich das denn für ein Projektleiterchen? Aber ja doch!<br />Gibt es eigentlich noch Irgendwen der sich immer noch fragt: was wird jetzt wohl aus dem Kinder- und Jugendzentrum? Oder habe ich alle Befürchtungen ausräumen können. Also für die letzten Zweifler:<br />Neben all den beschriebenen Aktivitäten arbeiten wir hier noch in anderen Bereichen: wir stellen z.B. Terra Preta her um unseren Gemüsegarten endlich sinnvoll ins Leben rufen zu können. Terra Preta ist eine Erde die von den Indios hergestellt wurde (oder wird?). Sie beinhaltet alle möglichen Zutaten, die mir persönlich gar nicht so speziell zusagen würden, die Pflänzchen freuen sich aber anscheinend eine Wurzel aus: Holzkohle, Tonbruch, Muschelkalk, etc. Im Kleinen haben unsere Versuche damit schon begonnen. Einen Baum (einen Kleinen), den uns ein verfluchter Autofahrer über den Haufen gefahren hat, haben wir ausgegraben und in eine mit Terra Preta gefüllte Aushebung gesetzt. Zwei Wochen lang hat er so getan als wäre ihm das gleichgültig ... dann aber hat er seine Freude nicht mehr zurückhalten können und hat begonnen an den unmöglichsten Stellen Triebe spriessen zu lassen. Heute lacht er sich über unsere anderen Bäume ... nein, nicht ‚schief’ (er ist ja kein Trottelbaum) ... er lacht sich ... nein, auch nicht ‚kaputt’ (er ist ja kein Selbstmörderbaum) ... also er lacht einfach!<br />Vergangene Woche hat sich ein Gruppe Jugendlicher auf den Weg in eine Nachbarbucht gemacht um dort Säckeweise Muscheln zu sammeln. Die kommende Woche werden sie zermalmt, dann wird Kuhmist gesammelt. Alle anderen Zutaten haben wir auch schon hier. Sodann wird unser erstes Gemüsebeet angelegt. Im nächsten Bericht erzähle ich dann wie die Erdbeeren, die Tomaten, der Salat, etc. geschmeckt haben!<br /><br />Ganz wichtig wäre mir jetzt auch noch die Erzählung über unser Tonprojekt. Aber, liebe LeserInnen, ich lasse es sein. Weil ich will jetzt nur noch ein Thema anschneiden. Alles weitere dann im kommenden Bericht. Aber dieses Eine MUSS ich noch erzählen.<br />Endlich haben wir hier nämlich noch etwas in Angriff genommen! Etwas, was schon lange in einen gut aufgebauten, schnell durchgeführten Angriff. Wobei man sich durchaus über den Begriff ‚Angriff’ unterhalten könnte. Schliesslich ist er bisschen aggressiv, könnte auf Waffengewalt hindeuten ... aber derweil versuchen wir es mit friedlichen Mitteln!<br />Es geht um die Aufnahme einer CD mit den Batucadeiras. Ich armes Projektleiterchen muss mir ja schon seit Jahren Vorwürfe meiner Frau gefallen lassen, ich kümmere mich nicht um ihre Batucogruppe. Für Alles suche ich Finanzierungen nur dafür nicht! Also ganz allgemein sei dazu gesagt, dass die Vorwürfe die meine Frau mir macht vielleicht nicht Teil unserer Entwicklungszusammenarbeitsaktivitäten sein sollten, aber es sollte doch auch bekannt sein, dass ich ohne diese Vorwürfe heute wahrscheinlich Tellerwäscher in Hinterstupfing wäre?!<br />Bezüglich CD-Aufnahme haben meine Frau und ich oft und oft diskutiert. Natürlich habe ich den grossen Wunsch der Batucomädchen eine CD aufzunehmen schon lange wahrgenommen. Aber ich war und bin der Meinung, dass eine CD ‚nur’ mit traditionellem Batuco keine grossen Erfolgsaussichten hat. Dass sozusagen der Aufwand ... nicht lohnt. Was genau lohnt der Aufwand nicht? Das gibt es doch irgend so ein Sprichwort. Das fällt mir aber gerade nicht ein.<br />Meine Vision war immer eine CD mit traditionellem Batuco einerseits aber auch mit einer ‚Weiterentwicklung’ dieser Musikrichtung. Oder eine Vermischung dieser Musikrichtung. Und/oder die Hinzunahme weiterer Musikinstrumente. Marisa hat das ja nie abgelehnt, aber ihr war die Aufnahme wichtiger als sonst was.<br />Auf alle Fälle hat sich unser diesbezüglicher Streit jetzt in eine zielstrebige Einigkeit verkehrt. Zu verdanken haben wir das unter anderem Mario Lucio, Prinsecito, Fu, Jenny, und allen Engeln und Heiligen (ohne die sich sowieso kaum Etwas verkehrt).<br />Wir haben Mario Lucio, ein bekannter caboverdeanischer Musiker und Pate unseres Kinder- und Jugendzentrums, im April in seinem Haus in Praia besucht. Es war ein sehr fruchtbares Treffen. Eben unter anderem auch wegen der CD-Aufnahme. Nicht nur, dass er uns sein Studio kostenlos zur Verfügung stellt, war er auch von unserer ‚Weiterentwicklungsidee’ sehr angetan. So haben wir folgende Vorgehensweise beschlossen: die Batucadeiras nehmen im September ihre Lieder im Studio von Mario Lucio auf. Das ‚Band’ das dabei entsteht senden wir an verschiedene nationale und internationale Künstler (Mario Lucio selbst wird natürlich auch teilnehmen) verschicken und sie um Beiträge bitten. Also die Musiker sollen sich das anhören und ihre Ideen dazu ‚aufnehmen’. So sammeln wir dann also Tonspuren und mischen das Ganze dann zu einer CD die sich weltweit verkaufen lassen wird. Mit dem Gewinn werden wir einen Teil der Betriebskosten des Zentrums bezahlen, auf Welttournee gehen (das Projektleiterchen wird dann Musikmanagerchen und muss mitreisen) und meine Frau und ich werden uns nie mehr streiten.<br /><br />Das also ist das Happy-End dieses Berichtes. Auch wenn die Hälfte der Aktivitäten von Delta Cultura entweder gar nicht erwähnt wurden oder nur angeschnitten, höre ich jetzt auf und suche weiter nach Finanzierungen. Wer eine hat soll mit bitte Bescheid geben! Und überhaupt wollen wir Alle viel mehr Bescheide von euch Allen.<br />Alles Liebe von uns Allen,<br /><br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-1363614468188129647?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-42959355932113235132007-02-28T15:16:00.000-01:002007-03-12T15:28:47.208-01:00Monatsbericht Februar 2007<p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Da der letzte Bericht (also der Januar/Jänner) erst so spät fertig geworden ist (da war es ja schon fast Mitte Februar) und ich diesen Bericht so früh beginne, gibt es eigentlich noch gar nichts zu erzählen. Seit Beendigung des letzten Berichtes sitze ich vor meinem Computer und warte, dass irgendwas passiert. Ich von irgendwem ein Mail bekomme. Oder irgendwer anruft. Nichts! </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Mir bleibt also nichts Anderes als über allgemeine Themen zu referieren. Wer mich kennt<span style=""> </span>und regelmässig die erste Seite meiner Monatsberichte liest, weiss wie gut ich das kann ... ich bin’s - das Möchtegernschriftstellerchen.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><o:p></o:p></span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Anfangen möchte ich mit meiner ‚Reihe’ ‚Afrika – Kontinent der Hoffnung’. Ich habe diesbezüglich ja schon in den Monaten davor meine Sichtweise dargelegt, will aber nicht aufhören Diese zu betonen. Solange bis es auch der letzte Pessim- Kapital- und Rass-ist verstanden hat. Kann sein, dass ich dieses Ziel zu meinen Lebzeiten nicht mehr verwirklichen kann, aber das macht nichts. Wir alle wissen ja was Tropfen auf Dauer mit heissen Steinen machen. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass diese Monatsberichte (derweil?) kaum ‚Tropfenqualität’ haben. Welcher eingefleischte Pessim- Kapital- oder Rass-ist liest schon Projektleiterchen-Berichte? Meine grosse, grosse Hoffnung ist es aber, mit diesen Ausführungen Menschen anzusprechen die mir in mindestens 82% der ‚Ausführungen’ zustimmen und sich spontan entschliessen an der Tropfenbildung mitzuwirken. Soll heissen: Delta Cultura will und wird verstärkt in Richtung ‚Bewusstseinsbildung’ arbeiten und hofft diesbezüglich auf Ideen von allen Monatsberichtslesern!!!!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">‚Bewusstseinsbildung’ ... ein gar seltsamer Begriff. Ein Vielsagender. Weil es ist ja an sich schon erstaunlich (um nicht zu sagen ‚genial’), dass sich Bewusstsein bilden lässt. Natürlich birgt es auch Gefahren. Aber wenn es sich nicht bilden lassen würde, dann wäre es hier auf Erden saulangweilig (sag ich jetzt mal einfach so?!). Warum genial und gefährlich zugleich?</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Gefährlich, weil es den bösen Wichteln die Möglichkeit schenkt den Herdentieren dieser Welt allen möglichen Stumpfsinn einzureden. Und diese Tierchen nehmen das dann für voll und sehen es als bewiesen an weil es ihnen eben so unglaublich bewusst ist. Und wenn es ganz vielen Menschen bewusst ist dann wird es zur Realität, zu einer Gott gegebenen, unumstösslichen Wahrheit. Jeder der – sei es auch nur ganz sanft – gegen diese ‚Wahrheiten’ auftritt wird augenblicklich als ‚Idealist’, ‚Wahnsinniger’, ‚Utopist’ oder sonst wie abgestempelt ... gefährlich, oder?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Und genial? Weil es die Möglichkeit schenkt die Herdentierchen eines Besseren zu belehren. Weil es sich dabei um die Freiheit handelt die wir Menschen haben. Ich meine nicht die Freiheit die uns tun und lassen lässt was wir gerade wollen, sondern die die es uns erlaubt unsere Realität selbst zu erfinden ... genial, oder?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Also: Delta Cultura will Bewusstseinsbildung betreiben. Weg von ‚Afrika der verlorene Kontinent’ hin zu ‚Afrika der Kontinent der Hoffnung’. Das Furchtbare an der Sache ist nämlich, dass inzwischen sogar viele Afrikaner die Meinung vertreten ihr Kontinent sei verloren, die Einwohner seien faul und korrupt und es gelte jetzt einmal diese ‚afrikanische Mentalität’ zu bekämpfen damit endlich was weitergeht ... ein grausames Bewusstsein. Vorallem weil es ja in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Ich bin mir sicher, der Anteil an faulen, korrupten, verbürokratisierten Menschen ist in Afrika nicht grösser als in anderen Teilen der Welt. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Problematisch bei unserer gewünschten Bewusstseinsveränderung ist, dass wir kein ‚Gegenbewusstsein’ bilden wollen. Wir wollen also nicht eine Schubladisierung durch eine Andere tauschen. Besser ist es den Schubladenkasten zu Kleinholz zu verarbeiten und in einem Freudenfeuer restlos zu vernichten ... wenn das denn so leicht wäre. Weil wie genau das passieren soll, das weiss ich auch nicht so genau. Tatsächlich hoffe ich sehr auf Ratschläge, diesbezügliche Veranstaltungsideen, etc. von vielen, vielen Monatsberichtslesern ... und solchen die es noch werden wollen??!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Von Bedeutung bezüglich ‚Bewusstseinsveränderung’ ist wohl an einer der ersten Stellen die Sprache! Wie gerne verwenden wir alle Verallgemeinerungen wenn wir von anderen Menschen, Kulturen, Ländern, etc. reden. ‚Die afrikanische Mentalität’, ‚die Caboverdeaner’, sehr beliebt sind derzeit auch die ‚bösen Amerikaner’ und die ‚fundamentalistischen Araber’ ... kaum jemals unterhalte ich mich jemandem über Entwicklungszusammenarbeit oder über ‚Land und Leute’ ohne entweder selbst derartige Verallgemeinerungen zu verwenden oder ohne diese zu hören zu bekommen. Unser ‚Wille zur Schachtel’ scheint unstillbar!?</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Gerne werden derartige Verallgemeinerungen auch verharmlost. ‚Ich weiss ja eh, dass nicht ALLE Afrikaner so sind, aber ...’</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Ich bemühe mich inzwischen ganz besonders auf diese ‚Schachteln’ zu verzichten. Oft und oft habe ich erlebt wie dankbar mein Gegenüber diese aufnimmt und ganz stolz ‚weiterverteilt’. Überglücklich endlich wieder eine Schachtel erworben zu haben die ihm sein Weltbild ‚erleichtert’. Es ist ja doch unangenehm zu sehen, dass es soviel Elend auf der Welt gibt ... die Beruhigung die das Gewissen erfährt wenn man sagen kann ‚die faulen, korrupten Afrikaner sind selbst Schuld’ verleitet dazu jegliche diesbezügliche Verallgemeinerung für voll zu nehmen!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Weiterhin bin ich überzeugt, dass ein Mensch der mit derartigen ‚Schachtelsprüchen’ durchs Land zieht ... einfach weiterziehen sollte. Die Wüste Gobi hat ja auch ihre Reize?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><o:p></o:p></span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">So! Genug palavert. Besser ‚Tatsachenbericht’ bevor ich restlos bösartig werde?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Was hat sich bezüglich unserer ‚Zentrumsbetriebskostenfinanzierungsbemühungen’ getan? Nichts! Und ich vermute ganz einfach deshalb weil ‚Zentrumsbetriebskostenfinanzierungsbemühungen’ ein viel zu langes Wort ist. Das kann garnicht gelingen?! Die Bedeutung der Sprache habe ich ja gerade eben erst erwähnt ... Wir sollten also vielleicht ganz einfach einmal die Bemühungen weglassen. Dann wäre die Sache schon einfacher: Zentrumsbetriebskostenfinanzierung’. Weiters liesse sich das ‚ung’ schlicht und einfach streichen, ‚Betriebskosten’ braucht auch kein Mensch und ein Zentrum kann ja nicht am Anfang stehen. Es bleibt uns sodann also was? ... Ein Finanzierzentrum!!! </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Das Fazit dieses Berichtes: wir lassen die Sprache weg, weil da soviel unsinniges Bewusstsein gebildet wird und machen ein stilles Finanzierzentrum!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Nein, so ein Blödsinn, das machen wir doch nicht! Schliesslich ist es immer noch mein Ziel mit Finanzen nichts mehr am Hut haben zu müssen. Ich weiss ja bis heute nicht warum gerade ich mich soviel damit beschäftigen muss. Ich hasse Hüte ... und Finanzen sowieso ...</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Also! Die Sache sieht so aus. Wer sich noch an den letzten Bericht erinnern kann weiss, dass es da 3 Stellen in Cabo Verde gibt die bereits mehr oder weniger finanzielle Unterstützung zugesagt haben. Und wer ALLE bisherigen Berichte gelesen hat weiss auch, dass es von Zusagen bis ‚Geld am Konto’ ein weiter mühsamer Weg ist.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Eine klare Aussage haben wir von ‚Luta contra Pobreza’ bekommen. Der Organisation die Armut bekämpft und dafür Geld von der Regierung bekommt. ‚Betriebskostenfinanzierung’ interessiert sie nicht. Das ist nicht Teil ihres ‚Aktionsplanes’. ABER. Sie wollen verschieden Ausbildungen im Zentrum finanzieren. Und wie der nette Herr dieser Organisation meint, müssen in diesen Ausbildungsfinanzierungen natürlich auch entsprechende Summen für die Betriebskosten des Zentrums dabei sein.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Sie haben Geld für ‚Keramikausbildung’, ‚Schneiderinnenausbildung’, ‚Kunsthandwerkskurse’. Und einige andere auch. Aber mit diesen 3 wollen sie in unserem Zentrum starten.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Wie es der Zufall, den es nicht gibt, so will, haben wir am Tag an dem sie uns dies bei einem Treffen im Zentrum mitgeteilt haben, gerade mit einem einmonatigen Keramikkurs begonnen. Sie waren beeindruckt und wir haben den Kurs sogleich um einen weiteren Monat verlängert. Den zweiten Ausbildungsmonat finanziert ‚Luta contra Pobreza’. Ein vielversprechender Anfang unsere Kooperation mit dieser Organisation ist also gemacht!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Aber nicht nur die Mitfinanzierung ist Vielversprechend. Der Ausbildungslehrgang selbst ist es noch viel mehr!!!!!<br /></span> </p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Unsere Arbeit mit Lehm haben wir ja bereits während dem Bau begonnen. Die Herstellung von Terracotta-Fliesen war ein Anfang. Der Lehmofenbau der mit Gas und Sägespännen beheizbar ist ein weiterer Schritt. Viele Schwierigkeiten (technischer, finanzieller und bürokratischer Natur) haben unsere Lehmbau/Ton/Fliesen-Bestrebungen zwar verlangsamt, aber nie zum Erliegen gebracht.<br />Mit diesem Workshop erhoffen wir uns jetzt den endgültigen ‚Durchbruch’. Möglichkeiten auf diesem Gebiet sind zahlreich und sollen in Zukunft helfen der ‚finanziellen Selbständigkeit’ des Zentrums einen Schritt näher zu kommen.<br />Zwei weitere ‚Bereiche’ unserer Lehmbau/Ton/Töpferei Aktivitäten treten mit dieser Ausbildung in ihre Experimentierphase.<br />Aus Ermangelung an Schatten im Zentrum haben wir ja schon vor längerer Zeit das Holzgerüst für ein Schattendach vor der Schreinerei gebaut. Es hat bisher aber an Geld für das ‚Deckmaterial’ gefehlt. So sind wir auf die Idee gekommen die Dachziegel selbst herzustellen. Was uns mit den Fliesen gelungen ist könnte ja auch für Dachziegel gelten?!</span><br /></p><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText">Die Ausbilderin hat uns beigebracht wie man Gipsformen für Tongegenstände macht und die erste Form die entstanden ist war die eines Dachziegels ...<span lang="DE-AT"><br /></span></p><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Der zweite Versuch wird jener mit Glasuren sein. Wir haben von der Gemeinde Tarrafal eine Glasmühle zur Verfügung gestellt bekommen. Wir hoffen damit das viele Altglas das hier die Gegend verschmutzt so fein mahlen zu können, dass wir damit Glasuren herstellen können. Sollte das gelingen müssen wir Versuche starten wie sich das Glas mit dem Ton hier ‚verträgt’. Irgendwie muss sich das während dem Brennvorgang ja verbinden. Und wenn es das nicht und nicht tun will könnte Waschpulver nachhelfen (Waschpulver enthält Bor und Bor weiss wie sich Glas mit Ton verbindet). Diesbezüglich bekommen wir wieder Fernunterricht von unseren Spezialisten aus Österreich, Martin und Maria!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Also: ‚Luta contra Pobreza’ finanziert, ‚Delta Cultura’ experimentiert, Martin und Maria fachsimpeln ... was bitte soll da noch schief gehen??!!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Unser zweiter potenzieller Geldgeber für die Zeit ab April und in alle Ewigkeit ist bekanntlich die ‚Gemeinde Tarrafal’. Unser letztes Treffen mit dem Bürgermeister war vielversprechend. Passiert ist seitdem nichts. Aber Delta Cultura hat sich nicht lumpen lassen. All das was der Bürgermeister vorgeschlagen hat und was die Gemeinde hätte tun sollen, haben wir einfach selbst gemacht. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Es sollte ja ein ‚Conselho administrativo’ (ein ‚administratives Konsölchen’) ins Leben gerufen werden. Nachdem die Gemeinde dieses nicht einberufen hat, haben wir selbst die Vertreter dieses Ausschusses ‚bestimmt’: ein Vertreter der Gemeinde (den müssen sie noch ernennen), ein Vertreter der Regierung (der Delegierte des Erziehungsministeriums in Tarrafal), der Präsident des Ausschusses (ein Projektleiterchen darf endlich auch Präsidentchen werden!), ein Vertreter von Delta Cultura (Adilson unser Koordinator für professionelle Ausbildungen nachdem Marisa abgelehnt hat) sowie ein Vertreter aus der Bevölkerung (ein sehr engagierter Mann namens ... hab’ den Namen vergessen).</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Diesen Monat noch soll es die erste Versammlung dieses Ausschusses geben. Mein Ziel wird es sein die genauen Aufgaben dieses Ausschusses zu definieren. Weil was ich sicher nicht will ist eine weitere Instanz die über Dinge entscheidet über die schon Delta Cultura, die Projektleitung, der Koordinator und die diversen Ausbilder entscheiden. Das ergäbe dann ein Entscheidungschaos in dem vor lauter Entscheidungen das ‚Ent’ verschwindet und nur noch Scheidungen übrigbleiben?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Aufmerksame Leser werden zwischen den Zeilen lesen, dass ich nicht restlos von der Sinnhaftigkeit dieses Ausschusses überzeugt bin. Noch viel weniger als ich erst jetzt – bei der Aufzählung der Vertreter – bemerke, dass diesem Ausschuss keine Frau angehört!? Das müssen wir noch ändern ... Sonst läuft der Ausschuss noch viel mehr Gefahr nur Ausschüsse zu produzieren?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Eine weitere Umsetzung einer Bürgermeisteridee ist die Einladung aller ‚wichtiger Menschen Tarrafals’ zu einem Abendessen im Zentrum. Dieses findet am 16 März statt. Und wer es genau wissen will: Tarrafal hat genau 32 wichtige Persönlichkeiten! Denen werden wir also an diesem besagten Freitag aufkochen und ihnen vorher und nachher ans Herz legen uns zu helfen das Zentrum am Leben zu erhalten. Meine rauschende Rede die ich an diesem Abend halten werde entsteht bereits in meinem klugen Köpfchen. Die Einladung die wir zu diesem gemütlichen Beisammensein verschicken beinhaltet die Bitte sich vor Erscheinen den Kopf zu waschen damit ich das dann nicht während meiner Rede machen muss?! Obwohl ich mir das ganz lustig vorstelle während einer Rede irgendwem den Kopf zu waschen ... würde sicher eine ganz stimmige Atmosphäre erzeugen?!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Hallodrio, was freue ich mich auf diesen Abend. Ich werde mein Rumpelstilzchenseelchen herausholen und stampfen, dass die selbstgebrannten Terracottafliesen unter meinen Füssen zerbröseln. Ich bin mir sicher wir werden nach meinem Auftritt Finanzierungen zum Schweinefüttern haben.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Was die Finanzierung der Betriebskosten ab März betrifft habe ich ja eine mündliche Zusage des Bürgermeisters sich an diesen zu beteiligen. Das Umständliche ist nur, dass er zunächst mit dem Gemeinderat darüber reden muss und der tagt anscheinend nur alle 17 Jahre. Das nächste mal 2014! Also in dem Jahr in dem wir Fussballweltmeister werden ... womit ich beim nächsten Thema wäre. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Die Fussballmeisterschaft. Bissl blöd hat sie begonnen, saublöd ist sie weitergegangen um uns sodann einen berauschenden Erfolg nach dem anderen zu bescheren. Solange bis wir an der Tabellenspitze waren! 1:0, 5:1, 3:0 waren die Ergebnisse die uns dorthin gebracht haben. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Natürlich war ich mit unseren Leistungen bei diesen Spielen zufrieden. Natürlich haben wir noch lange nicht unser gesamtes Potenzial ausgeschöpft. Immer noch fällt mir auf, dass die Spieler das, was sie oft im Training zeigen im Spiel nicht umsetzen können. Jetzt soll mir nur keiner sagen das sei die Schuld des Trainerchens!? ...</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Bei unserem letzten Spiel in Assomada (0:0) war auch der neue Präsident des Regionalverbandes anwesend und er war sehr angetan von unserem Spiel. Hat uns gelobt und betont wie wichtig unsere Arbeit sei. Weil er habe gesehen wie die anderen Mannschaften aus Tarrafal spielen und es sei auffällig wie wir diesen Mannschaften taktisch voraus seien. ‚Wenn die in Zukunft was zu sagen haben wollen müssen sie auch in die Jugendarbeit investieren und nicht erst eine Woche vor Meisterschaftsstart zu trainieren beginnen’. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Ich hoffe und glaube, dass er damit Recht hat. Weil genau das war immer mein Ziel: die anderen Mannschaften dazu zu bewegen auch mehr für den Fussball zu tun. Und den Verband auf uns aufmerksam zu machen. Dies ist uns mit dieser Meisterschaft auf alle Fälle gelungen. Der Präsident hat mir versprochen, dass er demnächst mit Zuständigen der U20 Nationalmannschaft in Tarrafal vorbeikommen wird. Und dass er auch darauf schauen wird, dass bei der Aufstellung der Olympiamannschaft Tarrafal berücksichtigt wird.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Immer noch bin ich überzeugt, dass meine Spieler sich das verdienen. Ich sehe keinen Qualitätsunterschied zu den Spielern aus der Hauptstadt Praia.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Und zur weiteren Meisterschaft. Wir sind zwar eine Runde vor Schluss immer noch hauchdünn Tabellenführer, aber die Sache ist so knapp, dass wir unser letztes Spiel unbedingt gewinnen müssen. Sollte das gelingen ist uns einer der beiden ersten Plätze sicher und wir würden in die nächste Meisterschaftsphase aufsteigen. Dort ‚befinden’ sich dann noch 4 Mannschaften die in Hin- und Rückrunde gegeneinander spielen. Der Gewinner nimmt dann an der nationalen Meisterschaft teil ... aber jetzt ist einmal unser Samstagspiel wichtig. Sollten meine Spieler nicht allzu nervös sein, bin ich zuversichtlich! Die Nerven werden - wie so oft - alles entscheiden. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Und dann fällt mir auf, dass ich viel zu schnell von der Gemeinde zum Fussball gewechselt bin. Es fehlt ja noch der Stand der Dinge bezüglich unserer dritten Betriebskostenfinanzierungsmöglichkeit. Die Portugiesische Kooperation respektive das caboverdeanische Arbeits- und Solidaritätsministerium. Die haben uns ja auch Hilfe versprochen wollen aber, dass wir mit dem ICA – Institut für Kinder- und Jugendlichenhilfe zusammenarbeiten.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Der liebe Präsident dieses Institutes scheint aber leider ein vielbeschäftigter Mann zu sein. Trotz Zentrumsbesuches einer seiner Mitarbeiterinnen die einen sehr positiven Bericht über unsere Aktivitäten verfasst hat, ist es uns bis heute nicht gelungen einen Termin bei ihm zu bekommen. ‚Gut Ding braucht Weile’ denkt sich das Projektleiterchen und versucht zu vergessen, dass April schon ‚bedrohlich nahe’ ist..</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Nein, Bedrohung verspüre ich keine. Ich sehe nur eine gewisse Schwierigkeit in den ersten Monaten nach Förderungsende. Weil bis die Gemeinde Tarrafal und wie sie alle heissen ihre Versprechen einlösen, werden wohl noch ein paar Wochen vergehen. Delta Cultura hat zwar in den ersten 1 ½ Jahren ‚geförderten’ Betrieb gewisse Rücklagen (hauptsächlich aus Verkauf Schreinerei und Schneiderei) ... wie sagt man da? ... angehäuft. Oder angelegt? Aber ‚Anlagen anlegen’ klingt auch nicht so gut?! Auf alle Fälle haben wir einen kleinen Haufen Geld mit dem wir ... nicht weit kommen werden. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Oft werde ich gefragt: ‚der März ist zu Ende! Wie geht es mit dem Zentrum weiter?’ ‚Garnicht!’, antworte ich dann und vertiefe mich in mein Handbuch ‚Wie kann ich mir in Kuba den Lebensunterhalt sichern!’.<br />Unbeachtet lasse ich dabei mein zweites Handbuch ‚Welche Scherze sollte man besser unterlassen!’. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">In Wahrheit ist es natürlich so, dass ich mir meiner derzeitigen Verantwortung sehr wohl bewusst bin. Die Förderung durch ASB/BMZ zu bekommen war ein Glücksfall, den Bau zu realisieren und das Ausbildungsprogramm zu organisieren war keine so grosse Sache. Es ist ja leider wirklich so, dass das liebe Geld die Welt ‚go round’ macht.<span style=""> </span>Und Geld war in den letzten Jahren Dank ASB/BMZ und vielen weiteren Gross- und Kleinspendern reichlich zur Verfügung. Die wahre Herausforderung beginnt also eigentlich erst im April. Wobei die positiven Nachwirkungen der Förderung für viele viele Jahrzehnte bestehen bleiben werden. Weil das Zentrum steht. Man braucht es ‚nur’ mit Leben zu füllen.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Und genau das werden wir ab April auch machen: </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Die Fussballschule arbeitet seit Bestehen mit zunächst überhaupt keiner Finanzierung und später mit sehr Geringer. Es wird sie also mit Sicherheit weiterhin geben.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Unsere Schreinerwerkstatt wird von einem reinen Ausbildungsbetrieb zu einer ‚Verkaufswerkstatt’ umgewandelt. Soll heissen: der Ausbilder bleibt uns als Werkstattleiter erhalten. Die 15 Lehrlinge (von denen ja Einige noch nicht wirklich das Alter haben um ‚auf den freien Arbeitsmarkt geworfen’ zu werden) bleiben auch. Ausbildungsentschädigung, Mittagessen, etc. bekommen sie allerdings nicht mehr. Ab April müssen sie sich ihr Einkommen selbst erwirtschaften. Schon seit Anfang Februar arbeite ich mit ihnen an diesem ‚Übergang’. Aufgabenbereiche (Werkstattleitung, Lagerverwaltung, Werbung, etc.) wurden definiert, Verantwortliche bestimmt, etc. Natürlich bekommen sie in allen Bereichen Unterstützung seitens der Projektleitung, je länger je mehr sollte diese Werkstatt aber vollkommen selbständig laufen. Aus den Kalkulationen die wir in unseren Sitzungen so ‚angestellt’ haben, geht hervor, dass es durchaus realistisch ist, dass die Werkstatt ausreichend Umsatz macht um (zunächst natürlich geringe) Gehälter zu zahlen und den Strom- und Wasserverbrauch zu bezahlen. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Auch mit ‚Luta contra Pobreza’ könnte es bezüglich Schreinerei eine Kooperation geben. Diese Organisation unterstützt ja immer wieder besonders arme Familien bei der ‚Verbesserung ihrer Lebenssituation’ und finanziert ihnen Fenster, Türen, Tische, Betten etc. Diese Aufträge könnte unsere Schreinerei für ‚reduzierte Preise’ ausführen. Weil reiner ‚Verkaufsbetrieb’ wird die Schreinerei auf keinen Fall. Erstens werden wir immer 2 bis 3 Jugendliche in Ausbildung nehmen und zweitens werden wir hoffentlich sehr schnell in der Lage sein eben besonders günstig oder gar kostenlos bedürftigen Familien zu helfen.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Mit der Umsetzung dieser Idee werden wir auch unserer ‚Vorgabe’ gerecht nicht einfach auszubilden, Diplome zu vergeben und die Ausgebildeten sodann wieder ihrem Schicksal zu überlassen. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Also: Fussballschule und Schreinerei wird es auch im April geben. Aber das ist noch lange nicht alles!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Die Alphabetisierungskurse laufen weiter. Diese werden ja vom entsprechenden Institut finanziert. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Wegen Fortführung oder ‚Neuaustragung’ Schneiderausbildung sind wir wie erwähnt ‚in Verhandlung’.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Workshops lassen sich ‚schnell’ organisieren und finanzieren. Genauso wie ‚Schwerpunktmässige Veranstaltungen’.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Und dann gibt es da ja noch einen Umstand der uns freudig und hoffnungsvoll stimmt. Die Übersiedlung. Ende März ... nein, nicht meine nach Kuba!? ... sondern die von Fu und Jenny von Düsseldorf nach Tarrafal. Die Beiden sind bereits dabei ihre Wohnung in ihrem Vaterland zu räumen um in ihr Mutterland zu kommen?! Wer die Beiden kennt weiss was das für uns und das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ bedeutet. Viel Schwung! Unendlich viele neue Ideen und deren Umsetzung ... </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Wie ich meine, ein sehr mutiger Schritt von Fu und Jenny. Weil Gehälter oder sonstige Sicherheiten können wir ihnen hier derweil keine bieten! Auch haben sie keine Mami oder keinen Papi der bei Notfällen ein kleines Taschengeld schicken könnte. Ihre Bankkonten<span style=""> </span>haben sie plündern müssen um sich die Übersiedlung leisten zu können ... sprich: vollkommen unrealistisch was die da machen!!! Ohne Sicherheiten in ein fernes Land auszuwandern um in einem ‚Kinder- und Jugendzentrum’ zu arbeiten, das geht nicht, ist reine Utopie! Es muss sich bei den Beiden also um Sozialromantiker, Idealisten oder sonstige Spinner handeln. Oder doch um Menschen die wissen wie das mit der Realität wirklich ist?! Menschen die sich nicht von sicherlich sinnlosem Sicherheitsdenken ins Handwerk pfuschen lassen?! Ich vermute Letzteres und freue mich darauf schon bald von ihren und damit unseren Erfolgen berichten zu können. Als weiteren Hinweis darauf, dass Utopisten und Idealisten die wahren Realisten sind ... wie die Geschichte des ‚Kinder- und Jugendzentrums’ ja doch eindrucksvoll beweist?!<br />Also es wird sicher nix mit ‚Schluss mit lustig’ im kindlich jugendlichen Tarrafal. Es wird weiterhin lustig sein im ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ und wir werden all die Erfahrungen die wir in den ersten Jahren Betrieb gesammelt haben in die Verbesserung der Zentrumsaktivitäten ‚einbauen’.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Nicht vergessen, sondern für den Schluss aufgehoben, habe ich unsere ‚Batucadeiras Delta Cultura’. Die wird es sowieso von April bis in alle Ewigkeit weitergeben. Schliesslich sind sie unser eigentliches Herzstück. Unsere besten Repräsentanten. Nichts auf der Welt kann sie in ihrer Lebensfreude versprühenden Fröhlichkeit stoppen. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Das haben sie im März ein weiteres Mal eindrucksvoll bewiesen. Sie haben ihren ‚dritten Geburtstag’ gefeiert. Mit einer wunderschönen Veranstaltung bei der sie zu einer Diskussionsrunde über ‚Batuco in der Gemeinde Tarrafal’ geladen, Mittagessen verteilt und natürlich Auftritte verschiedener Batucogruppen organisiert haben. Nach dem von der Gemeinde Tarrafal organisiertem Wettbewerb für Batucogruppen hat es ja leider so einige Unstimmigkeiten zwischen den Gruppen gegeben. Marisa unserer Batuco-Chefin ist das aufgestossen und sie wollte diese Eifersüchteleien ein für allemal aus der Welt schaffen. Leider haben sind nicht alle Gruppen der Einladung zur Diskussionsrunde gefolgt, aber ‚erfolgreich’ war sie trotzdem. Der Kulturgemeinderat und Marisa haben die Runde geleitet und sie konnten einige ‚Gerüchte’ aus der Welt räumen ... bekanntlich wird ja viel geredet wenn Wettbewerbe von Jurys entschieden werden ...<br />Grosses Lob hat Marisa für diese Veranstaltung auch von der Gemeinde bekommen. ‚Die ‚Batucadeiras Delta Cultura’ seien viel mehr als nur eine Batucogruppe ...’</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Dieser Batuco-Veranstaltung, allen unseren Fussballspielen sowie unseren täglichen Kämpfen, Krämpfen, Freuden und Tänzen hat in den vergangenen Wochen eine Helferin aus Österreich beigewohnt. Hanna Stepanik aus Wien war einen Monat lang bei uns in Tarrafal um zu erleben wie sich das hier Alles so abspielt. Aber nicht nur das! Sie war auch aktiv beteiligt. Unsere Schreiner- und Schneiderlehrlinge sowie ein paar Angestellte haben unter Hannas Leitung 2 Stunden täglich ihr Englisch aufbessern können. Und erstmals sind in unserem Zentrum Capoera-Klänge erklungen. Wobei ‚Klänge erklingen’ nicht schön ausgedrückt ist, aber mit fällt verdammt noch mal nichts Besseres ein. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Die Teilnahme an den abendlichen Capoerastunden war zwar sehr unterschiedlich ausgeprägt, bis heute begegne ich aber Jugendlichen im Zentrum die mit dem typischen Capoera-Schritten durch Schreinerei, Schneiderei, Hauswerkstatt und Computerraum tanzen! Ein voller Erfolg also!</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Auch bei unserer Finanzierungssuche hat uns Hanna unterstützt. In zahlreichen Stunden hat sie das Internet durchforstet und mir die verschiedensten Seiten von möglichen Förderstellen herausgesucht. Jetzt liegt es an mir die jeweiligen Ansuchen an diese Stellen zu stellen ... ja, ja ich weiss ‚an Stellen stellen’ klingt blöd. Sogar mein Rechtschreibprogramm macht mich darauf aufmerksam. Aber dieser Bericht muss fertig werden, ich kann meine Zeit nicht damit vertrödeln nach gut formulierten Formulierungen zu suchen. </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">Und ausserdem hab ich das ja nicht geschrieben um einen Preis zu gewinnen sondern um unseren Dank an Hanna Stepanik zu richten. Sie hat viel für uns getan und wir hoffen ihr mit den Erfahrungen die sie hier gesammelt hat auch ein bisschen Hilfe auf ihrem Lebensweg gegeben zu haben. Oder muss es heissen ‚gegeben haben zu können’?</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Eines aber ist sicher: der letzte Absatz macht deutlich wie wichtig es wäre, dass ich diesen Bericht endlich beende und abschicke. Ich habe mich sozusagen ‚ausformuliert’. Die einfachsten Sätze kommen nicht mehr ordentlich rüber ... dabei wollte ich noch so viel erzählen. Angesichts der immer schwieriger werdenden Formulierungsformalitäten werde ich mich aber auf zwei abschliessende kurze Hinweise beschränken.</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Der erste Hinweis ist eine Bitte. Ich hoffe sehr, dass ich in diesem Bericht glaubhaft vermitteln konnte, dass die Zukunft unseres Zentrums durchaus rosig werden wird, dass alle bisherige Unterstützung nicht umsonst war und alle weitere Unterstützung weiterhin viel bewegen wird. Wie erwähnt wird der ‚Übergang’ von ‚Förderung aus Deutschland’ zu ‚Förderung durch einheimische Institutionen’ nicht leicht und wir sind in dieser Phase besonders auf finanzielle Unterstützung durch ‚Delta Cultura – Österreich’ angewiesen. Gross ist daher unsere Freude und Dankbarkeit über jeden Euro der auf unser österreichisches Konto eingeht! </span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]--> Und ganz abschliessend eine Erfolgsmeldung aus dem Fussball. Inzwischen ist hier Montag und unser Alles entscheidende Samstagspiel ist Vergangenheit! Wir haben es in (nicht übertrieben) eindrucksvoller Manier 4:1 gewonnen (nach zahlreichen verhauten Torchancen und 0:1 Rückstand!). Damit sind wir Gruppensieger und steigen in die nächste Phase der regionalen Meisterschaft auf. Cool, gell?! Und ausserdem affengeil (wobei ich persönlich Affen garnicht so geil finde!) ...</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><o:p></o:p></span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">In tiefster Ergebenheit,</span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT"><!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--><o:p></o:p></span></p><div style="text-align: justify;"> </div><p style="text-align: justify;" class="MsoBodyText"><span lang="DE-AT">das Projektleiterchen</span></p><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-4295935593211323513?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1171314188209106492007-01-31T20:02:00.000-01:002007-02-12T20:03:08.233-01:00Monatsbericht Januar 2007Jetzt habe ich schon soviel Monatsberichte verfasst, dass ich bereits sämtliche Einleitungsmöglichkeiten ausgeschöpft habe. Es fällt mir einfach keine Neue mehr ein ... <br /><br />Wieder einmal hat sich in dem vergangenen Monat soviel getan, dass ich gar nicht weiss wo ich anfangen soll zu erzählen. Bei den Erfolgen oder bei den Misserfolgen? Bei Neuanfängen oder bei Althergebrachten? Bei Freuden oder bei Leiden? Bei Bürgermeistern oder bei Bürgergesellen? Bei Regierungsvertretern oder bei Staubsaugervertretern?<br />Also: im Jänner 2007 – den man auch Januar 2007 nennen kann, aber das unterlasse ich mal schön – hat sich das ‚Kinder und Jugendzentrum Tarrafal’ wieder einen Monat dem mit Spannung erwarteten Förderungsende durch BMZ/ASB genähert. Immer grösser, immer spannender wird die Frage: wie geht es ab März weiter? <br />‚In den verschiedensten Löchern lauern schon die Geier, die auf das Ende der ‚Delta Cultura – Ära’ hoffen um sich auf das Zentrum stürzen zu können’ ... meinte der hochparanoide Projektleiter und verabschiedete sich nach Kuba.<br />Cabo Verde ist ein Land ohne Löcher und Geier. Gott sei’s gedankt! So können sich sämtliche Projektleiter auf ihre Arbeit konzentrieren und Finanzierungen finden. So wie ich das im Jänner auch gemacht habe!<br />Hierfür habe ich die verschiedensten Stellen aufgesucht. Immer mit meinem hübschen kleinen Zettelchen auf dem die Betriebskosten des Zentrums fein säuberlich und übersichtlich dargestellt waren. Und wenn irgendwer angefangen hat von professionellen Ausbildungen oder sonstigen Angeboten des Zentrums zu reden, habe ich meinen dicken Würschtelfinger erhoben und in Oberlehrermanier um Einhalt und Aufmerksamkeit gebeten. Um bei meinen Gesprächspartner nicht allzu wurstige Gefühle zu wecken haben sodann umgehend meinen Finger wieder verborgen und habe angefangen von Fahnen zu berichten. Nämlich von jenen Fahnen auf die sich alle möglichen Menschen und Organisationen irgendwas heften möchten.<br />So ganz im Allgemeinen bin ich ja kein Feind des Heftens. Es wurden schon die allertollsten Dinge geheftet und man soll derartige Tätigkeiten nicht schlecht reden (warum man das nicht soll könnte Thema eines der folgenden Monatsberichte sein?!). Aber in unserer derzeitigen Situation wollte ich kein Fahnengehefte sondern Nägel mit Köpfen, Beinen und beweglichen Schulterblättern.<br />Soll heissen: ich halte es bis heute nicht für zweckdienlich über Finanzierungen von Ausbildungen zu reden wenn ich nicht einmal Geld für einen Bleistift habe. Ich verspüre auch keine unbändige Lust mich jeden Monat 3 Monate damit zu beschäftigen wie ich die Stromrechnung begleichen könnte.<br />Es gäbe natürlich die Möglichkeit die Betriebskosten des Zentrums auf die verschiedenen Angebote ‚aufzuteilen’. Das würde aber nur funktionieren wenn ich Finanzierungen für sämtliche Ausbildungen, etc. hätte und würde uns vor Schwierigkeiten stellen wenn wir z.B. nur eine professionelle Ausbildung anbieten können.<br />Langer Rede langer Sinn (weil ‚Sinn’ hat nur Sinn wenn er auch ein bisschen lang ist!?): ich bin mit dem festen Vorsatz zu unseren Audienzen gegangen zunächst einmal Finanzierung für die Betriebskosten zu bekommen.<br /><br />Zu diesen Betriebskosten ein paar Fakten, Zahlen und sonstige schöne Ausführungen!<br />Höhe der Betriebskosten:<br />- rund 3.400 € monatlich<br />- also rund 40.800 € jährlich <br />- also rund 408.000 € jahrzehntlich<br />- also rund 4.080.000 € jahrhundertlich (ist das denn verwunderlich?)<br />Was ist damit bezahlt?<br />- Strom, Wasser, Telefon, Internet<br />- Gehälter von Projektleiterchen, Assistentin, Koordinator, Psychologin, Köchin, Hauswart, Wächter und Fahrer<br />- Gebäudeinstandhaltung, Versicherungen, Autokosten, Büromaterial, etc.<br />Was ist damit garantiert?<br />- Fortbestand der Monatsberichte und sonstigen Tätigkeiten der Projektleitung (z.B. Finanzierungssuche ... )<br />- Psychologische Beratung (nein, nicht nur für das Projektleiterchen!?)<br />- Fussballschule<br />- ‚Lehmbau/Ton-projekt’<br />- Schwerpunktmässige Veranstaltungen<br />- Alphabetisierungskurse<br />- Informatikkurse<br />- Sprachkurse<br /><br />Wieviel von den 40.800 € Jahresbetriebskosten haben wir schon finanziert?<br />- Rund 4.700 € durch das caboverdeanische Erziehungsministerium, die das Gehalt des Koordinators bezahlen.<br />- Mit 18.000 € jährlich habe ich den Betrag festgesetzt den Delta Cultura beitragen kann. Der setzt sich aus Einnahmen des Zentrums und Aktivitäten in Tarrafal (mehr dazu später), sowie aus Spenden aus Europa zusammen.<br />Laut Adam Riese, diesem Mann dem wir unsere Aufstellung zu verdanken haben, fehlen uns also noch rund (Start®Programme®Zubehör®Rechner) ... 18.100 €.<br />Und jetzt die gute Nachricht: der einhellige Tenor der 3 ‚Organisationen’ denen ich diese Zahl im Jänner präsentiert habe, haben gemeint „das ist aber nicht viel“. <br />Die nicht mehr so ganz gute Nachricht. Alle haben sodann ein „aber ...“ folgen lassen.<br />Aber ... der Reihe nach. Zunächst war ich beim caboverdeanischen Minister für Arbeit und Solidarität. Über dieses Ministerium laufen die Förderungen der portugiesischen Kooperation die uns ja 2006 17.000 € für den definitiven Stromanschluss gegeben haben. Die Arbeiten für diesen Stromanschluss haben übrigens diese Woche begonnen.<br />Ich sitze also beim Minister im Ledersofa und erzähl ihm meine Betriebskostenerlebnisse ... ich möchte ja nicht angeben, aber wer von den lieben Lesern ist schon mal im Ledersofa eines Ministers gesessen??!!! Das schaffen weltweit vielleicht grad einmal ein paar tausend Auserwählte. Das Projektleiterchen gehört zu dieser stolzen Klasse und verschweigt tunlichst, dass es in Cabo Verde keine grosse Sache ist einen Minister zu treffen. Das Minister-Normalsterblichen-Verhältnis ist hier ein ganz Anderes ...<br />Also ich sitze da und erzähl von den Aufstellungen die mir Adam Riese ermöglicht hat und lausche dann gespannt auf des Ministers Reaktion. All das im Ledersofa wohlgemerkt!!! ... wobei ich mir jetzt, weil ich dauernd davon red, garnicht mehr so sicher bin ob es tatsächlich Leder war?! Aber es war ein Sofa. <br />Der Minister sagt mir also: „18.100 € jährlich ... das ist aber nicht viel ... ABER so einfach geht das nicht Herr ... ‚Kinder- und Jugendzentrum’ (‚Wegenstein’ hat er nicht herausdrücken können) ...“<br />Ist natürlich gelogen. Er hat mich nicht ‚Herr Kinder- und Jugendzentrum’ genannt. Das ist frei erfunden. Er hat mich garnicht genannt. Er hat nur gemeint, dass das Ministerium sehr wohl bereit ist uns zu unterstützen wir aber enger mit dem ICA zusammenarbeiten und unser Ansuchen über diese Institution laufen lassen sollen. ‚ICA’ das ist das ‚Institut für Kinder und Jugendlichenhilfe’ ... oder so in der Art. ‚I’ steht für ‚Instituto’, ‚C’ für ‚Crianças’ (Kinder) und das ‚A’ ist mir rätselhaft ... <br />Ich habe also den Minister und seine Sofas wieder verlassen und habe mich auf den Nachhauseweg gemacht. Und auf der Fahrt habe ich mich geärgert und mir überlegt wie wir jetzt dieses blöde ICA dazubringen unser Zentrum zu ‚besuchen’. Es ist nämlich nicht so, dass ich beim Minister erstmals von dieser Institution gehört habe (letztes Jahr hat sie allerdings noch anders geheissen). Schon seit Anbeginn unserer Zentrumstätigkeiten versuchen wir mit diesem Institut ‚in Kontakt’ zu kommen. Eh klar: wir ‚arbeiten’ mit Kindern und Jugendlichen, das ICA ist der offizielle ‚Vertreter’ der Kinder- und Jugendhilfe seitens der Regierung ...<br />Ich fahr also so durch die Landschaft Santiagos und mache mir meine ICA-Gedanken ... eine überaus empfehlenswerte Tätigkeit ... <br />Und was jetzt folgt gehört wieder einmal in die Kategorie ‚warum sich den Kopf zerbrechen wenn man doch einen überaus aktiven Schutzengel hat!!?’ Es gehört auch zu ‚wenn das in einem Film geschildert wird würden die Zuseher sagen dass sei unrealistisch und kitschig-blöd ... ‚<br />Ich komme also in Tarrafal an und bin zunächst zu faul Marisa von dem Ministerbesuch zu erzählen. Lieber will ich zuerst hören was sich im Zentrum so getan hat. Und Marisa erzählt mir von einer Frau die das Zentrum besucht habe. Sie (Marisa) habe ihr das Zentrum gezeigt, die Entstehungsgeschichte erzählt, die Frau habe sich mit Schreiner- und Schneiderlehrlingen unterhalten und sei schlussendlich ganz begeistert gewesen von dem Zentrum und der Arbeit die wir hier leisten.<br />Natürlich will ich wissen wer diese Frau denn war?!<br />‚Von irgendeinem Institut ... ich habe den Namen vergessen’ bekomme ich zur Antwort. <br />‚Hat dieses Institut vielleicht ‚ICA’ geheissen?’<br />‚Ja, genau! ICA!’<br />So also sind wir auf dem Weg das ‚aber ... ‚ des Ministers aus dem Weg zu räumen. Die erwähnte Frau des ICA hat einen Report ihres Zentrumsbesuches an den Präsidenten dieses Institutes nach Praia geschickt und ich bin schon in Kontakt mit dessen Sekretärin um einen Termin zu bekommen. Rufe täglich dort an. Die ersten zwei Tage war die Sekretärin etwas erbost ob meiner Hartnäckigkeit. Seit dem dritten Tag (ich hatte gerade einer meiner Verblödungsphasen) scherzen wir über den Terminkalender des ICA-Präsidenten und sie hat mir hoch und heilig versprechen müssen alles in ihrer Macht stehende für uns zu tun!<br /><br />Der zweite Betriebskostenfinanzierungsversuchsbesuch war bei ‚Luta contra Pobreza’. Eine landesweite Organisation die sich, ‚gespeist’ von Regierungsgeldern, der Armutsbekämpfung widmen soll. Auf der Insel Santiago werden die Gemeinde Tarrafal und Calheta von einer gemeinsamen Vertretung von ‚Luta contra Pobreza’ betreut. Deren Aufgabe ist es Projekte zu entwickeln oder eben Projekte anderer Vereine mitzufinanzieren. In den vergangenen Jahren hat diese Vertretung für Tarrafal und Calheta die Armut ganz extrem erfolgreich bekämpft. Allerdings nur die Armut der Vertreter selbst. Die Regierung hat das nicht so lustig gefunden und hat den Geldfluss in die Funktionärstaschen gestoppt. Eine zeitlang gab es ‚Luta contra Pobreza’ in Tarrafal nicht mehr. Dann kamen neue Funktionäre und jetzt fliest es wieder. Wie wir alle hoffen dorthin wo es hin soll!!!<br />Wir haben also die Vertreter von ‚Luta contra Pobreza’ aufgesucht und ihnen unsere Betriebskostensichtweise dargelegt. Deren Reaktion? ‚Das ist aber nicht viel, ABER ...’<br />Viel lieber würden sie professionelle Ausbildungen finanzieren. Das wäre bei ihren Chefs leichter ‚durchzubringen’. Ist mir eh klar: lässt sich besser auf Fahnen heften. <br />Allerdings sei gesagt, dass diese Art meiner Schilderung ein falsches Bild vermitteln kann. Die Leute von ‚Luta contra Pobreza’ waren wirklich sehr nett. Sie alle kenne Delta Cultura und das Zentrum schon lange und sind sehr angetan von unserer Arbeit. Sie wollen auch unbedingt, dass wir Geld von ihnen bekommen. Allerdings sind sie der Meinung - vielleicht zu Recht, vielleicht zu unrecht - dass die Gemeinde Tarrafal als Betriebskostenfinanzierer einspringen müsse. Allerdings haben sie in Aussicht gestellt, dass sie diese Aufgabe übernehmen könnten wenn die Gemeinde sich weigern sollte ... <br />Womit wir schon bei der dritten und letzten Ansuchensstelle wären die ich im Jänner besucht habe: die Gemeinde und deren Vorsteher, den Bürgermeister.<br />Diesmal habe ich alleine vorgesprochen. Marisa war auf dringenden Wegen in Praia, der Koordinator in Pedro Badejo, Natalina in der Schule, Idalena auf meinem Schreibtisch damit beschäftigt Ordnung in meine Unterlagen zu bringen ... <br />Ich musste bei meinem Besuch zuallererst einmal meinem Unverständnis bezüglich der Haltung der Gemeinde, Delta Cultura gegenüber Ausdruck verleihen. Als Beispiel habe ich eine Zeitschrift angeführt die die Gemeinde einmal pro Jahr herausgibt. In der letzten Ausgabe ist zwar ein Photo unserer fussballspielenden Kinder, das Zentrum wird aber mit keinem Wort erwähnt. Obwohl damals eine Journalistin im Zentrum war die ein langes Interview mit Marisa geführt hat.<br />In dem seitenlangen Interview mit dem Bürgermeister redet er zwar viel über Ausbildung etc., aber das Zentrum erwähnt er nicht ... so habe ich ihn also gefragt warum dies denn so sei?!<br />Seine Antwort war sehr diplomatisch (wie immer). Die Gemeinde wolle nicht allzu viel Werbung für das Zentrum machen weil sie wolle dass die Regierung sich intensiver an der Finanzierung beteilige und daher sei es nicht ‚hilfreich’ den Eindruck zu vermitteln das Zentrum laufe ausgezeichnet ... <br />Na gut, das ist höhere Politik oder eine Ausrede oder schlechtes Gewissen oder gar nichts. Hauptsache ich bin das losgeworden.<br />Nach der Präsentation meiner Beschwerde kam Die der Betriebskosten. Nicht zum erstenmal. Ich habe den Bürgermeister schon bei meinem vorletzten Besuch auf dieses Problem hingewiesen. Nur war das der Termin bei dem mir totenübel war ... ich habe davon berichtet ...<br />Diesmal habe ich meine Sichtweise anscheinend eindrücklich genug vermitteln können weil der Bürgermeister nicht wieder angefangen hat von professionellen Ausbildungen zu reden. Sein einziges ‚ABER ... !’ war, er müsse das dem Gemeinderat vorlegen. Sodann wird er mir bekannt geben mit wie viel sich die Gemeinde an den Betriebskosten beteiligen wird.<br />Das Treffen mit dem Bürgermeister war diesmal ein sehr Ergiebiges. Wir haben einige weitere Ideen entwickelt und er hat seinem jetzt unumstösslichen Willen uns zu helfen damit Ausdruck verliehen, dass er unser nächstes Treffen gleich für die kommende Woche angesetzt hat. <br />Sehr aufbauend war auch seine Verabschiedung. Er hat mich zur Tür begleitet und anstatt mir die Hand zu geben hat er mir auf die Schulter geklopft und gemeint: ‚Floriang Wegesch (so heisse ich hier) ... ein mutiger Mann. Mach einfach weiter so!’<br />Also! Wer es bisher noch nicht gewusst hat. Das war der Beweis!!! Ich bin’s: das mutige Projektleiterchen!<br />Bisschen blöd ist nur, dass er mir nicht gesagt hat ob ich guten oder schlechten Mutes bin??! Aber das werde ich auch noch herausfinden. Nächste Woche ist ja wieder Termin.<br /><br />Das also waren so die wichtigsten Zukunftsplanungstreffen des Jänner. Ich glaube es werden mir alle zustimmen, dass es allen Grund zur Zuversicht gibt. 3 Stellen, 3 kleine ‚aber’, keine einzige Absage. Ich bin überzeugt, dass im Endeffekt alle 3 Stellen Geld flüssig machen werden und wir damit nicht nur die Betriebskosten sondern auch gleich die nächsten Ausbildungslehrgänge finanziert haben werden. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann finanzieren wir noch heute.<br /><br />Es ist vielleicht schon einigen Lesern aufgefallen, dass dies ein Bericht mit sehr vielen ‚aber’ ist. Dieses kleine dumme Wort verfolgt mich seit Anbeginn des Monats, als wäre 2007 das Aberjahr. Fände ich aber saublöd. Auf ein Mozartjahr kann kein Aberjahr folgen ... Mozart nämlich hat der Welt ein Vermögen vermacht, wohingegen Aber herzlich wenig zum Glück auf dieser Welt beitragen kann. Wie ich jetzt einmal behaupten will, sogar im Gegenteil! <br />Aber wie das oft so ist, können wir die Schuld am Unglück die das Aber in die Welt gebracht hat garnicht dem Aber selbst geben. Es wird ganz einfach ständig missbraucht. So oft, dass ich mich schon frage wann das Aber endlich vor den europäischen Gerichtshof marschiert und Anzeige wegen Missbrauch erstattet.<br />Wie sehr mich dieses Aber verfolgt beweist auch die Tatsache, dass mir letztens – ehrlich und wirklich – von einer ‚Aber-tabelle’ geträumt hat, die ich erstellen musste. Das hat mich so mitgenommen, dass ich davon aufgewacht bin. Daher will ich auch garnicht versuchen die Tabelle hier detailliert darzustellen.<br />Nur damit meine ‚Aber-Ausführungen’ auf mehr Verständnis stossen eine kleine Zahlensammlung:<br />Im Jahr 2003 sind 54 Milliarden Dollar an öffentlicher Entwicklungshilfe von den Industrieländern in die 122 Länder der ‚dritten’ Welt ‚geflossen’. Im gleichen Jahr haben diese 122 Länder 436 Milliarden Dollar an die Banken des Nordens als Schuldendienst überwiesen!<br />100.000 Menschen sterben täglich am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen.<br />Vergleiche von Haushaltsausgaben verschiedener Länder für Sozialleistungen und Schuldendienst. Kamerun: für Sozialleistungen 4,0%, für Schuldendienst 36,0%; Elfenbeinküste: für Sozialleistungen 11,4%, für Schuldendienst 35,0%; <br />Kenia: für Sozialleistungen 12,6%, für Schuldendienst 40,0% ...<br />Die Rüstungsausgaben auf der ganzen Welt haben 2004 erstmals die 1000 Milliarden Dollar Grenze überschritten (42% davon die USA).<br />Dazu gleich ein paar wahnsinnig dumme ‚Aber’ die so im Umlauf sind:<br />... aber Hunger gab es immer schon auf der Welt.<br />... aber so sind die Menschen nun mal, das wird sich nie ändern.<br />... aber was kann ich denn dafür?<br />... aber Schuld daran ist die afrikanische Mentalität (was genau das sein soll weiss ich nicht!!?)<br />... aber diese Menschen sind eben faul und korrupt (ist etwa das mit ‚afrikanischer Mentalität’ gemeint?)<br />... aber die Weltwirtschaft würde bei Schuldenerlass zusammenbrechen.<br />... aber dem Terrorismus muss der Kampf angesagt werden.<br /><br />Für mich persönlich sind das allesamt unzulässige und, wie schon erwähnt, saudumme Argumentationen. In die Welt gesetzt von Menschen die sehr oft genau wissen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, die aber darauf spekulieren, dass sich die Mehrheit der Menschen sowieso liebend gerne von diesen ‚aber ...’ beruhigen lässt. Wer gibt schon gerne zu, dass all das Elend auf dieser Welt menschengemacht ist und also auch von Menschen wieder abgeschafft werden könnte.<br />Da ich mich selbst zu der Gattung ‚Mensch’ zähle (der ultimative Beweis ist allerdings noch nicht erbracht?!) glaube ich persönlich also auch daran, dass ich meinen Beitrag leisten kann.<br />Ich muss aber ganz ehrlich gestehen, dass ich meine Arbeit hier im ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ wenn, dann nur als sehr bescheidenen Beitrag sehe. <br />Mein Wunsch ist es viel mehr an der Abschaffung der ‚aber ...’ zu arbeiten. Dazu bedarf es eines intensiveren Austausches und einer breiteren Aufklärung vor allem bei den Menschen die auf Grund von dem selbst gebastelten Elend leiden. Ich finde sie haben ein Recht darauf zu erfahren warum sie in Armut leben. Sie haben ein Recht zu erfahren, dass ihre Not menschengemacht ist, dass es mehr als genug Nahrungsmittel und Güter auf dieser Welt gibt um den Hunger und das Elend zu vertreiben.<br />Auch fände ich es mehr als angebracht daran zu arbeiten das ‚Image’ Afrikas zu korrigieren. Die afrikanische Mentalität, an der ja angeblich all die ‚Hilfe scheitert die wir guten Europäer diesen armen Menschen zukommen lassen’ gibt es nicht. Es gibt sie ganz einfach nicht. <br />Erstaunlich finde ich, dass es oft jene Menschen sind die diese Mähr von der afrikanischen Mentalität verbreiten die diesen riesigen Kontinent eigentlich kaum kennen können. Weil sie ihn höchstens 2 Wochen bereist haben. Oder 2 Monate ‚dort gelebt haben’. Oder von mir aus auch 4 Jahre. <br />Also ich werde mich weiterhin hüten über die caboverdeanische Seele zu berichten, geschweige denn über die Afrikanische. Es gibt sie nämlich nicht. Es leben hier ganz viele ganz verschiedene Menschen.<br />Genau so wie nicht alle Europäer glauben alle Afrikaner seien faul. Und all die sollten sich zusammentun und eine ‚Afrika- der Kontinent der Hoffnung’ Aktion starten!!!!<br /><br />So, aber jetzt wieder zu Zentrumstätigkeiten. Allzu ‚belastend’ sollen diese Berichte ja auch nicht werden?! Möchte aber alle jene ‚warnen’ denen der Fussball weder am Herzen noch im Hirn und schon garnicht in den Beinen liegt. Weil von hier an bis zum Ende des Berichtes geht es nur mehr um eben Diesen und die Meisterschaft die Mitte Jänner angefangen hat. Inzwischen haben wir 3 von 7 Spielen gespielt. Und um von Allem ein bisschen zu ‚kosten’ haben wir einmal Unentschieden gespielt, einmal verloren und einmal gewonnen.<br />Das Ganze hat so angefangen: Auswärtsspiel in Chão Bom gegen den dortigen Club Real Junior. Dieser spielt dieses Jahr hauptsächlich mit Spielern aus der Fussballschule dieses Ortes. Das Spiel hat ausgezeichnet begonnen. Nach 15 Minuten haben wir 1:0 geführt. Allerdings keineswegs auf Grund unserer guten Spielweise. Es war zwar ein schöner Pass eines Verteidigers auf unseren Stürmer, der in seiner unnachahmlichen Art auf und davon ist und eingenetzt hat, aber das Spiel war hektisch und nervös. Kaum zusammenhängende Spielzüge. Zur Entschuldigung meiner Spieler muss ich aber auch sagen, dass das Spielfeld in Chão Bom (viele, viele Steine) unserer Flachpass-Spielweise nicht sehr zuträglich ist. Der Ball verspringt sich ständig und lässt meine Profifussballer wie Amateure aussehen?!<br />In der restlichen Spielzeit haben wir dem Gegner keine nennenswerte Torchance lassen. Allerdings selbst auch keine Einzige mehr ‚erzeugt’. Ein nervöses hektisches Spiel im Mittelfeld. Das war’s. Und dann in der 91 Minute ein Eckball für Real Junior und ein blödes Kopftor weil wir ‚vergessen’ haben einen Spieler am langen Eck zu positionieren. Das darf natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Gott sei Dank ist aber keine Welt untergegangen. Zumindest nicht die auf der wir leben. Die hat sich seelenruhig weitergedreht als hätte es keine 91. Minute gegeben?!<br />Dann das zweite Spiel. Und wie es die blöde Auslosung so wollte mussten wir wieder nach Chão Bom. Diesmal gegen den dortigen Club ‚Beira Mar’. Auf Grund des schlechten Spielfeldes und des schlechten ersten Spieles habe ich eine kleine Änderung vorgenommen und bin von unserem bisherigen 4-4-2 auf 3-5-2 ‚umgestiegen’. Ausserdem habe ich zwei ganz jungen Spielern (16 und 17 Jahre) ihr Meisterschaftsdebüt ermöglicht. An sich ist das nicht wirklich in die Hosen gegangen. Die Überlegenheit im Mittelfeld die ich damit erreichen wollte war durchaus gegeben. Aber leider eben nur die im Mittelfeld. Nach vor ist kaum was gegangen. 2 bis 3 kleine Chancen, aber nicht mehr. Allerdings hat auch der Gegner keine gehabt. Wie schon im ersten Spiel war es ein hektisches hässliches Spiel. Aber wie schon gesagt: auf diesem steinigen Boden ist es sehr schwer zu spielen.<br />Leider hatten wir wieder kein Glück (weil was anderes ist es auf derartigen Spielfeldern oft nicht) und Mitte der zweiten Halbzeit haben wir ein Gegentor bekommen. Unsere Schlussoffensive blieb unbelohnt. <br />Die Niederlage hat uns alle sehr getroffen. Obwohl sich immer noch alles weitergedreht hat was sich auch drehen soll! Auch die Welt. <br />Im Training der kommenden Woche habe ich die Nervosität der Spieler deutlich bemerkt. Sie haben sich selbst Druck gemacht weil sie ja selbst auch wissen, dass eine Mannschaft die das ganze Jahr hindurch (mehr oder weniger) intensiv trainiert eigentlich gegen Mannschaften wie Beira Mar gewinnen müsste. Natürlich habe ich meine Spieler versucht zu ‚beruhigen’. Ich habe ihnen erklärt dass es in Cabo Verde keine wirklich gute Nudelsuppe gibt aber auch wenn es sie gäbe würde kein Spieler von Beira Mar auf dieser daherschwimmen. Wäre ja auch hirnrissig: mit dem Meer vor der Haustür in Nudelsuppen schwimmen gehen??!!<br />Und dann kam der vergangene Samstag. Unser erstes Spiel auf dem viel besseren Platz in Tarrafal. Gegen Estrela. Einem der zwei ‚grossen’ Mannschaften aus Tarrafal. Ein Spiel auf das Alle schon seit langem warten. Sowohl die Spieler der beiden Mannschaften als auch viele Zuschauer. Es wurde gemunkelt dies sei schon das vorgezogene Finale ... all das natürlich nicht einträglich für eine ruhige Vorbereitung auf das Spiel. So habe ich mir auch nicht viel erwartet. Meine Spieler lassen sich immer allzu leicht von irgendeiner Hektik anstecken und vergessen Alles war wir ständig trainieren. <br />Aber wir sind ganz ausgezeichnet in dieses Spiel ‚eingestiegen’. Zurück zu unserem altbekannten 4-4-2 (auch auf Grund der inständigen Bitte meiner Spieler) haben sie meine Vorgabe ‚Gegner kommen lassen und den freien Raum vor dem Gegentor mit Steilpässen nutzen’ gut umgesetzt. Und das Glück kam auch zurück. Nach 4 Minuten stand es 1:0 für uns. Ohne dem Gegner auch nur eine einzige Torchance zu lassen war die erste Hälfte dann aber doch eher wieder von Hektik gekennzeichnet. Nach vor ging einfach zu wenig.<br />In der Pause wollte ich den Spielern eine Kabinenpredigt halten und bin deshalb wie der blöde herumgerannt um eine Kabine zu suchen. Nichts! Weit und breit keine Kabine. Bis ich das endlich aufgegeben habe war das Spiel längst vorbei und die Spieler schon zu Hause. Umgehend habe ich mich informiert wie die zweite Hälfte denn so gelaufen sei und ich bekam durchwegs positive Meldungen ...<br />Blödsinn! In Wirklichkeit habe ich natürlich schon vorher gewusst, dass es keine Kabine gibt und damit das Ganze doch ein bisschen den ‚Touch’ einer Predigt bekommt habe ich mir von dem lieben Pfarrer sein Messgewand ausgeborgt gehabt. Und es hat Wunder gewirkt.<br />Das was wir in den ersten 25 Minuten der zweiten Hälfte gespielt haben war schon ganz phantastisch. Und wir haben damit nicht nur mich selbst begeistert sondern auch den Gegner. Nach dem Spiel wurden wir von Vielen gefragt wie es passieren konnte, dass wir die ersten zwei Spiele nicht gewonnen hatten! <br />Ohne dem Gegner auch nur eine Minichance zu lassen haben wir einen Angriff nach dem anderen gestartet. Einer schöner als der Andere. Mindestens 5 Hundertprozentige. Und ein klarer Elfmeter der aber leider nicht gegeben wurde. <br />Und weil das Glück nicht nur auf einer Seite verweilen wollte hat es uns unser Spiel zerstört indem es dem blöden Schiedsrichter eingeredet hat er möge doch unsere Mannschaft dezimieren damit auch die Anderen was zu lachen hätten. Eine vollkommen seltsame rote Karte für einen unserer Verteidiger hätte uns beinahe noch aus dem Konzept gebracht. Aber das Trainerchen im Priestergewand hat grossartig reagiert. Hat genial ausgewechselt und die Abwehr wieder stabilisiert. Das hätte nicht einmal ein José Mourinho so hinbekommen!!! Der könnte sich ruhig was von meinem Priestergewand abschneiden. Auch wenn das nur geborgt war.<br />Und um nicht vollständig abzuschweifen: wir haben das Spiel 1:0 gewonnen und die Welt dreht sich immer noch. <br />Zum Abschluss meiner Meisterschaftsberichterstattung noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache. Es geht ja immer nur um die eigenen Sachen.<br />Wir stellen die Meisterschaftsergebnisse (sobald wir sie vollständig haben – meisst erst Montagabend) ins Internet. Und zwar auf http://liberdadi.com/lmo/lmo.php Bei der Seite die da erscheint kann man sich sodann die zwei Gruppen die die Meisterschaft Santiago Norte ‚bilden’ anschauen. Wir spielen in der Gruppe ‚Centro Norte’ und heissen Varandinha.<br />Die Seite www.liberadi.com wird übrigens von Delta Cultura ‚betrieben’, befindet sich zwar noch im Aufbau, soll aber ehestmöglich zu einer ‚Internetplattform’ für Caboverdeaner und CV-Interessierte heranwachsen. Jenny und Fu arbeiten intensiv daran!<br /><br />So und damit endet dieser Bericht obwohl ich wieder einmal nur die Hälfte von dem erzählt habe was ich eigentlich erzählen wollte. Aber wenn ich jetzt nicht aufhöre zu erzählen dauert es noch ein Woche bis der Bericht ‚rausgeht’. Die nächsten Tage würde ich kaum dazukommen Weisheiten und Begebenheiten von mir zu lassen ...<br />So muss die Welt noch warten bis sie von unseren neuen Lehm-Ton-Aktivitäten, von unserer neuen ‚Schreinereizukunft’ und sonstigen spannenden Zentrumsereignissen erfährt. Aber der Februar ist ja bald aus und dann kommt Ende Juli der Bericht dazu??!!<br /><br />Liebe Grüsse an alle die es geschafft haben bis hierher zu lesen und lasst mir alle jene grüssen die bei der Hälfte aufgegeben haben!<br /><br />Das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-117131418820910649?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com2tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1167753013743135662006-12-31T14:47:00.000-01:002007-01-02T14:50:13.776-01:00Monatsbericht Dezember... und dann war angeblich 2007!? <br /><br />Delta Cultura hat sich im November und Dezember mindestens genauso bemüht wie all die 2006er Monate davor auch ... und das ist doch schon mal eine überaus ausgezeichnete Neuigkeit!<br />Wie schon so oft ist es uns auch in diesen Monaten gelungen Eines nach dem Anderen zu machen. Das Eine war auch schnell erledigt, das Andere hat sich etwas gesträubt. Wie das die Anderen halt so an sich haben! Die sind ja immer schuld! <br />Der Eine weiss Alles. Der Andere tut nur so!<br />Der Eine macht immer Alles richtig. Der Andere versaut es ihm!<br />Der Eine organisiert sich ein schönes Leben. Der Andere nimmt ihm die Frau weg!<br />Der Eine ist einfach durch und durch gut. Der Andere glaubt ihm das nicht!<br />Der Eine baut ein Kinder- und Jugendzentrum. Der Andere finanziert nur bis März 2007.<br /><br />... und ich bin immer der Eine ... mit dem Anderen hab ich nichts am Hut ... <br /><br />Anfang November haben wir Besuch von Sophia Hubert bekommen. Sophia ist unsere Projektbetreuerin beim ASB. Ihre Hauptaufgabe ist es das Projektleiterchen bei Laune zu halten. Und um das zu bewerkstelligen scheut sie keine Mühe. Auch die lange Reise von Köln nach Tarrafal nicht! <br />Eigentlich wollten wir sie garnicht mehr zurückreisen lassen. Ich habe ihr das Blaue vom Himmel versprochen, aber sie hat mir nicht geglaubt, dass ich das von ganz da oben herunterholen kann.<br />Und noch eigentlicher ist Sophia nach Tarrafal gekommen um sich einen Eindruck von dem Zentrum zu verschaffen. Die Ausgaben, die Einnahmen, die dazugehörigen Belege, Auszüge, An- Um- und Aufzüge kennt sie ja aus unserer intensiven Emailkommunikation und meinen vortrefflichen Monatsabrechnungen. Aber vollkommen zu Recht hatte Sophia den Eindruck das Kinder- und Jugendzentrum könnte mehr als nur das sein!!? Und um ganz genau herauszufinden was es denn jetzt wirklich ist, dazu ist sie nach Tarrafal gekommen.<br />Ihr Resümee: Kartoffelpüree!!!<br />Aber sicher nur deshalb weil sich das reimt. So könnte es auch heissen:<br />Ihre Bilanz: Freudentanz<br />Wobei dieser Bericht in keiner Weise zur Farce verkommen will. Daher an dieser Stelle Sophias Resümee: <br />Alles ist tatsächlich genau so wie ich es in den Monatsberichten immer erzähle!!!!? <br /><br />Sophia ist kein Mensch der grossen Worte. Obwohl sie alle Gaben dazu hätte! Im Grossen und Ganzen war sie tatsächlich zufrieden mit unserem Projekt. Kritikpunkte, Verbesserungsvorschläge, notwendige Ergänzungen hat es natürlich trotzdem gegeben. Gott sei Dank. Wo kämen wir denn da hin wenn Marisa und ‚chen’ ein perfektes Kinder- und Jugendzentrum in die Welt setzten??!!<br />Da ist zum Beispiel die Schneiderausbildung deren ‚Schwierigkeiten’ wir seit Anbeginn nicht in den Griff bekommen haben: ständiger Wechsel der Schneiderinnen und keine geeigneten Ausbilderinnen. <br />Eine Psychologin die mit Fleisch, Blut und Psyche bei der Sache ist haben wir bis heute nicht gefunden. <br />Gewisse Unannehmlichkeiten gibt es bei manchen alltäglichen Dingen die eigentlich problemlos funktionieren sollten. Putzen zum Beispiel. <br /><br />Aber ganz wirklich: Sophia war mit Delta Cultura und dem Zentrum sehr zufrieden. Sollte das gelogen sein wird sie sich auf unserer Internetseite diesbezüglich zu Wort melden!!? Stimmt’s Sophia?<br />Zur Untermauerung dieser Aussage ein kleiner Auszug aus einem ‚Empfehlungsschreiben’ das uns der ASB ausgestellt hat:<br />‚ ... Die Zusammenarbeit mit Delta Cultura funktionierte sehr gut. Der Zeitplan des Projektes konnte trotz unerwarteter Schwierigkeiten eingehalten werden. Auch die Abrechnungen kamen pünktlich und vollständig, waren transparent und seitens des ASB ohne Beanstandungen. DCCV hat stets flexibel auf jegliche Herausforderungen reagiert und selbst größere Probleme, vor allem auf Grund der Hartnäckigkeit der Projektleitung, letztlich lösen können ... ’<br /><br />... kurz nach Erhalt dieses Schreibens hat es das stolz geschwellte Brüstchen des hartnäckigen Projektleiterchens in tausend Stückchen zerfetzt ... eine riesige Sauerei ... womit wir wieder beim Putzen wären: kein Mensch ist bereit die Schweinereien die stolze Brüste auf dieser Welt verursachen aufzuräumen. Genau da will Delta Cultura ansetzen. ‚Delta Brust - Verein zur Öffnung und Säuberung von Stolzbrüsten’.<br /><br />Von einem weiteren Besuch im November will ich berichten. Kurt Wyler. Der liebe Mann hat uns – ohne das Projekt zu kennen – bei der Finanzierung der Dachsanierung geholfen. Im November ist er gekommen um sich dichte Dächer, das Drum herum und vor allem das ‚Darunter’ anzuschauen.<br />Sein Resümee: Käsefondue<br />Und es ist sicher nicht so, dass ich mir nicht manchmal Sorgen mache, dass die lieben Menschen die uns besuchen und uns helfen über meine ‚Beschreibungen’ böse werden. Aber bei Sophia und Kurt glaube ich nicht, dass dies der Fall sein wird. Sie kennen mich ja persönlich und sie haben mir extra noch gesagt, dass ich ruhig über Kartoffelpüree und Käsefondue philosophieren darf. <br />An dieser Stelle meinen herzlichsten Dank an Kurt. Er hat mir nämlich tatsächlich ein Käsefondue mitgebracht. Und wir haben es am Weihnachtsabend gegessen. ‚Wir’ das waren nicht nur meine Frau, meine Kinder und ich. Nein! Die ganze Nachbarschaft durfte sehen und kosten was die SchweizerInnen in ihrer Freizeit so machen.<br />Was ich aber eigentlich erzählen wollte war Kurts ‚Cabo Verde – Kinder- und Jugendzentrum – Resümee’. Kurz gesagt: es hat ihm so garnicht gefallen. Dazu sei gesagt, dass er ein grosser ‚Brasilienkenner’ ist und dort auch ein Projekt unterstützt. <br />Seine Kritikpunkte: der Müll überall, die frei herumlaufenden Schweine die das Dorfbild prägen (mit ‚Schweinen’ meine ich diese rosa Tiere), die Initiativenlosigkeit der Jugendlichen hier (oder der Menschen Cabo Verdes im allgemeinen??!!), etc.<br />Sein Gesamteindruck war einfach kein Guter. So hat er sich offensichtlich auch dazu entschlossen das Projekt nicht wie angekündigt weiterhin zu unterstützen. <br />Das ist ja auch sein gutes Recht. Noch viel mehr als er ja andere Projekte (eben in Brasilien) sehr wohl mit Rat und Tat zur Seite steht. Mit Gewissheit kann ich sagen: würden alle Menschen die dazu finanziell in der Lage sind in diesem Ausmass ‚verteilen’ wie Kurt das macht, dann gäbe es keine Armut mehr auf dieser Welt. Daher meine Ehrfurcht vor diesem Mann!<br />Sehr wesentlich für die Zukunft des Zentrums sind seine Kritikpunkte. Natürlich hat er recht, dass ein Grossteil der Jugendlichen hier nicht bereit sind Initiative zu ergreifen um sich ihren Lebensstandard im Land zu verbessern. Sie verwenden ihre Kraft fast ausschliesslich dazu um ins Ausland zu kommen. Mit Allem was eine gewisse Kontinuität braucht hat man hier mittlere bis gröbere Probleme.<br />Wie immer im Leben kann man auf diese ‚Problemstellung’ auf verschiedene Weise reagieren. <br />Man kann damit Nichts zu tun haben wollen. <br />Man kann die Entwicklung eines Medikaments finanzieren die allen Menschen die gleichen Werte und Lebensvorstellungen einimpft. <br />Man kann versuchen sämtlichen Jugendlichen ein monatliches Grundgehalt von 200.000 € zu finanzieren. <br />Man kann über die Sinnhaftigkeit und die Höhe diese Grundgehaltes philosophieren. <br />Man kann Regeln erfinden die all jene Jugendlichen ausschliesst die an eben dieser Initiativenlosigkeit leiden. <br />Man kann die Weltbank anrufen und fragen was sie davon halten. <br />Man kann die Jugend abschaffen.<br />Man kann sich fragen woher diese Initiativenlosigkeit kommt und dann ganz gescheite Massnahmen ergreifen.<br />Man kann die ‚Insel der Initiativenlosigkeit’ gründen und Alle dorthin verfrachten die keine Massnahmen ergreifen um das zu verhindern.<br />Man kann so tun als ob eh Alles in Butter wäre.<br />Man kann sich diese Butter kaufen, schmelzen und feststellen was denn da jetzt tatsächlich drin ist.<br />...<br /><br />Wozu ich - als alter Butterbrotfanatiker - tendiere dürfte auf der Hand liegen. Natürlich für die ‚gescheiten Massnahmen’.<br />Nur, was sind gescheite Massnahmen? Es stimmt nämlich: bilde ich hier in Cabo Verde einen Jugendlichen aus – so wie wir das ja jetzt seit mehr als einem Jahr machen – und drücke ihm dann ein Diplom in die Hand ... dann wird er aller Voraussicht nach schon bald wieder arbeitslos durch die Strassen streifen. Oder Autos waschen.<br />Wobei diese Problematik wohl nicht nur in Cabo Verde zutrifft.<br />Eine Massnahme – die Delta Cultura auch ergreifen wird – ist die Begleitung dieser ‚diplomierten Jugendlichen’ bis sie eine Arbeitsplatz haben oder einen eigenen Betrieb gegründet haben. Dabei kann man ihnen ja helfen (Mikrokredit beantragen, etc.).<br />Trotzdem: Initiativenlosigkeit, den Glauben, dass man mit einer gewissen Kontinuität auch in Cabo Verde was erreichen kann und nicht zwingend ins Ausland muss um seine Lebensqualität zu verbessern, diesen Glauben kann man nicht so von heute auf morgen in die Menschen hier ‚einpflanzen’. <br />Ein sehr komplexes Thema. Offensichtlich ist die Haltung von Delta Cultura diesbezüglich: einfach zu sagen die Probleme dieses Landes wird Delta Cultura sowieso nicht lösen können, den Arbeitsmarkt werden wir hier nicht revolutionieren ... also diese Resümees zu ziehen um dann zu sagen wir machen lieber gar nichts weil es eh nichts hilft und die Jugendlichen hier so faul sind, das wäre uns zu billig.<br />Worüber wir uns aber vollkommen im Klaren sind: zu einer Bewusstseinsveränderung der jungen Menschen können wir sehr wohl etwas beitragen. Die Früchte dieser Arbeit werden wir aber nur zu einem sehr geringen Teil gleich heute ernten ...<br /><br />Jetzt erzähle ich aber erst mal noch vom November/Dezember und der unglaublichen Entwicklung der Fussballschule und des Fussballverbandes ‚Santiago Nord’ in diesen Monaten.<br />Der besagte Fussballverband war ja die vergangenen Jahre praktisch nicht existent und wir konnten daher nicht beitreten, hatten also keine Berechtigung Meisterschaft zu spielen, etc. Altbekannte Probleme.<br />Seit September 06 des Jahres ist langsam aber stetig Bewegung in den Regionalverband gekommen. Es hat einige Sitzungen gegeben an denen auch das Projektleiterchen teilgenommen hat. Wie immer an derartigen Versammlungen habe ich mein unglaubliches Fussballwissen, mein überdurchschnittliches Organisationstalent, mein herausragendes Kraftpotenzial eingebracht und die ganze Sache einer phantastischen Lösung zugeführt.<br />Es war wirklich ausschliesslich meiner Intervention zu verdanken, dass wir heute wieder einen Regionalverband haben, dass unsere Fussballschule nicht nur offiziell sondern sogar offizialisitisiert ist und wir an der im Jänner startenden regionalen Meisterschaft teilnehmen können.<br />... so zumindest stelle ich das in diesem Monatsbericht dar. Dass ich in Wirklichkeit zwar an diesen Sitzungen teilgenommen habe, mich auch zu Wort gemeldet habe, im Endeffekt aber nicht viel beigetragen habe, das brauchen all jene Menschen die sich weit weit weg von Cabo Verde befinden ja nicht zu wissen. Hauptsache ich stehe wieder einmal als Held da und kann mein Hochstaplerjahr 2006 beruhigt abschliessen! <br />Es gab also einige Sitzungen sämtlicher Fussballpräsidenten des Regionalverbandes Nord. Das sind deren 18! Davon 5 aus der Gemeinde Tarrafal. Ich selbst gehöre wie gesagt nicht dazu weil wir ja nicht dem Verband angehören. <br />Nach zahlreichen Streitereien unter diesen Präsidenten bei diversen Versammlungen, Gegenversammlungen, Vorsprachen beim Präsidenten der nationalen Fussballverbandes, kam es Anfang Dezember zur Neuwahl des Vorstandes des besagten Regionalverbandes.<br />Und ich finde es saublöd, dass ich in meiner Beschreibung dauernd ‚nationaler Fussballverband’ und ‚Regionalverband Nord’ schreiben muss, weil das so verflucht lange Worte sind.<br />Bei dieser Wahl gab es zwei Kandidatenlisten. Eine aus Santa Cruz und eine aus Tarrafal. Anfangs habe ich mich noch für die Liste aus Tarrafal ‚stark gemacht’. Aber bald schon bin ich dem Hasen begegnet, bin ihm nachgeschlichen und habe gemerkt wie er läuft ... <br />Am Abend vor dieser besagten Wahl haben sich die 5 Präsidenten der Fussballclubs aus Tarrafal getroffen. Aufgewertet wurde diese Versammlung durch meine Anwesenheit.<br />Die Vereinsstatuten des ‚Regionalverbandes Nord’ verlangen nach genau 32 ‚Funktionären’. Präsident, Vizepräsident, Präsident der Generalversammlung, Finanzchef, Ober- Mittel- und Unterschiedsrichter, Leiter des Strafsenats ... vollkommen absurde Angelegenheit und ich habe mich lange gefragt wer diese ‚unrealistischen’ Statuten verfasst hat. Ein Experte der bei der Gründung dieses Regionalverbandes dabei war konnte es mir erklären: es wurden einfach die Statuten eines portugiesischen Regionalverbandes Eins zu Eins übernommen. Das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass sich heute noch die verschiedensten Menschen damit brüsten, sie alleine hätten diese Statuten verfasst und damit die Gründung des Verbandes ermöglicht.<br />Diese Sitzung am Tag vor der Wahl war für mich sehr lehrreich. In verschiedenster Hinsicht. Ich möchte die Lehren die ich gezogen habe auch garnicht genauer auflisten sondern einfach schildern was an diesem denkwürdigen Abend vor sich gegangen ist.<br />Zunächst ist man in trauter Runde gesessen. Der Mensch der als Präsident kandidiert hat war nicht anwesend. Er war auf ‚Wahlkampf’ auf der Insel unterwegs. Es galt die ‚Kandidatenliste Tarrafal’ zu erstellen. Also wurden einfach Namen von irgendwelchen Tarrafalianern genannt die geeignet schienen die diversen Funktionen im Verband wahrzunehmen. Dass diese Menschen keine Ahnung davon hatten auf dieser Liste aufzuscheinen war offensichtlich vollkommen egal. Hauptsache die Liste war voller Namen. Mein Vorschlag, man könnte doch dann einfach irgendwelche fiktiven Namen einsetzen wurde einstimmig abgelehnt.<br />Mitten in diese Listenauffüllung kam die Idee man könnte zum Bürgermeister gehen, der gleich um die Ecke wohnt und ein guter Freund eines der Fussballpräsidenten ist. Mir war zunächst nicht klar was der liebe Bürgermeister, einen Tag vor der Wahl für uns hätte tun können, aber ich war nicht abgeneigt endlich einmal seine Privatgemächer kennen zu lernen.<br />Tatsächlich hat uns der gute Mann sogleich empfangen. In seinem Speisesaal, in dem für 2 Personen gedeckt war. Ich habe mich natürlich herzlichst bedankt, mich sogleich an den ‚zweiten’ Platz gesetzt und der Bedienung bekanntgegeben sie könne jetzt servieren. Die anwesenden Fussballpräsidenten haben dauernd wie verrückt gestikuliert und wollten mir irgendwas deuten, aber ich habe deren Gefuchtel einfach ignoriert und mit Erstaunen gehört was der Bürgermeister zu der Fussballverbandswahl am kommenden Tag zu sagen hatte.<br />Sollte die ‚Liste Tarrafal’ gewinnen verspreche er, der Bürgermeister von Tarrafal’ jedem Team des Verbandes eine Spende von 50.000 Escudos. Während ich dem Bürgermeister seine Hauptspeise verschlungen habe, habe ich gerechnet: 18 Vereine, jeder 50.000. Das macht 900.000. Umgerechnet 8000 € ... und mir hat er in einer Sitzung ein paar Tage vorher noch erzählt er könne dem ‚Kinder- und Jugendzentrum’ nicht mehr als umgerechnet 18.000 € pro Jahr geben.<br />Naja, ich als alter Fussballfanatiker kann seiner Budgetverwaltung sehr gut folgen??!! Besser in Fussballvereine investieren die mindestens einen Monat pro Jahr trainieren als in so blöde Zentren die sich das ganze Jahr hindurch Ausbildung, Sport und Kultur auf einmal widmen.<br />Leider war unsere Audienz beendet bevor ich die Nachspeise bekommen hatte. Ausserdem war es mir plötzlich zu blöd an dieser Versammlung teilzunehmen. Während die Fussballpräsidenten weiter an ihrer Liste gearbeitet haben bin ich nach Hause um mit meinen Töchtern zu spielen.<br />Der grossen Wahl am nächsten Tag habe ich als Beobachter beigewohnt. Die Liste aus Santa Cruz hat gewonnen. Obwohl sie keine 50.000 für jeden Verein versprechen konnte.<br />Und das war gut so. Der Präsident der anderen Liste erscheint mir etwas seriöser als der aus Tarrafal. Obwohl ich mit diesem lieben Mann ein paar Wochen vor der Wahl einen heftigen Streit bezüglich der Anmeldung unserer Fussballschule hatte. Er hat mir damals garantiert, dass wir dieses Jahr nicht an der Meisterschaft teilnehmen können.<br />Nach seiner Wahl zum neuen Präsidenten des Regionalverbandes war mir klar, dass es nun tatsächlich schlecht bestellt war um unsere Meisterschaftsteilnahme. Also habe ich einen ‚Schritt gewagt’ den ich bisher aus verschiedenen Gründen nicht gewählt habe. Wir haben schlicht und einfach mit einem bestehenden Fussballverein aus Tarrafal fusioniert. ‚Varandinha’ heisst der Club. Und so heissen wir jetzt auch. Und damit ist dieses leidige Thema der Anmeldung endlich erledigt.<br />Es gilt jetzt nur die Strukturen dieses Fussballvereins zu ‚verbessern’. Aber darüber erzähle ich ein andermal mehr.<br /><br />Und wie immer habe ich jetzt erst einen kleinen Bruchteil von dem erzählt was im November und Dezember so alles passiert ist, der Bericht umfasst aber schon wieder so viele Seiten, dass ich befürchten muss dass kein Mensch soweit liest ... <br />Also genug mit Monatsbericht. Es fehlt nur noch:<br /><br /><br />Ein kleiner Jahresrückblick<br /><br />Ein erstes Jahr Betrieb des ‚Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal’ liegt hinter uns!<br />Dank tatkräftiger Hilfe vieler, vieler lieber Menschen und Dank einer gut funktionierenden Kooperation mit dem ASB konnten wir den Betrieb so wie im Förderungsansuchen an das BMZ beschrieben durchführen: Ausbildungen im Schreiner- und Schneiderbereich, sowie Informatik- und Sprachkurse, diverse Workshops und Veranstaltungen (Berufsberatung, AIDS- und Drogenaufklärung, etc.). <br /><br />Darüber hinaus hat die Fussballschule ihr viertes Jahr Bestehen gefeiert. Der Trainingsbetrieb konnte sowohl was Qualität als auch was Quantität der Trainingseinheiten betrifft gesteigert werden. Einzig die Mädchenmannschaft hat weiterhin ihre Schwierigkeiten mit dem regelmässigen Training ...<br /><br />Die Batucogruppe hat ihren Bekanntheitsgrad beträchtlich erhöht und trägt einen Grossteil zu dem guten Ruf von ‚Delta Cultura’ bei. <br /><br />Das Lehmbau-Terracotta-Projekt hat 2006 einen Gasofen bekommen. Neben Fliesenproduktion haben wir angefangen weitere Tongegenstände herzustellen.<br /><br />Ein durchaus erfolgreiches Jahr also.<br />Trotzdem bin letztens mit Marisa zusammengesessen und habe aus einem mich plötzlich überfallenden Gefühl heraus gesagt: ‚2006 war kein so tolles Jahr, aber 2007 wird bestimmt besser’. <br />Und was soll das heissen?<br />Dass wir 2007 noch viel mehr professionelle Ausbildungen anbieten werden?<br />Dass wir nicht nur Aufklärung über AIDS und Drogen betreiben werden, sondern die Beiden im Kollektiv aus der Welt schaffen?<br />Dass wir weitere 150 Buben und Mädchen in die Fussballschule aufnehmen und Alle zu ProfispielerInnen ausbilden?<br />Dass die Batucogruppe eine CD aufnehmen wird, die nach einem Monat am Markt zur erfolgreichsten je produzierten Musikaufnahme wird?<br /><br />... ob es Zufall ist, dass ich gerade Pink Floyd höre und die von einem ‚lunatic in my head’ singen? ...<br /><br />Aber die eigentliche Frage bleibt: wie kann 2007 dieses für das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ überaus erfolgreiche Jahr 2006 noch topen? Auf den ersten Blick erscheint dies kaum möglich. Enden im März doch die ‚fetten BMZ-Jahre’ und die Millionen fliesen nicht mehr. <br />Eine Tatsache die vielen ‚Zentrumsfreunden’ Sorge macht und vielleicht ein paar wenigen Zentrumsneidern Hoffnung?! Mir selbst – obwohl ich nicht zu denen gehöre die Delta Cultura den Erfolg neiden – macht das Ende der BMZ-Förderung in verschiedenster Weise Hoffnung und schenkt mir die Freude und Kraft für das Projekt wieder.<br />Nicht, dass ich diese Freude im Jahre 2006 restlos verloren habe, aber allzu oft war ich von den Alltagssorgen vernebelt und überfordert wodurch ich mich nicht auf das konzentrieren konnte was mir eigentlich am Herzen liegt. <br />Weil wenn man sich die Kinder und Jugendlichen Tarrafals, die politische Situation Cabo Verdes, die Art und Weise wie Regierung, Gemeinde, verschiedenste Hilfsorganisationen, etc. arbeiten genauer anschaut, wenn man sich die Weltwirtschaftslage (was für ein gewaltiges Wort) auch nur ein ganz klein wenig vergegenwärtigt, dann muss man zu dem Schluss kommen, dass professionelle Ausbildungen, semi- oder vollprofessionelle Fussballschulen etc. zwar schön und gut, aber doch nicht mehr sind als ‚bisschen Dreck putzen’. Dreck der trotz vieler engagierter Menschen und Solchen die sich dafür halten (dazu zähle ich mich selbst), immer mehr wird.<br />Das mag jetzt sehr pessimistisch oder negativ oder was auch immer klingen. Ist es aber nicht. Aus einem einfachen wunderschönen Grund: sobald es nämlich gelingt den Blick von der alltäglichen Dreckbeseitigung, vom eigenen Psychoquatsch, vom angehäuften Fachwissen zu erheben, erblickt man den verfluchten Drachen der den Dreck produziert. Und erst wenn man den erkennt kann man sich Massnahmen überlegen wie ihm beizukommen ist.<br />Immer noch bin ich der absoluten Überzeugung, dass es die Dilettanten sein werden die wirklich Neues in die Welt bringen. Oder um bei dem Bild des Drachens zu bleiben: die Dilettanten werden den Drachen erlegen. Die Spezialisten werden mit offenem Mund dastehen, der eine oder andere wird sich in den Hintern beissen, die Wenigen die den Drachen zur Selbstbereicherung genutzt haben werden versuchen sich zu wehren, die Tierschützer werden auf die Barrikaden steigen, aber niemand wird den Erstickungstod ‚ihres’ Drachens verhindern können.<br />Und das Alles soll 2007 passieren?<br />Naja, wie gesagt, bis März sind wir ja noch durch BMZ-Gelder ‚gebunden’ ... könnte also passieren, dass die Dilettanten bis Mitte 2008 brauchen ... <br />Aber was ich damit wirklich sagen will: Afrika und damit auch Cabo Verde hat so gesehen viel mehr Potenzial Neues in die Welt zu bringen als das ‚vertechnisierte, spezialisierte Europa’. Afrika gehört zu den ‚Kontinenten der Hoffnung’. Nix mit ‚Afrika der verlorene Kontinent’. Aus dem Blickwinkel des Drachens ist er verloren. Aus dem Blickwinkel der Drachentöter ist er Hoffnungsträger. <br />Das bisschen verdammt blöde an der Sache: der absolute Grossteil der Menschen Afrikas glaubt der ‚Drachentheorie’ mit der ‚Verlorenheit’ und ist daher ausschliesslich damit beschäftigt Richtung ‚westlicher Welt’ zu entkommen. Die Regierungen versuchen im Konzert der Grossen mitzuspielen, lassen sich von Weltbank, Währungsfonds und wie sie alle heissen, Strukturanpassungen (sprich Privatisierungen) einreden die im Endeffekt die Armut vergrössern. Das kann dann natürlich schnell einmal ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Initiativenlosigkeit verursachen ... und das ist ganz bestimmt kein Nährboden um Neues entstehen zu lassen. <br />Mein grösstes und eigentlich einziges Ziel ist es daher, beizutragen diesen Nährboden zu schaffen. Professionelle Ausbildungen, Berufsberatungen, Fussballschulen, Terracottaböden, etc. sind diesem Nährboden sicherlich nicht schädlich, aber sie alleine liefern kaum Nährstoffe. Da glaube ich zum Beispiel vielmehr daran, dass alleine die Tatsache dass Marisa und ich ein derartiges Zentrum errichtet haben Nährstoff liefern kann. Weil in der Realität des Drachens hätte uns das niemals gelingen dürfen. Und in der Realität des Drachens muss es spätestens ab März 2007 bergabgehen mit dem ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’.<br />Das wird es aber nicht, weil der Keim den wir mit Hilfe von BMZ und ASB gesetzt haben schon verwurzelt ist und ausgetrieben hat. <br /><br />Schön gesagt? Oder findet jemand das ist alles nur Geschwafel? Vorallem das mit den Dilettanten?!<br />Zu denen ich will noch was sagen. Und zwar was dilettantisches. Nämlich: ich meine ‚Dilettant’ nicht als ‚Stümper’ sondern als ‚ambitionierten Laien’. Ein Dilettant hat andere Motivationen, andere Weisen an etwas heranzugehen. Läuft nicht Gefahr betriebsblind zu sein. Er läuft allerdings Gefahr es zu werden. So wie ich. Als Dilettant bin ich in die sogenannte ‚Entwicklungszusammenarbeit’ gegangen. Nach diesen ersten Jahren (vor allem nach dem sehr intensiven Jahr 2006) laufe ich ständig Gefahr mich als Profi in diesem Bereich zu sehen. Schliesslich kann ich ja schon ganz stolz auf Einiges verweisen was ich in diesem Bereich erreicht habe. Es wäre allerdings das Schlimmste was mir wiederfahren könnte, sollte ich tatsächlich zum Experten werden. Ich will und werde weiterhin das ‚Projektleiterchen’ bleiben.<br /><br />Anderes Beispiel: man erzähle einem Wirtschaftsstudenten, der Neoliberalismus der heutzutage von unserer lieben Supermacht, von den transkontinentalen Konzernen und deren Helfern Weltbank, Währungsfonds und Welthandelsorganisation gepredigt und betrieben wird, sei der Verursacher der immer weiter steigenden Verarmung eines Grossteils der Weltbevölkerung ... der Wirtschaftsstudent wird darauf wahrscheinlich sagen: „na ja schon. ABER ... „ Und dann kommen sie, die fachmännischen Ausführungen.<br />Was aber wird ein Dilettant auf dem Gebiet der Weltwirtschaft darauf sagen? Zum Beispiel die Mutter deren Kind gerade in ihren Armen verhungert ist?<br /><br />Und damit ist aus meinem Jahresrückblick ein philosophischer Ausguss geworden der unter Umständen mehr Verwirrung stiften wird als sonst was. Aber vielleicht sind dilettantische Rückblicke ja ausschliesslich dafür da?!<br />Auch ist es so, dass all diese Ausführungen notwendig waren um meine Wünsche für das ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ für das Jahr 2007 halbwegs verständlich formulieren zu können:<br />Neben den diversen geplanten Ausbildungen, neben der inzwischen schon festen Institution Fussballschule, wünsche ich mir mehr künstlerische Aktivitäten auch in Verbindung mit diesen Ausbildungen. Immer noch glaube ich, dass auch ein Schreiner von einem gestalterischen Malworkshop profitieren kann ... ein Fussballer von einer Tanzausbildung ... <br /><br />Vollkommen gefehlt hat bisher auch der internationale Austausch. Auf welchem Gebiet auch immer.<br /><br />Besonders intensiv wünsche ich mir ‚Aufklärungsveranstaltungen’ die Wissen und Zusammenhänge vermitteln die auch ein Dilettant verstehen muss um sich an der Drachentötung sinnvoll beteiligen zu können.<br /><br />Ich wünsche mir geniale Strategien die zu dem Wandel des ‚verlorenen Afrikas’ zum ‚Hoffnungsträger Afrika’ beitragen werden.<br /><br />Ich wünsche mir für die Jugendlichen die im März ihre Ausbildung im Zentrum abschliessen, die Kraft, den Willen und die Hilfe die sie auf ihrem Weg in die Selbständigkeit brauchen. Ich wünsche mir, dass ‚Delta Cultura’ in der Lage sein wird ihnen dabei weiterzuhelfen.<br /><br />Und mein letzter Wunsch in diesem Monatsbericht-Jahresrückblick:<br />Allen Lesern ein gesundes und gesegnetes Jahr 2007!!!!<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-116775301374313566?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1163593830280718242006-10-31T11:28:00.000-01:002006-11-17T14:02:15.026-01:00Monatsbericht Oktober 2006Wie allgemein bekannt gibt es gute Monate, schlechte Monate und die diversen Mischformen. Der Oktober bei uns in Tarrafal hat sich allerdings an diese Einteilung so garnicht halten wollen. Er hat neue ‚Monatsmassstäbe’ gesetzt! Er hat sich zu einem ‚unglaublich phantastischen’ Monat aufgeschaukelt ... also wirklich schade, dass er schon vorbei ist. Möge sich der November und der Dezember ein Beispiel an diesem Oktober nehmen ... und das Jahr 2007 auch! Und 2008 sowieso! Genauso 2009 ... weil dann hätten wir bis 2010 ganz Cabo Verde in ein riesiges harmonisches Kinder- und Jugendzentrum verwandelt ... wenn wir das überhaupt wollen??!!<br />Auf alle Fälle hat sich der blöde, gute, alte Spruch: ‚nach Regen folgt Sonnenschein’ für unser ‚Kinder- und Jugendzentrum’ wieder einmal als vollkommen blöd, gut, alt und richtig erwiesen. Unseren finanziellen Engpass habe ich im vergangenen Monatsbericht ja erwähnt und erklärt ... meine dazupassende Stimmung auch ein bisschen. Möchte dazu aber noch einen Satz loswerden: zwar begleitet mich, was das Kinder- und Jugendzentrum betrifft, seit jeher eine sehr starke Zuversicht, aber sogar mir, dem Finanzgeniechen, dem Weltmeistertrainerchen, dem Durch-und-durch-Gereiftem, wird es manchmal zuviel. Das äussert sich in miesen Monatsberichten, kraft- und zeitbedingter Vernachlässigung des Alltagbetriebes und ganz manchmal in eiligst einberufenen Mitarbeiterversammlungen, in denen ich dann alle an meinem Wahnsinn teilhaben lasse?!<br />Aber dann folgt, Dank allen Geistern, Göttern, Engeln und was sich da sonst noch so herumtreibt, ja doch immer wieder der Sonnenschein! Und von diesem Licht soll der folgende Bericht handeln!<br /><br />Die grösste Erhellung unserer Gemüter und Perspektiven verdanken wir Ingrid und Christian Reder. Den Gründern und ‚Köpfen’ der Plattform ‚transferprojekte-rd’ (www.transferprojekte-rd.org).<br />Mit einer grosszügigsten ‚Finanzspritze’ haben sie ‚Delta Cultura’ aus dem ‚Finanzloch’ geholt in das wir durch die ‚saublöde – grossartig bewältigte – Dachsanierung’ geworfen worden sind. <br />Von vielen Seiten wurde mir in den letzten Monaten immer wieder nahegelegt die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich der Zukunft zu widmen. Ein Ratschlag den ich durchaus ernst genommen habe. Ich habe mich auch redlich darum bemüht. Muss aber gestehen, dass es mir selten gelungen ist. Zu stark war der ‚Finanzdruck’. Schliesslich habe ich ja gewusst, dass Ende Oktober zwar nicht Schluss mit lustig aber Schluss mit Geld sein wird. Bis dahin hat der Anteil des Deutschen Ministeriums für 2006 gereicht. Sodann war der Eigenanteil den Delta Cultura in das Projekt einbringen muss fällig. <br />Man kann die Geschichte drehen und wenden wie man will, am Ende bleibt die Erkenntnis: Schuld an dieser ‚Misere’ waren schlicht und einfach die undichten Dächer des Zentrums. Und die Ursache für die undichten Dächer waren Ereignisse die allesamt in der Vergangenheit stattgefunden haben. Daher also meine Schwierigkeiten mit ‚Vergangenheit sein lassen und der Zukunft widmen’.<br />Bevor ich aber wieder einmal ganz abschweife, möchte ich an dieser Stelle noch etwas zu unserem Partner, ‚transferprojekte-rd’, der uns jetzt ja doch schon einige Jahre begleitet, sagen. Zuallererst natürlich unseren allerherzlichsten Dank für die geleistete Unterstützung. <br />Dann aber noch etwas, was mir genauso am Herzen liegt. Ich bin ehrlich stolz – und alle die mich kennen wissen, dass ich das nicht so schnell einmal bin – dass es gerade Ingrid und Christian Reder sind die uns unterstützen. <br />Um diese auf den ersten Blick etwas komische wirkende Aussage zu erklären ein ‚Auszug’ aus deren Internetseite:<br />„Die 2001 von Ingrid und Christian Reder gegründete Plattform transferprojekte-rd.org bringt Mittel für Forschungsvorhaben und Interventionen auf, um sozialpolitisch und kulturell relevante Initiativen zu ermöglichen (rd steht für research & development).“<br />Ich kenne Ingrid und Christian Reder seit meiner Kindheit. Christian hat viele Jahre mit meinem Vater zusammengearbeitet. Und die Beiden waren für mich immer Menschen die ich bewundert habe, die mir Respekt eingeflösst haben. Als Kind war mir wohl nicht klar warum. Heute weiss ich, dass sie Menschen sind die in einer anderen ‚Liga’ denken und leben. Intellektuell bewegen sie sich in Höhen die ich wohl nie erklimmen werde! Und daher bin ich ehrlich stolz, dass wir sie als Partner des ‚Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal’ bezeichnen dürfen! Und es ist mein grosser Wunsch, dass sich unsere Zusammenarbeit in Zukunft intensivieren wird. Schon alleine die Tatsache, dass Christian Reder Professor an der ‚Angewandten’ in Wien ist zeigt die diesbezüglichen Möglichkeiten!<br /><br />Und weil wir gerade bei den ‚Möglichkeiten’ sind, gleich weiter in den ‚Oktoberphantasien’. Ich habe in diesen Berichten schon öfters einen Herren Namens Arnaldo Andrade erwähnt ... und dann gibt es noch ein paar weitere Persönlichkeiten in Cabo Verde die unsere Arbeit schätzen und immer bestrebt sind uns zu helfen. Diesen Menschen haben wir zu verdanken, dass eines schönen Tages eine sehr nette Dame von der UNESCO im Zentrum erschienen ist. Gemeinsam mit der Chefredakteurin einer caboverdeanischen Wochenzeitung. Und sie hatte von ganz unglaublichen Dingen zu berichten: auf einem Schiff das sich gerade durch den Atlantik kämpf befindet sich eine verflucht komplette Ausstattung für eine Radiostation. Gleichzeitig warten irgendwo im Senegal Radiotechniker ganz gierig darauf hierher zu kommen um diese Anlage zu installieren. <br />Das ist ja an sich schon eine grossartige Geschichte. Aber sie wird noch verdammt viel grossartiger ... weil diese Radiostation nämlich in Tarrafal installiert werden soll. Und Delta Cultura soll sich darum kümmern, dass über diese Radiostation die ‚gewaltlose Revolution’ ausgerufen wird: Abschaffung des Zinswesens, Geldhortungsverbot, Ausstattung einer paradiesischen Insel für Büshe und sonstige Verwachsungen ... aber hoppla, das war’s ja garnicht was ich sagen wollte ... <br />Worum sich Delta Cultura tatsächlich kümmern soll: Programmierung des Radiosenders, Organisation von Veranstaltungen zur Förderung von Kunsthandwerk, Musik, etc. Diese Radiostation soll Teil eines Multimediacenters werden und ‚dem Volk eine Stimme geben’. Das ist die Idee der UNESCO die weltweit bereits viele derartiger Radiostationen ausgestattet hat. Die in Tarrafal ist die erste in Cabo Verde und gilt als Pilotprojekt für dieses Land. Wenn sich die Projektleitung und Delta Cultura ordentlich ins Zeug legen und gute Arbeit machen sollen weitere auf anderen Inseln folgen. <br />Ist also eine schöne Sache!! Wir sind gerade dabei die verschiedenen Aufgabenbereiche zu definieren, Gruppenleiter und Mitarbeiter zu ‚installieren’ und dann bekommen diese Gruppenleiter eine entsprechende Ausbildung. <br />Delta Cultura ist nicht mit der Projektleitung beauftragt sondern ist sozusagen durchführender Projektpartner. Und die eigentlichen ‚Macher’ der Radiostation sind die Jugendlichen Tarrafals. <br />Eine für uns sehr gelungene Konstellation weil wir uns nicht um Finanzierung und so kümmern müssen. Wir sollen allerdings darauf schauen, dass sich die Radiostation möglichst schnelle ‚selbst erhält’. Werbeeinnahmen und so! Die Jugendlichen die sich darum kümmern sollen, werden von der Projektleitung ausgebildet ... <br />Soviel also zur Radiostationen!<br /><br />Und als wäre all das nicht schon genug des Guten hat uns der Oktober auch noch Anna, Sandra, Kris und Daniel geschickt. An sich ja nichts wahnsinnig besonderes. Es waren sicher schon unzählige Annas, Sandras, Krises und Daniels in Tarrafal ... aber ganz sicher keine Anna, keine Sandra, keine Kris, kein Daniel die nach Tarrafal gekommen sind um das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ zu photografieren und zu filmen. Über 1000 Photos und mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen sind in den 3 Wochen ihres Besuches entstanden!!! <br />Mit diesem für Delta Cultura unbezahlbar wertvollem Material haben sich die Vier zurück nach Wien begeben. Sie studieren dort auf ‚der Graphischen’. Aus dem ‚gesammelten’ Material werden sie ihre Diplomarbeit machen. Aber nicht nur das!!!! Es wird Ausstellungen geben, Postkarten, Kalender, neue photographische Gestaltung unserer Internetseite, kurze Videoclips der Fussballschule, der Batucogruppe, der Ausbildungen, eine halbstündige Dokumentation über Delta Cultura und das Zentrum, eine Präsentations- CD ... wirkliche geniale Möglichkeiten eröffnen sich! Das wird zwar alles noch eine zeitlang dauern, schliesslich müssen Anna, Sandra, Kris und Daniel nebenbei (?) ja auch noch ihre Ausbildung abschliessen, aber nach und nach werden sie das Material fertig stellen und uns zur Verfügung stellen.<br />Wir alle von Delta Cultura freuen uns schon ganz höllisch darauf und möchten uns herzlichst bei den Vier bedanken. Weil: leicht war dieses Unternehmen ‚3 Wochen Tarrafal’ für die Studenten wirklich nicht. Finanzierungen gab es von Seiten Delta Culturas überhaupt keine (einzig eine Wohnmöglichkeit haben wir ihnen zur Verfügung stellen können), die Graphische in Wien war zunächst nicht wirklich damit einverstanden dass die Vier 3 Wochen ihrer Schulzeit in Tarrafal verbringen ... das Alles hat sie nicht abhalten können! Einmal ‚in den Kopf gesetzt’, konnte sie nichts mehr abhalten. <br />Und vonwegen Finanzierung: aufmerksamen Lesern ist es ja bekannt, dass Delta Cultura diesbezüglich ein bisschen ‚am Rudern’ war. Anna, Sandra, Kris und Daniel haben sich also alles aus eigener Tasche bezahlen müssen! Da auch die Vier zu der Gattung Mensch gehören die keinen Esel besitzen der Geld ‚herausverdaut’, war das Alles ein finanzielles Gehänge und Gewürge und bis zuletzt unsicher ob sie überhaupt kommen können!<br />Delta Cultura ist also nicht nur zu Dank verpflichtet sondern fühlt sich auch dafür verantwortlich, dass den Vieren ihre Mühen belohnt werden. <br />Was wir jetzt schon machen können ist Werbung für die 4 Künstler. Also wer Photos braucht, Videos oder sonstige graphische Arbeiten der soll sich doch an sie wenden!<br />Anna Leitenstorfer: alei1@gmx.at<br />Sandra Fockenberger: hat eine Internetseite: www.schnut.at<br />Kristina Rohacek: escapardia85@gmx.at<br />Daniel Drexler: da habe ich leider keinen Kontakt, er ist aber über eine der anderen Kontakte erreichbar. Und im Übrigen ein grosser Informatikspezialist! Er hat uns hier einige kaputte Computer repariert, hilfreiche Programme installiert, etc. <br /><br />So also war der Oktober von lauter guten ‚Entwicklungen’ geprägt! Etwas aus der Reihe getanzt ist eigentlich nur unsere Kooperation mit dem Schweizer Verein bd-sport-active. Aber nur auf den ersten Blick ‚aus der Reihe getanzt’. <br />Aus mir bis heute unverständlichen Gründen hat der Vereinsverantwortliche Beat nach seinem Besuch in Tarrafal einen Bericht auf der Internetseite seines Vereines veröffentlicht der ganz seltsame Passagen aufweist:<br />"<span style="font-style:italic;">Mehr oder weniger vollkommen ins Stocken resp. zum Erliegen gekommen ist aber leider der Fussballbetrieb. Während unseres gesamten Aufenthaltes konnten wir nicht einer einzigen Trainingslektion beiwohnen.</span>"<br /><br />Beat war 2005 und Anfang 2006 monatelang hier in Tarrafal. Und er wird sich daher sicher noch erinnern können, dass der Grossteil der Trainingseinheiten morgens von 7:00 bis 10:00 stattfinden. Aber auch nachmittags ab 16:30! <br />Ich kann es daher nicht nachvollziehen warum er ‚während seines gesamten Aufenthaltes’ genau 4 mal ins Zentrum gekommen ist und zwar immer Mittags. Oder Samstags wenn kein Betrieb ist ... <br />Ich persönlich mache mir nicht wahnsinnig viele Gedanken zu seinem Verhalten. Er kann Tarrafal und das Zentrum besuchen wann er will, angemeldet oder unangemeldet, aber ich finde es unseren Trainern gegenüber unfair wenn er behauptet das Training sei zum Erliegen gekommen. Die guten Männer stehen seit 4 Jahren fast täglich um 06:00 in der Früh auf um Kinder und Jugendliche zu trainieren!!! Und dann kommt der gute Beat, ist morgens wenn unsere Trainer ihre Trainingseinheiten bereits abgeschlossen haben wahrscheinlich gerade dabei auf der Sonnenterrasse des Hotels zu frühstücken und verblödet sich dann nicht zu behaupten das Training sei zum erliegen gekommen???!!!<br />Auch erwähnt Beat in seinem Bericht ein Fussballturnier das die Gemeinde Tarrafal organisiert hat. Dass wir daran teilgenommen haben verschweigt er aber!? Dabei hat er unserem Spiel persönlich beigewohnt!?<br />Langer Rede, kurzer Sinn: Beat sein Verhalten ist ganz eindeutig von persönlichen Entwicklungen und Umständen geprägt. Ganz offensichtlich geht es ihm nicht um die Fussballschule oder das Zentrum!<br />Wir haben ihm daher den Gefallen getan und die Kooperation für beendet erklärt! Ich glaube wirklich, dass er sich jetzt befreit fühlt! Er kann ruhigen Gewissens darauf hinweisen, dass wir es waren die die Zusammenarbeit beendet haben, er kann sein eigenes Projekt aufziehen, nach seinen Vorstellungen und braucht sich nicht mehr mit diesem wahnsinnigen Projektleiter herumzuschlagen, der sich standhaft weigert Profifussballer auszubilden!<br />Ich glaube wirklich, dass es für beide Seiten besser ist! Daher mein Eingangs erwähnter Satz ‚auf den ersten Blick aus der Reihe getanzt’.<br /><br />So, dieser Bericht ist jetzt schon arg verspätet ... es war soviel Besuch hier, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Und als dann ‚Ruhe’ eingekehrt ist bin ich krank geworden. Ein verfluchter Durchfall begleitet mich jetzt seit ein paar Tagen und raubt mir Kraft und Schreibvermögen! Ich beende diese Bericht daher und verspreche (wie so oft) einen pünktlichen bisschen ausführlicheren Novemberbericht.<br /><br />Allen, alles Gute,<br /><br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-116359383028071824?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1160431678769760012006-09-30T20:56:00.000-01:002006-10-10T08:56:23.130-01:00Monatsbericht September 2006Das Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal gibt es immer noch!!??<br />Ein dazugehöriges Projektleiterchen das Monatsberichte verfasst, auch!!??<br />... ist ja alles keine Selbstverständlichkeit ... in Zeiten wie diesen!!??<br />Oder ist nie etwas selbstverständlich, egal in welchen Zeiten?<br />Oder versteht sich sowieso Alles wenn, dann nur von selbst?<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/patriki-722486.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/patriki-718212.jpg" border="0" alt="" /></a>Ich hatte heute ein langes Gespräch mit Patriki. Seit es die Fussballschule gibt trainiert er bei uns. Seit ich Trainer der ‚Kampfmannschaft’ bin unter meinen Fittichen. Wobei ich keine innige Beziehung zu meinen Fittichen pflege. Ich weiss ja nicht einmal wo ich die hab?! Ich möchte es auch gar nicht wissen, vielleicht sind die Dinger ja grauslich?!Ich hatte also ein langes Gespräch mit Patriki, der vor 2 Jahren die Schule in Tarrafal abgeschlossen hat und dann hier geblieben ist um den ‚Werdegang’ des Zentrums und der Fussballschule zu verfolgen. Er hätte schon längst nach Portugal gehen können.Patriki ist jetzt 20 Jahre alt, ein talentierter Fussballer, einer der Wenigen die immer am Training teilnehmen und sich ordentlich reinhauen. Er hat schon während der Bauphase des Zentrums für uns gearbeitet, ist dann übergangslos Trainer der U17 geworden, hilft bei der Fliesenproduktion, unterstützt den Hauswart und ist ausserdem Vizepräsident von Delta Cultura. Für seine Arbeit bekommt er ein bescheidenes Gehalt. <br />In dem Gespräch ging es zunächst um die Zukunft der Fussballschule. Ich bin auf der Suche nach einem ‚Assistenten’ der sich auch um organisatorische Dinge der Fussballschule kümmert, der bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft, etc. Und Patriki wäre mein erster Kandidat dafür. Also wollte ich von ihm einfach wissen wie seine Zukunftspläne aussehen, ob ich in der Fussballschule auch weiterhin mit ihm rechnen könne oder nicht. Es wurde daraus ein sehr intensives Gespräch über ‚das Leben und die Zukunftsaussichten in Tarrafal’. Über Auswandern und Umziehen in die Hauptstadt Praia. All das gemischt mit allgemeinen Ansichten über ‚Entscheidungen treffen’, ‚Gottvertrauen’ und sonstige Lebensbereiche über die man sich hin und wieder den Kopf zerbricht.<br />Das Gespräch hat auf alle Fälle eine Zwickmühle zu Tage gebracht. Eine, in der Patriki derzeit gefangen ist.<br />Wie gesagt, er hätte schon längst nach Portugal gehen können um dort zu studieren. Sein Vater lebt dort und drängt ihn sehr zu kommen. Seine Familie und seine Freunde die hier sind können ihn auch nicht verstehen. „Alle die die Möglichkeit haben zu gehen, gehen auch! Das war immer schon so!“<br />Jetzt ist ein neues ‚Zwick’ in Patrikis Lebensmühle getreten. Ein Fussballclub in Praia lockt ihn mit dem Angebot ihm einen Kurs auf der Privatuniversität der Hauptstadt zu bezahlen wenn er für sie spielt. Dazu sei gesagt, dass auch die Fussballclubs der Hauptstadt keinen ‚Ganzjahresbetrieb’ haben. Die Mannschaften beginnen ihr Training 2 Monate vor Meisterschaftsbeginn und wenn sie die regionale Meisterschaft nicht gewinnen ist der Spass nach 2 Monaten auch schon wieder vorbei. <br />Etwas skeptisch macht mich der Umstand, dass ein Studium auf dieser Universität umgerechnet ungefähr 150 € pro Monat kostet ... woher hat der Fussballverein soviel Geld? Auch Patriki hat diesbezüglich seine Bedenken. Ein Studium dauert ja immerhin 3 Jahre und wer garantiert ihm, dass der Fussballverein nicht nach ein paar Monaten bekannt gibt kein Geld mehr zu haben??!<br />Trotzdem ist Patriki versucht dieses Angebot anzunehmen. Noch viel mehr als er sich einen Schub in seiner Fussballerkarriere verspricht wenn er in der Hauptstadt spielt. Leider ist es ja so, dass in allen nationalen Auswahlmannschaften ausschliesslich Spieler aus Praia oder Sao Vicente spielen. Oder eben jene Spieler die den Sprung nach Portugal geschafft haben. Aber nach Tarrafal verirrt sich nie ein Trainer des Verbandes. Obwohl es immer heisst Tarrafal sei bekannt für seine guten Fussballer.<br />Noch ein Aspekt von Patrikis Zwickmühle: der regionale Fussballverband dem Tarrafal angehört ist bis heute nicht existent. Und so gibt es keine Garantie, dass wir dieses Jahr Meisterschaft spielen können. Noch viel weniger als unsere Anmeldung beim Verband ja noch nicht abgeschlossen ist. Die Anmeldegebühr die wir vergangenes Jahr bezahlt haben ist in dunklen Kanälen versickert!!??<br />Und als wäre das nicht schon mehr als genug ‚Zwick’ in Patrikis Leben komme jetzt auch noch ich und verlange von ihm eine klare Aussage bezüglich seinen Zukunftsplänen ... <br />Wobei ich ihn in keiner Weise in eine Richtung dränge. Auch wenn ich weiss, dass er eigentlich hier bleiben will. Es ist das was er will, aber er hat seine Probleme damit daran zu glauben, dass ‚die Fussballschule Tarrafal’ oder das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ ihm auf Dauer einen Lebensunterhalt bieten kann. Auch was seine Fussballerkarriere betrifft zweifelt er daran, dass hier der richtige Ort für ihn ist. Obwohl er genau weiss und auch sagt, dass hier im Vergleich zu anderen Fussballclubs oder Fussballschulen auf der Insel Santiago ein sinnvolles ganzjähriges Training angeboten wird ...<br />Im Laufe dieses Gesprächs mit Patriki bin ich mir auch immer wieder meiner eigenen Zwickmühle bewusst geworden. Natürlich ist es in meinem Interesse, dass Patriki hier bleibt. Weil für die Fussballschule wäre es ein herber Verlust wenn er geht. Sowohl als Spieler als auch als Trainer ist er einer der Besten. ABER: kann ich ihm denn eine Zukunft hier in Tarrafal garantieren? Muss ich ihm nicht eigentlich auch dazu raten das Land zu verlassen? ABER: egal wo auf der Welt - welche Art von Garantien hat das Leben denn so zu bieten?<br />Eines ist sicher. Patriki will Psychologie studieren und das kann er hier in Tarrafal nicht. Die besagte Privatuniversität in Praia bietet so ein Studium an. Aber Delta Cultura ist derzeit leider nicht in der Lage ihm das zu finanzieren. Wie gesagt, 150 € pro Monat ist kein Pappenstiel. Das ist ungefähr genauso viel wie er jetzt hier verdient. Aber in Praia muss er ja auch von was leben ...<br />Mit Sicherheit wäre dies für alle Beteiligten die Beste Lösung: Patriki studiert in Praia Psychologie, kann dann zwar nicht weiterhin die U17 trainieren, aber je nach dem wie viele Tage die Woche er die Universität besuchen muss könnte er in der Kampfmannschaft weitertrainieren und auch mit uns Meisterschaft spielen. Wenn er dann das Studium beendet hat stellt ihn das Zentrum als Psychologe ein, in 5 Jahren übergebe ich ihm die Fussballschule und ein halbes Jahr später das gesamte Zentrum ...<br />Aber eben: das ist Theorie. Also was soll das Projektleiterchen dem guten Patriki raten? <br />Ich habe ihm die folgende symbolische Handlung ans Herz gelegt: er solle 3 Blatt Papier nehmen. Für jede seiner Entscheidungsmöglichkeiten eines. Dann huschhusch Vor- und Nachteile jeder Möglichkeit aufschreiben. Ruhen lassen. Gut durchmischen. Nochmals durchlesen. Entscheiden. Und abschliessend (der wichtigste Teil): die Zettel mit den Möglichkeiten für die er sich nicht entschieden hat irgendwie vernichten ... z.B. in Beton giessen und im Meer versenken ... <br />Kommenden Montag wird uns Patriki in unserer morgendlichen Versammlung seine Entscheidung bekannt geben!<br /><br />Der September war lang und ich habe nicht nur mit Patriki lange Gespräche geführt. Auch mit meinen Töchtern Natalina und Idalena. Den Beiden habe ich hauptsächlich ans Herz gelegt absolut gar nichts in Beton zu giessen und ja nichts im Meer zu versenken ... die Beiden haben mir offensichtlich gut zugehört und halten sich bisher streng an diese Anweisung!!?? ... aber das nur so nebenbei. Wollte nur wieder einmal herausstreichen was für ein herausragendes Väterchen ich bin.<br /><br />Weitere lange Septembergespräche gab es mit Beat und seinem Freund Alex. Beat, der bd sport active – Verantwortliche - jener Schweizer Verein dem wir unser Fussballmaterial und Teile unseres Fussballwissens verdanken. Alex, der bd sport active wiederholt finanziell unterstützt hat. Die Beiden haben Tarrafal Ende September besucht.<br />Natürlich ging es auch in diesen Gesprächen ... nein, nicht um Betongüsse, sondern um Fussballschule, Gesamtprojekt und Weltzustandsanalyse. <br />Es hat sich in den Jahren der Zusammenarbeit mit dem Schweizer Verein ja doch eine etwas unterschiedliche Vorstellung bezüglich der ‚Fussballschule Tarrafal’ herauskristallisiert. Ganz grob gesagt wurden die folgenden Möglichkeiten diskutiert: entweder man führt die Fussballschule als Beschäftigungsangebot mit sozialem Schwerpunkt oder als Ausbildungsstätte für ProfifussballerInnen.<br />Auslöser für unsere diesbezüglichen Überlegungen war meist die Mädchengruppe. Bei dieser kann ja von regelmässigem Training keine Rede sein. Die Gruppe löst sich regelmässig auf um sich dann nach ein paar Wochen wieder zu gründen. Sodann erfolgt eine Phase von mindestens 2 Monaten in der ernsthaft trainiert wird. Zwar nie unter Anwesenheit aller Mädchen aber immerhin mit einem Grossteil. Langsam aber stetig wird dieser Grossteil dann zu einem Kleinteil und wenn dann nur mehr 4 Mädchen übrig sind löst sich die Gruppe auf und der Zyklus beginnt von Neuem. <br />Anders gelagert ist die Sache bei den Buben und Jugendlichen. Da gibt es in jeder Altersklasse einen ‚harten’ Kern von 10 bis 15 Spielern die seit Jahren regelmässig trainieren. Aber auch einem gewissen Anteil an Spielern die aufhören. Wir ersetzen diese dann sofort, weil die Nachfrage immer noch gross ist.<br />Kurz und gut: so bildet man keine Profifussballer aus. Es ist dies aber Beats Wunsch wenn er denn seinen Wohnsitz von der Schweiz nach Cabo Verde verlegen sollte.<br />Meine Haltung in dieser Angelegenheit ist seit jeher vielfältig, zwiespältig und sonst noch allerlei -ältig. <br />Eine Variante schliesse ich vollkommen aus: nämlich die Fussballschule Tarrafal zu einer elitären Einrichtung werden zu lassen, die beinhart nur die talentiertesten Spieler fördert und die anderen höflich aber bestimmt bittet ihrem Wunsch nach Fussballspielen anderswo nachzukommen.<br />Beat ist auch klar, dass dies hier bei uns nie passieren wird und er wünscht sich das auch nicht. Eine Fussballschule zu führen deren ausschliessliches Ziel es ist Profispieler auszubilden müsste neu gegründet werden. Er überlegt sich diese Variante. Ob und wie er sich entschieden hat, darüber hat er sich bei seinem Tarrafalbesuch nicht geäussert. Der liebe Beat ist ja ein Mann der sich seine Entscheidungen wohl überlegt und abwägt. Womit wir wieder bei diesen verdammten Garantien wären, die verflucht noch mal nicht ausfindig zu machen sind ... <br />Zum sozialen Aspekt einer Fussballschule: der ist unbestritten gross. Kritik die ich diesbezüglich bekomme: auch der soziale Aspekt geht verloren wenn ich keine strengen Anwesenheitslisten führe und Kinder ausschliesse die sich nicht an die Regeln halten. Ich habe zwar schon einigen Kindern die Teilnahme am Training ‚verboten’, aber diese ‚Fälle’ sind sehr selten und haben meist andere Gründe als An- bzw. Abwesenheit.<br />Es gilt für mich das was wohl immer und überall gilt wenn man jemandem helfen will: ich muss ich ihn dort ‚abholen’ wo er sich gerade befindet. Ich halte es für wenig zielführend Regeln aufzustellen und all jene auszuschliessen die sich nicht daran halten. Dann fange ich ja schon wieder an elitär zu sein. Ich helfe nur jenen die es anscheinend eh schon begriffen haben. Aus Erfahrung kann ich sagen (egal ob aus der Fussballschule oder den diversen Ausbildungen die wir anbieten), dass wenn ich einem der Jugendlichen eine Regel ‚vor die Nase setze’ und ihm einfach sage entweder du parierst oder du gehst ... dann geht er. Und wenn er geht – natürlich ist uns das auch schon ‚passiert’ – dann fühle ich mich jedes Mal als Verlierer. Meine Aufgabe ist es den Jugendlichen zu helfen und wenn es mir nicht gelingt weil derjenige einfach nicht mehr kommt, dann habe ich schlicht und einfach versagt. Natürlich könnte ich es mir leicht machen und sagen derjenige wolle sich eben nicht helfen lassen, aber das ist in eine Floskel die gerne als Ausrede verwendet wird. Auch wenn sie von ‚Fall zu Fall’ der Wahrheit entspricht.<br />Ich möchte an dieser Stelle Kutchinha zitieren. Sie ist seit Beginn in der Fussballschule und auch in der Batucogruppe. Das Zitat stammt aus einem Interview das ich vor ungefähr 2 Monaten mit ihr geführt habe. Das komplette Interview wird übrigens demnächst auf unserer Internetseite veröffentlicht. Bin gerade dabei es zu übersetzen. Neben dem mit Kutchinha sollen dann Weitere folgen. Jenes mit der Delta-Präsidentin Marisa ist auch schon auf Kassette und wartet darauf ins Deutsch übersetzt zu werden ... <br />Also der Auszug aus dem Interview:<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/kutchinha-728211.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/kutchinha-724020.jpg" border="0" alt="" /></a>Frage: Du weißt, dass wir Trainer der Fussballschule von den Buben und Mädchen verlangen, dass sie an jedem Training teilnehmen. Bei den Mädchen ist das nie der Fall. Was würdest du diesbezüglich tun wenn du das Sagen in der Fussballschule hättest?Kutchinha: „ ... ich würde diejenigen die oft fehlen fragen warum sie gefehlt haben. Wenn sie eine glaubwürdige Entschuldigung haben würde ich sie weiter trainieren lassen. Wenn nicht würde ich ihnen sagen, dass sie noch eine Chance haben, aber beim nächsten Mal fehlen ... dürfen sie nicht mehr mit trainieren.“ <br /><br />Frage: Du weisst, dass wir eine Kooperation mit einem Schweizer Verein haben. Beat und Daniela. Die Beiden haben uns extrem viel geholfen. Du weisst auch, dass die Beiden nicht zufrieden sind mit der Fussballschule. Auch diese Probleme mit dem Training der Mädchen stört sie. Wie erklärst du ihnen das? Was willst du ihnen diesbezüglich sagen?<br /><br />Kutchinha: <br />„Ich erkläre ihnen, dass die Mädchen hier nicht soviel Zeit haben und ich sage ihnen dass sie mehr Geduld haben müssen. Sie müssen toleranter sein, weil hier ist Sport betreiben für Mädchen schwierig. Wir müssen uns die Zeit irgendwie frei machen. Oft passiert es, dass unsere Mütter uns auftragen das Essen zu kochen. Wenn dann um 4 Uhr Training ist müssen wir halt schauen, dass wir vorher kochen. Aber immer geht sich das nicht aus. Wir kommen ja erst um halb 2 von der Schule nach Hause. Und lernen müssen wir auch ... Beat und Daniela kennen das Leben hier halt nicht ... darum sagen und machen sie so. Aber ich bitte sie um mehr Toleranz ...“<br /><br />Ich selbst, als Projektleiterchen und langjähriges Trainerchen der Mädchen, habe natürlich auch meine Probleme mit dieser Unregelmässigkeit ... es ist keinesfalls so, dass ich diesbezüglich nicht versuche gegenzusteuern. <br /><br />Schon lange vor dem Gespräch mit Patriki und Kutchinha habe ich mir natürlich den Kopf darüber zerbrochen was ich mit der Fussballschule eigentlich will. Will ich Profispieler ausbilden? Will ich Beschäftigung bieten? ... <br />Heute weiss ich genau was ich will: Beides! Und zusätzlich noch 2014 Fussballweltmeister mit Cabo Verde werden.<br />Dass es nicht möglich ist der sozialen Komponente einer Fussballschule ausreichend Raum zu schenken und gleichzeitig Spieler auszubilden muss erst bewiesen werden ... nein, andersrum: in ein paar Jahren werde ich den Beweis angetreten haben, dass es möglich ist! Schliesslich gelingt es Spielern aus Tarrafal immer wieder bei portugiesischen Klubs unterzukommen. Spieler die nie in irgendeiner Fussballschule waren ... aber das Ganze ist ein extrem heikles Thema ... mit ganz vielen Aspekten. <br />Einen möchte ich noch ins Rennen bringen: wenn ich in Europa einen Jugendlichen in einer Fussballschule habe, dann kann ich ihm sagen ich will ihn zum Profispieler ausbilden. Dass ich ihm keine Garantie geben kann ist klar. Aber wenn es ihm nicht gelingt, dann hat er 400 andere Möglichkeiten. Er kann im Fussball bleiben, die Trainerausbildung bei einem Verband durchlaufen oder sonst was. Er kann den Fussball aber auch ganz verlassen, ein Studium seiner Wahl absolvieren, oder einfach eine andere Arbeit beginnen ...<br />Hier in Cabo Verde ist das anders. Wenn ich einem Jugendlichen anbiete ich bilde ihn zum Profispieler aus dann wecke ich enorme Hoffnungen und wenn sich diese dann nicht erfüllen ... ist diese einzige Chance auf die er gesetzt hat dahin. Alternativen hat er dann kaum eine ... <br />Hier im Zentrum könnte ich ihm vielleicht noch eine andere Ausbildung anbieten. Aber was, wenn diese Ausbildungen nicht seinen Interessen und Talenten entsprechen? So wie im Fall von Patriki. Er will Psychologie studieren. Diese Studium bieten wir derweil noch nicht an ... <br />Kurz gesagt: ich habe definitiv Hemmungen den Jugendlichen hier etwas in der Art zu versprechen. Oder ihnen in Aussicht zu stellen. Ich habe das Gefühl, dass wenn ich es mache, dann übernehme ich eine Verantwortung, die ich schlicht und einfach nicht tragen kann. Den 15 Lehrlingen der Schreinerei und den 10 aus der Schneiderei kann ich sagen ich helfe ihnen solange bis sie sich in ihrem Beruf etabliert haben. Ich kann ihnen helfen eine Arbeitsstelle zu finden oder einen eigenen Betrieb aufzubauen. Etwas was wir übrigens ab März 2007 – wenn die Ausbildungen enden – auch machen werden. Aber den 150 Buben und Mädchen der Fussballschule kann ich nicht versprechen ich helfe ihnen bis sie es geschafft haben!!?? Ich kann auch nicht dem einen sagen ich bilde ihn zum Spieler aus und helfe ihm bis er einen Verein in Europa gefunden hat und dem Anderen bei dem ich Zweifel habe ob er es schaffen kann sage ich was anderes ... <br />Das Alles ist ein ‚gefährliches Spiel’. Und es geht um die Zukunft und das Leben von Jugendlichen und nicht um irgendwelche materiellen Einsätze.<br />Eine Tatsache, die aus mir unerfindlichen Gründen immer wieder erwähnt werden muss!!!! Wir reden da von Menschen!<br />Daher fällt es mir bis heute unglaublich schwer mich auch in meiner Jugendarbeit mit ‚messbaren Erfolgen’, ‚Kosten-Nutzen-Rechnungen’ etc. zu beschäftigen. <br />Das mit den Euros und den Menschenleben ist nämlich etwas schwierig. Amerikanische Wissenschaftler haben ja bekanntlich soeben herausgefunden, dass ein Menschenleben 253,27 € Wert ist. Andererseits hat eine maltesische Untergrundorganisation vor nicht langer Zeit eine Studie veröffentlicht die diesbezüglich von 3333,33 € spricht. Ich selbst, mit meinem übergrossen sozialromantischen Herzen, halte da natürlich den Maltesern die Daumen ...<br />Und dann haben ungarische Physiker gerade ein Messgerät entwickelt, dass den Werdegang eines Menschen mit Fussballschule und eines Menschen ohne Fussballschule im Voraus berechnen kann. Die Ergebnisse haben teilweise ganz verkehrte Ergebnisse gebracht. So wird der Mensch der eine Fussballschule besucht hat zu 90% zweifacher Vater, der ohne Fussballschule 11-facher??!! Was bitte, ist da passiert?<br />Im Weiteren wurde auch gemessen was mit einem Menschen passiert der in einer Fussballschule war die strenge Anwesenheitslisten geführt hat und einem Menschen der noch nie von Anwesenheitslisten gehört hat. Das Ergebnis: die einen schaffen Einiges manchmal die anderen schaffen manchmal Anderes. Kein vielsagendes Ergebnis, aber ich vertraue den Ungarn, dass sie ihr Messgerät noch verbessern.<br /><br />Und in der Ganzwirklichkeit versuche ich mit den vorhandenen Mitteln möglichst vielen Menschen zu helfen ohne dabei herumzurechnen. Natürlich verfalle auch ich oft in Diskussionen und Überlegungen über die ‚Erfolge’ die ich in der Jugendarbeit erreicht habe und ich will mit meinen obigen Ausführungen auch niemandem auf den Schlips treten. Ich finde nur man muss vorsichtig sein bei solchen Denkspielen und sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass man von Menschenleben spricht bzw. mit Menschen arbeitet. Und ich zweifele an der Existenz von Patentrezepten bezüglich den ‚Hilfsmethoden’. Gott behüte, dass es die jemals geben wird. Weil wenn, dann erst wenn wir alle gleich gestrickt sind. Und das wir dann höllisch fad. Sinnvoller wäre es wohl, die vielfältigen Strickmuster zu akzeptieren und zu schauen dass keine Laufmaschen entstehen??!!!!!<br /><br />Viele Seiten, voll mit philosophischen Kinkerlitzchen. Als ob’s nichts Wichtigeres gäbe.?!<br />Gibt es natürlich schon!<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/brennofen-720987.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/brennofen-717825.jpg" border="0" alt="" /></a>So z.B. unseren Lehmofen. Er ist endlich, endlich eingeweiht!!!!!! Eine weitere unendliche Geschichte findet damit ihren erfreulichen Abschluss ... einen Abschluss der gleichzeitig ein Startschuss ist. Weil jetzt werden Fliesen produziert, Ton ‚hergestellt’ und zu den unglaublichsten Dingen verformt und All das landet dann in unserem Gas-Sägespänne-Lehmofen und wird dort auf über 900° erhitzt. Aber der Reihe nach. Es war im Jänner des Jahres als uns Maria und Martin (www.midgard-fliesen.at ), die zwei Keramikspezialisten aus Österreich zum zweitenmal besucht haben. Sie haben uns einen grossen Lehmofen gebaut der mit Gas und Sägespännen beheizt werden sollte. Leider kam es während ihrem Aufenthalt zu keiner Einweihung weil sich der Wind als zu störend herausgestellt hat. Auch gab es Probleme mit dem Gasanschluss. Die benötigten grossen Gasflaschen gab es nicht ‚einfach so’. Dazu musst die Gasgesellschaft erst überzeugt werden uns hierfür einen Vertrag zu geben.Das mit dem Wind war relativ einfach zu lösen. Wir haben einfach eine Windschutzmauer aus Lehm rund um den Ofen gebaut. Aber die Gasgesellschaft hat uns ordentlich genervt. Sie sind nicht und nicht dahergekommen um sich ein Bild der Lage zu machen. <br />Als es dann endlich soweit war hat der Typ mich für wahnsinnig gehalten oder geglaubt ich halte ihn zum Narren ... er hat sich auf alle Fälle geweigert uns einen Gasanschluss zu genehmigen. Wir sind der Gasgesellschaft weiter auf die Nerven gegangen bis sie einen Menschen vorbeigeschickt haben dessen Brett vorm Kopf einen ganz klitzekleinen Schlitz gehabt hat. Immer hin Schlitz genug um einen Blick auf den Horizont zu genehmigen. Er hat uns versprochen einen Spezialisten vorbeizuschicken der sich die Sache anschauen wird ... das hat er auch gemacht. Allerdings kam die Spezialist erst nach weiteren 2 Monaten ... Sodann mussten wir eine kleine Hütte aus Betonstein errichten in der die Gasflaschen gelagert werden sollten. Als das dann endlich gemacht war haben wir doch tatsächlich den Anschluss bekommen. <br />Mitte September sind wir dann zur Heiztat geschritten. Der Ofen wird von 6 Gasbrennern beheizt und hat 4 Öffnungen in die man Sägespäne werfen kann. Um 9 Uhr Vormittags haben wir begonnen. Nene und Tchipai sind am Ofen gesessen und haben fleissig Sägespäne geworfen. Dazu sei gesagt, dass sich der Ofen derzeit unter einer Plane befindet. Vonwegen Regen. Nur der Kamin schaut raus. Und unter dieser Plane ist es heisser als in einer Sauna. Dazu dann der Ofen der langsam aber stetig seine Temperatur gesteigert hat. Also ich habe die Beiden nicht beneidet. Schweissgebadet sind sie da gesessen und haben gehofft, dass der Ofen in wenigen Stunden die benötigten 900° erreicht. Wir haben ja jetzt die Möglichkeit mit unserem Superthermometer – einer Spende von Maria und Martin – die Temperatur im Ofen zu messen. Hierfür hat der Ofen zwei ganz kleine Löcher – eines links das andere rechts – in die der Messstab des Thermometers gesteckt werden kann. Ein Display sagt einem dann wie heiss es da drinnen ist.<br />Im Laufe des Tages bin ich immer wieder zum Ofen und habe die Temperatur gemessen. Sie ist zwar stetig gestiegen aber viel langsamer als erhofft. Ich habe meine Besuche dazu genutzt die ‚Heizer’ - inzwischen waren es 4 – lange Vorträge darüber zu halten wie die Menschen in Europa viel Geld dafür ausgeben um so zu schwitzen wie sie es gerade tun. Ich habe ihnen die genauen Stoffwechselvorgänge während des Schwitzens erläutert und ihnen ein langes Leben garantiert wenn sie es noch acht Stunden lang aushalten die von ihrem Schweiss inzwischen tropfnassen Sägespäne in den Ofen zu werfen. Das hat sie natürlich alles wahnsinnig motiviert und sie haben sich kein bisschen beschwert. Um 4 Uhr am Nachmittag kam der Erste der Heizer in mein Büro und hat mir mitgeteilt ich könne ihn gerne entlassen, aber er halte diese Arbeit nicht mehr aus. Mein Hinweis das koste ihn jetzt mindestens 2 Jahre seines Lebens weil er noch lange nicht alles rausgeschwitzt hat, konnte ihn nicht umstimmen. <br />Um halb 5 kam der zweite Heizer in mein Büro. Er hat zwar nicht darauf bestanden die Arbeit zu beenden, aber sein Hitzausschlag am Bauch hat doch mein Mitleid erregt und ich habe ihm gestattet duschen zu gehen. Danach war er so erfrischt, dass er mir hemmungslos erklärt hat ich könne ihn gerne rausschmeissen aber er halte diese Arbeit jetzt nicht mehr aus und er wolle garnicht 100 Jahre alt werden.<br />Nach meinem Training um 6 Uhr Abends habe ich mich also selbst an den Ofen gesetzt und habe Sägespäne geschmissen. In den 10 Minuten am Ofen habe ich einen ganz unglaublichen Stolz auf Nene und Tchipai entwickelt. Die Beiden sind ja seit der Früh in dieser Hitze gesessen. Wenn auch mit Pausen. Aber ich habe es tatsächlich nie länger als 10 Minuten ausgehalten. Dann musste ich an die frische Luft.<br /><br />Während die Temperatur im Ofen immer langsamer gestiegen ist (links waren wir auf 820°, rechts auf 770°) haben wir ein ganz phantastisches Phänomen entdeckt. Die Fliesen am Ofenboden – man konnte sie durch die Heizöffnungen sehen – haben begonnen zu schmelzen ... da ich ja inzwischen ein Lehmofenfachmännchen bin habe ich sofort gewusst was das bedeutet: am Ofenboden muss es bereits über 1000°!!!!!! haben. Weil vorher lässt sich Lehm nicht dazu bringen zu schmelzen.Es hat auf alle Fälle ganz toll ausgesehen. Auch nach dem Auskühlen haben diese geschmolzenen Fliesen etwas für sich ... sie haben eine leicht lila Färbung und sind wirklich steinhart!! <br />Um 10 Uhr Abends haben wir dann unseren ersten Brennversuch im neuen Ofen abgebrochen. Die Temperatur war zwar nicht überall im Ofen auf 900°, aber ich wollte einmal die Meinung unserer Spezialisten aus Österreich einholen ... und der liebe Martin hat am nächsten Tag sehr erfreut auf meine Schilderungen geantwortet. Das ‚Problem’ sei es jetzt nur die richtige Art und Weise zu finden den Ofen einzuräumen. Das er grundsätzlich ‚funktioniert’ haben wir mit den 1100° wohl bewiesen.<br />Also kann es jetzt so richtig losgehen mit unserer Fliesenproduktion. Nene und Tchipai sind aber nächster Woche nur noch damit beschäftigt. Und im Dezember wird einer meiner Deutschschüler, der auch jetzt schon oft bei unserem Lehmprojekt hilft, für 3 Monate zu Maria und Martin nach Österreich gehen um dort Alles!!!! über Fliesenproduktion zu lernen.<br />Wenn er dann zurück ist und es mir beigebracht hat werde ich ihn entlassen, mein Projektleiterchendasein an den Nagel hängen und gross ins caboverdeanische Fliesengeschäft einsteigen. Ich möchte Fliesenmogulchen werden. Dann können mir die Jugendlichen mit ihren verdammten Zukunftsperspektiven gestohlen werden ... und was ist das bitte für ein Projektleiterchen das derartige Sprüche loslässt??!! Das wird noch mal ins Auge gehen ... schliesslich lesen ja nicht nur Menschen die mich kennen diese Berichte?! Und was werden die sich wohl denken wenn ich von ‚verdammten Zukunftsperspektiven’ rede? <br />Meine diesbezügliche Stellungnahme und Hoffnung: Ziel dieser Berichte war es immer, die Stimmung im Projekt und der beteiligten Menschen zu beschreiben. Auch wenn diese schlecht war oder ist. Und ein Projektleiter der sich nur –chen nennt und über blöde Zukunftsperspektiven referiert gehört eben auch dazu. Und all die Schwierigkeiten mit den Dächern, der Streit mit unserem deutschen Kooperationspartner, die monatelange Verzögerung des Terracottaprojektes ... <br />Es gibt viele Menschen die mir dazu raten solche Dinge unerwähnt zu lassen, vonwegen ‚schlechtem Bild’ oder so. Aber ich habe mich bisher nicht dazu hinreissen lassen, weil ich der Meinung bin, dass trockene Tatsachenberichte so richtig überhaupt nichts über ein Projekt, über die Menschen die es betreiben, etc. aussagen. UND: ich habe nichts zu verbergen und vor allem halte ich nichts von Schönfärberei (das Weglassen von Schwierigkeiten und Streitereien ‚färbt’ ja auch schon!) ... der Satz der gerade eben noch hier gestanden ist, den habe ich einfach weggelöscht. Der war viel zu umständlich aufgebaut und hat nicht sonderlich viel Aussagekraft besessen ... <br /><br />Ich komme jetzt zu einem Teil des Berichtes den ich eigentlich an den Beginn setzen wollte. Aber dann sind mir einige Seiten mit anderen Gedanken dazwischen gekommen. Ich kann jetzt nur hoffen, dass es ein paar Leser gibt die sich bis zu dieser Stelle durchgekämpft haben. Weil das was jetzt folgt ist äussert ernst und wichtig. Und was ist heutzutage das Einzige was wirklich ernst und wichtig ist? Das Geld!!!<br />Wirklich, wirklich wichtig und ernst ist das Geld aber nur dann wenn man es nicht hat! Es ist schon auch ernst wenn man es hat, aber wenigstens kann man dann lustige Sachen damit machen!<br />Was denn also das liebe Geld betrifft, befinden wir uns derzeit in einer etwas kritischen Phase. Und bevor aus der kritischen eine bedrohliche Phase wird, wähle ich als eine der Massnahmen das Bitten und Betteln. Das innige Bitten um eine Spende für das ‚Kinder- und Jugendzentrum’. Alle die mich kennen wissen, dass ich das wirklich nicht gerne mache und nur dann, wenn wirklich Not am Mann ist. Wobei ‚Not am Mann’ ein Ausdruck ist der aus sämtlichen Monatsberichten dieser Welt ersatzlos gestrichen werden sollte. Weil was soll das heissen? Not am Mann? Was ist dann mit der Not der Frauen? Können nur wir Männer in Not sein? Oder müssen wir Männer die Nöte der Frauen übernehmen? Als ob wir nicht schon selbst genug hätten?! Und was soll in Bezug auf Not die Trennung zwischen Mann und Frau? ... Also: ich lanciere derartige Spendenaufrufe wirklich nur dann wenn Not am Menschen ist. Ausserdem bin ich stolz das Wort ‚lancieren’ in meinem Wortschatz zu haben und es auf Anhieb richtig geschrieben zu haben. Schön blöd wäre jemand der lancieren mit ‚z’ schreibt. Lanzieren. Das hat ja nichts mit Lanzen zu tun. Sind wir verdammte Ritter oder was?<br />Aber abgesehen von Raubrittertum, unsere Finanzlage ist derzeit wirklich nicht rosig. Ich denke mir, dass sich ein potenzieller Spender diesbezüglich zwei Fragen stellt: ‚wie konnte es zu dieser Notsituation kommen?’ und ‚was unternimmt Delta Cultura, dass dies in Zukunft nicht dauernd passiert?’.<br />Es sind dies zwar sehr komplexe Fragen, aber ich will versuchen sie auf meine kurze und prägnante Weise zu beantworten.<br />Bezüglich ‚wie konnte es dazu kommen’: <br />Dazu sei erklärt, dass Delta Cultura ‚dazu verpflichtet’ ist einen Eigenanteil in das Projekt einzubringen. Sprich, an jenen ‚Teilen’ des Projektes die vom deutschen Ministerium und dem ASB finanziert werden muss sich Delta Cultura mit 15% beteiligen. Von Dezember 2004 bis heute hat Delta Cultura ca. 30.000 € Eigenanteil eingebracht. Und ‚nebenbei’ noch jene Teile des Projektes finanziert die nicht Teil der Förderung sind (Fussballschule, Terracotta-Produktion, Alphabetisierung Strassenkinder).<br />Im Jahr 2006 muss Delta Cultura ca. 12.000 € ins Projekt einbringen. Hat bisher aber erst ca. 2000 € beigetragen. Und das Jahr geht seinem Ende entgegen. Wir MÜSSEN also jetzt unseren Beitrag leisten sonst hat das Projekt kein Geld mehr ... <br />Es ist natürlich nicht so, dass Delta Cultura im gesamten Jahr 2006 nur 2000 € an Spenden lukriert hat. Nur ist der Grossteil leider in die Dachsanierung ‚geflossen’ (ca. 12.000 €). Und dass die Sache mit der Dachsanierung nicht gerade erfreulich verlaufen ist, das wissen aufmerksame Monatsberichtleser ja schon. ‚Differenzen’ mit einem Kooperationspartner haben zu Verzögerungen geführt. Durch den dadurch entstandenen Zeitdruck haben sich leider auch die Kosten erhöht. Wie das halt so ist: wenn man etwas schnell, schnell über die Bühne bringen muss, verursacht das Mehrkosten. Auch war der besagte Kooperationspartner leider nicht in der Lage sich wie erhofft an der Finanzierung zu beteiligen.<br />So ist uns die Dachsanierung zwar (eine Woche vor dem ersten Regen!!!) geglückt, mit den ‚Nachwirkungen’ (Geldknappheit) haben wir aber bis heute zu kämpfen. Daher also diese Bitte um Spenden.<br /><br />Bezüglich ‚welche Massnahmen setzt Delta Cultura, um derartige Notsituationen in Zukunft zu vermeiden’: <br />Sehr eindrücklich haben wir die Bedeutung von schriftlichen Abkommen und Regelungen kennen gelernt. Auch mit Kooperationspartnern im Entwicklungszusammenarbeitsbereich. Einfach alles vorher in Ruhe schriftlich regeln, dann gibt es im Nachhineinen keine Streit. Oder wenn es einen gibt, kann man sich auf die schriftlich festgehaltenen sachlichen Inhalte besinnen und die persönlichen Differenzen entweder beibehalten oder auf den Mond schiessen. Je nachdem wie einem gerade zumute ist. Aber die Sache selbst kann dann nicht darunter leiden. <br />Was die langfristige Finanzierung des Zentrums betrifft befinden wir uns derzeit in einer entscheidenden Phase. Im März 2007 endet die Förderung des deutschen Ministeriums und des ASB. Bis dahin muss Delta Cultura noch die oben erwähnten 10.000 € bis Ende 2006 einbringen und dann bis März 2007 nochmals etwa 2000 €. <br />Für die Zeit nach März 2007 hat Delta Cultura bereits das inhaltliche Konzept, sowie die Kosten- und Finanzpläne erstellt. Dieses Konzept befindet sich derzeit in Überarbeitung bei der Gemeinde Tarrafal, beim caboverdeanischen Institut für professionelle Ausbildung, bei unserem Kooperationspartner ASB sowie bei ein paar ausgesuchten ‚Spezialisten’. Delta Cultura will die Meinungen dieser Stellen und Menschen einholen, das Konzept gegebenenfalls nach deren Ideen und Anregungen ergänzen und/oder ändern und dann damit an die ‚breite Öffentlichkeit’ gehen. Natürlich wird es auch auf unserer Internetseite veröffentlicht werden. <br />Bezüglich Finanzierung sei soviel gesagt: der Eigenanteil von Delta Cultura am Gesamtprojekt ist mit 20.000 € jährlich angesetzt. Das ist eine Summe die in etwa den bisherigen jährlichen ‚Einnahmen’ (Amen) des Vereins entsprechen.<br />Mündlich zugesagt, aber noch nicht schriftlich bestätigt, ist der ‚Einstieg’ der Gemeinde Tarrafal mit ungefähr der gleichen Summe. Damit wären die Betriebskosten des Zentrums finanziert. Also die Gehälter der Projektleitung, Strom, Wasser, Betriebskosten Fahrzeug , etc. und auch die Gehaltskosten einer Psychologin. Somit wäre ein Fortbestand des Zentrums garantiert. Weil wenn die Projektleitung arbeitet kann immer nach Finanzierung für die professionellen Ausbildungen, etc. gesucht werden. Weiters besteht bereits ein Vertrag mit dem caboverdeanischen DGAE (Institut für Alphabetisierung), die die Gehaltskosten für die Lehrer im Bereich der Grundbildung übernehmen. Egal wie viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene wir für diese Grundbildung ‚gewinnen’ können, das DGAE übernimmt die Kosten für die Lehrer und das Lehrmaterial.<br />Mit der praktisch gesicherten Finanzierung der Betriebskosten ist aber auch der Fortbestand weitere Angebote garantiert: Fussballschule, Workshops, psychologische Beratung, Hilfe für die Jugendlichen die im März ihre Ausbildung abschliessen (Suche eines Arbeitsplatzes, Gründung eines Betriebes, etc.).<br />Mehr dazu aber im nächsten Monatsbericht. Zurück zu den Massnahmen die Delta Cultura setzt um Notsituationen wie die Momentane zu vermeiden: Delta Cultura – Österreich hat jetzt eine Angestellte (Johanna Lauber, von der im letzten Bericht schon die Rede war). Sie studiert ‚Internationale Entwicklung’ und setzt sich seit Anfang Oktober auch für die Entwicklung von Delta Cultura ein. Einen Tag und eine Nacht pro Woche.<br />Weiters ist gerade Delta Cultura – Deutschland im Entstehen. Schliesslich haben wir auch in diesem schönen Land viele Helfer und Förderer, die sich eine eigene Plattform ‚verdient’ haben.<br />Lang Red, kurz Sinn: Delta Cultura hat aus der Not gelernt! Ist ständig bemüht das Fundraising in Österreich und Deutschland zu verbessern und setzt sich keine unlösbaren Ziele (20.000 € pro Jahr ist ‚machbar’).<br />Also abschliessend: alle ‚Delta Cultura Menschen’, alle Kinder und Jugendliche Tarrafals, bitten höflichst und inständigst um finanzielle Unterstützung für unser Zentrum. Im Namen Aller möchte ich mich schon im Voraus bei all Jenen bedanken die unserem Aufruf folgen und einen kleinen/grossen Beitrag leisten!<br />Vielleicht nochmals unsere Bankverbindung in Österreich. Dort sammeln wir ja Spenden aus Europa und überweisen dann hierher oder geben es vertrauenswürdigen Caboverde-Reisenden mit (um Überweisungsgebühren zu sparen – was sollen die verfluchten Banken an unseren Bemühungen verdienen??!!):<br /><br />BAWAG (das ist diese skandalöse Bank!!??)<br />Delta Culture - Verein für interkulturelle Kommunikation<br />Kontonummer: 03010 - 666 - 936<br />Bankleitzahl: 14000 <br />BIC: BAWAATWW<br />IBAN: AT121400003010666936<br /><br />So, jetzt ist es also raus ... das Wichtige und das Ernste. Das Geld. Das Fehlende. <br />Ich kann mich wieder dem Genausowichtigem und dem Lustigen widmen. Lustig ist zum Beispiel, dass dieser Bericht jetzt schon 10 Seiten hat und ich noch nichts über den Musikworkshop, das Fussballturnier, die Neuorganisation der Projektleitung, den erneuten Wechsel der Informatikausbilderin, den Streit zwischen den beiden Schneiderausbilderinnen (nein der war ja erst vor ein paar Tagen, also im Oktober), den Beginn einer Kooperation mit einem amerikanischen Verein und über unsere Veranstaltungen ‚Jugend und Verliebtsein’ sowie ‚Allgemeines zur professionellen Ausbildung’, erzählt habe. <br />Aber keine Angst. Ich werde das in diesem Bericht auch nicht mehr tun. Wieder einmal habe ich nur ein paar Details unseres Zentrumdaseins und meiner Gedanken zu unserer Arbeit ‚herausgepickt’ und hoffe damit unterhalten zu haben. Wer wirklich Alles über das Zentrum wissen will der kann sich ja auf unserer Internetseite informieren. Und wer wirklich Alles, Alles wissen will muss sowieso herkommen. Auch noch so prägnante Berichte können nicht vermitteln wie das denn Alles wirklich ist!!??<br /><br />Ich schliesse diesen Bericht und mache ihn ‚rund’ indem ich nochmals auf das eingangs erwähnte Gespräch mit Patriki zurück komme. Jene Leser mit photographischem Gedächtnis werden sich erinnern, dass ich gesagt habe er wird sich kommenden Montag entscheiden ob er bleibt oder geht. Heute ist dieser kommende Montag und Patriki hat seine Entscheidung bekannt gegeben. Zwar nicht bei unserer wöchentlichen Versammlung – das war ihm denn doch zu peinlich – sondern still und heimlich unter vier Augen in meinem Büro. Und? ... Wie hat er sich entschieden? ... Es würde mich jetzt interessieren auf was die Mehrheit der Leser tippt??!! ... <br />Wir könnten ja folgendes machen: jeder Leser gibt sogleich seinen Tipp ab und alle die richtig geraten haben überweisen uns morgen 5 €. Alle die falsch getippt haben aber, ja – die überweisen uns morgen 50 €! Und wenn das Spielchen gut funktioniert machen wir in Zukunft jeden Monat sowas??!!!<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ausstellung_1-758167.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ausstellung_1-751640.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ausstellung_2-720425.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ausstellung_2-717312.jpg" border="0" alt="" /></a>Bevor ich denn also Patrikis Entscheidung bekannt gebe, möchte ich dem werten Leser noch etwas Zeit geben zu überlegen ... und fülle diese Pause mit zwei eindrucksvollen Photos von einer Werkausstellung die Schreiner und Schneiderinnen dieser Tage im kurzfristig umfunktionierten Unterrichtsraum gemacht haben. Sämtliche Möbelstücke, Polster, Decken, etc. sind hier im Zentrum hergestellt worden!<br />Das also war der September ... und Patriki hat sich entschieden ein weiteres Jahr bei uns zu bleiben!! <br /><br />Dank, Gruss und deus ku njos,<br /><br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-116043167876976001?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1157373004225363112006-08-04T11:25:00.000-01:002006-09-04T15:49:20.660-01:00Monatsbericht Juli/August 2006Der Sommer geht seinem Ende entgegen. Und während so manch Einer in Europa darüber trauert, freut sich das Projektleiterchen tierisch. Der August ist hier in Cabo Verde der bei Weitem unangenehmste Monat. Feuchtheiss, Regen und dadurch Mosquitos, Fliegen, giftpinkelnde Käfer, und allerlei sonstiges Getier in unnötig grossen Mengen ... wobei ich mich in keiner Weise über den Regen beklagen will. Den braucht das Land und er fällt dieses Jahr sehr ordentlich! Die Insel ist grün. Ich muss mich manchmal ganz gehörig anstrengen um herauszufinden ob ich in den Alpen oder auf einer Atlantikinsel bin!? Aber dann fällt mir wieder ein, dass ich ja professionell ausbilde und das würde kein Mensch in den Alpen tun ... <br /><br />Trotz 2 Wochen ‚Zentrumsferien’ im Juli hat sich in den vergangenen Monaten sehr viel getan. Fast nur Positives! Als hätte die erfolgreiche Dachabdichtung einen Knoten gelöst. Oder vielleicht ist es ja so, dass nicht nur das Unglück selten allein kommt sondern auch das Glück!? Aber das sind Geheimnisse des Lebens auf die Monatsberichte keine Antwort geben können! Oder sind es ausschliessliche Monatsberichte die antworten können? Das wär’ doch was! ... Na ja, die Monatsberichte von Projektleiterchens können es auf alle Fälle nicht ... schade!<br /><br />Die Dächer waren gerade dicht, der erste grosse Regen hat es bewiesen ... da kam die ernüchternde Erkenntnis dass alle Fenster undicht sind. Aber das macht nichts. Dafür sind sie wahnsinnig schön und reichen bis zum Boden. Das hat den genialen Vorteil, dass das Wasser nicht über die Wand auf den Boden sondern direkt auf den Boden fliesst. Die Wände bleiben auch beim ärgsten Regen (so wie gerade eben!) staubtrocken! Aber das nur so nebenbei ... eigentlich wollte ich ganz was anderes sagen ...<br />Die Dächer waren gerade dicht, der erste grosse Regen hat es bewiesen ... da kam die nächste Erfolgsnachricht. Ein Anruf des ‚Ministerio de Solidaridade e Trabalho’ (Caboverdeanisches Ministerium für solidarische Traber): ‚die Portugiesische Kooperation wird die Kosten für den definitiven Stromanschluss übernehmen!’<br />Die Freude war gross, meine Erleichterung nicht ... weil ich mir diesbezüglich nie Sorgen gemacht habe. Habe schon vermutet, dass die böse Elektra uns den Strom nicht einfach so abdrehen wird. Wäre ja auch blödsinnig blöd gewesen. Schliesslich haben wir immer pünktlich unsere Stromrechnungen bezahlt ... eine Seltenheit in Cabo Verde. Das schaffen nicht einmal die Solidarischsten aller Traber!<br />Noch erfreulicher ist diese Hilfe der ‚Cooperação Portuguesa’ – immerhin 17.000 €, die sie uns komplikationslos überwiesen haben – weil sie uns auch für 2007 Unterstützung in Aussicht gestellt haben. Wieder einmal hat sich eine meiner unzähligen Weisheiten bewahrheitet. Auch bei der Vergabe von staatlichen Geldern gibt oftmals die Sympathie den Ausschlag ... Ausschlag? Sympathie gibt Ausschlag? Na sowas! Das hab ich garnicht gewusst! Was für einen Ausschlag denn? Pusteln? Eiterbeulen? ... das kann ich fast nicht glauben!<br />Was ich eigentlich sagen wollte: wie im vergangenen Monatsbericht beschrieben, hatten wir ja Besuch einer hochrangigen Delegation (Minister aus Portugal, Cabo Verde, etc.) und ich habe der Dame von der ‚Cooperação Portuguesa’ schon angemerkt, dass sie sehr beeindruckt war von dem Zentrum und unseren Aktivitäten. Auch meine schiefe Nase war ihr sympathisch. Und all das zusammen hat wohl den Ausschlag gegeben ... Ausschlag?? ... <br />Inzwischen ist der Auftrag für den definitiven Stromanschluss vergeben. Eine portugiesische Firma wird den benötigten Transformator bringen und installieren. Die hiesige Elektra wird zwei Pfosten setzen und die Hochspannungsleitung in den Transformator leiten . So hat sich auch diese hoch spannende Geschichte zu einem Erfolg transformiert. Bleibt nur noch das leidige Problem meiner schiefen Nase und dieser saudummen Ausschläge.<br /><br />Damit kennen die werten Leser schon zwei von unseren grossen Glücks ... oder muss es ‚Glücken’? heissen ... Auf alle Fälle klingen alle zwei so, dass wenn ich nicht wüsste was das ist, ich es unter keinen Umständen würde haben wollen!!! Und wohl nicht nur ich! Bin mir sicher, dass jemand der der deutschen Sprach nicht mächtig ist, panisch die Flucht ergreift wenn ihm jemand ‚Glücks’ anbietet!?<br />Also zwei von diesen Dingern kennen die Leser jetzt schon. Aber es ist noch mehr geglückt: Im Oktober 2005 – zur Eröffnung des Zentrums – hat uns ja das caboverdeanische Unterrichtsministerium einen ‚Koordinator für die professionellen Ausbildungen’ versprochen. Ich bin diesem Ministerium zu grossem Dank verpflichtet. Ich durfte jetzt 10 Monate lang in Vorfreude auf diesen Koordinator leben! Es war herrlich! Im August wurde dann aus der Vorfreude eine ... ja was denn eigentlich? Wenn es eine Vorfreude gibt, muss es ja auch eine Währendfreude und eine Nachfreude geben ... aber egal. Wichtig ist ja nur, dass wir jetzt einen Koordinator für die professionellen Ausbildungen haben. Adilson Costa. Er koordiniert sich jetzt seit einem Monat die Haxen aus, dass es nur so eine Freude ist!<br />Aber ehrlich: nachdem ich zu Beginn so meine Zweifel hatte ob dieses Angebot des Ministeriums denn wirklich sinnvoll ist (was brauchen wir extra jemanden der die zwei professionellen Ausbildungen koordiniert?!) bin ich jetzt sehr froh über diese zusätzliche Arbeitskraft. Neben dem täglichen Betrieb gilt es ja jetzt schon die Zeit nach März 2007 – wenn denn dann deutsche Ministerien nicht mehr fördern – vorzubereiten. Sprich: Pläne erstellen und Finanzierungen suchen. Und dazu kann Adilson viel beitragen. Trägt auch viel dazu bei. Wir sind momentan damit beschäftigt sämtliche öffentliche Stellen abzuklappern und Meinungen bezüglich dem Ausbildungsprogramm 2007 einzuholen. Von Bürgermeister über spezielle Spezialisten bis zu Ministern sind alle der Meinung wir sollten die Angebote ausbauen und Alle versprechen auch, bei der Finanzierung zu helfen. Also erstellen wir Pläne, kalkulieren Kosten und hoffentlich bald schon wird alles gut ... bzw. noch besser.<br />Sobald diese besagten Pläne einmal stehen werden sie natürlich an dieser Stelle veröffentlicht. Derweil sei nur so viel verraten: es wird schöner als Weihnachten!!!<br /><br />Nicht ganz so schön wie Weihnachten, aber ein Stück schöner als der Villacher Fasching war der tägliche Zentrumsbetrieb im Juli und August. Die 2 Wochen Ferien sind zwar wie im Flug vergangen, aber trotzdem haben wir alle ganz schell wieder in den Arbeitsalltag gefunden. Und das ist jetzt aber wirklich ein ganz unglaublich saudummes Geschreibe. ‚Im Flug vergehen’, ‚in den Arbeitsalltag finden’ ... im Flugzeug vergeht die Zeit bekanntlich überhaupt nicht, da rutscht man nur blöd im unbequemen Sesseln hin- und her, während einen die Absturzgedanken peinigen und das mit dem ‚in den Arbeitsalltag finden’ ist überhaupt ein Kapitel für sich. Weil - was bleibt einem denn anderes übrig? Da kann einem das stunden-, tage-, jahrelange Arbeiten noch so auf die Nerven gehen, man tut es ja trotzdem. Wobei ich überzeugt bin, dass das Argument ‚der Mensch muss ja von was leben’ im Grossteil der ‚Fälle’ eine faule Ausrede ist! Vielmehr wollen wir uns Sicherheit erarbeiten?! 8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, 12 Monate im Jahr ... und was kommt dabei raus? Die Midlifecrisis, die manische Depression, der Gehörsturz, die Erinnerung an die Schulzeit, und schlussendlich der, der uns sowieso dauernd im Nacken sitzt ... dieser Hundsgemeine ... <br />Irgendwie ist das wohl alles so ein bisschen ein Kreislauf ... so mit Teufel und allem drum und dran ...<br />Da fällt mir ein Sprüchlein ein, das leider nicht der Wegen- sondern der Ein-stein gesagt haben soll: die Probleme dieser Welt lassen sich nicht mit der gleichen Denkweise lösen die diese Probleme verursacht hat.<br />Da könnte der gute Mann relativ recht gehabt haben. Und vielleicht gilt das ja auch nicht nur für die ‚Probleme dieser Welt’ sondern auch für meine ganz persönlichen? ... Gottverdammt, ich muss anfangen meine Denkweise weise zu überdenken!<br />Und dann war da noch ein Projektleiterchen das Monatsberichte schreiben wollte, sich dabei aber dauernd in Seitengassen verirrt hat.<br /><br />Der Zentrumsalltag ist im August ruhig und in keiner Weise wie immer verlaufen. Schliesslich ist der August der Anbaumonat. Der erste Regen fällt und ganz Cabo Verde begibt sich ins freie Feld ... und wenn dann ausgesät ist und es nochmals regnet (so wie dieses Jahr) dann spriesst der Mais. Aber leider nicht nur der, sondern allerlei ‚Unkraut’ auch. So eilt wieder alles ins freie Feld und jätet bis das halbe Land umgegraben ist. Früher war es sicher überlebensnotwendig und wenn der Regen ausgeblieben ist gab es Hunger, aber heute ist es meiner Meinung nach oftmals wirklich ‚nur mehr’ Tradition. Wobei das in keiner Weise abschätzig gemeint oder von ‚Delta Cultura’ beanstandet wird. Wir sind ja keine fanatischen Antitraditionalisten. Im Gegenteil, wir haben dieser ‚Massenstadtflucht’ Rechnung getragen und haben die Fussballschule und die Batucogruppe grossteils ruhen lassen. Auch die Lehrlinge und sogar die Angestellten haben tageweise frei bekommen um ihrer landwirtschaftlichen Pflicht nachkommen zu können. Das wurde erwartet und gefordert ...<br />Einzig die Kampfmannschaft der Fussballschule, die ja bekanntlich vom besten Trainerchen der Welt betreut wird, hat ihr Training weitergeführt. Wenn auch oft dezimiert. Aber es läuft derzeit ein von der Gemeinde organisiertes Fussballturnier für sämtliche Mannschaften Tarrafals. Also nicht nur für jene die dem Verband angehören sondern auch für Hobbymannschaften. Wobei wir die einzige Mannschaft sind die auch dem Verband angehört bzw. angehören wollen (siehe weiter unten). Die anderen trainieren ja nicht das ganze Jahr sondern immer erst 2 Wochen vor Meisterschaftsbeginn. <br />Diese Turnier hat soeben seine Gruppenphase beendet. Wir haben unsere Gruppe recht überzeugend gewonnen (ein Unentschieden, 3 Siege: 1:1, 3:0, 6:0, 2:1). Ich bin also wahnsinnig stolz und denke es ist jetzt an der Zeit, dass mich der Verband zum Nationaltrainer macht. <br />In Wirklichkeit will ich aber garnicht Nationaltrainer werden und stolz bin ich auch nicht. Es wäre ja eine Schande würden wir so Spiele gegen Hobbymannschaften die nie zusammen trainieren verlieren. Auch wenn natürlich sämtliche meisterschaftserfahrenen Spieler bei irgendeinem dieser Hobbymannschaften mitspielen.<br />Was ich allerdings schon glaube und sehe, ist, dass meine Mannschaft gute Fortschritte macht. Taktisch spielen sie schon recht diszipliniert. Manchmal.<br />Ich hoffe jetzt, dass es der Gemeinde gelingt dieses Turnier auch weiterhin zu organisieren. Derweil steht es einmal. Es ist glaube ich noch nicht so ganz klar wie und wann es weitergeht. Es wäre nicht das erste Turnier in Tarrafal, das einfach so irgendwann mittendrin aufhört ... <br />Für den Rest der Fussballschule gilt: sobald die Schulferien vorbei sind und alle Kinder/Jugendlichen wissen ob sie vormittags oder nachmittags in die Schule gehen wird der Trainingsbetrieb neu und natürlich besser organisiert. <br />‚Neu und besser organisieren’ sollte sich auch der caboverdeanische Fussballverband. Wobei das ein Thema ist das mich regelmässig auf die Palme unten am Strand bringt. Die Touristen die da erholungsbedürftig in der Sonne oder eben im Schatten jener besagten Palme liegen, sind immer ganz erstaunt wenn ein weisser Caboverdeaner dahergeschossen kommt, die Palme erklimmt und dort unverschämte Affenlaute von sich gibt... sie ahnen ja nicht, dass ein Fussballverband hinter diesem Affentheater steckt.<br />Auf alle Fälle ist der Verband hier ein riesiger verlogener Haufen. Da bekommen sie Millionen von der FIFA, lassen sich von Denen vollkommen übertriebene Paläste bauen die sie Ausbildungszentrum nennen, aber für den Kinder- und Jugendfussball wird überhaupt nichts getan. Hier in Tarrafal gibt es zwei ‚Fussballschulen’. Unsere und jene von Tó aus dem Nachbarort Chão Bom. Hilfe von Seiten des Verbandes haben wir bisher Null bekommen. Aber dafür haben sie uns umgerechnet 100 € abgeknöpft. Das war im November 2005 und eigentlich dafür gedacht uns beim Verband anzumelden. Leider hat sich sodann aber der Regionalverband ‚Santiago Nord’ aufgelöst und der Präsident des Nationalverbandes weigert sich standhaft diesbezüglich etwas zu unternehmen. So sind wir nicht nur immer noch nicht beim Verband angemeldet, die gesamte Region ‚Santiago Nord’ konnte auch an der vergangenen Meisterschaft nicht teilnehmen. Und wird es wohl auch dieses Jahr nicht weil der Verband einfach nichts tut. <br />Ich versuche gerade mich diesbezüglich bei der FIFA zu beschweren, aber meine ‚Hilferufe’ bleiben unbeantwortet. Wer interessiert sich bei der FIFA am schönen Genfersee schon für eine kleine Fussballschule irgendwo in Afrika. Lieber verzapfen sie vollkommenen Blödsinn auf ihrer Internetseite und lügen den Leuten die Hucke voll. Da wird von einem Ausbildungszentrum und Verbandssitz auf den kapverdischen Inseln erzählt das von der FIFA finanziert und ausschliesslich mit heimischen Materialien errichtet wurde ... die Wirklichkeit: dieses vollkommen überdimensionierte Gebäude mit riesigen Empfangshallen in denen kein Mensch sitzt um zu ‚empfangen’, mit elendslangen Gängen und zahlreichen Büros von denen ein einziges besetzt ist (von einem Menschen der immer nur sagt ‚der Präsident ist nicht da’), dieses Gebäude wurde wie alle Bauwerke hier aus Betonstein gebaut. Wobei der Zement importiert ist und der Sand von den Stränden ‚gestohlen’ wird, sämtliches Holz wird importiert, genauso Elektro- und Installationsmaterial ... aber der Herr Blatter rühmt sich der ökologischen Bauweise. Also entweder hat er sich vom hiesigen Fussballpräsidenten für blöd verkaufen lassen oder er verbreitet bewusst unwahre Pressemitteilungen?! <br />Und im Übrigen gilt auch für die FIFA: sie rühmen sich der grossartigen Hilfe und Unterstützung die sie den ‚armen Ländern’ dieser Welt zukommen lassen, dabei ist das was sie tun geradezu lächerlich. Anstatt dort zu helfen wo es gebraucht wird stopfen sie die Millionen in Taschen die sowieso schon voll genug sind. Und das rechtfertigen sie mit kreuzdummen verlogenen Argumenten. ‚Es gäbe in Afrika so viele Fussballschulen die Schindluder betreiben’ ... als hätten sie keine Möglichkeit herauszufinden wer seriös arbeitet und wer tatsächlich Unfug treibt. Vollkommen unseriös ist beispielsweise der caboverdeanische Fussballverband. Aber den fördern sie weiterhin. <br />Zu diesem Thema ein paar Zahlen (Quelle: www.fifa.com): <br />Das Jahreseinkommen der FIFA 2005: 553.620.067 € <br />Ausgaben: 418.065.497 €<br />Damit Gewinn: 135.554.570 € ... wozu brauchen die eigentlich einen so hohen Gewinn?<br />Für Entwicklungsprojekte (wie es die FIFA nennt???): 88.047.127 €<br />Das Jahresbudget meiner Fussballschule wenn ich es ganz ganz hoch ansetzte beläuft sich auf sagen wir einmal 15.000 €. Das beinhaltet Gehälter für Trainer (die ich aber in keiner Weise regelmässig auszahle), einen Container mit Fussballmaterial sowie die Kosten für die Organisation von Spielen (Transport und Verpflegung). Das heisst, mit dem Geld das die FIFA für ‚Entwicklungsprojekte’ gibt könnte man 5869(!!!!!) Fussballschulen nach der Art der ‚Fussballschule Tarrafal’ finanzieren ... oder 251 ‚Zentren’ in der Art des ‚Kinder- und Jugendzentrums Tarrafal’ bauen und eineinhalb Jahre betreiben.<br />Dazu gibt es kein ‚aber’ oder ‚so kann man das ja nicht rechnen’ ... eigentlich dürfte man so einem Verband garnicht beitreten wollen! Man müsste einen ‚Gegenverband’ aufbauen. Bis die FIFA ruiniert ist und ihre Öko-Paläste verrotten. Natürlich müsste ich Präsidentchen dieses Gegenverbandes werden. Ich will auch endlich ein Haus und einen Ferrari im Swimmingpool ... und meine eigene Palme ... <br />Aber zurück auf den Boden. Es wird ja doch nichts mit den 5869 Fussballschulen und den 251 Zentren. Ausserdem bleibe ich eh lieber bei dem Einen. Schliesslich ist es uns gelungen das Angebot für die Lehrlinge auszubauen. Endlich konnten wir eine Psychologin finden die sich für das zur Verfügung stehende Gehalt bereit erklärt hat einmal wöchentlich zu kommen. Sie war jetzt bereits einige Samstage hier im Zentrum und hat zunächst ausschliesslich mit den Lehrlingen ‚psychologisiert’. Abgesehen davon, dass es ihnen allen nicht schaden kann auf ihrem Weg in die Selbständigkeit ein bisschen mehr über ihre Probleme und Denkweisen zu erfahren, gibt es auch Einige die bestimmt speziellerer, individuellere psychologischer Hilfe bedürfen. Im weiteren planen wir aber auch einige ‚öffentliche’ Veranstaltungen mit der Psychologin zu organisieren. Themen wie ‚Aids’, ‚Drogen’ sind immer angebracht, aber auch generell Aufklärung über das Betätigungsfeld einer Psychologin ist angesagt. Ich habe das Gefühl hier ist die Meinung eine Psychologin sei ausschliesslich für die geistig bisschen Blöden zuständig weit verbreitet. Die Menschen müssen verstehen lernen, dass auch Projektleiterchens die wirre Monatsberichte schreiben bei der guten Esmeralda (so heisst unsere Psychologin) Hilfe suchen können.<br />Aber nicht nur im psychischen Bereich konnten wir das Angebot für unsere Lehrlinge erweitern. Adilson, unser Koordinator, hat sich bereit erklärt den Lehrlingen in ihrer Mittagspause die Informatik etwas näher zu bringen. So nutzen sie jetzt eine halbe Stunde täglich den Informatikraum. Es handelt sich dabei natürlich um eine freiwillige Sache. Aber alle 25 Lehrlinge samt Ausbilder waren sofort bereit für den Blechtrottel ihre Mittagspause zu verkürzen. Das zeigt wie gross das Interesse an diesem Angebot ist.<br />Wir haben übrigens auch eine Neue Informatikausbilderin für die Abendkurse. Die ‚alte’ ist nach Praia um sich weiterzubilden. Und diese Neue, Helena heisst sie, ist ganz ausgezeichnet. Die Schüler sind begeistert. Während dem Unterricht herrscht grösste Aufmerksamkeit und Stille und was ich so mitbekommen vermittelt die liebe Helena ihr Wissen sehr gut und geduldig. Ein weiterer Gewinn für das Zentrum. Möge sie uns lange erhalten bleiben.<br /><br />Und damit sind wir auch schon beim letzten Teil dieses Berichtes angekommen. Wobei ich an dieser Stelle erwähnen will, dass ich in keinem der Berichte immer Alles erzähle was sich hier so abspielt. Das wären sonst – meine Ausschweifungen eingerechnet – mindestens 50 Seiten ... und das kann ich also wirklich niemandem antun.<br />Erzählen will noch von den vielen lieben Besuchen die wir im August bekommen haben. Allen voran Elisabeth Lindner und Johanna Lauber. Zwei Österreicherinnen die sich auf den Weg gemacht haben das Kinder- und Jugendzentrum zu unterstützen. Elisabeth für zwei Wochen, Johanna gar für einen ganzen Monat. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass uns die Beiden viel gegeben haben, leider hat sich ihnen Tarrafal aber von seiner schlechtesten Seite präsentiert. <br />Aber kommen wir zuerst zum Erfreulichen. Elisabeth ist Englischlehrerin in Wien, hat über eine Freundin von dem Kinder- und Jugendzentrum gehört und hat beschlossen einen Teil ihre Sommerferien zu ‚opfern’ um hier Englisch zu unterrichten. Es sei auch erwähnt, dass Elisabeth eine der Organisatorinnen war die das ‚Fest zu Gunsten des Zentrums’ in Wien veranstaltet hat. Jenes Fest bei dem über 4000 € ‚eingespielt’ wurden, die uns schlussendlich die Dachsanierung gesichert haben. Für all das möchte ich mich an dieser Stelle bei Elisabeth bedanken. Natürlich auch im Namen aller Kinder und Jugendlicher des Zentrums. Zu besonderem Dank verpflichtet sind ihr die Lehrlinge und Ausbilder aus Schreiner- und Schneiderei. 2 Wochen lang kamen sie täglich eine Stunde lang in den Genuss eines professionellen Englischunterrichts. <br />Ich muss ich sagen ich war sehr erstaunt als ich bei den Lehrlingen angefragt habe wer denn Interesse hätte in der Mittagspause Englisch zu lernen. Alle haben sich sofort gemeldet. Und die Ausbilder gleich dazu. Ob das an der sympathischen Ausstrahlung der Englischlehrerin oder an ihrem Interesse an Fremdsprachen gelegen ist kann ich nicht sagen ... <br />Und dann die Johanna! Auch sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und es tut mir aufrichtig leid, dass sie keinen unbedingt schönen Monat in Tarrafal verbracht hat ... aber auch bei ihr zuerst zum Erfreulichem. Johanna studiert Internationale Entwicklung, Romanistik (sie spricht fliessend Portugiesisch) und vergleichende Literaturwissenschaften. Kurz: ein Segen für Delta Cultura. Schon als ich ihren Lebenslauf erstmals gelesen habe, kam in mir die Hoffnung auf sie nach ihrem Besuch für die Arbeit bei Delta Cultura in Wien zu gewinnen! Neben ihrem Studium hat sie bisher an der Universitätsbibliothek gearbeitet und wie es das Schicksal so will hat sie während ihrem Aufenthalt in Tarrafal ein Mail von ihrem Arbeitgeber bekommen, dass sie ihren Job verloren hat ... als Begründung wurden ihr irgendwelche fadenscheinige Erklärungen gegeben. Ich vermute ja stark es war mein Schutzengel der ihren Arbeitgebern diese Dummheiten eingeflüstert hat ... so besteht jetzt die Möglichkeit, dass Johanna nach ihrem Urlaub in Cabo Verde (derzeit weilt sie auf Sao Vicente) für Delta Cultura in Wien tätig wird. Ich hoffe es auf alle Fälle sehr. Schon in dem Monat hier hat sich gezeigt, dass sie sehr viel für uns tun kann. Abgesehen von den zahlreichen Übersetzungen die wir ständig vom Deutschen ins Portugiesische und umgekehrt brauchen, kann sie Förderungsanträge an Gott und die Welt erstellen, den Superreichen des Erdballs die Konten plündern ... und damit einen Beitrag dazu leisten, dass die Kriminalitätsrate in Tarrafal sinkt. Womit wir bei dem unerfreulichen Teil von Elisabeths und Johannas Besuch wären ... nein, die Beiden haben sich nicht einer Räuberbande angeschlossen ... sie sind leider Gottes Opfer einer Solchen geworden.<br />Und zwar nicht einmal sondern wiederholt. Gottverdammter Weise ...<br />Zur Erklärung: die Beiden haben sich ein Zimmer in der Wohnung geteilt die uns die Gemeinde Tarrafal zur Verfügung stellt. Diese befindet sich nicht im Dorfzentrum sondern etwas abgelegen. In einem Dorfteil in dem es nur neue Häuser von Emigranten gibt. Und daher nicht so wie sonst wo im Dorf Tag und Nacht viele Menschen auf den Strassen.<br />Elisabeth hat als Erste dumme Erfahrungen gemacht. Zwei ‚Buben’ sind ihr des Abends auf ihrem Nachhauseweg gefolgt und sind sie ‚blöd angegangen’. Ihr resolutes Auftreten hat sie aber vertrieben. <br />Dann eines Nachts, die beiden kamen erschöpft von ihrem Tageswerk nach Hause, sind sie in ihre Betten gefallen und umgehend eingeschlafen. Bei offenem Fenster ... das hat sich der ‚tarrafalianische Räuber Hotzenblotz’ zu Nutzen gemacht, ist eingestiegen und hat zwei Rucksäcke der Schlafenden gestohlen. Johanna ist aufgewacht als der Dieb gerade durchs Fenster entflohen ist. Gott sei Dank waren Pässe und Flugtickets nicht in den Rucksäcken und auch kaum Geld oder sonstige Wertsachen, aber wie immer in derartigen Fällen muss die Tante Jolesch zitiert werden: Gott behüte mich vor Allem was noch mal ein Glück gewesen ist ... Mehr als Johanna wurde Elisabeth von dem Diebstahl ‚geschädigt’. Einige unersetzbare Privatsachen waren in dem Rucksack. Dinge mit denen der Dieb absolut Nichts anfangen kann. So haben wir gehofft die Tasche würde wieder auftauchen. Bis heute ist sie das aber leider nicht.<br />Als Elisabeth schon abgereist war wurde Johanna nochmals Opfer eines Überfalls. Zwar einem mit ‚gutem Ausgang’, aber dafür umso brutaler. Es war spät in der Nacht, Johanna hatte mit zwei Franzosen deren Abschied aus Tarrafal ‚gefeiert’ (Abschiede feiert man zwar nicht, aber irgendwas muss ich ja schreiben?!) und hat sich dann auf den Weg nach Hause gemacht. Alleine. Ausnahmsweise allein. Sonst hat sie immer unser Wächter von der Bar oder sonst jemand begleitet. Aber es war spät und sie wollte niemanden belästigen ... sie kam gerade mal um die erste Ecke als sich ein Vollidiot auf sie gestürzt hat und ihr die Tasche weggerissen hat. Ihren Schrei haben die zwei Franzosen gehört und sie dem Dieb gefolgt. Haben ihn auch erwischt und ihm die Tasche wieder weggenommen. Dann konnte er ihnen allerdings entkommen. Zwar wissen wir wer das war, aber Beweise haben wir keine und wenn wir zur Polizei gehen dann verhören sie ihn, er wird es abstreiten und gar nichts passiert. Trotzdem werde ich ihn zur Rede stellen. Nur ist er seit damals nicht mehr in Tarrafal aufgetaucht. Er kommt aus einem Ort in den Bergen.<br />Als wäre das nicht genug wurde die arme Johanna auch ständig von irgendwelchen Krankheiten heimgesucht. Sie hatte also wirklich eine schwere Zeit und ich hoffe ihr Aufenthalt hat ihr nicht alle Freude an dem Kinder- und Jugendzentrum genommen und wir werden in diesen Berichten noch viel von den erfolgreichen Aktivitäten der Johanna Lauber für Delta Cultura lesen!!<br />Abschliessend nochmals: vielen Dank an die Beiden für ihre Unterstützung!!!<br /><br />Und jetzt beende ich diesen Bericht. Zwar gäbe es da noch so Manches zu erzählen ... aber das hebe ich mir für den nächsten Bericht auf. Der wird dann sicherlich von den Batucadeiras erzählen die derzeit auf der Insel Maio weilen ... ein Grund warum dieser Bericht endlich wieder einmal halbwegs pünktlich seinen Weg durch die Telefonkabel dieser Welt findet. Mit den Batucadeiras sind nämlich auch Frau und Kinder des Projektleiterchens auf Maio und ich habe das Wochenende genutzt um zu verfassen. Wollte zwar Sonntags auch nach Maio, aber die Flieger waren alle voll und dann hat es auch noch den ganzen Tag geregnet ... perfekt um am Computer zu sitzen und zu schreiben.<br />Und diesen letzten Zeilen merkt man an, dass ich sie in einer ‚schnellen Minute’, zwischen zwei Terminen, in den Computer gehämmert habe ... aber der Bericht soll jetzt seiner wohlverdienten Veröffentlichung zugeführt werden.<br /><br />Gesundheit, erholsame Arbeit und herbstliches Wohlbefinden wünscht,<br /><br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-115737300422536311?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1153346419414330482006-06-30T20:53:00.000-01:002006-08-07T19:14:41.890-01:00Monatsbericht Mai/Juni 2006Sonnige Monate liegen hinter dem Kinder- und Jugendzentrum. Wobei das nicht wahnsinnig besonders ist. Der April davor war genauso sonnig wie davor der März, der Februar, der Jänner, der Dezember, der November, der Oktober, der September, der August, der Juli, der Juni, der Mai ...<br />Und die Aussicht von meinem Büro ist auch ganz phantastisch! Wer will darf ruhig ein bisschen neidig sein?! Ich weiss ja, dass ich mir das ‚gut gerichtet’ habe: sonniges Land, toller Arbeitsplatz, mein eigener Chef ... und noch dazu kann ich immer sagen ich tue ja so unglaublich Gutes für die Menschen von Tarrafal!Und wenn es mir mal nicht so gut geht kann ich mit stolz geschwellter Brust durchs Dorf laufen, mir von den Kindern zujubeln lassen und so mein Selbstwertgefühl ins unermessliche steigern. <br />Im sozialen Bereich zu arbeiten ist ja wirklich sehr dankbar! Man kann sich jeglicher Kritik mit dem Hinweis auf ‚das Gute das man tut’ entziehen. So darf mir gerne jeder vorwerfen ich sei ein unerträgliches Projektleiterchen, ein vom Wahnsinn Getriebener, ein in Europa kläglich Gescheiterter, ein psychotischer Schreiberling der mit seinen Monatsberichten dem Projekt ganz unglaublichen Schaden zufügt ... alles kein Problem!!!!! Ich kann stets mit erhobenem Haupte darauf hinweisen, dass ich mit meiner Unerträglichkeit, meinem Wahnsinn, meinem Scheitern, meinem psychotischen Geschreibe innerhalb von 3 Jahren mit einem ‚Startkapital’ von 6 Fussbällen ein Kinder- und Jugendzentrum mit 25 Ausbildungsplätzen, Computer- und Sprachkursangeboten, eine Fussballschule für 150 Buben und Mädchen und eine Batucogruppe aufgebaut habe ... dass es nicht ich alleine war der dies erreicht hat muss ich ja nicht dazusagen ...<br />Und tatsächlich sehe und erlebe ich in dieser auf den ersten Blick unsinnigen Blödelei eine unangenehme Realität. <br />Im ‚Grossen’ gesehen: wie kann man die Caritas, oder die UNICEF, oder wenn auch immer kritisieren, wenn sie doch SO VIEL Gutes tun?! Mir geht es aber trotzdem auf die Nerven wenn sie in Ihren supertollen Landrovers mit Chauffeur Cabo Verde bereisen, in den besten Hotels wohnen, ein schönes Gehalt haben und Gutes tun ... gerade kürzlich habe ich mit einem Schweizer, der hier war um uns bei der Montage der Dächer zu helfen, und der sich geweigert hat in dem von uns angebotenen Zimmer, mit Matratze am Boden, zu wohnen und auf das beste Hotel in Tarrafal bestanden hat, darüber gesprochen. Er hat viele Projekte der Schweizer Entwicklungshilfe in Afrika betreut. Auch in so extrem armen Ländern wie Eritrea. Aber er hat gemeint auch dort werden die Entwicklungshelfer mit Chauffeur am Flughafen abgeholt, wohnen in den guten Hotels ... möglichst europäischer Standard halt. Dass daneben ‚die Kinder wie die Fliegen sterben’ ist todtraurig, ‚aber was soll man machen?’<br />Das es auch anders geht hat mir die liebe Sophia Hubert vom ASB bewiesen. Bei ihrem Besuch des Zentrums hat die Wohnung mit der Matratze am Boden ausgereicht. Obwohl es ihr Budget erlaubt hätte ins Hotel zu gehen!!!<br />Also ich bleibe dabei: die Entwicklungshilfe ist eine riesengrosse Lüge! Ein Wirtschaftszweig. Und das ist eine Verallgemeinerung. Natürlich! Aber meine Argumentation mit dem Hinweis auf diese Verallgemeinerung abzutun, damit wird man der Sache auch nicht gerecht ...<br />Leider brauche ich mit meiner Kritik aber gar nicht so weit auszuholen und die ‚anonymen’ Organisationen anzugreifen. Ich kann bei mir selbst anfangen. Bekanntlich habe ich ja ein Kinder- und Jugendzentrum mit undichten Dächern gebaut. Ein Fehler, eine Nachlässigkeit, ein Besserwissen, das dem Projekt ganz extrem schadet. <br />Ich könnte die Sache jetzt natürlich schön reden um mein Gewissen zu beruhigen. So auf die Art: ‚wenigstens weiss man nach so einer schwierigen Phase mit welchen Partnern man nicht nur bei Schönwetter rechnen kann’ oder ‚eigentlich trägt die Hauptschuld der Architekt der die falsche Folie geschickt hat sowie der Architekt des Zentrums der beschlossen hat seine Verantwortung links liegen zu lassen weil der Chef so blöde Monatsberichte schreibt’ ... aber all diese Floskeln helfen nicht. Weder mir und schon gar nicht dem Kinder- und Jugendzentrum!!<br />Da hilft nur noch: ich bin’s doch, das Projektleiterchen das dauernd Gutes für die Menschen in Tarrafal tut!<br />Soviel zu unserem(?) kleinen Ausflug ‚ins Gute’. Kommen wir zum ‚Bösen’. Bekanntlich weilt es ja unter uns und personifiziert sich ununterbrochen! Eine saudumme Angewohnheit! Als ob es nicht reichen würde böse zu sein?! ... Wobei ich mich schon ab und zu frage wie das Böse bevor es sich personifiziert wohl aussieht?! Und wo wohnt es? Hat es wohl ein dichtes Dach über dem Kopf? Oder hat es sich bei seinem Hausbau auch auf deutsche Architekten verlassen, die ‚Gutes tun wollten’? ... nein, so ein Blödsinn. Ich weiss ja eh, dass das Böse keine festen Wohnsitz hat. Ich weiss aber auch, dass es die ‚Green Card’ für die USA besitzt! Und dass es sich mit einer irrsinnigen Genugtuung in die Monatsberichte von ordentlich und brav arbeitenden Projektleiterchen einschleicht ... <br />Soviel zu unserem(?) kleinen Ausflug ‚ins Böse’. Kommen wir zum guten ‚Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ im Mai und Juni 2006 ... inzwischen leider auch schon ‚erste Hälfte Juli’.<br />Es ist ja offensichtlich so viel passiert, dass ich nicht einmal Zeit gefunden habe den Maibericht zu verfassen. Nur war es gar nicht soviel. Es waren hauptsächlich die Dächer ... über die ich schon so viel berichtet habe, dass es fad wird.<br />Ausbildungen, Fussballschule, etc. sind irgendwie nur ‚so nebenbei’ gelaufen. Obwohl sich doch Einiges bewegt hat. Eindeutig am Erfreulichsten war dabei der Besuch von Arnaldo Andrade. Dieser nette Mann ist Parlamentsabgeordneter der PAICV und Delegierter der Regierung, zuständig für Tarrafal (Zustandsdelegierter???). Er hat die Bürgermeisterwahlen in Tarrafal vor 8 Jahren mit ein paar Stimmen gegen den derzeitigen Bürgermeister verloren ... aber das nur so nebenbei.<br />Er hat wie gesagt das Zentrum besucht (nachdem er das schon vor den Wahlen im Februar versprochen hat). Ich bin gut und gerne eine Stunde mit ihm zusammengesessen und wir haben über ‚Delta Cultura’ und das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ gesprochen. Mit absoluter Sicherheit kann ich sagen, dass ich zum Allererstenmal mit einem Vertreter einer öffentlichen Institution gesprochen habe bei dem ich das Gefühl gehabt habe er ‚versteht’ unsere Ideen und ist auch bereit diese zu unterstützen. <br />Über die im Märzbericht erwähnte Unterstützungsabsage des IEFP (Institut für professionelle Ausbildung) hat er nur gemeint, das seien Bürokraten, die über ihre ‚Richtlinien’ nicht hinausdenken können ... er hat auch gemeint das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ müsse nicht zu einem weiteren ‚Institut’ des IEFP werden sondern könne und solle ruhig unabhängig bleiben. Wir sollten halt schauen, dass wir von den verschiedenen Regierungsstellen finanzielle Unterstützung bekommen. Er wird uns diesbezüglich behilflich sein! Und ausnahmsweise glaube ich ihm das auch! Bei ihm habe ich das Gefühl er findet unsere Aktivitäten wirklich gut und unterstützungswürdig.<br />Sein erster Besuch war auch nicht sein Letzter. Er kommt regelmässig vorbei, lobt unseren Kaffee und ich habe die Möglichkeit ihm ‚Hintergrundinformationen’ über die Regierungstätigkeiten zu entlocken. <br />Auf alle Fälle ist unser guter Kontakt zu Arnaldo Andrade ein grosser Gewinn für das Zentrum und für mich persönlich ist er ein willkommener Gesprächspartner.<br /><br />Ein weiterer grosser Fortschritt in unserem Ausbildungsbetrieb war die ‚Verpflichtung’ einer neuen (zusätzlichen) Ausbilderin für die Schneiderinnen. Biazé, wie sie sich nennt kommt jeweils Freitags und Samstags aus Praia um zu unterrichten. Sie ist Designerin, hat in Paris studiert und lebt derzeit hauptsächlich davon für die caboverdeanischen VIPs Kleider zu entwerfen und zu nähen. So ist sie auch mit dem oben erwähnten Arnaldo Andrade befreundet und lässt sich regelmässig von ihm zur Arbeit ins Zentrum bringen.Biazé hat endlich jene Dinge in der Schneiderwerkstatt in Angriff genommen die schon lange notwendig waren, aber nie passiert sind weil unsere bisherige Ausbilderin nicht gerade ein initiativer Mensch ist und schon gar keine Autorität! Sie war/ist viel zu lieb und nett mit den Lehrlingen. Das führt dazu, dass sie kommen und gehen wann sie wollen (etwas übertrieben gesagt) und nur dann aufräumen wenn ich persönlich mit strenger Miene es befehle.Aber das hat sich wie gesagt mit Biazé geändert. Die Werkstatt ist ‚neu und zweckdienlicher’ eingerichtet, Inventar ist katalogisiert, die Schreinerlehrlinge haben einen grossen ‚Schneidertisch’ gezimmert (fast hätte ich geschrieben ‚gebastelt’) und so nimmt endlich auch die Schneiderausbildung Formen an die das Projektleiterchen vor Freude tanzen lassen?!Er ist inzwischen fast schon legendär. Mein morgendlicher Freudentanz durch die Schneiderei. Die Schneiderinnen kommen jetzt alle überpünktlich zur Ausbildung, lassen alles blitzen und blanken und stehen immer noch mit offenem Munde da wenn ich mit überdurchschnittlich grazilen Pirouetten, rhythmischen Vor- und Rückwertssalti über Nähmaschinen, Schneidertische und Nähnadeln fege ...<br />Wie nicht anders zu erwarten sind jetzt die Schreinerlehrlinge eifersüchtig und verlangen von mir, dass ich meinen Tanz über den Hof in die Schreinerwerkstatt fortsetze. Leider fehlt mir dazu aber die Kondition. Ausserdem inspirieren mich Schneiderinnen und halbfertige Miniröcke viel mehr als grobe Schreiner und Hobelspäne. Mein Tanz in der Schreinerei würde viel plumper ausfallen und ich würde meinen guten Tanzruf verlieren.<br />Aber zurück zu den Schneiderinnen. Noch vor Beginn meiner Tanzeinlagen gab es eine grosse Sitzung zu der ich auch die Erziehungsberechtigten eingeladen habe. Oft sind das ja nicht Mutter oder Vater weil diese im Ausland weilen sondern Tanten, Onkeln oder sonstige Verwandte.<br />Aber egal wer für unsere Schneiderinnen erziehungsberechtigt ist, erschienen sind nur zwei Mütter und ein Vater ... und natürlich die Lehrlinge selbst. Thema war hauptsächlich das ‚Ziel dieser Ausbildung’. An erster Stelle steht natürlich die Vermittlung des Handwerks. Hierfür haben wir eben die neue Ausbilderin aus Praia verpflichtet. Bei Bekanntgabe dieser eindeutigen Verbesserung hat es allerdings nicht nur Freude sondern auch Gejammer gegeben. Und zwar weil es fortan auch Samstags den halben Tag Unterricht geben wird. <br />Aus Erfahrung wissen wir, dass die Lehrlinge nicht nur aus Faulheit gejammert haben sondern auch weil sie oft ‚Druck’ von Seiten ihrer Eltern haben. Die sehen es gar nicht so gerne wenn die Töchter Ausbildungen machen anstatt im Haushalt zu helfen.<br />Die Anwesenden Mütter und der Vater haben allerdings vollstes Verständnis gehabt. Haben Delta Cultura gedankt und haben mir beigepflichtet, dass es eben gewisse Opfer braucht wenn man – wie in diesem Fall – seinen Lebensunterhalt als Schneiderin verdienen will.<br />Neben ‚Fachwissen vermitteln’ wollen wir den Lehrlingen ja auch helfen nach der Ausbildung ‚in die Arbeitswelt zu finden’. Meiner Meinung nach ein viel schwierigeres Unterfangen als ihnen die Ausbildung zu ermöglichen. <br />Auf alle Fälle werde ich nicht müde all den Lehrlingen, Kursteilnehmern und auch den Fussballern Initiative, Kreativität und so verdammtes Zeug zu predigen. Weil nur mit Fachwissen kommt man, gerade in Cabo Verde, nicht wahnsinnig weit. Was nützt einer Schneiderin die die schönsten Miniröcke nähen kann ihr Talent wenn es niemanden gibt der es sich leisten kann die Röcke zu kaufen? Wenn sie aber das ‚verdammte Zeug’ hat dann stickt sie ‚Cabo Verde’ auf den Rock und die verdammten Touristen kaufen es ... so in der Art. Und warum verdammt noch mal das alles ‚verdammt’ ist weiss ich auch nicht?! (vielleicht hat das Böse wieder gepfuscht?)<br />Zusammenfassung: neben Fachwissen will ich verdammtes Zeugs vermitteln. <br />Schöner gesagt: neben Fachwissen will ich auch Kreativität, Initiative, Juchhu und Jucheisa, Hurra und Freudentanz, Phantasie ohne Hurra-rei, kurze Hosen und nur ja keine Badeschlapfen ... was? Ach so ja: vermitteln!!!!! <br />Dazu fällt mir das Festival ein, dass gerade jedes Wochenende am Strand von Tarrafal stattfindet. Jedes Wochenende im Juli!!!!! Musik, viele Sauf- und Grillbuden und das Alles am Strand neben dem rauschenden Meer, unter klarem Sternenhimmel. ‚Ferro Gaita’ am Strand von Tarrafal ist und bleibt ein Erlebnis! Eine tolle Sache! Gratulation an die Gemeinde die dieses Festival organisiert.<br /><br />Und weil wir gerade so im Jubeln sind. Die grosse, die übergrosse, die unglaubliche, die beste Neuigkeit seit Bestehen von Delta Cultura: die Dächer des Zentrums sind dicht!!!!!!!! Wir haben es geschafft!!!!!!!!!! Ich glaube nicht, dass sich irgendwer meine Erleichterung vorstellen kann. Eine Erleichterung die irgendwie nur schrittweise ‚über mich kommt’. Erster Jubel natürlich in dem Moment in dem die Arbeiten abgeschlossen waren (Donnerstag 13.07.06). <br />Aber ich merke wie mir dieser Stein nur langsam, jeden Tag ein bisschen, vom Herzen fällt. Und das ist gut so. Der war nämlich so gross, dass wenn er mit einem Mal gefallen wäre, er mir die Nieren, das Hüftgelenk und den Oberschenkelknochen zertrümmert hätte ... <br />Bevor ich die Geschichte der undichten Dächer ein letztes Mal rekapitulieren will, möchte ich den vielen, vielen Helfern unseren/meinen herzlichsten Dank aussprechen.<br />Zu aller erst meinem Vater! Ohne Willy Wegenstein in Wien, der von Finanzierung über Auftragsvergabe bis zu Transport alles organisiert hat hätte der Regen vergangenen Sonntag ziemlichen Schaden angerichtet!!!!!!!!! Auch wenn man über das Alter nicht spricht möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass mein Vater über 90 Jahre alt ist! Umso unglaublicher war und ist seine Hilfeleistung. In unzähligen Emails und Telefonaten habe ich genau gemerkt wie gross der Druck ist den ihm seine Aufgabe macht, wie gross sein Wunsch, der Regen möge warten und trotzdem hat er immer aufmunternde Worte gehabt! Die ich oft auch tatsächlich gebraucht habe. Ich muss gestehen ich habe zeitweise nicht mehr daran geglaubt, dass wir es schaffen. In einer meiner Kopfschubladen war schon ein ‚Notfallplan’ falls der Regen kommt und die Dacharbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Abdeckplanen etc. sind bereit gelegen. Sämtliche Mitarbeiter waren angehalten auch in der Nacht ‚in Bereitschaft’ zu sein und bei einsetzendem Regen sofort ins Zentrum zu gehen ... <br />Aber nicht nur meinem Vater möchte ich danken. Auch Irene Jorgo die an der Seite meines Vaters organisiert und koordiniert hat! Ebenso Liz Zimmermann, die trotz junger Mutterschaft von den panischen Emails des Projektleiterchens heimgesucht wurde und immer sofort geholfen hat!<br />Natürlich gilt unser Dank auch der Firma Sarna, die die Lösung für unsere undichten Dächer und das Material geliefert hat! Allen voran Peter Durrer hat unsere teilweise sicherlich laienhaften Fragen immer schnell und geduldig beantwortet. <br />Ebenso zu Dank verpflichtet sind wir Peter Bucher, der Monteur der Firma Sarna der nach Ankunft der Materials eine Woche bei uns war und uns die Verlegetechnik beigebracht hat. Seine Einschulung war so gut, dass wir die Arbeiten ohne weitere Schwierigkeiten selbständig zu Ende bringen konnten!<br />Nicht vergessen in meiner Dachdanksagung will ich Kurt Wyler. Der liebe Mann kennt unser Projekt nur von den Monatsberichten, kennt niemanden von uns persönlich und war trotzdem bereit die Dachsanierung mit einer grosszügigen Spende zu unterstützen. Leider hat er von unseren Dachproblemen erst erfahren als wir den Auftrag zur Sanierung schon vergeben hatten. Seine Erfahrung mit Projekten wie dem unsrigen hätte uns sicherlich einiges erspart!!!!!<br />Dank gebührt auch dem ASB/BMZ. Delta Cultura ist durch die hohen Kosten der Dachsanierung mit der Einzahlung des Eigenanteils an den Ausbildungskosten in Verzug geraten. Wir wurden von Seiten des ASB diesbezüglich aber nie unter Druck gesetzt! Im Gegenteil. Der ASB hat immer Verständnis gezeigt und wann immer es notwendig war Geld vorgestreckt! Sie haben uns also gezeigt, dass sie nicht nur hinter uns stehen solange alles eitle Wonne ist, sondern auch bereit sind mit uns gemeinsam die schwierigen Situationen zu bewältigen.<br />Neben vielen weiteren ‚Gross- und Kleinspendern’, vielen Menschen die mit verschiedensten Aktionen Geld gesammelt haben gilt mein Dank aber nicht zuletzt den Arbeitern die die Dächer im Endeffekt abgedichtet haben. Leider verstehen sie meinen Dank an dieser Stelle nicht. Ich erwähne sie aber trotzdem: Kandang, Tchipai, Patriki, Marito, Bino, Néné und Tché!!!!! In vielen Nachtschichten, sogar teilweise während Spielen der Fussballweltmeisterschaft, haben sie auf den Dächern gearbeitet. Kandang hat sich dabei leider böse in den Finger ‚geflext’, war aber Gott sei Dank nach ein paar Tagen wieder einsatzbereit. Ich selbst bin die letzte Woche der Sanierungsarbeiten leider auch ausgefallen. Eine blöde Wunde am Fuss hat sich mit irgendwelchen saublöden Bakterien angefreundet und wollte sich nicht und nicht von ihnen trennen. Weder Antibiotika noch diverseste Wundsalben noch Fieber konnten die Bakterien überreden meinen Fuss zu verlassen. Bis heute weilen sie dort ... ich hoffe die Sache wird ihnen bald zu fad!<br />Ich finde es schon bedenklich, dass ich es nicht einmal während einer wirklich von Herzen gemeinten Danksagung ohne Abschweifungen auskomme. Wobei es mir wirklich egal zu sein scheint ob Ab- oder Aus-, Hauptsache ‚Schweifung’!?<br />Damit das Ganze aber wirklich nicht zu lange wird, möchte ich den Weg zu unseren dichten Dächern in Stichworten schildern. Wirklich ‚Stich’. Ohne ‚Schweif’. Kein Stichschweif, keine Ab- oder Aufworte ... (verdammt mein Computer unterstreicht mir dauernd irgendwelche Worte mit einer roten Wellenlinie ... Saublöder Angeber!)<br /><br />- Juli 2005: ein deutscher Architekt schickt uns nach Begutachtung des Zentrums vor Ort, eine wasserabweisende, von der Sonne innerhalb von 3 Monaten zerstörbare Unterspannfolie für Steildächer, die der deutsche Architekt des Zentrums auf die Flachdächer tackern lässt.<br />- Das Entsetzen ist bei allen Beteiligten riesengross als sich herausstellt, dass die Dächer ganz wahnsinnig viel sind nur nicht dicht!<br />- Die Regenzeit 2005 geht vorbei ohne grossen Schaden anzurichten, das Zentrum eröffnet wie geplant im Oktober 2005.<br />- Der deutsche Architekt tritt seine Heimreise an! Seine Mitverantwortung an den undichten Dächern gibt er unumwunden zu und verspricht sowohl Lösung als auch finanzielle Unterstützung bei der notwendigen Dachsanierung. Bis zur nächsten Regenzeit waren ja noch Monate lang Zeit.<br />- Beruhigt widmet sich das Projektleiterchen seinen Zentrumsaufgaben. Allerdings nicht verdammt vollständig beruhigt. Zumindest ein Angebot der Schweizer Firma Sarna für die Dachsanierung holt es ein!<br />- Das Jahr 2005 geht zu Ende. Projektleiterchens organisieren Jugendzentren, deutsche Architekten planen verdammt erfolgreich und wie verrückt ... aber nicht an undichten Dächern.<br />- Im Februar 2006 ist es mit der Projektleiterchenberuhigung vorbei. Die undichten Dächer fangen ihn an zu plagen. Deutsche Architekten präsentieren immer noch keine Lösungen. Inzwischen allerdings vage Vorstellungen. Vorallem eine: das einzig vorliegende Angebot, nämlich das der Firma Sarna ist viel zu teuer! ‚Die geben zwar 10 Jahre Garantie wollen aber doch nur ihre Folie loswerden.’<br />- Der März 2006 ist bereits angebrochen, da reissen plötzlich die saublödesten Dinge. So auch Projektleiterchennerven. Trotz heftigen Beruhigungsversuchen von deutschen Architekten stellt das Projektleiterchen Ultimaten: Ende Monat muss der Auftrag zur Dachsanierung gegeben werden!<br />- Ebenfalls Anfang März: Willy Wegenstein übernimmt die Organisation der Dachsanierung. <br />- Anfang April 2006: der deutsche Architekt des Zentrums präsentiert die ultimative Lösung für die undichten Dächer: die Firma Sarna. Der Auftrag sollte also vergeben werden. Allerdings: die Finanzierung fehlt. <br />- Die leise Hoffnung, dass der Hilfs(?)verein des deutschen Architekten wie versprochen helfen wird zerschlägt sich: ‚unser Konto ist leider auf Null’. <br />- Nicht so die Sorgen des Projektleiterchens. Entsprechend fällt der ‚Monatsbericht April’ aus. Nachdem es sich von deutschen Architekten verarscht vorkommt, erzählt es in dem Bericht von den Geschehnissen. Zwar nicht ohne den gewohnten Sarkasmus, aber trotzdem reine Tatsachen.<br />- ‚Delta Cultura Cabo Verde’ erklärt die Kooperation mit dem deutschen Verein für beendet, bittet aber um Wahrnehmung der Architektenverantwortung.<br />- Von alledem nichts wissend organisiert Uta Ribarits mit einigen Freunden eine Benefizveranstaltung für das Kinder- und Jugendzentrum in Wien. Die dabei gesammelten 4000 € können als Anzahlung an die Firma Sarna verwendet werden, die umgehend mit der Produktion der notwendigen Folie beginnt.<br />- Anfang Mai 2006: der deutsche Architekt reist nach Wien, hält einen Vortrag, übergibt eine Spende von 2000 € und erklärt sein ‚Engagement hiermit für beendet’. <br />- Mitte Mai 2006: das Projektleiterchen hofft und wartet vergeblich auf Kritik seitens des ASB/BMZ und eines sarkastischen Monatsberichtes dieser Institutionen, um auch sein ‚Engagement für beendet erklären zu können’??!!! <br />- Vorher schon, Ende April 2006, tritt das Material für die Dachsanierung seinen Weg von Sarnen nach Tarrafal an. Ankunftstermin laut Spedition: 11 Mai! Knapp, knapp aber das würde theoretisch reichen.<br />- Anfang Mai 2006: die Vorarbeiten an den Dächern beginnen. Die Aufbordungen müssen verputzt und planiert werden. Eine Arbeit die von heimischen Maurern durchgeführt wird. <br />- Eine erste Vorauslieferung der Firma Sarna (die Regenabläufe die schon eingebaut werden müssen, sowie Folien-Schweissapparate) werden per Luftfracht geschickt. Die schwierigen, sowie langwierigen Zollangelegenheiten die notwendig sind um das Material nach Tarrafal zu bekommen lassen für die ‚grosse Lieferung’ böses ahnen!<br />- 11 Mai: kaum jemand hat je von einer Lieferung von Sarnen nach Tarrafal gehört. Nur ein holländisches Speditionsmaxl glaubt einen Container zu kennen der diese Lieferung beinhaltet. Dieser Container befindet sich allerdings noch auf Urlaub im schönen Rotterdam. <br />- 12 Mai: die Regenzeit ist schon verdammt nahe.<br />- 12. Mai: die geplante Ankunft des Monteurs, Anfang Juni muss verschoben werden. Es entstehen unnötige Umbuchungskosten ... <br />- Mitte Mai. Der Container mit der rettenden Folie beendet ausgeruht und braungebrannt seinen Urlaub und begibt sich auf ein Schiff Richtung Cabo Verde.<br />- 27. Mai: das Schiff kommt im Hafen von Praia an! Der neue Termin für die Ankunft des Monteurs (16.06) kann bestätigt werden. Mehr als zwei Wochen sollten ja reichen das Material aus dem Zoll zu bekommen!!??<br />- Zahlreiche ‚Besuche’ beim Zollagenten, bei der Speditionsagentur, beim Zoll ... dauernd fehlt irgendein Papier, die Spedition verschlampt irgendwelche Dokumente ... <br />- 16. Juni: nach Verlust zahlreicher Nerven und etlicher zeitraubender Fahrten nach Praia, gelingt es, das Material um 15:00 aus dem Zoll zu bekommen. Um 24:00 kommt der Monteur, aus Brasilien kommend, in Praia an!!<br />- Mein erstes Zusammentreffen mit dem Monteur ist wenig erfreulich. Es findet nach seiner ersten Nacht in der von uns zur Verfügung gestellten Wohnung statt: „Felix, so geht das nicht. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht ....“ – „Hallo Peter, ich heisse nicht ‚Felix’ sondern Florian!“ – „Was glaubt ihr eigentlich, Felix. Matratze am Boden, kein Wasser, Mosquitos. Ich brauche ein Hotel.“ – „Ich heisse aber nicht Felix!“ – „Das tut jetzt nichts zur Sache, Felix. Wo ist das nächste Hotel, ich habe schon gepackt!“ – „Frag den Felix ...!“ ... Nein, das habe ich natürlich nicht gesagt. Mir ist nicht viel anderes übrig geblieben als ihn im Hotel Tarrafal einzubuchen. Die haben mir dort wenigstens einen Sonderpreis gemacht. Ich nehme allerdings an, dass es auch im Hotel Mosquitos gegeben hat. Und wenn der liebe Peter wie bei uns in der Wohnung die ganze Nacht den Wasserhahn offen gelassen hat, wird auch das Hotel in der Früh kein Wasser gehabt haben??!! Ich vermute aber, dass Schweizer Monteure mit Wohnsitz in Brasilien, Wasserhähne prinzipiell nur eine Nacht lang offen lassen ... und das ist eine unzulässige Abschweifung in dieser Stichwortschilderung.<br />- Die erste Dachbesichtigung des Monteurs ist ernüchternd. Die Aufbordungen sind zwar alle schön verputzt, aber die Randbleche auf die dann die Folie aufgeschweisst werden muss ‚sitzen’ nicht ordentlich. Einzige Lösung: bei sämtlichen Dächern muss mit der Flex 5 cm Naturstein weggeschnitten werden! Das geht aber Gott sei Dank relativ schnell.<br />- Ein weiterer ‚Schwachpunkt’: die Dachbretter sind alle nur auf die Sparen genagelt! Da wollte der deutsche Architekt wohl Nägel mit Köpfen machen?! Der Monteur ist auf alle Fälle entsetzt! ‚Wer nagelt heutzutage noch?’ Die Bretter biegen sich nach ihrem ersten genagelten Jahr bereits grossteils auf. Die Nägel sind fast alle locker und stehen ein paar Millimeter heraus. Da kann man erstens keine Folie auflegen und zweitens würde es ausreichen, dass sich ein Brett löst, dann würde das gesamte Dach wegfliegen. Einzige Lösung: Alle Bretter schrauben und sämtliche Nägel versenken! Abgesehen von ziemlichem Zeitaufwand durchaus machbar. Wenn man die Schrauben hat. Mit Glück werden wir in der Hauptstadt Praia fündig. Wir kaufen sämtliche 7 cm lange Schrauben auf! <br />- Und dann noch ein, zunächst unüberwindliches, Problem: die Randbleche müssen ordentlich auf die Kante gedübelt werden. Da darf kein Windhauch drunterfahren sonst hebt es das Dach ab. Die Zementmischung mit der die Aufbordungen ausgeglichen wurden ist viel zu brüchig. Da hält kein Dübel. Also brauchen wir 10 cm lange Schrauben. Ich fahre die gesamte Insel ab. Erfolglos. Auf ganz Santiago gibt es keine einzige Schraube in dieser Länge.<br />- Aber wir sind flexibel. Wir fangen einfach mit der Abdeckung der grossen Flächen an und lassen die Aufbordungen für den Schluss. Mein Schraubenhilferuf nach Wien wird erhört. Irene besorgt die notwendigen 800 Nageldübel und schickt sie noch am selben Tag per EMS. <br />- Wir verlegen inzwischen die Folie auf dem ersten Dach und lernen das verschweissen der einzelnen Folienbahnen. Keine Hexerei. Eine Bahn wird gelegt, mit speziellen Beilagscheiben (Tellern) geschraubt, die nächste Bahn wird über diese Schrauben gelegt und verschweisst ... Jetzt könnte man zügig ein Dach nach dem anderen in dieser Art abdichten. Wenn man denn genügend von diesen Beilagscheiben hätte. Irgendwas ist da schief gelaufen. Die Kommunikation zwischen dem Monteur und der Schweizer Firma war nicht so hundertprozentig oder was weiss ich. Auf alle Fälle reichen die Beilagscheiben nicht aus. Aber der Peter Durrer von der Firma Sarna reagiert prompt. Die Firma EMS freut sich einen Hax’n aus!?<br />- 19. Juni: beilagscheiben- und schraubenlos will das Projektleiterchen verzweifeln und Hüte auf die Dächer schmeissen, besinnt sich aber eines Besseren und beschimpft einfach Alles was sich bewegt. Daraufhin kündigen sämtliche Angestellten, die Frau lässt sich scheiden, Delta Cultura löst sich auf und alle Skeptiker und Neider können endlich ihr ‚hab’ ich es nicht gesagt!’ in die Welt posaunen.<br />- 20. Juni: das vom 19. Juni stimmt natürlich nicht. Körnchen?<br />- Der Monteur hat Gott sei Dank seine Erfahrungen mit Dachsanierungen in Entwicklungsländern und ist weit davon entfernt zu verzweifeln. Die Schreinerlehrlinge bauen ein Dachmodell und die Arbeiter werden in Kanten- Ecken- Abfluss- und Dunstabzugsrohrverschweissung eingeschult. So reicht der geplante einwöchige Aufenthalt des Monteurs. Um nicht weitere Kosten zu verursachen verlässt er das Hotel und fliegt zurück nach Brasilien.<br />- 27. Juni: die Schrauben samt Dübel kommen an. Gierig wollen wir loslegen und die Bleche endlich montieren. Aber die Schrauben sind 12 cm lang und unser längster Bohrer 10!? Wir ergattern den letzten 8 mm Bohrer in Tarrafal, der sogar eine Länge von 30 cm hat!!!!! Grosses Aufatmen. Aber schon während dem drauffolgenden Ausatmen bricht der Bohrer ab! Das war kein Steinbohrer sondern einer mit dem man ganz ausgezeichnete Löcher in Butter bohren kann! Wir überlegen uns neue Hütten aus Butterbroten zu bauen, damit wir mit dem Werkzeug, das es hier in Tarrafal zu kaufen gibt ein verdammtes Auskommen finden.<br />- 28. Juni: mit einem unheimlich ausgeprägten ‚das gibt’s ja nicht’ und einem gleichzeitigen ‚irgendwer in diesem saublöden Tarrafal wird doch so einen verdammten Bohrer haben’ setzte ich mich ins Auto und klappere sämtliche Geschäfte in Tarrafal auf meiner Suche nach einem 15 cm langen 8 mm-Bohrer ab. Erfolglos. Ich beginne sämtliche Männer die ich auf der Strasse sehe und die mir auch nur irgendwie so ausschauen als könnten sie 8 mm Bohrer haben, nach einem solchen zu fragen. Alle sind wahnsinnig hilfreich, bedauern aber und verweisen mich an die Geschäfte die doch sicher einen solchen Bohrer haben ... da schaltet sich unser Schutzengelchen ein. Ich frage einen unserer Nachbarn dem ich zufällig begegne. Hat der gute Mann doch tatsächlich vor ein paar Monaten von seinem Cousin in Frankreich eine Lieferung Werkzeug bekommen. Unter anderem einen ausreichend langen Bohrer. Noch dazu einen der auf unsere Hilti-Bohrmaschine passt. Einen derartigen Bohrer zu finden, daran hätte ich nicht einmal im Traum gedacht.<br />- 29. Juni: während Patriki in einem genial rasanten Tempo die Randbleche montiert kommen auch die fehlenden Beilagscheiben aus der Schweiz. Und wir haben endgültig sämtliches Material und Werkzeug zur Dachsanierung vor Ort!<br />- Die Flächen zu verlegen geht jetzt schnell. Zunächst schaffen wir pro Tag/Nacht ein Dach! Aber wir werden schnell professioneller und steigern uns auf 2 Dächer pro Tag/Nacht.<br />- Dann fehlen nur noch die Aufbordungen, Dunstabzüge etc. Das ist ‚Fuzelarbeit’ und nimmt mehr Zeit in Anspruch. Aber der grosse Dachsanierungsdruck fängt an von uns abzufallen.<br />- 13. Juli: die Dachsanierung ist abgeschlossen!!!!!!<br />- 16. Juli: der erste Regen fällt. Kein wahnsinnig ergiebiger, aber er hätte wohl ausgereicht um Schaden anzurichten. <br /><br />Wahnsinn. Obwohl ich mich recht brav an die ‚Stichwortregel’ gehalten habe, hat die Schilderung der Dachsanierung doch ein paar Seiten ‚verschlungen’. Dabei habe ich nicht einmal alle Details erzählt. Ich denke das zeigt ein bisschen etwas von dem Druck, den Problemen den uns diese Dächer gemacht haben. <br />Aber all das ist Vergangenheit. Ich will jetzt mindestens 15 Jahre nichts mehr von Dächern, Folien, 12 cm Schrauben und so verdammten Zeugs hören. Ich denke dass auch alle die unsere Aktivitäten verfolgen genug davon haben.<br />Bevor ich dieses Thema aber ein für allemal schliesse möchte ich noch zwei Dinge loswerden.<br />Da ist zunächst die für alle Beteiligten ungute Situation zwischen Delta Cultura und dem deutschen Hilfsverein Vista Verde, dessen Obmann der Architekt des Zentrums, Frank Mössinger ist. Auch darüber habe ich schon ausführlich berichtet. Dass die Kooperation beendet ist etc. Alles schön und gut und Vergangenheit.<br />Ich war nur lange der Meinung, dass sich Frank seiner Verantwortung die er an den undichten Dächern unbezweifelbar hat (das hat er meinem Vater gegenüber auch bestätigt) bewusst ist und daher helfen wird das zu lösen. Sich zurückzuziehen weil ich sarkastische Monatsberichte schreibe und damit angeblich all seine Spender verkraule die ansonsten tausende Euros gespendet hätten ... das ist billig. Erinnert mich an einen meiner U10 Spieler der trotzig das Spielfeld verlassen hat weil der Schiedsrichter seiner Meinung nach falsch gepfiffen hat.<br />Ich möchte auch klarstellen, dass Frank damit nicht mir oder Marisa persönlich geschadet hat sondern ausschliesslich den Kindern und Jugendlichen des Zentrums. So wird seine Argumentation und sein monatelanges Nichtstun noch jämmerlicher und vollkommen unentschuldbar.<br />Er weiss, dass wir nichts gegen ihn in der Hand haben. Er weiss dass die kapverdischen Inseln weit weg irgendwo in Afrika sind. Und das er gleich bei seinem ersten Projekt schwerwiegende Fehler gemacht hat für die er dann nicht gerade steht, davon, hoffe er wohl, wird in Deutschland nie jemand hören ... ich bin überzeugt er kommt damit nicht durch und ich bezweifle, dass er mit einer derartigen Haltung irgendwo Erfolg haben wird. Zumindest hier in Tarrafal hat er sich seinen Ruf schon zerstört.<br /><br />All diese widrigen Umstände, eigentlich unlösbar scheinende Probleme ... ich glaube Delta Cultura Cabo Verde und Delta Culture Austria haben eindrücklich bewiesen, dass wir in der Lage sind ein Projekt wie das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ nicht nur zu bauen und zu leiten solange alles eitle Wonne ist, sondern auch fähig sind es durch schwierigste Zeiten zu führen!<br />Ganz ehrlich, ich war im Laufe dieses Projektes noch nie auch nur ein bisschen stolz! Ich habe es nicht als hervorstechende Leistung empfunden das Zentrum in 8 Monaten zu bauen. Das Geld dazu war da und die eigentliche Arbeit haben die Handwerker gemacht. Das hätte bald einmal jemand erreicht. Aber diese Dachgeschichte jetzt war etwas anderes. Einige bisherige Partner sind abgesprungen, Delta Cabo Verde und Delta Wien haben das Ding im Alleingang geschupft. Ohne studierte Architekten, ohne ‚schnelles Geld’ von einem Ministerium ... <br />Ich hoffe es bezeichnet mich jetzt niemand als hochnäsig. Aber ich finde tatsächlich das wir das Recht haben ein bisschen stolz zu sein. Und ich hoffe auch, mit dieser Leistung die letzten Zweifler zum Schweigen gebracht zu haben. (Die Neider werden ja immer zu meckern haben). Delta Cultura mag ein kleiner Verein sein, aber unsere Arbeit ist ehrlich und zielgerichtet. Ich denke wir haben bewiesen, dass man damit Erfolg haben kann. <br />Und aus!!!!! Dächer dicht!!!! Die Zukunft des Zentrums hat begonnen! Wobei Zukunft die Eigenschaft hat ununterbrochen zu beginnen. Das ist also nichts Besonderes und kein verdammter Mensch weiss warum ich es dann trotzdem erwähne!<br /><br />Gleichzeitig mit unserer Dachsanierung hat in Deutschland bekanntlich die Fussballweltmeisterschaft stattgefunden. Wer es noch nicht weiss: Italien ist Weltmeister geworden nicht Deutschland ...<br />Manch einer wird jetzt meinen, eine fachmännische Analyse dieser Weltmeisterschaft gehört nicht in einen Monatsbericht eines Kinder- und Jugendzentrums. Weit gefehlt. Wir sind es doch, die Fussballweltmeister 2014!!!!!!! Und ich bin’s doch, der Trainer der Fussballweltmeistermannschaft 2014!!!! Also darf ich jetzt oder nicht??????<br />Kurz, ein bisschen poetisch und mit einer Träne im Auge, gesagt: der Gewinner der Weltmeisterschaft war die Fussballtaktik. Der Verlierer das Fussballspiel!<br />Also ich habe mich bei fast allen Spielen gelangweilt. Öfters einmal war es mir sogar zu blöd mir das taktische Geplänkel anzuschauen und ich habe mich auf eines der damals noch undichten Dächer begeben.<br />Einzige Ausnahme war für mich die Elfenbeinküste. Am besten amüsiert habe ich mich in der zweiten Spielhälfte von Elfenbeinküste – Serbien Montenegro. Die Afrikaner spielen wenigstens noch schnell nach vorne. Auch wenn sie von den Europäern das ‚hinten absichern’ auch schon gelernt haben. So richtiges Pressing hat eigentlich keine Mannschaft gespielt. Sogar dann nicht wenn sie im Rückstand war. Schweden gegen Deutschland zum Beispiel. Deutschland ist 2:0 vorne, es geht um die Wurst und die Schweden spielen trotzdem aus einer gesicherten Abwehr heraus, lassen den Gegner kommen, machen die Räume in der eigenen Spielhälfte eng. Und das ganz gewiss nicht weil Deutschland so ausgezeichnet gespielt hat!<br />Ronaldinho, der für mich auch nach der Weltmeisterschaft der mit Abstand beste Spieler derzeit ist, hat es in einem Interview im brasilianischen Fernsehen so gesagt: die taktische Disziplin der Nationalmannschaften ist heute schon so gross, dass es ein eingespieltes Team braucht um ‚die Löcher’ in der Abwehr zu finden.<br />Bei Barcelona hat er seinen kongenialen Partner Etó, in der Nationalmannschaft hat ihm dieser gefehlt. Da war ganz eindeutig zu wenig Bewegung seiner Mitspieler. Die sind rumgestanden und haben auf den genialen Pass von Ronaldinho gewartet.<br />Ganz ehrlich gesagt finde ich auch, es ist ein Armutszeugnis für den Fussball wenn Zidane als bester Spieler der Weltmeisterschaft gewählt wird. Gegen Brasilien war er gut, sehr gut. Aber sonst????? Ein Spieler der in einem Spiel wie Schweiz gegen Frankreich mitspielt kann meiner Meinung nach nicht zum besten Spieler eines Turniers gewählt werden. Die FIFA sollte die beiden Mannschaften für dieses Spiel bestrafen. Wenn alle so spielen schaut bei der nächsten Weltmeisterschaft kein Mensch mehr Fussball. <br />Und gleich noch ein Ratschlag an die FIFA: der Fussball würde gewinnen wenn bei den Weltmeisterschaften weniger Mannschaften aus Europa und mehr aus Afrika teilnehmen würden. Immerhin waren Mannschaften wie Kamerun, Nigeria, Senegal nicht dabei. Dafür Polen, Ukraine, Schweiz, Serbien-Montenegro ... nichts gegen diese Mannschaften, aber attraktiveren Fussball spielen die Afrikaner.<br />Ich fürchte aber, das dies nicht passieren wird. Der Blatter hat seine Gesinnung ja unumwunden bekannt gegeben. Nach dem Skandal in Italien hat er gemeint wenn so was in Afrika passiert dann wundere es ihn nicht. Aber in Italien!? ... Wie ich meine, eine ziemlich rassistische Aussage. Ich würde viel darauf wetten, dass es auch in der sauberen Schweiz Wettskandale im Fussball geben wird. Wer weiss, vielleicht ist der Blatter sogar involviert?<br />Nein, ich bin kein Mensch der überall düstere Machenschaften vermutet. Aber ich und auch die Jugendlichen des Zentrums, die z.B. das Spiel Deutschland gegen Argentinien gesehen haben, haben sich schon sehr gewundert warum von den strittigen Szenen im deutschen Strafraum nie Wiederholungen gezeigt wurden? Später habe ich es dann im portugiesischen Sender gesehen. Da waren zwei ganz eindeutige Elfmeter für Argentinien dabei! Ich will wirklich niemandem was unterstellen. Aber ansonsten zeigen sie doch von jedem Fitzelfaul 7 Wiederholungen?!<br />Noch etwas ganz anderes hat mich sehr verwundert. Nicht nur die Fussballbegeisterten in Österreich sind fast durchwegs gegen die Deutschen. Nein, die Jugendlichen hier genauso. Der Jubel im Kinder- und Jugendzentrum war nie so gross wie bei den beiden Toren von Italien gegen Deutschland. Das ging sogar bis zu Freudentänzen. Natürlich nicht so verflucht graziöse wie die meinigen durch die Schneiderei, aber immerhin ...<br />Womit wir wieder bei der guten alten Ausbildung im Kinder- und Jugendzentrum wären ... <br />Es handelt sich bei diesem Bericht zwar offiziell für den Mai/Juni Bericht, aber wir haben ja schon Mittel Juli und so erzähle ich noch eine Begebenheit des vergangenen Sonntags. An dieser Stelle sei auch sogleich erwähnt, dass ich ab Montag zwei Wochen im Urlaub bin und es den nächsten Bericht daher erst Anfang September geben wird.<br />Also der Sonntag. Aufmerksame Leser werden sich an den Namen Arnaldo Andrade erinnern. Der Parlamentsabgeordnete der unser Projekt so liebt ... Ihm haben wir es zu verdanken gehabt, dass es an diesem besagten Sonntag eine grosse ‚Versammlung’ in unserem Zentrum gegeben hat: der portugiesische Minister für Arbeit und Solidarität, der caboverdeanische Minister für Arbeit und Solidarität, die caboverdeanische Ministerin für professionelle Ausbildung, die Direktorin der portugiesisch-caboverdeanischen Kooperation in Portugal, sämtliche Vertreter dieser Kooperation hier in Cabo Verde, der Bürgermeister von Tarrafal, Arnaldo Andrade und noch einige Wichtigkeiten mehr. Nicht schlecht gell? Ihr könnt euch die Freude des Projektleiterchens vorstellen ... fast hätte ich meinen Freudentanz über den Versammlungstisch vorgeführt. Gerade noch rechtzeitig hat mir Arnaldo Andrade aber geflüstert, dass die Portugiesen gegen derartige Kundgebungen sind.<br />Marisa war höllisch nervös, auch unsere neue Assistentin von der ich gleich noch erzählen werde, nur ich war die Ruhe in Person. Ich bin’s doch, das coole Projektleiterchen, der im Umgang mit so hohen Persönlichkeiten Geschulte, der Schweissausbruch unter Kontrolle Habende.<br />Nein, aber tatsächlich war ich nicht nervös. Ich weiss inzwischen von einigen anderen Besuchen dieser Art, dass auch Minister immer sehr angetan sind von unserer Arbeit. Leider weiss ich aber auch, dass derartige Besuche und das Lob das wir dann immer bekommen keinen grossen Wert hat. Ich bin daher auf der Suche nach einer Möglichkeit mit Lob Ausbildungen zu finanzieren. Es muss ja nicht immer Geld sein. So war mein erster Weg gestern auch in das Stoffgeschäft in Praia. Ich habe die Leute dort über den Klee gelobt, ihr Sortiment, das Auftreten und Aussehen sämtlicher Angestellter, ihr grossartige Arbeit habe ich gepriesen und zum Abschluss habe ich ihnen mein selbstkomponiertes Loblied vorgesungen. Aber diese verdammten Geschäftsleute haben keine einzige Nähnadel rausgerückt. Geld wollten sie haben. Vollkommen umsonst komponiert.<br />Aber zurück zu unserem fröhlichen Ministertreffen. Wir haben natürlich mit einer Führung durch das Zentrum begonnen, in weiser Voraussicht habe ich ein Fussballspiel der U10 für den Zeitpunkt des Besuches organisiert. In dieser Altersklasse haben wir ja Buben und Mädchen gemischt. Das kommt immer gut an. So war das Fussballspiel zwar nicht spontan, aber die Batucodarbietung der Mädchen. Ich weiss wirklich nicht warum sie haben sich plötzlich zusammengesetzt, haben die Fussbälle zu Trommeln umfunktioniert und haben dazu gesungen. Sämtliche Minister und Direktorinnen waren ganz hin und weg.<br />Nein, weg waren sie nicht, es gab ja noch meine Präsentation des Projektes und unserer Zukunftspläne. Zum wiederholten Male habe ich ganz klar und deutlich gesagt, dass es unmöglich die Aufgabe von Delta Cultura sein kann das immer noch vorhandene Stromproblem zu lösen und dass Delta Cultura für die Zeit nach März 2007 auf die finanzielle Unterstützung seitens der Regierung und der Gemeinde angewiesen sein wird. Ich bin damit auf offene Ohren gestossen. Und das war sicherlich ein Privileg: wer hat in seinem langen Leben schon die Möglichkeit das offene Ohr eines portugiesischen Ministers zu stossen!???<br />Diese Versammlung hat aber wirklich Anlass zu Optimismus gegeben. Sowohl der Bürgermeister als auch die caboverdeanische Ministerin haben darauf hingewiesen, dass es unsinnig wäre in ein weiteres Ausbildungszentrum in Tarrafal zu investieren wenn doch mit dem Zentrum schon die Infrastruktur gegeben wäre. <br />Es gilt jetzt konkrete Pläne für die Zukunft zu machen. Mit allem drum und dran. Kostenvoranschläge etc. Aber darin bin ich ja jetzt schon geübt und kann inzwischen auch schon auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen.<br />Am meisten beeindruckt war ganz eindeutig die Direktorin der portugiesischen Kooperation. Und wie mir Arnaldo Andrade geflüstert hat, ist sie es die bestimmt. Wenn sie zusagt, dann zahlt Portugal auch! Eine fixe Zusage haben wir von ihr natürlich nicht, aber sie wollte unbedingt genaue Zahlen von mir haben. Wie viel zahlt das deutsche Ministerium für die Fixkosten (Strom, Wasser, Auto, etc.), wie viel für die Ausbildung usw. Habe diese Daten Gott sei Dank sehr schnell meinem Computer entlocken können.<br />Sehr gefreut hat mich auch ihre Äusserung, sie könne sich vorstellen das Projekt direkt zu unterstützen. Also nicht über die portugiesische Kooperation in Cabo Verde oder irgendwelche caboverdeanischen Institutionen, sondern Direkthilfe an Delta Cultura. Das ist mir immer willkommen weil dann sichergestellt ist, dass keine Gelder in husch-pfusch genähten Taschen verschwindet. Verdammte Huschtaschen würde ich ja gerade noch akzeptieren ...<br />Also mal sehen wie sich diese Geschichte weiter entwickelt. Wir bleiben auf alle Fälle dran und ich bin nach meinen Dachdepressionen unbedingt verflucht zuversichtlich!<br /><br />Damit bleiben diesem Monatsbericht nur noch zwei Dinge zu erzählen. Zum einen die neue Assistentin. Nachdem uns Shy verlassen hat – sie hat vor nach Portugal zu gehen um zu studieren – haben wir zunächst versucht jemanden aus Tarrafal in diese mächtige Position zu hieven. Da war aber niemand. Also haben wir in der Wochenzeitung inseriert und es haben sich doch Einige gemeldet. Entschieden haben wir uns schlussendlich für Edna. Sie kommt ursprünglich von Sao Vicente, hat aber die letzten Jahre in Assomada gelebt. Sie hat eine 8 Monate alte Tochter und wie das hier leider so üblich ist, ist der Vater nach Portugal und hat sie sitzen lassen. Noch dazu haben ihr die Eltern des Vaters die Wohnung leergeräumt ... so arbeitet sie jetzt an einem Neubeginn hier in Tarrafal. <br />Sie wohnt in der Wohnung die uns die Gemeinde zur Verfügung gestellt hat. Für uns am wichtigsten: sie ist eine sehr initiative Person. Hat schon so einige Dinge in die Hand genommen und auch neue Ideen eingebracht. ‚Frisches Blut’ ist immer gut! So trägt auch Edna dazu bei, dass meine Zuversicht, mein Optimismus für die Zukunft des Zentrums gross genug ist um entspannt in Urlaub gehen zu können.<br /><br />Und die letzte Meldung ... ist auch eine ganz verflucht verdammt phantastische. Die portugiesische Elektra die das Land jetzt fast 8 Jahre verarscht (Entschuldigung) hat, befindet sich auf dem, von allen begrüssten, Rückzug. Das Ganze geht nicht ohne Streit zwischen Regierung und Elektra über die Bühne aber der Premierminister hat in einem Fernsehinterview klipp und klar gesagt ‚Cabo Verde lasse sich von keiner portugiesischen Firma zum Narren halten und die Elektra müsse gehen’. Über die Summe die die Regierung zahlen muss herrscht Uneinigkeit und wird wohl von einem Gericht entschieden werden. Alle die Cabo Verde und die Stromversorgung hier kennen wissen was dies für eine Jubelmeldung ist. Dem nicht genug hat der Premierminister in diesem Fernsehinterview auch angekündigt ‚nach der Elektra ist die Telecom dran!!!!!’. Der Mann besticht normalerweise mit seiner Diplomatie, aber in diesem Interview hat man ihm seinen Hass auf diese portugiesischen Unternehmen ganz eindeutig angemerkt.<br />Alle die mich kennen wissen, dass ich immer gesagt habe, dass wenn Cabo Verde einen wirklichen Schritt nach vorne machen will müssen sie die Elektra und die Telecom los werden. Es scheint geschafft!!!!!! Ich bin dieser Regierung unendlich dankbar dafür. Und ich bin Regierungen wirklich nicht sehr schnell dankbar ... <br /><br />So das war’s, liebe Leser. Ihr seid erlöst! Der Bericht endet hier. Ich möchte nur noch einen kleinen Hinweis geben. Auf unserer Internetseite werden diese Berichte ja auch veröffentlicht. Und dort gibt es für Alle die Möglichkeit einen Kommentar dazu abzugeben. Ich würde mich freuen wenn mehr Leser davon Gebrauch machen würden. Das belebt die Sache.<br /><br />Jetzt bleibt es mir nur noch allen Lesern einen schönen Sommer zu wünschen und dann ist dieser Bericht beendet. Verdammt!<br />Liebe Grüsse,<br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-115334641941433048?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com3tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1148042392861611902006-04-30T11:10:00.000-01:002006-05-19T11:39:52.890-01:00Monatsbericht April 2006Nach ganz langer Zeit will ich wieder einmal versuchen einen Monatsbericht ganz pünktlich fertigzustellen. Wobei dazu erwähnt sei, dass ich mir das seit bald einmal 2 Jahren jeden Monat vornehme und auch immer mehr als rechtzeitig beginne zu schreiben ... aber bis der Bericht dann endlich fertig ist, ist es doch immer Mitte Monat ... Der April macht es mir aber auch wirklich nicht leicht mit dem ‚rechtzeitig’ fertig werden. Viel ist passiert in den vergangenen Wochen. Und über alles will berichtet werden: Batucofestival, Änderungen beim Ausbildungspersonal, Drohgebärden meiner geliebten Elektra uns den Strom abzudrehen, hoher Besuch aus Österreich, Abdichtungsk(r)ämpfe mit Flachdächern und zum Monatsabschluss noch ein grosses, dreitägiges Fussballfest in Calheta!<br />Dazwischen natürlich noch viele so kleine Begebenheiten die in der Summe gesehen auch ganz ordentlich dazu beigetragen haben, dass der April vergangen ist. Wären die alle nicht passiert hätten wir jetzt noch Mitte April ... aber ich erzähle sie trotzdem nicht weil ich mich auf das Wesentliche beschränken muss. Genau so wie ich es in all den vergangenen Berichten ja auch gemacht habe. Kurz und prägnant. Wobei ich mich schon wundern muss warum prägnant wenn man es englisch ausspricht ‚schwanger’ bedeutet?! Gibt es da vielleicht eine heimliche Verbindung zwischen ‚prägnant’ und ‚schwanger’? Könnte ich also auch sagen ‚meine Berichte sind kurz und schwanger?’ Und die liebe Frau die 2 Tage lang vergessen hat die Pille zu nehmen, kann die dann ihrem Mann beichten ‚du ... ich muss dir was sagen ... ich bin prägnant.’<br />Aber ich wollte von dem Ausbildungslehrgängen im Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal’ erzählen.<br />Sie laufen gut. Sie laufen nicht durchwegs so wie ich es mir wünsche, aber ich sehe, dass die Kinder und Jugendlichen Fortschritte machen. Und das macht natürlich grosse Freude. <br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schreiner-bei-der-arbeit-788296.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schreiner-bei-der-arbeit-782310.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schneiderinnen-787732.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schneiderinnen-784603.jpg" border="0" alt="" /></a>Die Schreinerlehrlinge können jetzt schon gepolsterte Sessel bauen, Tische, Küchenkästen, usw. Und noch viel wichtiger: ihre Anwesenheit ist nach einigen Anlaufschwierigkeiten sehr regelmässig geworden. Im Oktober war es um ihre Gesundheit anscheinend noch nicht so gut bestellt gewesen. Viele waren mindestens einmal die Woche so krank, dass sie nicht Schreinerlehrlinge sein konnten ... inzwischen erfreuen sie sich sehr stabiler Gesundheit und alle möglichen Schweinehunde die sie daran gehindert haben früh morgens den Weg zum Zentrum zu finden, sind jämmerlich verdurstet. Das gilt Gott sei Dank auch für die Schneiderinnen. Wobei es bei den Mädchen einer grösseren ‚Kraftanstrengung’ bedurft hat ...Was den beiden ‚Gruppen’ derzeit leider fehlt ist die Berufsberaterin. Wir haben derer inzwischen schon 2 ‚verbraucht’, nachdem Nair ihre Tätigkeit im Zentrum aufgegeben hat. <br />Ich bin allerdings nicht wirklich unglücklich darüber. Mir (und auch den Lehrlingen) hat ihre Art nicht so gefallen ...<br />Wir stehen jetzt halt vor dem Problem, dass es in Tarrafal keine Berufsberaterin mehr gibt. An einer Lösung in Richtung ‚Kombination mit psychologischer Beraterin’ arbeiten wir derzeit. Es ist uns bisher ja leider nicht gelungen eine Psychologin für das Geld das uns diesbezüglich zur Verfügung steht einmal in der Woche aus Praia hierher zu lotsen. Nachdem auch die Kurse für ‚erste Hilfe’ und ‚Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz’, welche die Ausbildung der Lehrlinge ergänzen sollen, nicht und nicht anlaufen weil der zuständige Herr vom Gesundheitsministerium uns ständig hinhält, arbeite ich an einer ‚Umschichtung’ der vorhandenen finanziellen Mittel ... das erste halbe Jahr Ausbildung hat uns ja doch so einiges an Erfahrung gebracht und es ist sicher sinnvoll die ‚Lehren daraus zu ziehen’ und die Ausbildungen den Gegebenheiten anzupassen.<br />Ein weiteres Beispiel für notwendige Anpassungen gibt es aus dem Bereich der Informatik. Der erste Kurs ist inzwischen beendet, die ersten ‚Zentrumsdiplome’ vergeben. Aber dieser erste Kurs hat ganz eindeutig unter dem hektischen Übergang von Bau zu Ausbildung gelitten. Das Netzwerk wurde schnell, schnell und irgendwie komisch installiert ... alle Computer hatten Zugriff überallhin, seltsame IP-Adressen, alle waren sie ‚Administratoren’ und die Schüler waren hauptsächlich damit beschäftigt Musik, Videos, Photos und Spiele zu speichern, Verknüpfungen zu diesen an alle nur erdenklichen Orte zu legen ... bis sie sich eines Tages beschwert haben, dass die Computer entweder nicht mehr funktionieren oder nur wahnsinnig langsam ... ich selbst habe damals noch nicht gewusst, was eine IP-Adresse überhaupt ist, dachte mir es bedeute Immens-Professionelle-Adresse und war irrsinnig stolz auf meine Ausbilderin, dass sie so was überhaupt vergeben kann ... den Status der ‚Administratoren’ wollte ich den Schülern auch nicht nehmen weil ich mir dachte darunter könnte ihr Selbstvertrauen leiden wenn ich sie zu ‚eingeschränkten Benutzern’ mache ... was mir allerdings schon halbwegs klar war, war die Tatsache, dass wenn ein Computer 400 Gigabyte Photos und Spiele und Videos am Desktop gespeichert hat, er dann seine Rechenaufgaben nicht mehr ordentlich macht ...<br />Drei Tage bin ich gesessen und habe die 10 Computer ‚gereinigt’. Nachdem ich den Schülern dann eindringlich erklärt habe sie sollen ihre Photos bitte nicht auf unseren Computern speichern und die Spiele erst gar nicht mitbringen, haben sie augenblicklich ihr Informatikwissen vertieft und angefangen an ganz versteckten Orten zu speichern ... Es hat sich ganz einfach bewahrheitet was ich von Anfang an befürchtet hatte: wenn etwas hektisch und wenig vorbereitet beginnt dann schleichen sich so blöde ‚Angewohnheiten’ ein, die man dann nicht mehr wegbekommt.<br />Bei dem Entwurf der Diplome war ich sehr dazu verleitet ihnen ein ‚ausserordentlich ausgezeichnetes Speicherwissen’ zu bescheinigen, habe es dann aber doch unterlassen ... und ich war heilfroh, als der Kurs endlich abgeschlossen war, die Diplome vergeben und alle Computer noch funktioniert haben. Halbwegs. Gott sei Dank war in dieser Übergangsphase vom ersten zum zweiten Kurs gerade Jenny und Fu auf Besuch und sie haben sich der Sache angenommen. Haben ordentliche IP-Adressen vergeben damit das Internetnetzwerk auch funktioniert, haben Virenschutz installiert, ein Programm dass sich ‚Windows Washer’ nennt und ganz selbständig Dateien löscht (dem Erfinder dieses Programms gehört ein Abzeichen für ‚besondere Reinigungsdienste’ verliehen) und sie haben sämtliche Computer im Informatikraum zu ‚eingeschränkten Benutzern’ gemacht. <br />Viel habe ich von den Beiden in den zwei Wochen ihrer Anwesenheit über Computer gelernt. Meinen herzlichsten Dank dafür!<br />Reich an Erfahrung was die Abhaltung von Computerkursen betrifft habe ich den Schülern des zweiten Kurses schon vor Antritt so einige Zentrumsregeln erklärt. Die Wichtigste: wer auch nur ein Photo auf einem der Computer speichert, fliegt raus und hat lebenslange Zentrumssperre ... und meine Antrittsrede hat tatsächlich Früchte getragen. Die Ausbilderin erzählt mir jeden Abend auf der Heimfahrt wie wahnsinnig froh sie über diesen Kurs ist. Wie brav die Schüler sind und wie ruhig es während dem Unterricht zugeht ... und ich habe jetzt schon über einen Monat kein einziges Photo mehr löschen müssen ... <br /><br />... unglaublich aber wahr: während ich diese Zeilen über meinen Kampf mit den Computern geschrieben habe, macht es plötzlich einen kleinen ‚Tusch’ und der Bildschirm ist schwarz. Ich denk mir zunächst nichts dabei, weil hier ja ständig der Strom ausfällt. <br />Es war ein Samstag, ich war alleine im Zentrum und habe mir fest vorgenommen gehabt diese Ruhe für die Fertigstellung dieses Berichtes zu nutzen ... immer noch in der Überzeugung der Strom sei ausgefallen, bin ich auf die an sich absurde Idee gekommen mir einen Kaffee zu machen. Wie denn, wenn die Kaffeemaschine keinen Strom hat?! Diesen einfachen Gedanken habe ich dem Moment aber nicht zu denken vermocht. Also habe ich der Kaffeemaschine Wasser gegeben, Kaffee in den Aufsatz getan und den Schalter betätigt. Erst als die Kaffeemaschine mir ihr rotes Licht gezeigt hat ist mir die furchtbare Erleuchtung gekommen: es ist gar kein Stromausfall sondern mein Computer hat seinen Geist aufgegeben oder zumindest seinen Geist gewechselt und der Neue kann das Einmaleins nicht.<br />Der Gedanke, dass mein Computer jetzt für immer tot sein würde und alle meine lieben Daten mit in sein Grab genommen hat war mir so unerträglich, dass ich die Schuld einer gefallenen Sicherung gegeben habe ... Fehlanzeige. Also musste es am Stecker liegen ... <br />Fehlanzeige. <br />In diesem Augenblick kam der arme Néne, unser Trainer der U10 ins Büro um sich meine Pfeife für die Leitung des Trainings auszuborgen. Er fand mich unter meinem Schreibtisch eingeklemmt, von zahllosen Kabeln umwickelt, neben mir ein geistloser Computer und eine funktionierende Steckdose. In Gedanken auf der Suche nach einer irrsinnig einfachen Lösung für den schwarzen Bildschirm über mir, allerdings schon mit der Vermutung, dass da etwas Gröberes passiert ist, habe ich – soweit ich mich erinnern kann – nicht sehr freundlich auf seine Bitte reagiert. Ich weiss nicht ob ich ihm gesagt habe er solle sein saublödes Training auf den Fingern pfeifend leiten, oder ob ich ihn aufgefordert habe gar nicht zu pfeifen weil wenn meine Daten weg sind ICH auf Alles pfeifen werde ... derartige Ausbrüche von mir sind leider gar nicht gut für den lieben Néne. Er ist eh so schüchtern und vertragt es überhaupt nicht wenn ich genervt auf seine ja wirklich harmlosen Bitten reagiere ... <br />Als ich dann zu der Vermutung gekommen bin, dass mein Computer gar nicht den Geist gewechselt hat sondern sich mit seinem Netzteil zerstritten und die Verbindung zu ihm ein für alle Male abgebrochen hat, habe ich wieder leise Hoffnung geschöpft und bin mit meiner wieder gewonnen Fassung und der Schiedsrichterpfeife auf den Fussballplatz um mich bei Nené zu entschuldigen. Der Gute war auch gar nicht böse und hat mir Genesungswünsche für meinen Computer mit auf den Weg gegeben.<br />Es war denn auch tatsächlich das Netzteil. Wie sich allerdings erst am folgenden Montag herausgestellt hat. Nachdem ich in aller Früh nach Praia gefahren war, ein neues Netzteil gekauft hatte und es in meinen Computer eingebaut hatte ... da hat es plötzlich wieder geflutscht, der Rechner hat Daten ausgespuckt wie nie zuvor, Nené bekommt zu all seinen Trainings alle Pfeifen die ich auftreiben kann ... und wenn sie nicht gestorben sind rechnen und pfeifen sie sich heute noch eins ... <br /><br />Und dann war plötzlich Mitte Mai und mein Vorsatz mit dem pünktlichen Monatsbericht war über Bord ... <br />Trotzdem erlaube ich mir an dieser Stelle einen kleinen Einschub ... und bitte alle Leser mich nicht zu fragen warum mir bei dem Wort ‚Einschub’ der ‚Einlauf’ einfällt ... <br /><br />Der letzte Monatsbericht hat – ich war ganz eindeutig darauf gefasst gewesen – so einige Reaktionen ausgelöst. Und das ist gut so! Schliesslich berichte ich ja nicht um mit so grausigen Sachen wie Schleim in Verbindung zu geraten oder gar um zu kriechen oder zu färben. Nie in meinem langen Leben wollte ich Schleimer, Kriecher oder Färber werden. Diese Berufe liegen mir einfach nicht. Da bin ich lieber ‚chen’ ... <br />Ein Einschub im Einschub: auch dieses ‚chen’ am Ende des Projektleiters verursacht öfters mal Reaktionen. Mir wird immer wieder nahegelegt es doch wegzulassen ... das kann ich aber nicht. Es wäre ja eine Lüge ... ich bin nun mal ein Projektleiterchen, was kann ich denn dafür?! Ausserdem: wenn ich das in den Monatsberichten verschweigen würde, was sollen mir denn dann all die Leute sagen die mich so gerne kritisieren? Ich bekomme ja kaum mehr ein Kritisiermail in dem nicht dieses ‚chen’ angesprochen wird. Und diese ‚chen’-Reaktionen sind teilweise so erheiternd, dass ich schon angefangen habe sie zu sammeln und mir überlege sie in einem Bildbänd-chen zu veröffentlichen??!! ... also, liebe Kritisierer-chens, lasst mir doch bitte meine kleinen Freuden und bekrittelt mein ‚chen’ auch weiterhin!<br />Aber zurück vom Einschubeinschub zum Einschub ... ich behaupte bis heute, dass ich in meinem Berichten keine Lügen verbreite und auf der anderen Seite auch nichts zurückhalte. Wer es nicht glaubt soll mal auf der anderen Seite dieses Berichtes nachschauen (Bildschirm aufschrauben, Abdeckung abnehmen) ... Und? ... Steh ich dort und halte irgendwas zurück? ... Na eben! ... Ich weiss, dass es Menschen gibt die mich in ihren Bildschirm wünschen um dort zurückzuhalten was das Zeug hält ... aber ich halte nun mal nicht gerne. Schon gar nicht zurück.<br />Also werde ich weiterhin kritisieren, Freude kundtun, Leiden schildern, Ärger Luft machen und die Bildschirmwünsche diverser Leser in den Wind schlagen.<br />Es ist ja so, dass uns der liebe Gott so geschaffen hat, dass uns niemand zwingen kann etwas zu lesen was wir nicht lesen wollen! Eine irrsinnig sinnvolle Fähigkeit. Da hat sich der liebe Gott schon was dabei gedacht!!!!! Stellt euch vor wir müssten alles lesen was geschrieben steht ... <br />Bisher bin ich immer davon ausgegangen, dass sämtliche Menschen auf dieser Welt von dieser Fähigkeit auch Gebrauch machen. Jetzt bin ich eines Besseren belehrt worden ... es gibt da nämlich einige Ex-Monatsberichtsempfänger die mir vor mehr als einem halben Jahr mitgeteilt haben ich solle sie doch bitte aus dem Verteiler nehmen, sie wollen meine Berichte nicht lesen! Das habe ich natürlich umgehend gemacht. Und was machen diese Berichtshasser jetzt? Sie ‚gehen’ auf unsere Internetseite und lesen die Berichte dort!!?? ... Das ist ja wie wenn ich jeden Tag 2 kg Rotkraut runterwürge obwohl mir bereits nach dem ersten Bissen übel wird ... also wenn ich so was machen würde, dann würde ich diese Verirrung nicht auch noch mit verräterischen Kurzkommentaren kundtun?!<br />Und Einwurf abschliessend möchte ich noch zu dem auf der Internetseite veröffentlichten Vorwurf Stellung nehmen ich müsse beim Verfassen des Märzberichtes ja besoffen oder bekifft gewesen sein. Dazu sei gesagt: ich habe meine Drogenjahre mehr als 20 Jahre hinter mir! Mein Alkoholkonsum geht über 2 Zuckerrohrschnäpse und 3 Caipirinha pro Monat nicht hinaus. Ich möchte jenen Leser der anscheinend nach Erklärungen für mein Geschreibe sucht weil es nicht seiner Norm entspricht, aber nicht einfach so in der normleeren Luft hängen lassen. Weil was diese Berichte also wirklich nicht wollen ist ‚Weltbilder erschüttern’. Daher möchte ich Alternativerklärungen anbieten, von denen sich jeder der es braucht eine aussuchen darf: <br />1. Ich bin während dem schreiben zwar nicht bekifft oder besoffen, leide aber unter Dauerschäden aus meinen jugendlichen Ausflügen in die Drogenwelt.<br />2. Ich bin endgültig aus meinen Neurosen in die Psychosen aufgestiegen.<br />3. Ich leide unter noch nie dagewesenen Hosen.<br />4. Die afrikanische Sonne weicht meine Innereien auf.<br />5. Ich bin vollkommen überarbeitet und kann nicht mehr klar denken.<br />6. Ich kann vollkommen denken, aber nur über Arbeit.<br />7. Ich bin’s, der Schizoflo.<br /><br />Hoffe inständigst mit diesen Erklärungen Weltbilder aufrecht halten zu können! Die Liste darf auch gerne ergänzt werden ...<br /><br />Und das war jetzt schon sehr weit von Entwicklungszusammenarbeitsprojekten entfernt ... oder doch nicht?<br /><br />Ganz unbestritten hierher gehört aber die Erzählung über das erste Batucofestival Santiagos an dem (fast) alle Gruppen der Insel teilgenommen haben! Organisiert von Delta Cultura unter Hauptverantwortung von Marisa und Shy! Die Beiden Batucadeiras wollten ein Zeichen setzen und der aufkommende Rivalität zwischen den verschiedenen Gruppen (allein die Gemeinde Tarrafal hat inzwischen 4 Batuco-Gruppen) Einhalt gebieten.<br />Die Veranstaltung war wirklich ein grosser Erfolg und hat Delta Cultura grosses Ansehen gebracht. Von der Gemeinde Tarrafal bis zum Kulturministerium haben wir Dank und Gratulation bekommen! Der Fernsehbericht der am Tag nach dem Festival in den Nachrichten gebracht wurde hat unseren Bekanntheitsgrad weiter gehoben. Und was mich wirklich ganz besonders gefreut hat: ich habe so absolut überhaupt nichts zu dieser Veranstaltung beigetragen. Von der Idee über die Durchführung bis zur Nachbearbeitung war es ausschliesslich die Präsidentin die Feder geführt hat.<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/treffpunkt_zentrum-738228.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/treffpunkt_zentrum-732779.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/batucogruppe_-achada-monti-762808.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/batucogruppe_-achada-monti-755962.jpg" border="0" alt="" /></a>Der Tag des Festivals war der Ostersonntag. Früh am Morgen sind die erfahrensten Köchinnen im Zentrum zusammengekommen um für die 16 erwarteten Batucogruppen (über 250 hungrige Menschen) aufzukochen.Gegen Mittag sind dann die ersten Gruppen eingetrudelt. Unser Zentrum war Treffpunkt und hat sich über die vielen fröhlichen Frauen wie ein Osterhase gefreut. Wobei zu klären gilt wie sich ein Osterhase freut ...Viele Batucoepisoden wurden erzählt, Erfahrungen ausgetauscht ... von Rivalität keine Spur. Alle haben Marisa zu dieser Veranstaltung gratuliert und noch bevor es so richtig angefangen hat war schon beschlossen derartige Treffen in Zukunft regelmässig abzuhalten.Ein bisschen aus der Reihe getanzt ist einzig die Gruppe ‚Po di terra’. Sie sind derzeit die Stars der Batucogruppen, haben vor ein paar Monaten eine CD herausgebracht und die Mädchen der Gruppe haben sich so ein paar kleine dumme Starallüren zugelegt. Sie sind um Stunden zu spät gekommen, nicht wie alle anderen in traditioneller ‚Batucokleidung’ und haben sich eher abgesondert als an dem Austausch beteiligt.Am frühen Nachmittag ging es dann ins Dorfzentrum wo im grossen Innenhof des Kinos die eigentliche Veranstaltung begonnen hat. Von der ersten bis zur letzten der 16 Gruppen die an diesem denkwürdigen Tag aufgetreten sind waren zahlreiche Zuschauer anwesend.<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/marisa-714442.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/marisa-711636.jpg" border="0" alt="" /></a>So sehr sich Marisa darüber gefreut hat so peinlich war es ihr als Veranstalterin eine Ansprache halten zu müssen. Aber sie hat das sehr gut ‚gelöst’. Wirklich souverän war sie dann aber beim Fernsehinterview. Sie ist ganz eindeutig mit der Aufgabe gewachsen.Auffallend oft war das Lob welches Marisa und Delta Cultura bekommen hat von dem Nebensatz ‚warum organisiert die Gemeinde eigentlich nie derartige Veranstaltungen’ begleitet ... worauf wir keine Antwort haben. Es ist ja auch müssig sich das zu überlegen. Vielleicht haben sie kein Geld oder keine Lust oder keine Ideen ... Geld hat Delta Cultura auch keines ... aber Lust und Ideen in Hülle und Fülle. Es wird ganz sicher weitere Veranstaltungen in dieser Art geben. Das hat Marisa jetzt schon so vielen Menschen versprechen müssen ... <br /> <br />Das Batucofestival war also eine weiterer Höhepunkt in der Laufbahn von ‚Delta Cultura’ ... eine, wie wir nicht ohne Stolz sagen können, sehr erfolgreiche Laufbahn. Oder? Das darf ich doch sagen?! In drei Jahren von null auf hundert ... da könnte sich auch der Schumi in seinem Ferrari eine Scheibe abschneiden (oder einen Kolben ausborgen?!).<br />An dieser Stelle möchte ich einmal mehr meinen besonderen und herzlichen Dank an den ASB (Arbeitersamariterbund) aussprechen. Die Finanzierung der ganzen Geschichte kommt zwar vom deutschen BMZ, aber mit dieser Stelle bin ich nie in Kontakt. Nicht, dass ich dem Ministerium nicht dankbar bin, natürlich bin ich das! Aber es kommt mir immer komisch vor Dank an Organisationen oder Institutionen auszusprechen. Ein von Herzen ausgesprochener Dank muss irgendwie an ‚ein Gesicht’ gehen. Und das ist beim ASB jenes von Sophia Hubert. Unsere Projektbetreuerin, die ja auch mit uns die Eröffnung des Zentrums gefeiert hat. Speziell bei ihr möchte ich mich für die Geduld die sie mit uns hat bedanken! Für ihr ständiges Bemühen uns die Arbeit zu erleichtern, für ihr Verständnis was unsere ständigen Geldprobleme betrifft. Delta Cultura hat wirklich grosses Glück gehabt das Projekt mit dem ASB machen zu dürfen. Einen ‚angenehmeren’, verständnisvolleren Kooperationspartner hätten wir nicht finden können!<br /><br />Und damit kommen wir zum letzten Teil dieses schon ziemlich verspäteten Monatsberichts. Es war am letzten Wochenende des wirklich denkwürdigen Aprils 2006. Praktisch die gesamte Fussballschule (130 Buben und Mädchen) ist gemeinsam mit der Fussballschule aus dem Nachbarort Chão Bom (70 Buben und Mädchen) für 3 Tage nach Calheta, einem Ort an der Ostküste Santiagos ‚übersiedelt’.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/fussballschule-in-calheta-718507.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/fussballschule-in-calheta-702884.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/speisesaal_calheta-782082.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/speisesaal_calheta-778869.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/SUB10-771606.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/SUB10-768395.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/frauen_spielen_fussball-766952.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/frauen_spielen_fussball-763684.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/frauenmannschaft-789440.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/frauenmannschaft-786465.jpg" border="0" alt="" /></a>Es gibt dort seit kurzem ebenfalls eine Fussballschule , die uns zu diesem ‚Drei Tages Event’ eingeladen hat. Untergebracht waren die Kinder und Jugendlichen in einer Schule. Die Klassenzimmer wurden kurzfristig zu Schlafsälen umgebaut ... Küche und Speisesäle haben hier alle Schulen. So war für das Wohl der Kinder gesorgt. Einzig Matratzen waren Mangelware und haben beim ‚Einzug’ zu langen hitzigen Diskussionen geführt. Der gesamte Schulhof war Schauplatz von zahlreichen Kämpfen um Matratzen. Irgendwie hat sich das Chaos dann organisiert und jede/r hatte seinen Streifen Matratze erkämpft.Der Spielplan war gesteckt voll. Auf 3 Fussballplätzen gab es 3 Tage ein Spiel nach dem anderen. In allen Alters- und Geschlechtsklassen: U10, U12, U15, U17, Kampf- und Mädchenmannschaft. Es würde jetzt natürlich den Rahmen sprengen zu sämtlichen Spielen Berichte, Ergebnisse und Analysen zu liefern ... aber auch in diesem Bereich waren die Tage in Calheta für uns sehr erfolgreich! So erfolgreich, dass es doch tatsächlich Stimmen gegeben hat die behauptet haben Delta Cultura habe die Schiedsrichter gekauft!!??Ich hatte dies eigentlich auch vor. Aber mein Ansuchen beim deutschen Ministerium um Finanzierung dieses Vorhabens wurde leider abgelehnt?!Spiele von denen ich aber ganz unbedingt erzählen muss waren jene der Mädchenmannschaft. Vor ein paar Monaten habe ich ja wieder das Training der Mädchen übernommen, nachdem es bei ihnen immer Schwierigkeiten bezüglich Regelmässigkeit und Ernsthaftigkeit gibt. Nicht das wir die Fussballschule als eine ernste Angelegenheit sehen, aber auf eine gewisse Regelmässigkeit legen wir schon Wert. Ich sage den Mädchen immer, dass ich sie wirklich nur trainiere wenn ich das Gefühl habe sie verbessern sich ... und diese Spiele waren ein eindrucksvoller Beweis dieser Verbesserung. Wirklich erstmals in meiner Zeit in Cabo Verde habe ich eine Mädchenmannschaft so richtig Fussball spielen gesehen. Sie haben teilweise richtig schön kombiniert, die Tore die gefallen sind waren keine Zufallsprodukte sondern herausgespielte gekonnt abgeschlossene Aktionen.Ganz ehrlich, diese Spiele haben mir eine riesengrosse Freude bereitet. Und nicht nur weil wir beide Spiele gewonnen haben (jeweils 3:1) sondern eben wegen der Art und Weise wie diese Siege zustande gekommen sind.Der (fast) einzige Schwachpunkt war die mangelnde Kondition der meisten Spielerinnen. Vor allem der Leistungsträgerinnen. Teilweise musste ich sie im Laufe der zweiten Spielhälfte gegen viel schwächere Spielerinnen austauschen, weil sie ganz einfach am Ende ihrer Kräfte waren.Dazu muss aber auch gesagt werden, dass die Spiele in der brennenden Mittagssonne stattgefunden haben und die Mädchen wohl nicht wirklich ausgeschlafen eingelaufen sind. Die Nächte in der Schule waren nicht nur von schlafen geprägt ... Es war ein wirklich schönes Wochenende. Schon alleine die Freude der Kinder zu erleben .... auch diese Veranstaltung verlangt ganz unbedingt nach Wiederholung! <br /> <br />Und damit findet auch der Aprilbericht sein Ende! Zwar gäbe es noch Vieles zu erzählen und über so Einiges müsste noch philosophiert werden, aber es gibt ja noch den Mai und den Juni, den Juli ...<br /><br /><br />Herzlichste Grüsse aus Tarrafal,<br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-114804239286161190?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com1tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1144953685898005372006-03-30T17:36:00.000-01:002006-04-13T17:41:25.923-01:00Monatsbericht März 2006Wer braucht schon eine Einleitung?!<br /><br />Und dann war da noch ein Besuch beim IEFP in Assomada. Das ist das Institut para Emprego e Formação Profissional. Also für Anstellung und professionelle Ausbildung. Die sind dort zuständig für sämtliche Ausbildungen die sich professionell nennen in ‚Santiago interior’. Daher auch für Tarrafal. <br />Sie haben uns nach ihrem Besuch des Zentrums gebeten vorbeizukommen und ganz schnell um Unterstützung anzusuchen da die Frist zur Einreichung Anfang März abläuft ... Es war mir ein leichtes und ‚schnelles’ ein derartiges Ansuchen zu verfassen. Wir haben professionelle Ausbildungen im Bereich Schneider und Schreiner laufen und es fehlen uns – damit das IEFP uns anerkennt – ‚Zusatzausbildung’ in Theorie. Also Portugiesisch, Mathematik, Materialkunde, usw. Leider fehlt uns das Geld um für diese Bereiche weitere Ausbilder anzustellen.<br />Ich musste also nur eine Stundenanzahl für die jeweiligen Fächer ‚bestimmen’ und die Kosten für Ausbilder (die bekommen umgerechnet ca. 15 € die Stunde) kalkulieren. Und das habe ich dann ‚angesucht’.<br />In einem unglaublichen Tempo hat das IEFP das Ansuchen geprüft und uns bereits einen Tag nach Einreichung abgesagt. Noch nie in meinem langen Leben habe ich auf ein Ansuchen eine derart schnelle Antwort bekommen. Das schaffen nicht einmal die Schweizer Behörden!!!! <br />Habe daher umgehend eine Massenaussendung an sämtliche Behörden dieser schönen Welt rausgeschickt in der ich sie darauf aufmerksam gemacht habe, dass es in Cabo Verde auf der Insel Santiago im Städtchen Assomada ein Institut gibt, das eine neue unglaublich schnelle Ansuchensbeantwortungsmethode entwickelt hat und diese bei entsprechender Bezahlung auch weitergeben würde ... <br /><br />In Wirklichkeit hat sich bei mir natürlich der Verdacht breit gemacht, dass die nie vorgehabt haben uns zu unterstützen. Nur weil der Premierminister, die Unterrichtsministerin, das IEFP selbst (im August 2004!!!!) schon so Einiges zugesagt haben, aber bisher so überhaupt nichts eingehalten haben, wollten sie halt so tun als ob sie Interesse hätten ... die Begründung für die Absage war denn auch an den Haaren herbeigezogen: das Problem sei, dass unsere Ausbildung schon begonnen habe und die unterschiedliche Schulbildung der Lehrlinge.<br />Ich konnte nicht anders als dem lieben Mann zu sagen, dass ich beim besten Willen kein Problem darin sehen könne eine Ausbildung zu beginnen und auch diejenigen einzubinden die keine Schulbildung haben ... <br />Der gute Zentrumsgeist hat uns daraufhin am Tag nach der Absage das Fernsehen geschickt. Sie haben einen Beitrag über die Ausbildungen gedreht und dabei natürlich das Projektleiterchen interviewt. Eine schöne Gelegenheit zu erzählen was uns ständig versprochen, aber nie gehalten wird.<br /><br />So und jetzt liebe Leser aufgepasst! Es folgt eine kitschigtragische Analyse dieser Ansuchensgeschichte. Wie immer steckt hinter so kleinen Begebenheiten ja viel mehr als auf den ersten Blick preisgegeben wird!? <br />Vorallem im Hinblick auf ‚langfristige Finanzierung’ des Projekts müssen wir daraus natürlich einiges lernen.<br />Also ich sehe das so: es ist mir zwar kein ‚Kinderspiel’ aber doch ein sehr ebener Weg zur Finanzierung von bestimmten ‚Angeboten’ im Zentrum durch caboverdeanische Institutionen. Ich muss halt deren Richtlinien akzeptieren und um diese herum ein Ausbildungsprojekt ‚entwerfen’. Sie wollen ja auch, dass ich das mache. Sagen sie zumindest?!<br />Wenn ich also Ausbildungen von ‚so langer Dauer’ wie jetzt (eineinhalb Jahre) anbieten will, darf ich nur ja nicht mit irgendeiner Aktivität beginnen und darf nur Lehrlinge nehmen die die Schule abgeschlossen haben.<br />Für mich hat das aber den Beigeschmack von: fördern wir die Jugendlichen die ordentlich, brav und fleissig sind, die schon in den Schuljahren gezeigt haben, dass sie in diesem System ausgezeichnet zurecht kommen. Soll sich jemand anderer um die kümmern die aus welchen Gründen auch immer nicht so problemlos lernen und ihren (Über)lebenskampf mit anderen Mitteln zu bewältigen versuchen.<br />Ich müsste also eine klare Trennung zwischen zwei Menschentypen vornehmen und für jeden separat Angebote entwickeln. Es gibt ja für alle irgendwelche Institutionen und Einrichtungen die helfen.<br />Aus dieser Schilderung geht wohl schon hervor, dass dies nicht gerade mein Ziel ist. <br />Delta Cultura ist ja auch gerade dabei zu beweisen, dass eine Ausbildung von Lehrlingen mit unterschiedlicher Schulbildung sehr wohl möglich ist. Den Lehrlingen die nicht schreiben und lesen können bringen wir das bei und wenn sie nach eineinhalb Jahren nicht den Wissenstand der anderen Lehrlinge haben, dann bilden wir sie halt weiterhin aus. Oder geben ihnen Arbeit im Zentrum und bieten ihnen nebenbei weitere Ausbildungsmöglichkeiten ... oder, oder, oder.<br />Ich sehe keine Problematik sondern Vorteile: die Lehrlinge die eine bessere Schulbildung haben, lernen die ‚Schwächeren’ ‚mitzuziehen’. Ihre Verantwortung die sie ihnen gegenüber haben wahrzunehmen. <br />Dass dadurch ihre eigene Ausbildung ‚leidet’ halte ich für eine Mähr. Das bestätigt mir auch der Schreinerausbilder.<br /><br />Langred Kurzsinn:<br />Wir leiden unter dem grassierenden Schubladisierungswahn. <br />Den es doch ganz eindeutig gibt? Oder?<br />Arme – Reiche<br />Christen – Moslems – Buddhisten – Hindus <br />Fleissige – Faule<br />Schwarze – Weisse – Gelbe – Rote<br />Blöde – Gescheite<br />Professionelle – Amateure <br />Rationalisten – Sensibilisten<br />Schubladisierungsbefürworter – Schubladiesierungsgegner<br />Warmduscher – Kaltduscher<br />Soziale - Asoziale<br />usw.<br />Alle haben in irgendeiner Schublade Platz.<br /><br />Die Frage die sich mir jetzt stellt ist halt die, in welche Schublade sich Delta Cultura begeben soll um möglichst viel Förderung und Unterstützung zu bekommen?! Oder sollen wir uns gar nicht ‚einordnen’ lassen?<br />Was die Sache der langfristigen Finanzierung sicherlich viel schwieriger gestaltet. Dann braucht es Kooperationspartner und Geldgeber die nicht nur ganz bestimmte Schubladen fördern wollen sondern sich das Zentrum und unsere Aktivitäten, die Erfolge und Misserfolge anschauen und auf dieser Grundlage über Förderung oder Nichtförderung entscheiden.<br />Wobei es sich ja schon über ‚Erfolg und Misserfolg’ streiten lässt. Weil auch der Begriff ‚Erfolg’ lässt sich hemmungslos schubladisieren.<br />Ab wann z.B. ist die Fussballschule ein Erfolg? Ab 100 Teilnehmern? Oder ab Gewinn der nationalen Fussballmeisterschaft? Oder ab Vermittlung eines Spielers zu Real Madrid? ...<br />Natürlich ist es mein Traum das Zentrum so zu finanzieren, dass wir weiterhin anbieten können was und wie es das Projektleiterchen, der Delta-Vorstand und die Kinder- und Jugendlichen Tarrafals wollen.<br />Wenn ich mir aber so die Meinungen der verschiedenen Institutionen, Organisationen, etc. anhöre (siehe z.B.: IEFP), dann zweifle ich ein ganz klein wenig an der Realisierbarkeit dieses Traumes ... weil ich noch keinem begegnet bin der nicht zwingend verlangt wir sollen es uns endlich in einer Schublade bequem machen, damit wir förderungswürdig werden ...<br /><br />Und geht das alles zu weit? Das was ich da so dahinschreibe? Stelle gerne die Möglichkeit zur Verfügung, dass Alles was ich da so erzähle ein an den Haaren herbeigezogener Blödsinn ist??!!<br /><br />Der März im Kinder- und Jugendzentrum war des weiteren von undichten Dächern geprägt. Die plagen uns zwar schon seit Juli 2005, aber jetzt werden sie wieder akut. Die Regenzeit steht vor der Tür und eine Schnell-Schnell-Lösung der Dächer gibt es nicht. Auch keine Kostenlose. Nicht einmal eine Billige.<br />Nachdem ich im September 2005 ein Angebot der Schweizer Firma ‚Sarna’ zur Sanierung der Dächer eingeholt habe, habe ich diese Lösungsmöglichkeit auf Anraten des Architekten wieder zur Seite gelegt: ‚da gäbe es bestimmt viel billigere Lösungen und einmal zurück in Deutschland werde er sich der Sache annehmen’. Also habe ich mich in meinem Strandstuhl zurückgelehnt und mich auf den lieben Mann verlassen. Mir war ja klar, dass ihm klar ist, dass an diesen Dächern das gesamte Projekt scheitern kann. Wenn wir sie nicht abdichten, müssen wir, vor der Regenzeit, die Werkstätten ausräumen, dann stoppen die Ausbildungen und damit wohl auch die Förderung des BMZ. <br />Leider wurde ich enttäuscht. Monat um Monat ist vergangen und ich habe keine konkreten Lösungsvorschläge für die Dächer erhalten. Mir wurde die Sache zu brenzlig um mich weiter hinhalten zu lassen. Ich habe meinen Vater in Wien gebeten die Sache in die Hand zu nehmen. In seine über 90 jährige, erfahrungsreiche Hand! <br />Er hat sehr schnell verstanden um was es da geht und ich versuche seitdem mich ‚Backen zu beissen’, dass ich das nicht schon im Oktober, mit Bauende, meinem Vater übergeben habe. Dann hätten wir jetzt nicht diesen Zeit- und Gelddruck!<br />Nach einer Woche seiner Tätigkeit, ist es meinem Vater gelungen dem Architekten sämtliche gesammelten Angebote bezüglich Dachsanierung zu entlocken. Ergebnis: das billigste und beste Angebot ist das der Schweizer Firma Sarna! Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen hat der Architekt also 7 Monate gebraucht! Und das war soviel Arbeit, dass es ihm in diesen Monaten leider nicht gelungen ist auch nur einen Euro für die Sanierung der Dächer aufzutreiben. <br />Gott sei Dank gibt es in Wien aber die Uta Ribarits und ihre Freunde! Uta war während der Bauphase des Zentrums hier in Tarrafal und war anscheinend sehr angetan von unserem Projekt. Zurück in Wien hat sie sich entschlossen ein Fest zu Gunsten des Kinder- und Jugendzentrums zu organisieren. Anfang März hat dieses dann im Wiener Prater stattgefunden. Wie genau es ihr gelungen ist weiss ich nicht, aber bei dieser Gelegenheit sind sage und schreibe 4500!!!!!!!!!!!! € für das Kinder- und Jugendzentrum übriggeblieben!<br />An dieser Stelle unseren allerherzlichsten Dank an alle Organisatoren dieses Festes!!! ... <br /><br />Leider konnten wir diese Spende nicht wie ursprünglich vorgesehen als Eigenanteil in das Projekt einbringen sondern mussten sie als Anzahlung für die Dachsanierung an die Firma Sarna überweisen. Sonst hätten die nicht angefangen Material herzustellen, Monteur zu organisieren, etc. Und es ist jetzt schon fraglich ob es sich zeitlich ausgeht die Dächer vor der Regenzeit dicht zu bekommen. Das Material muss ja erst einmal nach Tarrafal gebracht werden. Das dauert Wochen (hoffentlich nicht Monate). Je nach dem wie schnell die Spedition das nach Praia bringt und je nachdem wie gut der Zolldirektor dann gerade aufgelegt ist ... <br />Auf alle Fälle eine gewaltige ‚Bremse’, dieses Dachproblem. Viele Arbeiten bleiben derzeit liegen weil ich Prioritäten setzen muss. Und die Dächer sind oberste Priorität!<br /><br />Liegen geblieben sind unter anderem meine Bemühungen die Europareise im Sommer zu organisieren und zu finanzieren. Ich bin einfach nicht ausreichend dazugekommen. Und so nebenbei lässt sich für ein derartiges Unternehmen leider kein Geld auftreiben.<br />Möglicherweise wäre es uns gelungen wenn wir eine schöne Projektdokumentation gehabt hätten. Oder wenn wir die 8000 € die unser Kooperationspartner hierfür ausgegeben hat zur Verfügung gestellt bekommen hätten!<br />Aber keines von Beiden war der Fall.<br />Leider hat es Delta Cultura bei Auftragsvergabe für die Projektdokumentation verabsäumt einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen der Art der Leistung und Zeitraum regeln hätte müssen! Eine schmerzliche Erfahrung, dass sogar im sozialen Bereich und unter ‚Freunden’ anscheinend alles vertraglich geregelt werden muss ... Delta Cultura weiss das jetzt ... <br />Delta Cultura weiss auch, dass es viele ganz ganz liebe Menschen auf dieser wirklich wunderschönen Welt gibt, die es für besser halten würden, diese Schwierigkeiten mit dem deutschen Kooperationspartner einfach nicht zu erwähnen, vor allem nicht auf einer Internetseite zu veröffentlichen.<br />Leider war der März aber von diesen Schwierigkeiten mitgeprägt, hat immer wieder die Arbeit des Projektleiterchens beeinflusst und dieses ‚chen’ findet daher es gehört erwähnt. Schliesslich handelt es sich hier ja um einen Situationsbericht und nicht um einen Verschwiegenheitsbericht.<br />Allerdings werde ich mich an der Kandare (heisst die wirklich so? und wo ist die?) nehmen (oder reissen?) ... also ich werde mich irgendwo reissend nehmen und ‚nur’ die Tatsachen erwähnen die dazu geführt haben das Delta Cultura in einer Vorstandssitzung beschlossen hat die Kooperation mit dem deutschen ‚Partner’ zu beenden.<br />‚Aufgabe’ des deutschen Vereins war sozusagen die Finanzierung des Architekten und der Projektdokumentation. Abgesehen davon haben sie aber auch einen Teil (3000 €) des Eigenanteils 2005 (gesamt 20.000 €)geleistet, bei der Beschaffung des Zentrumsinventars geholfen und den Transport (6000 €) mitfinanziert. Sie haben also einen grossen Beitrag zum Gelingen des Projektes beigetragen.<br />Dies ist allerdings nicht der Grund warum wir die Kooperation beendet haben??!!!<br />Unstimmigkeiten gab es natürlich schon während dem Aufenthalt von Architekten und Projektdokumentatorin in Tarrafal während der Bauphase. Erstmals Ernsthafte als die Beiden während einer schwieirgen Phase des Baus auf Urlaub gefahren sind. An sich hatte der Architekt ja mein Einverständnis, ich wollte nur, dass er noch ein paar wesentliche Dinge klärt. Das hat er allerdings für unnotwendig empfunden und hat das schlicht und einfach mir überlassen.<br />Damals habe ich mir zum erstenmal gedacht, dass ich wohl kein geeigneter Chef bin. Ich mache immer wieder den Fehler, zu glauben die Angestellten haben selbst genug Verantwortungsgefühl und ich muss keine Befehle ausgeben. Ich merke dann zwar oft sehr bald schon, dass dies nicht der Fall ist, aber ich ‚schreite’ dann nicht sofort ein. Ich warte irgendwie darauf, dass der- oder diejenige von selbst auf die Idee kommt, dass es an der Zeit ist zu handeln ohne dass es jemand befiehlt ... und ich schweige dann meist so lange bis mir die Geduld reisst und ich meinem Ärger Luft mache. Der- oder diejenige ist dann immer ganz überrascht und entsetzt weil er/sie in dem Glauben gelebt hat ihr/sein Nichtstun oder Langsamtun verzücke mich ganz ungemein.<br />Ich weiss, dass ich diese Eigenschaft wohl ändern sollte. Es ist mir aber bis heute nicht gelungen. Jetzt im laufenden Betrieb rufe ich halt immer wieder Versammlungen der Angestellten ein und erzähle, dass es so denn auch nicht gehe und jeder mehr Verantwortung übernehmen solle. Das passiert dann auch immer, verschwindet aber nach ein paar Tagen wieder. Ich schreite dann nicht bei jeder Kleinigkeit ein, das ist mir einfach zu blöd und zu zeitaufwendig. So ist die Überraschung dann wieder riesengross wenn ich zur nächsten Versammlung rufe ... ein ewiger Kreislauf an den ich mich jetzt aber schon gewöhnt habe und den ich auch so akzeptieren kann. Ich denke dann halt immer an mein eigenes Verhalten in den diversen Angestelltenverhältnissen die ich durchlaufen habe. In den seltensten Fällen hätte ich da mein Chef sein wollen!?<br />Abschweifung! Zurück zum Kooperationspartner.<br />Eine kurze Erklärung zu dieser Kooperation. Architekt und Photographin waren 10 Monate in Tarrafal. Der Architekt hat ein Monatsgehalt von ca. 300 € für Bauleitung etc. aus dem ‚Fördertopf’ des deutschen Ministeriums bekommen. Beide haben die 10 Monate die sie in Tarrafal waren in Marisas und meiner Bar ein Abendessen bekommen. Die ersten Monate auch Getränke (wenn es sein musste bis zum Besäufnis??!!). Weiters haben sie von ihrem Verein Unterstützung bekommen. Es entzieht sich meiner Kenntnis wie viel.<br />Die Photographin hat uns vor ihrer Ankunft ein Angebot für eine Projektdokumentation sowie einer Powerpointpräsentation gelegt. 10.000 €. Das Geld war nicht vorhanden, sie hat sich aber bereiterklärt trotzdem zu kommen um den Bau photographisch festzuhalten.<br />Nebenbei sei erwähnt, dass sie das mit meiner Digitalkamera gemacht hat.<br />Im August 2005 hat der deutsche Verein eine Spende von 15.000 € für die Projektdokumentation bekommen. Davon wurde der Containertransport bezahlt (ca. 6000 €). Ich hatte zu dieser Zeit grosse Schwierigkeiten mit der Finanzierung des Baus. Es war eigentlich kein Geld mehr dafür da, weil Delta Eigenanteil an dem Projekt ‚geschuldet’ hat. Der deutsche Verein hat allerdings beschlossen den Rest der 15.000 € für die Projektdokumentation zurückzuhalten.<br />Diese Vorgehensweise hat endgültig zu Streitereien zwischen Delta und dem Kooperationspartner geführt. Es hat meinen ‚Glauben’ an deren Ernsthaftigkeit, an deren Interesse an dem Gesamtprojekt stark erschüttert. Aber natürlich habe ich es akzeptiert. Das Geldproblem habe ich damals mit einem zinslosen Kredit den Delta Cultura bekommen hat gelöst. Zunächst habe ich überhaupt nur weiterbauen können weil sich der Chefmaurer bereiterklärt hat auf das ausständige Gehalt derweil zu verzichten. Das ist zwar hier in Cabo Verde Gang und Gebe, es hat mir aber trotzdem ein blödes Gefühl gemacht, dass da ein deutscher Verein 8000 € für eine Projektdokumentation ‚zurückhält’ während ein caboverdeanischer Maurer und seine Angestellten auf ihren Lohn warten müssen ... <br />Das Verhältnis zwischen Delta und dem deutschen Verein ist dementsprechend getrübt geblieben. Zumindest von meiner Seite aus. Durchaus möglich, dass Architekt und Photographin nach zahlreichen Gesprächen über dieses Thema gefunden haben es sei ‚alles wieder prima’.<br />Und dann gehört zu dieser Geschichte das leidige Dachproblem. Wobei ich vorausschicken will, dass ich diesbezüglich dem Architekten nie die Schuld dafür gegeben oder es ihm vorgeworfen habe. <br />Ich bin aber immer davon ausgegangen, dass er seinen Teil – sowohl was Lösungsvorschläge als auch was Finanzierung betrifft – beitragen wird, dass er diesbezüglich Verantwortung übernehmen wird. Aber ich habe auch hier meinen oben beschriebenen Fehler gemacht, dass ich Verantwortungsbewusstsein vorausgesetzt habe ... wie es schlussendlich gelaufen ist steht ja auch weiter oben beschrieben: Lösung habe ICH gefunden, mein Vater organisiert diese, die Finanzierung fehlt. Wir alle hoffen sehr, dass diesbezüglich noch eine ‚letzte Hilfe’ von Seiten des deutschen Vereins oder des Architekten kommt!!!!!<br />Letzten Ausschlag zur Beendigung der Kooperation hat schlussendlich die Projektdokumentation gegeben. Offensichtlich fälschlicherweise bin ich immer davon ausgegangen, dass die Photographin während ihres Aufenthaltes mehr als nur alle paar Tage Photos von der Baustelle macht. Ich dachte sie arbeitet nebenbei an dem Text, dem Layout etc. Ich wollte ja eigentlich höchstens zwei, drei Monate nach Bauende die Dokumentation gedruckt haben, also noch 2005. Das hätte ich wohl ganz deutlich so formulieren sollen. Bei Angebotslegung.<br />Tatsächlich war es dann so, dass ich auf meine Anfrage Ende Dezember wo denn jetzt eigentlich die Projektdokumentation sei die Antwort bekommen habe es dauere noch 5 Wochen. Ich habe das gar nicht ‚prima’ gefunden und meine Bedenken bekommen ob das Ganze denn noch Sinn mache. So lange nach Bauende eine Projektdokumentation von jemandem machen zu lassen der nur während der Bauphase vor Ort war??!! ... Meine Zweifel wurden verstärkt als ich erste Entwürfe der Dokumentation bekommen habe. Vorallem was den Text betraf. Allerdings hatte ich immer noch Hoffnung, da es sich bei dem vorgelegten Text ausschliesslich um solchen gehandelt hat der schon in diversen veralteten Foldern und auf Internetseiten zu finden war. Die eigentlich wesentlichen Textteile haben noch vollständig gefehlt.<br />Nach diversen Emails und auch einem Telefongespräch hat sich die Aufgabe des Text Verfassens immer mehr von der Photographin zu mir verschoben. Eh klar. Je länger der Bauabschluss zurücklag umso unbedeutender wurde er für die Dokumentation, umso wichtiger wurde der laufende Betrieb und den konnte die in Deutschland weilende Photographin ja nicht beschreiben.<br />Auf Grund von Zeitmangel bin ich aber nicht und nicht dazu gekommen an diesem Text zu arbeiten. Erst Anfang März habe ich mir die Zeit einfach genommen und habe sehr schnell bemerkt, dass das Konzept der Photographin meine Schreibphantasie zu sehr einengt. Auch habe ich sehr schnell Ideen entwickelt wie man z.B. in der Dokumentation das Land und die Leute beschreiben sollte. Nämlich ganz einfach von den Leuten selbst. Interviews führen, etc. ... Irgendwann habe ich mir dann gedacht: ‚verdammt und zugenäht wäre es nicht eigentlich Aufgabe der Projektdokumentatorin gewesen solche Dinge während ihres 10 monatigen Aufenthaltes in Tarrafal zu machen?!’ Und: ‚verdammt und zugenäht, wofür haben wir denn eigentlich 8000 € bezahlt (im August 2005) wenn jetzt ICH den ganzen Text schreiben muss???!!!!<br />Auf alle Fälle sind die im Dezember erwähnten 5 Wochen bis zur Fertigstellung der Dokumentation verstrichen und sie war tatsächlich wie versprochen fertig. Es hat nur der Text gefehlt!!?? Und unter sämtlichen Photos stand, anstatt einer Beschreibung, geschrieben ‚Jamila kauft Haifisch’ ... und obwohl das höchstens eine Arbeit von einer Woche gewesen wäre die vielen Photos alle richtig zu beschreiben, habe ich einen Schlussstrich gezogen. Ich habe es als unsinnig erkannt da noch viel Zeit und Hirnschmalz für eine veraltete Dokumentation zu opfern und dann noch Geld für den Druck auszugeben.<br />Auch habe ich mit Jenny und Fu zusammen (die beiden haben uns im März zum wiederholten Male besucht – mehr dazu später) ein vollkommen neues Konzept für eine Projektdokumentation erarbeitet. Oder vielmehr haben Jenny und Fu das gemacht. Und an dieser Dokumentation arbeite ich jetzt.<br />Der deutschen Photographin habe ich freundlich aber bestimmt mitgeteilt, dass wir die Dokumentation in ‚ihrer’ Form nicht mehr benötigen. Was jetzt damit passiert, ob die Photographin trotzdem die 8000 € bekommt, ob sie die Dokumentation wie von mir vorgeschlagen zu einer Referenz für den Architekten ‚umarbeitet’, weiss ich nicht. Es beschäftigt mich auch nicht weil ihr ‚Auftraggeber’ ist ja unser ‚Ex-Kooperationspartner’. Sie müssen selbst entscheiden ob eine Ausgabe in dieser Höhe gerechtfertigt ist oder nicht. <br />Vollkommen unter den Tisch gefallen ist die im Angebot der Photographin inkludierte Powerpointpräsentation. Von der habe ich noch nie was gehört, geschweige denn gesehen. Und alles das ein halbes Jahr nach Bauabschluss.<br /><br />So, das war’s. Eine leidige Geschichte, die aber jetzt Gott sei Dank ihr Ende gefunden hat ... uns bleibt einfach nur die Hoffnung, dass der Architekt bei der Sanierung der Dächer finanziell unterstützt sodann ist diese für beide Seiten unglückselige Auseinandersetzung Vergangenheit.<br />Sollte es Projektfreunde und Unterstützer geben die jetzt ganz schockiert sind, dass Delta Cultura die Kooperation mit dem deutschen Verein beendet hat, bin ich für Stellungnahmen dankbar. Schliesslich interessiert es mich immer wie Aussenstehende unser Gewurschtel sehen und wir wollen ja auch für zukünftige Kooperationen dazulernen.<br /><br />In der Schilderung oben ist von Jenny und Fu die Rede. Fu, der deutsche Schnelldenker, der meine Familie und das Projekt seit unserer Anfangszeit in Tarrafal kennt und unterstützt und Jenny seine Freundin/Frau der wir unsere Internetseite verdanken! Auf dieser gibt es übrigens eine Neuerung: die Startseite heisst jetzt ‚Aktuelles’ und ich veröffentliche darauf kurze Meldungen zum Tagesgeschehen. Wirkliche Kurzmeldungen ohne Ausschweifungen in die Tiefen der ungemein komplexen menschlichen Seele.<br />Jenny und Fu waren also einen Monat hier bei uns und es war eine sehr fruchtbare Zeit für mich. Neben ihrer Tätigkeit in unserem Computerraum (Einrichtung des Netzwerks, Installation der mitgebrachten ISDN-Anlage – ja wir haben jetzt endlich Telefon und Internet im Zentrum!!!!!!!!) haben wir in zahlreichen Gesprächen Ideen für die Zukunft des Zentrums entwickelt. Unter anderem auch das bereits erwähnte neue Konzept für die Projektdokumentation. Wir wollen dieser unter anderem auch eine CD mit Photos, Videos, etc. beilegen. Auch haben wir uns eine ‚Druckmethode’ ausgedacht bei der wir dann bei Neuerungen nicht die gesamte Dokumentation neu drucken müssen.<br />Den Druck hätte ich inzwischen schon fast finanziert, jetzt brauche ich nur noch die Zeit um den Text zu schreiben ... das wird sicher ein paar Monate dauern, aber wie sagt man so wahnsinnig schön: ein Koch kann auch nicht von heute auf morgen Suppen auslöffeln ... oder sagt man das so gar nicht?! Wie wär’s mit: ‚zu viele Suppen verderben aber jeden Koch von heute auf morgen’ ... oder: ‚heute koch ich, morgen löffle ich übermorgen hol ich mir der Photographin ihre Projektdokumentation’ ... unglaublich, man kann so irrsinnig viele Sachen so wahnsinnig schön sagen ... <br />Abschliessend noch zu Jennys und Fu’s Besuch: wir haben tatsächlich viele Ideen entwickelt. Natürlich ist noch keine davon spruchreif, aber wir erarbeiten gemeinsam (oder derweil Jenny und Fu gemeinsam) ein Informatikausbildungkonzept für die Zeit ab März 2007 und ich werde dafür dann Finanzierung finden.<br /><br />Aufmerksame Leser werden gemerkt haben, dass ich im März angefangen haben mir intensiver Gedanken zu der Zeit nach März 2007 (Förderungsende durch BMZ/ASB) zu machen. Es gibt da schon einige Projekte die wir verwirklichen wollen. Da sich Finanzierungen aber bekanntlich nicht von heute auf morgen finden lassen müssen wir anfangen an schriftlichen Konzepten zu arbeiten mit denen wir dann auf Geldsuche gehen können.<br />Aber natürlich habe ich mich bei Weitem nicht nur mit der Zukunft beschäftigt. Das Tagesgeschehen beansprucht immer noch den Grossteil meiner Zeit. Aber dieser Monatsbericht ist jetzt so lange, dass ich keine Details aus den diversen Ausbildungen und Aktivitäten mehr erzähle. Wie schon erwähnt sind diese ja jetzt auch regelmässig auf unserer Internetseite nachzulesen.<br />Für den April verspreche ich aber ganz viele Anekdoten aus Schreiner- und Schneiderwerkstatt, aus Informatik- und Unterrichtsraum und natürlich von unseren kulturellen und sportlichen Umtrieben.<br />Möchte mich noch entschuldigen falls dieser Bericht von allzu vielen negativen Schilderungen geprägt ist, aber es ist nun mal so wie es ist: der März hat es nicht gut mit uns gemeint. Zumindest mit mir nicht. Sonst hätte er mich nämlich öfter mal an den Strand gehen lassen ... der Sauhundmärz ...<br /><br />Deus ku njos,<br /><br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-114495368589800537?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com4tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1143292840157130652006-02-01T12:16:00.000-01:002006-03-25T13:15:01.230-01:00Monatsbericht Februar 2006Mir reicht es jetzt endgültig. Die Monate gehen ja immer schneller vorbei. Mir kann kein Mensch erzählen, dass er in so kurzer Zeit die Arbeit erledigen kann die jeden Monat so anfällt. Das ist vollkommen unmöglich. <br />In mir beginnt sich die Idee einer Petition an den Zeitvergängnis-Gott zu formen. Es ist nämlich ein Verhängnis mit der Vergängnis.<br />Weiters stellt sich mir diesbezüglich die Frage warum die Wissenschaft es nicht zu wissen schafft warum die Zeit mal schnell und mal langsam vergeht?! Das mit dem ‚subjektiven Empfinden’ ist ja nur eine Ausrede weil sie trotz intensiver Forschung nicht und nicht dahinterkommen. So wie sie uns glauben machen wollten irgendwas sei relativ. Sie wissen einfach nicht was sie reden. Sonst würden sie uns nämlich dazusagen ‚relativ was?’ es ist. Relativ blöd? Oder relativ unwichtig? ...<br />Und was das mit dem Zentrum zu tun hat? Sehr viel! Weil so wie Einstein nicht zu Berühmtheit gelangt ist weil er behauptet hat alles sei relativ blöd, so gelangt auch das Zentrum nicht zu Berühmtheit nur weil das Projektleiterchen relativ blöde Einleitungen schreibt! Das wollte ich einfach einmal betont haben.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Mitglieder-759014.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Mitglieder-743667.jpg" border="0" alt="" /></a><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Vorstandssitz-703141.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Vorstandssitz-788400.jpg" border="0" alt="" /></a> Und dann war da noch unsere Delta Cultura Generalversammlung. Leider konnten wir keinen General auftreiben also musste die Sitzung mit Marisa, Patriki, Kutchina, Tá, Kandang, Marisi, Shy, Nene, mir selbst und einigen weiteren DeltarianerInnen vorlieb nehmen. <br />Ziel dieser Sitzung war es, den Verein Delta Cultura aufzulösen, das Zentrum zu verkaufen und um Asyl in Kuba anzusuchen (nein, nicht in Guantanamo).<br />Die Ohnegeneralversammlung hat aber mit knapper Mehrheit abgelehnt. Eine Stimme hat am Ende den Ausschlag gegeben. Welcher Idiot die abgegeben hat weiss ich nicht. <br />Weiteres Ziel war es einen neuen Vorstand von Delta zu wählen neue Strukturen zu schaffen und Alles noch besser werden zu lassen. <br />Das wäre sicher auch gelungen, wenn die Sitzung nicht am Sonntagvormittag nach einem rauschenden Delta-Fest angesetzt gewesen wäre. So wurde die Konzentration von Katern und sonstigem Getier erheblich gestört. <br />Aber die Wahl wurde erfolgreich durchgezogen. Die grossen Abwesenden waren Beat unser Schweizer Cheftrainer und Olga unsere bisherige Schriftführerin. Aber die Generalversammlung war laut Statuten beschlussfähig. Die Anwesenden auch?!<br />Langer Rede kurzer Sinn: ich wurde mit überwältigender Mehrheit zum Kassier gewählt. <br />Es war sicher einer meiner grössten Erfolge! <br />Es stimmt vielleicht, dass ich über dieses Ereignis ein bisschen seriöser berichten sollte, aber es stimmt nicht. Ich bewerte Generalversammlungen und Wahlen zu irgendwelchen Funktionen nicht besonders hoch. Was nicht heissen soll, dass es für die anderen Beteiligten nicht sehr wohl wichtig war/ist. Wie gesagt bin ich ja nur Kassier von Delta und es ist nur meine Stimme die in diesem Bericht zu Wort kommt. Das sei betont!<br />Mir ist wichtig, dass mehr Leute bei der Verbesserung der bestehenden Aktivitäten und der Verwirklichung von neuen Ideen Verantwortung übernehmen. Und dabei ist es mir egal ob das die Präsidentin oder der Vizepräsident, das ordentliche Mitglied, das unordentliche Mitglied, gar kein Mitglied oder ein Kater ist. Das Einzige was ich diesbezüglich nicht will sind Katzenhaare in irgendwelchen Suppen die man auslöffeln muss?!<br />Delta hat also seit 12. Februar einen neuen Vorstand. Wobei wenig Änderungen stattgefunden haben. Marisa ist weiterhin Präsidentin (einstimmig gewählt). Neue Schriftführerin (‚Sekretária’ heisst das in Cabo Verde) ist Kutchinha. Sie ist prädestiniert eines Tages Delta zu übernehmen (derweil geht sie noch in die Schule) und ich freue mich über ihre Wahl.<br />Dann haben wir erstmals auch Vize-Verantwortliche gewählt. Mit dem Hintergedanken, dass dann vielleicht mehr Leute aktiv mitarbeiten. Vizepräsident ist Patriki. Er ist der erste Jugendliche Tarrafals der nur wegen dem Kinder- und Jugendzentrum (hauptsächlich wegen der Fussballschule) nicht nach Portugal gegangen ist (‚derweil’ nicht gegangen ist?). Sein Vater lebt dort und will unbedingt, dass er kommt. Aber er will sich die Entwicklung des Zentrums einmal ‚anschauen’, daran mitarbeiten. Er trainiert die U17, spielt in der ‚Kampfmannschaft’ und arbeitet täglich im Zentrum. Allerdings ohne fixes Gehalt. Delta bezahlt ihn wenn es die Finanzen erlauben. Innerhalb des BMZ/ASB finanzierten Teils des Zentrums ist leider kein Arbeitsplatz für ihn.<br />Vize-Schriftführerin ist Shy. Sie ist auch schon lange bei Delta dabei und auch zweite Assistentin des Projektleiterchens.<br />Vize-Kassier ist Tá. Den kenne ich kaum. Es heisst er sei schon vermehrt wegen Diebstahls gesessen ... nein, so ein Blödsinn. Tá ist Spieler der Kampfmannschaft ... <br />Soviel zu dieser Wahl. Vielmehr war bei dieser Versammlung tatsächlich nicht zu machen. Erstens hat sich das Wahlprozedere in die Länge gezogen und zweitens ist das mit dem Kater nicht gelogen. Aber der neue Vorstand wird sich regelmässig treffen und weiter an der Strukturverbesserung und an neuen Ideen arbeiten.<br /><br />Auch wenn das jetzt nicht chronologisch ist so will ich doch gleich über die zweite Sitzung dieses Monats berichten. Sie hat am 24. Februar stattgefunden. Und zwar war es ein Treffen zwischen Delta und Regierungsverantwortlichen. Wir haben vor der Wahl (nicht der Delta- sondern der Nationalratswahl) dem höchsten Vertreter der Regierungspartei PAICV in Tarrafal, Arnaldo Andrade, unser Leid bezüglich nicht gehaltenen Versprechen geklagt und er hat versprochen nach der Wahl eine Sitzung einzuberufen um die Probleme des Zentrums zu lösen ... und dieses Versprechen hat er tatsächlich gehalten ... nachdem wir ihn ca. 35 mal angerufen haben ... <br />Er selbst war aber am 24. Februar nicht anwesend. Sondern: der Delegierte des Erziehungsministeriums in Tarrafal, der Chef der Delegation für Alphabetisierung in Tarrafal, der Direktor des Gymnasiums von Tarrafal und andere mehr oder weniger wichtige Menschen. Alle aktive PAICV-Vertreter.<br />Begonnen hat die Sitzung 2 Stunden verspätet. Die anwesenden Deltamitglieder haben diese Wartezeit dafür genutzt das vorbereitete Coca Cola, Fanta, Salzgebäck, etc. restlos zu verputzen, sodass die Regierungsdelegation vor leeren Gläsern und Tellern ‚verhandeln’ musste ... <br />Es war eine lange Zeit ‚verkrampfte’ Sitzung. Wir haben die Ansuchen und Versprechungen die wir von Seiten der Regierung seit Eröffnung des Zentrums haben angeführt und gebeten die Zeit der leeren Versprechungen mit dieser Sitzung zu beenden und Taten folgen zu lassen ... <br />Es ist uns auch tatsächlich gelungen von allen Seiten ein Versprechen zur Beendigung der leeren Versprechungen zu bekommen. Es wurde eine in Zukunft enge Zusammenarbeit zwischen Delta und den diversen öffentlichen Stellen beschlossen. Alle haben hoch und heilig versprochen sich ab sofort an ihren Nasen (?) zu nehmen und auch im Falle einer Verstopfung dieses Organs, nicht locker zu lassen?!<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Vorstand-730603.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Delta_Cultura_Vorstand-716353.jpg" border="0" alt="" /></a> Eh kein Wunder, wer kann schon so sympathischen Typen wie Präsidentin und Kassier/Projektleiterchen von Delta Cultura eine Bitte abschlagen ... <br />Und ganz ernsthaft: es war dann im Endeffekt eine doch fruchtbringende Sitzung. Vorallem weil wir jetzt endlich ‚so richtige’ Ansprechpartner haben. Leute aus Tarrafal, die sozusagen für Delta die Kontakte zu Regierung etc. wahrnehmen.<br />Erste fixe Zusage: wir bekommen für die Arbeit die wir mit den Strassenkindern machen (täglich eine Stunde Schreib- und Leseunterricht) ein ‚Gehalt’ für den Lehrer. Das ‚läuft’ einfach so ab, dass die ‚Delegation für Alphabetisierung’ Delta Cultura monatlich einen Betrag überweist und wir damit ‚machen können was wir wollen’. Wir haben beschlossen dieses Geld Patriki zukommen zu lassen, der ja den täglichen Unterricht leitet. <br /><br />Soviel zu den Februar - Erreignissen auf höchster diplomatischer Ebene. Begeben wir uns auf die Ebene die von weniger leeren Versprechungen und mehr Lebendigkeit geprägt ist ... die Zentrumsalltagsebene ... da fällt mir eine kleine Anekdote ein. Das Projektleiterchenbüro, sowie das der Assistentinnen und der Vereinsführung, befindet sich ja im ersten Stock des einzigen zweistöckigen Gebäudes des Zentrums. Wann immer die Zentrumsleitung Handlungsbedarf sieht werden Ausbilder, Lehrlinge oder sonstige Angestellte und Kursteilnehmer in dieses Büro zitiert. So hat dieser erste Stock jetzt von den Lehrlingen den ehrenhaften Namen ‚Gericht’ (‚tribunal’) bekommen. Wann immer wir jemanden ‚rufen lassen’ ertönt der Schrei ‚Lehrling so und so, vor Gericht!’ ... ich erzähle das um zu beweisen was für eine ungemeine Autorität ich inzwischen hier besitze. Fast wäre es schon angebracht meine Funktion in ‚Oberrichterchen’ umzubenennen.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schneiderausbildung-746271.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schneiderausbildung-729401.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Selbstverständlich haben alle Ausbildungen auch im Februar ihre Fortsetzung erlebt. Tatsächlich hat sich inzwischen Alles so eingespielt, dass wir an Verbesserungen arbeiten können. Bekanntlich ist das ja erst möglich wenn der alltägliche Betrieb seine Regelmässigkeit gefunden hat, den Blick auf Details freigibt und Zeit zur Analyse dieser Details lässt ... so ganz allgemein gesagt.<br />Verbesserungen sind natürlich immer noch in allen Bereichen möglich (Gott sei Dank sonst wird die Arbeit fad ... ?!): in der Ausstattung, in den Unterrichtszeiten, im Umgang mit den nicht immer ‚einfachen’ Lehrlingen ...<br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/informatikausbildung-774445.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/informatikausbildung-759300.jpg" border="0" alt="" /></a> Gerade was das betrifft bin ich nicht wirklich zufrieden. Wer mich kennt weiss, dass ich kein Freund von Regeln und Gesetzen bin. Und ich mache hier auch die Erfahrung, dass die ‚Vermehrung von Regeln’ in keiner Weise eine Verbesserung des Lernverhaltens, der Anwesenheit etc. garantiert.<br />Viele der Kinder und Jugendlichen die im Zentrum eine Ausbildung geniessen, haben eben bisher mit sehr wenig Regeln gelebt. Sprich sie haben niemanden gehabt der ihnen irgendwas ‚befohlen’ hat. Darum sind sie ja auch nicht mehr in die Schule gegangen ... <br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schreinerausbildung-780318.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/schreinerausbildung-766644.jpg" border="0" alt="" /></a> Diesen Kinder und Jugendlichen jetzt mit strengen Regeln zu begegnen würde nur dazu führen, dass sie einfach nicht mehr kommen. Und das wäre ja auch nicht Sinn und Zweck der Übung. <br />Leider ist es mir bisher nicht gelungen im Bereich der ‚Berufsberatung’ jemanden zu finden, der diese Ansicht teilt. Die Lehrer hier in Tarrafal die im Bereich Berufsberatung eine Ausbildung haben versteifen sich immer ganz extrem auf strenge Regeln und erzählen den Lehrlingen hauptsächlich warum man nicht rauchen soll, dass Drogen gefährlich sind und das man Aids bekommt wenn man Präservative vor dem Gebrauch durch die Nähmaschine lässt ... das ist schon auch wichtig. Unbestreitbar. Aber da ich ja selbst ein Kind/Jugendlicher war, der den Drogen zu- und der Schule abgeneigt war, weiss ich sehr gut, dass es nicht unbedingt wirkt wenn ein Erwachsener einem Vorträge über die Nachteile des Drogenmissbrauchs hält und Strafen androht wenn man nicht brav und nett ist ... <br />Wohl wäre es sinnvoller mit den Jugendlichen gemeinsam Regeln für Ausbildung und auch Benutzung sämtlicher Einrichtungen des Zentrums zu ‚erarbeiten’. Bin manchmal dazu verleitet diese ‚Arbeit’ selbst in die Hand zu nehmen, weiss aber, dass mir erstens die Zeit fehlt um noch eine Arbeit zu übernehmen die Kontinuität verlangt und ich zweitens kein Diplom habe, welches besagt, dass ich das machen kann und darf.<br />Im Hinblick auf öffentliche ‚Anerkennung’ des Zentrums und der Ausbildungen ist es aber notwendig jemanden zu haben der ein diesbezügliches Diplom hat!<br />Auch eine Psychologin wäre hilfreich. Sowohl den Ausbildern als auch den Lehrlingen könnte Sie/er in vieler Hinsicht helfen. Wir haben ja auch ein Gehalt für eine Psychologin die einmal in der Woche das Zentrum besucht, aber leider noch keine gefunden ... Psychologinnen sind anscheinend Mangelware in Cabo Verde.<br /><br />So und weil dieser Februar – Bericht jetzt schon so viel Verspätung hat will ich nur noch ein Thema erwähnen und den Rest für den Märzbericht lassen ... der ist ja auch schon fast fällig ... vonwegen ‚wie die Zeit vergeht’ ... <br />Es geht um die Reise nach Europa. Wir wollten ja Ende Februar entscheiden ob wir denn nun fahren oder nicht. Aber wir waren in keiner Weise in der Lage diese Entscheidung tatsächlich zu treffen. Viel zuwenig Antworten auf unsere diversen Ansuchen ... nur die Gemeinde Tarrafal hat fix die Übernahme für zwei Flugtickets zugesagt ... das heisst, ich komme mit Marisa auf alle Fälle ... jetzt suchen wir jemanden in Europa der für uns beide Batucoauftritte organisiert. Das wird sicher ein Riesenmedienspektakel. Ma und Flav aus Tarrafal. Das obenstehende Photo könnte sogleich für den Plakatdruck verwendet werden ... <br />Aber natürlich reichen diese zwei Tickets nicht wirklich aus ... mein Optimismus was die Finanzierung dieser Reise angeht ist auch ziemlich geschwunden. Aus dem einzigen Grund weil die Zeit so schnell vergeht. Mir fehlt die Möglichkeit mich intensiver darum zu kümmern.<br />So ist dazu einfach nicht mehr zu sagen, als dass die Entscheidung aufgeschoben ist und dass mit dem ‚dadurch nicht aufgehoben’ könnte man auch noch dazusagen ... aber allzu viele so blöde Floskeln sollen nicht vorkommen darum lasse ich das lieber.<br /><br />Ich hoffe inständigst, dass kein Leser bemerkt, dass ich die letzten zwei Seiten des Berichtes in einem unwahrscheinlichen Tempo heruntergefetzt habe ... aber mit der Gewissheit, dass es besser ist gefetzten Text zu verschicken als gar keinen beruhige ich mein diesbezüglich doch etwas blödes Gefühl!<br />In diesem etwas dubiosen Sinne wünsche ich Allen eine visionsreiche Fastenzeit!<br />Liebe Grüsse,<br />das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-114329284015713065?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com0tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1139265958710526482006-01-31T21:42:00.000-01:002006-02-09T08:02:15.116-01:00Monatsbericht Dezember 05 bis Jänner 06Wie schon so oft in all den vergangenen Jahrzehnten war auch diesmal wieder der Dezember der letzte Monat im Jahr. Warum genau das so ist, wer sich das ausgedacht hat und ob der/diejenige sich was dabei überlegt hat ... ich kann es nicht sagen. Gott sei Dank hat es aber eh nichts mit dem Kinder- und Jugendzentrum zu tun ... und ich hab meine Einleitung für den Dezemberbericht.<br /><br />Ich arbeite übrigens an einer Neuheit auf unserer Homepage. Ich will neben diesen strikt strukturierten Berichten ... kommt ‚strikt’ von ‚gestrickt’? ... ich weiss es nicht, weil ich bin sehr einfach gestrickt ... gestrickt??? Also ich wäre meiner Mutter ernsthaft böse sollte ich draufkommen, dass sie mich gestrickt hat ... wer ist dann mein Vater? Und was wenn ich eine Laufmasche bekomme und irgend ein Trottel zieht d’ran ... schrecklicher Gedanke.<br />Also neben diesen Monatsberichten wird es in naher Zukunft auf unserer Homepage auch regelmässige Kurzberichte über das Tagesgeschehen im Zentrum geben. Die Höhepunkte halt. Tatsachenberichte, keine Strickmuster. Eine Art Direktübertragung. Ich hoffe damit dann all Jene zum Schweigen zu bringen, die ständig und vollkommen zu Recht die Ausschweifungen dieser Monatsberichte kritisieren. Damit wäre dann für alle was geboten. Gott sei Dank gibt es ja nicht nur Kritiker dieser Berichte sondern auch Liebhaber und die hab ich auch lieb.<br /><br />Versprochen habe ich im letzten Monatsberichte die genauen Zahlen der Baukosten. Versprochen ist versprochen und wird von Projektleiterchens ständig gebrochen. Daher an dieser Stelle keine Zahlen. Die Entschuldigung: es gibt noch so ein paar kleine Arbeiten die gemacht und bezahlt werden müssen. Also wären die Zahlen nicht endgültig. Die Vertröstung: die Zahlen folgen ganz bestimmt im nächsten Bericht. Versprochen.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/kinder 1-708734.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/kinder 1-704518.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Also im Dezember war das alles so:<br />Die Ausbildungen, die Fussballschule, die Batucugruppe, die restlichen Bauarbeiten, das Strom- und Telefonproblem, die Fliesenproduktion haben sich angefangen häuslich in dem wunderschönen Zentrum einzurichten. Teilweise habe ich das mit grosser Freude mitverfolgt, teilweise hat es mich zu den unterschiedlichsten Gluten gebracht. Hauptsächlich zur Weissglut. So wie ich im letzten Bericht erzählt habe war der Übergang von Bau zu Betrieb ja etwas abrupt. Zuwenig vorbereitet. Mit stolzer Brust (weil ich keine andere habe) muss ich sagen, dass es jetzt schon viel mehr so läuft wie ich mir das in meinen kühnen Träumen ausgemalt habe. Natürlich bin ich noch lange nicht zufrieden und habe auch noch keine Lorbeeren verdient auf denen ich mich ausruhen könnte. Aber so ein paar Unkrautpflänzchen habe ich schon herbeigeschafft und ruhe mich auch gerne auf denen aus ... Die Schreiner, die ja eigentlich Tischler sind weil das Projektleiterchen österreichische Wurzeln hat und dort kein Mensch von Schreinern redet, haben im Dezember ihre wunderschöne Mehrzweckmaschine bekommen. Wir haben diese aus dem Salzburgischen ins Tarrafalianische gebracht. Finanziert hat es das Deutsche.Es ist wirklich eine sehr gute Maschine und alle haben grosse Freude damit. Hauptsächlich natürlich die Schreiner, aber auch das Projektleiterchen hat sich nicht zurückhalten können sogleich ein paar Kästen zu bauen, die in der Einrichtung des Zentrums gefehlt haben. Schliesslich ist das Multitalent ‚chen’ ja auch Hobbytischler. Es ist mir immer eine sehr willkommene Abwechslung mich – wenn die Schreinerlehrlinge nach Hause gegangen sind – in die Werkstatt zu begeben und mich dort noch ein bisschen handwerklich zu betätigen. (komischer Satz ... da kommt so oft ‚mich’ vor ... das könnte jemand der es kann sicher besser formulieren)Die Schreinermaschine ist Gott sei Dank nicht alleine gekommen. Sie hat einen guten Geist mitgebracht. Und der hat, wie es die Geister halt so machen, brav vorausgedacht. Weil: österreichische Schreinermaschine in Tarrafal ist ja schön und gut. Auch deutsche Betriebsanleitung dazu. Aber diese Anleitung hat ca. 200 Seiten und der Einzige der hier deutsch kann bin ich und wenn die lieben Schreinerlehrlinge warten hätten müssen bis ich mich durch die 200 Seiten durchgearbeitet habe um ihnen dann alles erklären zu können ... bis dahin wären die lieben und dann auch armen Lehrlinge schon längst in wohlverdienter Pension gewesen. <br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/bei der arbeit 1-729821.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/bei der arbeit 1-725551.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Aber eben: der gute Geist hat sich die folgende Lösung ausgedacht. Er hat einem begnadeten Tischler aus Salzburg, dem Franz Rettenbacher, der jahrelang auf genau so einer Schreinermaschine gearbeitet hat, eingeflüstert er solle doch einmal Urlaub in Tarrafal machen. Das hat sich dieser nicht zweimal flüstern lassen und ist samt Frau Claudia aufgebrochen. <br />Das wäre ja an sich noch nicht die Lösung. Weil wie soll das Projektleiterchen wissen, dass der Franz, einer von vielen Touristen die Tarrafal besuchen, Schreiner ist? Aber auch da hat sich der gute Geist was einfallen lassen. In einer weiteren Flüstersitzung hat er dem Franz eingeredet er solle doch ein Päckchen Tabak mit auf die Reise nehmen ... und so ist es gekommen wie es kommen musste ... Der Franz sitzt in meiner Bar und rollt sich eine Zigarette. Ich kann nicht wiederstehen und schnorre ihn um eine an. So kommen wir ins Gespräch. Ich erzähle von der Schreinermaschine und Franz von der Herstellerfirma die sich in seiner Heimatgemeinde befindet und seiner jahrelangen Arbeit an einer solchen Maschine.<br />Der liebe Franz hat sich sofort bereiterklärt mir und dem Schreinerausbilder eine Einführung in die Arbeit mit der Maschine zu geben. Jetzt in Nachhinein muss ich sagen, ich wüsste nicht was ich gemacht hätte wenn Franz nicht zufällig (?) nach Tarrafal gekommen wäre. Weil einfach ist die Maschine in der Handhabung nicht. Da gibt es viele Feinheiten und spezielle Handgriffe ... die der Schreinerausbilder und ich jetzt allesamt beherrschen. Mein allerherzlichster Dank an Franz!!! Und eine Empfehlung an alle Leser. Schaut euch mal die Homepage von Franz an (www.sbg.at/woodart). Der Mann ist ein begnadeter Tischler und Künstler. Gerne würde ich ihn für einen Workshop nach Tarrafal holen. Nein: ich WERDE ihn für einen Workshop nach Tarrafal holen. Der gute Geist ist schon am überlegen wie er die Finanzierung dafür finden kann ... soweit hat er nämlich dann doch nicht vorausgedacht.<br /><br />Eine Episode also die dazu beigetragen hat, dass sich der Ausbildungsbetrieb der Schreiner und Schneiderinnen recht gut eingespielt hat. Dazu waren und sind immer noch regelmässige ‚Krisensitzungen’ notwendig um einerseits die Ausbilder zu mehr Initiative zu bewegen, um Streitereien zwischen pubertierenden Lehrlingen zu schlichten und um (ach so geliebte) Regeln zu definieren. Anwesenheitslisten sind jetzt eingeführt. Wer zu spät kommt wird einmal durch die Hobelmaschine gepresst (einer der Schreinerlehrlinge ist schon ganz dünn, dafür wahnsinnig glatt). In der langen Mittagspause (2 ½ Stunden) dürfen die Lehrlinge jetzt ganz geordnet und gesittet (sittlich sowieso) den Computerraum benutzen. Allerdings nur unter Aufsicht, da die Lehrlinge dazu tendieren die eigenartigsten Dokumente an den seltsamsten Orten der Festplatte zu speichern und den Computern damit ihre Grenzen aufzeigen. <br />Diese Aufsicht übernehmen dankeswerter Weise Schüler des Informatikkurses. Wobei ich das Gefühl nicht los werde, dass sie eigentlich nur die SchneiderINNEN in Computerkenntnisse und vielleicht sonstige Geheimnisse des Lebens einführen wollen und die Schreiner nur als lästige ‚Anhängsel’ auf diesem Weg empfinden. Na ja, wir sind eben ein Jugendzentrum ... <br />Und auch ein Kinderzentrum. <br />Dieser Tatsache haben wir vor allem zu Weihnachten Rechenschaft gegeben. Rechenschaft gegeben? Kann ich das so sagen? ... oder heisst es ‚getragen’? ... Aber egal ich sag das jetzt einfach einmal so. Sonst muss ich mir einen neuen Übergang von Frühlingsgefühlen zu Weihnachtsfesten überlegen und da gibt es nicht allzu viele. Wir haben also ein Weihnachtsfest für ‚bedürftige’ Kinder gemacht. Mit Essen und Geschenkvergabe, aber ohne Weihnachtslieder, Weihnachtsmänner und Ohtannenbäume. Es war sehr spontan organisiert, weil uns Verantwortlichen die Zeit gefehlt hat das ‚durchzuplanen’. Natürlich hat es trotzdem viel Freude bereitet. Welches Kind bekommt nicht gerne Geschenke. Und seien es ‚nur’ Kleider und ein paar wenige chinesische Billigpuppen die uns ein Händler aus dem Land der aufgehenden Sonne gespendet hat. <br /><br />Womit ich bei ‚Sonnenaufgang’ wäre. Aber über den habe ich eigentlich gar nichts zu sagen. Womit ich wieder im berichtsleeren Raum hänge ... ich glaube ich würde diese Berichte viel schneller verfassen wenn ich mir nicht dauernd irgendwelche Übergänge überlegen müsste. Das kostet immer wahnsinnig viel Zeit und Formulierungshingabe. Und die fehlt mir dann beim eigentlich Wesentlichen ... das Wesentliche!? Ein Wort das zu philosophischen Ausschweifungen anregt. Aber das überlasse ich lieber den lieben Lesern. Es ist jede/r dazu angehalten hier anzuhalten und wesentliches zum ‚Wesentlichen’ zu denken ...<br />Und ich fahre ohne Ausschweifung und Übergang fort.<br />Nach dem Kinderweihnachtsfest gab es auch ein Fest für die Angestellten. Aber nur ein kleines. Weihnachten ist hier ja nicht so üppig. Dazu fehlt es an Kaufkraft. Sie wird ersetzt durch Musik- und Tanzkraft. Da diese aber das ganze Jahr hindurch sehr stark vorhanden ist, hebt sich Weihnachten nicht so sehr von anderen Festen ab. Das gilt übrigens auch für Silvester. Nicht Silvester Stallone sondern das Ding am Jahresende.<br /><br />Kommen wir zu den ‚Batucadeiras’. Des Projektleiterchens Lieblingsgruppe. Zu Silvester (schon wieder der?!) sind sie in unserer Bar aufgetreten und zu Santo Amaro (der Dorfheilige von Tarrafal am 15.01. – das grösste Fest hier in Tarrafal) auf der grossen Festbühne. Wie immer sehr erfolgreich. Sie sind ja inzwischen eine echte Grösse im tarrafalianischen Kulturleben. Keine Veranstaltung in Tarrafal und Umgebung ohne Auftritt von den ‚Batucadeiras Delta Cultura’. Doch! Sehr viele Veranstaltungen im Jänner haben ohne sie stattgefunden. Nämlich die Wahlkampfveranstaltungen. Diese werden hier immer mit Auftritten von bekannten Musikern begleitet. Beziehungsweise bestehen diese Veranstaltungen praktisch nur aus Musik. Zwischendurch wird kurz von durchtrainierten Einpeitschern ‚Viva MPD’ (die ‚bürgerliche Partei’) oder eben ‚Viva PAICV’ (die ‚Linkspartei’) gebrüllt und noch zwischendurcher treten gestandene Politiker auf und schimpfen auf die jeweils andere Partei.<br />Die Musikgruppen die dabei auftreten verdienen recht ordentlich. Trotzdem hat sich Marisa, die Alleinherrscherin über die Batucadeiras, nicht dazu hinreissen lassen ‚Partei zu ergreifen’. So gibt es weiterhin nur einige wenige Menschen in Tarrafal die erfolglos versuchen ‚Delta Cultura’ in ein politisches Eck zu drängen. Damit auch diese Wenigen zum Schweigen gebracht werden wird ‚Delta Cultura’ bei der nächsten Wahl selbst kandidieren (wirklich???) ... ob dann die ‚Batucadeiras Delta Cultura’ in den Wahlkampf einsteigen??! <br />Die Wahl am 22.01. 06 hat übrigens die PAICV gewonnen. Also keine Veränderung in der caboverdeanischen Politik. Die PAICV hat schon die vergangenen 5 Jahre regiert.<br />Aber zurück von der hohen Politik zur Kultur. Oft habe ich in den diversen Berichten schon erwähnt, dass es der grosse Wunsch der Batucadeiras ist eine CD aufzunehmen. Wir haben jetzt endlich die Möglichkeit gefunden ein Tonstudio kostenlos zu nutzen zu können!!!! Eine grossartige Sache die uns diesem Ziel einen grossen Schritt näher bringt. Ein ganz klein bisschen verkompliziert sich das Ganze dadurch, dass sich dieses Tonstudio in Wien befindet!<br />Also haben wir schlicht und einfach das Ziel ‚umformuliert’. Wir wollen mit den Batucadeiras nach Wien!!! Und Deutschland. Und die Schweiz. Und mit einer Fussballmannschaft auch. <br />Und das ist kein blöder Februarscherz. Diese Idee besteht ja schon des längeren und wir haben jetzt beschlossen die Sache etwas konkreter anzugehen. Es hat sich eine Gruppe von Jugendlichen ‚gebildet’ die dieser Tage begonnen hat sich nach Finanzierungsmöglichkeiten umzuschauen. Der Plan sieht folgendermassen aus. Zunächst versuchen wir mit der Projektbeschreibung, die ich in lupenreinem Kreolportugiesisch verfasst habe, hier im Lande Unterstützung zu bekommen. Sprich, wir schnorren öffentliche Institutionen, Privatfirmen, die paar wenigen betuchten Caboverdeaner, etc. um Flugtickets an. Alle sollen ein oder zwei oder 20 Tickets beisteuern. Ende Februar ziehen wir Bilanz, schauen wie weit wir gekommen sind und entscheiden dann ob und wie viele Jugendliche die Reise antreten werden. Bei ‚positivem’ Entscheid werde ich versuchen europäische Sponsoren aufzutreiben um die Reisekosten in Europa zu finanzieren. Vom Gefühl her wird das die leichtere Aufgabe. In Cabo Verde ist es schwierig an Gelder heranzukommen. Alle reden und keiner gibt. Diese Erfahrung haben wir jetzt schon des öfteren gemacht:<br />Der Premierminister hat lange vor der Wahl versprochen unser Stromproblem zu lösen. Wir sollten ihm ‚nur’ den Kostenvoranschlag schicken. Den hat er jetzt seit ca. 4 Monaten. Aber Antwort geschweige den Geld haben wir noch keines bekommen.<br />Die Erziehungsministerin hat uns bei der Eröffnung (vor laufender Kamera) versprochen uns bei den Kosten für die Ausbilder zu unterstützen. Bis heute ist diesbezüglich nichts passiert. Nur immer Absagen wenn ich irgendwen vorgeschlagen habe. Ich weiss eh warum. Weil der Zuständige einen Freund von ihm in die Zentrumsleitung hieven will ... diese Rechnung hat er aber ohne das Projektleiterchen gemacht. Das lächelt zwar immer brav und schmiert auch Honig überall hin – mindestens so gut wie der liebe Politiker das macht – aber dessen Freund ist immer noch arbeitslos.<br />Leider betrifft dieses ‚gross Reden und dann nichts tun’ auch Mario Lucio. Der hat uns ja auch was weiss ich nicht was für Unterstützung zugesagt. Wenn wir ihn aber konkret ansprechen kommt gar nichts. <br />Etwas mühsam also. Aber wir lassen nicht nach. Zumindest auf das was schon fix zugesagt wurde werden wir vehement bestehen. Ich kenne da eine Journalistin die scharrt schon in den Startlöchern und will dass ich mit der Geschichte der nicht eingehaltenen Versprechen in die Öffentlichkeit gehe. Aber derweil halte ich mich zurück. Ich will es mir ja nicht ganz verscherzen. Beziehungsweise hätte ich keine Bedenken es mir selbst zu verscherzen, aber es geht ja um das Projekt.<br />Jetzt bin ich schon wieder bei der blöden Politik ... es reicht. <br />Noch ein Satz zu der geplanten Reise. Natürlich versprechen wir uns davon mehr als nur eine CD ... neue Kooperationspartner, für alle Beteiligten neue Erfahrungen, usw. Wir möchten daher alle lieben Berichtsleser bitten doch ganz kurz innezuhalten und sich zu überlegen ob sie/er nicht gerade letztens mit jemandem geredet hat der den unbändigen Wunsch geäussert hat endlich einmal einen ordentlichen Jugendaustausch mitzufinanzieren. Alle, denen dazu etwas einfällt, bekommen gerne eine Projektbeschreibung zugesandt.<br /><br />Übergang zur Fussballschule.<br />Der Dezember war der Monat in dem die Fussballschule erstmals an der Meisterschaft teilgenommen hat. Wie im letzten Bericht erwähnt unter dem Namen ‚Pena d’aguia’ und zunächst einmal bei der Gemeindemeisterschaft. Sieben Mannschaften haben teilgenommen.<br />Trainer der Kampfmannschaft war/ist seit ein paar Monaten ja bekanntlich das ‚chen’. Die Amis würden sagen: Projektleiterchen goes Trainerchen ...<br />Allerseits grosse Spannung vor dem ersten Spiel ... das wir gegen Varandinha 4:1 gewonnen haben. Ohne dabei wirklich zu glänzen. Mein geschultes Trainerauge hat sofort gesehen, dass die 4er-Kette zwar halbwegs gut steht, aber im Spiel nach vor zuwenig geht. Das mag bei 4 Toren etwas komisch klingen, aber der Gegner war äusserst schwach. Hat im weiteren Verlauf der Meisterschaft auch alle Spiele hoch verloren.Das zweite Spiel, gegen eine Mannschaft aus Chao Bom, haben wir auch gewonnen.<br />Aber nur mit Müh und Not 1:0. Ein Kopfballtor nach einem weiten Einwurf. Ansonsten wenig Torchancen ... die bereits erwähnte Schwäche im Spiel nach vor.<br />Das dritte und vierte Spiel war dann gegen die beiden grossen Mannschaften aus Tarrafal. Estrela und Barcelona. Einer von den Beiden gewinnt regelmässig die regionale Meisterschaft und beide haben auch schon national gespielt.<br />Zuerst gegen Estrela. In den ersten zehn Minuten haben wir eine riesige Torchance gehabt aber vergeben. Dann haben wir das 0:1 aus einem Freistoss kassiert. Und das war es dann an Torchancen für den Rest des Spieles. Es war ein furchtbar anzuschauendes ‚Spiel’ in dem nur im Mittelfeld herumgemurkst wurde. <br />Die Spieler waren über die Niederlage natürlich sehr enttäuscht. Noch dazu war das am 24.12. ... wie der Stürmer der die Chance in der Anfangsphase vergeigt hat nach dem Spiel gemeint hat: ‚Scheissweihnachten’.<br />Ich selbst war natürlich auch enttäuscht. Wer verliert schon gern. Aber bekanntlich bin ich ja DAS Motivationskünstlerchen schlechthin und bis zum Spiel gegen Barcelona habe ich die Spieler wieder bestens vorbereitet und aufgerichtet gehabt. Warum sie trotzdem gegenüber der vergangenen Niederlage kaum besser gespielt haben kann ich mir nicht erklären. Am Trainer kann es unmöglich gelegen haben?! <br />Nein, sie haben schon etwas besser gespielt. Allerdings ein blödes Tor relativ an Anfang des Spieles bekommen. Die 4er-Kette hat eigenmächtig kurzfristig auf 3er-Kette umgestellt weil der linke Verteidiger diese unbändige Lust verspürt hat ein Tor zu schiessen ... das ist ihm leider nicht gelungen. Darüber war er so enttäuscht, dass er einfach nicht zurück in seine Verteidigerposition ist. Und während der linke Flügel – anstatt die Position des Verteidigers einzunehmen – diesen versucht hat zu trösten hat der Gegner die vollkommen offene Seite genutzt und kaltblütig eingenetzt. Ein Raunen ging durch’s Stadion. Barcelona hat sich schon als Meister gefühlt. Aber dann kam die 35 Minute. Eine Traumkombination zwischen unserem Mittelfeldregisseur und dem der Gegner ... der Ball kullert unglücklich (für Barcelona) in den Strafraum und unser Stürmer ist zur Stelle. 1:1!!!<br />Die zweite Spielhälfte haben wir erstmals halbwegs so gespielt wie wir es im Training teilweise schon ganz gut hinbekommen. Barcelona war am Boden. Wir haben sie gegen die Wand gespielt. Aber kein Tor geschossen ... Was aber fast zur Nebensache wurde weil es ein brutales Foul eines Barcelona Spielers gegen unseren Innenverteidiger gegeben hat. Der arme Badau (so heisst er) hat sich dabei einen doppelten Schienbeinbruch zugezogen. Und das am 31.12. ... <br />Was ich bis heute nicht ganz verstehe: der Schiedsrichter hat nach diesem Foul auf Freistoss für Barcelona entschieden?! Meine Frage wie man den seiner Meinung nach einem Spieler einen doppelten Schienbeinbruch zufügen kann ohne ihn dabei zu foulen hat er mir nicht wirklich beantworten können. <br />Es war natürlich ein Foul und zwar ein sehr brutales. Mit gestrecktem Bein und voller Wucht ist er ihm hineingefahren. Ich möchte gar nicht daran denken was passiert wäre wenn er ihn bisschen höher am Knie getroffen hätte ... <br />Nach diesen zwei Spielen war leider schon klar, dass nur noch Estrela oder Barcelona die Meisterschaft gewinnen können. Estrela hat schlussendlich gewonnen. Was dann aber leider passiert ist und das ist jedes Jahr so: Die Mannschaften die keine Chance mehr auf den Titel gehabt haben sind einfach nicht mehr angetreten. So wurde unser 5. Spiel strafverifiziert (3:0) weil der Gegner nur mit 5 Spielern erschienen ist.<br />Das letzte Spiel war dann gegen die Fussballschule Chao Bom. Gegen die wir ja regelmässig Spiele in allen Altersklassen organisieren. Es war ein komisches Spiel. Ich habe schon vor Spielbeginn gemerkt, dass meine Spieler nicht mehr so ganz bei der Sache sind. Trotzdem haben sie ganz ordentlich begonnen und das Spiel ganz eindeutig bestimmt. Zur Pause haben wir 1:0 geführt. Danach das Spiel zunächst noch mehr bestimmt. Dann gab es für den Gegner eine rote Karte und plötzlich war der Faden gerissen. Aber unserer. Ohne wirklich besser zu spielen als wir hat Chao Bom zwei Tore geschossen. Ich war tatsächlich etwas perplex. In keiner Phase des Spiels habe ich das Gefühl gehabt wir könnten verlieren. Was wir dann Dank einem Elfmeter in der letzten Minute auch nicht haben. Aber zufrieden war ich mit diesem letzten Spiel und dem neuerlichen Unentschieden in keiner Weise. <br />Die Meisterschaft haben wir somit an dritter Stelle beendet. Wobei es fast schon übertrieben ist von einer Meisterschaft zu sprechen. Ein Kurzturnier halt. Das noch dazu durch die vielen Strafverifizierungen verzerrt worden ist. Barcelona z.B. hat von den 6 Spielen 4 gespielt. Davon 2 gewonnen, 2 Unentschieden gespielt und 2 am grünen Tisch gewonnen. Wobei in ganz Tarrafal kein grüner Tisch aufzutreiben gewesen ist ...<br />Das also war unsere erste Meisterschaftsteilnahme. Die Enttäuschung ist inzwischen gewichen und ich werde die Mannschaft jetzt das ganze Jahr hindurch betreuen. Bin mir ganz ehrlich relativ sicher, dass wir dann nächstes Jahr besser abschneiden. Bis dahin wird ihnen das 4-4-2 in Fleisch und Blut übergegangen sein. Wie die Spieler selbst sagen überfordert es sie noch etwas. Vieles ist ihnen ganz neu. Aber sie sagen auch, dass sie diesem System vertrauen und sie sind vor allem gewillt das Jahr hindurch daran zu arbeiten es zu verbessern.<br />Natürlich war aber nicht nur die ‚Kampfmannschaft’ aktiv. Alle Altersklassen haben in den vergangenen Monaten Spiele absolviert. So viele, dass ich gar nicht alle Ergebnisse im Kopf habe. Ist ja auch nicht so wichtig. <br />Nach Beats Heimkehr in die Schweiz Anfang Dezember waren zunächst die Mädchen und die U17 ohne Trainer. Da mir leider die Zeit fehlt noch weitere Mann- oder Frauschaften zu übernehmen – ich bedauere es wirklich, aber das geht sich zeitlich derzeit einfach nicht aus – haben Jugendliche der Kampfmannschaft diese Gruppen übernommen. Zu meiner grossen Freude. Je mehr Jugendliche im Zentrum auch Verantwortung übernehmen umso erfolgreicher sehe ich das Projekt. Und das wird tatsächlich immer besser. <br />Gerade eben ist z.B. eine Gruppe von Jugendlichen aus Praia zurückgekommen. Sie waren dort den ganzen Tag unterwegs und haben den ‚Bettelbrief’ (Projektbeschreibung der geplanten Europareise) bei diversen Firmen und Institutionen abgegeben. Zu ein paar Zuständigen sind sie sogar vorgedrungen. Das ist schon eine Leistung. Fast immer wird man von der Empfangsdame aufgehalten die von der ‚wichtigen Sitzung in der der Chef gerade ist’ erzählt und die den Brief entgegennimmt. Zu- oder Absagen gibt es natürlich noch keine, aber wie die Jugendlichen berichten ist das Projekt ‚gut aufgenommen worden’ und alle haben versprochen ihr Möglichstes zu tun?! ... man wird sehen. <br />Der nächste ‚Teil des Projektes’ von dem ich erzählen will, war für mich der Höhepunkt der vergangenen Monate. Der Besuch von Martin und Maria. Kunze und Kosareva. Die Keramiker aus Österreich. <br />Abgesehen davon, dass die Beiden ganz besonders liebe Menschen sind und mir sehr ans Herz gewachsen sind waren die zwei Wochen, die sie Anfang Jänner hier waren, wieder sehr intensiv, spannend und im Endeffekt erfolgreich.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/entstehung ofen 2-755388.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/entstehung ofen 2-749690.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Hauptziel war es, einen Lehmofen zu bauen den wir mit Gas beheizen können, damit wir unsere Terra-Cotta-Fliesenproduktion nicht auf Grund von fehlendem Brennmaterial einstellen müssen. Positiver Nebeneffekt ist natürlich auch, dass der neue Ofen ein grösseres Fassungsvermögen hat.Der Bau war nicht einfach, konnte nur schrittweise erfolgen weil die einzelnen Schichten trocknen mussten bevor weiter hochgezogen werden konnte. Aber wie schon bei ihrem ersten Besuch waren die Beiden auch diesmal wieder mit unglaublicher Schnelligkeit und Ausdauer an der Arbeit. <br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/entstehung ofen 1-762000.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/entstehung ofen 1-756146.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Dass sie DIE Spezialisten auf ihrem Gebiet sind wissen wir ja alle schon von ihrem ersten Besuch. Die Terra-Cotta-Böden im Zentrum belegen das eindrücklich.Den Gasofen haben sie mit kräftiger Hilfe von Sarah (eine Deutsche die im Dezember das Projekt besucht hat und geholfen hat wo Not an der Frau war ... ) und einigen Jugendlichen des Zentrums in den zwei Wochen ihres Aufenthalts fertiggestellt. Auch die mitgebrachten Gasbrenner konnte Martin noch installieren. <br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ofenbau 2-701450.jpg"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/ofenbau 2-798200.jpg" border="0" alt="" /></a><br />Am letzten Tag ihres Besuchs wollten wir noch brennen. Haben den Ofen eingeräumt, aber dann war leider der Wind zu stark und hat die Gasflammen auf der einen Seite des Ofens ‚rausgeblasen’ ... Wir sind jetzt dabei eine Stampflehmwand als Windschutz um den Ofen zu bauen und werden dann den Ofen ‚einweihen’.Ich habe schon erwähnt, dass Martin und Maria immer nur in ‚Abschnitten’ Ofen bauen konnten. Wer aber glaubt, dass sie die Pausen zum ‚Nichtstun’ genutzt haben hat weit gefehlt. Sie haben mit Erdproben experimentiert um herauszufinden ob man die ‚Erde’ so fein ‚auflösen’ kann dass man damit töpfern kann. Die Ergebnisse waren vielversprechend.Ich bin daher gerade dabei einen Töpferworkshop vorzubereiten. Habe einen sehr interessierten Jugendlichen (einen aus meiner Deutschklasse) der schon viel aus Ton modelliert hat und eindeutig Talent und vor allem Tatendrang zeigt. Er ist einer der Vielen hier die die Schule abgeschlossen haben und jetzt nichts zu tun haben.Und wer jetzt glaubt das wäre schon alles gewesen war Martin und Maria in den nicht einmal zwei Wochen die sie hier waren geleistet haben hat schon wieder und viel weiter gefehlt.Sie haben nämlich gleich noch einen Ofen gebaut. Einen Pizzaofen in unserer Bar!! Habe jetzt leider kein Photo davon, aber es ist ein Schmuckstück. In einer ganz anderen Technik gebaut als die anderen Öfen. Natürlich auch aus Lehm, aber diesmal haben sie einfach eine Kuppel aus Sand gemacht und über diese dann den Lehm ‚gepappt’. Als er trocken war haben wir den Sand heraus und fertig war der Ofen.Leider ist er noch nicht in Betrieb. Es fehlt ihm noch die Eisentür. Aber die ist in Auftrag ... <br /> <br />Fehlen in diesem Bericht eigentlich nur noch Erzählungen aus Informatik- Englisch- und Deutschunterricht ... Die Kurse laufen problemlos. Wir haben ausgezeichnete Ausbilder, nur die ComputeranerInnen brauchen regelmässige Hinweise darauf, dass sich ein Computer zu mehr nutzen lässt als zu Karten- und sonstigen Spielen. Der erste Informatikkurs geht ja bereits seinem Ende zu. Die Absolventen werden daher die ersten sein, die ein Diplom von uns bekommen. Ich habe sie schon darauf hingewiesen, dass es eine ‚Abschlussprüfung’ geben wird und nur die- derjenige ein Diplom bekommt der diese Prüfung auch besteht. Der Rest bekommt eine Bescheinigung dass er/sie die verschiedenen Kartenspiele die der Bill Gates seinem Windows beifügt zur Perfektion beherrschen ... <br />Weiters habe ich ihnen als ‚Abschlussaufgabe’ die Erstellung einer ‚Delta-Cultura-Internetseite’ vorgeschlagen. Dem ‚Siegerteam’ (an jedem Computer arbeiten ja jeweils zwei SchülerInnen), dessen Seite wir dann auch online stellen werden, habe ich eine ‚Premie’ versprochen. So kann ich zwei Fliegen auf einen Schlag ... was kommt da jetzt für ein Verb? Schlagen? Aber ‚Fliegen mit einem Schlag schlagen’ klingt doch blöd. Wie wär’s mit ‚zerquetschen’? oder ‚in den Fliegenhimmel schicken’ ... Also! Ich will damit zwei Fliegen auf einen Schlag abmurksen. Einerseits endlich zu der portugiesischen Delta-Internetseite kommen und andererseits den InformatikerInnen die Möglichkeit zur Praxis geben.<br /><br />Soviel zu Fliegen und sonstigem Getier. Ich beende diesen Bericht hiermit in dem untrüglichen Wissen, dass ich Vieles vergessen habe zu erzählen. Und dadurch mit dem Wunsch ab sofort wieder mit Berichten in Monatsabständen fortzufahren. Bei der Menge an Aktivitäten die sich hier so abspielen vergesse ich schnell einmal was. Ich will die Rückkehr zu tatsächlichen Monats-berichten aber nicht versprechen weil ich ja weiss wie es durchaus kommen kann. Der Februar geht zu Ende und mit fehlt die Zeit für den Bericht ...<br />So wünsche ich allen Lesern (und auch mir selber) viel Zeit für die ganz ganz lustigen Dinge des Lebens ...<br /><br />Das Projektleiterchen<div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/7288561-113926595871052648?l=deltacultura.org%2Fat%2Fmonatsbericht.html'/></div>Delta Culturehttp://www.blogger.com/profile/01196945909771420840noreply@blogger.com1tag:blogger.com,1999:blog-7288561.post-1133340436044506052005-11-30T07:40:00.000-01:002005-12-03T21:01:44.460-01:00Monatsberichte September - November 05<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_1-770675-750258.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_1-770675-746674.JPG" border="0" alt="" /></a>Der September ist vergangen, der blöde Oktober auch ... obwohl ich gar keinen Septemberbericht geschrieben habe. Der hat sich wohl gedacht ‚ach was soll’s, ich vergehe jetzt weil bis der Florian sein komisches Zentrum da im Griff hat, bin ich längst wieder da!’ ... ???<br />Auch der November hat sich nicht lumpen lassen und schreitet voran als gäbe es keine Monatsberichte aus Tarrafal.<br /><br />Ganz schockiert bin ich ob der vielen Mails die ich wegen dem Ausbleiben der Monatsberichte bekommen habe ... Da glauben doch tatsächlich Einige ich hätte sie aus dem Verteiler geschmissen, andere sind überzeugt das Projekt ist endgültig gescheitert ... nein, nein. Nichts von dem ist wahr. Erstens fliegt bei mir prinzipiell niemanden aus irgendwelchen Verteilern, da verteile ich eher noch Schmeissfliegen und zweitens scheitert Vieles im Leben, aber doch nicht Projektleiterchen!!!!??? Nicht umsonst habe ich ja den Beruf des Projektleiters an den Nagel gehängt und mich zum Leiterchen umfunktioniert. Dieses ‚chen’ schützt nämlich ganz ungeheuerlich vor Scheiterungen ... wie das genau geht erkläre ich ein andermal. Es sei nur verraten, dass es sehr viel mit Demut zu tun hat! ... Und überhaupt wäre die Welt viel besser wenn es mehr ‚chen’ gäbe. Das Bankdirektörchen würde mit seinem Zinsblödsinn aufhören. Das Bundeskänzlerchen fände Zugang zu Ehrlichkeit. Andere würden sich, anstatt zu bushen, hinter Büschchen verstecken ... <br /><br />Aber ich sollte anfangen zu berichten. <br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_2-799796-786878.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_2-799796-783880.JPG" border="0" alt="" /></a>Als der September Anfang September angefangen hat (wobei man sich darüber streiten könnte wann genau die Monate anfangen?!) war das Zentrum noch eine Baustelle ... und schon kommt mir diese Zeit lange vergangen vor. Die Zeit als ich um 6 Uhr aufgestanden bin, schnell ein paar Mails geschrieben habe vonwegen ‚ich habe jetzt keine Zeit zu antworten weil ich bauen muss’ und mich auf die Baustelle gequält habe um dort zu koordinieren, zu installieren, zu schimpfieren zu antreibieren ... bis mich gar niemand mehr gern gehabt hat. <br />Die Ehefrau nicht weil ich von früh bis spät auf der Baustelle war und wenn ich dann endlich nach Hause gekommen bin war sie todunglücklich wenn ich sie aufgeweckt habe um ihr mitzuteilen ich halte das alles nicht mehr aus und ich wolle jetzt endlich wissen welcher dumme Hund mir eingeredet habe ich könne Zentren bauen ... <br />Der Architekt hat mich überhaupt schon lange vor September für projektleitungsunfähig erklärt und seiner Frau der Projektdokumentatorin beigepflichtet die überzeugt war/ist ich sei ein kleiner Hitler ...<br /><br />Aber abgesehen von ‚Projektleiter gern haben oder nicht’ es ging Anfang September hauptsächlich darum das Kinder- und Jugendzentrum fertig zu bauen. Schliesslich sollte ja am 8. Oktober Eröffnung sein.Irgendwie war ich immer der Meinung, dass spätestens ein paar Wochen vor Eröffnung alle ganz kräftig am Fertigstellungsstrang ziehen werden. Daher auch mein Anfang September noch durchaus optimistischer Optimismus das Ziel zu erreichen. Spätestens ab Mitte September war mein Optimismus allerdings eher pessimistisch.<br /><br />Hauptsächlich weil ich vergeblich darauf gewartet habe, dass alle – von Projekt- über Bauleitung bis zum letzten Bauarbeiter – nochmals die letzten Kräfte mobilisieren und das Ding fertig bauen ...Viel habe ich von allen Seiten gehört, dass gegen Ende eines derartigen Projektes der Stress enorm wird, dass Wochenende und Feierabende entfallen ... aber bis zum Schluss waren es an Sonntagen und Abends ab 18 Uhr ausschliesslich Marisa und ich die auf der Baustelle anzutreffen waren ... nein, am Wochenende immer auch Elton, Natalina und Idalena ... wobei vor allem Ida ganz vorzüglich geholfen hat. Auch wenn sie während der Arbeit ständig Schuhe an und ausziehen musste. Keine Ahnung warum?! Also ich konnte diesen Drang eigentlich die gesamte Bauzeit hindurch unterdrücken?! Aber sie ist halt noch klein ...Tatsächlich ist es aber so, dass ich an diesen letzten Monat Bau wirklich nicht gerne zurückdenke. Sicher auch ein Grund warum ich den Bericht so verspätet verfasse.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_3-791663-730111.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_3-791663-726782.JPG" border="0" alt="" /></a>Je weiter der Monat fortgeschritten ist umso mehr Abstriche mussten wir von dem Ziel ‚Baufertigstellung’ machen. Und es war mir immer klar, dass es ganz mühsam werden wird wenn wir am 8. Oktober eröffnen, die Ausbildungen anfangen und wir noch ‚so nebenbei’ den Bau fertig stellen müssen.Der gescheite Florian hat mit dieser Sorge leider auch vollkommen recht gehabt. Der Oktober war ein mühsamer, ‚stotternder’ Monat ... und der November verspricht auch keine Verbesserung.<br /><br />Mir bleibt tatsächlich nur noch die Hoffnung auf das Christkind. Allerdings kommt das jetzt auch schon 2005 Jahre lang irrsinnig regelmässig ohne dass sich Kinderzentren problemlos bauen lassen. So wirklich restlos mühsam ist der September geworden als der Herr Direktor der Elektra den Plan des Kinder- und Jugendzentrums betreten hat.Nachdem ich seit Anfang Jänner vergeblich versucht habe den lieben Mann dazu zu bringen doch mal die Baustelle zu besuchen um sich ein Bild der Situation machen zu können, hat er eine Woche vor Eröffnung endlich Zeit gefunden mir seine grandiosen Ideen kundzutun.<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_4-781743-702347.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_4-781743-799529.JPG" border="0" alt="" /></a>Delta Cultura müsse lächerliche 30.000 € hinblättern und schon wäre die portugiesische Ausbeuterfirma bereit dem Zentrum einen permanenten Stromanschluss zu beschaffen. Unmöglich sei es allerdings bis zur Eröffnung am 8. Oktober Strom zu liefern.Ach, was habe ich mich gefreut. Das waren genau die Nachrichten die ich mir eine Woche vor Eröffnung erhofft hatte. In stürmischer Leidenschaft bin ich dem Herrn Direktor um den Hals gefallen, hätte ihn auch sofort abgebusselt wenn ich mir nicht schon lange geschworen hätte Portugiesen ganz prinzipiell nie mehr zu busseln. Natürlich war ich nicht wirklich in der Lage dem Herrn Direktor seine Vorgaben widerspruchslos zu akzeptieren. Natürlich hat es ‚Delta Cultura’ nie in Betracht gezogen für den Stromanschluss tatsächlich 30.000 € zu bezahlen. Wie denn auch? Für solche Blödheiten ist wirklich kein Geld da. Natürlich hat sich ‚Delta Cultura’ auf die Suche nach Hebeln begeben. <br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo _5-773437-745742.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo _5-773437-742779.JPG" border="0" alt="" /></a>Wir haben auch Einige gefunden, aber kaum einer lies sich in Bewegung setzen. Der Bürgermeister, der uns bei der Landvergabe noch grossartig erklärt hat das Zentrum werde bis Baufertigstellung Telefon- Wasser- und Stromanschluss haben, hat auf unseren Hinweis, dass wir weder Telefon- noch Wasser- noch Stromanschluss haben mit einem besorgten Gesicht und dem Ausbruch einer kleinen Schweissperle reagiert. Aber als Meister im Delegieren hat er sofort einen Ausweg gefunden. ‚Delta Cultura’ müsse das halt irgendwie bezahlen! ... Schon wieder ist mir das Busserlunterdrücken verdammt schwer gefallen!? <br /><br />Um die Stromsituation in Cabo Verde genau zu verstehen ist ein zweijähriges Studium der Korruptionswissenschaften notwendig. Ich fange also erst gar nicht an das zu erklären. Ausserdem verstehe ich es selber nicht ganz ... (das muss ich ja jetzt sagen, sonst glaubt noch jemand ich hätte Korruption studiert?!)<br /><br /><a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_6-764674-714036.JPG"><img style="float:right; margin:0 0 10px 10px;cursor:pointer; cursor:hand;" src="http://www.delta-culture.at/uploaded_images/Photo_6-764674-710960.JPG" border="0" alt="" /></a>Gelöst hat sich das Stromproblem bis heute nicht. Es ist uns aber gelungen für die Eröffnung einen provisorischen Stromanschluss zu bekommen (am Tag vor der Eröffnung wurde er verlegt, eine Stunde vor Eröffnung hat die Hälfte der Lampen und Steckdosen funktioniert!).<br />Gelungen ist dies Dank der Hilfe von Filomena, Chefredakteurin der Wochenzeitschrift ‚A Semana’. Sie und die Ex-Managerin von Mario Lucio, mit der wir seit dem legendären Baustellenfest in gutem Kontakt stehen, haben beweglichere Hebel gefunden als wir, waren auch sofort bereit die Geschichte vom ‚Zentrum und der Elektra’ in der Zeitung zu veröffentlichen und so haben wir zumindest ein Provisorium bekommen. <br />Warum das Provisorium provisorisch ist weiss ich nicht. Es hätte am 7. November auch entfernt werden sollen ... aber der Strom fliest immer noch. Wie mir ein Angestellter der Elektra versichert hat auch deshalb weil die Elektra inzwischen mehr Angst vor mir hat als ich vor ihnen ... ??!!<br />Was die Strommacher auf alle Fälle wollen ist, dass das Zentrum seinen eigenen Transformator kauft. Das macht die Sache auch so teuer. Laut Kostenvoranschlag den ich nach 34 Telefonanrufen endlich bekommen habe kostet das Ding ca. 15.000 €. Und dann noch die Strommasten und das Kabel ... dafür fehlt noch der Kostenvoranschlag. <br /><br />Nach all den Aufregungen und Anstrengungen, dem vielen Hin- und Her und diesem unglaublichem Zeitaufwand nur um den blöden Strom ins Zentrum zu bekommen, stehe ich der Sache inzwischen etwas gelassener gegenüber. Ich bin einfach an den Punkt gekommen an dem ich gesagt habe ‚ich kann dieses Problem nicht lösen, ich will es auch nicht lösen weil ich nicht einsehe dass Delta Cultura 30.000 € zahlen muss’. <br />Das ist also wirklich nicht unsere Aufgabe und ich habe sie ganz eindeutig an die Zuständigen weitergegeben. Der Premierminister persönlich hat das Zentrum ein paar Wochen nach der Eröffnung besucht und ich habe diese Gelegenheit dazu genutzt ihm klipp und klar zu sagen, dass weder ich noch Delta noch das deutsche Ministerium in der Lage bzw. gewillt sind die Kosten für einen permanenten Stromanschluss zu tragen. Und sollte die Elektra den Strom abdrehen, dann gäbe es im Zentrum eben keine Ausbildungen mehr.<br />So habe ich jetzt eine Zusage der Regierung, dass sie die Kosten übernehmen werden ... ich solle mit der Elektra verhandeln dass diese uns den provisorischen Anschluss so lange lassen wie benötigt und sobald ich alle Kostenvoranschläge habe muss ich diese an den Premierminister schicken ... und bla bla bla ... ob das dann wirklich so einfach wird das werden wir ja sehen. <br /><br />So und damit genug von dieser leidigen Geschichte. Ich kann sie schon nicht mehr hören, geschweige den schreiben ... <br />Auch weil diese Episode leider nicht die einzig Unerfreuliche ist, die mich seit September beharrlich begleitet. Da gab es zum Beispiel viel Streit und nervenzerfetzende Diskussionen mit diversen Kooperationspartnern, eine nach dem Besuch von Sophia (Projektbetreuerin des ASB) notwendig gewordene Umstellung der Buchhaltung, den fehlenden Telefonanschluss wegen dem ich derzeit ständig zwischen Büro und zu Hause hin- und herpendeln muss ... und eine Projektleiterchenstimmung die auf Grund dieser Gegebenheiten auch wie verrückt pendelt.<br />Das stösst vielerorts auf Unverständnis:<br />Schliesslich haben wir ja doch so Einiges erreicht in den letzten Monaten. Das Zentrum ist erbaut, die Ausbildungen laufen, Strom fliest ... <br />... aber das blöde Projektleiterchen will nicht und nicht in Hochstimmung kommen, weigert sich rührselig zu beglückwünschen, fällt um keine Hälse (ausgenommen portugiesische Direktörchenhälse), meckert mit halbverdorrten Schafen um die Wette und will nicht und nicht einsehen, dass man sich so also wirklich keine Freunde macht.<br />Ich kann dazu nur sagen: verdammt!!! Jetzt arbeite ich seit 3 Jahren daran endlich als der gute Florian dazustehen der sich aufopfernd um die armen Kinder in Afrika kümmert und was kommt dabei heraus? Ein kleiner projektleitungsunfähiger Hitler der seine Familie vernachlässigt, seine Frau mitten in der Nacht nach blöden Hunden fragt und europäische Geldgeber mit blöden Sprüchen in die Flucht schlägt.<br />So geht es also auch nicht ... ich sollte einmal meinen Psychenkater fragen ob ich ein Problem mit meinem Image habe? Aber der ist ja auch mehr damit beschäftigt Mäuse zu kriegen und beantwortet derartige Fragen meist unzureichend.<br /><br />Hilfe, ich schweife ab.<br /><br />Also ganz ehrlich, ich kann schon verstehen, dass jemand der mich und das Projekt nicht kennt, nach der Lektüre dieser Monatsberichte so seine Bedenken bekommt ob Delta Cultura überhaupt förderungswürdig ist?!<br />So ist mir schon von verschiedenen Seiten ans Herz gelegt worden doch entweder gar nicht oder etwas sachlicher zu berichten ... von anderen Seiten wiederum werde ich gebeten doch gleich das nächste Zentrum zu bauen damit die Monatsberichte nicht ausbleiben ... ein Projektleiterchendilemma.<br />Natürlich will ich in keiner Weise Kooperationspartner abschrecken, Spender verkraulen oder durch heftiges Kopfschütteln herbeigeführtes Kopfweh verursachen.<br />‚Zu meiner Verteidigung’ sei gesagt, dass diese Berichte nie etwas anderes als die Wahrheit schildern. Wenn auch manchmal etwas drastisch-sarkastisch formuliert und natürlich immer aus meiner subjektiven Sicht ... aber ich bin nun mal ein Subjekt und kein Objekt??!!<br />Der/die/das Einzige der/die/das wirklich und vollkommen sachlich berichten kann ist die Sache selbst. Und diesbezüglich steht ‚Delta Cultura’ ja nicht so schlecht da. Mitte 2002 gab es da nur einen Projektleiter und sonst gar nichts. Durch dessen Mutation zum ‚chen’ steht heute ein Kinder- und Jugendzentrum in Tarrafal, der Fussballweltmeistertitel 2014 ist Cabo Verde so gut wie sicher ... <br />Was ‚hinter’ dieser Sache steckt, was hinter den Natursteinmauern des Zentrums vor sich geht, die Anstrengungen, Siege und Niederlagen die das Projekt zu dem gemacht haben was es heute ist, darüber lässt sich wohl nur subjektiv berichten. Da hat jeder Erzähler die Möglichkeit Dinge zu verschweigen, hinzuzufügen, schönzufärben, schwarz-weiss zu malen ... <br />Was ich mit diesen Berichten auf alle Fälle versuche ist, diese Hintergründe, seien sie erfreulich oder nicht, zu erzählen. Ich habe nichts zu verbergen. <br />... Und immer wenn ich besonders gescheit daherschreiben will kommt der grösste Blödsinn heraus ...<br /><br />Also erzähl ich lieber eine Sache.<br />Ich habe ja noch nicht einmal alle wichtigen Ereignisse des Septembers erzählt. Da waren ja noch die Ankunft des lieben Beat Clerc, auch die zwei Container mit der Ausstattung des Zentrums sind noch vor der Eröffnung angekommen.<br />Beat Clerc mit der Absicht sich für 3 Monate ein Bild des Projekts und des Lebens in Tarrafal zu machen um seine Entscheidung, ob sein zukünftiges Leben in Worb oder in Tarrafal stattfinden soll, treffsicherere treffen zu können.<br />Die Ausstattung des Zentrums hatte diese Entscheidungsschwierigkeiten nicht. Sie kam bereits mit der Absicht ihr restliches Leben in Tarrafal zu verbringen!<br />Zwei ganz grosse Dankeschön (Dankeschöns? Dankeschöne?) sind an dieser Stelle fällig:<br />Einmal an Beat Clerc und seine ‚bd sport activen’ für all das Material dass sie in der Schweiz gesammelt haben und für die Übernahme sämtlicher Transportkosten bis Tarrafal. Natürlich gilt der Dank auch all den Spendern des Materials!<br />Das zweite und genauso herzliche Dankeschön gilt all den Verantwortlichen des grossen Containers der uns aus Deutschland erreicht hat. All den Spendern und all den lieben Menschen die gesammelt, koordiniert und versendet haben. <br />Das gesamte Material ist inzwischen in Verwendung. Die Nähmaschinen nähen, die Computer computern, die Strumpfhosen strumpfen, die Stoffe stoffen, das Werkzeug werkt, die Scheren scheren, die Bleistifte stiften, die Overalls overallen, die Schuhe schuhen, die Notzizblöcke blöken ... <br />Vieles haben wir an Bedürftige verteilen können. Das Schulmaterial, die warme Kleidung (die Batucumädchen haben sie in den Dörfern der umliegenden Berge verteilt) und auch viele, viele T-Shirts und Unterhosen sind heute in Tarrafal im Umlauf.<br /><br />Die Ankunft der Container war sicherlich ein Höhepunkt des Septembers und hat uns (sogar mich kurzfristig!!!), trotz der Hektik die in den letzten Wochen vor der Eröffnung geherrscht hat, jubeln lassen und uns in Erinnerung gerufen warum wir das Alles machen ... <br /><br />Und dann war sie plötzlich da ... die Eröffnung. Sie hat tatsächlich am 8. Oktober stattgefunden. Habe eigentlich in keiner Phase, bei keinen Schwierigkeiten die aufgetaucht sind (auch beim Stromproblem nicht), daran gezweifelt dass wir den Termin einhalten können. Meine bis zuletzt – sogar bis heute – grossen Zweifel haben nur die Sinnhaftigkeit betroffen. <br />Ich habe mich bis in der Nacht vor der Eröffnung gefragt ob ich überhaupt ein Zentrum dass keinen ordentlichen Stromanschluss, keinen Telefonanschluss und damals noch kein funktionierendes Wasser- und Abwassersystem gehabt hat, das in einigen wichtigen Details noch nicht fertig ist (Dächer undicht, keine Fensterläden die vor Einbruch schützen, etc.) überhaupt eröffnen will. Oder anders gefragt ob es zielführend ist. Und das Ziel war und ist es ja in dem Zentrum gute fundierte Ausbildungen anzubieten.<br />Ich glaube ich kann diese Frage heute so beantworten: für das Projekt, für die Kinder- und Jugendlichen die hier ihre Ausbildung bekommen war es ganz bestimmt richtig. Für mich persönlich war und ist es eine mittlere Katastrophe.<br />Viel von meiner Kraft habe ich in den letzten Wochen Bau verbraucht. Ich habe seit der Eröffnung noch kaum eine Verschnaufpause gehabt. Dabei verschnauf ich doch so gern. Inzwischen frage ich mich schon was ‚verschnaufen’ eigentlich ist? Ich kann mich gerade noch erinnern was schnaufen ist! Das versuche ich auch jeden Tag ganz regelmässig zu machen! Aber ver-schnaufen?? <br />Vielleicht ist es eh ein Blödsinn zu verschnaufen. Schlucken zum Beispiel ist ja auch was fantastisches, aber ver-schlucken? Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass man in Pausen ver-schnaufen soll? Das ist ja erst wieder anstrengend.<br />Kurz gesagt: ich habe durch die Eröffnung des ‚Kinder- und Jugendzentrums’ etwas ganz Wesentliches gelernt: ich will mich in Zukunft in meinen Pausen weder verschlucken noch verhören, versehen, vertasten oder verschnaufen!!! Da lege ich lieber zusätzliche Verschluck- Verhör- Verseh- Vertast und Verschnaufpausen ein! <br />Aber ganz wirklich: seit der Eröffnung des Zentrums bin ich noch nicht einmal dazu gekommen mich mal so ganz ordentlich zu verschlucken. Schon am Tag nach der Eröffnung habe ich um 10 Uhr vormittags einen Termin gehabt ... und so geht es seitdem dahin. <br />Daher also auch der fehlende Jubel und die Erleichterung über die ‚gelungene’ Eröffnung von der ich jetzt aber endlich berichten werde.<br /><br /><br />Begonnen hat das grosse Fest am 8. Oktober um 15 Uhr. Viel Prominenz war angesagt und grossteils auch anwesend.Die caboverdeanische Erziehungsministerin, der Bürgermeister von Tarrafal und viele weitere Grössen der Gemeinde. Aus Europa Beat Clerc und die Projektbetreuerin des ASB, Sophia Hubert. Sehr gefehlt haben Vertreterinnen der anderen europäischen Unterstützervereine.Mir persönlich hat es auch sehr leid getan, dass keiner meiner Verwandten, Bekannten oder Freunde den Weg nach Tarrafal gefunden haben. Ich frage mich schön langsam was ich erbauen und eröffnen muss, damit mich jemand besuchen kommt?!Aber natürlich habe ich vollstes Verständnis. Es ist uns Menschen nun mal zu eigen im Glauben (oder in der Hoffnung?) zu leben unentbehrlich zu sein!?Der offizielle Teil der Eröffnung hat mit dem gewaltsamen Entfernen eines Tuches begonnen dass irgendein Idiot über ein Schild gehängt hat.Auf diesem stand/steht geschrieben, dass es sich bei der Anlage um ein ‚Kinder und Jugendzentrum’ handelt und dass dieses am 8. Oktober 2005 eröffnet hat. Ausserdem erwähnt es die Geldgeber.Sodann hat sich die erwähnte Erziehungsministerin eine Schere geschnappt um so eine blöde Schnur zu zerschneiden die irgendein Idiot gespannt hat. Ich vermute ja stark dass es sich bei dem Tuchverhänger und Schnurspanner um das gleiche Scherzkeks gehandelt hat. Gott sei Dank hat er mit seinen dummen Scherzen nicht das ganze Fest vermasselt.Nein, Stopp! Diese Schilderung lässt ein ganz falsches Bild entstehen. Ich will diese Zeremonie in keiner Weise lächerlich machen. Im Gegenteil, ich bin ein grosser Liebhaber von symbolischen Handlungen und von deren Wirksamkeit überzeugt.Daher habe ich – gegen allerlei Widerstand – darauf bestanden dass João, eines der Strassenkinder Tarrafals, gemeinsam mit der Ministerin das Band durchschneidet! Es war ihm wahnsinnig peinlich und er hat sich überhaupt erst dazu bereiterklärt nachdem wir ihn für den Anlass neu eingekleidet haben. João ist jetzt auch einer der Schreinerlehrlinge.Auf Enthüllung und Zerschneidung folgten die grossen Ansprachen. Architekt, ‚chen’ und Ministerin haben erzählt was sie so toll an dem Projekt finden und wem Dank gebührt.Ein Teil der jetzt nicht unbedingt zu den Höhepunkten des Festes gezählt hat. Frank und ich haben in schlechtem creol viel zu kurz geredet, die Ministerin in fliesendem portugiesisch viel zu lang.Aufgelockert wurde die Sache nur von Mario Lucio, dem ‚Padrinho’ des Zentrums, der anstatt zu reden gesungen hat!‚Padrinho’ und ‚Madrinha’ das sind sozusagen die Paten des Zentrums. Etwas was hier eine sehr grosse Bedeutung hat und sehr ernst genommen wird. Eine Patin oder ein Pate, sei es bei der Taufe oder eben bei der Einweihung eines Zentrums ist sich seiner Verantwortung voll bewusst und nimmt diese auch wahr.Wir haben daher, strategisch sehr geschickt, die bereits erwähnte Filomena (Chefredakteurin der ‚A Semana’) und Mario Lucio zu den Paten des Zentrums ‚gemacht’. Nach den gar nicht so vielen Ansprachen kam es dann zum kulturellen Teil der Eröffnungsfeier und die Stimmung der Gäste war sehr bald schon einige Grad besser als noch bei dem offiziellen Teil.War aber auch kein Wunder bei dem Staraufgebot dass wir zu bieten hatten: Delta Cultura, Po de terra (die zwei besten Batucugruppen der Insel), auch eine Tanzgruppe aus Tarrafal hat ihren Beitrag geleistet ...Bevor es dann zum Höhepunkt des Abends kam wurde noch der Fussballplatz eingeweiht. Es gab lange Diskussionen im Vorfeld welche Mannschaft diese Ehre haben sollte. Wir haben uns sogar überlegt für jede Altersklasse ein Spiel zu organisieren. Dann hätte die Eröffnungsfeier aber schon um 6 Uhr Früh anfangen müssen ... so haben sich die Kleinsten durchgesetzt. Es gab ein Spiel gegen die U10 aus dem Nachbarort Chao Bom. Das Ergebnis dieses Spieles habe ich vergessen. Aber bei der U10 ist das auch noch nicht so wichtig. Schon gar nicht bei der Eröffnung.Beeindruckend und für die Kinder sicher ein Erlebnis war die Kulisse! So viele Zuschauer haben die Kleinen normalerweise nie!Natürlich gab bei dem Fest auch Speis und Trank. Speis kostenlos solange der Vorrat gereicht hat, Trank an der Zentrumsbar.Sodann kamen die wirklichen Stars des Abends zum Zug. Und es war phantastisch. Ein echtes Erlebnis. Ein absoluter Höhepunkt in meinem bisherigen Leben. Keine Frage!Die caboverdeanische Musik hat ja wirklich viel zu bieten. Und mit Mario Lucio, Vadu und Ferro Gaita haben wir 3 der derzeit besten Interpreten gehabt!So gerne ich die Musik von Mario Lucio und Vadu auch habe, ich habe trotzdem fast ausschliesslich Ferro Gaita entgegengefiebert.Es ist ja tatsächlich so, dass ich immer gesagt habe ‚wenn es mir denn gelingen sollte das Kinder- und Jugendzentrum Tarrafal zu bauen dann muss ‚Ferro Gaita’ bei der Eröffnung spielen’.Als es dann soweit war hat es mich tatsächlich gepackt! Zunächst habe ich noch ganz harmlos meiner Freude mit einem Tanz mit Marisa und Olga im oberen Stockwerk des Büros Ausdruck verliehen.Ich weiss gar nicht wer dann auf die glorreiche Idee gekommen ist den Tanz doch auf der Bühne fortzusetzen. In meiner Euphorie habe ich mich sogar dazu hinreissen lassen. Alle die mich kennen wissen, dass es nicht unbedingt mein grösstes Talent ist zu tanzen und dann auch noch vor so einem Publikum ... aber die Freude, die Euphorie war in dem Augenblick wirklich grösser als Antitalent und Scham. So haben Marisa, Frank, Uli und ich einen Tanz auf die Bühne gezaubert, dass das Publikum in nicht enden wollende standing ovations verfallen ist.Ich glaube die Starmusiker von Ferro Gaita waren die Einzigen die uns nicht ganz unglaublich gut gefunden haben?! Aber sie haben trotzdem weitergespielt. Dafür bin ich ihnen noch heute dankbar!<br /> <br />Unser Tanz hat sich dann für die Dauer des Konzerts noch von der Bühne durch den gesamten Innenhof des Zentrums verlegt. Kreuz und quer durch die Zuschauer. Zwischendurch wurde ich immer wieder mal von einer Gruppe von Jugendlichen ‚gepackt’ und auf Händen getragen und geschmissen ... wie ein siegreicher Fussballtrainer ... und es ist mir in diesem Moment auch wie ein Sieg erschienen!<br /><br />Aus ganz unerfindlichen tiefdunklen Gründen hat das Leben manchmal in solchen ausgelassenen Momenten saudumme Ideen um einem alles zu vermasseln. <br />Leider ist es mir bei dieser Eröffnung so ergangen. <br />Schweissgebadet und erschöpft sind wir ins Bürogebäude zurückgekehrt. In den ersten Stock wo eigentlich nur geladene Gäste sein sollten. In der ‚Ferro Gaita Euphorie’ hat aber niemand darauf geachtet und es haben eine ganze Horde Buben das Büro ‚gestürmt’. Wohl einer von ihnen hat die Gelegenheit genutzt und meine Videokamera gestohlen. <br />Es hat mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen! Ich habe mich auf die Veranda gesetzt, habe den abwandernden Zuschauern hinterhergeschaut und habe tatsächlich mit den Tränen zu kämpfen gehabt. <br />Ich weiss das klingt lächerlich. Man könnte meinen es habe sich ja ‚nur’ um eine Videokamera gehandelt. Ich kann es auch nicht genau erklären warum mir dieser Diebstahl so extrem ‚eingefahren’ ist. Bis heute kann mir der Gedanke an diese Kamera die Stimmung restlos vermiesen. <br />Mir ist im Leben schon sehr viel gestohlen worden. Auch mindestens so wertvolle Dinge, aber noch nie hatte ich dieses Gefühl ... wenn dann Zorn ... ich kann es wirklich nicht erklären.<br />Nicht damit, dass die Kamera ein Geschenk meines Bruders war, nicht damit dass ich noch soviel damit vorgehabt habe (die Kamera war tatsächlich immer fixer Bestandteil meiner Überlegungen wenn ich an die Zukunft des Projekts gedacht habe), nicht damit dass einer die Frechheit hat mich in einem derartig grossartigen Moment zu bestehlen ... <br /><br />Die Tage nach der Eröffnung war ich in einem ziemlich schwarzen Loch. So war es fast ein Geschenk des Himmels, dass gerade Sophia vom ASB da war. An ihr konnte ich ja schwer meinen Grant rauslassen. Macht keinen guten Eindruck!?<br />Und es tut mir von Herzen leid, dass es wie immer hauptsächlich Marisa, meine liebe Frau, war die die Abgründe und negativen Zukunftsprognosen des Projektleiterchens ertragen musste.<br />Ganz so extrem ist meine schlechte Stimmung seither natürlich nicht geblieben. Aber das Tief, sicher auch verursacht durch die viel zu viele Arbeit, habe ich noch nicht ‚überwunden’. So wirklich leicht geht mir derzeit kaum etwas von der Hand.<br />Ich weiss, dass ich mindestens eine Woche Urlaub bräuchte. Leider ist das derzeit aber nicht möglich. Ich bin unentbehrlich???!!!!<br /><br />Die Woche nach der Eröffnung war natürlich hauptsächlich von der Organisation der verschiedenen Ausbildungen geprägt. Wie da sind: Schreiner- und Schneiderinnen täglich von 8 bis 16 Uhr. Informatik täglich von 18 bis 20 Uhr. Englisch- und Deutschunterricht zweimal wöchentlich von 18 bis 20 Uhr. Fussballschule und Batukugruppe wie eh und je.<br /><br />Zu den einzelnen Ausbildungen und Angeboten:<br />Schreinerausbildung:<br />Da haben wir grosses Glück mit dem Ausbilder gehabt. Es ist ja generell so, dass wir keine grossartigen Gehälter zahlen können und es daher recht schwierig war ‚entsprechende’ Ausbilder zu finden. Für die Schreinerlehrlinge haben wir mit Paulo aber einen sehr geeigneten Mann gefunden. Ein zurückhaltender, ruhiger Typ, der eine offensichtlich sehr gute Ausbildung in einem Projekt in Praia bekommen hat (ein Projekt, dass es inzwischen nicht mehr gibt).<br />Seine Aufgabe ist ja nicht leicht. Die fünfzehn Lehrlinge die er hat sind in Alter und Ausbildungsstand sehr unterschiedlich. Ausserdem fast durchwegs die sogenannten Strassenkinder ... bekanntlich gehören die meist nicht zu der Gattung Mensch die sich gerne belehren lässt??!! Aber Paulo macht das wirklich sehr gut. Sie respektieren ihn auch ganz offensichtlich ... und das ist zunächst einmal das wichtigste. Sonst kommen sie ja einfach nicht mehr. Bis auf einen, der auffallend oft krank ist seit er Schreinerausbildung bekommt haben die Lehrlinge bisher keine Fehlstunden.<br />Schwierigkeiten macht eben auch der unterschiedliche Ausbildungsstand der Lehrlinge. Da gibt es zwei die weder schreiben noch lesen können und vier die es nur sehr schlecht können. Der Rest hat die Schulpflicht (bis 15 Jahre) absolviert und das entsprechende Wissen.<br />Paulo hatte am Anfang seine Bedenken ob das gehen würde. Gerade in den ersten Wochen besteht die Ausbildung ja hauptsächlich aus Theorie. Meine inständige Bitte es einmal zu versuchen hat er beherzigt und heute will er keinen seiner Lehrlinge mehr ‚hergeben’. <br />Ich befinde mich, was die Problematik des unterschiedlichen Schulniveaus betrifft in einer kleinen Zwickmühle. Da gibt es so drei mehr oder weniger unterschiedliche ‚Vorgaben’ was die Ausbildung betrifft.<br />Zunächst das was im Ansuchen an das deutsche Ministerium steht: ‚Ausbildung für die Ärmsten’ aber ‚Professionelle Ausbildung’ nicht ‚Grundbildung’.<br />Dann das was die caboverdeanische Regierung an Richtlinien für ‚professionelle Ausbildung’ ausgegeben hat. Und wir wollen ja, dass die Lehrlinge am Ende ein offizielles Diplom bekommen, müssen uns also daran halten. Und diese Richtlinien ‚verlangen’ auch eine gewisse Schulbildung für eine Ausbildung der Stufe 5 (höchste Stufe). Wobei wir die zweite Richtlinie, nämlich 2400 Ausbildungsstunden für diese Stufe, mehr als erfüllen.<br />Schliesslich gibt es da dann noch meine Richtlinien. Ich habe mir nämlich ganz still und heimlich auch ein Gesetzbuch angelegt ... obwohl ich das gar nicht darf. ‚chens’ sind ja nicht dazu da um zu gesetzbüchern sondern um zu leitern.<br />Trotzdem ich habe natürlich so meine Vorstellungen der Ausbildungen die hier angeboten werden. Und es war und ist immer mein grösstes Ziel gewesen mit den Strassenkindern zu arbeiten. Beziehungsweise nicht mit ihnen zu ‚arbeiten’ sondern ihnen helfen ihre Talente zu finden und zu fördern. Die bestimmt nicht ausschliesslich darin liegen in Tarrafal Autos zu waschen. <br /><br />Das also sind die drei Vorgaben. Wobei ich meine Aufgabe darin sehe die drei in EINER Ausbildung zu vereinen. Und das sollte mir eigentlich auch gelingen. Es muss mir gelingen, weil ich ja keine der drei Vorgaben fallen lassen darf. Vorgaben darf man nie fallen lassen, sie sind dazu da, gehalten zu werden! Schliesslich sind sie enge Verwandte der Richtlinien und Gesetze. Und die verursachen immer eine riesige Sauerei wenn sie nicht gehalten werden ... wenn man sie fallen lässt, sie von der Schwerkraft gepackt werden und am Boden zerschellen. Bis heute wurde das Putzmittel noch nicht erfunden mit dem man nicht gehaltene, zerbrochene Gesetze aufwischen kann ... am besten geht’s noch mit Schmierseife ...<br />Aber zurück zu den Strassenkindern. Da weder das deutsche noch das caboverdeanische Ministerium Gesetze erlässt die sich GEGEN Menschen richten sondern stets nur solche die FÜR die Menschen sind (das wäre ja eine komische Welt wenn sie das tun würden???!!!) bin ich mir denn also sicher, dass das Ausbildungszwickmühlenproblem eine Lösung hat.<br />Der gute Geist des Zentrums hat diesbezüglich auch schon eingegriffen. Er hat uns Sarah aus Deutschland geschickt. Sie ist Mitte November hier angekommen und wird bis Ende April bleiben. Ihre erste Aufgabe hat sie bereits mit viel Engagement in Angriff genommen ... den Lehrlingen die nicht schreiben und lesen können dieses beizubringen. Eine Stunde täglich kann Paulo die zwei Lehrlinge ‚entbehren’ und sie in die Obhut von Sarah geben.<br />Inzwischen hat sich schon noch ein Strassenkind dem täglichen Schreib- und Leseunterricht angeschlossen. Es werden sich auch bestimmt noch weitere finden. Schwierig ist es immer nur sie dazu zu bringen regelmässig zu kommen. Aber ich habe das Gefühl, dass die Kinder und Jugendlichen die einmal hier angefangen haben auch weiterhin kommen. Wenn sie merken, dass wir hier zwar Ausbildungen anbieten aber doch keine ‚Schule’ sind. Es weht im Zentrum ja doch ein anderer Wind als in den öffentlichen Schulen. Wobei das Potenzial dieses Zentrumwindes noch lange nicht ausgeschöpft ist ... Wenn wir ganz konzentriert arbeiten und Alle zusammenhelfen wer weiss ob es uns nicht gelingt den Wind zu einem Wirbelsturm werden zu lassen der die Sauereien die die fallengelassenen Gesetze verursachen hinwegwirbelt ... dann könnten wir aufhören Putzmittel zu erfinden!<br />Ein grosse Vorhaben ... wobei ich mich derweil noch darauf konzentriere ein paar Kinder und Jugendlichen in Tarrafal eine gute Ausbildung zukommen zu lassen.<br /><br />Schneiderausbildung:<br />In diesem Bereich haben wir zwar keine schlechte Ausbilderin aber wie ich meine eine die nicht das Wissen hat um eineinhalb Jahre lang eine sinnvolle Ausbildung anzubieten.<br />Aber auch sie ist eine sehr liebe Person die von den Lehrlingen (ich weiss jetzt nicht wie man zu weiblichen Lehrlingen sagt? ... ) respektiert und angenommen wird. <br />Ganz anders als bei den Buben hat sich die Suche nach den auszubildenden Mädchen gestaltet. Und ich bin mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Da besteht noch Handlungsbedarf. Zwar haben wir natürlich die 10 Ausbildungsplätze besetzt, aber ob das denn wirklich die sind die es am nötigsten brauchen bezweifle ich. Das beweist auch die folgende Episode:<br />Die Lehrlinge bekommen im Zentrum ja ein Mittagessen. Und da hat es bei den Schneiderinnen doch tatsächlich zwei gegeben denen das nicht gut genug war und die täglich in der Mittagspause zum nächsten ‚Restaurant’ gegangen sind um dort zu essen.<br />Habe mich nicht gerade gefreut als ich das erfahren habe ... musste sodann eine kleine Ansprache in der Schneiderei halten. Habe erklärt dass wir zuwenig Geld haben um das Zentrum zu finanzieren und dass ich alle die die Möglichkeit hätten täglich 200 Escudos für ein Essen auszugeben herzlichst bitte dieses doch dem Zentrum zu spenden und das angebotene Essen anzunehmen. Seitdem sind in der Mittagspause alle anwesend. Spenden sind aber noch keine eingegangen.<br />Das Problem bei der Suche nach den Mädchen und Frauen die die Ausbildung ‚am notwendigsten’ hätten ist deshalb nicht so leicht wie bei den Buben weil die Mädchen nicht auf der Strasse oder am Strand anzutreffen sind. Auch wenn sie nicht in die Schule gehen und keine Arbeit haben. Sie sind zu Hause und helfen im Haushalt, ziehen ihre kleinen Geschwister gross weil die Mutter arbeitet oder sauft oder hurt oder in Portugal ist ... <br />Wie bei den Buben, die mit Tätigkeiten wie Autowaschen oder Touristen anbetteln täglich Geld nach Hause bringen, wollen die Erziehungsberechtigten oft gar nicht dass das Kind eine Ausbildung macht die den ganzen Tag dauert. <br />Ein weiterer Bereich in dem Aufklärungsarbeit gemacht werden kann ... <br />So haben wir im Schneiderinnenbereich also anders gelagerte Schwierigkeiten. Aber auch keine unlösbaren.<br />Was die Ausbilderin betrifft zeichnet sich auch bereits eine Lösung ab. Das caboverdeanische Erziehungsministerium hat uns bei der Eröffnung ja ganz hochoffiziell eine Kooperation angeboten. Die Ministerin persönlich hat es vor laufender Kamera angesprochen: das Ministerium bezahlt uns für den Bereich der professionellen Ausbildung einen Koordinator. Dieser wird zuständig sein für Ausbildungspläne, für deren Einhaltung, für die Kooperation mit dem Ministerium und anderen öffentlichen Stellen und wird dafür sorgen, dass die Lehrlinge ein offiziell anerkanntes Diplom bekommen.<br />Ich habe diesen ‚Koordinator’ zunächst abgelehnt. Habe der Ministerin ins Gesicht gesagt, dass ich ihre blöde Unterstützung nicht wolle und sie solle sich in ihr hässliches Ministerium schleichen??!!! ... nein, stimmt natürlich nicht. Ich wollte ja einen guten Eindruck machen.<br />Was ich aber sehr wohl angesprochen habe ist, dass wir über einen Koordinator natürlich sehr froh wären wir aber auch das Problem hätten zuwenig Geld für qualifizierte Ausbilder zu haben und ich es daher besser fände das Ministerium bezahle Ausbilder anstatt einen Koordinator. <br />Durch diese geschickte diplomatische Vorgehensweise habe ich jetzt die Zusage für einen Koordinator UND weitere Ausbilder. Das habe ich fein hinbekommen, gelle?!<br />Blöd ist jetzt nur, dass wir diesen Koordinator nicht finden. In Tarrafal gibt es einige sehr interessierte Leute, die aber alle schon einen Job haben. Durchwegs Professoren am Gymnasium. Und da das Ministerium ein recht gutes Gehalt bezahlt (wesentlich mehr als ich als Projektleiter bekomme!) bestehe ich darauf, dass der/diejenige den Job Fulltime macht. Und nicht so wie sich die bisherigen Kandidaten das wünschen, nebenbei ... es ist aber keiner bereit den Job im Gymnasium aufzugeben und im Zentrum zu arbeiten. Weil das Gehalt doch niedriger als das eines Professors ist ... <br />Wir haben jetzt eine Kandidatin die aber leider nicht ganz den Anforderungen des Ministeriums entspricht weil sie noch keine Erfahrung in dem Bereich hat. Sie hat in Portugal studiert und ist noch nicht lange wieder in Cabo Verde. <br />Ich hoffe sehr das Ministerium möglichst bald von dieser Kandidatin überzeugen zu können. Ich glaube sie würde gut zu uns passen.<br /><br />Informatik:<br />Da läuft alles plangemäss und problemlos. Wir haben eine ganz reizende Kubanerin als Ausbilderin die tagsüber im Gymnasium unterrichtet und jeden Abend (Montag bis Freitag) 20 Jugendliche im Zentrum. Und sie bekommt wirklich nicht viel Geld dafür. Beklagt sich aber nie und hilft wo es nur geht. Hat zunächst alle Computer installiert, das portugiesische Windows aufgesetzt und ist jetzt ‚nebenbei’ dabei das Netzwerk zu installieren.<br />Die Jugendlichen die den Kurs besuchen (10 Buben und 10 Mädchen) sind fast durchwegs ‚Schulabgänger’. Also solche die vergangenes Jahr das Gymnasium abgeschlossen haben und jetzt nichts zu tun haben. Der Andrang auf diesen Kurs war sicherlich der grösste. Da könnten wir noch 10 solche Kurse anbieten ...<br /><br />Sprache:<br />Da haben wir Gott sei Dank einen unglaublich fantastischen Lehrer für den Deutschunterricht gefunden. Ein zuvorkommender, wunderhübscher Kerl, spricht fliesend Deutsch, kommt immer geschniegelt und super vorbereitet in den Unterricht, ist bescheiden bis zum geht nicht mehr ... eine Ausnahmeerscheinung. Ein Wunder der Natur. Ein ‚chen’ ... ja, ja natürlich bin das ich! ... Das haben sicher alle Leser sofort erraten als ich ‚Wunder der Natur’ geschrieben habe! Oder fällt irgendwem sonst noch eines ein?<br />Ich habe in meiner Klasse 15 Buben und Mädchen und alle können schon ‚ich bin schön, ich bin dünn, ich bin nicht kompliziert’ sagen. Es war das erste was ich ihnen beigebracht habe ... warum weiss ich nicht mehr, aber ich habe mir sicher was dabei gedacht. <br />Für den Englischunterricht haben wir eine Amerikanerin die vom ‚Peace Corps’, der amerikanischen Entwicklungshilfeorganisation, nach Tarrafal geschickt wurde. Sie unterrichtet am Gymnasium. Ich wollte sie hauptsächlich deshalb weil die Kinder hier ja alle in der Schule Englisch lernen, es aber nicht sprechen. Was eben daran liegt, dass es auch die Lehrer grossteils nicht wirklich fliesend sprechen. Die Amerikanerin die wie eine Chinesin ausschaut spricht auf alle Fälle fliesend und findet das Projekt auch ganz ‚incredible’. <br />Ein schöner Nebeneffekt ist, dass sie neben ihrem Professorengehalt kein Geld verdienen darf. Das verbietet das ‚Peace Corps’. So spare Geld und kann das eventuell in einen zusätzlichen Englischkurs für Anfänger investieren. Das muss ich noch mit dem ASB klären.<br /><br />Fussballschule:<br />Die hat in den letzten Monaten natürlich gelitten. Bis Anfang September Beat gekommen ist. Seit dem geht es wieder aufwärts. Kommt mehr Organisation und mehr Inhalt in die Trainings. Auch ist es Beat ganz ausgezeichnet gelungen die Mädchengruppe wieder zum Leben zu erwecken. Nachdem ich die Gruppe aus Zeitmangel aber hauptsächlich wegen mangelnder Disziplin bei der regelmässigen Teilnahme Ende Juni eingestellt habe, hat Beat eine Woche nach Wideraufnahme eine Gruppe von über 30 Mädchen mobilisiert die seitdem regelmässig trainieren. Auch ein erstes Turnier hat Beat auf dem Zentrumsfussballplatz organisiert.<br />An dieser Stelle eine Kurzerzählungsanalyse von Beat dem Trainer aus der Schweiz. Er wird jetzt vielleicht bisschen erschrecken und sich fürchten vor dem was ich jetzt wieder verzapfe ... bin mir nicht ganz hundertprozentig sicher ob er meinen Humor zur Gänze teilt?? Aber keine Angst Beat ich schreib ganz brav und sachlich.<br />Beat war jetzt 3 Monate hier in bei uns in Tarrafal (gestern ist er zurück in die Schweiz). Er hat den letzten Monat Bau, die Eröffnung, den ersten Monat Ausbildung und alle diesbezüglichen Hinter- und Vordergründe hautnah miterlebt. Darum ist er ja auch gekommen. Er wollte sich ein genaueres Bild von dem Projekt und dem Leben in Tarrafal machen. Um seine Entscheidung ob ganz nach Tarrafal zu ziehen oder weiterhin zu ‚pendeln’ treffen zu können.<br />Mit grosser Freude und Anerkennung für seinen Mut möchte ich das Ergebnis seiner Entscheidungsfindung gleich kundtun: Beat ist seit gestern neuer technischer Leiter der ‚Fussballschule Tarrafal’!! Bis Ende des Jahres von der Schweiz aus, ab Anfang 2006 vor Ort! ‚Weltmeister Cabo Verde 2014’ ist gesichert! Reservierungen für die Weltmeisterfeier werden entgegengenommen!<br />Ich weiss natürlich, dass sich Beat diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Auch wenn er noch nicht alt ist, so ist es aber in seinem Alter etwas ganz anderes das Leben in Europa stehen und liegen zu lassen und hierher zu kommen. Weil das Leben hier ist anders. Ziemlich anders. <br />Ausserdem geht Beat auch ein finanzielles Risiko. Weil Gehalt kann ihm Delta Cultura derweil keines zahlen. <br />Ich habe in den Monaten in denen er hier war eigentlich nicht damit gerechnet dass er sich dazu entschliesst zu kommen. Da waren die unterschiedlichen Ansichten und die, zwar nicht heftigen aber doch vorhandenen, Streitereien zwischen ‚Delta Cultura’ und ‚Vista Verde’, die Beat ganz bestimmt verunsichert haben. Er ist da immer irgendwie dazwischen gestanden. Und das ist bekanntlich nie angenehm. Anfangs hat er sich auch ‚verpflichtet’ gefühlt zu vermitteln, bald schon hat er aber gemerkt dass das Projektleiterchen stur ist und von seinen Ansichten nicht abweichen will ... trotzdem hat er sich entschlossen zu kommen. Nachdem wir eine ganz klare Aufgabenteilung (auch schriftlich) festgehalten haben. <br />Beat geht uns allen schon jetzt, einen Tag nach seiner Abreise, ab und wir freuen uns auf seine hoffentlich sehr baldige Rückkehr!<br /><br />Die Fussballschule hat im November auch sonst noch einen ganz grossen ‚Sprung’ gemacht. Wir sind jetzt ein beim Fussballverband eingetragener Verein und hiermit berechtigt an der caboverdeanischen Meisterschaft teilzunehmen. Was wir natürlich auch machen werden. Mit dem Trainer den wir für die ‚Kampfmannschaft’ (saublödes Wort, aber mir fällt jetzt keine besseres ein) haben, kann auch nur der Meistertitel das Ziel sein. Der Trainer ist ein ganz zuvorkommendes, äusserst sympathisches Wunder der Natur ... ja, ja schon wieder!!<br />Seit ca. zwei Monaten bereite ich die Mannschaft akribisch auf die Meisterschaft vor. An der wir fast nicht hätten teilnehmen können weil die Präsidenten der anderen Vereine Tarrafals sich dagegen gewehrt haben. Mit der Begründung sie verstehen die Fussballschule als Ausbildungsort und nicht als Verein ... sprich, sie haben sich das so vorgestellt dass wir das gesamte Jahr hindurch die Arbeit machen und sie dann für die Meisterschaft ganz toll ausgebildete Fussballer bekommen. Gott sei Dank hat der Verband diese Meinung in keiner Weise geteilt und den Herrn Präsidenten klar gemacht dass es nicht die Vereinsverantwortlichen sein können die bestimmen wer Meisterschaft spielt und wer nicht sondern einzig und alleine der Verband. <br />Der Meisterschaftsmodus ist dieses Jahr erstmals nicht in erste und zweite Division geteilt sondern so, dass jede Gemeinde ein Turnier organisiert deren Gewinner (oder die ersten zwei?) an der regionalen Santiago-Meisterschaft teilnehmen. Dieser Gewinner wiederum spielt dann an der nationalen Meisterschaft mit. <br />Dieses Turnier der Gemeinde wird Anfang Dezember starten. Es nehmen 7 Mannschaften teil. <br />Ich kann unmöglich sagen wie da unsere Chancen stehen. Dazu kenne ich die anderen Mannschaften zu wenig. Kann auch nicht sagen wie das Spielverhalten unserer Mannschaft sein wird. Im Training sehe ich schon immer wieder mal schöne Fortschritte, aber wie das dann in Wettkampfspielen sein wird??<br />Einen Namen hat der Fussballclub auch: ‚Pena d’aguia Tarrafal’. Was soviel heisst wie ‘Adlerfeder Tarrafal’. Und das ist nicht weil wir einen Indianerhäuptling in unseren Reihen haben sondern weil ‚Benfica Lissabon’ in seinem Wappen einen Adler hat ... und die Mehrzahl der Spieler Benfica-Fans sind und unter diesem Namen schon vor der ‚Fussballschule Tarrafal’ zusammengespielt haben.<br />Das Projektleiterchen freut sich auf alle Fälle schon sehr auf seine Tätigkeit als Trainerchen. Das Ziel ‚Cabo Verde Weltmeister 2014’ ist ja bekanntlich nur dann realistisch wenn der Verband Beat und mich spätestens ab der Qualifikation für diese Weltmeisterschaft auf die Trainerbank der Nationalmannschaft setzt. Es wird also Zeit, dass ich mir schon mal einen Namen als DAS Fussballtränerchen (?) schlechthin mache ...<br /><br />Batucugruppe:<br />Mir fällt auf, dass dieser ‚Teil’ des Projekts immer ganz zum Schluss ‚drankommt’. Dabei ist diese Gruppe das Herzstück. Ohne die Lebensfreude der Batucumädchen, ohne deren Musik hätte ich das Projekt schon längst sausen lassen.<br />Sie ‚üben’ wie eh und je, allerdings nicht im Zentrum, sondern wie gehabt bei uns zu Hause. Die Mädchen wohnen alle mehr oder weniger in unserer Nähe und so wäre es sinnlos wenn sie abends den weiten Weg zum Zentrum und wieder nach Hause gehen. <br />Auftritte haben sie regelmässig und Marisa ‚schreibt’ praktisch wöchentlich neue Lieder.<br />Auch Mario Lucio ist sehr angetan von dieser Gruppe und will, dass wir eine Europatournee der Mädchen (mit ihm gemeinsam) organisieren. Wäre ein lang geträumter Wunsch von uns.<br />Sobald es meine Zeit zulässt will ich mich diesem ‚Projekt im Projekt’ annehmen und mit Mario Lucio gemeinsam eine ‚Kommission’ gründen die diese Reise organisiert.<br />Wäre natürlich toll wenn sich gleichzeitig auch eine Kommission in Österreich, Deutschland und der Schweiz gründet und mitorganisiert!?<br /><br /><br />So, jetzt ist mir leichter. Der Monatsbericht, der diesmal ein Monatebericht ist, neigt sich dem Ende entgegen und mein saudummes schlechtes Gewissen, dass ich seit Anfang Oktober vonwegen ‚ausbleiben der Monatsberichte’ habe kann sich in den Urlaub verziehen. <br />Alles was jetzt noch folgt tut zwar Einiges zur Sache ist aber überhaupt nicht sachlich. Ich möchte mich an dieser Stelle daher von allen ganz herzlichst verabschieden die ‚nur’ wissen wollen was das ‚Kinder- und Jugendzentrum’ so treibt. Entschuldige mich auch gleich für all die Aus- und Abschweifungen der vergangenen Seiten.<br /><br />Das Projektleiterchen<br /><br /><br />Und weiter für alle die immer schon subjektive Hintergrundinformationen und Projektleiterchenmeinungen lesen wollten.<br />Da gibt es diese Teile im Bericht die den ‚Streit’ zwischen ‚Delta Cultura’ und ‚Vista Verde’ erwähnen. Da gibt es die Unzufriedenheit des Projektleiterchens. Dinge die ein bisschen näher erklärt werden können ... bevor sie zu Missverständnissen führen.<br /><br />Also es gab keinen Streit zwischen Delta Cultura und Vista Verde weil das sind ja nur Rechtspersonen. Und die streiten prinzipiell nicht. Die tun immer nur Recht. Meist wichtiges Recht. Manchmal machen sie sich auch recht wichtig. Wichtig ist, dass alles sein Recht hat. Und Ordnung? Und so?<br />Innerhalb dieser Rechtspersonen bewegen sich aber auch recht ordentliche Menschen ... und die streiten eben manchmal. Oder sind anderer Meinung und finden der Andere müsste auch anderer Meinung sein.<br />So ist es uns auch hier in Cabo Verde, in diesem ‚Kinder- und Jugendzentrum’ ergangen. Obwohl hier ständig die Sonne scheint und das Meer gleich da unten ist.<br />Irgendwann hat irgendwer angefangen irgendwem Vorwürfe zu machen. Oder Kritik zu üben (klingt doch viel vernünftiger).<br />So wurde an mir geübt, dass ich auf der Baustelle ein kleiner Hitler sei, viel zu viel arbeite und daher dauernd Fehler mache und deshalb demnächst den Psychenkater aufsuchen werde müssen oder krank werde, dass ich so viele Ideen hätte die ich aber niemandem kundtue, dass ich den Eindruck vermittle nicht genau zu wissen was ich mit dem Zentrum eigentlich wolle, dass ich mehr Rücksicht auf die Geldgeber nehmen müsse, dass ich Helfern nicht genügend Respekt und Dankbarkeit zeige, dass ich über alle Geldgeber schlecht rede, dass die Geldgeber genauer wissen wollen wohin das Geld fliest, dass ich nicht wisse wie ich das Zentrum ab 2007 finanzieren will ...<br />Was genau ich an anderen geübt habe will ich an dieser Stelle nicht erwähnen weil der/diejenigen an denen ich übe ja keine Möglichkeit haben sich zu ‚rechtfertigen’.<br />Soviel sei aber doch verraten: ich habe ganz gemeine Sachen gesagt. Es dürfte aber wohl Allen klar sein dass die Vorwürfe die an mich gemacht wurden allesamt an den Haaren herbeigezogen waren während ich ganz besonnen und reiflich überlegt (so wie es halt meine Art ist) vorgeworfen habe ... so wünsche ich es mir zumindest. Weil wenn ich jetzt dann nicht bald perfekt werde schaffe ich es überhaupt nicht mehr. Mir läuft die Zeit davon.<br />Tatsächlich gibt es auch in diesem Streit keinen Guten und keinen Bösen (nur einen Besseren und das bin zweifellos ich?!). Ich will/muss/kann/soll aber auf diese Vorwürfe eingehen. Es kann ja durchaus sein, dass ganz viele Menschen – auch diejenigen die diese Berichte lesen – dem voll und ganz zustimmen und das der Grund ist warum sie mir schon seit Monaten nicht mehr mailen??!!<br />Zu meiner Person und meiner Art zu leiten: ich bemühe mich natürlich das so gut wie möglich hinzubekommen. Dass ich dabei Fehler mache ist klar. Noch viel mehr als ich ein ziemlicher Stimmungsmensch bin und darunter praktisch alle meine Mitmenschen leiden. Ein Erbe meiner Mutter.<br />Es kann auch nie schaden mich zu kritisieren. Das kann unter günstigen Umständen helfen. Wenn auch nicht direkt sofort und auf der Stelle. Weil auch mir es bis heute noch nie gelungen ist eine Charaktereigenschaft von einem Moment auf den anderen abzulegen oder umzumodeln. Das können nur indische Gururus.<br />Ich lebe daher immer schon mit der Einstellung: wenn mir der Chef nicht passt dann suche ich mir halt eine andere Arbeit. Weil ich weiss - und es war auch nie mein Interesse – dass es mir nicht gelingen wird den Chef und/oder seine Art zu arbeiten zu ändern. Mein lieber Bruder Johannes kann davon ein Lied singen. Und er singt es wahnsinnig schön. Allerdings immer nur Sonntags unter der Dusche. Also wer es hören will ... er wohnt in Wien in der Gumpendorferstrasse, sein Badezimmer befindet sich gleich hinter seinem Schlafzimmer ... <br />Heute bin ich sozusagen mein eigener Chef und wünsche mir ausschliesslich Angestellte die gerne mit mir als Leiterchen arbeiten ... und wenn sie dazu keine Möglichkeiten sehen weil ich so blöd bin, dann tut es mir herzlich leid, aber dann ist es zum Wohle aller besser ,wenn sie nicht mit mir arbeiten.<br />Klingt ein bisschen grosskotzig, gebe ich zu. Aber ich bin weder gross noch ist mir schlecht??!! <br />Ausserdem finde ich, dass ich ganz manchmal auch das Recht habe zu sein und zu machen wie ich will. Schliesslich trage ich die alleinige Verantwortung, bin auch noch niemandem begegnet der bereit war sie zu teilen (Ausnahme ist ganz eindeutig der ASB und dort Sophia Hubert und Edith Wallmeier – mein ganz herzlichster Dank) also darf ich das. Manchmal muss ich es sogar. Weil irgendwer muss ja schliesslich gewisse Dinge entscheiden. Und in einem Projekt ist das der Projektleiter. So wie es in einem Garten die Gartenleiter ist!<br />Einen Vorwurf den ich nicht wirklich nachvollziehen kann ist der, dass ich nicht kundtue was ich eigentlich will und was in dem Zentrum eigentlich passieren soll. Ich finde es passiert ja schon sehr viel. Nicht umsonst hat dieser Bericht schon 18 Seiten (auch wenn 18 davon ‚Verirrungen’ sind). Missverständnisse könnte es geben weil ich vielleicht den Eindruck vermittle diese Ausbildungen etc. sind bis 2007 bereits gesichert. Das ist leider in keiner Weise der Fall. Alle Aktivitäten die wir im Sport- und Kulturbereich anbieten und noch anbieten wollen werden nicht von BMZ/ASB finanziert. Und die anderen Ausbildungen (Schreiner, Schneider, Informatik, Sprachen) werden zu 85% von BMZ/ASB finanziert. Die fehlenden 15% muss Delta Cultura beitragen. Und die sind in keiner Weise gesichert. <br />Das heisst, dass alle Spendengelder die Delta Cultura derzeit bekommt (viel zu wenig – das nur so nebenbei) fliesen als Eigenanteil in das Projekt. Finanzieren sozusagen die verschiedenen Ausbildungen und die Betriebskosten des Zentrums. Gott sei Dank ist der ASB da sehr kulant und verständnisvoll und setzt mich und Delta Cultura da in keiner Weise unter Druck. Ich selbst verspüre diesen Druck allerdings ganz gewaltig. Wobei ich mir sicher bin, dass es besser werden wird sobald ich mehr Zeit habe mich um Spenden etc. zu kümmern. Und sobald ich aufhöre so lange Berichte zu schreiben??!!<br />Dass ich mit meinen Ideen hinterm Berg halte ... dass kann glaube ich nur jemand sagen der mich nicht gut kennt. Weil genau das Gegenteil ist der Fall. Ich komme ständig mit neuen Ideen daher. Von denen ich allen die es hören wollen ganz begeistert erzähle ... bis mir meine Frau dann immer sagt ich solle aufhören alles gleichzeitig zu denken.<br />So ist es auch. Ich habe viele viele Ideen für dieses Zentrum. Aber derweil fehlt es ganz bestimmt an Zeit diese umzusetzen. Wenn ich der Typ wäre würde ich nicht einmal daran denken. Die Aufgaben im laufenden Projekt, also ordentliche Ausbildungen anzubieten, die ‚nicht schreiben und lesen können Kinder’ zu integrieren, das fehlende Geld aufzustellen, Deutsch zu unterrichten, Fussballtrainer zu sein ... das ist derzeit wirklich mehr als genug. Ich glaube auch nicht dass irgendjemand von mir verlangt noch ein bisschen mehr zu machen??!!<br /><br />Heikel ist die Angelegenheit mit den Helfern denen ich nicht genügend Respekt und Dankbarkeit gezeigt habe oder zeige. <br />Es ist halt so eine Sache mit dem Respekt. Den hat man oder man hat ihn nicht. Genauso die Dankbarkeit. Heucheln kann man diese Dinge immer. Aber davon ist dringend abzuraten. Das kann zu unglaublichen Bauchschmerzen und irreparablen Gesundheitsschäden führen?!<br />Soll heissen: wenn ich mich bei jemandem bedanke dann nur deshalb weil ich dankbar bin. Und wenn ich gerade gestresst und grantig oder besorgt oder sonst wie komisch bin, dann bedanke ich mich trotzdem nur wenn ich tatsächlich dankbar bin. Wenn dann jemand findet das sei jetzt aber nicht gebührend gewesen so bitte ich innigst um Verzeihung. Von Herzen ist tatsächlich jeder Dank den ich je ausgesprochen habe! Hätte sonst die Angst mich in meinen Verschnaufpausen daran zu verschlucken?!<br />Es waren in den Monaten des Baus so einige Helfer