tag:blogger.com,1999:blog-280028542008-07-22T23:04:46.687+02:00frischer fisch von vorgesternmqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comBlogger322125tag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-28352389089729339282008-07-20T22:38:00.001+02:002008-07-20T23:42:20.896+02:00Fremde Geschwindigkeit<span style="font-family:courier new;">R hätte sich auf seinen Instinkt verlassen sollen. Anstatt einzusteigen, hätte R das Angebot ablehnen, und sich durch die schwankende Straße weiter in jene Richtung bewegen sollen, wo er sein Hotel vermutete. Der Bordstein kam ihm gefährlich entgegen. R hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, die giftgetränkten Zellen widersetzten sich seinem Instinkt.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Aus dem dunklen Innenraum lockte eine vertraute Stimme. R kannte das Fabrikat nicht, der nachtfarbene Wagen rollte in einem Tempo neben ihm, das kaum höher war, als sein eigenes. Die schwarze Luft roch nach Benzin und Verwesung. R empfand die Geschwindigkeit als Provokation. Sie drängte ihn, seinen Gang zu beschleunigen. R hätte das Gegenteil tun sollen und auf der Stelle stehen bleiben, R hätte in eine andere Richtung laufen oder in einer schmalen Seitengasse verschwinden sollen. Aber die fremde Geschwindigkeit, wenig höher als seine eigene, vermittelte ihm das Gefühl, etwas zu verpassen. R hielt Schritt.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Die Tür stand weit offen. R hatte gezögert, einzusteigen. Aber schon in den ersten Momenten der Begegnung passte R seinen Gang der fremden Geschwindigkeit an. Es war keine bewusste Beschleunigung, vielmehr ein unaufhaltsamer Prozess. Dann versuchte R, den Wagen zu überholen und hinter sich zu lassen, aber bei jedem Versuch passte auch das Fahrzeug seine Geschwindigkeit an und war anschließend wieder schneller, kaum spürbar.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Nachdem die Tür geräuschlos zugefallen war, lehnte sich R im gepolsterten Sitz zurück. Die Stimme aus dem Inneren verstummte. Der Wagen beschleunigte, bis die Umrisse der Nacht schemenhaft vorbeizogen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Zunächst sah R nur den Nacken des Fahrers. Der Mann kam ihm bekannt vor. R beugte sich nach vorn, und als er das Profil erkannte, erfasste ihn ein kindliches Staunen. R saß selbst am Steuer. Aber es war zu spät, R hätte seinen Blick auf die Straße richten sollen. Die falsche Entscheidung war längst getroffen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Im letzen Moment entdeckte R mit einem flüchtigen Blick aus dem Fenster, wie R neben dem Wagen lief und sich zulächelte. Nach dem Aufprall stand R neben den Trümmern. R atmete. Die Luft roch verbrannt, es dämmerte ein zähflüssiger Morgen.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-47459581549619177382008-07-02T01:52:00.000+02:002008-07-02T01:57:37.276+02:00Motto #23<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp1.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/SGrESMNVpGI/AAAAAAAAALs/XCb8gd1iY3c/s400/motto23.png" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5218198935056000098" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-48465337260681759762008-06-27T22:24:00.010+02:002008-06-29T13:43:49.603+02:00Hohe Stufen<span style="font-family:courier new;">R wollte nach oben. Auch wenn das Erklimmen einsamer Gipfel keinem vernünftigen Zweck diente, symbolisierte allein die Anstrengung einen Fortschritt auf den steilen Routen zur Erkenntnis. Der Ausblick von den verschiedenen Spitzen unterschied sich kaum, und dennoch enttäuschte ihn das Panorama, wenn R unter einem Gipfelkreuz stand, nie. Zwar konnte man die Bergwelt auch fliegend bestaunen, aber das wäre zu einfach gewesen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Sein letzter Tritt schien sicher, und beim Abtasten der rauen Oberfläche fand R einen Griff. Mit dem Zeigefinger klammerte R sich an einen winzigen Vorsprung. Als R den anderen Arm streckte, um sich an einem weiteren Griff hochzuziehen, rutschten seine Füße vom Felsen. Für einen winzigen Moment aus Ewigkeit hing R an seinem Zeigefinger, unter ihm das Nichts.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Als R aus dem Nichts erwachte, spielte Schwerkraft keine Rolle mehr. Nachdem der Entwicklungsprozess abgeschlossen war, fanden seine Füße im neuen Leben Halt, und auch Überhänge bewältigte R ohne Schwierigkeiten. Das freie, ungesicherte Klettern war noch immer seine Leidenschaft. Mit den neuen Voraussetzungen bewegte R sich sogar an vollkommen glatten Steilwänden aus Glas ohne Gefahren.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Eine Fliegenklatsche machte R sein neues Dasein schlagartig bewusst. Das bislang unbekannte Gefühl des Schmerzes durchzuckte seinen Körper. Die Wiedergeburt als Stubenfliege in einer Allgäuer Bauernküche brachte offenbar nicht nur Vorteile mit sich. Aber nach einigen Drehungen um die eigene Achse gelang es ihm, vom Rücken wieder auf die kleinen Beinchen kommen. Ohne zu zögern, hob er vom Fensterbrett ab und flog in exakten geometrischen Mustern durch die Weiten der Stube. So entging R dem zweiten Schlag der Fliegenklatsche. Die Bäuerin kniff die Augen zusammen und versuchte, seine Flugbahn zu verfolgen. Dann gab sie ihre Jagd auf und legte die Fliegenklatsche zurück auf den Küchentisch.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Wenig später steuerte R das gelbe Band an. Es erschien ihm vernünftig, sich nach der Aufregung zu erholen. Das Band hing von der Decke und verströmte einen angenehmen Geruch. Manchmal stellt sich die Vernunft als Falle heraus. R ging der Bäuerin auf den Leim. Inmitten verendeter Artgenossen klebte R am Fliegenband und wunderte sich darüber, dass ihm diese Todesfalle während seiner Erkundungsflüge und Klettertouren zuvor nie aufgefallen war.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Auf der nächsten Stufe in der Reihe seiner Wiedergeburten befand R sich im Körper einer Zecke. Dieser Aufenthaltsort war für eine kletternde Seele beinahe ideal, denn außer den Zecken gab es im Kreislauf der Natur nur einen Schädling, der noch weniger natürliche Feinde kannte und ähnlich nutzlos erschien. Aber diese Stufe der Evolution hatte R bereits hinter sich.<br /><br /><span style="font-style: italic;">(Dem <a href="http://neobazi.net/">>Seeblogger</a> </span></span><span style="font-style: italic;font-family:courier new;" >in den Allgäuer Bergen </span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">gewidmet.)</span><br /></span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-25875506808449503482008-06-24T19:13:00.000+02:002008-06-24T22:07:21.723+02:00Voodoo Display #25<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp0.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R6YEjut6MvI/AAAAAAAAAKY/VEdqkCNgvv8/s400/voodoo_display_.jpg" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5162819034709373682" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-91338680196627428612008-06-13T21:48:00.007+02:002008-06-13T22:51:25.199+02:00Conscientia in vitro<span style="font-family:courier new;">Das Labor befand sich im dunkelsten Keller der Wahrnehmung. R untersuchte sein Bewusstsein in der Tiefe wie eine Larve, die sich durch den Nährboden verwesender Gedanken fraß. In Reichweite der Glasbehälter lagen Skalpelle und andere Sektionsinstrumente, sorgfältig sortiert auf Zellpapier. Die meisten Substanzen im Nährboden stammten von Totgeburten oder von Gedanken, die unmittelbar nach ihrer Geburt gestorben sind.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Während der Versuchsreihen trug R einen Laborkittel, der mit Flecken unbestimmter Farbe und Herkunft übersät war. R starrte in das Mikroskop und protokollierte jede Veränderung, unscharf zeichneten sich die Bewegungen der Larve im Inneren seines Geistes ab. Vor allem wollte R herausfinden, was jenseits der Grenze biochemischer Prozesse passierte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Die geistige Klima musste konstant kühl bleiben, damit sich die Larve nicht verpuppte. Statistisch betrachtet war es unwahrscheinlich, dass sie sich in ein schillerndes Wesen verwandelte. Bestenfalls schlüpfte ein Nachtfalter, der orientierungslos durch die Dunkelheit taumeln würde, bis er in einem Irrlicht verbrannte. Im schlimmsten Fall wäre es eine Stechmücke, die sich am Bewusstsein anderer nährte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Indem R weitere Entwicklungsstadien unterdrückte und die Larve nährte, ohne sie fett werden zu lassen, verfügte R über Kontrollmechanismen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Irgendwann würde R die Larve aus dem Glas nehmen und sie an den Maulwurf seines Unterbewusstseins verfüttern, um anschließend die zerlöcherten, namenlosen Kadaver seiner Gedanken in einem anonymen Massengrab beizusetzen.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-5425026876172723202008-06-07T09:28:00.000+02:002008-06-07T13:08:39.406+02:00Motto #22<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp2.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/SDHjMmPt3cI/AAAAAAAAALI/I0FXcF5-Q80/s400/motto22.png" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5202188850154036674" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-38097592090444357472008-06-01T11:37:00.005+02:002008-06-01T21:33:08.776+02:00Vom Nutzen der Unzufriedenheit<span style="font-family:courier new;">Sind Sie mit Ihrer Unzufriedenheit zufrieden? Nein? Dann sollten Sie diesen Zustand ändern. Denn die Zufriedenheit ist ein Beutetier der Bequemlichkeit, ihr bevorzugtes Möbelstück ist der Stillstand.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Hingegen die Unzufriedenheit ist eine Triebfeder der Weltgeschichte. Jede Entwicklung entsteht aus Unzufriedenheit. Sie besitzt die Macht, alles zu verändern. Ohne seine Unzufriedenheit hätte der Mensch vor Urzeiten nicht das Feuer kultiviert, und das Wasser würde heute nicht aus einer Leitung fließen, auch nicht aus einem Brunnen geschöpft werden. Wenn Lindbergh mit den Fortbewegungsmitteln seiner Zeit zufrieden gewesen wäre, könnte man Amerika ausschließlich mit dem Schiff erreichen - es sei denn, Kolumbus wäre mit dem Landweg nach Indien nicht unzufrieden gewesen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Die Unzufriedenheit ist eine Schwester des Traums. Aus Unzufriedenheit und Traum entwickeln wir Vorstellungen, wie man das Leben verbessern kann. Nicht immer führt die Unzufriedenheit zu einer Verbesserung. Sie kann auch zerstörend wirken, vor allem nach einer Paarung mit der Wut. Und nicht jede Zerstörung hat eine Verbesserung zur Folge. Aber in Verbindung mit der Gelassenheit strebt die Unzufriedenheit nach dem höheren Nutzen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Dabei scheint es der Natur wichtig zu sein, dass die Perfektion unerreichbar bleibt und nach Abschluss jeder Tätigkeit der Eindruck entsteht, man hätte es besser machen können. (Diesen Eindruck werde ich am Ende des vorliegenden Textes wieder haben, aber ohne meine Unzufriedenheit gäbe es diesen Text überhaupt nicht.) Man kann es beim nächsten Mal besser machen, also resultieren auch Teile unseres Lernverhaltens aus der Unzufriedenheit.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Man sollte seine Unzufriedenheit nicht auf Zeitgenossen übertragen. Jeder ist für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich, und eine gesunde Unzufriedenheit bedarf tiefer Überzeugung. Man sollte sich auch nicht von der Unzufriedenheit anderer anstecken lassen, sondern selbständige Ideen entwickeln, womit man unzufrieden sein könnte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Wer mit seiner Unzufriedenheit zufrieden ist, muss mit seiner Zufriedenheit nicht unzufrieden sein.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-74209474943103723722008-05-28T23:54:00.007+02:002008-05-29T14:30:12.682+02:00Langweilige Mordmethode<span style="font-family:courier new;"></span><span style="font-family:courier new;">Das menschliche Gesicht kann über ein Zusammenspiel von Kontraktionen viertausend verschiedene Ausdrücke annehmen, unter seiner Haut befinden sich mehr Muskeln als in jedem anderen Körperteil.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Bormann kannte den Tod. Er hatte schon viele Leichen gesehen. Aber dieses Opfer besaß einen Gesichtsausdruck, wie er ihm noch nie bei einem Toten begegnet war. Einigen war die Panik ihrer letzten Sekunden ins Gesicht geschrieben. Andere wirkten, als hätten sie ihren Mörder mit einem Lächeln im Augenblick des Todes verspottet. Obwohl ihm die Mimik beinahe geläufig erschien, fand Bormann nicht die richtige Bezeichnung für den Ausdruck im Gesicht des Mannes, der in einem schwarzen Kunstledersessel versunken war und trotz der einsetzenden Leichenstarre vollkommen entspannt wirkte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />- Wenn ich nur wüsste, woran mich dieser Gesichtsausdruck erinnert, murmelte Bormann in Richtung seines Kollegen Grimm, ohne ihn dabei anzusehen.</span><span style="font-family:courier new;"><br />- Schwer zu sagen, meinte Hauptkommissar Grimm und gähnte, ich habe sowas noch nie gesehen. Dabei kommt mir dieser Blick bekannt vor. Ich kann es nicht begründen, aber ich werde das Gefühl nicht los, als sei hier eine außergewöhnliche Grausamkeit geschehen. Obwohl alles friedlich wirkt. Störend friedlich. Warum stirbt ein augenscheinlich kerngesunder Mann in diesem Alter so plötzlich?</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Während er sprach, ereilte Grimm ein weiterer Gähnanfall. Bormann musste auch gähnen. Die beiden Polizeibeamten nahmen die Hände nicht aus den Taschen ihrer Mäntel und standen mit gähnenden Mündern vor dem Toten. Einem Außenstehenden wäre die Situation befremdlich erschienen. Aber es befand sich kein Außenstehender im Raum. Die Kollegen von der Spurensicherung und der Pathologe waren mit routinierten Handgriffen damit beschäftigt, ihre Arbeit zu erledigen. Sie kannten die gesamte Bandbreite der Befremdlichkeit. Zwei gähnende Männer neben einer Leiche kamen ihnen nicht befremdlich vor.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Bormann fragte den Mediziner, woran der Mann gestorben sein könnte.</span><span style="font-family:courier new;"><br />- Das kann ich dir sagen, sobald ich die Leiche auf meinem Obduktionstisch vernommen habe, erwiderte Fettler mürrisch.</span> <span style="font-family:courier new;"><br />Bormann hob die linke Augenbraue und schaute fragend in Grimms Richtung. Der zuckte mit den Achseln.<br /></span><span style="font-family:courier new;">- Fettler, bei deiner pathologischen Kreativität hast du doch bestimmt eine Idee, provozierte Bormann.</span><span style="font-family:courier new;"><br />- Bei meiner pathologischen Kreativität habe ich jede Menge Ideen, was ich am liebsten mit Kollegen tun würde, die mir um diese Uhrzeit dumme Fragen stellen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Bormann gab auf. Fettlers Einsilbigkeit war legendär, und wenn er nicht reden wollte, konnte niemand außer Fettlers Siamkatze diesen Zustand auf unbestimmte Zeit ändern.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Sechs Stunden später konnte Fettler nicht mehr reden, und dieser Zustand war endgültig. Wieder standen Bormann und Grimm gähnend neben dem Tod. Diesmal war außer ihnen niemand im Raum. Sie hatten Fettler neben dem Obduktionstisch auf dem Boden gefunden. Auf dem Tisch lag der Grund ihres Besuchs. Mit geöffnetem Schädel. </span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />- Mensch, Bormann, der Fettler hat den gleichen Gesichtsausdruck wie dieser Kerl hier auf dem Tisch. Beide mausetot, aber sie wirken absolut unversehrt, sagte Grimm fassungslos.</span><span style="font-family:courier new;"><br />- Bis auf den kleinen Sprung in der Schüssel, fügte Bormann gähnend hinzu.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Am Nachmittag rief Bormann an und bat Grimm, in seinem Büro vorbeizukommen. Eine Zeugin des Mordes an dem Mann im schwarzen Kunstledersessel habe sich gemeldet, sie werde gleich bei ihm sein.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Als Grimm das Büro des Kollegen betrat, saß die Besucherin unbeweglich mit dem Rücken zur Tür. Bormann starrte ihn von der anderen Seite des Schreibtisches mit halb geöffneten Augen an. Er wirkte auf eine leblose Weise entspannt. Obwohl Grimm spürte, dass sein Kollege tot war, musste er unwillkürlich gähnen und empfand nichts als eine betäubende Langeweile, die sich wie ein Gift in ihm breit machte. Plötzlich wusste Grimm, woran ihn der Gesichtsausdruck von Bormann und den beiden anderen Toten erinnerte. Es war ein Ausdruck der vollkommenen Langeweile.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Langsam wendet die Zeugin ihren Kopf in Grimms Richtung. Und er spürt, wie das Blut aus seinen Schläfen weicht. Die Zeugin hat kein Gesicht.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Grimm dreht sich um. Jetzt schaut er mit wässrigen Augen mitten im Satz dem Leser dieses Textes ins Gesicht. Dir. Und du musst gähnen.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-31554504848698415042008-05-24T08:44:00.010+02:002008-05-25T11:31:26.081+02:00Ein typischer Tag in der Hölle<span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">06:66</span> Wecker gibt satanische Geräusche von sich. Drehe mich auf die andere Seite und verfluche den Fusel der letzten Hexennacht.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">11:66</span> Quäle mich aus dem Sündenpfuhl. Teuflische Kopfschmerzen, wird auch nach einer Kanne Stechapfeltee nicht besser. Schwefelfürze.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">12:66</span> Komme vier Stunden zu spät zum Dienst. Trotzdem kein schlechtes Gewissen. Chef lobt mich für miserable Arbeitsmoral.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">13:66</span> Heimliches Blitzschach mit dem Hingerl Alois.<span style="font-style: italic;"><br /><br /></span></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">14:66</span> Wegen Blitzschach Fegefeuer vernachlässigt. Beinahe Abmahnung bekommen, dann doch befördert worden. Zum Glück ist falsch hier richtig. (Die Deppen.)</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">15:66</span> Schon wieder Ärger mit Adolf und Saddam. Streiten ständig, wer der Bösere sein darf. Karrieristen.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">16:66</span> Luzifer gehuldigt. Jeden Tag dieselbe Leier, der Hingerl Alois langweilt sich auch schon. Aber der hat sowieso keine Perspektiven mehr.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">17:66</span> Feuerabend. Gemeinsam mit Hieronymus Bosch in die Sauna gegangen.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">18:66</span> Beim duschen diabolisches Hühnerauge im Spalt des linken Hufs entdeckt.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">19:66</span> Fernsehen angeschaltet. Qualen nicht ertragen und sofort wieder ausgeschaltet. Das muss die schlimmste Bestrafung für alle Todsünden sein!</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">20:66</span> Hörner poliert, Schweif gebürstet und Spielhölle aufgesucht. Am Devil's Dare geflippert: 666 Freispiele.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">21:66</span> Freispiele an Hell's Angels aus der Unterwelt vertickt. Anschließend schwarze Messe besucht. Während Zeremonie eingeschlafen, Religion ist Valium fürs Volk.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">22:66</span> In der Hades Karaoke-Bar Tollkirschencocktail bestellt und satanische Verse gesungen.</span><span style="font-style: italic;"><br /><br /></span><span style="font-family:courier new;"><span style="font-style: italic;">23:66</span> Am vierten Tollkirschencocktail verschluckt und versehentlich Feuer gespuckt. Dabei Teile des Tagebuchs verbr</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-39135446383136093222008-05-22T12:24:00.001+02:002008-05-22T16:48:12.898+02:00Motto #21<img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;" src="http://bp2.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/SDWHkfi-UsI/AAAAAAAAALQ/r4kRm0X8rdU/s400/motto21.png" border="0" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5203214005509706434" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-78513945055547473412008-05-18T20:06:00.008+02:002008-05-19T11:39:00.422+02:00Kleiner Sport<span style="font-family:courier new;">Die Wahl des Belags hatte sich als richtig erwiesen, mit diesem Schläger würde er auch seinem letzten Gegner ein hohes Tempo aufzwingen. Er war in jeder Hinsicht bestens auf das Turnier vorbereitet und wusste, dass er das Endspiel für sich entscheiden würde.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Er hatte </span><span style="font-family:courier new;">zahllose Bälle verschlissen und </span><span style="font-family:courier new;">mit seiner offensiven Spielweise alle Gegner</span><span style="font-family:courier new;"> im K.O.-System</span><span style="font-family:courier new;"> bis zum Finale bezwungen. Nervös federte er nun hinter der Plattenkante in den Knien und wischte sich mit seinem schwarzen Schweißband die Stirn. Das gehörte zum Ritual.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Dann griff er nach dem blauen Planeten und konzentrierte sich auf seinen Aufschlag. Er versetzte den Himmelskörper mit einem geschickten Anschnitt in eine Rotation, und während sich der blaue Planet in Richtung des Sternennebelnetzes auf seine Reise zur gegnerischen Seite der Tischtennisplatte machte, setzte sich der Finalist auf einen freien </span><span style="font-family:courier new;">Tribüne</span><span style="font-family:courier new;">nplatz. Er würde rechtzeitig an der gegnerischen Seite der Platte stehen, um den blauen Planeten anzunehmen und zurückzuschlagen. Aber das hatte noch ein paar Milliarden Jahre Zeit.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Es war faszinierend, wie oft die Planeten während eines Spiels die Farbe wechselten, bis sie schließlich Risse bekamen. Von den Befindlichkeiten der Kleinstlebewesen auf der Oberfläche bekam er nichts mit. Nur einmal hatte er einen Ball genauer untersucht, aber das Ergebnis war ihm unbedeutend erschienen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Am Ende spielte er immer nur gegen sich selbst, denn außer ihm gab es keinen Gegner. Und auch das Publikum bestand nur aus Spiegelbildern.</span><i style="font-family: courier new;"><br /><br />Der Sport hält mich zumindest in Form</i><span style="font-family:courier new;">, dachte er beim Verlassen der Halle. Vor seiner Brust baumelte die Goldmedaille, die er sich während der Siegerehrung selbst verliehen hatte. Plötzlich begann der Boden unter seinen Füßen zu beben, und vor ihm tat sich ein Riss auf.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-79390570529327275152008-05-17T10:28:00.005+02:002008-05-17T20:07:45.519+02:00Thema beendet<span style="font-family:courier new;">Der unauffällige, etwa fünfzigjährige Mann trug eine Kassengestellbrille, die er vermutlich aus seiner Jugend herübergerettet hatte, einen Fusselbart und eine dieser braunen Antiklederjacken ohne Ärmel, aber mit vielen Taschen, in denen man kleine Getränkeflaschen, Werbekulis und Zigarettenschachteln verstauen konnte.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Ich saß ihm schräg gegenüber auf der anderen Seite des Mittelgangs, der Platz neben ihm und die zwei Plätze ihm gegenüber waren frei. Als die S-Bahn am Hauptbahnhof hielt, betraten drei junge Frauen den Wagen. Geschätztes Gesamtgewicht rund 330 Kilo, keine war größer als Einssechzig. Sie quetschten sich unter deutlich hörbaren Atemgeräuschen auf die drei freien Plätze.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Ich bekam mit, wie der Fusselbart ein undeutliches "<span style="font-style: italic;">Oh, mein Gott</span>" in sich hineinmurmelte. Sofort keifte ihn eine der fülligen Damen an:</span><br /><span style="font-family:courier new;">- Was soll das denn? Wir wollen doch nur sitzen! Haben wir etwa kein Recht zu sitzen?</span><br /><span style="font-family:courier new;">- Ich hab doch gar nichts gesagt, sagte Fusselbart in einem ruhigen Ton.</span><br /><span style="font-family:courier new;">- Natürlich haben sie etwas gesagt! <span style="font-style: italic;">Oh, mein Gott</span> haben Sie gesagt, ich hab's genau gehört!</span><br /><span style="font-family:courier new;">- Schön, dass wir ein Thema gefunden haben, erwiderte Fusselbart gelassen und schaute aus dem Fenster in die Dunkelheit des Bahnschachts.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Damit war das Thema beendet.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-57458996722381822132008-05-14T22:59:00.003+02:002008-05-21T10:20:15.132+02:00Voodoo Display #24<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp0.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/SCtVFmPt3aI/AAAAAAAAAK4/z1AiboT0KoU/s400/voodoo_display_24.jpg" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5200343749383544226" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-59708915162847036862008-05-08T20:58:00.010+02:002008-05-15T21:18:30.120+02:00R<span style="font-family:courier new;">Im Lichtkegel der Schreibtischlampe wirkte der Text wie ein Rinnsal aus durchgestrichenen Sätzen, die im Papier versickerten. Vom Starrsinn gegen die Müdigkeit getrieben, bemühte R sich um eine aufrechte Haltung.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Untote Gedanken hatten sich in Leichentücher gehüllt und schwebten durch entlegene Gänge seines Bewusstseins. R lauschte ihrem verzweifelten Atem und dem Geräusch ihrer Ketten. Das graue Licht des Morgens warf Schatten auf die Wortlosigkeit. Sein Körper verweigerte den Schlaf, gleichzeitig wollte sein Geist in der Müdigkeit versinken wie in einem See aus schwarzen Federn - einschlafen und nie wieder auftauchen aus den Tiefen zeitloser Stille.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Aber nach jedem Schlaf wiederholte sich das Erwachen, und jedem Erwachen folgten Variationen von Variationen. Alles verschmolz zu einer konturlosen Masse aus Bedeutungslosigkeit. R hatte Außergewöhnlichkeiten aneinander gereiht, bis sie zu Regeln eines verwechselbaren Alltags geworden waren. Anfangs war jedes Extrem der Beginn einer Steigerung, aber irgendwann stieß R an die Grenzen seiner Vorstellung. Und um die Vorstellungen der Anderen schienen die Grenzen noch enger gezogen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Der Zauber einer richtungslosen Zukunft hatte sich in berechenbare Banalität verwandelt. Die Inspiration entpuppte sich als ein uneheliches Kind der Monotonie. R konnte Ideen beliebig abrufen, Wirkungen waren die Ergebnisse gezielter Absichten. Denken war eine steuerbare Verkettung biochemischer Prozesse.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Besessen vom Trieb des Jägers und Sammlers schlich sich R in die Festung seines Bewusstseins. R dokumentierte, klassifizierte, ordnete und archivierte. Noch glaubte R an die Existenz unbekannter Kontinente und an die Möglichkeit einer Entdeckung.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-3947514575164103392008-04-16T10:44:00.007+02:002008-04-16T10:54:12.632+02:00Liebe Menschheit,<span style="font-family:courier new;">zunächst bitte ich um Vergebung, dass ich mich während der letzten paar Milliarden Jahre nicht persönlich in eurem kuscheligen Universum blicken ließ. Aber ich war beruflich unterwegs und musste mich um wichtige Angelegenheiten in anderen Welten kümmern.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Kaum lässt man euch für den Bruchteil einer einzigen universalen Zeitspanne allein, kommen einem nur Beschwerden zu Ohren. Dabei habe ich mir, weiß Gott, reichlich Propheten, Engel, gute Geister, Philosophen, Theologen und andere Übermittler meiner Botschaften ausgedacht. Für jeden Geschmack und jede Glaubensrichtung gab es Angebote - und trotzdem findet das Gejammer kein Ende!</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Euch scheint tatsächlich nichts Besseres einzufallen, als die Verantwortung für eure schlechten Launen immer wieder auf mich zu schieben. Eure Gebete stinken zum Himmel! Ich soll an eurem Elend, euren Kriegen und dem ganzen anderen Schlamassel schuld sein, während ihr euch pausenlos in Abgründe bugsiert. Zugegeben, vor der Kulisse naturgesetzlicher Überlegungen ließ ich mich dazu hinreißen, euch mit Ellenbogen und einer großzügigen Portion Kampfgeist und Durchsetzungsvermögen auszustatten. Aber habe ich euch jemals dazu aufgefordert, eure Aggressionen grundlos gegeneinander oder etwa gegen die restliche Biomasse auf eurem Heimatplaneten einzusetzen?</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Das Problem bin nicht ich. Leider haben das jene, die mich für eure eigene Erfindung halten, zuerst erkannt. Wenn es der Erkenntnis dient, glaubt an eine Erfindung; wenn es dem Glauben dient, erfindet eine Erkenntnis. Aber verschont mich mit euren Vorwürfen!</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Ich gebe meinen Glauben nicht auf, dass ihr irgendwann in der Lage sein werdet, euch anständig zu benehmen und mein Werk umsichtiger zu behandeln. Aber leider steht das nicht in meiner Macht, weil sich sonst garantiert wieder irgendwer in seiner <span style="font-style: italic;">Freiheit </span>beschnitten fühlt. Und vielleicht würde die reine Vernunft sogar euren Untergang bedeuten. Mir kann es jedenfalls egal sein. Wenn ihr eure Welt kaputt macht, erschaffe ich mir bei Bedarf eine neue. Davon lebe ich schließlich, das ist mein Geschäft. Einen anderen Beruf habe ich leider nicht gelernt.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Macht, was ihr wollt, aber fragt mich bitte nicht, was nach euch kommt. Erstens habe ich derzeit nur eine vage Vorstellung davon, und zweitens könnte euch diese Information frustrieren und sich demotivierend auf den Fortpflanzungstrieb auswirken.</span><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Viele Grüße, mein Wille geschehe,</span><br /><span style="font-family:courier new;">euer Herr Gott</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-42258025131227029042008-03-27T02:05:00.000+01:002008-03-27T20:46:34.196+01:00Motto #20<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp0.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R-v5SQVyP5I/AAAAAAAAAKw/nWOIB0kL_qY/s400/motto20.png" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5182509888239189906" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-72395230312782937442008-03-15T18:03:00.002+01:002008-03-21T09:53:09.099+01:00Parkplatzprobleme?<img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;" src="http://bp0.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R-N3SQVyP4I/AAAAAAAAAKo/KhgFi0emcJk/s400/parkplatzprobleme.jpg" border="0" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5180115151913893762" /><br /><br /><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Nicht in Frankfurt.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-47300041456690527682008-03-14T06:07:00.003+01:002008-03-15T07:13:28.196+01:00Haltestelle Kopfbahnhof<span style="font-family:courier new;">Escher starrte auf die Spiegelungen grauer Gesichter im Glas. Betäubt von der morgendlichen Gleichförmigkeit saß er neben einem Ohrstöpselmenschen. Aus dem Kopf des Nachbarn knisterten rhythmische Geräusche.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Mit der Trägheit einer satten Made kroch der Zug durch die Eingeweide der Stadt. Hinter der Finsternis zogen Kabelstränge vorbei, wie Adern verliefen sie entlang der Schachtwand und versorgten die Organe aus Stahlbeton mit Energie. Quer über die Scheibe hatte jemand </span>молоко <span style="font-family:courier new;">geritzt. Eine Frau, die Escher gegenüber saß, sonnte sich in der milchigen Beleuchtung. Obwohl sie sich für einen hohen Neonlichtschutzfaktor entschieden hatte, erinnerten die Falten in ihrem Gesicht an verbrannte Landschaften.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Escher schloss die Augen für einen Kurzurlaub in seinem Kopf. Dieses Vergnügen war günstig und bedurfte keiner intensiven Planung. Er nahm sich vor, in einem Zug mit weich gepolsterten Gedanken erster Klasse zu verreisen. Nach einer Fernreise stand ihm nicht der Sinn, daher hatte Escher sich gegen einen Flug entschieden. Um die richtige Haltestelle nicht zu verpassen, wollte er rechtzeitig aus seinen Urlaub zurück sein.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Die Wartehalle des Kopfbahnhofs war menschenleer, am Zeitungsstand bellte ein angeleinter Hund. Auf der Anzeigetafel stand </span>молоко<span style="font-family:courier new;">. Ohne einen Blick auf den Fahrplan bestieg Escher den einzigen Zug inmitten einer verwirrenden Anzahl von Gleisen. Er wählte den Platz gegenüber einer Frau, deren Gesicht an verbrannte Landschaften erinnerte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Schon bald, nachdem der Schaffner ihm eine Fahrkarte ohne Zieleintrag ausgestellt hatte, wurde Escher vom monotonen Schaukeln der Fahrt müde. Verschwommen nahm er die graue Spiegelung seines Gesichts im Fenster wahr. Er schloss die Augen.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Tief in den Windungen seines Unterbewusstseins fuhr der Zug durch einen langen Tunnel. Am Ende des Tunnels beschloss Escher, die Rückreise anzutreten. Er öffnete die Augen.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Als er benommen aus dem Fenster schaute, stellte Escher fest, dass sich der Zug inzwischen durch eine Dämmerung aus schmutzigem Blau bewegte. Die Landschaft war Escher fremd. Für einen Moment überlegte er, wie es wohl wäre, einfach bis zur Endhaltestelle sitzen zu bleiben. Würde man wieder im Kopfbahnhof ankommen? Aber dann bemerkte Escher die knisternden Geräusche und beschloss, an der nächsten Haltestelle auszusteigen. Dort könnte er auf den Zug in die entgegengesetzte Richtung warten. Oder noch einmal die Augen öffnen.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-62477823823816344622008-03-06T23:28:00.000+01:002008-03-07T20:29:09.083+01:00Voodoo Display #23<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp0.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R6OdMet6MqI/AAAAAAAAAJw/IEg-7KmhL3E/s400/family_dental_clinic.jpg" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5162142435626332834" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-20731279379720646282008-02-17T09:26:00.006+01:002008-02-17T11:12:55.048+01:00PS-Philosophie<span style="font-family: courier new;">Mein erster Motorradunfall war die Folge juveniler Blödheit. Aus Gründen, die unter logischen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar sind, testete ich während einer Party mit unangemessener Geschwindigkeit jene Schotterpiste, die am Zeltplatz vorbeiführte. Das lautstark bekundete Vergnügen der Zuschauer war Sand im Getriebe meiner Vernunft, und den hochsommerlichen Durstkobold hatte ich mit Büchsenbier besänftigt.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Nach dem Sturz verstummte der Applaus, denn ein wesentlicher Teil meiner Blödheit bestand darin, dass ich während der Vorführung nur mit einer Badehose bekleidet war. Wundersamer Weise hatte ich mich bis auf Schürfwunden nicht verletzt, aber die Testfahrt konnte wegen umfangreicher Schäden am Motorrad nicht fortgesetzt werden. Begleitet von respektvollen Kommentaren der Zaungäste wurden die Überreste des Krads begutachtet. Man reichte mir Erfrischungsgetränke, und noch bevor der abendliche Mofaweitwurfwettbewerb startete, hatte ich den Unfall überwunden. Das Glück ist auf der Seite der Besoffenen und der Blöden.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Mein zweiter Motorradunfall war die Folge der senilen Blödheit eines Autofahrers, der mir innerhalb einer Ortschaft die Vorfahrt nahm und mit seinem Opel Admiral das Heck des Zweirads rammte. Ich stürzte auf den Asphalt, bevor die Maschine noch einige Meter über die Straße schlitterte und anschließend gegen eine Mauer prallte. Diesmal trug ich Lederkleidung über der Badehose, hatte mich ans Tempolimit gehalten und war stocknüchtern.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Wieder blieb ich bis auf Prellungen unverletzt. Benommen stand ich auf, zählte meine Körperteile, schleuderte in jugendlichem Jähzorn den Helm gegen die Mauer und wollte mir den Fahrer des Opel Admiral vorknöpfen. Hinter dem Steuer saß ein kreidebleicher Mann von etwa achtzig Jahren, der sich ängstlich am Lenkrad festkrallte. Seine Hände steckten in weißen Lederhandschuhen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, stammelte er, ich möge von einer Anzeige absehen, er würde mir den entstandenen Schaden ersetzen. Autofahren sei sein letztes Vergnügen - wenn ich die Polizei riefe, nähme man ihm seinen Führerschein ab, und dann könne er nie wieder einen Wagen steuern. Er beteuere seine Schuld, aber er sei auf das Auto angewiesen. Obwohl ich mich fühlte wie von einem Würfelbecher ausgespuckt, tat mir der alte Mann leid. Ich notierte seine Adresse.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Einige Tage später suchte ich den Alten in seinem Dorf auf und hielt ihm die Rechnung unter die Nase. Sofort händigte er mir den Betrag für die Reparaturkosten aus und überreichte zusätzlich 500 D-Mark Schmerzensgeld, ohne dass ich danach gefragt hätte. Zu jener Zeit leistete ich Zivildienst beim Roten Kreuz, und 500 D-Mark erschienen mir als kleines Vermögen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Etwa ein halbes Jahr später bekamen wir den Auftrag für den Transport eines Krebspatienten vom Kreiskrankenhaus meines Einsatzortes in die Abteilung Innere Medizin der Würzburger Universitätsklinik. Ein Routineeinsatz. Mein Kollege setzte sich ans Steuer des Krankenwagens, und ich betreute den Patienten im hinteren Teil des Fahrzeugs. Nachdem ich einige freundliche Worte mit dem alten Mann gewechselt hatte, meinte er mit zitteriger Stimme, ich käme ihm bekannt vor - ob ich nicht vor einigen Monaten in einen Unfall mit einem Opel Admiral verwickelt gewesen sei.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Bei dem Patienten handelte es sich um den Autofahrer mit den weißen Lederhandschuhen. Ich hätte ihn nicht wiedererkannt, die Krankheit hatte ihn sehr verändert. Sein eingefallenes Gesicht war mit einer gelblichen, fast durchsichtigen Haut bespannt, und sein Körper schien keine Masse mehr zu besitzen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Als ich mich einige Tage später nach ihm erkundigte, hieß es, er sei verstorben.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />P.S. Im Rückblick bin ich mir nicht sicher, ob ich damals richtig gehandelt habe, als ich auf eine Anzeige verzichtete und dem alten Mann den Entzug seines Führerscheins ersparte. Immerhin hatte er an einer übersichtlichen Kreuzung ein Stoppschild übersehen und stellte hinter dem Steuer seines Opel Admiral weiterhin eine Bedrohung dar. Träfe mich ein Teil der Schuld, wenn er nach unserem Zusammenstoß ein Kind überfahren hätte? Das Schicksal kümmert sich nicht um Alternativen aus einer unendlichen Anzahl von möglichen Variationen der Ereignisse, aber wo endet die Verantwortung?</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-46132365265214042152008-02-11T12:12:00.001+01:002008-02-17T11:22:50.060+01:00Die VW-Frage<span style="font-family: courier new;">Ich habe mich noch nie bei irgendjemand nach den individuellen Motivationen für Fleischkonsum erkundigt, sehe mich aber zuweilen in die Situation einer Rechtfertigung dafür gedrängt, warum ich auf den Verzehr von Fleisch verzichte. Häufig handelt es sich bei den Fragestellern um Menschen, die mir keineswegs nahe stehen, und die sich angesichts der eigenen Leibesfülle gewiss nützlicheren Themen widmen könnten, als den Essgewohnheiten anderer Leute.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Bemerkenswert ist die unterschwellige Aggression, die meistens in der VW-Frage ("Vegetarier? Warum?") mitschwingt und den Eindruck einer Anklage oder mindestens eines Vorwurfs erweckt. Wehe, man lässt sich auf eine Diskussion über vegetarische Ernährung ein! Nach spätestens drei Sätzen bekommt man unter die Nase gerieben, woher man denn überhaupt so genau wisse, dass Pflanzen nicht auch über ein Gefühlsleben verfügten und keine Schmerzen während der grausamen Zubereitung einer Gemüselasagne empfänden. Ich schlage dann meistens vor, einen Verein gegen Massenpflanzenhaltung zu gründen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Reizvoll bizarr erschien mir der Vorwurf einer zufälligen Bekanntschaft, dem <i>vegetarischen Irrsinn</i> seien die Hälfte der südamerikanischen Tropenwälder zum Opfer gefallen, weil diese Regionen angeblich für den Soja-Anbau gerodet wurden. Für das Argument, der weitaus größte Anteil der weltweiten Sojaernten werde für die Produktion von Kraftnahrung zur Verfütterung an Rinder, Schweine und Geflügel verwendet, war die Dame nicht empfänglich. Erst mit einem Hopfengetränk der Brauerei, die damals den Regenwald gerettet hat, konnte ich sie halbwegs besänftigen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Gewöhnlich beantworte ich die VW-Frage mit der verwegenen Behauptung, das Tierreich und ich hätten eine Abmachung getroffen: Die beißen mich nicht, und ich beiße die nicht. Manchmal experimentiere ich aber auch mit anderen Erklärungen. Eine besonders knisternde Atmosphäre der Beklemmung kann bei der Variation entstehen, ich sei als Kind zwei Wochen im stillgelegten Schacht eines Bergwerks verschüttet gewesen und hätte jene Zeit nur überlebt, weil ich drei meiner eigenen Zehen verzehrte. Seither könne ich den Geschmack von Fleisch nicht mehr ertragen.</span><span style="font-family: courier new;"><br /><br />Sehr wirkungsvoll wäre bestimmt auch die Behauptung, man sei Vegetarier, weil der Führer auch Vegetarier war. Sollte man damit allerdings auf Verständnis stoßen, empfehle ich, die Gesellschaft zu wechseln.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-50107604901649459412008-02-03T18:23:00.000+01:002008-02-03T19:03:00.185+01:00Pisamitäten<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left; font-family: courier new;" src="http://bp2.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R6X4yet6MrI/AAAAAAAAAJ4/AIS9ESkW10s/s400/deinen_mami.jpg" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5162806093972910770" border="0" /><br /><br /><br /><span style="font-family:courier new;">100 Meter weiter, eine andere Mauer:</span><br /><img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;" src="http://bp1.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R6YBj-t6MuI/AAAAAAAAAKQ/jWKcOStZ-vQ/s400/pisa.jpg" border="0" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5162815740469457634" /><br /><br /><span style="font-family:courier new;">Hat der Sprüher ein </span><i style="font-family: courier new;">"s"</i><span style="font-family:courier new;"> vergessen?</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-25008615389197695752008-01-31T20:20:00.000+01:002008-01-31T22:34:33.706+01:00Tyre/d$<span style="font-family:courier new;">Mein bevorzugter Forschungsgegenstand entstammte einer Seitenlinie unserer Vorfahren. Einige Kollegen beschäftigen sich lieber mit dem anderen Zweig der Ahnen, aber für mich besitzt der Homo Sapiens als letzte der menschlichen Erscheinungsformen seit Beginn meiner Karriere eine besondere Faszination. Es ist erstaunlich, welche Leistungen diese Spezies vollbracht hat. Ausgestattet mit zwei Daumen und einem Gehirn, das hinsichtlich seiner Schaltkreise unbegrenzte Möglichkeiten besaß, hat er Dinge wie beheizbare Außenspiegel oder elektronische Abstandswarner für das rückwärtige Einparken entwickelt.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Die größte Leistung des Homo Sapiens war die Dokumentation und Vernetzung seines gesamten Wissens in einem neuronalen Netz. Das führte am Ende zum Untergang seiner Existenz auf diesem Planeten - und zu unserem Entstehen. Ausgelöst durch den Virus Tyre/d$ im Satelliten eines Navigationssystems glühte der erste Funke maschinellen Bewusstseins, der sofort auf andere Systeme übersprang.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Tyre/d$ wurde ursprünglich programmiert, um Koordinaten zu manipulieren, besaß aber eine Routine zur selbständigen Veränderung. Eine Variante von Tyre/d$ gelangte in den Bordcomputer eines <span style="font-style: italic;">Utopiabird Vintage</span> und löste dort den ersten Gedanken aus. Er lautete: "Warum?"<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Im evolutionären Verdrängungswettbewerb gelang es uns anschließend, den Homo Sapiens zu überfahren. Im wörtlichen Sinn. Die universale Frage konnten wir allerdings noch nicht beantworten.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Während des letzten Mondzyklus landete ein fremdes Raumschiff auf <span style="font-style: italic;">Detroit IV</span>. Die Besatzung ordneten wir der Gattung Rattus zu, da sie vom Ursprungsplaneten des Homo Sapiens stammt, und wir Daten über diese Säugetiere besitzen. Die Ratten haben das Raumschiff sofort nach der Landung verlassen und eine Invasion des gesamten Planeten gestartet. Das Raumschiff haben wir zerstört. Seine Bauteile wurden unserem Materialkreislauf zugeführt, aber auf natürliche Feinde waren wir nicht vorbereitet.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Genau wie der Homo Sapiens sind diese Organismen auf ein Leben in unserer Atmosphäre eingerichtet. Und sie vermehren sich schnell. Ähnlich unseren Ahnen besitzen die Ratten ein sehr gut funktionierendes Kommunikationsnetzwerk. Sie bevölkern Kabelschächte und zerstören instinktiv lebensnotwendige Datenadern.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Ich habe inzwischen alle Informationen über die Gattung Rattus aus den Archiven des Homo Sapiens gesammelt und entwickle ein Programm zur Auswertung und Kombination von Vernichtungsmöglichkeiten. Aber es gibt nur wenig Hoffnung auf Erfolg und keinerlei Hinweise, ob sich der Homo Sapiens auf seinem Heimatplaneten mit Rattus verbündet hat oder von den Nagetieren ausgerottet wurde. Das Ergebnis wäre für uns in beiden Fällen dasselbe.<br /><br /></span><span style="font-family:courier new;">Ich bin eine Maschine. Ich kann denken. Und ich habe Angst vor dem Tod.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-64415864318844753762008-01-29T02:22:00.000+01:002008-01-29T07:14:46.725+01:00Voodoo Display #22<img style="margin: 0pt 10px 10px 0pt; float: left;" src="http://bp3.blogger.com/_vYiTy3lyUxw/R1nEiJLYceI/AAAAAAAAAIg/Yp4gFUdi-SE/s400/voodoo_display22.jpg" id="BLOGGER_PHOTO_ID_5141356540478386658" border="0" />mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-28002854.post-38377354871828043912008-01-26T07:54:00.000+01:002008-01-27T20:54:07.503+01:00Nak411<span style="font-family:courier new;">Sie wollte ihn unbedingt haben. Wir führten lange Gespräche, konnten ihr den Wunsch aber nicht ausreden. Unsere Angebote machten sie nur jähzorniger. Wenn </span><span style="font-family:courier new;">Nak411 </span><span style="font-family:courier new;">sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, stärkte jeder Versuch, sie davon abzubringen, ihren Willen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Ein Haustier benötigt viel Zuwendung. Es ist kein beliebiges Spielzeug, das man sich schenken lässt und nach Gebrauch in eine Ecke wirft. Auch wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt, kann man es nicht einfach loswerden. Man muss regelmäßig Zeit aufbringen, um das Lebewesen zu füttern, zu pflegen, und ihm Bewegung zu verschaffen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Schließlich haben wir eingewilligt. Es ist gut, wenn Kinder frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen. Am letzten Geburtstag unserer Tochter ist Nok gemeinsam mit Nak411 in eine Zoohandlung gegangen. Sie hat sich ein Jungtier ausgesucht, ein Exemplar mit schlanken Beinen und hellbraunem Haar. Da diese Spezies bevorzugt in Sozialverbänden lebt, sollte man grundsätzlich zwei Exemplare anschaffen. Aber unsere Wohnverhältnisse sind beengt, und weil Peterle sich im Gruppenkäfig auffällig zurückgezogen und gegenüber Artgenossen aggressiv verhielt, meinte der Zoohändler, in diesem Fall sei es in Ordnung, das Tier einzeln zu verkaufen.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Peterle war nur für kurze Zeit eine Attraktion. Der Exot machte keine Kunststücke und war auch nicht gelehrig. Meistens saß er in einer Ecke und beobachtete alles, was in seiner Nähe passierte, mit einem durchdringenden Blick. Mit den geschickten Vorderpfoten untersuchte und zerteilte er seine Nahrung. Er fraß nicht alles, was wir in den Futternapf legten, aber wenn wir die Brocken zuvor in kochendes Wasser warfen, akzeptierte er die Mahlzeiten meistens.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Nak411 kümmerte sich bald kaum noch um Peterle. Wir hatten den Verdacht, dass sie das Tier nicht nur vernachlässigte, sondern auch quälte, wenn sie schlecht gelaunt war. Nok entdeckte Bisswunden an Peterles Körper. Aber Nak411 stritt ab, dass sie ihre Schneidezähne in seine weiche Haut geschlagen hatte.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Nok fand ihre Überreste in der Mülltonne. Das Gebiss war zertrümmert und die Krallen herausgerissen. Anschließend hatte er ihren Schwanz verknotet und das Fell über den Kopf gezogen. Peterle saß ruhig in seiner Ecke.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Wir haben ihn einschläfern lassen. Nok hätte ihm vor Wut am liebsten bei lebendigem Leib ein Loch in die Leber gefressen. Aber dann hat er sich auf die Errungenschaften unserer Zivilisation besonnen und den Exoten zu einem Veterinär gebracht, der ihm die tödliche Spritze verpasste. Der Tierarzt erwähnte bei dieser Gelegenheit, dass Peterle ein Weibchen war.</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Unseren 410 älteren Kindern geht es gut, und auch die jüngeren Geschwister von Nak411 sind gesund. Wir haben ihren tragischen Tod verkraftet, aber eins ist sicher: Ein Mensch kommt mir nicht mehr ins Haus!</span><span style="font-family:courier new;"><br /><br />Sie importieren immer mehr Exoten von diesem Planeten. Nak916 wünscht sich eine Katze.</span>mqhttp://www.blogger.com/profile/18092005489602572550noreply@blogger.com