tag:blogger.com,1999:blog-6727968530778775714.post-61856476743429131152008-05-12T10:09:00.001-07:002009-03-23T15:06:13.086-07:00Josef Pieper: Prudentia (Klugheit)<a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://3.bp.blogspot.com/_Qcq5v021vTc/SCiEb_8JXaI/AAAAAAAAAT0/QvstD0tGiSQ/s1600-h/pieper.jpg"><img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; cursor: pointer; width: 121px; height: 178px;" src="http://3.bp.blogspot.com/_Qcq5v021vTc/SCiEb_8JXaI/AAAAAAAAAT0/QvstD0tGiSQ/s320/pieper.jpg" alt="" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5199551386354277794" border="0" /></a><span style="font-style: italic;">Summa: Josef Pieper geht in Anlehnung an den Hl.Thomas von Aquin der Frage nach, was die Tugend der Klugheit bedeutet. Er zieht sie allen anderen Kardinaltugenden dabei als diejenige vor, die es jenen erst ermöglicht, dass sie aktiv werden. Die Klugheit zeigt die Wege auf, auf denen im Rahmen der erkannten Wirklichkeit das vom Gewissen vorgegebene Ziel gerecht, tapfer und maßvoll erreicht werden kann.</span><br /><br />Der Klugheit gebührt der Vorrang vor den anderen Kardinaltugenden und dieser Vorrang bildet das ganze Ordnungsgefüge des christlich-abendländischen Menschenbildes. Wie das Sein dem Wahren vorausgeht, so geht das Wahre dem Guten voraus.<br />Landläufig hat Klugheit heute eine Konnotation von ängstlicher Selbstbewahrung und irgendwie eigensüchtiger Besorgtheit um sich selbst angenommen. Die klassisch-christliche Lehre dagegen besagt: Klug und gut ist der Mensch nur zugleich. <span style="font-style: italic;">Alle Tugend ist notwendig klug</span>. Die Klugheit macht die anderen Tugenden erst zu solchen. Sie verleiht ihnen die Übereinstimmung mit der objektiven Wirklichkeit, die für alles tugendhafte Handeln maßgebend ist. Die in der Erkenntnis der Wahrheit vollendete Vernunft muss das Wollen und Wirken des Menschen innerlich formen und prägen.<br />Die Möglichkeit der Verwirklichung des Guten setzt also das Wissen um die Wirklichkeit voraus. Die "gute Absicht" alleine reicht nicht aus. Die Verbindung der guten Absicht und der Klugheit findet im <span style="font-style: italic;">Gewissen</span> statt. Die Klugheit bezieht die Regung des Gewissens, das das Gute tun will, auf die jeweilige Situation, indem sie in ihrem Handeln sowohl Unbesonnenheit, als auch Unschlüssigkeit meidet, auch nicht die eigene Selbstbewahrung in den Mittelpunkt stellt, sondern ihren schweigenden Blick auf die Wirklichkeit richtet. Klugheit bedeutet Sauberkeit, Gradheit, Offenheit und Unbefangenheit des Wesens, erhaben über alle Verzweckungen und Unbefangenheiten des Wesens, erhaben über alle Verzwicktheiten und Nützlichkeiten des nur "Taktischen".<br />Die <span style="font-style: italic;">Erinnerung</span> ermöglicht es ihr dabei, ihr Handeln mit dem Sein der Vergangenheit abzugleichen, die <span style="font-style: italic;">Gelehrsamkeit</span> eröffnet ihr den Horizont für alle Bereiche des Seins und ihre <span style="font-style: italic;">Entschlussfähigkeit</span> (Piper: vollendetes können) ermöglicht es ihr auch gegenüber dem Unvermuteten sachlich zu entscheiden und die Ausrichtung auf das Ziel zu bewahren.<br />Es ist aber auch Aufgabe der Klugheit nicht nur auf das Geschehene und Geschehende zu blicken, sondern auch auf das zukünftig geschehen Werdende. Klugheit ist auch Voraussicht. Dabei wird der Kluge sich nicht durch falsche Gewißheiten täuschen lassen, er erwartet sie nicht, wo es sie nicht gibt.<br />Wenn das Gut des Menschen also in seinem Sein gemäß der Vernunft liegt (wobei Vernunft alle Weisen der Wahrnehmung der Wirklichkeit umfasst), so kann die Verwirklichung des Guten nicht in der Einhaltung willkürlich gesetzter Vorschriften bestehen. <span style="font-style: italic;">Die gute Tat muss aus der Erkenntnis geboren werden, oder sie ist keine gute Tat</span>! Wie die Klugheit die drei anderen Kardinaltugenden prägt, kann bei jedem Menschen verschieden sein. Grade in der Lehre von diesem Vorrang der Klugheit liegt der systematische Grund für die Noblesse der Zurückhaltung, der Freiheit und Bejahung, derer sich die Moraltheologie befleißigen sollte. Das unmittelbare Maß des konkreten sittlichen Wirkens ist allein der Befehl der Klugheit des sich entscheidenden Menschen. Es besteht keine Möglichkeit, die Konkretheit der sittlichen Entscheidung eines Menschen von außen her zu fassen. Die Klugheit ist der Inbegriff <span style="font-style: italic;">ethischer Mündigkeit</span>, die Voraussetzung eines sittlichen Lebens sein muss, doch stets auch Belehrbarkeit enthält.<br />Wenn der Mensch aus seinem Gewissen heraus ein Ziel gewählt hat, so kommt der Klugheit die Aufgabe zu, die angemessenen Wege der Verwirklichung jener Grund-Ausrichtung zu finden. Die Ziele des Gewissens sind vorgegeben. Jeder weiß, dass das Gute zu lieben ist, jeder weiß (ausdrücklich oder nicht), daß es Aufgabe des Menschen ist, gemäß der Vernunft, also der Wirklichkeit zu leben. Jeder weiß auch, dass er gerecht, tapfer und maßvoll sein soll. D<span style="font-style: italic;">ie Wege der durch das Gewissen gebotenen Verwirklichung des Guten gemäß der Wirklichkeit aufzuzeigen und dabei Gerechtigkeit, Tapferkeit und rechtes Maß walten zu lassen, ist die Aufgabe der Klugheit und erhebt sie somit auf den höchsten und umfassensten Platz der Tugenden.<br /></span><span><br />(nach: Pieper, Josef - Über die Tugenden, München 2004)</span><span style="font-style: italic;"><br /></span><div class="blogger-post-footer"><img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/6727968530778775714-6185647674342913115?l=unzeitgemaesse-betrachtungen.blogspot.com'/></div>Nikodemushttp://www.blogger.com/profile/08622344321134568878noreply@blogger.com4